Verfahren, bei dem ein tetrachlorsilanhaltiges Eduktgas mit einem wasserstoffhaltigen Eduktgas bei einer Temperatur von 900°C bis 1300°C umgesetzt wird, wobei eine trichlorsilanhaltige Produktmischung entsteht, dadurch gekennzeichnet, dass die Umsetzung bei einem überkritischen Druck der Eduktgase erfolgt.
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Trichlorsilan
mittels thermischer Hydrierung im überkritischen Druckbereich.
Bei der Umsetzung von Trichlorsilan mit Wasserstoff zur Herstellung
von polykristallinem Silizium fallen große Mengen an Tetrachlorsilan an. Das
Tetrachlorsilan kann durch die Tetrachlorsilankonvertierung, eine katalytische bzw.
thermische Dehydrohalogenierungsreaktion von Tetrachlorsilan mit Wasserstoff, wieder
zu Trichlorsilan und Chlorwasserstoff umgewandelt werden. Zur Konvertierung von
Tetrachlorsilan in Trichlorsilan sind zwei Verfahrensvarianten bekannt. Die Niedertemperaturkonvertierung
erfolgt in Anwesenheit von Silizium und einem Katalysator bei Temperaturen im Bereich
400°C bis 700°C. Die Patente US
2595620 A, US 2657114 A
(Union Carbide and Carbon Corporation/Wagner 1952) und US
2943918 A (Compagnie de Produits Chimiques et electrometallurgiques/Pauls
1956) berichten über eine partielle Hydrierung von Tetrachlosilan in Anwesenheit
von Katalysatoren (z.B. metallischen Chloriden).
Da die Anwesenheit von Katalysatoren, z.B. Kupfer, zu Verunreinigungen
des Trichlorsilan und des daraus hergestellten polykristallinen Siliziums führen
kann, wurde ein zweites Verfahren, das Hochtemperaturverfahren, entwickelt. Bei
diesem Verfahren werden die Edukte Tetrachlorsilan und Wasserstoff bei höheren
Temperaturen als beim Niedertemperaturverfahren ohne Katalysator zu Trichlorsilan
umgesetzt. Die Tetrachlorsilankonvertierung ist ein endothermer Prozess, wobei die
Bildung der Produkte gleichgewichtslimitiert ist. Um überhaupt zu einer signifikanten
Ausbeute and Trichlorsilan zu gelangen, müssen im Reaktor hohe Temperaturen
(> 900 °C) vorliegen. So beschreibt US
3933985 A (Motorola INC/Rodgers 1976) die Umsetzung von Tetrachlorsilan
mit Wasserstoff zu Trichlorsilan bei Temperaturen im Bereich von 900°C bis
1200°C und mit einem Molverhältnis H2:SiCl4 von
1:1 bis 3:1, Es werden dabei Trichlorsilan Ausbeuten von 12–13 % erreicht.
US 4217334 A (Degussa/Weigert 1980)
beschreibt ein optimiertes Verfahren zur Umwandlung von Tetrachlorsilan in Trichlorsilan
mittels der Hydrierung von Tetrachlorsilan mit Wasserstoff in einem Temperaturbereich
von 900°C bis 1200°C. Durch ein hohes Molverhältnis H2:SiCl4
(bis 50:1) und eine Flüssigkeitsquenche des heißen Produktgases unter
300°C (Flüssigkeit: Produkt oder inerte Flüssigkeit, Abkühlzeiten
50 ms) werden deutlich höhere Trichlorsilanausbeuten (bis ca. 35 % bei einem
H2:SiCl4 Verhältnis von 5:1) erzielt. Nachteil dieses
Verfahrens ist der deutlich höhere Wasserstoffanteil im Reaktionsgas sowie
die angewendete Quenche mittels einer Flüssigkeit, da beides den energetischen
Aufwand und damit die Kosten des Verfahrens stark erhöht. Die Quenche ist notwendig
um das sich auf der SiHCl3 und HCl Seite befindliche Reaktionsgleichgewicht
einzufrieren.
Auch aus US 4,217,334 A
List bekannt, dass es vorteilhaft ist das Gleichgewicht durch quenchen „Einzufrieren".
In US 4217334 A geschieht dies durch
sofortiges Quenchen mit SiCl4 von 1100°C auf 300 °C. Auch dieses
Verfahren ist energe- tisch unbefriedigend und damit teuer.
Das Abstract zu JP60081010
A (Denki Kagaku Kogyo K.K./1985) beschreibt ein Quench-Verfahren bei niedrigeren
H2:SiCl4 Verhältnissen zur Erhöhung des Trichlorsilangehaltes
im Produktgas. Die Temperaturen im Reaktor liegen bei 1200°C bis 1400°C;
das Reaktionsgemisch wird innerhalb einer Sekunde bis auf weniger als 600°C
abgekühlt. Auch bei diesem Quench-Verfahren geht die Energie des Reaktionsgases
zum Großteil verloren, was sich stark negativ auf die Wirtschaftlichkeit des
Verfahrens auswirkt.
DE 3024319 C2 beschreibt ein kontinuierliches
Verfahren, bei dem ein Gemisch aus Tetrachlorsilan und Wasserstoff in einem Hochtemperaturreaktor
bei 900–1300 °C reagiert und bei dem der entstehende Chlorwasserstoff
nach Abkühlung in einem Nachreaktor an einem Siliciumkontakt bei 280 bis 350°C
zu weiterem Trichlorsilan umgesetzt wird. Das nicht umgesetzte Tetrachlorsilan und
der nicht umgesetzte Wasserstoff werden wieder dem Hochtemperaturreaktor zugeführt.
Vorzugsweise wird dieses Verfahren bei 1 bis 6 bar durchgeführt. Um die Energieeffizienz
des Verfahrens zu erhöhen, wird in DE
3024319 C2 eine Wärmeaustauschereinheit an dem Hochtemperaturreaktor
integriert.
Aufgrund der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung der Produktion
von polykristallinem Silicium z.B. für die Photovoltaik und der ständig
steigenden Energiepreise wurden in den vergangenen Jahren verstärkt Anstrengungen
unternommen, den Primärenergieeinsatz bei der Silankonvertierung bezogen auf
die Trichlorsilan Ausbeute effizienter zu gestalten. Aufgabe der Erfindung war es,
ein kostengünstiges Verfahren zur Herstellung von Trichlorsilan mittels thermischer
Hydrierung von Tetrachlorsilan zur Verfügung zu stellen, welches eine hohe
Trichlorsilan-Ausbeute mit einer im Vergleich zum Stand der Technik erhöhten
Wirtschaftlichkeit ermöglicht.
Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren, bei dem ein tetrachlorsilanhaltiges
Eduktgas mit einem wasserstoffhaltigen Eduktgas bei einer Temperatur von 900°C
bis 1300°C umgesetzt wird, wobei eine trichlorsilanhaltige Produktmischung
entsteht, dadurch gekennzeichnet, dass die Umsetzung bei einem überkritischen
Druck der Eduktgase erfolgt.
Vorzugsweise besteht das tetrachlorsilanhaltiges Eduktgas aus Tetrachlorsilan.
Vorzugsweise besteht das wasserstoffhaltigen Eduktgas aus Wasserstoff. Vorzugsweise
besteht die trichlorsilanhaltige Produktmischung aus Trichlorsilan, Chlorwasserstoff
sowie nicht umgesetzten Eduktgase.
Die Reaktionsgeschwindigkeit, mit der sich das chemische Gleichgewicht
einstellt, geht mit dem Anstieg des Drucks einher. Bei einem Druck über dem
kritischen Druck der Mischung der Eduktgase (des Eduktgemisches) stellt sich das
chemische Gleichgewicht nahezu unabhängig von der Verweilzeit der Eduktgase
im Reaktionsraum ein. Eine Druckerhöhung über den kritischen Druck des
Eduktgemisches hinaus erhöht die Trichlorsilan Ausbeute nicht weiter, so dass
als optimale Druck ein Druck oberhalb des kritischen Druckes des Eduktgemisches
gewählt wird.
Der kritische Druck von Wasserstoff liegt bei ca. 12,9 bar, der kritische
Druck des Tetrachlorsilan liegt bei 35,9 bar. Der kritische Druck des Gemisches
ergibt sich aus dem Molanteil der Komponenten im Gemisch multipliziert mit dem kritischen
Druck der Einzelkomponente. Überkritisch liegt das Gemisch vor, sobald der
Systemdruck größer ist als der kritische Druck des Gemisches. Dies ist
z.B. bei einem Molverhältnis von Tetrachlorsilan:H2 = 1:3 bei 18,7
bar der Fall.
Bevorzugt erfolgt die Umsetzung bei einem Druck von größer
12,9 bar, bevorzugt bei 12,9 bis 100 bar. Besonders bevorzugt erfolgt die Umsetzung
bei einem Druck bei 12,9–35,9 bar, d.h. im überkritischen Druckbereich
eines H2/Tetrachlorsilan Gemisches. Insbesondere bevorzugt erfolgt die
Umsetzung bei einem Druck von 14–24 bar.
Vorzugsweise liegen Tetrachlorsilan und Wasserstoff in einem Molverhältnis
von 1:1 bis 1:100 vor. Besonders bevorzugt wird das Molverhältnis Tetrachlorsilan:H2
im Bereich 1:1 bis 1:10 und insbesondere bevorzugt im Bereich von 1:1 bis 1: 3 Die
dadurch erreichte erhöhte Effizienz zeigt sich bei gegebener Reaktorgröße
in einer erhöhten Raumzeitausbeute an Trichlorsilan, sowie durch eine höhere
Energieeffiziens des Gesamtprozesses.
Das erfindungsgemäße Verfahren findet, wie für das
Hochtemperaturverfahren üblich, ohne Zusatz weiterer Komponenten wie z.B. eines
Katalysators statt. Bevorzugt erfolgt die Umsetzung bei einer Temperatur von 950–1200
°C.
Die Verweilzeit der Eduktgase in der Reaktionszone beträgt vorzugsweise
200–0,05 Sekunden, besonders bevorzugt 10 bis 0,1 Sekunden.
Das Produktgemisch wird anschließend vorzugsweise in einer Abkühlzeit
von 200 bis 0,05, bevorzugt 10 bis 0,1 Sekunden auf 300°C gekühlt. Die
Abkühlung erfolgt vorzugsweise mittels eines Gegenstromwärmetauschers
z.B. wie in DE 3024319 beschrieben.
Unter den genannten Bedingungen zeigt sich eine deutlich verbesserte
Trichlorsilanausbeute. Bei den genannten Verweilzeiten und Abkühlzeiten auf
300°C wird bei einem Druck von einem bar und einem Molverhältnis von 1:3
eine Trichlorsilan Ausbeute von ca. 11–12 Gew.% erzielt. Bei einer Drucksteigerung
auf 5 bar wird eine Trichlorsilan Ausbeute von ca. 13,5 Gew.% Trichlorsilan erreicht.
Bei höheren Drücken im Bereich des kritischen Drucks des Eduktstroms wird
die höchste Trichlorsilanausbeute von nahezu 20% erreicht.
Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht eine hohe
Trichlorsilan-Ausbeute bei gleichzeitiger Energierückgewinnung. Zudem ermöglicht
es bei gegebener Reaktorgröße eine höhere Raumzeitausbeute als herkömmliche
Verfahren und eine damit einhergehende Reduktion der Abwärme des Reaktors sowie
eine Verkleinerung der peripheren Vorrichtungen, wie z.B. des Wärmetauschers.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann in einem üblichen
Reaktor zur Hydrogenierung von SiCl4, durchgeführt werden. Vorzugsweise
wird es in einem Reaktor durchgeführt, dessen mit den Reaktionsgasen in Berührung
kommenden Innenwände mit Bauteilen auf der Basis von Siliciumnitrid oder Siliciumcarbid
ausgekleidet sind oder aus den genannten Materialien bestehen.
Ein solcher Reaktor ist beispielsweise aus DE
102005046703 bekannt.
Wenn der Reaktor aus dem bei der Hochtemperaturreaktion üblicherweise
verwendeten unlegierte C-Stahl besteht, so sollte die Temperatur der Reaktorwandung
mit einem Kühlmedium unter 200 °C gehalten werden. Dazu ist der Reaktor
vorzugsweise mit einer Doppelwand versehen, durch die Kühlmedium fließt.
Als Kühlmedium kommen Wasser, aber auch Silane wie z.B. SiCl4 in
Frage. Alternativ und um den Kühlbedarf zu vermeiden kann der Reaktor auch
aus einem höher legierten Stahl, wie z.B. X12CrMo7, aufgebaut sein.
Vorzugsweise wird das erfindungsgemäße Verfahren bei einem
Systemdruck des Eduktstroms im überkritischen Bereich, worunter die bereits
genannten Druckbereiche zu verstehen sind, und bei einem Systemdruck des Produktstroms
im unterkritischen Bereich durchgeführt, worunter ein Systemdruck zu verstehen
ist, der kleiner ist als der kritische Druck des Produktgemisches. Dies wird z.B.
dadurch erreichet, dass das Produktgemisch nach der Reaktionszone sofort entspannt
wird. Besonders bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren in einem
Reaktor mit einem integrierten Wärmetauscher durchgeführt.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Beispielen sowie Vergleichsbeispielen
weiter erläutert. Die in den Beispielen beschriebenen Versuche wurden in einem
Quarzglas Reaktor durchgeführt, der von einer druckfesten Stahlhülle umgeben
ist. Das gesamte Reaktorvolumen mit integriertem Wärmetauscher kann unter Druck
gesetzt werden. Als Druckerzeuger dient Wasserstoff der über einen Verdichter
auf den gewünschten Druck verdichtet wird. Dieser Reaktor wird im Folgenden
als Hochtemperaturreaktor bezeichnet.
Beispiel 1:
Ein Gasgemisch aus 25 Mol% Tetrachlorsilan und 75 % Mol Wasserstoff
wurde bei einer Temperatur von 950 °C, und den in Tab. 1 genannten Druckstufen
und einer Verweilzeit von einer sec. in einem Hochtemperaturreaktor jeweils zur
Reaktion gebracht. Dabei wird das Gasgemisch in einer Wärmetauschereinheit
durch die aus dem Reaktor strömenden heißen Gase vorgewärmt und schließlich
bei einer Temperatur von 950°C durch einen Hochtemperaturreaktor geleitet.
Die Zusammensetzung des aus dem Reaktor austretenden Produktgases, eines Gemisches
aus SiHCl3 (TCS) und SiCl4 (STC) wurde mit Hilfe eines Gaschromatographen
bestimmt. Die Messwerte sind in Tab. 1 wiedergegeben.
Tab. 1
Der STC Gehalt ergibt sich jeweils als 100 Gew.% -TCS Anteil.
Diese Ergebnisse zeigen, dass bei einem erhöhten Druck die Umsetzungsgeschwindigkeit
bei einer Verweilzeit von ca. einer Sekunde sich stark erhöht und es nach Erreichen
des kritischen Drucks des Eduktgemisches (hier 18.6 bar) zu keiner signifikanten
Erhöhung der TCS Ausbeute mehr kommt.
Beispiel 2:
Ein Gasgemisch aus 25 Mol% Tetrachlorsilan und 75 % Mol Wasserstoff
wurde in einer Wärmetauschereinheit durch die aus dem Reaktor strömenden
heißen Gase vorgewärmt und schließlich bei einer Temperatur von 950°C
durch einen Hochtemperaturreaktor geleitet. Die Verweilzeit im Reaktor beträgt
50 mSek, bzw. 500 mSek bzw. 5 Sekunden. Die Abkühlzeit aus dem Reaktor wird
konstant bei ca. einer Sekunde gehalten. Der Druck wurde wie in Tab. 2 angegeben
variiert. Die Zusammensetzung des aus dem Reaktor austretenden
Produktgases, eines Gemisches aus SiHCl3 und SiCl4 wurde mit
Hilfe eines Gaschromatographen bestimmt. Die Messwerte sind in Tab. 2 wiedergegeben.
Tab. 2
Das Beispiel zeigt dass die Produktionsgeschwindigkeit im Druckbereich
> pkrit (hier 18.6 bar) unabhängig von der Verweilzeit im Reaktionsraum
ist.
Anspruch[de]
Verfahren, bei dem ein tetrachlorsilanhaltiges Eduktgas mit einem wasserstoffhaltigen
Eduktgas bei einer Temperatur von 900°C bis 1300°C umgesetzt wird, wobei
eine trichlorsilanhaltige Produktmischung entsteht, dadurch gekennzeichnet, dass
die Umsetzung bei einem überkritischen Druck der Eduktgase erfolgt.Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die
Umsetzung bei einem Druck größer 12,9 bar, bevorzugt 12,9 bis 100 bar,
besonders bevorzugt 12,9–35 bar, insbesondere bevorzugt bei 14–24
bar erfolgt.Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass Tetrachlorsilan und Wasserstoff in einem Molverhältnis von 1:1 bis 1:100,
bevorzugt von 1:1 bis 1:10 und insbesondere bevorzugt von 1:1 bis 1:3 vorliegt.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, dass die Eduktgase in der Reaktionsszone 200 – 0,05 Sekunden,
bevorzugt 10 bis 0,1 Sekunden verweilen.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, dass es bei einem Systemdruck des Eduktstrom im überkritischen
Bereich und einem Systemdruck des Produktstroms im unterkritischen Bereich durchgeführt
wird.Verfahren gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der
Systemdruck des Produktstroms im unterkritischen Bereich durch ein Entspannen nach
der Reaktionszone erreicht wird.