Stand der Technik
Die Erfindung bezieht sich auf eine Sprüheinrichtung für
Fluide nach dem Oberbegriff des Anspruches 1.
In der DE 198 07 240 A1
wird ein Einspritzsystem für flüssige Brennstoffe, insbesondere für
einen Ölbrenner beschrieben, das eine Förderpumpe, einen Fluidspeicher
und eine Einspritzdüse sowie Druckbegrenzungsventile umfasst. Die Förderpumpe
entnimmt den flüssigen Brennstoff aus dem Fluidspeicher und fördert diesen
zur Einspritzdüse, wobei die Druckbegrenzungsventile einen unzulässig
hohen Anstieg des Systemdrucks verhindern. Zur Regelung der Einspritzmenge wird
die Einspritzdauer variiert. Hierfür sind ergänzende Hydraulikkomponenten
vorgesehen, welche einen pulsierenden Betrieb ermöglichen. Mithilfe eines schnell
öffnenden und schließenden Magnetventils werden Druckpulsationen erzeugt,
deren Frequenz und Impulsdauer die einzuspritzende Brennstoffmenge bestimmen. Beim
Austritt des Brennstoffs aus der Düsenaustrittsbohrung der Einspritzdüse
entsteht ein Sprühnebel, bestehend aus kleinen Brennstofftröpfchen und
Luft, was auch als Aerosol bezeichnet wird. Der Vorteil dieses Sprühnebels
ist eine bessere Verteilung im Brennraum, wobei die Tropfengröße Einfluss
auf die gleichmäßige Ausbreitung hat. Zur Erzeugung kleiner Tropfen ist
ein hoher Einspritzdruck erforderlich, der mittels eines großen technischen
Aufwands erzeugt werden muss.
Offenbarung der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, mit einfachen konstruktiven
Maßnahmen eine Sprüheinrichtung für Fluide anzugeben, die sich durch
einen reduzierten Energieeinsatz bei zugleich kleiner Tropfengröße auszeichnet.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen des
Anspruches 1 gelöst. Die Unteransprüche geben zweckmäßige Weiterbildungen
an.
Die erfindungsgemäße Sprüheinrichtung für Fluide
ist mit einem Stoßwellenaktor versehen, über den Stoßwellen in der
Sprüheinrichtung erzeugt werden, die auf das in der Düse befindliche Fluid
geleitet werden. Bei dem physikalischen Phänomen der Stoßwelle handelt
es sich um eine starke Druckwelle in elastischen Medien wie zum Beispiel Flüssigkeiten,
die sich mit Überschallgeschwindigkeit ausbreitet, wobei in der Stoßfront
der Stoßwelle hohe mechanische Spannungen und Drücke herrschen. Die Stoßwelle
stellt einen Druckpuls dar, bei dem innerhalb eines Sekundenbruchteils der Druck
steil ansteigt und anschließend wieder steil abfällt. Die durch die Druckwelle
erzeugte extreme Druckänderung wird bei der erfindungsgemäßen Sprüheinrichtung
für die Sprühnebelerzeugung ausgenutzt, indem die Stoßwellenenergie
auf einen Fokussierpunkt gelenkt wird, an dem die Tröpfchenbildung erfolgt.
Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass der Systemmitteldruck im Fluid
verhältnismäßig niedrig gehalten werden kann und dennoch ein Nebel
mit sehr kleiner Tropfengröße erzeugt werden kann, da die für die
Tröpfchenbildung erforderlich Energie aus der Stoßwelle herrührt
und nicht aus dem Systemdruck. Im Vergleich zu Ausführungen aus dem Stand der
Technik wird hierdurch insgesamt eine Energieeinsparung sowie eine konstruktive
Vereinfachung erzielt, welche insbesondere aus der Verwendung des Niederdrucksystems
anstelle eines sonst üblichen Hochdrucksystems resultiert. Die Stoßwelle
kann zielgerichtet auf einen bestimmten Fokussierpunkt gelenkt werden, welcher sich
üblicherweise am Düsenaustritt befindet, wo der austretende Sprühnebel
generiert wird. Das Fluid wird am Fokussierpunkt auf Überschallgeschwindigkeit
beschleunigt, so dass für eine Tropfengrößenverteilung mit vorzugsweise
kleinen Tropfen optimale Randbedingungen vorliegen.
Ein weiterer Vorteil ist darin zu sehen, dass die Stoßwelle mit
Abstand zum Fokussierpunkt an einer unter konstruktiven Gesichtspunkten günstigen
Position in der Sprüheinrichtung erzeugt werden kann, insbesondere im Gehäuse
der Düse mit Abstand zum Düsenaustritt. Beispielsweise kommt als Stoßwellenaktor
ein konkav geformter Wandabschnitt des Düsengehäuses in Betracht, wobei
die konkave Form die zielgerichtete Ausbreitung der Stoßwelle in Richtung auf
den Fokussierpunkt unterstützt. Die Ausbreitung von der Position des Stoßwellenaktors
im Düsengehäuse bis zum Fokussierpunkt erfolgt über das in der Düse
befindliche Fluid als Wellenträger.
Die Erzeugung der Stoßwellen erfolgt bevorzugt mithilfe eines
Piezoelements oder eines Piezocompositelements, welches beispielsweise einen Wandabschnitt
in der Gehäusewandung der Düse bildet. Es sind vorteilhaft zumindest zwei
Stoßwellenaktoren vorgesehen, deren Stoßwellen sich im gewünschten
Fokussierpunkt schneiden. Alternativ zu Piezoelementen können auch Stoßwellenaktoren
eingesetzt werden, die nach einem elektrohydraulischen Prinzip (Funkentladungsstrecke)
arbeiten oder nach einem elektrisch/mechanischen Kraftwandlungsprinzip.
Alternativ zu dem Stoßwellenprinzip können auch Piezo- oder
Piezocompositelemente oder sonstige schnelle Aktoren verwendet werden, welche nach
dem HIFU-Prinzip (High Intensity Focused Ultrasound) arbeiten. Hierbei wird die
Stoßwelle durch eine hochfrequente Ultraschallquelle ersetzt.
Die Fokussierung auf den Düsenaustritt kann sowohl direkt als
auch indirekt durchgeführt werden. Bei direkter Fokussierung erfolgt die Stoßwellenausbreitung
direkt zwischen dem Stoßwellenaktor und dem Fokussierpunkt, bei indirekter
Ausbreitung wird die Stoßwelle zunächst an mindestens einer Reflektionsfläche
reflektiert und dann weiter in Richtung auf den Fokussierpunkt geleitet. Der Vorteil
der indirekten Ausbreitung liegt in den größeren konstruktiven Gestaltungsmöglichkeiten
für die Anordnung des Stoßwellenaktors, so dass beispielsweise sehr schmal
bauende Sprüheinrichtungen realisiert werden können.
Um die gewünschte Einspritzmenge pro Einspritzvorgang zu erzeugen,
kann es zweckmäßig sein, mehrere, kurze aufeinander folgende Stoßwellen
zu generieren, die insbesondere hochfrequent erzeugt werden. Die Massendosierung
pro Einspritzvorgang wird durch die Anzahl der aufeinander folgenden Stoßwellenpulse
bestimmt.
Die genannte Sprüheinrichtung kann in verschiedenartigen Produkten
eingesetzt werden. In Frage kommen alle Arten von Einspritzsystemen, insbesondere
Einspritzsysteme in Brennkraftmaschinen wie Dieselfahrzeugen oder Benzinfahrzeugen,
darüber hinaus aber auch beispielsweise die Eindüsung von Flüssigkeitslösungen
in den Abgasstrang einer Brennkraftmaschine als Abgasnachbehandlung (Ammoniakeindüsung).
Denkbar sind darüber hinaus auch neuartige Vergaserkonzepte, bei denen derartige
Sprüheinrichtungen zum Einsatz kommen können.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Weitere Vorteile und zweckmäßige Ausführungen sind
den weiteren Ansprüchen, der Figurenbeschreibung und den Zeichnungen zu entnehmen.
Es zeigen:
1 einen Schnitt durch eine Sprüheinrichtung mit
einer Düse, die konkave Wandungen aufweist, welche als Piezoelemente zur Erzeugung
von Stoßwellen ausgeführt sind, wobei die Stoßwellen auf den Düsenaustritt
zur Erzeugung eines Sprühnebels gerichtet sind,
2 eine Sprüheinrichtung in einer alternativen
Ausführung, bei der die Stoßwellen zunächst an Reflektionsflächen
reflektiert werden, die den Düseninnenraum begrenzen, und anschließend
zu dem Fokussierpunkt am Düsenaustritt geleitet werden.
Ausführungsform(en) der Erfindung
Bei der in 1 dargestellten Sprüheinrichtung
1 handelt es sich beispielsweise um ein Kraftstoff-Einspritzsystem für
Brennkraftmaschinen. Die Sprüheinrichtung 1 umfasst eine Düse
2, die über eine Zulaufeinrichtung 5, in die Zulaufbohrungen
6 eingebracht sind, mit einem Fluidspeicher 3 verbunden ist. Das
Fluid im Fluidspeicher 3 wird über eine Druckerzeugungseinheit
4 – beispielhaft ausgeführt als Pumpe P – unter Druck
gesetzt, bei dem es sich insbesondere nur um einen Niederdruck handelt. Das Düsengehäuse
9 ist im Ausführungsbeispiel trichterförmig ausgebildet, an der
Spitze des Düsengehäuses befindet sich ein Düsenaustritt
8, der von einem als Ventilnadel 7 ausgeführten Stellglied
zu öffnen und zu schließen ist. Die Ventilnadel 7 ist axial verschieblich
geführt und in der Zulaufeinrichtung 5 gelagert. In Abhängigkeit
von aktuellen Zustands- und Betriebsgrößen des Systems wird die Ventilnadel
7 zwischen ihrer Öffnungs- und Schließposition verstellt. Die
Stellbewegung der Ventilnadel 7 erfolgt entlang der Ventilnadel-Längsachse
12 und wird mittels eines geeigneten Aktors erzeugt.
Der Kraftstoff wird aus dem Fluidspeicher 3 über die
Zulaufbohrungen 6 in der Zulaufeinrichtung 5 in den Düseninnenraum
im Düsengehäuse 9 eingeleitet. Zur Erzeugung eines Kraftstoff-Sprühnebels
am Düsenaustritt 8 werden in der Düse 2 Stoßwellen
erzeugt, die am Düsenaustritt 8 fokussieren und die Stoßwellenenergie
am Düsenaustritt auf den dort befindlichen Kraftstoff übertragen, wodurch
feine Kraftstofftröpfchen entstehen, die über den Düsenaustritt aus
dem Düsengehäuse 9 austreten und einen Kraftstoffnebel bilden.
Die Schock- bzw. Stoßwellen werden von Stoßwellenaktoren 10 und
11 erzeugt, die einen Teil der dem Düsenaustritt 8 gegenüberliegenden
Wandung des Düsengehäuses 9 bilden. Bei den Stoßwellenaktoren
10 und 11 handelt es sich beispielsweise um Piezoelemente, die
bei Anlegen einer elektrischen Spannung ihre Form ändern, wobei der Formänderungsvorgang
innerhalb sehr kleiner Zeitspannen erfolgt. Diese Formänderung wird unmittelbar
auf das im Innenraum des Düsengehäuses 9 befindliche Fluid übertragen,
wodurch die gewünschte Stoßwelle entsteht, die auf den Düsenaustritt
8 zuläuft. Um die Wirkung zu erhöhen, laufen die von den beiden
Stoßwellenaktoren 10 und 11 erzeugten Stoßwellen auf
einen gemeinsamen Fokussierpunkt zu, der im Düsenaustritt 8 liegt.
Zur Unterstützung der Fokussierwirkung sind beide Stoßwellenaktoren
10 und 11 nach Art eines Hohlspiegels konkav geformt, derart,
dass der Brennpunkt im Düsenaustritt 8 liegt.
Alternativ zu den auf dem Piezoeffekt beruhenden Stoßwellenaktoren
können auch Aktoren eingesetzt werden, die nach dem elektrohydraulischen Prinzip
oder nach einem anderen elektrisch/mechanischen Kraftwandlungsprinzip oder dem HIFU-Prinzip
arbeiten.
Bei dem in 1 dargestellten Ausführungsbeispiel
laufen die Stoßwellen direkt vom Ort ihrer Erzeugung, also den Stoßwellenaktoren
10 und 11, ohne Umlenkung bzw. Reflektion zum
Fokussierpunkt am Düsenaustritt 8. Eine alternative Ausführung
ist in 2 dargestellt, wo die mit gestrichelten Linien
dargestellten Stoßwellen 13 und 14, die den maximalen Abstrahlungs-Winkelbereich
markieren, nicht direkt, sondern über mehrfache Reflektion vom Ort ihrer Entstehung
am Stoßwellenaktor 10 zum Fokussierpunkt am Düsenaustritt
8 gelenkt werden. Der Stoßwellenaktor 10 liegt dem Düsenaustritt
8 nicht unmittelbar gegenüber, sondern befindet sich in einer seitlich
gelegenen Wandung im Düsengehäuse 9 in einer Position ohne direkte
Verbindung zum Düsenaustritt. Diese Anordnung weist den Vorteil einer schmalen
Bauweise auf. Um die Stoßwellen 13 und 14 zum Fokussierpunkt
am Düsenaustritt 8 zu lenken, werden die Stoßwellen an Reflektionsflächen
15 und 16 umgelenkt, bei denen es sich um den Düseninnenraum
begrenzende Innenwandungen des Düsengehäuses handelt. Im Ausführungsbeispiel
sind zwei Reflektionsflächen 15 und 16 vorgesehen, an denen
die von dem Stoßwellenaktor 10 ausgestrahlten Stoßwellen
13 und 14 reflektiert werden, wobei über den von dem Stoßwellenaktor
10 erzeugten Abstrahlungs-Winkelbereich die Stoßwellen des gleichen
Stoßwellenaktors an unterschiedlichen Reflektionsflächen auftreffen. Aufgrund
der mehrfachen Umlenkung der Stoßwellen bestehen grundsätzlich größere
konstruktive Freiheitsgrade im Hinblick auf die Positionierung der Stoßwellenaktoren
sowie insgesamt bei der konstruktiven Gestaltung der Sprüheinrichtung
1.
Denkbar ist auch, Stoßwellenaktoren vorzusehen, deren Stoßwellen
je nach Abstrahlungswinkel sowohl direkt auf den Fokussierpunkt als auch indirekt
über eine einfache oder mehrfache Umlenkung an Reflektionsflächen zum
Fokussierpunkt gelenkt werden.
Um die erforderliche Energie für die Erzeugung vorzugsweise kleiner
Tropfen am Düsenaustritt 8 mittels der Stoßwellen zu erzeugen,
werden die Stoßwellen zweckmäßig pro Einspritzvorgang wiederholt
erzeugt, insbesondere hochfrequent generiert.