Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Reduzierung
halogensalzinduzierter Korrosionen an den Heizflächen eines Verbrennungskessels
und der de-Novo-Synthese von Dioxinen und Furanen, wobei in dem Feuerraum schwefelhaltige
Produkte verbrannt werden.
Ein Verfahren der vorgenannten Art wird in der EP
0435848 beschrieben. In weiteren Druckschriften wie den Patentschriften
DE 101 31 464 B4, DE
198 02 274 C2 und EP 0406710 wird
die Dosierung von Schwefel und schwefelhaltigen Verbindungen zur Minderung der Korrosionen
und zur Reduzierung der Emissionen von C12, Dioxinen sowie Furanen genannt. Die
Reduktion der Dioxinbildung wird nach DE
101 31 464 B4 auf die Reduktion der C12 Konzentration zurückgeführt.
Insbesondere in den Schriften EP
0435848 A1, DE 10131464 B4
und EP 0406710 A2 wird darauf hingewiesen,
dass bei der Schwefeldosierung das molare Verhältnis von Schwefel zu Chlor
im Abgas gleich oder vorteilhaft größer als 1 sein soll. Bei den genannten
Verfahren erfolgt die Zugabe von Schwefel oder Schwefelverbindungen derart, dass
es mit den im Brennstoff enthaltenen Bestandteilen zu SO2 oxidiert. Bei
der Umwandlung wird als Zwischenprodukt auch SO3 erzeugt, das noch im
Kessel nach der Griffin-Reaktion mit SO2 und Wasserdampf wieder zu HCl
zurückgebildet wird. Gleichzeitig entsteht aus HCl und Sauerstoff elementares
Chlor, das durch die Anwesenheit von SO2 an der de-Novo-Synthese gehindert
werden soll.
Ursachen für verstärkte Korrosionen in Verbrennungsanlagen
für Müll und Biostoffe
Mit dem zunehmenden Umweltbewusstsein und dem Anstieg der Kosten für
fossile Brennstoffe werden neben Müll verstärkt Biomassen in Kesselanlagen
zur Dampferzeugung genutzt.
Die thermische Verwertung von Biomasse wird wegen der CO2-Bewertung
über die Verkaufserlöse des produzierten Stromes gefördert. Diese
Biobrennstoffe werden unter anderem häufig aus Sperrmüll und Müll
aussortiert. Es lässt sich somit nicht vermeiden, dass neben dem Holz andere
Begleitstoffe wie zink- und bleihaltige Farben (Bleiweiß) sowie halogenhaltige,
insbesondere chlorhaltige, Stoffe verbrannt werden. Die reinen Biostoffe enthalten
unterschiedliche Konzentrationen an Alkalien wie Kalium und Natrium, die bei der
Verbrennung zum größten Teil verdampfen.
Hinzu kommt die anspruchsvolle Verwertungsquote, die beim Automobilrecycling
ab dem 01.01.2006 von der Altfahrzeug Verordnung gefordert wird. Laut dieser Vorschrift
müssen 85% des Schredderrückstands der Altfahrzeugmasse verwertet werden,
wobei von diesem Anteil 80% der Wiederverwendung oder stofflichen Verwertung zuzuführen
ist. Bis jetzt wurde die bei der Verwertung von Altfahrzeugen oder Altgeräten
anfallende Schredderleichtfraktion auf Deponien abgelagert. Es ist davon auszugehen,
dass diese Fraktion zukünftig ebenfalls thermisch verwertet wird. Diese Schredderabfälle
haben bezogen auf ihre Masse einen extrem hohen Anteil an Schwermetallen. Somit
kommen sowohl in Kesseln zur Müllverbrennung als auch in Kesseln zur thermischen
Nutzung von Biomassen erhebliche und stark schwankende Frachten an Schwermetall-,
Alkali-, und Halogenverbindungen in die Verbrennung.
Die Tendenz zur Verdampfung oben genannter Bestandteile ist durch
den Anstieg der Verbrennungstemperaturen in den letzten Jahren erheblich angestiegen.
Für den Anstieg der Verbrennungstemperaturen können folgende Umstände
getrennt für sich oder gemeinsam in Frage kommen.
Durch die in Europa gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen zu den
Mindestverbrennungsbedingungen wurden und werden zur Einhaltung der Mindesttemperatur
von 850°C für 2 Sekunden Verweilzeit nach Zuführung der letzten Verbrennungsluft
insgesamt geringe Luftüberschüsse angestrebt. Vor dem 20.08.2003 wurde
durch nationale und europäische Regelungen sichergestellt, dass ein Mindestsauerstoffgehalt
von 6 Vol% eingehalten werden musste, dies entspricht einem Luftüberschuss
von ca. 50 %. Der Sollwert der geregelten Sauerstoffkonzentration musste wegen der
praktisch erreichbaren Regelgenauigkeit zur Sicherstellung der Einhaltung der Mindestsauerstoffkonzentration
von 6 auf ca. 8 Vol% eingestellt werden. Hierdurch lag der Rauchgasvolumenstrom
ca. 1,7-fach über dem theoretisch notwendigen Rauchgasvolumenstrom. Dies stand
den angestrebten hohen Verbrennungstemperaturen und dem erreichbaren Kesselwirkungsgrad
entgegen. Weiterhin musste die Rauchgasreinigung für eben diese erhöhte
Rauchgasmenge ausgelegt werden. Die EU-Richtlinie 200/76/EG folgte dieser grundsätzlich
berechtigten Kritik und hob die Forderung nach dem Mindestsauerstoffgehalt auf.
Die Novellierung der 17. BlmSchV diente der Umsetzung der Anforderungen
der EU-Richtlinie 2000/76/EG über die Verbrennung von Abfällen in nationales
Recht. In dieser neuen Fassung der 17. BlmSchV wird die Einhaltung der Mindestsauerstoffkonzentration
von 6 Vol% nicht mehr gefordert.
Als Folge dieser Entwicklung sind die Verbrennungstemperaturen angestiegen
und die spezifischen Verbrennungsluft- sowie Rauchgasvolumina gefallen. Die Erkenntnis,
dass mit dieser Entwicklung verstärkte Korrosionen und Ablagerungen einhergehen,
kam sehr spät.
Der Kostendruck bei den Brennstoffen hat auch dazu geführt, dass
die heizwertreichen Fraktionen aus dem Abfall aussortiert werden und beispielsweise
bei der Kohleverbrennung zudosiert werden. Auch hier hat man erkennen müssen,
dass die Korrosionsneigung der Rauchgase durch die Mitverbrennung von heizwertreichen,
chlor- und schwermetallhaltigen Abfallfraktionen angestiegen ist.
Die Dioxinemissionen von Müllverbrennungsanlagen haben sehr lange
die Diskussionen für das Für und Wider von Verbrennungsanlagen geprägt.
Zwischenzeitlich können die Dioxine und Furane aus dem Rauchgas sicher abgeschieden
werden, so dass dieser Typ von Verbrennungsanlagen umwelttechnisch gesehen eine
Dioxin- und Furan-Senke ist. Durch eine gute Verbrennungsführung mit ausreichender
Verweilzeit bei hohen Mindesttemperaturen werden praktisch alle über die Abfälle
eingebrachten Dioxine und Furane zerstört. Man hat jedoch feststellen müssen,
dass über eine de Novo Synthese im konvektiven Bereich des Kessels bei Rauchgastemperaturen
zwischen 200 und 400°C neue Dioxine und Furane gebildet werden. Diese Bildung
verläuft katalytisch an den Belägen der Heizflächen. Als katalytisch
wirksame Verbindung wird CuO angenommen.
Korrosionsmechanismen
Bei dem Betrieb der Verbrennungsanlagen für Müll und Biostoffe
sowie der Mitverbrennung von heizwertreichen, chlor- und schwermetallhaltigen Abfallfraktionen
in Kohlekesseln hat man schnell erfahren müssen, dass die Korrosionsschäden
an den Heizflächen der Kessel im Vergleich zu den rein kohlebefeuerten Kesseln
bei wesentlich tieferen Temperaturen zu Betriebsstörungen und notwendigen Reparaturen
führen. Dies hat dazu geführt, dass die Dampfparameter bei Kesseln von
Verbrennungsanlagen für Müll und Biostoffe wesentlich moderater und damit
aus thermodynamischer Sicht ungünstiger gewählt werden mussten. Während
bei kohle- und ölbefeuerten Kesseln Dampfdrücke von deutlich über
100 bar und Überhitzungstemperaturen von über 500°C Stand der Technik
sind, werden die meisten Abfallverbrennungsanlagen mit Dampfdrücken von ca.
40 bar und Überhitzungstemperaturen von ca. 400°C betrieben. Es wurden
und werden Anlagen mit höheren Dampfparametern betrieben. Es hat sich jedoch
gezeigt, dass die Aufwendungen zur Vermeidung der Korrosionen und die notwendigen
Reparaturkosten diesem Streben nach höheren Dampfparametern und damit höheren
Wirkungsgraden widersprechen können. Bei der Mitverbrennung der oben genannten
Fraktionen mit Kohle sind Schadensformen aufgetreten, die vor der Mitverbrennung
nicht bekannt waren.
Bei der Ursachenforschung der Korrosionsschäden hat man sich
zunächst auf die möglicherweise schlechteren Verbrennungsbedingungen,
die daraus resultierenden höheren CO-Konzentrationen und deren Reaktionen mit
den Kesselstählen konzentriert. Man hat jedoch bald erkannt, dass eine wesentliche
Ursache der Korrosionsschäden die Bildung von halogen-, schwefel-, alkali-
und/oder erdalkalihaltigen Schwermetallmischsalzen ist. Diese Salze erreichen besonders
tiefe eutektische Schmelztemperaturen, die bis in den Bereich von 230°C sinken
können. Entsprechend hoch sind die Partialdrücke dieser Salze –
insbesondere kann dies auch den Chlorpartialdruck betreffen – bei den üblichen
Mediumstemperaturen der Kesselwerkstoffe (250-400°C). Diese Salze können
die Kesselstähle sowohl in Form von Salzschmelzen schädigen, als auch
auf dem Wege des Chlorpartialdrucks. Der Angriff durch Salzschmelzen wird als „salzschmelzeninduzierte
Korrosion" bezeichnet. Der Angriff durch Chlorpartialdruck wird als „chlorinduzierte
Hochtemperaturkorrosion" bezeichnet. Aufgrund der gegebenen Zusammensetzung der
Brennstoffe – z. B. chlorhaltige Abfälle, belastete Hölzer etc.
– sowie aufgrund der hohen Verbrennungstemperaturen ist die Bildung dieser
Schwermetallmischsalze nicht zu verhindern.
Bei der Verbrennung von schwefelhaltigen und ggf. auch salzhaltigen
Kohlen sind grundsätzlich gleichartige chemische Verbindungen zu erwarten.
Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass die schwefelreichen Schwermetallmischsalze
erst bei deutlich höheren Temperaturen über 400°C zur Bildung von
eutektischen Schmelzen neigen und damit erst bei deutlich höheren Temperaturen
zu Schädigung der Kesselstähle führen.
Nachdem dieser Zusammenhang erkannt und zugleich festgestellt wurde,
dass bei gleichzeitigem Vorliegen von Schwefel und Chlor im Brennstoff die gebildeten
Mischsalze im wesentlichen Schwefel enthielten, wurden entsprechende Versuche durchgeführt,
bei denen den Abfällen hoch schwefelhaltige Kohle zugesetzt wurde. Diese Versuche
waren hinsichtlich der Minderung der Korrosionsneigung erfolgreich. Bei den Versuchen
wurde zusätzlich erkannt, dass die Dioxinkonzentrationen im Rohgas bei Einsatz
schwefelhaltiger Kohle gefallen sind und dass die katalytischen Eigenschaften der
Beläge für die de Novo Synthese von Dioxin durch Schwefelverbindungen
(Oxide oder Sulfide) vergiftet wurde (EP
0435848 A1).
Da mit dem zugesetzten Anteil der schwefelhaltigen Kohle die Verbrennungsleistung
des Abfalls abfiel und in der Abgasreinigung zusätzlich entsprechende Produkte
zur Schwefeldioxidabscheidung eingesetzt werden mussten, konnte sich das Verfahren
nicht durchsetzen.
In der Anmeldung EP 0435848
A1 wird das Verhältnis im Bereich von 0,8 bis 1,5 genannt. Zusätzlich
wird in der Schrift DE 101 31 464 B4 noch
darauf hingewiesen, dass die Dosierung so gewählt werden sollte, dass am Austritt
des Kessels zumindest 1000 mg/Nm3 SO2 vorliegen sollte.
Die bisher in Bezug auf die Chlorkonzentrationen angestrebten höheren
molaren Konzentrationen von Schwefel und die dafür notwendige Dosierung von
Schwefel bzw. schwefelhaltigen Verbindungen erfordern in der Rauchgasreinigung entsprechend
hohen Aufwand hinsichtlich der Neutralisation.
Ferner ist zu berücksichtigen, dass bei der oben beschriebenen
Mitverbrennung von heizwertreichen, chlor- und schwermetallhaltigen Abfallfraktionen
in Kohlekesseln Korrosionen beobachtet werden.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren und eine
Vorrichtung anzubieten, welche die Nachteile des Standes der Technik überwindet,
die de-Novo-Synthese von Dioxinen hemmt und die halogensalz-induzierte Korrosion
von Wärmetauscherflächen verringert.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung ist es, die Emission
von Schwermetallverbindungen zu reduzieren und eine unproblematische und kostengünstige
Verbrennung von halogen- und metallbelasteten Abfällen bereitzustellen.
Es wurde daher auf Basis der oben genannten Erkenntnisse nach einem
Verfahren und einer Vorrichtung gesucht, das die auf den Wärmetauscherflächen
abgelagerten halogenreichen Schwermetallmischsalzen bevorzugt in Sulfate umwandelt,
die Neubildung von Dioxinen und Furanen so weit wie möglich verhindert und
zugleich die zusätzliche Zuführung an schwefelhaltigen Hilfs- oder Brennstoffen
sowie eine zusätzliche Belastung der Rauchgasreinigung und Aufwendungen zur
Neutralisation der Schwefeloxide auf ein Minimum reduziert.
Es sollten dabei schwefelhaltige Produkte so verbrannt werden, dass
ein maximaler Anteil an Schwefeltrioxid entsteht. Diese Reaktion kann erzwungen
werden, wenn z. B. feindispergierter elementarer Schwefel über eine geeignete
Vorrichtung mit Luft angesaugt, mit dieser in den Feuerraum eingeblasen und mit
hohem Luftüberschuss bei erhöhten Temperaturen verbrannt wird. Drei hierfür
geeignete typische Vorrichtungen werden im folgenden als SO3-Brenner
bezeichnet und beschrieben.
Es wird nicht angestrebt, die gesamte Chloridfracht im Rauchgas über
die Sulfatisierung zu verändern. Es sollen nur die ruhenden Beläge an
den Wänden durch vergleichsweise geringe SO3-Konzentrationen sulfatisiert werden.
Die Aufgabe wird mit einem Verfahren gemäß Anspruch 1 und
einer Vorrichtung gemäß Anspruch 6 gelöst. Weitere Vorteile ergeben
sich aus den abhängigen Ansprüchen sowie der nachfolgenden Beschreibung.
Die Ergebnisse hinsichtlich der verstärkten Korrosionsneigung
wurden auch durch Versuche nach Umstellung der Anfahr- und Stützbrenner einer
Abfallverbrennungsanlage von schwerem Heizöl (ca. 2%S) auf Heizöl El (<0,2%S)
bestätigt.
Die Erfinder haben erkannt, dass nach den Reaktionsmechanismen und
der Reaktivität der beteiligten Gase Cl2, SO2 und SO3
der SO3 -Anteil bevorzugt das Cl– aus den entsprechenden
Salzen austreibt und dass bei der üblichen Verbrennung von schwefelhaltiger
Kohle nur ein geringer Anteil des Schwefels zu SO3 oxidiert. Somit kamen
die Erfinder zu dem überraschenden Ergebnis, dass das Verfahren mit Zugabe
schwefelhaltiger Kohle nur unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich betrieben
werden kann. Die Zugabe an Schwefel bzw. Kohle muss bei Berücksichtigung der
im Stand der Technik genannten Anteile 20 bis 100-fach höher sein, als das
für die von den Erfindern angestrebte Reaktion notwendig ist.
Konstruktive und betriebliche Schutzmaßnahmen
Es wurden in den unterschiedlichen Kesselbereichen geeignete Schutzmaßnahmen
entwickelt, die mit Ausnahme der Überhitzerbereiche ausreichende Standzeiten
gestatten.
Zum Schutz der warmfesten Stähle gegen diese aggressiven Gase
wurden diese mit unterschiedlichen Erfolgen im Bereich der Rauchgastemperaturen
bis zu 800°C mit Feuerfestzustellungen geschützt. Man hat jedoch sehr
schnell erfahren müssen, dass viele dieser Produkte von Dämpfen (z.B.
ZnCl2) durchdrungen werden und unter den Zustellungen Korrosionsschäden
an den Heizflächen verursachen. Einen großen Vorteil brachten die dichten
nitridgebundenen SiC-Platten und vergleichbare Produkte, die mit geeigneten Massen
vor den Heizflächen installiert sind.
Bei Heizflächen, die mit tieferen Rauchgastemperaturen im Bereich
zwischen 1000 und 700°C angeströmt werden, hat sich der Einsatz von Auftragschweißungen
mit Nickelbasisiegierungen bewährt. Diese Verfahren wurden als Auftragsschweißung
oder unter dem Begriff Cladding mit z. B. Alloy 625 bekannt. Alternativ werden auch
Compoundrohre aus druckfesten wasser- und dampfführenden ferritischen Kesselrohren,
die bei der Herstellung mit einem austenitischen Rohrmantel (Vollmaterial) überzogen
werden, eingesetzt. Der Einsatz thermischer Spritzschichten wird erprobt und einige
Schichtsysteme haben den technischen Stand von Prototypen erreicht, an denen weiter
entwickelt wird.
Das Aufbringen dieser Schutzschichten ist sehr aufwändig. Die
Standzeiten sind in Abhängigkeit der Qualität der Schweißung, der
Belastung aus dem Rauchgas und dem Temperaturregime begrenzt.
Beschreibung eines typischen Verbrennungskessels mit den erfindungsgemäßen
SO3-Brennern.
Das beschriebene Verfahren und die vorgeschlagenen Vorrichtungen sind
grundsätzlich in allen Typen von Rost, Wirbelschicht, Staubbrenner und alternativ
befeuerten Verbrennungskesseln geeignet.
In der 1 ist ein typischer Verbrennungskessel
mit einem Feuerraum (1), dem ersten Strahlungszug (2), dem zweiten
Strahlungszug (3) und dem dritten Strahlungszug (4) sowie einem
konvektiven Zug (5) dargestellt. Der Feuerraum (1) ist im Wesentlichen
begrenzt durch den Zuteiler (6), die Zünddecke (7), die Ausbranddecke
(8) und die Seitenwände des Feuerraums (9). Die Brennstoffzufuhr
erfolgt über die Müllzufuhr (10) und den Zuteiler (6).
Die Verbrennung erfolgt auf dem Verbrennungsrost (11). Die ausgebrannte
Schlacke fällt nach dem Rost (11) in den Schlackefallschacht (12)
zum Entschlacker. Die Primärluft (13) wird durch den Rost (11)
zugeführt: Die Sekundärluft (14) dient der Vermischung und dem
sichereren Ausbrand der Gase vor dem Eintritt in den ersten Strahlungszug (2).
Über der Sekundärlufteindüsung (14) sind die Anfahr- und
Stützbrenner (24) installiert
Die Wände des ersten Strahlungszuges können zur Einhaltung
der Mindestverbrennungsbedingungen und zum Schutz der Heizflächen gegen Korrosionen
im unteren Bereich mit Feuerfestzustellung (15) zugestellt sein.
Die Membranwände (29) über der Feuerfestzustellung
(15) im ersten Strahlungszug (2) und zum Teil im zweiten Strahlungszug
(3) können mit einer Aufschweißung aus Nickelbasislegierungen
(17) gegen Korrosionen geschützt werden. Danach sind bei den üblichen
Siedewassertemperaturen von 240 bis 320°C und den abgesenkten Rauchgastemperaturen
üblicherweise keine Korrosionsschutzmaßnahmen im unteren Teil des zweiten
Zuges (3) und dem dritten Zug (4) erforderlich.
Die Rauchgase kühlen sich üblicherweise vom Eintritt (18)
in den ersten Zug (2) mit 1000–1300°C bis zum Verlassen des
dritten Zuges (4) auf 450–650°C ab und treten mit diesen Temperaturen
in den konvektiven Zug (5) ein. Im konvektiven Zug (5) kühlen
sich die Rauchgase an einem Schutzverdampfer (19), an Überhitzern
(20), Verdampfern (21) und Economisern (22) auf 180–230°C
ab und verlassen den Kessel durch den Abgaskanal (23).
Im Bereich (16) bildeten sich bisher in den Belägen
auf katalytischem Weg neue Dioxine und Furane (De Novo Synthese), die nunmehr durch
Deaktivierung des Katalysators unterbunden werden.
Der erfindungsgemäße SO3-Brenner (26)
kann grundsätzlich in allen Bereichen des Kessels angeordnet werden. Er bringt
aber besondere Vorteile in Verbindung mit einer Einleitung im Bereich der Sekundärluftdüsen.
In der beispielhaft gewählten Darstellung in 1
ist der SO3-Brenner (26) in der Membranwand des ersten Zuges
(2) etwa in der Höhe der Anfahr- und Stützbrenner (24)
angeordnet. Damit wird sichergestellt, dass die schwefelhaltigen Produkte bereits
im Anfahrbetrieb sicher gezündet und mit Überschuss an Sauerstoff zu einem
möglichst hohen SO3-Umsatz verbrannt werden. Der SO3-Brenner
(26) ist mit der Kesseldeckentemperatur (25) und/oder den Anfahr-
und Stützbrennern (24) sicherheitstechnisch so verriegelt, dass eine
Zündung des schwefelhaltigen Brennstoffes sichergestellt ist. Durch die Anordnung
des SO3-Brenners (26) mit der SO3-Flammentwicklung
(32) im Bereich einer hohen Turbulenz oberhalb der zur Vermischung vorgesehenen
Sekundärluftdüsen ist eine gute Vermischung der SO3 Gase in
den Rauchgasen des Kessels sichergestellt.
In den 2 und 3
werden die SO3-Brenner mit und ohne integriertem Katalysator dargestellt,
der nachfolgend auch als Katalysatorstrecke bezeichnet wird.
Die Dosierung der schwefelhaltigen Brennstoffe konzentrisch in den
Sekundärluftdüsen ist in der 4 skizziert.
Auch in dieser Variante ist zunächst der Überschuss an Sauerstoff und
danach die Vermischung mit den Rauchgasen sichergestellt. Dieses Verfahren kann
allerdings nicht im Anfahrbetrieb der Anlage, sondern nur bei normalem Betrieb der
Anlage genutzt werden, da nur dann im Außenbereich des Freistrahls der Sekundärluft
für die Zündung und direkte Verbrennung des Schwefels zum SO3 die notwendige
hohe Temperatur durch die Strahlung sichergestellt ist.
In der 2 wird der SO3-Brenner
(26) als Prinzipskizze in der Einbaulage in der Membranwand (30)
dargestellt. In diesem Beispiel wird ein Staubbrenner dargestellt.
Bei der Dimensionierung des SO3-Brenners ist die Isolation
(31) und die Feuerfestzustellung (15) der Membranwand zu berücksichtigen.
Der SO3-Brenner wird über entsprechend dimensionierte
Anschlüsse mit einem sauerstoffhaltigen Treibmedium (27) und mit schwefelhaltigem
Brennstoff (29) versorgt. Die Düse für das Treibmedium (28)
ist zentrisch im Brenner 26 installiert. Zum Schutz gegen die widrigen
Bedingungen wird um den SO3-Brenner eine Schutzhülse (33)
installiert, die mit Spül- und Kühlluft (34) versorgt wird.
In der 3 wird der SO3-Brenner
(26) mit integriertem Katalysator (38) als Prinzipskizze in der
Einbaulage in der Membranwand (30) dargestellt. In diesem Beispiel wird
ein Staubbrenner mit integriertem Katalysator (38) dargestellt. Als katalytisch
wirksames Material für den Katalysator (38) wird vorzugsweise Platin
genutzt. Bei der Dimensionierung des SO3-Brenners ist die Isolation (31)
und die Feuerfestzustellung (15) der Membranwand zu berücksichtigen.
Der SO3-Brenner wird über entsprechend dimensionierte Anschlüsse
mit einem sauerstoffhaltigen Treibmedium (27) und mit schwefelhaltigem
Brennstoff (29) versorgt. Die Düse für das Treibmedium (28)
ist zentrisch im Brenner (26) installiert. Zusätzlich ist ein Zünd-
und Stützbrenner (35) mit einer Sauerstoffversorgung (36)
und Brenngasversorgung (37) Installiert, um Zündung und sichere Verbrennung
des schwefelhaltigen Produktes sicherzustellen. Zum Schutz gegen die widrigen Bedingungen
wird um den SO3 Brenner eine Schutzhülse (33) installiert,
die mit Spül- und Kühlluft (34) versorgt wird.
In der 4 wird die erfindungsgemäße
Vorrichtung konzentrisch in einer Sekundärluftdüse (14) dargestellt.
Die Düse ist in der Zündnase (40), dem Übergangbereich von
der Kesselwand des 1. Zuges (2) und der Zünddecke (7) installiert.
Die Sekundärluftdüse wird über die Sekundärluftzuführleitung
(41) mit Luft versorgt. Durch die Verbrennung der Gase aus der Feuerung
mit der Sekundärluft bildet sich die äußere Flammfront (44)
aus. Erfindungsgemäß wird konzentrisch in der Sekundärluftdüse
(14) das Zuführrohr (42) für die zu verbrennenden schwefelhaltigen
Substanzen installiert. Die Zuführung schwefelhaltiger Substanzen (43)
erfolgt in das Zuführrohr (42). Direkt vor dem Zuführrohr (42)
bildet sich die innere Flammfront (45) aus. Die Zündung und Beheizung
der Schwefelverbrennung mit der Ausbildung der inneren Flammfront (45)
erfolgt durch die äußere Flammfront (44).
Um bei einem Kessel mittlerer Größe mit einer Rauchgasmenge
von 70.000 Nm3/h bilanztechnisch eine SO3-Konzentration von
50 mg/Nm3 einzustellen, wird bei vollständigen Umsatz eine Menge
von 1,4 kg/h elementarer Schwefel benötigt. Der stöchiometrische Sauerstoffbedarf
errechnet sich zu 1,5 Nm3/h entsprechend einer Luftmenge von 7 Nm3/h.
Diese Volumenströme sind bezogen auf die Rauchgasmenge von 70000 m3/h
so gering, dass auch ein 10-facher Luftüberschuss im Abgas des Kessels kaum
messbar sein dürfte. Diese SO3 Fracht wird praktisch eine äquivalente
Menge an Cl– freisetzen und über diesen Weg einen zusätzlichen
Kalkhydratverbrauch von 3,3 kg/h verursachen. Die zu entsorgende Neutralisationsmenge
beträgt bei stöchiometrischer Reaktion und Einsatz von Calciumhydroxid
4,8 kg/h Calciumchlorid.
Vergleichsbeispiel
Nimmt man den in der Patentschrift DE
10131464 B4 angestrebten SO2-Überschuss von 1000 mg/m3
im Rohgas als Größenordnung für eine Vergleichsrechnung mit gleichem
Volumenstrom an, so benötigt man hierfür 35 kg/h elementaren Schwefel
und bei stöchiometrischer Neutralisation in der Rauchgasreinigung 81 kg/h Calciumhydroxid.
Die zu entsorgende Sulfit- oder Sulfatmenge beträgt 131 bzw. 149 kg/h.
Für eine Konversionsrate von 2% ist die notwendige SO2-Konzentration
mit 2500 mg/Nm3 um ca. 50-fach höher. Entsprechend höher sind
auch die einzubringende Schwefel- und Calciumhydratfracht sowie die zusätzlich
zu entsorgende Reststoffmenge. Wollte man bei gleicher Rauchgasmenge die gleiche
SO3-Konzentration von 50 mg/Nm3 mit schwerem Heizöl (2%
S) und gleicher Konversionsrate von 2% erreichen, müsste man dafür ca.
5600 l/h Öl verbrennen und würde dabei die zulässige Dampfleistung
des Kessels massiv überschreiten.
Beschreibung zur Figur 1
- 1
- Feuerraum
- 2
- erster Strahlungszug
- 3
- zweiter Strahlungszug
- 4
- dritter Strahlungszug
- 5
- konvektiver Zug
- 6
- Zuteiler
- 7
- Zünddecke
- 8
- Ausbranddecke
- 9
- Seitenwände des Feuerraums
- 10
- Müllzufuhr
- 11
- Verbrennungsrost
- 12
- Schlackefallschacht
- 13
- Primärluft
- 14
- Sekundärluft
- 15
- Feuerfestzustellung im ersten Zug
- 16
- Bereich für die de Novo Synthese
- 17
- austenitische Aufschweißung
- 18
- Eintritt in den ersten Zug
- 19
- Schutzverdampfer
- 20
- Überhitzer
- 21
- Verdampfer
- 22
- Economiser
- 23
- Abgaskanal
- 24
- Anfahr- und Stützbrenner
- 25
- Kesseldecktemperatur
- 26
- erfindungsgemäßer SO3 Brenner
Beschreibung zur Fig. 2 (SO3 Brenner ohne Kat)
- 26
- erfindungsgemäßer SO3-Brenner
- 27
- sauerstoffhaltiges Treibmedium
- 28
- Düse für Treibmedium
- 29
- schwefelhaltiges Produkt
- 30
- Membranwand
- 31
- Isolation
- 32
- SO3-Flammentwicklung
- 33
- Schutzhülse
- 34
- Spül- und Kühlluft
Beschreibung zur Figur 3 (SO3 Brenner mit Kat)
- 26
- erfindungsgemäßer SO3-Brenner
- 27
- sauerstoffhaltiges Treibmedium
- 28
- Düse für Treibmedium
- 29
- schwefelhaltiges Produkt
- 30
- Membranwand
- 31
- Isolation
- 32
- SO3-Gas
- 33
- Schutzhülse
- 34
- Spül- und Kühlluft
- 35
- SO3 Zünd- und Stützbrenner
- 36
- Sauerstoffversorgung
- 37
- Brenngasversorgung
- 38
- katalytische Reaktionsstrecke
Beschreibung zur Fig. 4
- 40
- Zündnase
- 41
- Sekundärluftzuführleitung
- 42
- Zuführrohr
- 43
- Zuführung schwefelhaltiger Substanzen
- 44
- äußere Flammfront
- 45
- innere Flammfront