Die vorliegende Erfindung betrifft das Gebiet prophylaktischer Mittel
und Therapeutika für Retinopathie und Optikus-Neuropathie, die in Zusammenhang
mit einem Glaukom stehen.
Hintergrund der Erfindung
Glaukome sind eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, welche eine
ähnliche Gruppe klinischer Symptome aufweisen, einschließlich Schädigung
des Sehnervs und selektiver apoptotischer Tod von retinalen Ganglienzellen (RGC),
was zu einem progressiven Verlust des Gesichtsfelds und Blindheit führt. Eine
anomale Erhöhung des intraokularen Drucks (IOP) ist mit den meisten Glaukomformen
assoziiert. Die einzige verfügbare Behandlung ist die Verringerung des IOP,
entweder durch Medikamente oder einen Eingriff. Die Verringerung des IOP ist hinsichtlich
der Verlangsamung der Entwicklung bestimmter Glaukomtypen und Verzögerung ihrer
schädigenden Wirkungen wirkungsvoll. Nichtsdestoweniger korreliert der Verlust
des Gesichtsfeldes bei Glaukompatienten nicht immer mit dem IOP und die Verringerung
des IOP allein stoppt den Krankheitsfortschritt nicht vollständig. Dies impliziert,
dass der Druck nicht der einzige Grund für Glaukom-Retinopathie und -Optikus-Neuropathie
sein könnte. Zusätzliche Mechanismen tragen wahrscheinlich zum Krankheitsfortschritt
bei. Glaukom-Retinopathie wird im Allgemeinen als funktionelle Störungen oder
pathologische Veränderungen der Retina verstanden, insbesondere der Tod von
RGC, welche bei Patienten oder Tieren mit einem Glaukom beobachtet werden. Glaukom-Optikus-Neuropathie
bezieht sich auf funktionelle Störungen oder pathologische Veränderungen
im Sehnerv, durch welchen Axons der RGC hindurchgehen.
Ein Querschnitt durch die Retina eines erwachsenen Menschen zeigt
die folgenden Zellschichten, die in Richtung von der proximalen oder innersten Region
(Glaskörper-Seite) bis zur distalen oder äußersten Region (Chorion-Seite)
aufgeführt sind:
innere Grenzmembran,
Optikus-Faserschicht,
Ganglienzellschicht,
innere plexiforme Schicht,
innere Körnerschicht,
äußere plexiforme Schicht,
äußere Körnerschicht,
äußere Grenzmembran,
innere Segmente von Stäbchen und Zäpfchen,
äußere Segmente von Stäbchen und Zäpfchen,
retinales Pigmentepithel und
Choriocapillaris.
Das retinale Pigmentepithel und die Chorionkapillaren werden auf der
Rückseite der Retina am nächsten zur Chorionmembran gefunden, während
die innere Grenzmembran am nächsten zur Glaskörperkapsel liegt. Die Ganglienzellschicht
sammelt den photorezeptiven Input und schickt den Input über myelinierte Axone
durch den Sehnerv zum Gehirn. Die Ganglienzellen sind die gefährdeten Zellen
bei Glaukomen.
Molekulare Mechanismen, welche für den Beitrag zum Tod von RGC
postuliert wurden, umfassen Glutamat-Toxizität, Entzug neurotropher Faktoren,
Gefäßanomalie (Ischämie), reaktive Gliose und stickstoffoxid-induzierte
Toxizität. Jedoch wird keiner dieser postulierten Mechanismen von Forschern
auf dem Gebiet allgemein akzeptiert.
Die PCT-Anmeldung Nr. PCT/US02/40457 von X. Gao et al., veröffentlicht
als WO 03/051313, ermöglicht den Angaben zufolge eine Induktion eines Phase
II-Entgiftungsenzyms durch Sulphoraphan in Human-Retina-Pigmentepithelzellen. Die
US-Patentveröffentlichung Nr. 2002/0091087 von Y. Zhang et al. ermöglicht
den Angaben zufolge eine Behandlung einer neurodegenerativen Erkrankung durch eine
Verbindung, Sulforaphan, welche Glutathion oder ein Phase-II-Entgiftungsenzym im
Rückenmarkgewebe erhöht, bei Alzheimer Krankheit und bei amyotroper Lateralsklerose.
Retinale Pigmentepithelzellen unterscheiden sich von retinalen Ganglienzellen darin,
dass die Ganglienzellen Neuronen sind und die retinalen Pigmentepithelzellen keine
Neuronen sind. Ferner können biologische Reaktionen von Augengeweben, wie z.B.
die Retina, auf bestimmte Therapeutika nicht aus den biologischen Reaktionen von
Rückenmarksgeweben und Gehirngeweben vorausgesagt werden. Die zitierten Anmeldungen
befassen sich nicht mit dem Schutz vor oder der Behandlung gegen
Verlust von retinalen Ganglienzellen (RGC) und Optikus-Neuropathie bei Glaukomen.
Es gibt kein gegen Glaukome gerichtetes, allgemein anerkanntes therapeutisches
Verfahren, um Glaukom-Retinopathie und Glaukom-Optikus-Neuropathie zu behandeln.
In Anbetracht der Folgen von Glaukomen auf die Gesundheit und der Unzulänglichkeiten
bisheriger Behandlungsverfahren wäre es wünschenswert, ein verbessertes
Behandlungsverfahren zu haben, welches Glaukom-Retinopathie und Glaukom-Optikus-Neuropathie
betrifft.
Zusammenfassung der Erfindung
Gemäß der vorliegenden Erfindung bietet ein Mittel mit stimulatorischer
Aktivität hinsichtlich der nukleären Translokation von Nrf2-Protein und
der anschließenden Erhöhungen von Genprodukten, welche zytotoxische Metaboliten
entgiften und eliminieren, eine schützende oder therapeutische Wirkung hinsichtlich
einer Verzögerung oder Verhinderung des Verlusts von retinalen Ganglienzellen
und glaukomatöser Schädigung des Sehnerves. Wie hier verwendet, bedeutet
„stimulatorische Aktivität hinsichtlich der nukleären Translokation
von Nrf2-Protein" ein Mittel, welches die Verfügbarkeit im oder den Transport
von Nrf2 zum Kern erhöht. Die Translokation von Nrf2-Proteinen zum Kern erlaubt
eine anschließende Erhöhung der Expression von Genprodukten, welche zytotoxische
Metaboliten entgiften und elimieren. Die Verfahren der vorliegenden Erfindung stellen
ein Behandlungsverfahren für Glaukom-Retinopathie und -Optikus-Neuropathie
bei einem Individuum bereit, welches umfasst, dass dem Individuum eine wirksame
Menge einer Zusammensetzung, umfassend ein Mittel mit stimulatorischer Aktivität
hinsichtlich der nukleären Translokation von Nrf2-Protein und einen annehmbaren
Träger, verabreicht wird. Das Individuum kann ein Risiko für die Entwicklung
von Glaukom-Retinopathie oder -Optikus-Neuropathie aufweisen oder Symptome von Glaukom-Retinopathie
oder -Optikus-Neuropathie aufweisen.
Das Mittel der vorliegenden Erfindung, welches die nukleäre Translokation
von Nrf2-Protein und die anschließenden Erhöhungen von Genprodukten, die
zytotoxische Metabolite entgiften und eliminieren, stimuliert, kann einen Michael-Additions-Akzeptor,
Diphenol, Thiocarbamat, Chinon, 1,2-Dithiol-3-thion, butyliertes Hydroxyanisol,
Flavonoid, ein Isothiocyanat, 3,5-Di-tert-butyl-4-hydroxytoluol, Ethoxychin, 3-Hydroxycumarin,
Kombinationen davon oder ein pharmakologisch aktives Derivat oder Analogon davon
umfassen. In einer Ausführungsform umfasst das Mittel ein Isothiocyanat, wie
z.B. Sulforaphan, oder ein pharmakologisch aktives Derivat davon. In einer anderen
Ausführungsform umfasst das Mittel ein 1,2-Dithiol-3-thion, wie z.B. Oltipraz,
oder ein pharmakologisch aktives Derivat davon.
Die Verabreichung des Mittels, welches die nukleäre Translokation
von Nrf2-Protein und die anschließenden Erhöhungen von Genprodukten, die
zytotoxische Metabolite entgiften und eliminieren, stimuliert, kann durch intraokulare
Injektion, Implantation einer Abgabevorrichtung zur langsamen Freisetzung oder eine
topische, orale, intranasale Verabreichung, eine systemische Injektion oder andere
systemische Verabreichungen erfolgen.
In einer weiteren Ausführungsform des vorliegenden erfindungsgemäßen
Verfahrens wird bei dem Individuum Glaukom-Retinopathie oder -Optikus-Neuropathie
diagnostiziert und in einer anderen Ausführungsform der Erfindung hat das Individuum
Symptome von Glaukom-Retinopathie oder -Optikus-Neuropathie.
Kurzbeschreibung der Zeichnung
Die Zeichnung demonstriert die Wirkung von Sulforaphan auf die glutamat-induzierte
Toxizität bei kultivierten retinalen Ganglienzellen von adulten Ratten. Zellen
wurden mit den angegebenen Verbindungen 3 Tage lang behandelt. Das Überleben
wurde durch Zählen von Thy-1-positiven gesunden Zellen ermittelt. Das Sternchen
* repräsentiert einen signifikanten Unterschied gegenüber den Kontrollwerten
mittels Einweg-ANOVA-Analyse der Varianz zwischen den Gruppen und anschließenden
Dunnett's Test.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von Mitteln, welche
die nukleäre Translokation von Nrf2-Protein und die anschließenden Erhöhungen
von Genprodukten, die zytotoxische Metaboliten entgiften und eliminieren, stimulieren,
in einer Zusammensetzung zur Behandlung von Glaukom-Retinopathie und -Optikus-Neuropathie.
Der Begriff „Behandlung von Glaukom-Retinopathie und -Optikus-Neuropathie",
wie hier verwendet, bedeutet die Verzögerung oder Verhinderung
der Entwicklung von, die Inhibierung des Fortschritts oder die Erleichterung von
glaukomatöser Retinopathie oder Optikus-Neuropathie oder von Symptomen davon.
Die Stimulation der nukleären Translokation von Nrf2-Protein und der anschließenden
Erhöhungen von Genprodukten, die zytotoxische Metaboliten entgiften und eliminieren,
wird zum Schutz von retinalen Ganglienzellen und zum Schutz des Sehnervs bereitgestellt.
Die nukleäre Translokation von Nrf2 wird in Zellen induziert,
die bestimmten Elektrophilen und Oxidantien ausgesetzt sind. Gene, welche aufgrund
der nukleären Translokation von Nrf2 induziert werden, liefern Entgiftungsenzyme,
welche den Schutz gegen Elektrophile erhöhen und die Wiederherstellung oder
den Abbau geschädigter Proteine fördern. Die Induktion dieser Enzyme wird
auf der transkriptionalen Ebene reguliert und wird durch einen spezifischen Enhancer
vermittelt, das Antioxidans-Response-Element oder ARE, welches im Promotor des für
das Enzym codierenden Gens gefunden wird. Der Sequenz-Kontext des ARE, die Art der
chemischen Inducer und der Zelltyp beeinflussen die Aktivität des Enhancers
in einem speziellen Gen.
Der Transkriptionsfaktor Nrf2 ist ein Mitglied der NF-E2-Transkriptionsfaktorfamilie
und ist verantwortlich für die Hochregulation der durch das Antioxidans-Response-Element
(ARE) vermittelten Genexpression. Nrf2 induziert die Genexpression durch Bindung
an die ARE (Antioxidans-Response-Element)-Region des Promotors, um die Gentranskription
konstitutiv oder in Reaktion auf ein oxidatives Stresssignal zu aktivieren. Man
nimmt an, dass Nrf2 unter normalen Bedingungen im Zytoplasma vorliegt, gebunden
von einem Repressorprotein Keap1, ein zytoplasmatisches Protein, das am Aktin-Zytoskelett
verankert ist. Ohne sich auf eine Theorie festlegen zu wollen, nehmen die Erfinder
an, dass Mittel, welche eine stimulatorische Aktivität hinsichtlich der nukleären
Translokation von Nrf2-Protein besitzen, mit der cysteinreichen intervenierenden
Region eines zytosolischen Faktors Keap1 um die Wechselwirkung mit Nrf2 konkurrieren
können (Dinkova-Kostova, A.T., et al., Proc. Natl. Acad. Sci., USA, 99:11908–11913
(2002)). Die Zerstörung des Nrf2-Keap1-Komplexes durch bestimmte Verbindungen
wie Sulforaphan könnte Nrf2 für die Translokation in den Kern freisetzen,
wo es mit anderen Transkriptionsfaktoren (d.h. Maf, c-Jun, etc.) auf ARE-Regionen
von Genen heterodimerisieren kann, was zur Induktion von ARE-regulierter Genexpression
führt.
Enzyme und Proteine, die mit diesem Nrf2/ARE-Signalweg exprimiert
werden, besitzen chemisch vielfältige zellschützende Eigenschaften und
bilden eine Verteidigung gegen toxische Metabolite und Xenobiotika. Enzyme und Proteine,
von denen bekannt ist, dass sie über den Nrf2/ARE-Signalweg exprimiert werden,
umfassen Glutathion-S-Transferasen, UDP-Glucuronosyltransferasen, NADP(H)-Chinonoxidoreduktase,
&ggr;-Glutamylcysteinsynthetase, Chaperon/Stressreaktions-Proteine und Ubiquitin/Proteasom-Proteine.
Mittel mit stimulatorischer Aktivität hinsichtlich der nukleären
Translokation von Nrf2-Protein umfassen beispielsweise:
Michael-Additions-Akzeptoren (z.B. &agr;,&bgr;-ungesättigte Carbonylverbindungen),
wie z. B. Diethylmaleat oder Dimethylfumarat;
Diphenole, wie z. B. Resveratrol,
butylierte Hydroyanisole, wie z. B. 2(3)-tert-Butyl-4-hydroxyanisol,
Thiocarbamate, wie z.B. Pyrrolidindithiocarbamat,
Chinone, wie z.B. tert-Butylhydrochinon,
Isothiocyanate, wie z.B. Sulforaphan, dessen Vorläufer Glucosinolat, Glucoraphanin
oder Phenethylisothiocyanat (PEITC),
1,2-Dithiol-3-thione, wie z.B. Oltipraz,
3,5-Di-tert-butyl-4-hydroxytoluol,
Ethoxychin,
Cumarine, wie z.B. 3-Hydroxycumarin,
Flavonoide, wie z.B. Quercetin oder Curcumin,
Diallylsulfid,
Indol-3-carbinol,
Epigallo-3-catechingallat,
Ellaginsäure,
Kombinationen davon, oder ein pharmazeutisch aktives Derivat oder Analogon davon.
Ein Michael-Akzeptor ist ein Molekül, das ein Alken in Nachbarschaft
zu einer elektronenziehenden Gruppe aufweist. Die elektronenziehende Gruppe ist
gewöhnlich ein Carbonyl, kann jedoch auch eine Nitril- oder Nitrogruppe sein.
Obwohl chemisch verschieden, sind diese Verbindungen Elektrophile und haben das
Vermögen, mit nukleophilen Sulfhydrylgruppen zu reagieren. Ein „pharmakologisch
aktives Derivat davon" ist ein Agens, welches strukturell mit irgendeiner der obigen
Verbindungen mit stimulatorischer Aktivität hinsichtlich der
nukleären Translokation von Nrf2-Protein verwandt ist und davon ableitbar ist,
und kann beispielsweise ein Ester, ein Amid oder ein Salz davon sein. Ein „pharmakologisch
aktives Analogon davon" ist ein Agens, welches strukturell irgendeiner der obigen
Verbindungen mit stimulatorischer Aktivität hinsichtlich der nukleären
Translokation von Nrf2-Protein ähnlich ist, jedoch sich im Aufbau leicht unterscheidet,
wie z.B. durch den Ersatz eines Atoms durch ein Atom eines anderen Elements oder
durch die Gegenwart einer speziellen funktionellen Gruppe. In einer Ausführungsform
stellt die vorliegende Erfindung Sulforaphan, Oltipraz oder ein pharmakologisch
aktives Analogon davon oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon in einem Behandlungsverfahren
von Glaukom-Optikus-Neuropathie oder Glaukom-Retinopathie bereit.
Sulforaphan (Produkt-Nr. S6317, Sigma-Aldrich) induziert bekanntermaßen
beispielsweise Chinonreduktase, Glutathion-S-Transferase und Glutathionreduktase.
Enzyminduktion wurde in verschiedenen Zelllinien beobachtet, einschließlich
retinalen Pigmentepithelzellen von humanen Erwachsenen (Zhang, Y., et al., Proc.
Natl. Acad. Sci., USA, 89:2399–2403 (1992)). Sulforaphan-Analoga umfassen
beispielsweise 6-(Isothiocyanato-2-hexanon), exo-2-Acetyl-6-isothiocyanatonorbornan,
exo-2-(Isothiocyanato-6-methylsulfonylnorbornan), 6-Isothiocyanato-2-hexanol, 1-(Isothiocyanato-4-dimethylphosphonylbutan),
exo-2-(1-Hydroxyethyl)-5-)isothiocyanatonorbornan, exo-2-Acetyl-5-isothiocyanatonorbornan,
1-(Isothiocyanato-5-methylsulfonylpentan), cis-3-(Methylsulfonyl)(cyclohexylmethylisothiocyanat)
und trans-3-(Methylsulfonyl)(cyclohexylmethylisothiocyanat).
Verabreichungsmodus: Die Mittel der vorliegenden Erfindung können
direkt an das Auge abgegeben werden (beispielsweise topische Augentropfen oder Salben;
Vorrichtungen zur langsamen Abgabe im Bindehautsack oder implantiert neben der Lederhaut
oder innerhalb des Auges; periokulare, konjunktivale, subtenonale, intrakamerale,
intravitreale oder intrakanalikuläre Injektionen) oder systemisch (beispielsweise:
orale, intravenöse, subkutane oder intramuskuläre Injektionen; parenterale,
dermale oder nasale Abgabe), unter Anwendung von Techniken, die Fachleuten wohlbekannt
sind. Es wird ferner in Betracht gezogen, dass die Mittel der vorliegenden Erfindung
in einem intraokularen Einsatz oder in Implantat-Vorrichtungen formuliert sein können.
Individuum: Ein Individuum, das hinsichtlich Glaukom-Retinopathie
oder -Optikus-Neuropathie wie hier beschrieben behandelt wird, kann ein Mensch sein
oder ein anderes Lebewesen, das ein Risiko zur Entwicklung von Glaukom-Retinopathie
oder -Optikus-Neuropathie trägt oder Symptome von Glaukom-Retinopathie oder
-Optikus-Neuropathie aufweist.
Formulierungen und Dosierung: Die Mittel der vorliegenden Erfindung
können als Lösungen, Suspensionen oder Emulsionen (Dispersionen) in einem
geeigneten opthalmischen Träger verabreicht werden. Es folgen Beispiele möglicher
Formulierungen, die von dieser Erfindung umfasst werden.
In einer weiteren Ausführungsform werden die opthalmischen Zusammensetzungen
so formuliert, dass eine intraokulare Konzentration von etwa 0,1-100 nanomolar (nM)
oder in einer weiteren Ausführungsform 1–10 nM bereitgestellt wird.
Peak-Plasmakonzentrationen von bis zu 20 mikromolar können für die systemische
Verabreichung erreicht werden. Topische Zusammensetzungen werden der Oberfläche
des Auges ein- bis viermal pro Tag nach dem routinemäßigen Ermessen eines
geschulten Kliniker verabreicht. Der pH-Wert der Formulierung sollte 4–9
oder 4,5 bis 7,4 betragen. Systemische Formulierungen können z.B. etwa 10 mg
bis 1000 mg, etwa 10 mg bis 500 mg, etwa 10 mg bis 100 mg oder bis 125 mg des Mittels
enthalten, welches die nukleäre Translokation des Nrf2-Proteins und die anschließenden
Erhöhungen von Genprodukten, die zytotoxische Metabolite entgiften und eliminieren,
stimuliert.
Eine „wirksame Menge" bezieht sich auf diejenige Menge des
Mittels, welche in der Lage ist, die nukleäre Translokation von Nrf2-Protein
und die anschließenden Erhöhungen von Genprodukten, die zytotoxische Metabolite
entgiften und eliminieren, zu stimulieren. Eine solche Induktion der Genexpression
bietet eine Verteidigung gegen die Toxizität reaktiver Elektrophile sowie anderer
toxischer Metabolite. Deshalb wird ein Mittel, das die nukleäre Translokation
von Nrf2-Protein und die anschließenden Erhöhungen von Genprodukten, welche
zytotoxische Metabolite entgiften und eliminieren, stimuliert, zum Schutz gegen
Zytotoxizität bereitgestellt. Ein solcher Schutz verzögert oder verhindert
den Ausbruch von Symptomen bei einem Individuum mit einem Risiko zur Entwicklung
von Glaukom-Optikus-Neuropathie oder Glaukom-Retinopathie. Die wirksame Menge einer
Formlierung kann beispielsweise von solchen Faktoren wie dem Alter, der Rasse und
dem Geschlecht des Individuums oder der Schwere der Optikus-Neuropathie abhängen.
In einer Ausführungsform wird das Mittel topisch dem Auge verabreicht und erreicht
die retinalen Ganglienzellen in einer therapeutischen Dosis und lindert damit den
Krankheitsprozess der Retinopathie oder Optikus-Neuropathie.
Während die genaue Dosierung dem Ermessen des Klinikers überlassen
ist, wird bzw. werden die resultierende(n) Lösung(en) vorzugsweise verabreicht,
indem ein Tropfen einer jeden Lösung in jedem Auge ein- bis viermal täglich
oder wie vom Kliniker verordnet verabreicht wird.
Annehmbare Träger: Ein ophthalmisch annehmbarer Träger bezieht
sich auf diejenigen Träger, welche höchstens wenig oder keine Augenreizung
verursachen, erforderlichenfalls eine geeignete Konservierung bieten,
und ein oder mehrere Mittel der vorliegenden Erfindung, welche(s) die nukleäre
Translokation von Nrf2-Protein und die anschließenden Erhöhungen von Genprodukten,
die zytotoxische Metabolite entgiften und eliminieren, stimuliert(en), in einer
homogenen Dosierung abgeben. Für die ophthalmische Abgabe kann ein Mittel,
welches die nukleäre Translokation von Nrf2-Protein und die anschließenden
Erhöhungen von Genprodukten, die zytotoxische Metabolite entgiften und eliminieren,
stimuliert, mit ophthalmisch annehmbaren Konservierungsmitteln, Cosolventien, oberflächenaktiven
Mitteln, Viskositätsverstärkern, Penetrationsverstärkern, Puffern,
Natriumchlorid oder Wasser kombiniert werden, um eine wässerige sterile ophthalmische
Suspension, Lösung oder viskose oder semiviskose Gele oder andere Typen fester
oder halbfester Zusammensetzung, wie z.B. eine Salbe, zu bilden. Formulierungen
einer ophthalmischen Lösung können hergestellt werden, indem das Mittel
in einem physiologisch annehmbaren isotonen wässerigen Puffer gelöst wird.
Ferner kann die ophthalmische Lösung ein ophthalmisch annehmbares oberflächenaktives
Mittel einschließen, um die Lösung des Mittels zu unterstützen. Viskositätsaufbauende
Verbindungen, wie z. B. Hydroxymethylcellulose, Hydroxyethylcellulose, Methylcellulose,
Polyvinylpyrrolidon oder dergleichen, können den Zusammensetzungen der vorliegenden
Erfindung zugegeben werden, um die Retention der Verbindung zu verbessern.
Um eine sterile ophthalmische Salbenformulierung herzustellen, wird
das Mittel, das die nukleäre Translokation von Nrf2-Protein und die anschließenden
Erhöhungen von Genprodukten, die zytotoxische Metabolite entgiften und eliminieren,
stimuliert, mit einem Konservierungsmittel in einem geeigneten Vehikel, wie z.B.
Mineralöl, flüssiges Lanolin oder weißes Petrolatum, kombiniert.
Sterile ophthalmische Gelformulierungen können hergestellt werden durch Suspension
des Mittels in einer hydrophilen Base, hergestellt aus der Kombination von beispielsweise
CARBOPOL®-940 (BF Goodrich, Charlotte, NC) oder dergleichen gemäß
im Stand der Technik bekannten Verfahren für andere ophthalmische Formulierungen.
Beispielsweise kann VISCOAT® (Alcon Laboratories, Inc., Fort Worth,
TX) für die intraokulare Injektion verwendet werden. Andere Zusammensetzungen
der vorliegenden Erfindung können penetrationsverstärkende Materialien,
wie z. B. CREMOPHOR® (Sigma Aldrich, St. Louis, MO) oder TWEEN®
80 (Polyoxyethylensorbitanmonolaurat, Sigma Aldrich), enthalten, falls die Mittel
der vorliegenden Erfindung wenig in das Auge eindringen.
Beispiel 1Mittel mit stimulatorischer Aktivität hinsichtlich der nukleären
Translokation von Nrf2-Protein
Gefäßendothelzellen, wie z.B. Rinderaorta-Endothelzellen
(BAEC, VEC Technologies, Rensselaer, NY), werden dazu verwendet, diejenigen Agentien
zu bestimmen, die Aktivität hinsichtlich der nukleären Translokation von
Nrf2-Protein besitzen. Beispielsweise werden konfluente Monoschichten von Rinderaorta-Endothelzellen
Kandidatenmitteln in Dulbecco's Modified Eagle's Medium mit 1% fötalem Rinderserum
bis zu 24 Stunden lang ausgesetzt. Zelllysate, zytosolische Extrakte und Kernextrakte
werden hergestellt und Immunoblots durchgeführt und quantifiziert wie beschrieben
in Buckley, B.J., et al. (Biochem. Biophys. Res. Commun., 307:973–979 (2003)).
Mittel, welche die Menge des in der Kernfraktion nachgewiesenen Nrf2 im Vergleich
zu Kontrollzellen ohne Mittel erhöhen, werden dann hinsichtlich Aktivität
in einem Retina-Ganglienzell-Toxizitätsassay wie im Beispiel 2 ausgeführt
getestet.
Beispiel 2Schutz von Rattenretina-Ganglienzellen durch ein Mittel mit stimulatorischer
Aktivität hinsichtlich der nukleären Translokation von Nrf2-Protein
Kultivierte neuronale Rattenretina-Zellen werden mit einem Mittel,
das die nukleäre Translokation von Nrf2-Protein stimuliert, für 1 bis
24 Stunden kombiniert, dann wird die Kombination Peroxid ausgesetzt. Das Überleben
der neuralen Retinazellen im Vergleich zu einer Kontrollkultur ohne Peroxid zeigt
an, dass das Mittel einen Schutz vor dem Oxidationsmittel bietet.
Neurale Retinazellen von neugeborenen Ratten werden isoliert und kultiviert
wie in Pang, I-H, et al. beschrieben (Invest. Ophthalmol. Vis. Sci. 40:1170–1176
(1999)). „Neurale Retina-" bezieht sich auf die Retina ohne das Retina-Pigmentepithel.
Somit enthält die Kultur eine gemischte Population von Retinazelltypen. In
Kürze, neugeborene Sprague-Dawley-Ratten, 2–5 Tage alt, werden betäubt
und eine 2-mm-Medianöffnung wird in der Kopfhaut unmittelbar kaudal zum Sinus
transversus vorgenommen. Retinale Ganglienzellen werden mit einem Fluoreszenzfarbstoff,
Di-I(1,1'-Dioctadecyl-3,3,3',3'-tetramethylindocarbocyaninperchlorat), einem lipophilen
Tracer, der einheitlich Neuronen markiert (Molecular Probes, Eugene, OR), selektiv
retrograd markiert. Die Spitze der Injektionsnadel (30 ga) wird 6 mm unterhalb der
Schädeloberseite inseriert und eine 5-&mgr;l-Di-I-Lösung in den Colliculus
superior injiziert. Die Di-I-Lösung enthält 3 mg/mL Di-I in 90% Ethanol
und 10% Dimethylsulfoxid. Die Wunde wird mit einem Tropfen von
flexiblem Collodion bedeckt.
Zwei bis vier Tage nach der Di-I-Injektion werden die Ratten betäubt
und durch Enthauptung getötet. Deren Augäpfel werden entnommen und in
Dulbecco's Modified Eagle's Medium: Nährmischung F12 (1:1; DMEM/F12, Gibco,
Gaithersburg, MD) platziert. Die Retina aus jedem Auge wird abgelöst und isoliert.
Retinazellen werden mit einer Lösung, die 10 mg Papain (34 Einheiten/mL), 2
mg DL-Cystein (3,3 mM) und 2 mg Rinderserumalbumin (0,4 mg/mL) in 5 ml DMEM/F12
enthält, 25 Minuten lang bei 37°C dissoziiert und dann dreimal mit 5 mL
RGC-Medium (DMEM, ergänzt mit 10% fötalem Rinderserum, 4 mM Glutamin,
100 Einheiten/mL Penicillin und 100 &mgr;g/mL Streptomycin) gewaschen. Die Retinastücke
werden durch mehrmalige Passage durch eine Einmalpipette trituriert, bis die Zellen
dispergiert sind. Die Zellsuspensionen (etwa 3 × 106 Zellen/mL)
werden in mit Poly-D-Lysin beschichtete Glasbodenkulturschalen platziert. Die Zellen
werden mit 95% Luft/5% CO2 bei 37°C kultiviert.
Die Schutzwirkungen eines Mittels mit stimulatorischer Aktivität
hinsichtlich der nukleären Translokation von Nrf2-Protein werden bestimmt,
indem die Kulturen mit dem Kandidatenmittel 1–24 Stunden lang behandelt werden
und dann 300 &mgr;M H2O2 zugegeben werden. Kultivierte RGCs
werden durch Di-I-Fluoreszenz identifiziert. Das Überleben von RGCs wird durch
Auszählen der Anzahl von verbleibenden Zellen mit D-I-Fluoreszenz bestimmt.
Mittel, welche das Überleben von retinalen Ganglienzellen im Vergleich zu einer
Kontrolle verbessern, werden für den Schutz der RGCs vor einer zytotoxischen
Schädigung bereitgestellt und eignen sich für die Behandlung von Glaukom-Optikus-Neuropathie.
Beispiel 3Schutz von Rattenretina-Ganglienzellen durch Sulforaphan vor einer glutamat-induzierten
Toxizität
Adulte Sprague-Dawley-Ratten wurden mittels CO2-Betäubung
getötet. Die Augen wurden enukleiert und in NEUROBASALTM-Medium
(Gibco, Gaithersburg, MD) platziert. Die Retina aus jedem Auge wurde abgelöst
und isoliert. Retinazellen wurden durch Kombination von bis zu 20 Retinas mit 5
mL Papainlösung, enthaltend 10 mg Papain, 2 mg DL-Cystein und 2 mg Rinderserumalbumin
in 5 ml NEUROBASALTM-Medium, 25 Minuten lang bei 37°C dissoziiert,
dann dreimal mit 5 mL RGC-Medium (NEUROBASALTM-Medium, ergänzt wie
im Beispiel 2 angegeben und mit 1% fötalem Kalbsserum) gewaschen. Die Retinastücke
wurden trituriert, indem sie durch eine feuergeglättete Einmalpipette mehrmals
hindurchgezogen wurden, bis die Zellen dispergiert waren. Die Zellsuspension wurde
auf einem mit Poly-D-Lysin und Laminin beschichteten 8-Mulden-Kulturträger
aufgebracht. Glutamat und Glutamat mit Sulforaphan wurden vorbestimmten Mulden zugegeben.
Die Zellen wurden dann bei 95% Luft/5% CO2 bei 37°C für drei
Tage kultiviert.
Am Ende der Inkubationsperiode wurden die Zellen fixiert und hinsichtlich
Thy-1, einem RGC-Marker, durch Immunozytochemie markiert. Das Zellüberleben
wurde quantitativ bestimmt durch manuelles Auszählen von Thy-1-positiven gesunden
Zellen in jeder Mulde. Die resultierenden Daten sind in der Zeichnung dargestellt
und demonstrieren, dass die Behandlung der RGC mit Glutamat (100 &mgr;M) für
drei Tage eine 40–60%ige Verringerung der überlebenden Zellen verursachte.
Die Behandlung der Zellen mit Sulforaphan (0,5 &mgr;M) verhinderte eine solche
Toxizität. Diese Ergebnisse demonstrieren, dass Sulforaphan vor Schädigungen
der retinalen Ganglienzellen schützt.
Die hier zitierten Referenzen sind in dem Ausmaß, in dem sie
beispielhafte Verfahrensdetails oder andere Details zusätzlich zu den hier
angegebenen liefern, durch die Bezugnahme spezifisch inkorporiert.
Wie hier verwendet und soweit nicht anders angegeben, sollen die Begriffe
„ein" und „eine" „genau ein(e)" „mindestens ein(e)"
oder „ein(e) oder mehrere" bedeuten.
Anspruch[de]
Verwendung einer wirksamen Menge einer Zusammensetzung, umfassend ein
Mittel mit stimulatorischer Aktivität hinsichtlich der nukleären Translokation
von Nrf2-Protein und einen annehmbaren Träger, zur Herstellung eines Medikaments
für die Behandlung von Glaukom-Retinopathie oder -Optikus-Neuropathie bei einem
Individuum.Verwendung nach Anspruch 1, wobei bei dem Individuum die Gefahr der
Entwicklung von Glaukom-Retinopathie oder -Optikus-Neuropathie besteht.Verwendung nach Anspruch 1, wobei das Individuum Symptome von Glaukom-Retinopathie
oder -Optikus-Neuropathie aufweist.Verwendung nach den Ansprüchen 1 bis 3, wobei das Mittel einen
Michael-Additions-Akzeptor, Diphenol, Thiocarbamat, Chinon, 1,2-Dithiol-3-thion,
butyliertes Hydroxyanisol, Flavonoid, ein Isothiocyanat, 3,5-Di-tert.-butyl-4-hydroxytoluol,
Ethoxychin, ein Cumarin, Kombinationen davon oder ein pharmakologisch aktives Derivat
oder Analogon davon umfasst.Verwendung nach Anspruch 4, wobei das Mittel ein Isothiocyanat oder
ein pharmakologisch aktives Derivat davon umfasst.Verwendung nach Anspruch 5, wobei das Isothiocyanat Sulforaphan oder
ein pharmakologisch aktives Derivat davon umfasst.Verwendung nach Anspruch 4, wobei das Mittel ein 1,2-Dithiol-3-thion
oder ein pharmakologisch aktives Derivat davon umfasst.Verwendung nach Anspruch 7, wobei das 1,2-Dithiol-3-thion Oltipraz oder
ein pharmakologisch aktives Derivat davon umfasst.Verwendung nach Anspruch 4, wobei das Mittel ein Flavonoid oder ein
pharmakologisch aktives Derivat davon umfasst.Verwendung nach Anspruch 9, wobei das Flavonoid Quercetin oder ein pharmakologisch
aktives Derivat davon umfasst.Verwendung nach irgendeinem vorhergehenden Anspruch, wobei das Medikament
für die intraokulare Injektion, für die Implantation einer Abgabevorrichtung
zur langsamen Freisetzung oder für die topische, orale oder intranasale Verabreichung
bereitet wird.Verwendung nach Anspruch 11, wobei das Medikament für die intraokulare
Verabreichung bereitet wird.