Die Erfindung richtet sich auf eine Elektrolysevorrichtung zur Reinigung
von sauren Wässern, die eine Kathode, eine Anode und eine Ionenaustauschmembran
umfasst, wobei die Membran zwischen der Kathode und Anode angeordnet ist und mindestens
umlaufend im Randbereich gehalten wird, wobei auf dem oberen und unteren Randbereich
der Elektrolysevorrichtung eine Vielzahl von Zu- und Abläufen angeordnet sind,
die mit dem Kathoden- beziehungsweise dem Anodenraum verbunden sind, so dass sich
im Kathoden- und dem Anodenraum eine Pfropfenströmung ausbildet, die im idealen
Fall ein laminares Profil aufweist.
Die Sanierung schwefelsaurer Wässer aus Tagebaurestseen wird
aufgrund der großen Wassermengen zur Zeit vor allem durch die Flutung mit ggf.
konditioniertem Fremdwasser durchgeführt. Dieses Verfahren ist jedoch unter
anderem stark begrenzt durch das zur Verfügung stehende Wasserangebot, den
Aufwand zur Überleitung und die abzupuffernde Basenkapazität. Eine Sanierung
der Restlochgewässer durch Kalkung ist in den meisten Fällen wegen des
hohen stöchiometrischen Überschusses an basischen Stoffen unwirtschaftlich.
In der DE 196 24 023 B1
wird ein Verfahren zur Aufbereitung saurer Wässer offenbart, bei welchem der
Wasseraufbereitungsprozess ohne die Beimengung von Zusatzstoffen zum aufzubereitenden
Wasser durchgeführt wird. Der Aufbereitungseffekt wird im Gegensatz zur üblichen
Neutralisation nicht durch die Zudosierung von Lauge zum Wasser mit hohem pH-Wert
erreicht, sondern durch Abtrennung von Protonen infolge ihrer elektrochemischen
Abscheidung in der kathodischen Teilreaktion des Elektrolyseprozesses, wie in den
nachstehenden Bruttoreaktionsgleichungen gezeigt:
4H+ + 4e– → 2H2
(1)
4H2O + 4e– → 2H2 + 4OH–
(2)
In gleicher Weise wirkt prinzipiell die simultan ablaufende elektrochemische
Reduktion von im Wasser gelösten Sauerstoff zu Hydroxidionen neutralisierend.
2H2O + O2 + 4e– → 4OH–
(3)
Die Reaktion (3) trägt jedoch nur geringfügig zur kathodischen
Wasseraufbereitung bei. Durch den Einsatz einer Ionenaustauschmembran zwischen Anoden-
und Kathodenraum der Elektrolysezelle wird zusätzlich erreicht, dass zur Anhebung
des pH-Wertes, und der damit einher gehenden Hydrolyse und Fällung von Aluminium-
und Schwermetallionen, auch der Salzgehalt der Wässer erheblich vermindert
wird. Dabei wird eine Kopplung des kathodischen Wasseraufbereitungsprozesses mit
einem anodischen Syntheseprozess vorgesehen. Bei Vorhandensein von Sulfationen können
anodisch folgende Reaktionen ablaufen:
2H2O → 4H+ + O2 + 4e–
(4)
2SO4
2– → S2O8
2– + 2e–
(5)
Bei einer Reaktion gemäß der Gleichung (4) werden die entstehenden
Protonen durch die in den Anodenraum wandernden Sulfationen abgesättigt, wobei
zunächst Schwefelsäure gebildet und aufkonzentriert wird. Im zweiten Fall
werden Sulfationen zu Peroxodisulfat oxidiert und im Anodenraum angereichert. Durch
nachfolgende Prozesse ist eine Gewinnung dieser Produkte möglich. In ähnlicher
Weise kann der in der Kathodenreaktion gebildete Wasserstoff nachfolgend als Produkt
verwertet werden.
GB 2057507 A oder DE
36 14 005 A1 beschreiben prinzipiell geeignete Elektrolysevorrichtungen
für dieses vorgenannte Verfahren. Elektrolysenzellen, wie sie für den
industriellen Einsatz bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse bekannt sind, werden in der
DE 196 41 125, DE
197 40 637 oder DE 19641 125 beschrieben.
Diese Zellen bestehen unter anderem aus einer kathodischen und anodischen Halbschale,
in welchen die Kathode beziehungsweise die Anode angeordnet sind. Zwischen den Elektroden
ist die Ionenaustauschmembran lokalisiert, und der Innenraum jeder Halbschale wird
durch die Elektrode in einen Elektrodenraum und einen Elektrodenrückraum geteilt.
Der Elektrodenraum wird von der Membran und der Elektrode und der Elektrodenrückraum
von der Elektrode und der jeweiligen Zellenrückwand begrenzt. Jede Zelle weist
einen Zu- und einen Ablauf auf.
An diesen im Prinzip bekannten Verfahren und den bekannten Vorrichtungen
ist nachteilig, dass bei den bekannten Elektrolysevorrichtungen sehr hohe Stromspannungen
angelegt werden müssen, um Fluide zu reinigen, deren Ionenkonzentration im
Vergleich zu klassischen Elektrolyseverfahren, wie bspw. der Chlor-Alkali-Elektrolyse,
sehr gering sind und entsprechend schlecht leiten.
Aufgabe der Erfindung ist es somit, eine Vorrichtung zu offenbaren,
die für Fluide mit geringen Ionenkonzentrationen geeignet ist und sich im bestimmungsgemäßen
Betrieb durch einen geringen Energiebedarf auszeichnet.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst, indem eine
Elektrolysevorrichtung zur Wasserreinigung offenbart wird, die eine Kathode, eine
Anode und eine Ionenaustauschmembran aufweist, wobei die Ionenaustauschmembran zwischen
der Kathode und Anode angeordnet ist und mindestens umlaufend im
Randbereich gehalten wird. Dabei sind auf dem oberen und unteren Randbereich der
Elektrolysevorrichtung eine Vielzahl von Zu- und Abläufen angeordnet, die mit
dem Kathoden- bzw. dem Anodenraum fluidisch verbunden sind.
Es wurde gefunden, dass sich ein weitgehend laminares Strömungsprofil
mit relativ engem Verweilzeitspektrum, das durch eine Propfenströmung beschrieben
werden kann, sich in der erfindungsgemäßen Vorrichtung ausbildet. Beim
Einsatz dieser Vorrichtung konnten sehr gute Abbauergebnisse, bei gleichzeitig geringem
Stromverbrauch beobachtet werden. Zum Aufbau einer stabilen laminar geschichteten
Strömung und gleichzeitig geringem Stromverbrauch beträgt der Elektrodenabstand
von der Ionentauschermembran maximal 5 mm und unterschreitet 1,5 mm nicht.
Eine vorteilhafte Ausführungsform besteht darin, dass die Elektrolysenvorrichtung
in der Bauweise von Einzelzellen konstruiert ist. Eine derartige Einzelzelle besteht
im Wesentlichen aus zwei Halbschalen, wobei der äußerste Rand der Halbschalen
als umlaufender Flansch ausgebildet ist, an den sich nach einer umlaufenden Kante
ein Zellenrand anschließt, der die Zellenrückwand umrandet. Die Elektroden
sind mittels Stegen von innen an der jeweiligen Zellenrückwand befestigt und
den Stegen gegenüber, auf der der Membran zugewandten Elektrodenseite, sind
Abstandselemente zur Fixierung der Membran und Kraftdurchleitung angeordnet. Dadurch
wird die Elektrode sowie der Anoden- und Kathodenraum in mehrere parallele Kompartimente
unterteilt.
Im bestimmungsgemäßen Betrieb werden eine Vielzahl derartiger
Einzelzellen in einer Haltevorrichtung planparallel hintereinander aufgehängt,
miteinander verspannt und nacheinander senkrecht zu den Membran bzw. Elektrodenflächen
vom Strom durchflossen.
Vorteilhafter Weise sind die Zu- und Abläufe von der Membran
aus gesehen hinter der Elektrode angeordnet und jedem Kompartiment ist mindestens
ein Zulauf und ein Ablauf zugeordnet. Eine weitere Verbesserung besteht darin, dass
der Raum zwischen Zellenrückwand und Elektrode, also der Elektrodenrückraum,
über 90% mit einem inerten Material gefüllt ist, so dass das Wasser im
bestimmungsgemäßen Betrieb bis auf geringe Randströmungen in dem
Raum zwischen Elektrode und Membran geleitet wird. Idealerweise wird der Elektrodenrückraum
vollständig geschlossen.
Zur verbesserten Strömungsführung für die Zu- und Ableitung
von Fluiden ist das inerte Material im Bereich der Zu- und Abläufe so geformt
oder weist eine entsprechende Aussparung auf, dass parallel zur oberen und unteren
Zellenwand ein oder mehrere Kanäle ausgebildet sind. Das Fluid strömt
dann durch den Spalt in den Kathoden- oder Anodenraum, welcher sich zwischen dem
Rand der jeweiligen Elektrode und dem Zellenrand ergibt. Idealerweise ist dieser
Spalt zwischen oberer und unterer Kante der Elektroden und Zellenrand mindestens
0,5 mm und maximal 5 mm breit.
Da der Volumenstrom auf in der Kathodenhalbschale sehr groß ist,
weist die Kathode zusätzlich an der oberen und an der unteren Kante, Aussparungen,
Bohrungen oder dergleichen auf. Das in den Kathodenrückraum einströmende
Wasser kann somit in geeigneter Weise in den Kathodenraum geleitet werden, ohne
dass der Druck in der Zuleitung stark erhöht werden muss.
Idealerweise ist bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung die
Anode als Streckmetall und die Kathode als ebene Platte ausgebildet. Die den Elektrodenrückraum
ausfüllenden Füllkörper, sind vorteilhafterweise an den senkrecht
verlaufenden Kanten zur Entwässerung des Elektrodenrückraums und zur Vermeidung
von Korrosion abgefasst.
Von der Erfindung ist ebenfalls umfasst, eine Elektrolysevorrichtung
zur Wasserreinigung, die in der Bauweise einer Filterpresse konstruiert ist, und
aus einer Vielzahl aneinander gereihter Einzelzellen besteht. Jede dieser Einzelzellen
weist einen Anoden- und einen Kathodenraum auf sowie ein dazwischen liegendes Diaphragma
oder eine Ionenaustauschmembran. Gegen die Nachbarzelle ist eine Einzelzelle durch
bipolare Zellwände abgeschlossen. Der Anoden- und Kathodenraum kann dabei mit
strömungsoffenen und elastischen Matten gefüllt sein, die dazu dienen,
die Ionenaustauschmembran zu fixieren.
Eine vorteilhafte Ausführungsform besteht darin, dass auf der
der Membran zugewandten Elektrodenseite, Abstandselemente zur Fixierung der Membran
und Kraftdurchleitung angeordnet sind, wodurch die Elektrode und der Zwischenraum
zwischen Elektrode und Membran in mehrere Kompartimente unterteilt wird, und jedem
Kompartiment mindestens ein Zulauf und ein Ablauf zugeordnet ist.
Die Vorrichtung kann dahingehend verbessert werden, dass das Dichtungsmaterial,
welches oberhalb und unterhalb des Kathoden- und des Anodenraumes angeordnet ist
derart geformt ist, dass die vielzähligen Zu- und Ableitungen durch dieses
Dichtungsmaterial hindurch geführt werden können und idealerweise mit
diesem verschraubbar sind.
Nachfolgend werden in 1 bis
3 vorteilhafte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Vorrichtung
näher beschrieben. 1 zeigt die Elektrolysezelle
1 in einer Draufsicht. Am umlaufenden Zellenflansch 2 sind in
regelmäßigen Abständen Schraubendurchführungen 3 vorgesehen.
Am oberen Zellenrand 4, der in der 1 nicht
zu erkennen ist, sind eine Vielzahl von Zuläufen 5 angeordnet. Am
ebenfalls nicht dargestellten unteren Zellenrand 6 befinden sich eine identische
Anzahl von Abläufen 7.
Die gesamte Elektrolysezelle 1 ist in Kompartimente
8 aufgeteilt, wobei jedem Kompartiment 8 ein Zulauf
5 und ein Ablauf 7 zugeordnet ist. Die Schnittdarstellung
2 zeigt den Zulaufbereich der Elektrolysezelle
1 in einer vertikalen Schnittdarstellung entlang der Linie A. Die Kathodenhalbschale
9 weist zwischen der Kathode 10 und der Ionenaustauschmembran
11 einen Kathodenraum 12 auf. In den Kathodenrückraum
13 ist ein Füllkörper 14 aus einem Kunststoff eingelegt,
der gegenüber dem Zulauf 5 winklig angeschnitten ist, so dass unterhalb
des Zellenrandes 6 ein Kanal 15 mit dreieckigem Querschnitt entsteht.
Der Verschluss des Kathodenrückraumes 13 führt zu einer vollständigen
Umlenkung des Fluids in den Zellen über den Randspalt 16 und Öffnungen
17 in der Kathode 10 im Bereich des Kanals 15 in den
Kathodenraum 12. Auf der Zellenrückwand ist weiterhin die Kontaktleiste
20 dargestellt, über welche benachbarte Elektrolysezellen
1 elektrisch leitend miteinander in Kontakt stehen.
Der Aufbau der Anodenhalbschale 18 und der dort enthaltenen
Komponenten ist im Wesentlichen identisch. Nicht vorgesehen sind zusätzliche
Öffnungen 17 in der Anode 19 in der Nähe des Randspaltes
16, da die Volumenströme kleiner sind als auf der Kathodenseite.
3 zeigt eine Schnittdarstellung entlang der Linie B
der 1. Zu erkennen sind die Füllkörper
14, die in den Rückräumen der Elektroden eingebracht sind, wobei
jeder Füllkörper 14 genau ein Kompartiment 8 ausfüllt
und die Kompartimente 8 durch die Stege 21 gebildet werden, welche
die Elektroden halten und mit der Rückwand der jeweiligen Zellenhalbschale
verbunden sind. In dem Kathodenraum 12 und dem Anodenraum 22 sind
im Bereich der Stege 21 Abstandshalter 23 angeordnet, welche die
Ionenaustauschmembran 11 lokal fixieren.
- 1
- Elektrolysezelle
- 2
- Zellenflansch
- 3
- Schraubendurchführungen
- 4
- Zellenrand (oberer)
- 5
- Zulauf
- 6
- Zellenrand (unterer)
- 7
- Ablauf
- 8
- Kompartiment
- 9
- Kathodenhalbschale
- 10
- Kathode
- 11
- Ionenaustauschmembran
- 12
- Kathodenraum
- 13
- Kathodenrückraum
- 14
- Füllkörper
- 15
- Kanal
- 16
- Randspalt
- 17
- Öffnungen
- 18
- Anodenhalbschale
- 19
- Anode
- 20
- Kontaktleiste
- 21
- Steg
- 22
- Anodenraum
- 23
- Abstandshalter