Technisches Gebiet
Die Erfindung betrifft eine Vorspinnmaschine mit zwei parallelen Reihen
von Spinnstellen entlang der Maschine, mit einer Flügelbank, in der Flügel
mit Mittelspindel gelagert sind und mit einer heb- und senkbaren Spulenbank mit
Spulenträgern, und mit einer selbsttätigen Vorrichtung zum Auswechseln
voller Vorgarnspulen gegen leere Vorgarnhülsen, wobei die Spulenwechselvorrichtung
mindestens eine endlose Förderkette mit Haltern für volle Vorgarnspulen
und Haltern für leere Vorgarnhülsen besitzt und sich entlang der Vorspinnmaschine
erstreckt.
Stand der Technik
In der DE 195 02 586 C2
ist eine Vorspinnmaschine mit einer Vorrichtung zum selbsttätigen Auswechseln
voller Vorgarnspulen gegen leere Hülsen offenbart. Sie weist eine Vielzahl
quer zur Maschinenlängsrichtung verlaufender Führungsschienen auf, in
denen kurze Hängewagenzüge in den Flügelbereich verfahrbar sind,
mit Hängehaltern an den Hängewagenzügen, in die volle Vorgarnspulen
oder leere Vorgarnhülsen einhängbar und durch Heben und Senken der Spulenbank
umhängbar sind. Die kurzen Hängewagenzüge bedienen jeweils nur je
eine Spinnstelle in jeder der beiden Reihen einer zweireihigen Vorspinnmaschine.
Diese Vorrichtung ist konstruktiv und maschinenbautechnisch sehr aufwändig.
Die Fahrbewegung muss auf alle einzelnen Hängewagenzüge übertragen
werden. Da die Hängewagenzüge in die Flügel einfahren, sind die Hülsen
durch Mittelspindeln der Spulenträger auf der Spulenbank geführt. Daher
muss beim Umhängen der vollen Spulen und der leeren Hülsen die Spulenbank
um die volle Länge der Mittelspindeln angehoben und abgesenkt werden, um die
Hülsen frei zu geben. Dies verlängert die Doffzeit wesentlich.
Allgemeine Beschreibung der Erfindung
Der Erfindung war daher die Aufgabe gestellt, eine konstruktiv und
maschinenbautechnisch einfachere und beim Wechselvorgang schnellere Vorrichtung
zum Auswechseln von Spulen und Hülsen an einer Vorspinnmaschine vorzuschlagen.
Sie löst diese Aufgabe mit den im Kennzeichen des Hauptanspruches genannten
Merkmalen.
Dadurch, dass die Spulenbank über ihre beim Aufbau der Spulenwicklung
erreichte tiefste Stellung hinaus in eine Wechselstellung abgesenkt wird, ergibt
sich ein Abstand zwischen Unterkante der Flügel und Oberkante der auf den Spulenträgern
der Spulenbank stehenden vollen Spulen, in den die Förderkette mit ihrer Führungsplatte
eingefahren werden kann. Dadurch, dass die Vorgarnhülsen im Betrieb an Mittelspindeln
der Flügel geführt sind, von denen sie bei in die Wechselstellung abgesenkter
Spulenbank frei kommen, genügt eine kurze Hub/Senk-Bewegung derselben, um die
vollen Vorgarnspulen an die Förderkette umzuhängen. Um die an der eingefahrenen
Förderkette hängenden leeren Hülsen auf die Spulenträger aufzusetzen,
genügt ein Verfahren der Förderkette um eine halbe Teilung der Halter
und um eine erneute kurze Hub/Senk-Bewegung der Spulenbank. Dann kann die Förderkette
mit ihrer Führerplatte schon wieder ausgefahren werden.
Die Förderkette ist erfindungsgemäß in einem Spulenwechseltisch
gelagert, der in die Vorspinnmaschine einfahrbar ist. Das Einfahren erfolgt vorzugsweise
von der Rückseite der Maschine her.
Erfindungsgemäß weist die Förderkette je einen, der
Spindelzahl der Vorspinnmaschine entsprechenden Satz Halter für die vollen
Spulen und einen Satz Halter für die leeren Hülsen auf, die abwechselnd
im halben Teilungsabstand der Spindeln der Vorspinnmaschine an der Förderkette
angeordnet sind. Die Förderkette braucht daher nicht länger zu sein als
die beiden aneinander gereihten Reihen der Spindeln der Vorspinnmaschine.
Spezielle Beschreibung der Erfindung
In den Figuren der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der
Erfindung schematisch in mehreren Phasen des Wechselvorganges dargestellt. Es zeigen
1 den Querschnitt durch eine Vorspinnmaschine;
2 die Draufsicht auf eine Vorspinnmaschine in einer
ersten Ausführungsform;
3 die Draufsicht auf eine Vorspinnmaschine ähnlich
der zweiten Ausführungsform;
4 die Draufsicht auf einen Abschnitt der Vorspinnmaschine
der 1;
5 das Ablaufschema des Wechselvorganges an einer Vorspinnmaschine
nach den 1, 2 oder
4;
6 das Ablaufschema des Wechselvorganges an einer Vorspinnmaschine
nach 3;
7 die Ansicht einer Arbeitsstelle mit Überwachungsvorrichtung;
8 die Ansicht einer Arbeitsstelle mit anderer Überwachungsvorrichtung.
Die Erfindung geht aus von einer Vorspinnmaschine 1, deren
wesentliche, für das Verständnis der Erfindung erforderliche Arbeitsorgane
ein rahmenartiges Maschinengestell 2, ein Streckwerk 3, eine ortsfeste
Flügelbank 4 und eine heb- und senkbare Spulenbank 5 sind.
In der Flügelbank 4 sind zwei Reihen von Flügeln 6 drehbar
gelagert, die Antriebsübertragung auf die Flügel ist in der Flügelbank
untergebracht. Die Flügel weisen Mittelspindeln 7 auf.
In der Spulenbank 5 sind zwei Reihen zu den Flügeln
6 fluchtende Spulenträger 8 drehbar gelagert, von denen Vorgarnspulen
9 getragen werden, die Antriebsübertragung auf die Spulenträger
ist in der Spulenbank untergebracht. Die Spulenbank ist durch geläufige, hier
nicht dargestellte Hubglieder zum Aufbau der Wickelkörper 10 auf und
ab bewegbar.
Im hinteren Bereich des Maschinengestells 2 ist ein Spulenwechseltisch
11 angeordnet, der eine Förderkette 12 enthält, an deren
Kettengliedern unten Halter 13 für volle Vorgarnspulen 9
und für leere Vorgarnhülsen 14 angeordnet sind. Die beiden Trume
15, 16 der Förderkette stehen im Abstand der beiden Reihen
von Flügeln 6 und Spulenträgern 8. Die Halter
13 sind im halben Teilungsabstand T/2 der Flügel und Spulenträger
angeordnet. Die Förderkette ist im Spulenwechseltisch 11 durch elektromotorisch
angetriebene, geläufige Reibradantriebe 17 bewegbar. Die Halter
13 an der Förderkette 12 sind mit einer geläufigen selbsttätigen
Kupplung versehen, die beim Hochschieben einer anhängenden Vorgarnhülse
diese frei gibt bzw. eine zugeführte Vorgarnhülse mit dem Halter kuppelt.
Es können jedoch auch andere Hülsengreifer, etwa gabelförmige Halter
zum Einsatz kommen, die pilzförmige Zapfen auf den Hülsen ergreifen.
Der Spulenwechseltisch 11 ist an mehreren, über die
Länge der Vorspinnmaschine verteilten, teleskopierbaren Schienenführungen
18 und Stützschienen 19, 20 nach vorn in den Bereich
der Flügel 6 und der Spulenträger 8 bewegbar. In der
Ausführungsform der 1 erfolgt das Bewegen durch
eine sich über die Länge des Spulenwechseltisches 11 erstreckende
Welle 21, die durch einen Motor 22 angerieben ist und auf der
Ritzel 23 sitzen. Die Ritzel greifen in Zahnschienen 24 auf dem
Spulenwechseltisch ein. Durch vor und zurück Drehen der Welle 21 kann
der Spulenwechseltisch vor und zurück bewegt werden.
Es versteht sich, dass für das Verlagern des Spulenwechseltisches
11 auch andere Einrichtungen vorgesehen sein können. So kann er wie
in 2 dargestellt mittels über seine Länge
verteilter Zylinder/Kolben-Einheiten 25 bewegt werden, die sich hinten
an einem ortsfesten Maschinenteil abstützen und vorn mit dem Spulenwechseltisch
verbunden sind.
Wie in 3 gezeigt kann auch ein Schubhebelsystem
vorgesehen sein, bei dem durch einen Motor 26 über ein Getriebe
27 eine Gewindespindel 28 verschoben wird. Ihre Verlagerung wird
über eine Schub/Zugstange 29 auf Spreizhebel 30 übertragen,
deren einer an einem ortsfesten Maschinenteil, der andere am Spulenwechseltisch
angelenkt sind.
Wie ersichtlich, muss der Bewegungsbereich des Spulenwechseltisches
11 von Stützen frei bleiben, um dessen Bewegung nicht zu behindern.
Um das Streckwerk 3 und die Flügelbank 4 dennoch über
die erhebliche Länge der Vorspinnmaschine zu stützen, sind mehrere, über
die Länge der Vorspinnmaschine verteilte portalartige Brücken
31 vorgesehen, auf die sich diese Bauteile auflagern. An diesen Brücken
sind auch die Schienenführung 18 und die Stützschienen
19, 20 gelagert.
In 3 wird der Wechseltisch nicht schräg
zur Längsrichtung der Vorspinnmaschine 1, sondern senkrecht zu ihr
bewegt. In dieser Ausführungsform weist die Wechselvorrichtung im Spulenwechseltisches
11 zwei Förderketten 15, 16 auf, die durch die Reibradabtriebe
17 beim Spulenwechsel gemeinsam, zur Abnahme der vollen Spulen
9 auch getrennt verfahrbar sind. In dieser Figur ist auch die Einrichtung
32 zum Entnehmen der vollen Spulen von der Transportkette und deren Bestücken
mit leeren Hülsen dargestellt sowie eine Vorrichtung 33 zum Reinigen
leerer Hülsen von Vorgarnresten.
Zum Vorbereiten des Auswechselns voller Vorgarnspulen 9 gegen
leere Vorgarnhülsen 14 werden die Halter 13 für leere
Vorgarnhülsen manuell oder Maschinell mit diesen bestückt. Zum Auswechseln
wird die Spulenbank 5 nach unten bewegt und zwar über ihren normalen
Hubbereich beim Aufbau der Wicklung 10 hinaus so weit, dass die vollen
Vorgarnspulen aus den Spulenspindeln 7 in den Flügeln 6 austreten.
Dadurch ergibt sich ein Abstand zwischen der Oberkante der auf den Spulenträgern
8 stehenden vollen Spulen 9 und den Mittelspindeln 7
der Flügel 6, in die der Spulenwechseltisch 11 eingefahren
werden kann. Er ist dabei an den Stützschienen 19, 20 geführt
und seine Förderkette 12 weist eine Stellung auf, bei der die an ihr
hängend gehaltenen leeren Vorgarnhülsen 14 zwischen die vollen
Vorgarnspulen 9 fahren können.
In der Ausführungsform der 1,
2 und 3 ist der Spulenwechseltisch
11 schräg in Richtung des seitlichen Versatzes der Flügel
6 in den beiden Flügelreihen in die Vorspinnmaschine einfahrbar. In
5 ist der Weg einer leeren Hülse 14 und
einer vollen Spule 9 in Bezug auf eine Arbeitsstelle der vorderen Spulenreihe
dargestellt. Die Darstellung ist für die vordere Spulenreihe
wiedergegeben, da bei ihr der Weg der leeren Hülsen und der vollen Spulen durch
die in der hinteren Spulenreihe stehenden Spulen und Hülsen beachtet werden
muss. Der synchron ablaufende Wechsel an der hinteren Flügelreihe ist unproblematisch.
Die mit leeren Vorgarnhülsen 14 bestückten Halter
13 bewegen sich der in der in 5 gestrichelt
gezeichneten Bahn I zwischen den vollen Spulen 9 der hinteren Flügelreihe
hindurch, die unbestückten Halter für die vollen Spulen 9 können
sich in der strichpunktiert gezeichneten Bahn I über die abgesenkten vollen
Spulen der hinteren Flügelreihe hinweg bewegen. Der Spulenwechseltisch
11 fährt so weit in den Flügel/Spulenbereich ein, bis die (leeren)
Halter 13 der Förderkette 12 mit den auf den Spulenträgern
8 stehenden vollen Vorgarnspulen 9 fluchten. Dann wird die Spulenbank
5 angehoben, bis sich diese Vorgarnspulen in die Halter 13 einklinken
und dann wieder abgesenkt.
Dann wird die Förderkette 12 im Bewegungsweg &Pgr;
um eine halbe Spindelteilung T/2 verfahren, wodurch die leeren Vorgarnhülsen
14 über den Spulenträgern 8 zu stehen kommen. Durch
erneutes Heben und Senken der Spulenbank 5 werden diese aus ihren Haltern
13 ausgeklinkt und auf die Spulenträger aufgesetzt. Nun wird der Spulenwechseltisch
11 wieder zurück gefahren, wobei die an den Haltern 13 hängenden
vollen Spulen auf ihrer Bahn III durch die nur mehr mit leeren Hülsen bestückten
Spindeln der hinteren Flügelreihe nicht behindert werden.
Anschließend wird die Spulenbank 5 in die Stellung angehoben,
in der die erneute Bewicklung der aufgesteckten leeren Vorgarnhülsen
14 beginnen kann. Der Wechselvorgang ist damit abgeschlossen. Die vollen
Vorgarnspulen 9 können von der Förderkette 12 abgenommen
werden, wobei diese an einer Abnahmestelle vorbei bewegt wird.
In der Ausführungsform der 3 wird
der Spulenwechseltisch 11 geradlinig in die Vorspinnmaschine bewegt. Der
gestrichelte, dabei von den leeren Hülsen 14 und der strichpunktierte,
von den vollen Spulen 9 verfolgte Weg ist in 6
wiedergegeben und mit den Ziffern I bis V bezeichnet.
Der Wechselvorgang kann nur dann hindernisfrei ablaufen, wenn alle
vollen Spulen 9 von den Spulenträgern 8 abgezogen und alle
leeren Hülsen 14 von den Haltern 13 der Förderkette
12 abgenommen sind – andernfalls stoßen sie beim Ausfahren
des Wechseltisches 11 an die in der hinteren Flügelreihe aufgesteckten
leeren Hülsen.
Um dies sicher zu stellen, ist vorgesehen, die Halter 13
für volle Spulen 9 und die Halter für leere Hülsen
14 in unterschiedlicher Höhe anzuordnen. Je nachdem, ob die volle
Spule 9 höher oder tiefer sitzt als die leere Hülse, ergeben
sich unterschiedliche Anordnungen und Abläufe.
In beiden Fällen ist dicht über den beiden Reihen der Spulenträger
8 je eine über die Länge der Vorspinnmaschine verlaufende Lichtschranke
34 vorgesehen, die unterbrochen bleibt, wenn zumindest eine der vollen
Spulen nicht von ihrem Spulenträger abgezogen ist. In diesem Fall wird der
Wechselvorgang gestoppt und die Bedienperson herbei gerufen, um den Fehler zu beheben.
Wenn, wie in 7 dargestellt, die leere
Hülse 14 tiefer hängt als die volle Spule 9, kann neben
dem Fuß der leeren Hülse eine Lichtschranke 35 angeordnet sein,
die beim Herausfahren des Wechseltisches 11 durch eine nicht an ihren Spulenträger
8 abgegebene leere Hülse 14 unterbrochen wird. Auch dies
führt zum Stopp des Wechselvorganges.
Wenn dagegen wie in 8 dargestellt, die
leere Hülse 14 höher sitzt als die vollen Spule 9, muss
eine Lichtschranke 36 im oberen Bereich der leeren Hülse neben deren
Halter 13 angebracht sein, die durch eine nicht an ihren Spulenträger
abgegebene leere Hülse unterbrochen wird.
Der Gegenstand der vorliegenden Erfindung ergibt sich nicht nur aus
dem Gegenstand der einzelnen Patentansprüche, sondern auch aus der Kombination
der einzelnen Patentansprüche untereinander.
Alle in den Unterlagen offenbarten Angaben und Merkmale, insbesondere
die in den Zeichnungen dargestellte räumliche Ausbildung, werden als erfindungswesentlich
beansprucht, soweit sie einzeln oder in Kombination gegenüber dem Stand der
Technik neu sind.
- 1
- Vorspinnmaschine
- 2
- Maschinengestell
- 3
- Streckwerk
- 4
- Flügelbank
- 5
- Spulenbank
- 6
- Flügel
- 7
- Mittelspindeln der Flügel 6
- 8
- Spulenträger
- 9
- Vorgarnspulen
- 10
- Wickelkörper
- 11
- Spulenwechseltisch
- 12
- Förderkette
- 13
- Halter
- 14
- Vorgarnhülsen
- 15, 16
- Trume der Förderkette
- 17
- Reibradantrieb
- 18
- Schienenführung
- 19, 20
- Stützschienen
- 21
- Welle
- 22
- Motor
- 23
- Ritzel
- 24
- Zahnschienen
- 25
- Zylinder/Kolben-Einheiten
- 26
- Motor
- 27
- Getriebe
- 28
- Gewindespindel
- 29
- Schub/Zugstange
- 30
- Spreizhebel
- 31
- Brücken
- 32
- Entnahme/Bestückungs-Vorrichtung
- 33
- Hülsenreinigungsvorrichtung
- 34, 35, 36
- Lichtschranken