Die vorliegende Erfindung betrifft Kautschukzusammensetzungen und
insbesondere Zusammensetzungen, die hauptsächlich aus einem Fluorkautschuk
und einem Acrylkautschuk bestehen und einen ausgezeichneten Druckverformungsrest
und eine ausgezeichnete Verarbeitbarkeit aufweisen, und Produkte, die aus der Zusammensetzung
geformt werden.
TECHNISCHER HINTERGRUND
Acrylkautschuke haben eine höhere Wärmebeständigkeit
und Ölbeständigkeit als übliche Allzweckkautschuke und sind für
verschiedene Arten von gewerblichen Dichtungsmaterialien im Einsatz. Diese Kautschuke
sind aber bezüglich Druckverformungsrest und Wärmebeständigkeit bei
Temperaturen von nicht weniger als 170°C nicht vollständig zufriedenstellend
und für Dichtungsmaterialien bei solchen Temperaturen nicht brauchbar.
Andererseits weisen Fluorkautschuke eine ausgezeichnete Wärmebeständigkeit,
einen ausgezeichneten Druckverformungsrest, eine ausgezeichnete Ölbeständigkeit
und Beständigkeit gegen Chemikalien auf und sind auf dem Gebiet der Industriematerialien
und auf anderen Gebieten brauchbar. Nichtsdestotrotz erscheint es unwahrscheinlich,
dass diese Kautschuke trotz ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften in merklich
erhöhten Mengen verwendet werden, da die Wirtschaftlichkeit für den vorwiegenden
Einsatz in diesen Gebieten nicht vernachlässigbar ist. Überdies weisen
Fluorkautschuke den Nachteil auf, dass sie bei Anwesenheit von Additiven, die in
Motorölen enthalten sind, merklich zersetzt werden.
Untersuchungen wurden durchgeführt, um Materialien zu entwickeln,
die sowohl Eigenschaften von Acrylkautschuken als auch von Fluorkautschuken aufweisen,
indem ein herkömmlicher Acrylkautschuk mit einem herkömmlichen Fluorkautschuk
gemischt wird und die Mischung zur Formung unter Einsatz von Vulkanisationsmitteln
für einen oder für beide Kautschuke vulkanisiert wird (JP-A-40558/1977,
JP-A-146752/1978, JP-A-101847/1979, JP-A-154446/1979, JP-A-156052/1979, JP-A-23128/1980,
JP-A-63740/1983), obwohl das Verfahren keine vollständige Vulkanisation von
einem oder beiden Kautschuken ergab, was zu Produkten mit nicht zufriedenstellenden
physikalischen Eigenschaften, wie mechanischer Festigkeit und Druckverformungsrest,
Wärmebeständigkeit und anderen Eigenschaften, führte. Obwohl Untersuchungen
auch an Mischungen von Acrylkautschuken und Vinylidenfluorid-Harzen erfolgten (JP-A-39336/1988,
JP-A-20341/1988, JP-A-19486/1988, JP-A-8447/1988, JP-A-236841/1987, JP-A-152133/1989
und JP-A-152016/1989), waren die Produkte immer noch bezüglich Druckverformungsrest
verbesserungsfähig, da Vinylidenfluorid-Harze nicht vulkanisiert werden können
und kristallin sind.
Um diese Nachteile zu überwinden, wurde vorgeschlagen, einen
Fluorkautschuk mit einem Acrylkautschuk, der absichtlich teilweise mit einem polyfunktionellen
Monomer mit mindestens zwei, bevorzugt drei funktionellen Gruppen vernetzt ist,
zu mischen und die Mischung mit einem Vulkanisationsmittel für den Fluorkautschuk
zu vulkanisieren und zu formen (JP-A-41379/1994, JP-A-287154/1993 und JP-A-287156/1993),
aber die offenbarten Techniken sind nur für Zusammensetzungen wirksam, die
eine große Menge an Fluorkautschuk umfassen, und für Zusammensetzungen,
die eine große Menge an Acrylkautschuk enthalten, d.h. eine große Menge
an teilweise vernetzter Komponente, aufgrund der beeinträchtigten Verarbeitbarkeit,
wie eines geringeren Fließvermögens, in der Praxis nicht brauchbar.
Andererseits ist vorgeschlagen worden, ein Copolymer aus einem Acrylkautschuk
und Dihydrodicyclopentadienyloxyethylacrylat oder Dihydrodicyclopentenylacrylat,
die sich in der Reaktivität stark unterscheiden, herzustellen und den Acrylkautschuk
und einen Fluorkautschuk mit einem Peroxid unter Verwendung der in dem Polymer verbleibenden
Dihydrodicyclopentenyl-Gruppe gemeinsam zu vernetzen (JP-A-64143/1990). Dieses Verfahren
erfordert den Einsatz von zwei Arten von Hilfsvernetzungsmitteln, da man bei der
Durchführung der Vernetzung mit einem Hilfsvernetzungsmittel, das sowohl für
Acrylkautschuk als auch für Fluorkautschuk brauchbar ist, Schwierigkeiten begegnet.
Es ist in diesem Fall schwierig, beide Kautschuke vollständig zu vernetzen,
weswegen die Bereitstellung eines Materials von zufriedenstellendem Druckverformungsrest
misslingt, obwohl das Material in der Verarbeitbarkeit akzeptabel ist.
Weiter wird eine Kautschukzusammensetzung vorgeschlagen, die eine
Kautschukmischung von einem Fluorkautschuk mit einer reaktiven Bromgruppe und/oder
einer Jodgruppe im Molekül und einen Acrylkautschuk enthaltend darin copolymerisiertes
Allylacrylat und ein organisches Peroxid und einen Trialkenyltrimellitsäureester,
der mit der Mischung gemischt ist, umfasst (JP-A-245046/1990). Die Zusammensetzung
enthält soviel wie 4,8 Gew.-% Allylacrylat-Copolymer und ist im wesentlichen
nicht verarbeitbar.
Dementsprechend ist keine der Zusammensetzungen, die eine große
Menge an Acrylkautschuk enthält und bislang zur Verfügung stand, in allen
Eigenschaften von Druckverformungsrest, Wärmebeständigkeit und Verarbeitbarkeit
zufriedenstellend.
Ein Ziel der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung einer Kautschukzusammensetzung
mit einer guten Verarbeitbarkeit zur Erzielung von Formkörpern, die bezüglich
Druckverformungsrest, physikalischer Eigenschaften, wie mechanischer Festigkeit
und Wärmebeständigkeit, ausgezeichnet sind, und von Formkörpern,
die aus der Zusammensetzung hergestellt werden.
Die vorliegende Erfindung stellt eine Kautschukzusammensetzung mit
niedrigem Druckverformungsrest wie in Anspruch 1 beansprucht, umfassend 100 Gew.-Teile
einer Kautschukmischung, 0,1 bis 15 Gew.-Teile eines Peroxid-Vernetzungsmittels
und 0,1 bis 10 Gew.-Teile eines damit gemischten Hilfsvernetzungsmittels, wobei
die Kautschukmischung 5 bis 55 Gew.-% eines Iod enthaltenden, Peroxid-vernetzbaren
Fluorkautschuks enthaltend darin copolymerisiertes Vinylidenfluorid in einem Anteil
von 45 bis 75 Mol-% und mit einem Zahlenmittel des Molekulargewichts von 20.000
bis 200.000 und 95 bis 45 Gew.-% eines Acrylkautschuks enthaltend 0,1 bis 1,5 Gew.-%
eines darin copolymerisierten bifunktionellen Monomers ausgewählt aus Allylacrylat
und Allylmethacrylat und hergestellt aus einer Kombination bestehend aus dem bifunktionellen
Monomer und einem (Meth)acrylsäureester-Monomer mit der Formel CH2=C(R1)COOR2,
worin R1 Wasserstoff oder Methyl ist und R2 Alkyl oder Alkoxy-substituiertes
Alkyl mit 1 bis 8 Kohlenstoffatomen ist, umfasst, und Formkörper, die aus der
Zusammensetzung hergestellt werden, bereit.
Gemäß der Erfindung sind Beispiele von Peroxid-vernetzbaren
Fluorkautschuken Vinylidenfluorid-Copolymere, wie Vinylidenfluorid/Hexafluorpropylen-,
Vinylidenfluorid/Tetrafluorethylen/Hexafluorpropylen-, Vinylidenfluorid/Chlortrifluorethylen-
und Vinylidenfluorid/Tetrafluorethylen/Fluor(alkylvinylether)-Copolymere. Bevorzugt
unter diesen sind Vinylidenfluorid/Hexafluorpropylen- und Vinylidenfluorid/Tetrafluorethylen/Hexafluorpropylen-Copolymere.
Der Fluor(alkylvinylether) kann eine Vielzahl von Etherverknüpfungen enthalten.
Diese Fluorkautschuke haben ein Molekulargewicht, das heißt ein Zahlenmittel
des Molekulargewichtes, von 20.000 bis 200.000, vorzugsweise 20.000 bis 100.000
und bevorzugter 20.000 bis 70.000. Wenn sie allein verwendet werden sollen, haben
die Fluorkautschuke allgemein ein Molekulargewicht von über 200.000, um zufriedenstellende
Eigenschaften zu zeigen. Im Gegensatz dazu ergibt der Fluorkautschuk, der zur Verwendung
in der Erfindung mit dem Acrylkautschuk compoundiert werden soll, keine zufriedenstellende
Verarbeitbarkeit, wenn sein Molekulargewicht 200.000 übersteigt, während
vollständig annehmbare Eigenschaften nach der Vulkanisierung nicht erhältlich
sind, wenn das Molekulargewicht kleiner als 20.000 ist. Der Ausdruck Verarbeitbarkeit
bedeutet die Viskosität des Polymers bei hohen Temperaturen, das Vulkanisierverhalten
und die Eignung für das Walzverfahren. Der Anteil von copolymerisiertem Vinylidenfluorid
in dem Fluorkautschuk beträgt 45 bis 75 Mol%, vorzugsweise 55 bis 65 Mol%.
Wenn sie allein verwendet werden, haben Fluorkautschuke in der Regel
bei einer Erhöhung des Anteils an copolymerisiertem Vinylidenfluorid eine verringerte
Glasübergangstemperatur. Fluorkautschuke neigen auch dazu, bei einer Erhöhung
dieses Anteils eine höhere Kompatibilität mit Acrylkautschuken zu zeigen.
Der Fluorkautschuk besitzt eine geringe Kompatibilität mit Acrylkautschuken
und es ergeben sich Schwierigkeiten, ein höheres Dispergiervermögen mit
Polymeren zu ergeben, wenn der Anteil von copolymerisiertem Vinylidenfluorid weniger
als 45 Mol% ist.
Die bevorzugten Beispiele von Iod enthaltenden Fluorkautschuken beinhalten
einen leicht härtbaren Fluorkautschuk (siehe JP-A-125491/1978), der erhalten
wird durch Polymerisieren von Vinylidenfluorid (VdF) und mindestens einem Monomer,
welches eine fluorhaltige, ethylenisch ungesättigte Verbindung mit 2 bis 8
Kohlenstoffatomen (und wenn erforderlich eine fluorfreie ethylenisch ungesättigte
Verbindung mit 2 bis 4 Kohlenstoffatomen) umfasst, in Gegenwart eines Radikalbildners
und einer Iodverbindung, die durch die Formel RIx dargestellt ist (in
der R eine gesättigte oder ungesättigte Fluorkohlenwasserstoffgruppe mit
1 bis 16 Kohlenstoffatomen, eine Chlorfluorkohlenwasserstoffgruppe oder Kohlenwasserstoffgruppe
mit 1 bis 3 Kohlenstoffatomen ist und x, welches die Anzahl der Bindungen von R
ist, eine ganze Zahl von 1 oder größer ist). Geeignete Jod enthaltende
Fluorkautschuke sind Copolymere enthaltend 45 bis 75 Mol%, vorzugsweise 55 bis 65
Mol%, einer Vinylidenfluorid (VdF)-Einheit, 0 bis 55 Mol%, vorzugsweise 15 bis 25
Mol% einer Tetrafluorethylen (TFE)-Einheit und 10 bis 40 Mol%, vorzugsweise 15 bis
25 Mol% einer Hexafluorpropylen (HFP)-Einheit. Der Iodgehalt kann 0,01 bis 1 Gew.-%,
bezogen auf das Copolymergewicht, betragen.
Gemäß der Erfindung wird der Acrylkautschuk aus einer Kombination
von (Meth)acrylester-Monomer und nachstehend gezeigtem bifunktionellem Monomer hergestellt,
indem die Monomere mittels eines bekannten Polymerisationsverfahrens copolymerisiert
werden.
Das (Meth)acrylester-Monomer wird durch die Formel CH2=C(R1)COOR2
dargestellt, in der R1 ein Wasserstoffatom oder Methyl ist und R2
Alkyl oder Alkoxysubstituiertes Alkyl mit 1 bis 8 Kohlenstoffatomen ist. Beispiele
von solchen Monomeren sind Methyl(meth)acrylat, Ethyl(meth)acrylat, Propyl(meth)acrylat,
Butyl(meth)acrylat, Pentyl(meth)acrylat, Hexyl(meth)acrylat, Heptyl(meth)acrylat,
Octyl(meth)acrylat, 2-Ethylhexyl(meth)acrylat, Methoxyethyl(meth)acrylat und Ethoxyethyl(meth)acrylat.
R2 hat vorzugsweise 2 bis 4 Kohlenstoffatome. Wenn das Fluor-haltige
Polymer 55 bis 65 Mol% einer Vinylidenfluorid (VdF)-Einheit enthält, ist es
zweckmäßig, dass das (Meth)acrylester-Monomer mindestens 40 Gew.-% eines
Monomers mit R2, das 2 Kohlenstoffatomen aufweist, enthält.
Mit einem Anstieg in der Zahl der Kohlenstoffatome von R2
und einem Anstieg des Anteils des Estermonomers, das copolymerisiert werden soll,
weist der Acrylkautschuk hervorragendere Tieftemperatur-Eigenschaften, aber eine
geringere Ölbeständigkeit und eine geringere Kompatibilität mit dem
Fluorkautschuk auf.
Das bifunktionelle Monomer wird in einer Menge von 0,1 bis 1,5 Gew.-%,
vorzugsweise 0,3 bis 0,7 Gew.-%, bezogen auf die kombinierte Menge von Acrylester-Monomer
und bifunktionellem Monomer, verwendet. Wenn eine kleinere Menge von bifunktionellem
Monomer verwendet wird, wird der Acrylkautschuk nicht ausreichend vernetzt, was
Schwierigkeiten beim Vulkanisationsformen ergibt und eine geringe Wärmebeständigkeit
und schlechte mechanische Eigenschaften zur Folge hat. Ein Überschuss von bifunktionellem
Monomer ergibt, wenn verwendet, eine erhöhte Menge von teilweise vernetzter
Komponente in dem Copolymer, führt zu beeinträchtigter Verarbeitbarkeit
und bewirkt, dass die Vulkanisation eine übermäßig hohe Vernetzungsdichte
zur Folge hat, folglich ergibt sich ein Material, das nicht mehr flexibel, in der
Dehnung beeinträchtigt und für Dichtungen unbrauchbar ist.
Wenn ein modifiziertes Polymer erforderlich ist, kann das zu polymerisierende
(Meth)acrylester-Monomer teilweise durch ein ethylenisch ungesättigtes Monomer,
wie Acrylnitril, Styrol, Vinylacetat, Ethylen oder Vinylchlorid, ersetzt werden.
Die Substitutionsmenge beträgt vorzugsweise bis zu 40 Gew.-% des (Meth)acrylester-Monomers.
Gemäß der Erfindung ist das Verhältnis des Fluorkautschuks
zum Acrylkautschuk, das heißt Fluorkautschuk/Acrylkautschuk, 5∼55/95∼45
bezogen auf das Gewicht. Wenn der Anteil an copolymerisiertem Vinylidenfluorid in
dem Fluorkautschuk 55 bis 65 Mol% beträgt, ist das Verhältnis vorzugsweise
5∼35/95∼65, noch bevorzugter 10∼30/90∼70. Wenn eine
geringere Menge Fluorkautschuk verwendet wird, hat das sich ergebende Material keine
ausreichend verbesserte Wärmebeständigkeit und ist bezüglich der
Verarbeitbarkeit, einschließlich Fließvermögen, beeinträchtigt,
wogegen ein Überschuss von dem Fluorkautschuk dazu führt, dass das Material
aufgrund des in Motoröl und dergleichen vorhandenen Additivs deutlich beeinträchtigt
wird und auch in wirtschaftlicher Hinsicht nicht zweckmäßig ist.
Peroxid-Vernetzungsmittel, die für die Erfindung geeignet sind,
sind allgemein diejenigen, welche bei Erwärmung oder in der Gegenwart eines
oxidierenden oder reduzierenden Systems leicht ein Peroxid-Radikal erzeugen. Beispiele
solcher Mittel sind 1,1-Bis(tert.-butylperoxy)-3,5,5-trimethylcyclohexan, 2,5-Dimethylhexan-2,5-dihydroxyperoxid,
Di-tert.-butylperoxid, tert-Butylcumylperoxid, Dicumylperoxid, &agr;,&agr;'-Bis(tert.-butylperoxy)-p-diisopropylbenzol,
2,5-Dimethyl-2,5-di(tert.-butylperoxy)hexan, 2,5-Dimethyl-2,5-di(tert.-butylperoxy)-hexin-3,
Benzoylperoxid, tert.-Butylperoxybenzol, 2,5-Dimethyl-2,5-di(benzoylperoxy)hexan,
tert.-Butylperoxymaleinsäure und tert.-Butylperoxyisopropylcarbonat. Bevorzugt
unter diesen sind Dialkylverbindungen. Die Art des Mittels und die davon zu verwendende
Menge werden im Hinblick auf die Menge an aktivem -O-O- und die Zersetzungstemperatur
festgelegt. Die Menge beträgt 0,1 bis 15 Gewichtsteile, vorzugsweise 0,3 bis
5 Gewichtsteile, pro 100 Gewichtsteilen der Polymere (kombinierte Menge von Acrylkautschuk
und Fluorkautschuk).
In der Regel sind verwendbare Hilfsvernetzungsmittel insbesondere
in ihrer Art nicht eingeschränkt, sofern sie reaktiv mit Peroxyradikalen und
Polymerradikalen sind. Beispiele für geeignete Mittel sind Triallylcyanurat,
Triallylisocyanurat, Triacrylformal, Triallyltrimellitat, Dipropargylterephthalat,
Diallylphthalat, Tetraallylterephthalamid und Triallylphosphat. Das Hilfsvernetzungsmittel
wird allgemein in einer Menge von 0,1 bis 10 Gewichtsteilen, bevorzugt 0,3 bis 5
Gewichtsteilen, pro 100 Gewichtsteilen der zu verwendenden Polymere verwendet.
Gemäß der vorliegenden Erfindung können der Zusammensetzung
nach Bedarf Füllstoffe, Verarbeitungshilfen, Antioxidationsmittel, Alterungsschutzmittel,
Ozonschutzmittel und Ultraviolett-Absorptionsmittel zugesetzt werden.
Beispiele für geeignete Füllstoffe sind Magnesiumoxid, Calciumoxid,
Titanoxid, Siliciumoxid und Aluminiumoxid, Magnesiumhydroxid, Aluminiumhydroxid
und Calciumhydroxid, Magnesiumcarbonat, Aluminiumcarbonat, Calciumcarbonat und Bariumcarbonat,
Magnesiumsilicat, Calciumsilicat, Natriumsilicat und Aluminiumsilicat, Aluminiumsulfat,
Calciumsulfat und Bariumsulfat, synthetischer Hydrotalkit, Molybdändisulfid,
Eisensulfid und Kupfersulfid, Kieselgur, Asbest, Lithophone (Zinksulfid/Bariumsulfat),
Graphit, Ruß, Kohlenstofffluorid, Calciumfluorid und Koks.
Beispiele für Verarbeitungsmittel sind Stearinsäure, Ölsäure,
Palmitinsäure und Laurinsäure, Natriumstearat und Zinkstearat, Stearinsäureamid
und Ölsäureamid, Ethyloleat, Stearylamin und Oleylamin, Carnaubawachs,
Ceresinwachs und Petroleumwachs, Ethylenglycol, Glycerin, Diethylenglycol, Vaseline,
Paraffin, Siliconöl, Siliconpolymere, Polyethylen mit niedrigem Molekulargewicht,
Phthalsäureester, Phosphorsäureester, Kolophonium, (halogenierte) Dialkylamine,
(halogenierte) Dialkylsulfone und Tenside.
Beispiele für Antioxidationsmittel, Alterungsschutzmittel und
Ozonschutzmittel sind 2,5-Di-tert.-amylhydrochinolin, 2,2,4-Trimethyl-1,2-dihydrochinolin,
4,4'-Bis(&agr;,&agr;'dimethylbenzyl)diphenylamin.
Beispiele für Ultraviolett-Absorptionsmittel sind 2,4-Dihydroxybenzophenon,
Bis(2,2,6,6-tetramethyl-4-piperidyl)sebacat und 2-(2'-Hydroxy-5'-methylphenyl)benzotriazol.
Die Zusammensetzung der Erfindung wird gewöhnlich durch Verwendung
eines Mischgeräts hergestellt. Der Fluorkautschuk, der Acrylkautschuk und andere
Komponenten oder Mittel werden z.B. mit einem offenen Walzenmischer geknetet, in
einem geschlossenen Mischer behandelt oder in Form einer Emulsion zusammengemischt
und anschließend cokoaguliert.
Die Zusammensetzung der Erfindung hat verschiedene Anwendungen. Sie
eignet sich z.B. für Dichtungselemente, O-Ringe, Schläuche, andere Dichtungen,
Diaphragmen und Ventile, die beständig gegen Öle, Chemikalien, Wärme,
Dampf oder Wetter sind, für Motorfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge, für
ähnliche Dichtelemente, O-Ringe, Dichtungen, Diaphragmen, Ventile, Schläuche,
Rollen, Rohre, Beschichtungen, die chemikalienbeständig sind, und Verkleidungen
für chemische Anlagen, ähnliche Dichtelemente, O-Ringe, Schläuche,
Dichtungen, Bänder, Diagraphmen, Ventile, Rollen und Rohre für Lebensmittelanlageapparate
und Lebensmittelvorrichtungen (einschließlich Haushaltsutensilien), ähnliche
Dichtelemente, O-Ringe, Schläuche, Dichtungen, Diaphragmen, Ventile und Röhren
für Atomkraftwerkvorrichtungen oder -vorrichtungen, ähnliche Dichtelemente,
O-Ringe, Schläuche, Dichtungen, Diaphragmen, Ventile, Rollen, Röhren,
Verkleidungen, Dorne, elektrische Drähte oder Kabel, flexible Verbindungsstücke,
Bänder, Gummiplatten und Witterungsstreifen für übliche Industrieteile
und Walzenblätter für PPC-Kopiergeräte.
Die Erfindung wird nachstehend ausführlicher mit Bezug auf die
folgenden Referenzbeispiele, Beispiele und Vergleichsbeispiele beschrieben.
Referenzbeispiele 1 bis 6a) Herstellung des Vernetzungsstellen-Monomers.
Allylacrylat (auf das hierin nachfolgend kurz als "AA" Bezug genommen
wird) wurde mittels des folgenden Verfahrens hergestellt.
Eine Menge von 46 g Allylalkohol und 89 g Triethylamin wurden in einen
300 cm3 Kolben gegeben, 80 g Acrylsäurechlorid wurden bei 0 bis
5°C tropfenweise während eines Zeitraums von 2 Stunden zum Inhalt gegeben
und die Mischung wurde danach 3 Stunden umgesetzt. Das während der Reaktion
gebildete Salz wurde in reinem Wasser gelöst und das Reaktionsgemisch wurde
mit Ether extrahiert. Der Extrakt wurde mehrmals mit reinem Wasser gewaschen und
über einen Scheidetrichter gegeben. Ein Ester wurde abgetrennt, der fraktioniert
wurde, um einen gereinigten Ester zu erhalten.
"Viscoat®#195", Markenname von Osaka Yukikagaku Kogyo
Co., Ltd., wurde so wie es war als 1,4-Butandioldiacrylat (hierin nachfolgend als
"14BGA" abgekürzt) und „Acrylic ester A", Markenname von Mitsubishi
Rayon Co., Ltd., als Allylmethacrylat (hierin nachfolgend als "AMA" abgekürzt)
verwendet. "FA-511A", Markenname von Hitachi Chemical Co., Ltd.,
wurde wie es war verwendet als Dihydrodicyclopentenylacrylat (hierin nachfolgend
als "DDA" abgekürzt)
b) Polymerisation von Acrylkautschuk
In einen trennbaren Kolben, der mit einem Thermometer, einem Rührer,
einem Rohr zur Stickstoffzufuhr und einer Evakuiervorrichtung ausgerüstet war,
wurden 480 Teile Wasser, 0,24 Teile Natriumbicarbonat, 0,48 Teile Natriumlaurylsulfat,
0,48 Teile Nonipole® 200 (Polyoxyethylennonylphenylether) und 100
Teile der Monomermischung von Tabelle 1 gegeben, der Sauerstoff in dem System wurde
durch wiederholtes Evakuieren und Ersetzen mit Stickstoff gründlich entfernt
und 0,01 Teile Natriumhydrosulfit, 0,002 Natriumformaldehydsulfoxylat und 0,005
Teile tert.-Butylhydroperoxid wurden danach zugegeben, um bei 50°C eine Polymerisationsreaktion
zu starten. Die Reaktion wurde 6 Stunden fortgesetzt, um eine Polymerisationsumwandlung
im Bereich von 95 bis 99% zu erreichen, gefolgt von Aussalzen des Reaktionsgemisches,
ausreichendem Waschen mit Wasser und Trocknen, um einen Acrylkautschuk zu erhalten.
Übrigens steht EA für Ethylacrylat und BA für Butylacrylat.
TABELLE 1
c) Polymerisation von Fluorkautschuk
In einen Polymerisationsreaktor aus SUS und mit einer Kapazität
von 3 Litern wurden 1 Liter reines Wasser und 2 g C7F15OOONH4,
das als ein Emulgiermittel dient, gegeben, das Innere des Systems wurde vollständig
durch Stickstoffgas ersetzt und eine anfängliche Monomermischung von VdF/HFP/TFE
wurde bei 80°C auf einem Innendruck von 16 kg/cm2 Überdruck
in den Reaktor gepresst. Daraufhin wurden 10 ml einer 0,2 Gew.-% wässrigen
Lösung von Ammoniumpersulfat eingepresst, um eine Reaktion zu starten.
Weil der Druck mit dem Fortschreiten der Polymerisationsreaktion abfiel,
wurde bei einem Druckabfall auf 15 kg/cm2 Überdruck als ein Mittel
zum Einstellen des Molekulargewichtes dienendes I(CF2)4I eingepresst.
Als der Druck weiter auf 14 kg/cm2 Überdruck abgefallen war, wurde
das System mit einer kontinuierlichen Monomermischung aus VdF/HFP/TFE wieder auf
einen Druck von 16 kg/cm2Überdruck gebracht. Die wässrige Lösung
von Ammoniumpersulfat wurde mit Stickstoffgas alle 3 Stunden in einer Menge von
jeweils 10 ml in das System gepresst, um die Reaktion mit wiederholter Abnahme und
Zunahme des Druckes fortzusetzen, um eine wässrige Emulsion zu erhalten.
Der Emulsion wurde zur Koagulation eine 5 Gew.-% wässrige Lösung
von Kalialaun zugesetzt und das koagulierte Produkt wurde mit Wasser gewaschen und
getrocknet, um ein kautschukartiges Polymer zu erhalten. Das anfängliche
Monomergemisch, die Menge von I(CF2)4I, das nachfolgende Monomergemisch,
die Reaktionszeit und die Ausbeute sind in Tabelle 2 aufgelistet, in welcher 2F
für VdF (Vinylidenfluorid) steht, 4F für TFE (Tetrafluorethylen) und 6F
für HFP (Hexafluorpropylen).
TABELLE 2
Das Zahlenmittel des Molekulargewichtes des Copolymers wurde mittels
des folgenden Verfahrens bestimmt.
[Bedingungen zur Bestimmung des Molekulargewichts]
Gelpermeationschromatograph: Hochleistungs-GPC-Vorrichtung, HLC-8020 (Produkt
von Toso Co., Ltd.)
Sensor: RI-Sensor (Differentialreflektometer), eingebaut in HLC-8020
Datenanalyse: Supersystem Controller SC-8020 (Produkt von Toso Co., Ltd.)
Entwickler-Lösungsmittel: Tetrahydrofuran
Temperatur: 35°C.
Konzentration: 0,5 Gew.-%
Standardpolymere für die Molekulargewichts-Eichkurve: Monodisperse Polystyrole,
TSK-Standard POLYSTYREN® [Mw/Mn = 1,14 (max)] (Produkt von Toso
Co., Ltd.).
Die Zusammensetzung des Copolymers wurde durch 19F-NMR-Messung
bestimmt.
Die Mooney-Viskosität wurde gemäß JIS K-6300 gemessen. TABELLE 3
BEISPIELE 1 bis 12
Zusammensetzungen zur Vernetzung wurden jeweils hergestellt durch
Kneten eines Fluorkautschuks, Acrylkautschuks und anderer Komponenten in den in
Tabelle 4 angegebenen Mengen mit einem offenen Walzenmischer. Jede Zusammensetzung
wurde an einer Presse bei 160°C für 20 min vulkanisiert und in einem Ofen
bei 180°C für 4 h weiter vulkanisiert. Seast®116 ist Ruß
des MAF-Typs, hergestellt von Tokai Carbon Co., Ltd., TAIC is Triallylisocyanurat,
hergestellt von Nihon Kasei Co., Ltd., Perhexa®25B ist ein Peroxid,
hergestellt von Nippon Oils & Fats Co., Ltd., und Naugard®445 ist
ein Alterungsschutzmittel, hergestellt von Uniroyal Chemical Co., Ltd. Die Eigenschaften
der sich ergebenden Materialien wurden gemäß JIS K-6301 bestimmt. Tabelle
5 zeigt das Ergebnis. TABELLE 4TABELLE 4 (Fortsetzung)
*Referenzbeispiele
TABELLE 5TABELLE 5 (Fortsetzung)
*Referenzbeispiele
VERGLEICHSBEISPIELE 1 BIS 9
Zusammensetzungen wurden jeweils in der gleichen Weise wie in den
Beispielen hergestellt, außer dass ein Fluorkautschuk, Acrylkautschuk und andere
Komponenten in den in Tabelle 6 angegebenen Menge geknetet wurden. Sumifine BM is
N,N'-m-Phenylenbismaleimid, hergestellt von Sumitomo Chemical Co., Ltd., und Perbutyl®
P ist ein Peroxid, hergestellt von Nippon Oils & Fats Co., Ltd.. Die Eigenschaften
der erhaltenen Materialien wurden gemäß JIS K-6301 bestimmt. Tabelle 7
zeigt das Ergebnis. Es war aufgrund von Rissbildung unmöglich, die Prüflinge
der Vergleichsbeispiele 1 und 3 bezüglich Druckverformungsrest zu prüfen.
Der Prüfling von Vergleichsbeispiel 4 besaß ein geringes Fließvermögen,
und die Herstellung einer Platte misslang.
TABELLE 6TABELLE 6 (Fortsetzung)TABELLE 7TABELLE 7 (Fortsetzung)
VERGLEICHSBEISPIEL 10
Eine Zusammensetzung, welche die in nachstehender Tabelle 8 aufgeführten
Komponenten umfasste, wurde bei den in der Tabelle angegebenen Vulkanisationsbedingungen
vernetzt.
Dai-el®G602 ist ein Vinylidenfluorid-Copolymer-Fluorkautschuk,
der mit einem Peroxid nicht vernetzbar ist.
TABELLE 8Vergleichsbeispiel 10
TESTBEISPIEL 1
Dumbbell-Prüflinge wurden aus allen Platten geschnitten, die
durch Vulkanisieren der Zusammensetzungen der Beispiele 2, 4 und 5 und der Vergleichsbeispiele
6 und 10 erhalten wurden, und dann in ein Motoröl getaucht. Das eingesetzte
Motoröl war Toyota Genuin Castle® (SG-Qualität). Die Prüflinge
blieben 70 h bei 170°C eingetaucht, wonach sie aus dem Öl herausgenommen
wurden, auf Raumtemperatur abgekühlt und bezüglich Änderungen im
Volumen, Zugfestigkeit und Bruchdehnung aufgrund des Eintauchens geprüft wurden.
Es ist ersichtlich, dass die Anwesenheit eines Überschusses an Fluorkautschuk
zu einer deutlichen Schädigung aufgrund des Motoröls führt. In Tabelle
9 steht &Dgr;V für Volumenquellung (%), &Dgr;Tb für Variation Zugfestigkeit
(%) und &Dgr;Eb für Variation Bruchdehnung (%).
TABELLE 9
GEWERBLICHE ANWENDBARKEIT
Der Einsatz der Kautschukzusammensetzung der Erfindung liefert Formkörper,
die einen geringen Druckverformungsrest und eine ausgezeichnete mechanische Festigkeit
und andere physikalische Eigenschaften und Wärmebeständigkeit aufweisen.
Anspruch[de]
Kautschukzusammensetzung mit niedrigem Druckverformungsrest umfassend
100 Gew.-Teile einer Kautschukmischung, 0,1 bis 15 Gew.-Teile eines Peroxid-Vernetzungsmittels
und 0,1 bis 10 Gew.-Teile eines damit gemischten Hilfsvernetzungsmittels, wobei
die Kautschukmischung umfasst 5 bis 55 Gew.-% eines Iod enthaltenden, Peroxid-vernetzbaren
Fluorkautschuks enthaltend darin copolymerisiertes Vinylidenfluorid in einem
Anteil von 45 bis 75 Mol-% und mit einem Zahlenmittel des Molekulargewichts von
20.000 bis 200.000 und 95 bis 45 Gew.-% eines Acrylkautschuks enthaltend 0,1 bis
1,5 Gew.-% eines darin copolymerisierten bifunktionellen Monomers ausgewählt
aus Allylacrylat und Allylmethacrylat und hergestellt aus einer Kombination bestehend
aus dem bifunktionellen Monomer und einem (Meth)acrylsäureester-Monomer mit
der Formel CH2=C(R1)COOR2, worin R1
Wasserstoff oder Methyl ist und R2 Alkyl oder Alkoxy-substituiertes Alkyl
mit 1 bis 8 Kohlenstoffatomen ist.Kautschukzusammensetzung wie in Anspruch 1 definiert, wobei der Fluorkautschuk
ein Copolymer ist, das 45 bis 75 Mol-% Vinylidenfluorid-Einheiten, 0 bis 55 Mol-%
Tetrafluorethylen-Einheiten und 10 bis 40 Mol-% Hexafluorpropylen-Einheiten umfasst.Kautschukzusammensetzung wie in Anspruch 1 oder 2 definiert, wobei der
Anteil von copolymerisiertem Vinylidenfluorid im Fluorkautschuk 55 bis 65 Mol-%
ist.Kautschukzusammensetzung wie in irgendeinem der Ansprüche 1 bis
3 definiert, wobei der Fluorkautschuk ein Zahlenmittel des Molekulargewichts von
20.000 bis 70.000 aufweist.Kautschukzusammensetzung wie in Anspruch 3 oder 4 definiert, wobei der
Fluorkautschuk durch Polymerisieren von 55 bis 65 Mol-% Vinylidenfluorid-Einheiten,
15 bis 25 Mol-% Tetrafluorethylen-Einheiten und 15 bis 25 Mol-% Hexafluorpropylen-Einheiten
erhalten wird.Kautschukzusammensetzung wie in irgendeinem der Ansprüche 1 bis
5 definiert, wobei der Acrylkautschuk ein Copolymer umfassend 99,9 bis 98,5 Gew.-%
C2-4-Alkyl(meth)acrylat-Einheiten und 0,1 bis 1,5 Gew.-% bifunktioneller
Monomer-Einheiten ist.Kautschukzusammensetzung wie in irgendeinem der Ansprüche 1 bis
6 definiert, wobei der Acrylkautschuk copolymerisiertes Ethylacrylat in einem Anteil
von mindestens 40 Gew.-% umfasst.Kautschukzusammensetzung wie in irgendeinem der Ansprüche 1 bis
7 definiert, welche 10 bis 30 Gew.-% Fluorkautschuk und 90 bis 70 Gew.-% Acrylkautschuk
umfasst.Gummi-Formkörper, erhalten durch Vernetzen einer Zusammensetzung
von irgendeinem der Ansprüche 1 bis 8 mit einem Peroxid.