Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Darstellung des
Herzens in einer Magnetresonanzanlage mittels magnetischer Kernresonanz sowie eine
Magnetresonanzanlage hierfür.
Koronare Herzkrankheiten sind die häufigste Todesursache in den
industrialisierten Ländern, so dass die Diagnostik von Herzkrankheiten eine
bedeutende Rolle spielt. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine genaue Darstellung
der Anatomie und der Funktion des Herzens zu erhalten. Beispielsweise müssen
mit der Herzbildgebung unter anderem Fragestellungen wie „Weisen die Koronararterien
Stenosen auf?", „Reicht die Perfusion des Herzens in Ruhe und unter Belastung
zur Versorgung des Myocards aus?", „Wie stark nimmt die Wanddicke in der
Systole zu?" (so genannte Funktionsreserve), oder „Wie verhalt es sich mit
der Vitalität des Herzmuskels beispielsweise nach einem Infarkt?" beantwortet
werden. Zur Beantwortung derartiger Fragen stehen unter anderem die Koronarangiographie,
Nuklearmedizin, Computertomographie sowie Magnetresonanztomographie zur Verfügung.
Durch Entwicklung neuer Bildgebungssequenzen ist es in der Magnetresonanztomographie
möglich geworden, in der nötigen zeitlichen Auflösung Bilder des
Herzens aufzunehmen.
Bei Untersuchungen des Herzens mithilfe von Magnetresonanzanlagen
kann die Bildebene neben koronaren, sagitalen oder transversalen Schnittebenen frei
gewählt werden. Für diagnostisch aussagekräftige Aufnahmen des Herzens
sind jedoch Bilder notwendig, die entlang der Koordinatenachsen des Herzens aufgenommen
wurden, das heißt entlang der langen Achse des Herzens und entlang der kurzen
Achse des Herzens. Die Lokalisierung der Hauptorientierung des Herzens in der MR-Bildgebung
ist langwierig und erfordert medizinisch geschultes Personal. Aus diesem Grund kann
eine derartige Untersuchung nur durch geschultes medizinisches Personal durchgeführt
werden. Die Hemmschwelle insbesondere von Bedienpersonal, die keine Mediziner sind,
Herzuntersuchungen durchzuführen, ist daher sehr groß. Weiterhin sind
Herzuntersuchungen sehr aufwändig, da verschiedene Schritte notwendig sind,
um die idealen Bildebenen zu finden.
In 2 sind beispielhaft die Schritte dargestellt,
die durchgeführt werden müssen, bis MR-Bilder entlang der Koordinatenachsen
des Herzens erzeugt werden können. Im Stand der Technik wird das Herz zumeist
in vier Schritten lokalisiert, wobei jeder Schritt auf dem im vorhergehenden Schritt
aufgezeichneten Bild aufsetzt. Zuerst werden üblicherweise Übersichtsbilder
21, 22 und 23 aufgenommen, ein Übersichtsbild im
transversalen Schnitt 21, ein Übersichtsbild im koronaren Schnitt
22 und ein Übersichtsbild im sagitalen Schnitt 23. Auf dem
transversalen Schnitt kann dann anschließend durch den linken Ventrikel die
Bildebene der langen Herzachse parallel zum Septum geplant werden, wie es in Bild
24 dargestellt ist. Bei der in Bild 24 geplanten Bildebene ergibt
sich ein Bild des Herzens wie in Bild 25 dargestellt. In diesem Bild
25 können anschließend die horizontal lange Achse durch die Herzspitze
und die Mitte der Mitralklappe geplant werden. Mit der in Bild 25 geplanten
Bildebene ergibt sich das Bild 26, auf dem dann üblicherweise 6-10
Bildebenen entlang der kurzen Achse parallel zu den Klappen und senkrecht zur Herzscheidewand
(Septum) geplant werden. Danach müssen auf diesen Bildern die drei Bildebenen
entlang der langen Achse (der so genannte Zweikammerblick, der Dreikammerblick und
der Vierkammerblick) geplant werden. Auf diesen Bildern der langen Achse müssen
daraufhin Bilder mit der Bildebene entlang bestimmter, zur langen Achse orthogonaler,
Achsen (kurze Achsen genannt) geplant werden.
Wie sich aus obiger Beschreibung ergibt, ist die Lokalisierung des
Herzens zeitaufwändig und erfordert medizinisch geschultes Bedienpersonal.
Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Verfahren
zur Darstellung des Herzens mittels der Magnetresonanztomographie bereit zu stellen,
das von weniger geschultem Personal durchgeführt werden kann, und zeitlich
weniger aufwändig und damit kostengünstiger ist.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche
gelöst. In den abhängigen Ansprüchen der Erfindung sind bevorzugte
Ausführungsformen der Erfindung beschrieben.
Gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren
zur Darstellung des Herzens in einer Magnetresonanzanlage bereitgestellt, wobei
in einem ersten Schritt zumindest ein MR-Übersichtsbild des Herzens aufgenommen
wird, wobei für dieses Übersichtsbild eine Bildebene mit einer vorbestimmten
Lage relativ zur Magnetresonanzanlage gewählt wird. Mit dieser einen vorbestimmten
Bildebene wird anschließend ein MR-Übersichtsbild aufgenommen, wobei dieses
MR-Übersichtsbild anschließend auf der MR-Anlage für die Bedienperson
dargestellt wird. Auf dem dargestellten Übersichtsbild, das in einer vorbestimmten
Lage aufgenommen wurde, können dann mehrere Markierungspunkte festgelegt werden.
Nachdem die Markierungspunkte festgelegt wurden, werden automatisch weitere Bildebenen
zur Darstellung des Herzens mithilfe von einigen der festgelegten Markierungspunkten
berechnet. Anschließend werden in den berechneten Bildebenen weitere MR-Bilder
des Herzens aufgenommen. Das Verfahren gemäß der vorliegenden Erfindung
hat den Vorteil, dass nicht mehr, wie in Zusammenhang mit
2 beschrieben, mehrere Übersichtsbilder in verschiedenen
Lagen aufgenommen werden müssen. Es ist nur noch notwendig, eine erste Übersichtsaufnahme
in einer bestimmten festgelegten Lage aufzunehmen. Studien haben ergeben, dass es
eine bestimmte Orientierung der Bildebene relativ zum Patienten gibt, in der MR-Bilder
des Herzens erzeugt werden können, die dann anschließend durch Festlegung
von einigen Markierungspunkten verwendet werden können, um automatisch die
anderen Bildebenen zu bestimmen. Die Herzorientierung und -Position schwankt zwar
von Patient zu Patient, jedoch so wenig, dass dieselbe Schichtorientierung patientenunabhängig
gewählt werden kann.
Erfindungsgemäß ist diese vorbestimmte Lage der Bildebene
für alle untersuchten Personen gleich, es ist der Pseudo-Kurzachsenschnitt
des Herzens. Es wird ein Schichtstapel in dieser Orientierung gemessen, auf dem
der rechte und der linke Ventrikel sowie beide Vorhöfe und die großen
Gefäße des Herzens zu erkennen sind.
Vorzugsweise kann diese vorbestimmte Bildebene erreicht werden, indem
ein bestimmter Bereich des Körpers in das Zentrum des Magneten der Magnetresonanzanlage
gefahren wird. Nach einer genauen Positionierung der Untersuchungsperson im Zentrum
des Magneten wird dann mit einem vorbestimmten Winkel und in einer vorbestimmten
Position relativ zu diesem Magnetzentrum die Bildeben automatisch festgelegt. Die
Lage dieser Bildebene kann beispielsweise in der Magnetresonanzanlage voreingestellt
gespeichert sein, so dass die Bedienperson nur noch diese Lage der Bildebene aufrufen
muss, um das Übersichtsbild zu erstellen. Selbstverständlich ist es weiterhin
möglich, wie üblich zusätzlich transversale, koronare und sagitale
Übersichtsbilder des Körpers zu erstellen, falls diese während der
weiteren Untersuchung benötigt werden. Diese transversalen, sagitalen oder
koronaren Übersichtsbilder sind jedoch nicht mehr unbedingt notwendig.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung
werden dann auf dem MR-Bild, das in der Bildebene des Pseudo-Kurzachsenschnitts
aufgenommen wurde, Markierungspunkte festgelegt. Beispielsweise können einige
oder alle der folgenden Punkte auf den Bildern markiert werden: die Herzbasis des
linken Ventrikels, die Herzspitze, die Herzbasis des rechten Ventrikels, der linke
Vorhof und/oder die Aorta, sowie Punkte auf der Intersektion von rechtem Ventrikel
und linkem Ventrikel. Aus diesen Markierungspunkten können dann automatisch
die Bildebenen der langen Herzachsen berechnet werden. Beispielsweise kann mit den
Markierungspunkten Herzbasis linker Ventrikel, Herzspitze die Position der Bildebene
für den Zweikammerblick bestimmt werden und aus der Verbindungslinie der Intersektionspunkte
von rechtem Ventrikel und linkem Ventrikel deren Orientierung bestimmt werden. Vorzugsweise
wird jedoch die Orientierung des Zweikammerblicks orthogonal zu einem Vektor gewählt,
der durch Mittelung aus zwei Verbindungsvektoren A und B entsteht, mit A = Linker
Ventrikel zu Herzbasis rechter Ventrikel und B = Linker Ventrikel zu Aorta. Auf
dem Zweikammerblick sind der linke Ventrikel und der linke Vorhof angeschnitten
dargestellt.
Weiterhin ist es möglich, mithilfe der Markierungspunkte Aorta,
Herzspitze und linker Vorhof die Bildebene für den Dreikammerblick bestimmen.
Mithilfe der Markierungspunkte Herzbasis linker Ventrikel, Herzspitze, Herzbasis
rechter Ventrikel kann beispielsweise die Bildebene für den Vierkammerblick
(rechter und linker Ventrikel, rechter und linker Vorhof) bestimmt werden.
Auf den berechneten Bildebenen der langen Achsen können dann
automatisch Bildebenen für Bilder der kurzen Herzachse berechnet werden, wobei
diese Bildebenen im Wesentlichen senkrecht zu den langen Achsen liegen von der Herzbasis
bis zur Herzspitze.
Die oben beschriebenen Markierungspunkte können weiterhin für
eine Segmentierung des Herzmuskels zur quantitativen Analyse der Funktion des linken
Ventrikels verwendet werden. Ebenso ist es möglich, durch Bestimmung von zwei
weiteren Punkten (Intersektion von rechtem Ventrikel an linkem Ventrikel) ein Herzmodell
zu erstellen.
Vorzugsweise können die Markierungspunkte auch dazu verwendet
werden, automatische Segmentierungsalgorithmen zu verbessern. In vielen Anwendungen
wird beispielsweise das Myocard segmentiert. Wenn nun die Lage einiger dieser Markierungspunkte
bekannt ist, kann ein Segmentierungsalgorithmus verbessert werden, wenn einige dieser
markierten anatomischen Punkte festliegen. Andererseits ist es auch möglich,
auf den Bildern des Pseudokurzachsenschnittes automatische Segmentierungsalgorithmen
durchzuführen und dann aufgrund der Ergebnisse der automatischen Segmentierung,
Markierungen als Startwerte für die einzelnen Markierungspunkte zu berechnen
und anzuzeigen, wodurch die endgültige Festlegung der Markierungspunkte für
die Bedienperson vereinfacht wird.
Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die beiliegenden
Zeichnungen näher erläutert. Hierbei zeigt 1
schematisch den Aufbau einer Magnetresonanzanlage gemäß der Erfindung,
2 die verschiedenen Schritte zur Herzbildgebung nach
dem Stand der Technik,.
3 ein Flussdiagramm mit den Schritten zur erfindungsgemäßen
Darstellung des Herzens,
4 beispielhaft Bilder im Pseudo-Kurzachsenschnitt,
5 beispielhaft die Markierung der Markierungspunkte
zur Berechnung der weiteren Bildebenen, und
6 die verschiedenen Herzbilder entlang der langen Achse,
die mit den unterschiedlichen Markierungspunkten berechnet wurden.
1 zeigt schematisch eine Magnetresonanzanlage. Der
grundsätzliche Aufbau und das Zusammenwirken der verschiedenen Komponenten
einer Magnetresonanzanlage, wie beispielsweise Grundfeldmagnet, Gradientenspulen,
HF-Einstrahlung mit Hochfrequenzantenne, Empfangsantenne etc., sind dem Fachmann
bekannt und werden hier nicht weiter beschrieben, da sie für das Verständnis
der Erfindung nicht von Bedeutung sind. Es werden nur die Komponenten beschrieben,
die für das Verständnis der Erfindung notwendig sind. Die in
1 gezeigte schematische Magnetresonanzanlage weist
eine Bildaufnahmeeinheit 11 auf zur Aufnahme der MR-Bilder, hier insbesondere
des Übersichtsbildes. Selbstverständlich werden mit der Bildaufnahmeeinheit
11 auch die anderen MR-Bilder aufgenommen. Weiterhin ist eine Speichereinheit
12 vorgesehen, in der zumindest die vorbestimmte Lage und Position der
Bildebene relativ zur Mitte des Magneten der Resonanzanlage gespeichert ist. Die
mit der Bildaufnahmeeinheit 11 aufgenommenen MR-Bilder werden auf einer
Anzeigeeinheit 13 dargestellt. Weiterhin ist eine Eingabeeinheit
14 vorgesehen, mit der die Bedienperson verschiedene Markierungspunkte
auf den dargestellten MR-Bildern bestimmen kann. Weiterhin ist eine Bildebenenberechnungseinheit
15 vorgesehen, die aus den durch die Bedienperson markierten Markierungspunkten
weitere Bildebenen zur Aufnahme von MR-Bildern des Herzens berechnet.
In 3 sind in einem Flussdiagramm die
Teilschritte dargestellt, die notwendig sind, um gemäß der Erfindung MR-Bilder
des Herzens zu erzeugen. In einem ersten Schritt 31 wird die untersuchte
Person genau im Magneten zentriert, wobei die Untersuchungsperson so im Magneten
angeordnet wird, dass das Herz im Zentrum das Magneten liegt. Dazu wird das untere
Ende des Sternums in der Magnetmitte positioniert. Wenn die Bildebene für das
Übersichtsbild relativ zum Magneten festgelegt ist, muss berücksichtigt
werden, dass dies nur für eine Lagerung der Untersuchungsperson im Magneten
gilt. Üblicherweise wird die Untersuchungsperson bei Herzaufnahmen mit dem
Kopf zuerst auf dem Rücken liegend im Magneten platziert. Sollte die untersuchte
Person zuerst mit den Füßen in den Magneten gefahren werden, so muss selbstverständlich
die vorbestimmte Lage entsprechend geändert werden. Anschließend wird
in einem Schritt 32 mithilfe der im Speicher 12 gespeicherten
Bildebene ein Übersichtsbild aufgenommen, wobei das Übersichtsbild ein
so genannter Pseudo-Kurzachsenschnitt ist. Dieses im Pseudo-Kurzachsenschnitt aufgenommene
MR-Bild bzw. die im Pseudo-Kurzachsenschnitt aufgenommenen MR-Bilder werden in Schritt
33 auf der Anzeigeeinheit 13 dargestellt. Die Bedienperson der
Magnetresonanzanlage kann dann in Schritt 34, wie in Zusammenhang mit
5 beschrieben wird, mehrere bestimmte anatomische Stellen
in den Bildern markieren. Wie in 5 in Bild
51 dargestellt, kann beispielsweise in dem Pseudo-Kurzachsenübersichtsbild
die Wurzel der Aorta a und der linke Vorhof b markiert werden. Ebenso können
wie im Bild 52 dargestellt, die Basis des rechten Ventrikels c und die
Basis des linken Ventrikels d markiert werden. Wie in Bild 55 gezeigt,
kann ebenso die Herzspitze e markiert werden. Aus diesen markierten Punkten a-e
können dann die verschiedenen Lagen der langen Achse berechnet werden, wie
es in 6 dargestellt ist. So kann, beispielsweise in
Bild 61 dargestellt, mit den Markierungspunkten d, e und c, das heißt
Basis linker Ventrikel, Herzspitze und Basis rechter Ventrikel die Bildebene des
Vierkammerblicks wie in Bild 61 gezeigt berechnet werden. Mit den Markierungspunkten
Basis linker Ventrikel d) und Herzspitze e) kann, wie in Bild 62 dargestellt,
die Position und mit den Intersektionspunkten f) und g) die Orientierung des Zweikammerblicks
berechnet werden. Mithilfe der Markierungspunkte Aortenwurzel a), Herzspitze e)
und linker Vorhof b) kann die Bildebene für den Dreikammerblick berechnet werden,
der in Bild 63 dargestellt ist. Wieder Bezug nehmend auf 3
ist die Berechnung der weiteren Bildebenen in Schritt 35 dargestellt. Wenn
die weiteren Bildebenen mit den Markierungspunkten a-e berechnet wurden, werden
anschließend automatisch im Schritt 36 in diesen Bildebenen aufgenommen.
Nachdem die Bildebenen für die langen Achsen berechnet wurden, die zu den Bildern
61-63 führen, (können nicht gezeigte) Bildebenen für
die kurzen Achsen senkrecht zu den langen Achsen von der Herzbasis bis zur Herzspitze
berechnet werden.
In einer weiteren Ausführungsform kann beispielsweise wie in
Bild 53 gezeigt die Schnittpunkte vom rechten Ventrikel, vom linken Ventrikel
f und g markiert werden. Mit diesen weiteren Punkten ist schließlich eine Erstellung
eines Herzmodells möglich.
Zusammenfassend ermöglicht die vorliegende Erfindung eine einfachere
und schnellere Lokalisierung des Herzens, wobei die langen und kurzen Herzachsen
nach Eingabe einfach zu findender anatomischer Markierungen automatisch aufgefunden
werden. Durch diese automatische Berechnung der Bildebenen kann eine Herzuntersuchung
mittels Magnetresonanztomographie auch von nur wenig geschultem Person durchgeführt
werden. Weiterhin ergibt sich eine deutliche Zeitersparnis gegenüber
dem bisher verwendeten Verfahren, wie es in 2 beschrieben
wurde. Mit dem oben beschriebenen Verfahren kann die Herzbildgebung mittels magnetischer
Kernresonanz in die klinische Routine eingebracht werden.