Stand der Technik
Aus dem Stand der Technik sind Einspritzventile für schnelllaufende,
selbstzündende Brennkraftmaschinen, die den Kraftstoff direkt in einen Brennraum
einer Brennkraftmaschine einbringen, seit längerer Zeit bekannt. So ist aus
der Offenlegungsschrift DE 196 19 523 A1
ein Einspritzventil bekannt, das eine Düsennadel aufweist, die eine oder mehrere
Einspritzöffnungen durch ihre Längsbewegung auf- und zusteuert. Durch
den Druck in einem Steuerraum wird eine Schließkraft mittelbar über einen
Ventilkolben auf die Düsennadel ausgeübt, so dass diese, wenn im Steuerraum
ein entsprechend hoher Kraftstoffdruck vorhanden ist, in ihrer Schließstellung
gehalten wird. Soll eine Einspritzung erfolgen, so wird der Steuerraum mit einem
Leckölraum verbunden, indem ein Kugelventil gesteuert durch einen Elektromagneten
vom Ventilsitz abhebt. Der Kraftstoffdruck für die Einspritzung wird hierbei
über einen Hochdruckspeicher zur Verfügung gestellt, der über eine
Kraftstoffhochdruckpumpe mit Kraftstoff unter hohem Druck befüllt ist.
Neben dem bekannten Magnetventil, bei dem eine Stahlkugel gegen einen
konischen Sitz gepresst wird und dadurch die Ablaufdrossel verschließt, durch
die Kraftstoff aus dem Steuerraum in den Leckölraum abfließen kann, ist
als alternatives Konzept aus der EP 1 612
403 A1 auch ein Steuerventil bekannt, bei dem statt einer Stahlkugel eine
Hülse bewegt wird. Die Hülse begrenzt hierbei einen Ringraum nach außen,
der mit dem Steuerraum über die Ablaufdrossel verbunden ist. Die Hülse
wird kraftfrei betrieben, das heißt, dass auf die Hülse durch den Kraftstoffdruck
im Ringraum keine resultierende Kraft in deren Bewegungsrichtung ausgeübt wird.
Durch eine Schließfeder wird die Hülse gegen einen Dichtsitz
gepresst und verschließt dadurch den Ringraum nach außen. Soll eine Einspritzung
erfolgen, so wird die Hülse über den Elektromagneten vom Dichtsitz weggezogen,
was durch die fehlende hydraulische Kraftkomponente unter Überwindung der relativ
kleinen Schließkraft der Schließfeder sehr schnell geschehen kann. Dadurch
wird – wie bei den bekannten Kugelventilen – der Steuerraum mit einem
Leckölraum verbunden und dadurch druckentlastet.
Bei allen Kraftstoffeinspritzsystemen, insbesondere bei Common-Rail-Einspritzsystemen,
kann das Problem auftreten, dass es zu einem Überdruck innerhalb des Kraftstoffeinspritzventils
oder des Hochdruckspeichers kommt. Zur Vermeidung dieses Überdrucks im Kraftstoffspeicher
verfügt dieser in der Regel über ein Entlastungsventil, das bei einem
zu hohen Druck öffnet und den überschüssigen Kraftstoff in den Kraftstofftank
abführt. Tritt jedoch innerhalb des Kraftstoffeinspritzventils ein Überdruck
auf, so besteht die Möglichkeit, dass der Druck nicht rasch genug über
das Entlastungsventil des Hochdruckspeichers abgebaut werden kann und es so zu Schäden
innerhalb des Kraftstoffeinspritzventils kommt.
Vorteile der Erfindung
Das erfindungsgemäße Kraftstoffeinspritzventil mit den kennzeichnenden
Merkmales des Patentanspruchs 1 weist demgegenüber den Vorteil auf, dass Druckspitzen
innerhalb des Kraftstoffeinspritzventils rasch abgebaut und somit Schäden an
diesem vermieden werden. Hierzu ist das Steuerventil derart ausgebildet, dass das
bewegliche Steuerventilglied bei einem Überdruck im Steuerraum entgegen der
Kraft einer Schließfeder aufgedrückt und der Druck damit in einen Leckölraum
entspannt wird. Dies geschieht allein durch den anstehenden Druck im Steuerraum,
so dass der die Hülse sonst bewegende Elektromagnet nicht angesteuert zu werden
braucht. Damit können Druckspitzen effektiv und sehr schnell abgebaut werden.
Es ist auch möglich, dass das Entlastungsventil im Hochdruckspeicher entfällt
und ein eventuell auftretender übergroßer Druck im Hochdruckspeicher statt
dessen über eines oder mehrere der angeschlossenen Kraftstoffeinspritzventile
abgebaut wird.
In einer ersten vorteilhaften Ausgestaltung ist das Steuerventilglied
in Form einer Steuerhülse ausgebildet, die gleitverschiebbar auf einem Steuerventilkörper
gelagert ist. Bei einer solchen Anordnung ist innerhalb der Steuerhülse eine
Druckstufe vorgesehen, die dafür sorgt, dass die Steuerhülse bei Überschreiten
eines bestimmten Grenzdrucks, der sich durch die Fläche der Druckstufe und
die Kraft der Schließfeder bestimmt, vom Dichtsitz abgehoben wird und dadurch
eine Entlastung des Steuerraums bewirkt. Sobald der Druck wieder unterhalb des Grenzdrucks
abfällt, bewegt sich die Dichthülse zurück auf den Dichtsitz und
verschließt den Steuerraum gegen den Leckölraum. Deshalb kommt es zu keiner
Absenkung des Kraftstoffdrucks im Steuerraum unter das im Hochdruckspeicher herrschende
Niveau, so dass das Kraftstoffeinspritzventil zu jedem Zeitpunkt für eine Kraftstoffeinspritzung
bereit ist.
In einer zweiten vorteilhaften Ausgestaltung ist das Steuerventilglied
in Form eines Steuerkolbens ausgebildet, der in einer Kolbenbohrung des Steuerventilkörpers
gleitverschiebbar gelagert ist. Die Ringnut ist in diesem Fall im Steuerkolben ausgebildet,
so dass sich dadurch eine resultierende Kraft auf den Steuerkolben ergibt, die vom
Dichtsitz weggerichtet ist. Die Funktion ist ansonsten identisch mit der der Steuerventilhülse.
Zeichnung
In der Zeichnung sind verschiedene Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen
Kraftstoffeinspritzventils dargestellt. Es zeigt
1 einen Längsschnitt durch ein erfindungsgemäßes
Kraftstoffeinspritzventil mit schematisch dargestellten Zufuhrkomponenten,
2 eine Vergrößerung von 1
im Bereich des Steuerventils und
3 ein alternatives Steuerventil in derselben Darstellung
wie 2.
Beschreibung der Ausführungsbeispiele
In 1 ist ein erfindungsgemäßes
Kraftstoffeinspritzventil mit den Kraftstoff zuführenden Komponenten schematisch
im Längsschnitt dargestellt. Das Kraftstoffeinspritzventil umfasst einen Haltekörper
1 und einen Düsenkörper 2, die durch eine Spannmutter
3 gegeneinander gepresst werden. Im Düsenkörper 2 ist
eine Düsennadel 10 längsverschiebbar angeordnet, die für
ihre Längsbewegung die Öffnung wenigstens einer Einspritzöffnung
12 steuert. Der Kraftstoff wird den Einspritzöffnungen 12
über einen Druckraum 14 zugeführt, der die Ventilnadel
10 umgibt und der über einen Zulaufkanal 15 mit Kraftstoff
unter hohem Druck befüllbar ist. Bewegt sich die Ventilnadel 10 von
den Einspritzöffnungen 12 hinweg und fährt so in ihre Öffnungsposition,
wird Kraftstoff aus dem Druckraum 14 über die Einspritzöffnungen
12 in einen in der Zeichnung nicht dargestellten Brennraum der Brennkraftmaschine
eingespritzt. Befindet sich die Ventilnadel 10 hingegen in ihrer Schließposition,
das heißt in Anlage an einem Ventilsitz, so werden die Einspritzöffnungen
12 durch die Ventilnadel 10 verschlossen.
Im Haltekörper 1 ist eine Längsbohrung
5 ausgebildet, die koaxial zur Ventilnadel 10 verläuft und
in der ein Ventilkolben 7 längsverschiebbar angeordnet ist. Der Ventilkolben
7 liegt über ein Druckstück 19 an der Ventilnadel
10 an, so dass er sich synchron mit der Ventilnadel 10 in Längsrichtung
bewegt. An dem dem Düsenkörper 2 zugewandten Ende ist der Ventilkolben
7 von einer Feder 17 umgeben, die sich einerseits in einem Absatz
im Haltkörper 1 abstützt und andererseits am Druckstück
19, so dass durch die Kraft der Feder 17 das Druckstück
19 in Richtung der Düse und damit die Ventilnadel 10 in ihre
Schließposition gedrückt wird.
Zur Zuführung des Kraftstoffs unter hohem Druck ist eine Hochdruckpumpe
6 vorgesehen, die den Kraftstoff aus einem Kraftstofftank 4 verdichtet
und einem Hochdruckspeicher 11 zuführt, in dem der Kraftstoff unter
hohem Druck vorgehalten wird. Über eine Hochdruckleitung 9 und einen
Hochdruckanschluss 8, der am Kraftstoffeinspritzventil ausgebildet ist,
wird der unter hohem Druck stehende Kraftstoff dem Kraftstoffeinspritzventil zugeführt
und in der beschriebenen Weise über die Einspritzöffnungen 12
in den Brennraum der Brennkraftmaschine eingespritzt.
Mit seinem der Düse 2 abgewandten Ende begrenzt der
Steuerkolben 7 einen Steuerraum 20, der über eine Zulaufbohrung
21, indem sich eine Zulaufdrossel 22 befindet, mit dem Zulaufkanal
15 verbunden ist. Der Steuerraum 20 ist darüber hinaus über
eine Längsbohrung 28, die im Haltekörper 1 und in einem
Steuerventilkörper 27 ausgebildet ist, mit einem Leckölraum
32 verbindbar. Hierzu mündet die Längsbohrung 28 in
eine Querbohrung 29, die wiederum in einer Ringnut 34 endet, die
in 2 näher dargestellt ist.
Zur Absenkung des Kraftstoffdrucks im Steuerraum 20 dient
ein Steuerventil 25, das in 2 näher dargestellt
ist. Das Steuerventil 25 umfasst ein Steuerventilglied in Form einer Steuerhülse
30, die einen kolbenförmigen Abschnitt des Steuerventilkörpers
27 umgibt und auf diesem geführt ist. Die Steuerhülse
30 ist hierbei längsbewegbar und liegt in ihrer Schließstellung
an einem Dichtsitz 33 an, so dass die Ringnut 34 gegen den Leckölraum
32 abgedichtet ist. Die Steuerhülse 30 wird von einer Schließfeder
31 beaufschlagt, die eine Schließkraft auf die Dichthülse
30 ausübt und so gegen den Dichtsitz 33 drückt. Über
einen Elektromagneten 35 kann die Dichthülse 30 vom Dichtsitz
33 abgehoben werden, so dass die Ringnut 34 und damit über
die Querbohrung 29 und die Längsbohrung 28 auch der Steuerraum
20 mit dem Leckölraum verbunden werden.
An der Innenseite der Steuerhülse 30 ist eine Druckstufe
40 ausgebildet, die bewirkt, dass durch den Druck in der Ringnut
34 eine resultierende hydraulische Kraft auf die Steuerhülse
30 wirkt, die vom Dichtsitz 33 weggerichtet ist. Die Fläche
der Druckstufe 40, die in der Öffnungsrichtung hydraulisch wirksam
ist und die Kraft der Schließfeder 31 sind hierbei so bemessen, dass
bei Überschreiten eines Grenzdrucks in der Ringnut 34 die Dichthülse
30 vom Dichtsitz 33 abhebt und den in der Ringnut 34
vorhandenen Kraftstoff in den Leckölraum 32 entspannt. Sobald der
Druck in der Ringnut 34 den Grenzdruck wieder unterschreitet, gleitet die
Dichthülse 30 zurück in Anlage an den Dichtsitz 33.
Die Funktionsweise des Kraftstoffeinspritzventils ist aus dem Stand
der Technik hinreichend bekannt und soll hier nur kurz angerissen werden. Für
einen Einspritzung wird der Elektromagnet 35 bestromt und zieht dadurch
die Dichthülse 30 vom Dichtsitz 33 weg. Dadurch wird die
Ringnut 34 mit dem Leckölraum 32 verbunden, indem stets ein
niedriger Kraftstoffdruck herrscht. Über die Querbohrung 29
und die Längsbohrung 28 wird der Steuerraum 20 druckentlastet,
so dass die hydraulische Kraft auf den Ventilkolben 7 abgesenkt und die
Düsennadel 10, die durch den Kraftstoffdruck im Druckraum
14 eine Kraft in Öffnungsrichtung erfährt, vom Ventilsitz abhebt
und die Einspritzöffnungen 12 freigibt. Zur Beendigung der Einspritzung
wird der Elektromagnet wiederum stromlos geschaltet, so dass die Dichthülse
30, angetrieben durch die Schließfeder 31, zurück in
Anlage an den Dichtsitz 33 gleitet. Durch den nachströmenden Kraftstoff
über die Zulaufbohrung 21 steigt der Druck im Steuerraum
20 erneut an und damit die hydraulische Kraft auf den Ventilkolben
7, so dass sich dieser schließlich wieder in Richtung Düse bewegt
und dadurch die Düsennadel 10 zurück in ihre Schließstellung
drückt.
Beim Auftreten von Überdruck, beispielsweise im Zulaufkanal
15 durch Druckschwingungen oder durch sonstige auftretende Drucküberhöhungen
kann es im Steuerraum 20 zu einem Druck kommen, der höher ist als
gewünscht. In diesem Fall wird die Steuerhülse 30 in der oben
geschilderten Weise den Überdruck abbauen, wobei sich der Grenzdruck über
die Größe der Druckstufe 40 und die Federkraft der Schließfeder
31 einstellen lässt.
In 3 ist eine alternative Ausgestaltung
des Steuerventils 25 dargestellt. Statt einer Steuerhülse
30 ist hier ein Steuerkolben 37 vorgesehen, der in einer Kolbenbohrung
36 geführt ist. Der Steuerkolben 37 ist auch hier von einer
Schließfeder 31 beaufschlagt und wird durch diese gegen einen Dichtsitz
33 gepresst. Dadurch wird die Ringnut 34, die am Steuerkolben
37 ausgebildet ist, gegen den Leckölraum 32 abgedichtet.
Auch hier ist eine Druckstufe 40' vorgesehen, die allerdings an der Innenseite
der Kolbenbohrung 36 ausgebildet ist. Durch die Druckstufe 40'
ergibt sich eine hydraulische, resultierende Kraft auf den Steuerkolben
37, die vom Dichtsitz 33 weggerichtet ist, so dass bei Überschreiten
eines Grenzdrucks in der Ringnut 34 der Steuerkolben 37 öffnet
und den überschüssigen Kraftstoff in den Leckölraum 32 abströmen
lässt.
Die Funktion ist insoweit identisch mit der Funktion der Steuerhülse
30, wie sie in 2 dargestellt und oben beschrieben
ist. Die Verbindung des Steuerraums 20 mit der Zulaufbohrung
21 und der Längsbohrung 24 ist etwas anders ausgebildet als
in dem vorangegangenen Ausführungsbeispiel nach 2,
was durch die geänderte Geometrie des Steuerventils 25 bedingt ist.
Aber auch hier wird der Steuerraum 20 über eine Zulaufbohrung
21 und einen Ablaufkanal 24 mit einer darin befindlichen Ablaufdrossel
26 befüllt bzw. entlastet.