Stand der Technik
Fahrzeuge mit Ottomotoren sind mit einem sogenannten Kraftstoffverdunstungs-Rückhaltesystem
ausgestattet, um zu verhindern, dass der aus dem Kraftstoffbehälter ausdampfende
Kraftstoff in die Umgebung gelangt. Hierfür sind sogenannte Kraftstoffdampf-Zwischenspeicher
vorgesehen, die beispielsweise als Aktivkohlefilter realisiert sein können.
Diese Kraftstoffdampf-Zwischenspeicher nehmen im Tank verdunstenden Kraftstoffdampf
auf. Durch Spülung mit Luft erfolgt eine Regeneration dieser Filter. Die Spülluft
strömt dabei durch den Aktivkohlefilter, nimmt dort Kraftstoff auf und wird
als mit Kraftstoff beladenes Regeneriergas dem Verbrennungsmotor zugeführt.
Die Regenerierung des Aktivkohlefilters durch Spülung mit Luft erfolgt beispielsweise
durch Öffnen eines Tankentlüftungsventils zwischen dem Aktivkohlefilter
und dem Saugrohr des Verbrennungsmotors. Durch den Saugrohrunterdruck wird in diesem
Fall die Spülung des Filters über eine Frischluftöffnung vorgenommen.
Das mit Kraftstoff beladene Regeneriergas strömt in diesem Falle dem Druckgefälle
folgend über das Tankentlüftungsventil zum Verbrennungsmotor. Um das Emissionsverhalten
des Verbrennungsmotors bei einem solchen Spülvorgang nicht nachteilig zu beeinflussen,
muss der Beladungsgrad des Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers bekannt sein. Abhängig
von diesem Beladungsgrad wird die Menge des in die Brennräume des Verbrennungsmotors
eingespritzten Kraftstoffs variiert. Bei aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren
wird die durch den Kraftstoffdampf-Zwischenspeicher angesaugte Kraftstoffmenge über
die gemessene Luftzahl Lambda berechnet und auf einen Sollwert geregelt. Da nun
das Ausgasungsverhalten des Kraftstoffs im Tank, welches von den Kraftstoffeigenschaften,
von der Umgebungstemperatur, vom Umgebungsdruck und anderen Größen abhängt,
in der Regel unbekannt ist, ist auch die in dem Kraftstoffdampf-Zwischenspeicher
gespeicherte Kraftstoffmasse unbekannt.
Um den Bedarf an Tankentlüftungsphasen möglichst genau zu
bestimmen und die Vorsteuerung der Einspritzkorrektur ideal anpassen zu können,
muss die im Kraftstoffdampf-Zwischenspeicher adsorbierte Kohlenwasserstoff-Masse,
die so genannte Beladung, bekannt sein.
Die Bestimmung der Beladung des Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers
erfolgt bei aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren beispielsweise aufgrund
von direkter Messung der Kohlenwasserstoffkonzentration basierend auf der Spülmenge,
wie beispielsweise aus der DE 101 26 520
A1 bekannt, oder durch Messung der Temperatur im als Aktivkohlefilter ausgebildeten
Kraftstoffdampf-Zwischenspeicher.
Durch diese Messverfahren kann die Beladung jedoch nur ungenau bestimmt
werden.
Offenbarung der Erfindung
Vorteile der Erfindung
Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße
Vorrichtung mit den Merkmalen der unabhängigen Ansprüche 1 und 5 haben
demgegenüber den Vorteil, dass die adsorbierte Kohlenwasserstoffmasse durch
Bestimmung des Gewichts des Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers und durch einen Vergleich
mit dem zuvor bestimmten Gewicht des entleerten Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers
sehr schnell und mit hoher Präzision erfasst werden kann.
Durch die in den abhängigen Ansprüchen aufgeführten
Maßnahmen sind vorteilhafte Weiterbildungen und Verbesserungen des in den unabhängigen
Anspruch 1 angegebenen Verfahrens sowie der in dem unabhängigen Anspruch 5
angegebenen Vorrichtung möglich.
So sieht eine vorteilhafte Ausführungsform vor, das Gewicht durch
die statische Auslenkung einer die Eigenschaften einer Feder aufweisenden Lagerung
des Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers im Gravitationsfeld zu bestimmen.
Bei einer wiederum anderen vorteilhaften Ausführungsform ist
vorgesehen, das Gewicht aus der Schwingungsfrequenz des zu Schwingungen angeregten,
schwingungsfähigen, insbesondere elastisch gelagerten Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers
zu bestimmen.
Eine vorteilhafte Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, aufgrund
eines Vergleichs der Schwingungsfrequenz des zu Schwingungen angeregten entleerten
Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers mit der in einem früheren Messzyklus erfassten
Schwingungsfrequenz des zu Schwingungen angeregten entleerten Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers
auf eine Veränderung der Schwingungsparameter, insbesondere auf eine Veränderung
der Feder- und Dämpfungseigenschaften der schwingungsfähigen Lagerung
zu schließen. Dies ermöglicht bei Veränderung der Parameter eine
Korrektur und damit eine Steigerung der Präzision der Gewichts-/Massenbestimmung.
Die elastische Lagerung selbst kann auf die unterschiedlichste Weise
ausgebildet sein. Beispielsweise ist die Anordnung des Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers
aufliegend auf Federelementen denkbar. Eine besonders vorteilhafte Ausführungsform
sieht eine elastische Aufhängung vor.
Die Aufhängung der schwingungsfähigen Lagerung kann durch
einen Wegsensor erfasst werden. Die Schwingungsfrequenz wird vorteilhafterweise
mittels eines Schwingungssensors erfasst.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt
und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
In der Fig. ist eine von der Erfindung Gebrauch machende Vorrichtung
zur Bestimmung der Beladung eines Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers dargestellt.
Ausführungsformen der Erfindung
In der Fig. ist ein Kraftstoffversorgungssystem eines Verbrennungsmotors
10 dargestellt, das für den Einsatz in einem Kraftfahrzeug vorgesehen
ist. Dem Verbrennungsmotor 10 wird über ein Saugrohr 20 Luft
und über ein Kraftstoffzumessmittel 30 Kraftstoff aus einem Tank
40 zugeführt. Um das Entweichen von Kraftstoffdämpfen aus dem
Tank 40 in die Umgebung zu verhindern, ist ein Tankentlüftungssystem
vorgesehen, das wie dargestellt einen Kraftstoffdampf-Zwischenspeicher
50 in Form eines Aktivkohlefilters, ein in der Belüftungsleitung des
Aktivkohlefilters 50 angeordnetes Absperrventil 60 und ein in
der Leitung zwischen Aktivkohlefilter und Saugrohr angeordnetes Tankentlüftungsventil
70 umfasst. In dem Tank 40 verdampfender Kraftstoff wird in dem
Aktivkohlefilter 50 gespeichert und während des Betriebs des Verbrennungsmotors
10 über das geöffnete Tankentlüftungsventil 70
und das Saugrohr 20 der Verbrennung zugeleitet. Aufgrund der sich dabei
einstellenden Druckverhältnisse wird gleichzeitig der Aktivkohlefilter
50 bei geöffnetem Absperrventil 60 mit Frischluft gespült
und damit regeneriert.
Zur Steuerung der Tankentlüftung über das Öffnen und
Schließen der genannten Ventile dient ein Steuergerät 80. Dem
Steuergerät 80 werden, wie nachfolgend noch näher beschrieben,
Signale eines Wegsensors 82, welcher eine Lageveränderung des Aktivkohlefilters
50 erfasst, und/oder die Signale eines Frequenzsensors 84, welcher
die Schwingungsfrequenz des zu Schwingungen angeregten Aktivkohlefilters
50 erfasst, zugeführt. Ferner werden dem Steuergerät
20 den Betriebszustand der Brennkraftmaschine charakterisierende Signale
sowie das Kraftstoff-Luftgemisch charakterisierende Signale zugeführt. So ist
beispielsweise ein mit 110 bezeichneter Sensor stellvertretend dargestellt
für die Erfassung der den Betriebszustand der Brennkraftmaschine charakterisierenden
Signale. Ein Sensor 120 dient zur Erfassung der Abgaszusammensetzung in
einem Abgasrohr 130 der Brennkraftmaschine. Auch die Signale dieser Sensoren
werden in dem Steuergerät 80 verarbeitet.
Während der Regenerierung des Aktivkohlefilters 50 gelangen
auf oben beschriebene Weise Kohlenwasserstoffdämpfe in das Saugrohr
20 des Verbrennungsmotors 10 und werden von diesem zusammen mit
der Frischluft angesaugt. Damit in dem Verbrennungsmotor 10 die richtige
Kraftstoffmenge zur Verfügung steht, wird von dem Steuergerät
80 die Einspritzmenge reduziert und das Kraftstoffzumessmittel
30 entsprechend angesteuert.
Bei aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren wird nun die durch
den Aktivkohlefilter 50 angesaugte Kraftstoffmenge über die durch
den Sensor 120 gemessene Luftzahl Lambda berechnet und auf einen Sollwert
geregelt. Da das Ausgasungsverhalten des Kraftstoffs im Tanksystem, welches von
den Kraftstoffeigenschaften, der Temperatur, dem Umgebungsdruck und anderen Größen
abhängt, in der Regel unbekannt ist, ist auch die eingespeicherte Masse an
Kohlenwasserstoffen, die Beladung, unbekannt. Um den Bedarf an Tankentlüftungsphasen
möglichst genau bestimmen zu können und die Vorsteuerung der Einspritzkorrektur
optimal anpassen zu können, muss die Masse der absorbierten Kohlenwasserstoffe
bestimmt werden.
Hierzu ist das Aktivkohlefilter 50 in einer schwingungsfähigen
Aufhängung 52, 54 gelagert. Diese Lagerung kann beispielsweise
wie in der Fig. schematisch dargestellt, an einem Karosserieteil 54 durch
Federn 52 realisiert sein. Statt Federn 52 können aber auch
Anschlussgummischläuche oder dergleichen vorgesehen sein. Ferner könnte
statt einer schwingungsfähigen Aufhängung rein prinzipiell auch vorgesehen
sein, den Kraftstoffdampf-Zwischenspeicher aufliegend auf Federelementen zu lagern.
In jedem Falle muss sichergestellt sein, dass die Lagerung die Eigenschaften einer
Feder aufweist bzw. zu Schwingungen angeregt werden kann.
Die Bestimmung der Beladung des Aktivkohlefilters 50, das
heißt, die Bestimmung der in dem Aktivkohlfilter 50 adsorbierten Masse
der Kohlenwasserstoffverbindungen kann nun auf zwei unterschiedliche Weisen erfolgen.
Zum einen kann das Gewicht aufgrund der statischen Auslenkung einer
der Federn 52 im Gravitationsfeld bestimmt werden. Hierzu ist der Wegsensor
82 vorgesehen, der die Auslenkung des Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers
50 im Gravitationsfeld ermittelt. Dies wird anhand des folgenden Beispiels
näher erläutert. So ergibt sich beispielsweise bei einer Gesamtmasse des
Aktivkohlefilters 50 von 2,2 Kilogramm und bei einer Federkonstanten von
200 N/m eine Auslenkung von einem Millimeter. In diesem Falle beträgt
die Gewichtskraft 22 Newton. Die Masse des entleerten Aktivkohlefilters
50, die in einem früheren Messzyklus oder vor Einbau des Aktivkohlefilters
50 bestimmt wurde, beträgt beispielsweise 2 Kilogramm. In diesem Falle
verursacht die Beladung eine Massenzunahme von 0,2 Kilogramm. Diese Bestimmung der
Gewichtskraft setzt voraus, dass der Fahrzeugaufbau waagerecht angeordnet ist. Im
Falle einer nicht waagrechten Anordnung des Fahrzeugaufbaus erfolgt die Bestimmung
der Gewichtskraft durch eine Korrektur, z.B. auf Basis des Neigungswinkels.
Eine andere Ausführungsform, bei der diese Voraussetzung nicht
gegeben sein muss, sieht vor, den Aktivkohlefilter 50 in Schwingungen zu
versetzen und durch die Messung der Schwingungsfrequenz die Gesamtmasse zu bestimmen.
Dieses Verfahren ist beispielsweise einsetzbar, wenn Schwingungen der Karosserie
des Fahrzeugs das Aktivkohlefilter 50 zu Schwingungen anregen. In diesem
Falle wird aus der Schwingungsfrequenz &ohgr; auf die Masse der in dem Aktivkohlefilter
50 adsorbierten Kohlenwasserstoffe geschlossen. Unter der Annahme, die
schwingungsfähige Aufhängung in Form der Federn 52 weise eine
Federkonstante c auf, ergibt sich für die Schwingungsfrequenz die folgende
Formel:
&ohgr; = (c/mges)1/2
und hieraus für die Masse der adsorbierenden Kohlenwasserstoffe mHC
mHC = (mges·c/&ohgr;2) – mAKF,
wobei mges die Gesamtmasse und mAKF die Masse des entleerten
Aktivkohlefilters 50, die zuvor bestimmt wird, sind. Die Frequenz der Frequenz
&ohgr; der Schwingung kann durch den an Frequenzsensor 84 erfolgen.
Mit zunehmender Beladung des Aktivkohlefilters 50 nimmt die
Frequenz ab. Aufgrund der Frequenzabnahme kann auf die Masse mHC geschlossen
werden. Dabei ist zu bemerken, dass Frequenzmessungen mit hoher Präzision durchgeführt
werden können.
Aufgrund eines Vergleichs der Schwingungsfrequenz des zu Schwingungen
angeregten entleerten Kraftstoffdampf-Zwischenspeichers 50 mit der in einem
früheren Messzyklus erfassten Schwingungsfrequenz des zu Schwingungen angeregten
entleerten Kraftstoff-Zwischenspeichers 50 kann auf eine Veränderung
der Schwingungsparameter, insbesondere auf eine Veränderung der Feder- und
Dämpfungseigenschaften der schwingungsfähigen Lagerung geschlossen werden.
Dies ermöglicht eine weitere Steigerung der Präzision durch Korrektur
der Messergebnisse zur Bestimmung des Gewichts/der Masse des Aktivkohlefilters
50, da so auch Veränderungen der für die Messung herangezogenen
Parameter berücksichtigt werden können.
Beide vorbeschriebenen Verfahren zur Bestimmung der Masse mHC
der im Aktivkohlefilter 50 adsorbierten Kohlenwasserstoffe HC erlauben
eine sehr präzise Bestimmung der Beladung, die mit aus dem Stand der Technik
bekannten Verfahren und Vorrichtungen nicht möglich ist. Die Bestimmung der
HC-Masse kann zur Verbesserung der Vorsteuerung verwendet werden und zur präzisen
Festlegung von Regenerationsphasen. Sie kann darüber hinaus auch zur Prüfung
der Funktionsfähigkeit des Tankentlüftungsventils 70 herangezogen
werden, beispielsweise durch Beobachtung der Veränderung der Luftzahl bei Aufsteuerung
des Tankentlüftungsventils 70. In diesem Falle ist es erforderlich,
dass das Luft-Kraftstoffgemisch, welches über das Tankentlüftungsventil
70 strömt, nicht stöchiometrisch ist. Auf diese Weise könnte
zur Prüfung der Funktionsfähigkeit des Tankentlüftungsventils eine
Regenerationsphase herangezogen werden, da durch die oben beschriebenen Verfahren
eine sehr genaue Massenbestimmung der im Aktivkohlefilter 50 adsorbierten
Kohlenwasserstoffe möglich ist und insoweit die Luftzahl des über das
Tankentlüftungsventil 70 strömenden Luft-Kraftstoffgemisches
bestimmt werden kann. Ein weiterer Anwendungsfall ist die Tankleckdiagnose. Über
eine zeitliche Beobachtung der im Aktivkohlefilter 50 adsorbierten Masse
und der Luftzahl Lambda kann auf das Ausgasungsverhalten im Tank geschlossen werden.
Die Kenntnis des Ausgasungsverhaltens ist erforderlich für eine präzise
Tankleckdiagnose, die auf an sich bekannte Weise auf einer Druckmessung beruht.
Durch Informationen über die Verdampfung und die Kondensation im Tank kann
die Genauigkeit einer solchen Tankleckdiagnose wesentlich erhöht werden.