Die Erfindung betrifft einen Kugelhahn mit einem drehbar in einem
Gehäuseblock mit zumindest zwei Anschlussbohrungen gelagerten, wenigstens eine
Durchtrittsbohrung aufweisenden Stellorgan und mit einer zumindest einer Anschlussbohrung
zugeordneten Dichtungsanordnung, umfassend jeweils ein an der Mantelfläche
des Stellorgans mittels eines Vorspannelements unter Vorspannung anliegenden, ringförmigen
Dichtelement.
Ein derartiger Kugelhahn ist beispielsweise in DE
101 61 457 C2 beschrieben. Der in diesem Dokument beschriebene Kugelhahn
verfügt über ein kugelartig ausgebildetes Stellorgan, welches in diesem
Dokument als Absperrorgan bezeichnet ist. Das Stellorgan weist eine T-Bohrung auf.
Das Stellorgan ist in einem Gehäuseblock gelagert und über eine Schaltwelle
in ihre unterschiedlichen Schaltstellungen drehbar. In dem Gehäuseblock sind
mehrere Anschlussbohrungen zum Anschließen von Zu- und Ableitungen eingebracht.
Zum Abdichten der Mantelfläche des Stellorgans gegenüber den Anschlussbohrungen
befindet sich in jeder Anschlussbohrung eine Dichtungsanordnung. Die Dichtungsanordnung
umfasst ein ringförmiges, als Dichtschale ausgebildetes Dichtelement aus Kunststoff,
das sich an seiner von der Mantelfläche des Stellorgans wegweisenden Seite
an einem Vorspannelement abstützt. Als Vorspannelement dient ein elastischer
Dichtring. Als Widerlager für den Dichtring dient ein in eine solche Anschlussbohrung
eingeschraubter Einsatz, durch den der Dichtring gegen die Rückseite der Dichtschale
gepresst und somit die Dichtschale mit ihrer zur Mantelfläche des Stellorgans
weisenden Dichtfläche gegen dieselbe unter Vorspannung gestellt wird.
Derartige Kugelhähne eignen sich zum Einbau in flüssigkeits-
oder gasführende Installationen. Derartige Installationen werden mitunter auch
benötigt, um tiefgekühlte Gase, die die Installation dann als Flüssigkeit
durchströmen, zu leiten. Stickstoff wird beispielsweise bei einer Temperatur
von –200°C in seinem flüssigen Zustand gehalten und muss beispielsweise
zum Abfüllen durch derartige Installationen hindurchgeleitet werden. Die zu
dem vorstehend beschriebenen Kugelhahn gehörenden Dichtungsan-Ordnungen eignen
sich jedoch nicht, damit der Kugelhahn in eine Installation eingebaut werden kann,
die von tiefgekühlten Fluiden durchströmt werden sollen. Bei diesen tiefen
Temperaturen verfügt der als Vorspannelement dienende elastische Dichtring
nicht mehr über materialelastische Eigenschaften, um den gewünschten Anpressdruck
der Dichtschale auf der Mantelfläche des Stellorgans bereitzustellen. Aufgrund
der bei hohen Temperaturdifferenzen eintretenden Materialverformung, insbesondere
unterschiedlichen Materialverformungsraten zwischen der Dichtschale aus Kunststoff
und den übrigen Metallbestandteilen eines solchen Kugelhahnes eignet sich ein
solcher Dichtring nicht, um den benötigten Stellhub allein aufgrund seiner
Materialelastizität bereitzustellen.
Ausgehend von diesem diskutierten Stand der Technik liegt der Erfindung
daher die Aufgabe zugrunde, einen eingangs genannten, gattungsgemäßen
Kugelhahn dergestalt weiterzubilden, dass sich dieser ebenfalls für einen Einbau
in Installationen eignet, die von tiefgekühlten Fluiden durchströmt werden
sollen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch einen eingangs
genannten, gattungsgemäßen Kugelhahn gelöst, bei dem das auf das
Dichtelement wirkende Vorspannelement ein nach Art eines Wellrohres ausgebildeter
Abschnitt als Teil eines in eine Anschlussbohrung des Gehäuseblockes eingesetzten
und an dem Gehäuseblock festgelegten Einsatzes ist, wobei das Vorspannelement
materialelastische Eigenschaften aufweist und das Vorspannelement gestaucht ist,
wenn der Einsatz am Gehäuseblock festgelegt ist, welcher Einsatz zudem über
einen Anschlussabschnitt verfügt, in welchem der Einsatz gegenüber dem
Gehäuseblock abgedichtet ist.
Bei diesem Kugelhahn ist vorgesehen, dass zumindest einer der Anschlussbohrungen
mit einer kälteunempflindlichen und vor allem gegen hohe Temperaturschwankungen
unempfindlichen Dichtungsanordnung ausgestattet ist. Typischerweise handelt es sich
bei dieser Anschlussbohrung um den Zulauf. Zweckmäßigerweise sind jedoch
alle Anschlussbohrungen des Kugelhahns mit einer solchen Dichtungsanordnung ausgerüstet.
Eine solche Dichtungsanordnung umfasst ein Vorspannelement, das nach Art eines Wellrohres
ausgebildet ist. Das Vorspannelement ist Teil eines Einsatzes, und zwar zweckmäßigerweise
an diesem angeformt.
Somit ist der Einsatz mit seinem Wellrohrabschnitt zweckmäßigerweise
aus einem einzigen Werkstück gefertigt. Der Einsatz ist in die Anschlussbohrung
des Gehäuseblockes eingesetzt und darin festgelegt, beispielsweise in die Anschlussbohrung
eingeschraubt. Das Vorspannelement ist Teil des Einsatzes und wird durch den Vorgang
des Einsetzens und Festlegens innerhalb der Anschlussbohrung gestaucht, da sich
dieses mit seinem vorderen freien Endabschnitt an dem Dichtelement und dieses wiederum
an der Mantelfläche des Stellorgans abstützt. Hierdurch wird die gewünschte
Vorspannung zwischen dem Dichtelement und der Mantelfläche des Stellorgans
bereitgestellt. Um dieses zu erreichen, weist das nicht vorgespannte Vorspannelement
eine entsprechend größere axiale Erstreckung auf als in seiner gestauchten
Stellung. Die eigentliche Vorspannkraft resultiert aus der Materialelastizität
des Vorspannelementes, wobei die gewählte Wellrohrform des
vorgespannten Spannelementes das Maß der Materialelastizität vorgibt.
Dieses erfolgt in Abhängigkeit von der Höhe der einzelnen Wellabschnitte
des Vorspannelementes. Diese Ausbildung gewährleistet, dass die Vorspannung,
mit dem der Dichtring auf die Mantelfläche des Stellorgans wirkt, auch bei
großen Temperaturschwankungen aufrechterhalten bleibt. Ein solches Vorspannelement
kann unter Beibehaltung einer ausreichenden Vorspannung auch größere Längenänderungen
kompensieren. Hier wirkt das Vorspannelement nach Art einer sich entspannenden Ziehharmonika.
Der Einsatz verfügt neben dem Vorspannelement über einen
Anschlussabschnitt, mit dem der Einsatz gegenüber dem Gehäuseblock bzw.
der Innenwand der Anschlussbohrung abgedichtet ist. Eine Längenänderung
in axialer Richtung bezüglich des Stauchgrades des Vorspannelements erfolgt
unabhängig von der äußeren Abdichtung des Einsatzes gegenüber
der Innenwand der Anschlussbohrung. Typischerweise verfügt der Anschlussabschnitt
des Einsatzes über Mittel zum Anschließen einer Leitung, insbesondere
einer medienbeaufschlagten Leitung. Der Anschluss der Leitung braucht dann lediglich
gegenüber dem Anschlussabschnitt des Einsatzes und nicht gegenüber weiteren
Elementen, beispielsweise dem Gehäuseblock abgedichtet zu sein.
Das Vorspannelement ist zweckmäßigerweise aus einem Metallwerkstoff
hergestellt, wobei Werkstoffe wie etwa Bronze oder Edelmetall bevorzugt sind. Diese
Werkstoffe weisen nicht nur die notwendige Gasdichtheit auf, sondern bleiben auch
innerhalb der zu betrachtenden Temperatur ausreichend materialelastisch.
Zum Herbeiführen der Abdichtung des Einsatzes gegenüber
der Innenwand der Anschlussbohrung sind gemäß einem bevorzugten Ausführungsbeispiel
ein oder mehrere Stufen vorgesehen. Durch diese ist der Durchmesser in Richtung
zum Stellorgan hin jeweils verjüngt. Jede Stufe dient als Anlagefläche
für einen Dichtring. Auch wenn grundsätzlich eine Abdichtung mit einer
oder nur im Bereich einer Stufe ausreichend ist, wird man typischerweise aus Redundanzgründen
zwei oder mehrere Stufen mit jeweils einem Dichtring vorsehen.
Nachfolgend ist die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels
unter Bezugnahme auf die beigefügte 1 beschrieben.
1 zeigt einen schematisierten Querschnitt durch einen
Kugelhahn 1, der als 2/2-Wege-Kugelhahn ausgebildet ist. Der Kugelhahn
1 verfügt über einen Gehäuseblock 2, in dem einen
nach Art einer Kugel ausgebildeten Stellorgan 3 um die Achse der an das
Stellorgan 3 angeschlossenen Schaltwelle 4 drehbar gelagert ist.
Zum Betätigen der Schaltwelle 4 verfügt diese an ihrem aus dem
Gehäuseblock 2 heraustretenden Ende über einen Vierkantkopf
5. Auf diesem kann ein Stellhebel zum Drehen der Schaltwelle
4 aufgesetzt werden. Das Stellorgan 3 weist eine das Stellorgan
3 querende Bohrung 6 auf.
In den Gehäuseblock 2 sind zwei Anschlussbohrungen
7, 8 eingebracht. Die Anschlussbohrungen 7,
8 dienen zur Aufnahme jeweils eines Einsatzes 9, 10,
an den die Installation, beispielsweise die Rohrleitungen angeschlossen werden.
Die Einsätze 9, 10 weisen jeweils einen der Längserstreckung
der Anschlussbohrungen 7 bzw. 8 folgenden zentralen Kanal
11, 12 auf. 1 zeigt die Schaltwelle
4 bzw. das Stellorgan 3 in Durchflussstellung. Der Kanal
11 des Einsatzes 9 fluchtet mit der Bohrung 6 des Stellorgans
3 und diese wiederum mit dem Kanal 12 des Einsatzes
10.
Der in die Anschlussbohrung 7 eingebrachte Einsatz
9 verfügt über einen Anschlussabschnitt 13. Der Anschlussabschnitt
13 trägt im Bereich eines Teils seiner äußeren Mantelfläche
ein Außengewinde 14, welches in der in
1 gezeigten montierten Stellung des Einsatzes
9 in ein komplementäres Innengewinde der Anschlussbohrung
7 eingreift. Der Anschlussabschnitt 13 und komplementär hierzu
ebenfalls die Innenwandung der Anschlussbohrung 7 sind gestuft ausgebildet,
wobei eine der Stufen dem Zweck dient, zwischen der Stufe des Einsatzes
9 und derjenigen der Anschlussbohrung 7 einen Dichtring
15 anzuordnen. Der Dichtring 15 dient zum Abdichten des Einsatzes
9 gegenüber der Innenwandung der Anschlussbohrung 7. Der
sich an das Außengewinde 14 des Einsatzes 9 nach außen
hin anschließende Abschnitt, der in 1 mit dem
Bezugszeichen 16 gekennzeichnet ist, dient zum Anschließen des Einsatzes
9 an eine Installation. Die Verbindungsmittel zum Herstellen der Verbindung
zwischen dem Einsatz 9 und der Installation sind der Einfachheit halber
in 1 nicht dargestellt.
Teil des Einsatzes 9 ist ferner ein wellrohrförmiger
Abschnitt, der das Vorspannelement 17 für eine von dem Einsatz
9 gehaltene Dichtschale ist. Die Dichtschale stützt sich mit ihrer
einen Seite an der Mantelfläche des Stellorgans 3 ab. Die Abstützanordnung
der Dichtschale 18 auf der Mantelfläche des Stellorgans
3 steht unter Vorspannung, die von dem Vorspannelement 17 bereitgestellt
wird. In dem in 1 gezeigten montierten Zustand des
Einsatzes 9 ist das Vorspannelement 17 in längsaxialer Richtung
etwas gestaucht, was aufgrund der wellrohrförmigen Ausbildung des Vorspannelementes
17 und seiner materialelastischen Eigenschaft ohne Weiteres möglich
ist. Da das Vorspannelement 17 materialelastische Eigenschaften aufweist,
liegt die Dichtschale 18 unter Vorspannung stehend an der Mantelfläche
des Stellorgans 3 an. Der Einsatz 9 des dargestellten
Ausführungsbeispiels ist aus Edelstahl hergestellt. Dieses Material ist nicht
nur gasdicht, sondern weist auch eine hinreichende Materialelastizität bei
sehr tiefen Temperaturen auf.
Der Einsatz 10 ist ebenso aufgebaut wie der Einsatz
9. Der Kugelhahn 1 eignet sich aufgrund der Ausgestaltung seiner
Einsätze vor allem zum Einbau in Installationen, die von unter Druck stehenden
tiefgekühlten Fluiden durchströmt werden sollen, wie beispielsweise tiefgekühlte
Gase.
Im Hinblick auf die bei einem solchen Einsatz erheblichen Temperaturdifferenzen
zwischen Umgebungstemperatur und den Temperaturen, wenn der Kugelhahn
1 von tiefgekühltem Gas durchströmt ist, bedingt dieses nicht
unbeträchtliche Längenänderungen der zumindest in unmittelbarem Kontakt
mit dem tiefgekühlten Fluid stehenden Elemente, wie beispielsweise die Einsätze
und die Dichtschalen. Die Längenänderungen sind ungleichmäßig,
da die aus Kunststoff gefertigte Dichtschale 18 ein anderes Temperaturverhalten
zeigt als der aus Edelstahl hergestellte Einsatz 9 mit seinem Vorspannelement
17.
Durch Ausbilden des Vorspannelementes 17 als Teil des Einsatzes
9 wird keine zusätzliche axiale Dichtung bei eintretenden Längenänderungen
benötigt. Die durch den Dichtring 15 erfolgende Außenabdichtung
ist von einer eintretenden Längenänderung infolge Temperaturschwankungen
unbeeinflusst. Unabhängig von der Ausdehnung oder dem Stauchen des Vorspannelementes
17 in längsaxialer Richtung des Einsatzes 9 ist regelmäßig
eine bestimmungsgemäße Außenabdichtung gegeben.
In einem weiteren, in den Figuren nicht dargestellten Ausführungsbeispiel
ist ein Kugelhahn vorgesehen, der grundsätzlich aufgebaut ist wie der in
1 gezeigte Kugelhahn 1. Im Unterschied zu
diesem verfügt dieser Kugelhahn nur an seiner medienbeaufschlagten Anschlussseite
– der Druckseite – einen in die diesbezügliche Anschlussbohrung
eingeschraubten Einsatz, der entsprechend dem Einsatz 9 bzw.
10 ausgebildet ist. In die andere Anschlussbohrung des Gehäuseblockes
ist ein anderer Einsatz eingeschraubt, und zwar ein solcher, der nur eine äußere
Abdichtung gegenüber der Innenwandung der Anschlussbohrung aufweist und nicht
auch über ein an der Mantelfläche des Stellorgans anliegendes Dichtelement.
- 1
- Kugelhahn
- 2
- Gehäuseblock
- 3
- Stellorgan
- 4
- Schaltwelle
- 5
- Vierkantkopf
- 6
- Bohrung
- 7
- Anschlussbohrung
- 8
- Anschlussbohrung
- 9
- Einsatz
- 10
- Einsatz
- 11
- Kanal
- 12
- Kanal
- 13
- Anschlussabschnitt
- 14
- Außengewinde
- 15
- Dichtring
- 16
- Abschnitt
- 17
- Vorspannelement
- 18
- Dichtschale