Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Aufnahme von selbsttragenden
Baustoffschichten in Schächten oder anderen vertikal verlaufenden Hohlräumen
gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Es ist bekannt, Schächte und andere vertikal verlaufende Hohlräume
dadurch zu sichern, dass eine Verfüllung bis zu einer erforderlichen Teufe
in den Schacht oder Hohlraum eingebracht wird. Das hierfür in der vorgesehenen
Teufenlage erforderliche Widerlager wird in der Regel dadurch hergestellt, dass
in bestimmten Teufenlagen Stahlträger auf Sohlen oder in vorbereiteten Wandnischen
in der Wandung des Schachtes oder des Hohlraumes verlegt werden, auf die eine weitere
Trägerlage und ein Holzbelag als Schalungsebene aufgebracht werden und so das
Widerlager für die Halterung der Füllgutsäule in dem Schacht oder
Hohlraum hergestellt wird. Diese so genannten Schalungsbühnen haben einen erheblichen
Stahlbedarf und sind entsprechend schwer.
Die DE 199 21 363 C2
offenbart eine Vorrichtung zur Ausbildung eines in Schächten oder anderen vertikal
verlaufenden Hohlräumen festzusetzenden Widerlagers für eine in den Schacht
oder Hohlraum einzubringende Füllgutsäule, bei der das Widerlager aus
einer mit einem ein stabiles Kissen ausbildenden Schaum bis in eine verspannende
Anlage an der Schacht- oder Hohlraumwandung zu verfüllenden flexiblen Hülle
besteht. In der in den Schacht oder Hohlraum eingehängten Hülle ist eine
Spreizvorrichtung angeordnet, die sich entfaltet und die flexible Hülle aufspannt.
Die Spreizvorrichtung hat keine lastaufnehmende Funktion sondern dient
lediglich dazu, die flexible Hülle derart aufzuspannen, dass ein stabiles Kissen
und mit Schaumfüllung ausgebildet wird.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung zur Aufnahme
von selbsttragenden Baustoffschichten in Schächten oder anderen vertikal verlaufenden
Hohlräumen zur Verfügung zu stellen, die bedeutend leichter als die bekannten
Vorrichtungen ist, deren Funktionsfähigkeit über Tage geprüft werden
kann und die mit geringem Aufwand in einer beliebigen Tiefe verklemmbar ist.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
Weiterbildungen erfolgen gemäß dem Merkmalen der Unteransprüche.
Die Erfindung geht von dem Grundgedanken aus, dass die senkrechte
Kraft aus der Belastung durch die später selbsttragenden Baustoffschichten
hauptsächlich auf die Bohrungswandung gerichtete Normalkräfte umgewandelt
werden.
Bei einer herkömmlichen Schalungsbühne mit Biegeträgern
werden die Lasten ausschließlich über Biegung abgetragen. Aus diesem Grunde
beträgt das Stahlgewicht der erfindungsgemäßen Vorrichtung nur etwa
25 % des Gewichtes einer herkömmlichen Schalungsbühne.
Die erfindungsgemäße Spreizvorrichtung wird vorteilhaft
mit einer membranartigen Bespannung versehen. Dadurch lässt sich auf einfache
Art und Weise mit Hilfe einer formstabilen und leichtgewichtigen Auffüllung
ein Widerlager aufbauen.
Die Biegestreben und Pendelstäbe der Spreizvorrichtung bestehen
aus Stahlprofilen und/oder Stahlrohren, die sich wie ein Schirm in dem Schacht aufspannen.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung wird zunächst von
einem Seil gehalten. Mit diesem Seil kann die Spreizvorrichtung in den Schacht oder
Hohlraum eingefahren werden. Während des Einfahrens ist die Spreizvorrichtung
durch eine Haltevorrichtung vor dem Öffnen gesichert. Diese Haltevorrichtung
kann z.B. eine Wasser aufnehmende Kunststoffrinne sein. Wenn die erfindungsgemäße
Vorrichtung das die gewünschte Teufe erreicht hat, kann die Haltevorrichtung
durch Aufgabe einer Wasserlast entfernt werden, so dass die Biegestreben sich an
der Schacht- oder Hohlraumwandung verklemmen und lagesicher verspannen. Das Öffnen
der Spreizvorrichtung kann auch durch ein Zugband oder Ähnliches, wie z.B.
Spindeln oder zusätzlich Massegewichte am Zylinder realisiert werden. In einer
weiteren Ausführungsform kann als Haltevorrichtung ein zweites Seil verwendet
werden, dass das Zylindergewicht übernimmt. Die Verwendung eines zweiten Seiles
hat den Vorteil, das der Setzvorgang der erfindungsgemäßen Spreizvorrichtung
korrigiert werden und die Spreizvorrichtung erneut gesetzt werden kann. Dies ist
besonders bei Schachtverschlüssen an der Tagesoberfläche von Vorteil.
Bei dem Öffnen der Spreizvorrichtung bewegt sich der Zylinder,
der den Zentralstab umschließt und an dem die Biegestreben mit Gelenken verbunden
sind, nach unten und mit Hilfe der angelenkten Pendelstäbe verklemmen sich
die Biegestäbe an der Schacht- oder Hohlraumwand. Der Zylinder wird durch einen
an dem Zentralstab angeordneten Sperrbolzen gegen eine Hochbewegung gesichert.
Nach dem Aufständern der Biegestreben an der Schacht- oder Hohlraumwandung
gehen die Zugbeanspruchungen in Druckspannungen über. Das Seil kann nun abgeschlagen
werden. Es gibt jedoch Auslegungsfälle, bei denen das Seil bis zur Fertigstellung
der Auffüllung an der Spreizvorrichtung verbleibt. Die Pendelstäbe stützen
die Biegestreben im oder in der Nähe des Drittelpunktes.
Die geöffnete und gesetzte Spreizvorrichtung wird nun mit einer
formstabilen leichtgewichtigen Auffüllung zur Nivellierung überschüttet.
Dies kann eine ballartige Auffüllung sein. Es ist auch möglich Schäume,
die keine tragenden sondern nur Form gebenden Charakter haben oder Dichtschläuche
zu verwenden.
Auf die Auffüllung wird anschließend eine hydraulisch abbindende
Baustoffschicht gegossen, die nach der Abbindung selbsttragend ist, Dabei ist es
möglich, die Baustoffschicht entsprechend der erforderlichen Höhe in einem
Arbeitsschritt einzubringen. Es kann die Baustoffschicht jedoch auch in abschnittsweise
erhärteten Schichten eingebracht werden. Das hat den Vorteil, dass die jeweils
vorab erhärtete Schicht aufgrund von Gewölbebildung zusätzliche Tragreserven
für die nachfolgende Baustoffschicht liefert. Auf diese Art und Weise kommt
es zu einem gewölbeartigen Tragverhalten der Baustoffschicht oberhalb der erfindungsgemäßen
Vorrichtung.
Die vorgenannten sowie die beanspruchten und in den Ausführungsbeispielen
beschriebenen erfindungsgemäß zu verwendenden Bauteile unterliegen in
ihrer Größe, Formgestaltung, Materialauswahl und technischen Konzeptionen
keinen besonderen Ausnahmebedingungen, so dass die in dem Anwendungsgebiet bekannten
Auswahlkriterien uneingeschränkt Anwendung finden können.
Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile des Gegenstandes der Erfindung
ergeben sich aus den Unteransprüchen sowie aus der nachfolgenden Beschreibung
der zugehörigen Zeichnung, in der beispielhaft ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel
der erfindungsgemäßen Spreizvorrichtung dargestellt ist.
In der Zeichnung zeigen
1 eine schematische Darstellung der erfindungsgemäßen
Spreizvorrichtung in ungeöffnetem Zustand
2 eine Darstellung der erfindungsgemäßen
Spreizvorrichtung mit einer wasserdichten Bespannung in ungeöffnetem und geöffnetem
Zustand
3 die erfindungsgemäße Spreizvorrichtung
in gesetztem Zustand mit einer Auffüllung und in
4 die erfindungsgemäße Vorrichtung in gesetztem
Zustand mit einer nach dem Erhärten selbsttragenden Baustoffschicht
In der 1 ist die erfindungsgemäße
Spreizvorrichtung 20 in einem Schacht mit einer Schacht- oder Hohlraumwandung
in ungeöffnetem Zustand dargestellt. Die Spreizvorrichtung 20 besteht
aus schwenkbar angeordneten Biegestreben 1, die über Angelenke
9 an Pendelstäben 2 angelenkt sind. Die Pendelstäbe
2 sind an einem Ring 8 auf einer Endplatte 5 eines Zentralstabes
4 schwenkbar gelagert. Die Biegestreben 1 sind mit Gelenken
10 mit einem Zylinder 6, der den Zentralstab 4 umschließt,
verbunden. Die Spreizvorrichtung 20 hängt an einem Seil
3 in der Mitte des Schachtes mit einem Radius R. An dem Zentralstab
4 ist ein Sperrbolzen 7 angeordnet.
Die 2 zeigt, dass die Spreizvorrichtung
20 mit einer membranartigen Bespannung 11 versehen ist. Die Spreizvorrichtung
20 wird in ungeöffnetem Zustand von einer Haltevorrichtung
12 gehalten. Die Haltevorrichtung 12 ist als eine Kunststoffrinne
ausgeführt. Durch Beaufschlagung mit Wasser erhöht sich das Gewicht der
Kunststoffrinne und die Haltevorrichtung 12 gibt die Biegestreben
1 frei und die Spreizvorrichtung 20 öffnet sich und spreizt
sich an der Schacht- oder Hohlraumwandung 21 derart, dass ein statisches
Sprengwerk ausgebildet wird. Die übrigen Bezugszeichen haben die gleiche Bedeutung
wie in der 1.
Aus den 3 und 4
geht hervor, dass die Spreizvorrichtung 20 in gesetztem, d.h. geöffnetem
Zustand mit einer Auffüllung 15 zur Nivellierung überschüttet
ist. Die Spreizvorrichtung 20 wird mit Hilfe des Seils 3 in den
Schacht mit der Schacht- oder Hohlraumwandung 21 eingefahren. Ist die gewünschte
Tiefe erreicht, wird die Haltevorrichtung 12 entfernt und die Spreizvorrichtung
20 öffnet sich dadurch, dass sich der Zylinder 6 aufgrund
seines Gewichtes nach unten bewegt, so dass die Biegestreben 1 sich an
der Schacht- oder Hohlraumwandung 21 verklemmen und lagesicher verspannen.
Zusätzlich hält der Sperrbolzen 7 die Spreizvorrichtung
20 geöffnet. Das Seil 3 kann nun abgeschlagen werden. Die
Auffüllung 15 wird mindestens bis zur Höhe H der Spreizvorrichtung
20 aufgefüllt. Auf dieser Auffüllung 15 wird nun, wie
in der 4 dargestellt, eine nach der Erhärtung
selbsttragende Baustoffschicht 16 angeordnet. Dabei wird die Baustoffschicht
16 so bemessen, dass die Anforderungen der Dauerstandssicherheit erfüllt
werden.
Ausführungsbeispiel:
In einen Bergwerksschacht mit 6,3 m lichtem Durchmesser wird als Widerlager
die erfindungsgemäße Spreizvorrichtung eingebaut. Die Biegestreben haben
eine Länge von 4 in und sind als Doppel-T-Träger mit einer Höhe von
20 cm ausgebildet. In Folge des Eigengewichtes der Konstruktion verklemmen sich
die Biegestreben an der Schachtwandung und stellen somit ein verschiebungsfreies
Auflager dar. Als Auffüllung wird ein hydraulisch abbindender Leichtbaustoff
mit einer Wichte von 2 kN/m3 eingebracht. Das Gewicht dieser Stahlkonstruktion
beträgt ca. 3 t. Das Stahlgewicht eines konventionellen Widerlagers mit Biegeträgern
würde ca. 12 t betragen. Neben dem geringeren Aufwand bei dem Einbau hat dies
auch erhebliche Einsparungen bei den Materialkosten zur Folge.
- 1
- Biegestreben
- 2
- Pendelstäbe
- 3
- Seil
- 4
- Zentralstab
- 5
- Endplatte
- 6
- Zylinder
- 7
- Sperrbolzen
- 8
- Ring
- 9
- Angelenk
- 10
- Gelenk
- 11
- Bespannung
- 12
- Haltevorrichtung
- 15
- Auffüllung
- 16
- Baustoffschicht
- 20
- Spreizvorrichtung
- 21
- Schacht- oder Hohlraumwandung
- H
- Höhe der Spreizvorrichtung
- R
- Schachtradius
- L
- Länge der Biegestreben