GEBIET DER ERFINDUNG
Das Gebiet der Erfindung betrifft bleifreie Lötmittel.
ALLGEMEINER STAND DER TECHNIK
Zahlreiche Plättchenbefestigungsverfahren setzen Lötmittel
mit hohem Bleigehalt ein, um das Halbleiterplättchen innerhalb einer integrierten
Schaltung an einer Leiterplatine zur mechanischen Verbindung zu befestigen und zwischen
dem Plättchen und der Leiterplatine Wärmeleitfähigkeit und elektrische
Leitfähigkeit bereitzustellen. Obwohl die meisten Lötmittel mit hohem
Bleigehalt relativ kostengünstig sind und verschiedene wünschenswerte
physikalisch-chemische Eigenschaften aufweisen, steht die Verwendung von Blei bei
der Plättchenbefestigung und anderer Lötmittel von einem Umwelt- und Gesundheitsstandpunkt
im Arbeitsbereich immer öfter auf dem Prüfstand. Folglich sind verschiedene
Ansätze entwickelt worden, um bleihaltige Lötmittel durch bleifreie Plättchenbefestigungszusammensetzungen
zu ersetzen.
Zum Beispiel werden in einem Ansatz Polymerklebstoffe (zum Beispiel
Epoxidharze oder Cyanatesterharze) eingesetzt, um ein Plättchen an einem Substrat
zu befestigen, wie in den US-Patentschriften Nr. 5,150,195, 5,195,299, 5,250,600,
5,399,907 und 5,386,000 beschrieben ist. Polymerklebstoffe härten in der Regel
innerhalb einer kurzen Zeit bei Temperaturen aus, die im Allgemeinen unter 200°C
liegen, und können sogar nach dem Härten eine strukturelle Flexibilität
bewahren, um die Plättchenbefestigung von integrierten Schaltungen an flexiblen
Substraten zu ermöglichen, wie in US-Patentschrift Nr. 5,612,403 dargestellt.
Jedoch neigen viele Polymerklebstoffe zur Erzeugung von Harzauslaufen, was potenziell
zu einer unerwünschten Verminderung des elektrischen Kontakts des Plättchens
mit dem Substrat oder sogar zu einer Teilablösung oder vollständigen Ablösung
des Plättchens führt.
Um mindestens einige der Probleme bezüglich des Harzauslaufens
zu umgehen, können siliziumhaltige Plättchenbefestigungsklebstoffe eingesetzt
werden, wie in US-Patentschrift Nr. 5,982,041 an Mitani et al. beschrieben. Wenngleich
solche Klebstoffe die Bindung des Drahts sowie diejenige zwischen dem Harzdichtungsmittel
und dem Halbleiterchip, Substrat, dem Gehäuse und/oder der Leiterplatine tendenziell
verbessern, erfordert der Härteprozess für mindestens einige solcher Klebstoffe
eine Strahlungsquelle hoher Energie, welche die Kosten des Plättchenbefestigungsprozesses
bedeutend erhöhen kann.
Als Alternative kann eine Glaspaste eingesetzt werden, die ein Borsilikatglas
mit hohem Bleigehalt umfasst, wie in US-Patentschrift Nr. 4,459,166 an Dietz et
al. beschrieben ist, wodurch ein Härteschritt mit hoher Energie im Allgemeinen
vermieden wird. Jedoch erfordern viele Glaspasten, die ein Borsilikatglas mit hohem
Bleigehalt umfassen, Temperaturen von 425°C und höher, um das Plättchen
dauerhaft an das Substrat zu binden. Darüber hinaus neigen Glaspasten während
des Erwärmens und Abkühlens häufig zur Kristallisierung, wodurch
die Hafteigenschaften der Bindeschicht vermindert werden.
In noch einem anderen Ansatz werden verschiedene Schmelzlötmittel
eingesetzt, um ein Plättchen an einem Substrat oder einer Leiterplatine zu
befestigen. Das Löten eines Plättchens an ein Substrat hat verschiedene
Vorteile, die eine relativ einfache Verarbeitung, eine lösungsmittelfreie Aufbringung
und in manchen Fällen relativ geringe Kosten aufweisen. Es gibt verschiedene
hochschmelzende Lötmittel, die im Stand der Technik bekannt sind. Jedoch weisen
alle oder fast alle von ihnen einen oder mehrere Nachteile auf. Zum Beispiel sind
die meisten eutektischen Goldlegierungen (zum Beispiel Au-20%Sn, Au-3%Si, Au-12%Ge
und Au-25%Sb) relativ kostenintensiv und leiden oft unter unzulänglichen mechanischen
Eigenschaften. Als Alternative kann die Legierung J (Ag-10%Sb-65%Sn, siehe US-Patentschrift
Nr. 4,170,472 an Olsen et al.) bei verschiedenen hochschmelzenden Lötmittelanwendungen
eingesetzt werden. Jedoch weist die Legierung J einen Solidus von 228°C auf
und leidet auch unter einer relativ schlechten mechanischen Leistungsfähigkeit.
Eine Lötmittelzusammensetzung aus 97%Bi-3%Ag ist aus Humpston et al., "Solder
Spread: A Criterium for Elaboration of Soldering", Gold Bulletin and Gold Patent
Digest, Word Gold Coonal, Genf, CH, Band 23, Nr. 3, 1999, S. 83-96, bekannt. Prüfungen
dieser Lötmittelzusammensetzung zeigen, dass sie aufgrund ihrer sehr schlechten
Benetzungseigenschaften sehr schlechte mechanische Eigenschaften aufweist.
Obwohl verschiedene Verfahren und Zusammensetzung für Lötmittel
und Plättchenbefestigungszusammensetzungen im Stand der Technik bekannt sind,
weisen alle oder die fast alle einen oder mehrere Nachteile auf. Folglich besteht
ein Bedarf an der Bereitstellung verbesserter Zusammensetzungen und Verfahren für
Lötmittel und insbesondere für bleifreie Lötmittel.
KURZDARSTELLUNG DER ERFINDUNG
Die vorliegende Erfindung richtet sich an Verfahren, Zusammensetzungen
und Vorrichtungen, die nach Anspruch 1 oder 13 bereitgestellt und definiert werden.
In einem Aspekt des erfinderischen Gegenstands liegt das Silber in
der Legierung in einer Menge von 2 Gew.-% bis 7 Gew.-% und das Wismut in einer Menge
von 98 Gew.-% bis 93 Gew.-% vor, oder das Silber liegt in der Legierung in einer
Menge von 7 Gew.-% bis 18 Gew.-% und das Wismut in einer Menge von 93 Gew.-% bis
82 Gew.-% vor, oder das Silber liegt in der Legierung in einer Menge von 5 Gew.-%
bis 9 Gew.-% und das Wismut in einer Menge von 95 Gew.-% bis 91 Gew.-% vor.
In einem anderen Aspekt des erfinderischen Gegenstands weisen berücksichtigte
Lötmittel eine Wärmeleitfähigkeit von mindestens 9 W/mK und nach
1 Sekunde auf einer Benetzungsbilanz eine Benetzungskraft bezüglich feuchtem
Ag von etwa 0,2 mN auf. Berücksichtigte Zusammensetzungen können in verschiedene
Formen, einschließlich Drähten, Bändern, Vorformen, Kugeln oder Barren
geformt sein.
In einem weiteren Aspekt des erfinderischen Gegenstands umfasst eine
elektronische Vorrichtung ein Halbleiterplättchen, das durch berücksichtigte
Zusammensetzungen mit einer Fläche verbunden ist, wobei besonders berücksichtigte
Halbleiterplättchen Silizium-, Germanium- und Galliumarsenidplättchen
aufweisen. Es wird ferner berücksichtigt, dass mindestens ein Abschnitt des
Plättchens oder ein Abschnitt der Fläche solcher Vorrichtungen mit Silber
metallisiert werden kann. In besonders bevorzugten Aspekten umfasst die Fläche
eine mit Silber metallisierte Leiterplatine. In weiteren Aspekten werden berücksichtigte
Lötmittel in einem elektronischen Flächenanordnungsgehäuse in Form
von mehreren Erhebungen auf einem Halbleiterplättchen benutzt, um als elektrische
Verbindungen zwischen dem Plättchen und entweder einem Gehäusesubstrat
(im Allgemeinen als Flip-Chip bekannt) oder einer Verdrahtungsleiterplatte (im Allgemeinen
als Chip auf einer Platte bekannt) zu dienen. Als Alternative können berücksichtigte
Lötmittel in Form von mehreren Lötmittelkugeln eingesetzt werden, um ein
Gehäuse mit einem Substrat (im Allgemeinen als Kugelgitteranordnung mit vielen
Variationen auf dem Motiv bekannt) zu verbinden oder das Plättchen mit entweder
einem Substrat oder einer Verdrahtungsleiterplatte zu verbinden.
Verschiedene Aufgaben, Merkmale, Aspekte und Vorteile der vorliegenden
Erfindung werden aus der folgenden ausführlichen Beschreibung bevorzugter Ausführungsformen
der Erfindung zusammen mit der beiliegenden Zeichnung offensichtlich.
KURZBESCHREIBUNG DER ZEICHNUNG
1 ist ein schematischer vertikaler Querschnitt einer
beispielhaften elektronischen Vorrichtung.
AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG
Die Erfinder haben unter anderen wünschenswerten Eigenschaften
entdeckt, dass berücksichtigte Zusammensetzungen vorteilhaft als ein nahezu
genau passender Ersatz für Lötmittel mit hohem Bleigehalt in verschiedenen
Plättchenbefestigungsanwendungen eingesetzt werden können. Insbesondere
sind berücksichtigte Zusammensetzungen bleifreie Legierungen mit einem Solidus
von nicht weniger als 262,5°C und einem Liquidus von nicht mehr als 400°C.
Die erfinderischen Zusammensetzungen sind Legierungen, die als Lötmittel
benutzt werden können und die im Hinblick auf das Gesamtgewicht von Ag und
Bi in einer Menge von 2 Gew.-% bis 18 Gew.-% aus Silber, in einer Menge von 98 Gew.-%
bis 82 Gew.-% aus Wismut und in einer Menge zwischen 10 ppm und 1000 ppm aus einem
oder mehreren chemischen Elementen bestehen und eine Sauerstoffaffinität aufweisen,
die höher ist als die Sauerstoffaffinität des Ag- und Bi-Anteils der Legierung.
In einem bevorzugten Verfahren zur Herstellung berücksichtigter Zusammensetzungen
wird eine Ladung angemessen gewichteter Mengen (supra) der reinen Metalle unter
einem Vakuum oder in einer inerten Atmosphäre (zum Beispiel Stickstoff oder
Helium) auf zwischen 960°C und 1000°C in einem feuerfesten oder wärmebeständigen
Behälter (zum Beispiel einem Graphitschmelztiegel) erwärmt, bis sich eine
flüssige Lösung bildet. Die Ladung wird gerührt und bei dieser Temperatur
für einen Zeitraum gehalten, der zur Gewährleistung einer vollständigen
Vermischung und Schmelzung beider Metalle ausreicht. Das geschmolzene Gemisch oder
die Schmelze wird dann schnell in eine Form gegossen, durch Kühlen auf Umgebungstemperatur
verfestigt und durch herkömmliche Extrusionstechniken, die das Erwärmen
des Rohteils auf etwa 190°C aufweisen, zu einem Draht hergestellt oder durch
ein Verfahren, bei dem eine rechteckige Scheibe zuerst bei Temperaturen zwischen
225 und 250°C geglüht und dann bei der gleichen Temperatur warmgewalzt
wird, zu einem Band hergestellt. Als Alternative kann ein Band extrudiert werden,
das nachfolgend zu dünneren Abmessungen gewalzt werden kann. Der Schmelzschritt
kann auch unter Luft ausgeführt werden, sofern die Schlacke, die sich bildet,
vor dem Gießen des Gemischs in die Gussform entfernt wird.
In alternativen Aspekten des erfinderischen Gegenstands und insbesondere,
wenn höhere Liquidustemperaturen gewünscht werden, können berücksichtigte
Zusammensetzungen Ag in der Legierung in einer Menge von 7 Gew.-% bis 18 Gew.-%
und Bi in einer Menge von 93 Gew.-% bis 82 Gew.-% enthalten. Wenn andererseits niedrigere
Liquidustemperaturen gewünscht werden, können gewünschte berücksichtigte
Zusammensetzungen Ag in der Legierung in einer Menge von 2 Gew.-%
bis 7 Gew.-% und Bi in einer Menge von 98 Gew.-% bis 93 Gew.-% enthalten. Im Allgemeinen
wird jedoch berücksichtigt, dass die meisten Plättchenbefestigungsanwendungen
eine Zusammensetzung verwenden, in der Ag in der Legierung in einer Menge von 5
Gew.-% bis 10 Gew.-% und Bi in einer Menge von 95 Gew.-% bis 90 Gew.-% vorliegen.
Man sollte besonders zu schätzen wissen, dass berücksichtigte
Zusammensetzungen als bleifreie Lötmittel eingesetzt werden können, die
auch vollkommen frei von Sn sind, das ein gewöhnlicher vorherrschender Bestandteil
in bekannten bleifreien Lötmitteln ist.
Zum Beispiel weisen Zusammensetzungen nach Anspruch 1 ein oder mehrere
chemische Elemente auf, die eine Sauerstoffaffinität aufweisen, die höher
ist als die Sauerstoffaffinität der Legierung (ohne das chemische Element).
Insbesondere weisen berücksichtigte chemische Elemente Al, Ba, Ca, Ce, Cs,
Hf, Li, Mg, Nd, P, Sc, Si, Ti, Y und Zr auf, wobei solche chemischen Elemente in
der Legierung bei einer Konzentration von zwischen 10 ppm und etwa 1000 ppm vorliegen.
Wenngleich nicht gewünscht wird, an eine bestimmte Theorie oder einen bestimmten
Mechanismus gebunden zu sein, wird berücksichtigt, dass Elemente mit einer
höheren Sauerstoffaffinität als derjenigen der Legierung Metalloxide reduzieren,
die bekanntermaßen die Oberflächenspannung eines Schmelzlötmittels
oder geschmolzenen Lötmittels erhöhen. Folglich wird berücksichtigt,
dass eine Abnahme der Menge von Metalloxiden während des Lötens im Allgemeinen
die Oberflächenspannung des geschmolzenen Lötmittels reduziert und dadurch
die Benetzungsfähigkeit des Lötmittels erhöht.
Man sollte ferner zu schätzen wissen, dass die Zugabe von chemischen
Elementen oder Metallen zur Verbesserung einer oder mehrer physikalisch-chemischer
oder thermomechanischer Eigenschaften in jeder beliebigen Reihenfolge ausgeführt
werden kann, sofern alle Bestandteile in der Legierung im Wesentlichen vollständig
(das heißt, mindestens 95 % jedes Bestandteils) geschmolzen werden, und es
wird berücksichtigt, dass die Reihenfolge der Zugabe nicht auf den erfinderischen
Gegenstand eingeschränkt ist. In ähnlicher Weise sollte man zu schätzen
wissen, dass, obwohl die Kombination von Silber und Wismut vor dem Schmelzschritt
bevorzugt wird, auch berücksichtigt wird, dass Silber und Wismut getrennt geschmolzen
werden und dass das geschmolzene Silber und das geschmolzene Wismut nacheinander
kombiniert werden. Ein weiter verlängerter Erwärmungsschritt auf eine
Temperatur über dem Schmelzpunkt von Silber kann hinzugefügt werden, um
ein im Wesentlichen vollständiges Schmelzen und Vermischen der Bestandteile
zu gewährleisten.
Im Hinblick auf die Wärmeleitfähigkeit der berücksichtigten
Legierungen wird berücksichtigt, dass Zusammensetzungen gemäß der
Erfindung eine Leitfähigkeit von nicht weniger als 5 W/mK, mehr bevorzugt von
nicht weniger als 9 W/mK und am meisten bevorzugt von nicht weniger als 15 W/mK
aufweisen. Es wird ferner berücksichtigt, dass geeignete Zusammensetzungen
ein Lötmittel aufweisen, das nach 1 Sekunde auf einer Benetzungsbilanz eine
Benetzungskraft bezüglich feuchtem Ag von mehr als 0,1 mN, mehr bevorzugt mehr
als 0,2 mN und am meisten bevorzugt mehr als 0,3 mN aufweist. Es wird darüber
hinaus berücksichtigt, dass eine bestimmte Form berücksichtiger Zusammensetzungen
im Hinblick auf den erfinderischen Gegenstand nicht entscheidend ist. Jedoch wird
bevorzugt, dass berücksichtigte Zusammensetzungen in eine Drahtform, Bandform
oder eine Kugelform (Lötmittelerhebung) geformt werden.
Unter verschiedenen anderen Verwendungen können die berücksichtigten
Verbindungen (zum Beispiel in Drahtform) zur Bindung eines ersten Materials an ein
zweites Material benutzt werden. Zum Beispiel können berücksichtigte Zusammensetzungen
(und Materialien, welche die berücksichtigten Zusammensetzungen umfassen) in
einer elektronischen Vorrichtung benutzt werden, um ein Halbleiterplättchen
(zum Beispiel Silizium-, Germanium- oder Galliumarsenidplättchen) an eine Leiterplatine
zu binden, wie in 1 dargestellt. Hier umfasst die elektronische
Vorrichtung 100 eine Leiterplatine 110, die mit einer Silberschicht
112 metallisiert ist. Eine zweite Silberschicht 122 ist auf das
Halbleiterplättchen 120 (zum Beispiel durch Rückseitensilbermetallisierung)
aufgebracht. Das Plättchen und die Leiterplatine sind miteinander über
ihre jeweiligen Silberschichten durch die berücksichtigte Zusammensetzung
130 (hier zum Beispiel ein Lötmittel, das eine Legierung umfasst,
die Ag in einer Menge von 2 Gew.-% bis 18 Gew.-% und Bi in einer Menge von 98 Gew.-%
bis 82 Gew.-% enthält, wobei die Legierung einen Solidus von nicht weniger
als 262,5°C und einen Liquidus von nicht mehr als 400°C aufweist) verbunden.
In einem optimalen Plättchenbefestigungsverfahren werden berücksichtigte
Zusammensetzungen 15 Sekunden lang auf etwa 40°C über dem Liquidus der
bestimmten Legierung und vorzugsweise nicht länger als 30 Sekunden lang auf
nicht mehr als 430°C erwärmt. Das Löten kann in einer reduzierten
Atmosphäre (zum Beispiel Wasserstoff oder Schutzgas) ausgeführt werden.
In weiteren alternativen Aspekten wird berücksichtigt, dass die
Verbindungen gemäß der Erfindung in zahlreichen Lötverfahren eingesetzt
werden können, welche keine Plättchenbefestigungsanwendungen betreffen.
In der Tat können berücksichtigte Zusammensetzungen in
allen oder fast allen Lötmittelanwendungen besonders nützlich sein, bei
denen ein nachfolgender Lötschritt bei einer Temperatur unter der Schmelztemperatur
der berücksichtigten Zusammensetzungen ausgeführt wird. Ferner können
berücksichtigte Zusammensetzungen als ein Lötmittel auch in Anwendungen
eingesetzt werden, bei denen Lötmittel mit hohem Bleigehalt durch bleifreie
Lötmittel ersetzt werden müssen, wobei Solidustemperaturen von mehr als
262,5°C wünschenswert sind. Besonders bevorzugte alternative Verwendungen
weisen die Verwendung von berücksichtigten Lötmitteln in verbindenden
Bestandteilen eines Wärmeaustauschers als eine nicht schmelzende Abstandskugel
oder eine elektrische/thermische Verbindung auf.
Beispiele
Aufgrund der Differenz hinsichtlich des Koeffizienten der Wärmeausdehnung
verschiedener Materialien erfahren Lötstellen häufig eine Scherbelastung.
Folglich ist es besonders wünschenswert, dass Legierungen, welche solche Materialien
verbinden, ein Modul mit geringer Scherkraft und somit eine gute thermomechanische
Ermüdungsfestigkeit aufweisen. Zum Beispiel unterstützen bei Plättchenbefestigungsanwendungen
ein Modul mit geringer Scherkraft und eine gute thermomechanische Ermüdungsfestigkeit
die Verhinderung des Brechens eines Plättchens, insbesondere wenn relativ große
Plättchen mit einem festen Träger verbunden werden.
Basierend auf den bekannten elastischen Modulen der reinen Metalle,
der Tatsache, dass Ag und Bi eine Feststoff-Teilvermischbarkeit aufweisen, und der
Tatsache, dass das Ag-Bi-System keine intermetallischen Phasen oder Zwischenphasen
enthält, wird berücksichtigt, dass das Scherkraftmodul bei Raumtemperatur
der Ag-Bi-Legierungen im Bereich von 13 bis 16 GPa (unter der Annahme, dass ein
Scherkraftmodul bei Raumtemperatur eine zusätzliche Eigenschaft ist –
das heißt, den Gemischregeln folgt) liegt. Die Scherkraftmodule bei Raumtemperatur
im Bereich von 13 bis 16 GPa der berücksichtigten Legierungen sind besonders
im Vergleich zu 25 GPa für sowohl Au-25%Sb- als auch Au-20%Sn-Legierungen (durch
das gleiche Verfahren und unter Berücksichtigung der gleichen Annahme) und
im Vergleich zu 21 GPa für die Legierung J (Ag-10%Sb-65%Sn) vorteilhaft, wobei
22,3 GPa ein gemessener Wert für die Legierung J ist.
Prüfanordnungen, die aus einem Siliziumplättchen konstruiert
sind, das an eine Leiterplatine mit einer Ag-89%Bi-Legierung gebunden ist, haben
nach 1500 Wärmealterungszyklen keine sichtbaren Mängelanzeichen gezeigt,
was das berechnete und beobachtete Modul mit geringer Scherkraft der berücksichtigten
Ag-Bi-Legierungen weiter unterstützt.
In den Prüfanordnungen und verschiedenen anderen Plättchenbefestigungsanwendungen
ist das Lötmittel im Allgemeinen als ein dünnes Blatt hergestellt, das
zwischen dem Plättchen und dem Substrat angeordnet ist, an das es gelötet
werden soll. Ein nachfolgendes Erwärmen schmilzt das Lötmittel und bildet
die Verbindungsstelle. Alternativ kann das Substrat erwärmt werden, gefolgt
von der Anordnung des Lötmittels auf dem erwärmten Substrat in einem dünnen
Blatt, Draht, geschmolzenen Lötmittel oder einer anderen Form, um ein Lötmitteltröpfchen
zu erzeugen, auf welches das Halbleiterplättchen angeordnet wird, um die Verbindungsstelle
zu bilden.
Für ein Flächenanordnungsgehäuse können berücksichtigte
Lötmittel als eine Kugel, kleine Vorform, Paste aus Lötmittelpulver oder
als andere Formen angeordnet werden, um die mehreren Lötstellen zu erzeugen,
welche für diese Anwendung im Allgemeinen benutzt werden. Alternativ können
die berücksichtigten Lötmittel in Verfahren benutzt werden, umfassend
das Galvanisieren in einem Galvanisierungsbad, die Verdampfung aus einer festen
oder flüssigen Form, das Drucken aus einer Düse wie einem Tintenstrahldrucker
oder das Sputtern zur Erzeugung einer Anordnung von Lötmittelerhebungen, die
zum Erzeugen der Verbindungsstellen benutzt werden.
In einem bevorzugten Verfahren werden Kugeln auf Segmenten auf einem
Gehäuse angeordnet, wobei ein Flussmittel oder eine Lötmittelpaste (Lötmittelpulver
in einem flüssigen Medium) benutzt wird, um die Kugeln festzuhalten, bis sie
zur Bindung an das Gehäuse erwärmt werden. Die Temperatur kann entweder
derart sein, dass die Lötmittelkugeln schmelzen, oder die Temperatur kann unter
dem Schmelzpunkt des Lötmittels liegen, wenn eine Lötmittelpaste einer
Zusammensetzung mit niedrigem Schmelzpunkt benutzt wird. Das Gehäuse mit den
befestigten Lötmittelkugeln wird dann mit einer Flächenanordnung auf dem
Substrat ausgerichtet, wobei entweder ein Flussmittel oder eine Lötpaste benutzt
wird, und zur Bildung der Verbindungsstelle erwärmt.
Ein bevorzugtes Verfahren zur Befestigung eines Halbleiterplättchens
an einem Gehäuse oder einer Verdrahtungsleiterplatte weist das Erzeugen von
Lötmittelerhebungen durch Drucken einer Lötpaste durch eine Maske, Verdampfen
des Lötmittels durch eine Maske oder Galvanisieren des Lötmittels auf
eine Anordnung leitfähiger Segmente auf. Die Erhebungen oder Säulen, die
durch solche Techniken erzeugt werden, können entweder eine homogene Zusammensetzung
aufweisen, so dass die gesamte Erhebung oder Säule schmilzt, wenn sie zur Bildung
der Lötstelle erwärmt wird, oder können in eine Richtung, die zu
der Fläche des Halbleiterplättchens senkrecht ist, nichthomogen sein,
so dass nur ein Abschnitt der Erhebung oder Säule schmilzt.