Die Erfindung betrifft eine Sensorvorrichtung zum Betrieb im zeitveränderlichen
Magnetfeld eines Magnetresonanztomographen, sowie ein Verfahren zur Kompensation
von Störsignalen.
Die Magnetresonanztomographie (MR oder MRT) ist ein bildgebendes Verfahren
zur Darstellung von Gewebe im menschlichen oder tierischen Körper. Die MRT
beruht auf dem Prinzip der Kernspinresonanz, wonach Atomkerne, beispielsweise die
im Körper zahlreich vorhandenen Wasserstoffkerne, ein magnetisches Moment aufweisen.
Dadurch können sie in einem angelegten externen Magnetfeld mit elektromagnetischer
Strahlung einer bestimmten Frequenz (Resonanzfrequenz) angeregt werden und geben
diese Strahlung kurz darauf ab. Beim MRT wird diese elektromagnetische Strahlung
als Signal detektiert. Die Resonanzfrequenz der Atomkerne ist direkt proportional
zum angelegten äußeren Magnetfeld. Daher wird die Ortskodierung innerhalb
eines Bildvolumens dadurch erreicht, dass während der Messung zusätzlich
zum Grundmagnetfeld sogenannte Gradientenfelder angelegt werden; dieses sind kurzzeitig
angelegte Magnetfelder mit einem möglichst linearen Gradienten in X-, Y- oder
Z-Richtung. Die Gradientenfelder werden meist von bestimmten Gradientenspulen erzeugt,
die innerhalb eines supraleitenden Magneten angeordnet sind, welcher das Grundmagnetfeld
erzeugt.
Ein weiteres medizinisches Bildgebungsverfahren ist die Positronenemissionstomographie
(PET). Die PET wird insbesondere zur Darstellung von physiologischen und biochemischen
Prozessen innerhalb des Körpers verwendet. Dem Patienten wird dabei ein Tracer
mit einem Radionuklid verabreicht, welches sich im Körper verteilt und dabei
radioaktive Strahlung abgibt. Beim PET werden Positronenstrahler als Tracer verwendet,
welche Positronen emittieren, die im Körper in zwei entgegengesetzte Gamma-Quanten
zerfallen. Diese Gamma-Quanten werden mit geeigneten Detektoren gemessen, welche
um den Körper herum verteilt angeordnet sind. Beispielsweise werden die Photonen
von einer Matrix aus Szintillationskristallen aufgefangen, in der ein Auftreffen
jedes Photons einen Lichtblitz erzeugt. Dieser wird wiederum durch Photodetektoren,
z.B. von Photomultiplyer Tubes oder Avalanche Photodioden aufgefangen und verstärkt.
Hinter jedem Detektor folgt eine Vorverstärkung der Signale.
In neuester Zeit besteht Interesse, MRT und PET in einem Gerät
miteinander zu kombinieren. Dabei sollen die PET-Detektoren innerhalb eines MR-Magnetens
angeordnet werden. Beispiele hierfür sind z.B. in dem Artikel von Markus Schwaiger
et al „MR-PET: Combining Function, Anatomy, and More" Medical Solutions/Special
Molecular Imaging, Siemens AG, September 2005, beschrieben.
Bei der Integration eines PET-Scanners in einem MR-Gerät wird
derzeit geplant, als PET-Detektoren Halbleiterlichtsensoren zu verwenden, die gemeinsam
mit einem Vorverstärker innerhalb des Magneten angeordnet sind. Das vorverstärkte
Signal wird dann zur Weiterverarbeitung aus dem Magneten hinausgeführt. Dabei
ergibt sich jedoch das Problem, dass die im Magneten angeordneten elektrischen Schaltungen
nicht nur dem konstanten Magnetfeld, sondern auch den zeitveränderlichen magnetischen
Felder, z.B. den oben beschriebenen Gradientenfeldern, ausgesetzt sind. Dadurch
wird in den zum Sensor und ggf. Vorverstärker gehörenden Schaltungen eine
Spannung induziert, welche Störsignale erzeugt. Insbesondere die Eingangsschaltung
für den Vorverstärker ist hierbei kritisch, da alle hier aufgenommenen
Störsignale mitverstärkt werden.
Die Erfindung hat sich daher die Aufgabe gestellt, eine Sensorvorrichtung
bereitzustellen, welche zum Betrieb im zeitveränderlichen Magnetfeld eines
Magnetresonanztomographen geeignet ist; sowie ein entsprechendes Verfahren zur Kompensation
von dadurch erzeugten Störsignalen bereitzustellen.
Diese Aufgabe löst die Erfindung mit den Merkmalen der unabhängigen
Ansprüche. Vorteilhafte Ausführungsformen sind in den Unteransprüchen
angegeben.
Die erfindungsgemäße Sensorvorrichtung enthält eine
elektrische Sensorschaltung zum Erzeugen eines Sensorsignals und zusätzlich
mindestens eine Induktionsschaltung, in der beim Betrieb des Magnetresonanztomographen
durch das zeitveränderliche Magnetfeld eine Spannung induziert wird, welche
im folgenden mit „Kompensationssignal" bezeichnet wird. Ferner ist eine Schaltungsanordnung
vorgesehen, mit welcher das Kompensationssignal mit dem Sensorsignal zur Bildung
eines Ausgangssignals kombiniert werden kann, um Störsignale zu kompensieren,
welche durch das zeitveränderliche Magnetfeld in der Sensorschaltung induziert
werden. Es wird also vorgeschlagen, die in der Sensorschaltung, also der Nutzschaltung,
induzierten Spannungen in einer weiteren Induktionsschaltung nachzubilden, um die
von dieser Schaltung aufgefangenen Signale dann vom Nutzsignal zu subtrahieren oder
auf andere geeignete Weise das durch die Gradientenfelder induzierte Störsignal
zu minimieren. Vorzugsweise sollte diese zusätzlichen Induktionsschaltung beim
Schalten der Gradientenfelder die gleiche Flussdichte umschließen wie die Nutzschaltung
bzw. die Sensorschaltung.
Besonders bevorzugt ist eine derartige Sensorvorrichtung ein Teil
eines PET-Detektors. Besonders bevorzugt enthält die Sensorvorrichtung auch zumindest
einen Vorverstärker zum Verstärken des Sensorsignals und des Kompensationssignals.
Der Vorverstärker kann, ebenso wie die Sensorschaltung, innerhalb des Magneten
des MR-Gerätes angeordnet sein, eine Anordnung außerhalb des Magnetens
ist jedoch auch denkbar.
Die Schaltungsanordnung, welche Sensorsignal und Kompensationssignal
miteinander kombiniert, ist vorzugsweise eine Additionsschaltung oder Subtraktionsschaltung.
Besonders bevorzugt ist die Schaltungsanordnung hinter dem Vorverstärker angeordnet.
Alternativ können jedoch Sensorsignal und Kompensationssignal auch bereits
vor dem Vorverstärker miteinander kombiniert werden.
Die Induktionsschaltung enthält vorzugsweise zumindest eine Leiterschleife,
auch Induktionsschleife genannt.
Da das zeitveränderliche Magnetfeld Vektorcharakter hat, werden
vorzugsweise drei zueinander orthogonale Induktionsschleifen innerhalb der Induktionsschaltung
verwendet, die durch eine individuelle Anpassung der Position, Ausrichtung, Verstärkung
und durch anschließende Addition der drei Einzelsignale an jede ungewollte
Induktion in einer Sensorschaltung angepasst werden können.
Die Erfindung ist dann besonders vorteilhaft, wenn das Störungen
verursachende Feld der Gradientenspulen im Bereich der Sensorschaltung homogen ist.
Daher ist die Induktionsschaltung vorzugsweise in räumlicher Nähe der
dazugehörigen Sensorschaltung angeordnet.
Wie für einen PET-Detektor erforderlich, sind vorzugsweise mehrere
Sensorschaltungen vorhanden, wobei für jede Sensorschaltung eine Induktionsschaltung
vorgesehen ist.
Alternativ kann jedoch auch eine Induktionsschaltung zur Korrektur
der Signale von mehreren Sensorschaltungen verwendet werden. Dies bietet sich insbesondere
dann an, wenn bekannt ist, dass die Gradientenfelder am Ort der Induktionsspule
jeweils um einen bestimmten Faktor größer oder kleiner sind oder eine
andere Richtung haben als an den Orten der Sensorschaltungen. In diesem Fall kann
das Kompensationssignal jeweils mit einem geeigneten Faktor multipliziert und erst
dann mit den Sensorsignalen durch Additional oder Subtraktion verrechnet werden.
Auf diese Weise kann eine Grundeinstellung der Kompensation je nach Einbauort der
Sensorschaltung in der Gradientenspule individuell angepasst werden.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform des
PET-Detektors ist vorgesehen, die Signale von N Photosensoren derart gewichtet zu
summieren, dass nur M < N Ausgangssignale erzeugt werden. Dies wird Multiplexing
genannt. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, im Layout die ungewollten Induktionsspannungen
so miteinander zu addieren, dass sich die Störsignale aufheben. Dadurch werden
zusätzliche Induktionsschaltungen und somit Platz auf der Leiterplatte, Verstärker
und Schaltungsanordnungen für die Gewichtungsschaltungen eingespart.
Werden für mehrere Sensorschaltungen mehrere Induktionsschaltungen
verwendet, wird vorzugsweise die Größe und Ausrichtung der jeweiligen
Induktionsschleifen der Induktionsschaltungen an den Einbauort innerhalb des Magneten
angepasst. Dies ist deshalb sinnvoll, weil die Position der Sensorschaltungen relativ
zu den Gradientenspulen unterschiedlich ist und daher die Felder an verschiedenen
Positionen andere Richtungen und andere Größe haben. Indem auch die Induktionsschaltungen
in Richtung und Größe an die Position angepasst werden, wird die Kombination
der Kompensationssignale mit den Sensorsignalen vereinfacht; eine Gewichtung der
Kompensationssignale mit einem bestimmten Faktor vor der Addition kann ggf. vermieden
werden.
Die Erfindung ist auch auf ein Verfahren zur Kompensation von Störsignalen
gerichtet, welche durch ein zeitveränderliches Magnetfeld eines Magnetresonanztomographen
in einer Sensorschaltung induziert werden. Das Verfahren umfasst die folgenden Schritte:
Bereitstellen einer Induktionsschaltung, in der beim Betrieb des Magnetresonanztomographen
durch das zeitveränderliche Magnetfeld ein Kompensationssignal induziert wird;
Kombinieren des Kompensationssignals mit dem Sensorsignal der Sensorschaltung, so
dass die Störsignale und das Kompensationssignal sich möglichst weitgehend
aufheben; und Ausgeben des kombinierten Signals als Ausgangssignal. Besonders bevorzugt
erfolgt die Kombination von Sensorsignal und Kompensationssignal erst, nachdem beide
Signale vorverstärkt wurden.
Das Verfahren kann entsprechend den oben in Zusammenhang mit der Sensorvorrichtung
beschriebenen Merkmalen ausgestaltet sein.
Die Erfindung wird nun anhand von Ausführungsbeispielen mit Bezug
auf die beiliegenden Zeichnungen näher beschrieben. In den Zeichnungen zeigen:
1 einen schematischen Querschnitt durch eine Sensorvorrichtung
gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung;
2 ein Flussdiagramm der Signalverarbeitung gemäß
einem Ausführungsbeispiel der Erfindung.
1 zeigt eine Sensorvorrichtung 1 mit einem
Photosensor 2, beispielsweise einem Halbleiterdetektor wie einer Avalanche-Photodiode,
welche auf einer Leiterplatte 3 angeordnet ist. Der Photosensor
2 ist über die Leiter 5 mit einem Vorverstärker
6 verbunden, welcher ebenfalls auf der Leiterplatte 3 angeordnet
ist. Dadurch ergibt sich im Bereich des Photosensors 2 eine Sensorschaltung
4. Da diese Schaltung 4 eine gewisse Fläche und somit bei
Schalten der Gradienten eine gewisse magnetische Flussdichte umschließt, weist
sie die rechts schraffiert gezeichnete Induktionsfläche auf. Die schraffiert
gezeichnete Induktionsfläche ist die Fläche, über der ein Störsignal
induziert wird. Dieses wird über die Leiter 5 an den Vorverstärker
übertragen und dort verstärkt.
Zur Kompensation dieser Störsignale ist innerhalb der Leiterplatte
3 eine weitere Induktionsschleife 8 vorgesehen, welche in der
Zeichnung links schraffiert dargestellt ist. Diese Leiterschleife ist, wenn in erster
Nährung von einem homogenen zeitveränderlichen Magnetfeld ausgegangen
werden kann, vorzugsweise etwa gleich ausgerichtet und besitzt die gleiche Fläche
wie die Induktionsschleife der Sensorschaltung 4. Ist das Gradientenfeld
an der Stelle der Induktionsschleife 8 bekanntermaßen stets größer
oder kleiner als an der Sensorschaltung 4, kann dieses durch Anpassen der
Größe und Ausrichtung der Induktionsschaltung 8 berücksichtigt
werden.
2 zeigt die Signalverarbeitung: Das vom Photosensor
2 erzeugte Sensorsignal 10 wird mit dem in der Induktionsschleife
4 aufgefangene Störsignal 12 überlagert und so in einen
ersten Vorverstärker 6 eingespeist. Das von der Induktionsschaltung
8 aufgefangene Kompensationssignal 14 wird in einen zweiten Vorverstärker
6' eingespeist. Die Vorverstärker 6, 6' weisen jeweils
eine Bandbreite = x und einen Gain auf, der beim Vorverstärker 6 beispielsweise
v beträgt. Der Gain des Vorverstärkers 6' beträgt dann -1·v/&agr;,
wobei &agr; den Unterschied zwischen der in der Sensorschaltung 4 und
der Induktionsschaltung 8 induzierten Spannung angibt. Das Kompensationssignal
14 unterscheidet sich also ungefähr um einen Faktor &agr; vom Störsignal
12. Der Faktor &agr; charakterisiert die unterschiedlichen Positionen
und unterschiedlichen Stärken und Richtungen des Gradientenfeldes zwischen
der Sensorschaltung 4 und der Induktionsschaltung 8.
Wurde der Gain der Vorverstärker 6, 6' entsprechend
auf die empfangenen Signale eingestellt, brauchen diese lediglich im Summierer
16 miteinander addiert zu werden, um das Ausgangssignal 18 zu
liefern. Alternativ kann der Summierer 16 auch eine kompliziertere Gewichtungsschaltung
sein, die der eine beliebige Kombination der Signale der Vorverstärker
6 und 6' durchführen kann, z.B. beide Signale beliebig gewichten
und addieren oder subtrahieren kann.
Werden die Sensorsignale von mehreren Photosensoren gemäß
der bevorzugten Ausführungsform mittels Multiplexing kombiniert, wobei die
Signale von N-Photosensoren auf eine Anzahl von M < N Ausgangsleitungen übertragen
werden, so kann unter Umständen bereits dadurch eine Kompensation der Störsignale
erreicht werden. In diesem Fall wäre die in Anspruch 1 definierte Induktionsschaltung
lediglich eine weitere Sensorschaltung, deren Sensorsignal mit dem Signal der erstgenannten
Sensorschaltung derart geschickt kombiniert wird, dass die jeweiligen Störsignale
sich aufheben. Die Erfindung ermöglicht daher, störungsfreie PET-Signale
zu messen, obgleich währenddessen die MR-Gradienten geschaltet werden.