Die Erfindung betrifft einen Kamin, der mit Alkohol oder anderen flüssigen
Kohlenwasserstoffen befeuert wird. Die beim Befeuern entstehende Wärme wird
im Kamin gespeichert und nach Beenden des Befeuerns im Verlauf eines Zeitraums von
mehreren Stunden abgegeben.
Alkoholbefeuerte Kamine wurden in den letzten Jahren ständig
weiterentwickelt. So wird für derartige alkoholbefeuerte Kamine als Brennstoff
üblicherweise Alkohol verwendet, der Zusätze enthält, die diesen
mit leuchtender Flamme brennen lassen. Eingesetzt in neu entwickelten Brennereinsätzen,
in denen ein solcher Alkohol mit einer flächigen, dem Holzfeuer ähnlichen
Flammenbild verbrennt und in Kombination mit Nachbildungen von Holzscheiten bzw.
Aststücken aus Keramik, die in den Kamin eingelegt werden, ist das Feuer in
einem alkoholbefeuerten Kamin kaum noch von dem eines holzbefeuerten Kamines zu
unterscheiden.
Da die alkoholbefeuerten Kamine gegenüber herkömmlichen,
holzbefeuerten Kaminen viele Vorteile aufweisen, nimmt die Nachfrage nach diesen
stetig zu.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Kaminen, benötigen die alkoholbefeuerten
keinen Schornstein. Infolgedessen können sie an beliebigen Stellen im Wohnbereich
aufgebaut werden. Kosten, die beim Aufbau und Betrieb eines holzbefeuerten Kamins
durch den Anschluss des Kamins an den Schornstein sowie durch die notwendige, in
Deutschland gesetzlich vorgeschriebene Wartung durch einen Schornsteinfeger, entstehen,
entfallen bei einem alkoholbefeuerten Kamin.
Im Gegensatz zu der Verbrennung von Holz, bei der durch Ruß-,
Rauch- und Aschebildung toxischen Substanzen und Feinstäube entstehen und bei
der der Kamin und z. T. auch der umgebende Wohnraum verschmutzt wird, entstehen
bei der Verbrennung von Alkohol, wie z.B. Ethanol, nur ausschließlich Kohlendioxid
und Wasser. Ethanol ist, genauso wie Holz, ein nachwachsender Rohstoff.
Alkoholbefeuerte Kamine dürfen nur bis zu einer bestimmten Heizleistung
ohne Schornstein betrieben werden. In Deutschland liegt diese Grenze der Heizleistung
bei 3,6 kW. Alle Anlagen mit Heizleistungen, die unterhalb dieser Grenze liegen,
gelten als Feuerstellen, Anlagen mit einer höheren Heizleistung gelten als
Feuerstätten. Infolgedessen werden alkoholbefeuerte Kamine üblicherweise
als Feuerstelle konzipiert und haben deshalb eine Heizleistung von üblicherweise
3,0 bis 3,5 kW.
Für nicht allzu große Räume in Gebäuden mit guter
Wärmedämmung ist insbesondere in den Übergangszeiten eine solche
Heizleistung von 3 bis 3,5 kW meist zu hoch. Denn im Gegensatz zu den an einen Schornstein
angeschlossenen Kaminen, bei denen ein großer Teil der Wärme durch den
Schornstein verloren geht, bewirkt bei den alkoholbefeuerten Kaminen die gesamte
Heizleistung eine Erwärmung des Raumes. Die Folge ist, dass sich die Räume
während des Betriebs des Kamins schnell überhitzen und ggf. zur Abkühlung
belüftet werden müssen.
Da die alkoholbefeuerten Kamine vorwiegend aus verkleideten feuerfesten
Mineralfaserplatten, die eine vergleichsweise geringe Wärmekapazität besitzen,
aufgebaut sind, kühlt nach der Befeuerung, der Raum schnell wieder aus. Um
ein rasches Überhitzen und schnelles Auskühlen der Räume zu vermeiden,
ist es notwendig, die Kamine so aufzubauen, dass während des Betriebs ein großer
Teil der Wärme nicht in den Raum abgegeben, sondern im Kamin gespeichert und
anschließend über einen längeren Zeitraum wieder abgegeben wird.
Aus dem Stand der Technik sind für holzbefeuerte Kamine und Kachelöfen
zahlreiche Lösungsvorschläge bekannt, die das Ziel haben, die bei der
Befeuerung entstehende Wärme zu speichern und anschließend über einen
längeren Zeitraum abzugeben. Bei Kaminen bzw. Öfen, die mit einem Schornstein
verbunden sind, wird damit außerdem der Anteil der durch den Schornstein verlorenen
Wärme verringert.
So wird in US 4,270,512 A
ein Kamin vorgestellt, der mit einer Feuerkammer ausgestattet ist, in deren Wände
Materialien mit einer hohen spezifischen Wärmekapazität, wie Sand oder
Kies eingebracht sind. Die heißen Rauchgase werden außerdem mittels mehrerer
Leitungen durch das wärmespeichernde Material geführt. Zudem ist angeregt,
in den Kamin einen Wärmetauscher, der zur Erwärmung von Wasser dient,
einzubringen.
In DE 197 17 038 A1
wird vorgeschlagen, an der Wand hinter dem Kaminofen eine wärmespeichernde
Dekorplatte anzubringen. Die Dekorplatte ist als selbsttragende Struktur ausgebildet,
die einen Kern aus massivem oder pulverförmigem Magnesit bzw. aus Quarzsand
oder ähnlichem Schüttgut aufweist. Die Sichtseite der Platte besteht aus
einer hitzebeständigen, mit Emaille verzierten Glasplatte.
Des Weiteren wird in DE
10 2005 007 043 A1 ein Kamineinsatz offenbart, bestehend aus einem Einsatzkorpus,
der derart mit Blechen ummantelt ist, dass zwischen dem Einsatzkorpus und den Blechen
ein so genannter Wärmespeicherraum gebildet wird. Der Wärmespeicherraum
ist bevorzugt mit einem Granulat aus Magnesit gefüllt, kann aber alternativ dazu
auch mit Feststoffkörpern oder wärmespeichernden Flüssigkeiten gefüllt
sein.
In DE 102 15 819 A1
wird ein nichtmetallischer Werkstoff mit hoher Wärmespeicherfähigkeit
vorgestellt, der für Platten, Ofenkacheln, Formstücke, Sockel- und Simssteine
für Kamin- und Ofenverkleidungen geeignet ist. Der Werkstoff, der aus einem
Gemisch von über 50 Gew.-% Talkum, Bindemittel sowie wahlweise färbenden
und/oder festigkeitssteigernden Zusätzen hergestellt wird, soll vergleichbare
spezifische Eigenschaften wie ein Naturspeckstein aufweisen.
Die in den vorstehenden Schriften angeregten Wärmespeichermaterialien,
sind für holzbefeuerte Kamine bzw. Öfen sehr gut geeignet, denn diese
haben Heizleistungen von bis über 20 kW und werden oft über viele Stunden
lang betrieben.
Für alkoholbefeuerte Kamine, die üblicherweise nur wenige
Stunden pro Brennvorgang beheizt werden und die zudem eine vergleichsweise geringe
Heizleistung haben, sind solche Materialien jedoch ungeeignet. Ursächlich hierfür
ist, dass sie nicht in der Lage sind, kleinere Wärmemengen in kurzer Zeit aufzunehmen.
Aufgabe der Erfindung ist es, die Nachteile des Standes der Technik
zu beseitigen. Insbesondere soll ein alkoholbefeuerter Kamin geschaffen werden,
der über eine Einrichtung zur Wärmespeicherung verfügt, mit deren
Hilfe eine effektive Wärmespeicherung auch während Befeuerungen, die nur
eine kurze Zeit dauern, typischerweise 0,5 bis 1 Stunde, möglich ist. Die gespeicherte
Wärme soll anschließend über einen Zeitraum von mehreren Stunden
wieder abgegeben werden.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden
Merkmale des Anspruchs 1 gelöst; vorteilhafte Ausführungen des Kamins
sind den Ansprüchen 2 bis 9 zu entnehmen.
Bei dem erfindungsgemäßen alkoholbefeuerten Kamin, der als
Feuerstelle und ohne Anschluss an einen Schornstein betrieben wird, besteht nach
Maßgabe der Erfindung mindestens eine der Wände und/oder die Decke des
Kamins bzw. der Feuerkammer des Kamins ganz oder teilweise aus einem Verbundwerkstoff.
Der Verbundwerkstoff setzt sich aus mindestens einer keramischen bzw. mineralischen
Komponente mit hoher spezifischer Wärmekapazität und aus mindestens einer
metallischen Komponente mit hoher thermischer Leitfähigkeit zusammen.
Die metallische Komponente bildet die Matrix des Verbundwerkstoffes.
Die keramische/mineralische Komponente liegt in Form von Teilchen vor, die überall
im Werkstoff, vom Bereich der Ränder abgesehen, vollständig von der metallischen
Komponente umgeben sind.
Die Größe der keramischen/mineralischen Teilchen bewegt
sich im Bereich von Bruchteilen von Millimetern (z.B. Sand) bis zu mehreren Zentimetern
(z.B. Bruchstücke von Serpentin bzw. Speckstein).
In dem im erfindungsgemäßen Kaminen verwendeten Verbundwerkstoff
beträgt vorteilhafterweise der Anteil der keramischen/mineralischen Komponente
40 bis 70% und der Anteil des Metalls entsprechend 60 bis 30%.
Die Matrix aus gut wärmeleitendem Metall bewirkt eine schnelle
Aufnahme und Verteilung der Wärme im Verbundwerkstoff, da die Oberfläche
der keramischen/mineralischen Partikel vollständig vom Metall umgeben ist.
Der Wärmefluss in einem solchen Verbundwerkstoff ist im Vergleich zu keramischem/mineralischem
Material um einen Faktor 103 erhöht. Folglich ist es durch die Verwendung
der Verbundwerkstoffplatten möglich, die beim Betrieb von alkoholbefeuerten
Kaminen entstehende Wärme auch bei kurzen Brenndauern effektiv zu speichern.
Um eine erhöhte Wärmeleitfähigkeit des Verbundwerkstoffes
im Bereich, welcher der Feuerkammer zugewandt ist, zu erreichen, ist auch vorgesehen,
dass die mittlere Dicke der Metallstege auf der der Feuerkammer zugewandten Seite
größer als auf der nach außen gewandten Seite ist. Hierdurch wird
bewirkt, dass die Wärme schneller von der nach innen gewandten Seite der Platte
nach außen transportiert wird.
Besonders vorteilhaft ist, die metallische Komponente aus Aluminium
oder Kupfer auszuführen, da sich beide Materialien durch eine hohe Wärmeleitfähigkeit
auszeichnen. Es bietet sich Aluminium an, da es einen niedrigeren Schmelzpunkt als
Kupfer hat und auch wesentlich preiswerter ist. In jedem Fall kann der Verbundwerkstoff
kostengünstig und mit nur geringem technischem Aufwand hergestellt werden.
Mit Aluminium hergestellte Platten sind außerdem auch leicht und bruchfest,
da Aluminium eine geringe spezifische Dichte hat und duktil ist.
Als oxidische, keramische oder mineralische, Komponenten des Verbundwerkstoffes,
werden bevorzugt mineralische Stoffe verwendet, so z.B. Serpentin, der in Form von
Bruchstücken in einer Aluminiumsmatrix eingebettet ist. Serpentin hat eine
hohe spezifische Wärmekapazität, die mit dem gleichfalls gut geeigneten
Specksteinvergleichbar ist. Serpentin ist jedoch wesentlich kostengünstiger.
Alternativ zu Serpentin oder Speckstein können aber auch keramische Komponenten,
und dann bevorzugt Schamotte verwendet werden. Schamottsteine sind ebenfalls kostengünstig,
haben jedoch eine etwas geringere Wärmekapazität.
Die Verbundwerkstoff-Platten sind mittels eines Gießverfahrens
hergestellt, bei dem die Schmelze der metallischen Komponente in eine Schüttung
des keramischen/mineralischen Materials, die auf eine Temperatur weit unterhalb
des Schmelzpunktes der metallischen Komponente erwärmt wurde, gedrückt
wird, und die Metallschmelze, bedingt durch die niedrigere Temperatur des oxidischen
Materials, kurz nach dem vollständigen Eindringen in die Schüttung erstarrt.
Der so hergestellte Verbundwerkstoff ist thermisch belastbar, da durch
das Gießverfahren ein Zustand höherer Temperatur "eingefroren", d.h. die
spätere Anwendungstemperatur vorweggenommen wurde. Infolgedessen treten im
Verbundwerkstoff bei hohen Temperaturen praktisch keine thermischen Spannungen auf.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispieles
näher erläutert; hierzu zeigen in schematischer Darstellung:
1: den alkoholbefeuerten Kamin,
2: eine Speicherplatte mit Rillen,
3: eine Speicherplatte mit Röhren.
In 1 ist der alkoholbefeuerter Kamin
mit einem Brenneinsatz 1 dargestellt, der der Aufnahme des Brennstoffs,
üblicherweise Bioalkohol, und dessen Verbrennung mit einem Flammenbild, das
dem eines Holzfeuers ähnlich ist, dient. Der Brenneinsatz 1 steht
auf dem Sockel 2. Da beim Betrieb des Kamins die Verbrennungswärme
nach oben abgegeben wird, und sich deshalb der Sockel auf Temperaturen von lediglich
ca. 30°C erwärmt, ist dieser aus preiswertem Gasbeton hergestellt.
Die Feuerkammer des Kamins wird aus dem Sockel 2, den zwei
Seitenwänden 4, der Vorderwand 5, der Deckenplatte
6 und der Rückwand 9 gebildet. Die Vorderwand 5
ist portalförmig so aufgebaut, dass im oberen Bereich der Feuerkammer
3, jedoch unterhalb der Deckenplatte 6 ein Hohl- bzw. Auffangraum
für die beim Betrieb des Kamins aufsteigende heiße Luft entsteht. Durch
diesen Hohlraum wird bewirkt, dass die heiße Luft eine längere Verweildauer
in der Feuerkammer hat und infolgedessen über einen längeren Zeitraum
Wärme abgibt.
Die Seitenwände 4, die Vorderwand 5 und die
Deckenplatte 6 sind Verbundwerkstoffplatten mit einer Größe von
500 × 250 × 40 mm. Die metallische Komponente der Wärmespeicherplatten
ist Aluminium, die mineralische Komponente Serpentin.
Da die meisten Kamine so aufgestellt werden, dass sich ihre Rückseite
direkt an einer Wand befindet, ist hier Rückwand 9 eine feuerfeste
und wärmeisolierende Mineralfaserplatte. Der Kamin ist modular aufgebaut, d.h,
mit einem System können Eck-, Wand- und freistehende Kamine in individuell
anpassbaren Größen erstellt werden. Bei Kaminen, die freistehend betrieben
werden sollen, kann die Rückwand 9 ebenfalls aus Wärmespeicherplatten
angefertigt sein.
Zur äußeren Gestaltung des Kamins können entweder die
Speicherplatten poliert sein, wodurch ein ansprechender Marmoreffekt erzielt wird.
Alternativ kann die Feuerstelle auch mit Edelstahl, Marmor, feuerfestem Putz oder
anderen Gestaltungselementen verkleidet sein.
Der Kamin wird mit einem Abbrand von maximal 0,5 l Bioalkohol pro
Stunde betrieben. Die Wärmespeicherplatten 7 erwärmen sich während
des Betriebs innerhalb von 30 Minuten auf ca. 50°C und in 60 Minuten auf eine
Temperatur von ca. 90°C. Die gespeicherte Wärme wird anschließend
innerhalb einiger Stunden an den Raum abgegeben, wodurch die zur Raumheizung nutzbare
Wärme verdoppelt wird.
In 2 und 3
sind spezielle Ausformungen der Wärmespeicherplatten 7 abgebildet.
In die Oberfläche der in 2 abgebildeten
Wärmespeicherplatte 7a sind in regelmäßigen Abständen
die Rillen 10 eingebracht. Statt der Rillen kann die Platte auch mit Rippen
versehen sein. Die Rillen/Rippen 10 dienen der Verbesserung des Wärmeaustauschs
durch Konvektion. Dazu müssen bei eingebauter Platte die Rillen 10
von unten nach oben, also entsprechend der Bewegungsrichtung der erwärmten
Luft, angeordnet sein und die mit Rillen versehen Flächen in Kontakt mit entweder
der Luft des Wohnraums oder der Luft der Feuerkammer stehen.
3 zeigt eine Wärmespeicherplatte 7b in
die fluidführende Rohre 11 eingebettet sind. Werden die Rohre
11 mit Wärmespeicherplatten 7b zu einem Kreislauf verbunden,
so ist zusätzlich zur Wärmespeicherung in den Platten ein Wärmetransport
zu einem externen Gerät, wie z.B. zu einem Warmwasserspeicher oder einer Zentralheizung,
möglich.
- 1
- Brenneinsatz
- 2
- Sockel
- 3
- Feuerkammer
- 4
- Seitenwand
- 5
- Vorderwand
- 6
- Deckenplatte
- 7
- Wärmespeicherplatte
- 7a
- Wärmespeicherplatte mit Rillen/Rippen
- 7b
- Wärmespeicherplatte mit eingebetteten Rohren
- 8
- Hohlraum
- 9
- Rückwand
- 10
- Rillen
- 11
- fluidführende Rohre