Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Korrektur
der Insuffizenz der Mitralklappe eines Herzens.
Das Herz ist im Allgemeinen in eine rechte und eine linke Herzhälfte
eingeteilt, welche jeweils aus einer Kammer (Ventrikel) und einem Vorhof (Atrium)
bestehen. Das Blut kann in den Herzräumen nur in eine Richtung fließen,
da sich zwischen den Vorhöfen und Kammern und den sich an die Herzkammern anschließenden
Gefäßen Herzklappen befinden, die wie Ventile arbeiten. In den rechten
Vorhof münden die obere und untere Hohlvene, die das sauerstoffarme (venöse)
Blut aus dem großen Kreislauf dem Herzen zuführen. Zwischen dem rechten
Vorhof und der rechten Kammer befindet sich die Trikuspidalklappe, die bei der Kammerkontraktion
wie ein Ventil einen Rückstrom des Blutes in den Vorhof verhindert. Sie umfasst
drei Bestandteile, die über Sehnenfäden an der Muskulatur der Kammer befestigt
sind (daher auch Segelklappe). Über einen gemeinsamen Stamm verlassen die beiden
Lungenarterien dann die rechte Kammer. Diese führen das sauerstoffarme Blut
dem Lungenkreislauf zu. Durch die Lungenvenen fließt dann das sauerstoffreiche
(arterielle Blut) aus dem Lungenkreislauf dem linken Vorhof zu. Von hier aus gelangt
es über eine weitere Segelklappe, der Mitralklappe zur linken Kammer. Der Ausstrom
geschieht über die Aorta, die wie die Lungenarterie eine Taschenklappe besitzt
(Aortenklappe).
Die Mitralklappe befindet sich also zwischen linkem Vorhof und linkem
Ventrikel des Herzens. Aufgrund der erheblichen Druckunterschiede zwischen Systole
und Diastole einerseits und dem linken Vorhof sowie der linken Kammer andererseits,
ist die Mitralklappe einer sehr großen Druckbelastung ausgesetzt. Im Normalfall
wird diese Druckbelastung durch den Aufbau der Mitralklappe bewältigt, welche
aus den vier Hauptelementen Mitralring, Mitralsegel und den Papillarmuskeln mit
den Chordae tendiae (Sehnenfäden) besteht.
Der Mitralring besteht aus kompakten Bindegewebe, welches sich bis
in die Fibrosa der Mitralsegel fortsetzt; er stellt eine bindegewebige Verbindung
zwischen Vorhof- und Kammermyokard dar. Der dem Herzskelett zughörige Mitralring
dient demnach unter anderem der Unterstützung der Mitralsegel. Da der Mitralring
eher einem Vorhang als einer Ringstruktur entspricht, wird für dieses Element
oftmals auch der Begriff der „Aorto-Ventrikulären Membran" verwendet.
Die zwei Segel der Mitralklappe sind über die Papillarmuskeln
mit den Chordae tendiae an der Wand des linken Ventrikels befestigt, wodurch ein
Zurückschlagen der Mitralsegel in den linken Vorhof während der Systole
normalerweise verhindert wird. Von den Papillarmuskeln geht die Mehrzahl der Chordae
tendiae aus. Die Papillarmusklen dienen vor allem der Zugregulation der Chordae,
wodurch ein optimaler Klappenschluss ermöglicht wird. Ferner wird durch die
Papillarmuskeln die mechanische Belastung der Chordae tendiae reduziert.
Bei einer Mitralklappeninsuffizienz ist die zwischen linkem Herzvorhof
und linker Herzkammer gelegene Herzklappe, also die Mitralklappe, nicht mehr in
der Lage, sich vollständig zu verschließen. Dadurch strömt während
des Herzschlags ein Teil des Blutes aus der linken Herzkammer wieder zurück
in den linken Herzvorhof. Dieses Blut fließt vor dem nächsten Herzschlag
– zusammen mit dem aus der Lunge neu ankommenden Blut – wieder durch
die Mitralklappe in die linke Herzkammer. So pendelt es praktisch zwischen linkem
Vorhof und linker Herzkammer hin und her. Dadurch ist einerseits die Leistungsfähigkeit
der linken Herzkammer eingeschränkt und andererseits wird der linke Herzvorhof
durch das hin- und herströmende Blut aufgedehnt.
Ferner kann sich durch die größere Blutmenge im linken Herzvorhof
das Blut bis in die Lunge zurückstauen. Dort erhöht sich der Blutdruck
und Wasser wird aus dem Blut in die Lunge gepresst. Bei längerem Bestehen dieses
erhöhten Blutdrucks in der Lunge sowie bei länger andauernder Wasseransammlung
in der Lunge wird es für die rechte Herzkammer immer schwieriger, Blut in die
Lunge zu pumpen. In der Folge wird die rechte Herzkammer überlastet und es
entsteht eine Rechtsherzschwäche. Hauptsymptom einer Rechtsherzschwäche
ist die Ansammlung von Wasser im Gewebe, z.B. in Form geschwollener Fußknöchel.
Leichtere Formen einer Mitralklappeninsuffizienz verursachen in der
Regel keine Beschwerden, weil die dehnbare Wand des linken Vorhofs eine zeitlang
die vermehrte Belastung ausgleichen kann. Bei fortschreitender Erkrankung können
als Symptome Herz-Rhythmus-Störungen, Vorhofflimmern, Atemnot sowie Ödeme
auftreten, sowie schließlich die Ansammlung von Blutgerinnseln im auf gedehnten
linken Herzvorhof, mit der Gefahr, dass diese mit dem Blutstrom bis in die Blutgefäße
des Gehirns gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen.
Bei Patienten mit einer schweren Mitralklappeninsuffizienz ist die
Indikation für eine Herzklappenoperation zu prüfen. Dabei wird entweder
eine Rekonstruktion der Klappe vorgenommen, oder eine künstliche Herzklappe
eingesetzt. Grundsätzlich wird die Klappenrekonstruktion bevorzugt, da sie
zu einer geringeren Beeinträchtigung der Herzfunktion führt und bei erhaltenem
Sinusrhythums keine dauerhafte Blutverdünnung erfordert. Sie ist aber insbesondere
bei stark geschrumpften, verkalkten oder gar zerstörten Klappensegeln
nicht möglich, so dass nur ein Klappenersatz in Frage kommt.
Ursächlich für die Mitralklappeninsuffizienz sind mehrere
Krankheiten, die die Funktion der Klappe in unterschiedlicher Weise beeinträchtigen.
Während eine Klappenentzündung die Segelgewebe förmlich zerstört,
verursacht eine degenerative Erkrankung der Bindegewebe eine Überdehnung der
Segel und Chordae, wodurch ein Rückschlag provoziert wird. Die als Folge von
Durchblutungsstörungen auftretende ischämische Mitralklappeninsuffizienz
beeinträchtigt grundsätzlich die muskulären Komponenten der Klappe,
nämlich die Papillarmuskeln und die Ventrikelwand, wo erstere ihren Ursprung
haben. Die ischämische Mitralklappeninsuffizienz kann in eine akute und eine
chronische Form unterteilt werden.
Die akute Form ist häufig eine schwere Insuffizienz, die durch
Papillarmuskelabrisse entsteht und einen sofortigen Ersatz der irreversibel zerstörten
Klappe durch eine künstliche Klappe voraussetzt.
Neuesten Ergebnissen nach liegt die Ursache der chronischen Mitralklappeninsuffizienz
in einer Dysfunktion der posterolateralen Ventrikelwand. Die Akinesie oder Dyskinesie
übt – wie bereits oben erwähnt – während der Systole
einen Zug auf die Papillarmuskeln und dadurch auf die Klappensegel aus. Die Folge
dieses apikolateralen Zuges ist eine defizitäre systolische Coaptation der
Mitralklappensegel und eine signifikante Mitralklappeninsuffizienz. Diese Krankheit
bietet sich für rekonstruktive Operationsverfahren besser an. Die Korrektur
der chronischen ischämischen Mitralklappeninsuffizienz ist jedoch mit den vorhandenen
Techniken häufig erfolglos. Die häufig verwendete Reduktionsanuloplastik
hat eine Persistenz- oder Rezidivrate von 30%, da mit dieser nur die anuläre
(Ring-Komponente behandelt wird, die laut neuerer Studien nur eine sekundäre
Rolle bei der chronischen ischämisch-funktionellen Mitralklappeninsuffizienz
spielt. Die klassischen Konzepte bezüglich der Physiologie der ischämischen
Mitralklappeninsuffizienz führten diese auf eine Dysfunktion des Papillarmuskels,
kombiniert mit einer Vergrößerung des Mitralrings zurück. Die Ringvergrößerung
wurde mit verschiedenen Arten an Ringprothesen, Bändern oder Nähten behandelt,
mit wenig viel versprechenden Ergebnissen.
Ein Umschwung bei der Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz war
die Einführung der „verkleinernden" Anuloplastie, im Rahmen dieser ein
Ring implantiert wurde, der zwei Größer kleiner als der tatsächlich
vermessene war. Dieses Verfahren zeichnete sich durch seine Einfachheit aus, und
durch die Tatsache, dass die Implantationstechnik vielen Chirurgen bekannt war.
Trotz dieser neuen Technik wurden persistente und wieder auftretende Insuffizienzen
beobachtet, oftmals lediglich Monate nach einem Eingriff, und zwar bei 30% oder
noch mehr der Patienten.
Gegenwärtig sind im Stand der Technik somit verschiedene Publikationen
und Techniken bekannt, die die ischämische Mitralklappeninsuffizienz über
einem subvalvulären Ansatz angehen. Gegenwärtig sind dabei vier unterschiedliche
Ansätze bekannt.
So besteht bspw. die Vorrichtung „Coapsys" aus zwei epikardialen
Pads und einem expandierten Polytetrafluorethylenbeschichteten, geflochtenen, subvalvulären
Polyethylenband. Die zwei Pads werden auf der Oberfläche des Herzens platziert,
wobei das subvalvuläre Band durch das Ventrikel geführt wird. Das posteriore
Pad weist zwei Köpfe auf, einen „Ringkopf" und einen „Papillarmuskelkopf",
die derart ausgebildet sind, dass der Ringkopf und der Papillarmuskelkopf bezüglich
des Mitralringes und bezüglich des Papillarmuskels eine Formänderung bewirken,
wenn der anteriore und der posteriore Pad zusammengezogen werden. Die Coapsys-Vorrichtung
ist bspw. näher beschrieben in Grossi E. A. et al., „Intraoperative
Effects of the Coapsys Annuloplasty System in a Randomized Evaluation (RESTOR-MV)
of Functional Ischemic Mitral Regurgitation", Ann Thorac Surg. 2005; 80: 1706-1710.
Als eine weitere Vorrichtung ist der sog. posteriore Pad bekannt,
welcher einen expandierbaren intraperikardialen Pad darstellt, der auf der epikardialen
Oberfläche der betroffenen Region angebracht wird.
Ferner haben Kron et al., „Surgical relocation of the posterior
papillary muscle in chronic ischemic mitral regurgitation", Ann. Thorac. Surg. 2002;
74: 600-601, eine Polypropylennaht beschrieben, die zwischen der Papillarmuskelspitze
und dem Ring vorgesehen ist, um den posterioren Papillarmuskel in seiner Position
zu korrigieren.
Außerdem haben Liel-Cohen et al., „Design of a new surgical
approach for ventricular remodeling to relieve ischemic mitral regurgitation: insights
from 3-dimensional echocardiography", Circulation 2000; 101: 2756-63, eine neue
Operationstechnik veröffentlicht, die von außerhalb des schlagenden Herzens
durchgeführt wird, und zwar ohne die Verwendung eines Herz-Lungen-Bypasses.
Die Operationstechnik basiert auf der Reduzierung der interpapillären Distanz.
Obgleich im Stand der Technik einige Verfahren und Vorrichtungen zur
Korrektur der ischämischen Mitralklappeninsuffizienz bekannt und beschrieben
sind, so weisen viele der Verfahren und Vorrichtungen immer noch Nachteile auf,
die zu unbefriedigenden Ergebnissen führen und die oftmals den
Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine notwendig machen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine neue Vorrichtung
bereitzustellen, mit welcher die Nachteile der Vorrichtungen und Operationstechniken,
die im Stand der Technik bekannt sind, überwunden werden können, und zwar
ohne dass ein Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine notwendig ist.
Gemäß der vorliegenden Erfindung wird diese Aufgabe dadurch
gelöst, dass die eingangs erwähnte Vorrichtung zumindest zwei sehnenartige
Elemente mit jeweils einem ersten Ende und einem zweiten Ende aufweist, ferner ein
an den jeweils ersten Enden der sehnenartigen Elemente vorgesehenes Verankerungselement,
sowie ein im Bereich der zweiten Enden der sehnenartigen Elemente angebrachtes zweites
konvexförmiges Verankerungselement.
Die der Erfindung zu Grunde liegende Aufgabe wird ferner durch ein
Verfahren zur Korrektur der Insuffizienz der Mitralklappe eines Herzens gelöst,
wobei zumindest zwei sehnenartige Fäden zwischen dem vorderen Teil des Mitralklappenrings
und der Hinterwand des linken Ventrikels im Bereich der beiden Papillarmuskeln eingebracht
werden, wobei die sehnenartigen Fäden an der Hinterwand des linken Ventrikels
über ein erstes Verankerungselement und am Mitralklappenring über ein
zweites Verankerungselement befestigt werden.
Die der Erfindung zu Grunde liegende Aufgabe wird auf diese Weise
vollkommen gelöst.
Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung wird erreicht, dass
die Architektur der Mitralklappe am schlagenden Herzen wieder hergestellt und stabilisiert
werden kann, ohne eine Herz-Lungen-Maschine einsetzen zu müssen.
Es versteht sich, dass die erfindungsgemäße Vorrichtung
auch zusammen mit einer Herzkranz-arteriellen Bypass-Operation eingesetzt werden
kann, um gleichzeitig die Mitralklappeninsuffizienz zu korrigieren.
Da das Verfahren am offenen Herzen ohne einen Herz-Lungen-Bypass durchgeführt
werden kann, ist es besonders vorteilhaft, da die Stilllegung des Herzens, die für
eine Operation am offenen Herzen Voraussetzung ist, ein bedeutender Risikofaktor
bei Herzen mit Mitralklappeninsuffizienz darstellt.
Mit der vorliegenden Vorrichtung wird erreicht, dass die Symmetrie
der Architektur des linken Ventrikels wieder hergestellt wird, und zwar indem die
Basis beider Papillarmuskeln bezüglich eines Referenzpunktes ausgerichtet wird,
und wobei zusätzlich ein extrakardialer Zugzwang aufgebaut wird, um die interpapilläre
Distanz zu reduzieren. Dadurch werden also anhand der erfindungsgemäßen
Vorrichtung transventrikulär Fäden gelegt, die den Längsdurchmesser
des dilatierten Ventrikels reduzieren.
Bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist bevorzugt, wenn
das erste Verankerungselement zur Anbringung an einer Hinterwand des linken Ventrikels
des Herzens ausgebildet ist, und dass das zweite Verankerungselement zur Anbringung
am Ring der Mitralklappe ausgebildet ist.
Diese Ausführungsform hat den Vorteil, dass damit nicht nur der
Querdurchmesser des Ventrikels reduziert werden kann, sondern der gesamte Ventrikel
den jeweiligen Anforderungen angepasst wird.
Insbesondere ist bevorzugt, wenn das zweite Verankerungselement zumindest
zwei Vertiefungen aufweist, und dass die zumindest zwei sehnenartigen Elemente an
ihrem zweiten Ende jeweils ein Dichtungselement aufweisen, die zur Einbringung in
die Vertiefungen des zweiten Verankerungselements ausgebildet sind.
Diese Ausführungsform hat den Vorteil, dass das zweite Verankerungselement
der Form des Mitralklappenrings angepasst ist, und sich an der äußeren
Form der Aortenwurzel und des linken Atriums anschmiegt. Das Verankerungselement
weist zwei Vertiefungen bzw. Aussparungen auf, in welche die Dichtungselemente der
sehnenartigen Elemente passen. Mit dieser Konstruktion wird verhindert, dass die
sehnenartigen Elemente in diesem Bereich das Gewebematerial durchschneiden oder
deformieren, wodurch die Funktion der Aortenklappe beeinträchtigt sein könnte.
Die Schiebeleisten-förmige Ausbildung des ersten Verankerungselements
hat den Vorteil, dass das Verankerungselement zwei Hälften aufweist, die ineinander
gleiten, und die jeweils der notwendigen Korrektur der interpapillären Distanz
angepasst werden können. Das Verankerungselement wird vorliegend auch als Ventrikel-Strebe
bezeichnet, welche zwei kreisförmige Druckpolster (Pads) aufweist, die aus
einem hämostatischen Material bestehen, und die eine stabilisierende Rolle
spielen. Die beiden Pads sind auf der Strebe über zwei ineinander verschiebbare
Elemente angebracht, so dass die ventrikuläre Strebe insgesamt einen Schiebeleisten-förmigen
Charakter hat.
Die sehnenförmigen Elemente, die von dem ersten Verankerungselement,
also der Mitralklappenring-Strebe, ausgehend in dieser verankert sind, werden in
die Ventrikel-Strebe geführt, und zwar insbesondere durch die zwei kreisförmigen
Pads hindurch.
Insbesondere ist in einer Ausführungsform bevorzugt, wenn das
erste Verankerungselement zwei kreisförmige Druckpolster aufweist, die gegeneinander
verschiebbar auf einer Leiste angebracht sind.
Die sehnenartigen Elemente werden dabei durch diese kreisförmigen
Druckpolster hindurchgeführt und weisen in einer bevorzugten Ausführungsform
an zumindest einem ihrer ersten Enden Tourniques auf.
In einer weiteren Ausführungsform ist bevorzugt, wenn die sehnenartigen
Elemente ein Material aufweisen, das ausgewählt ist aus der Gruppe umfassend
Polypropylen, Polytetrafluorethylen, Polyurethan, oder Mischungen davon.
Ferner ist bevorzugt, wenn das erste und das zweite Verankerungselement
ein Material aufweisen, das ausgewählt ist aus der Gruppe umfassend Teflon,
oder Mischungen davon.
Wie bereits weiter oben erwähnt, betrifft die vorliegende Erfindung
auch ein Verfahren zur Korrektur der Insuffizienz der Mitralklappe eines Herzens.
Dabei werden zumindest zwei sehnenartige Fäden – bspw. über entsprechende
Einführnadeln – zwischen dem vorderen Teil des Mitralklappenrings und
der Hinterwand des linken Ventrikels im Bereich der beiden Papillarmuskeln eingebracht.
Die sehnenartigen Fäden werden dabei an der Hinterwand des linken Ventrikels
über ein erstes Verankerungselement – bspw. über ein Schiebeleisten-förmiges
Element, nämlich einer Ventrikel-Strebe – angebracht, und mit ihrem
zweiten Ende am Mitralklappenring über ein zweites Verankerungselement, welches
der Form des Mitralklappenrings angepasst ist. Dieses Verankerungselement weist
dabei zwei Vertiefungen auf, in welche die zwei Dichtungsstücke der sehnenartigen
Elemente, bzw. der Neochordae, passen.
Insgesamt ist bei dem erfindungsgemäßen Verfahren bevorzugt,
wenn es die folgenden Schritte aufweist:
- a) Einbringen von zumindest zwei sehnenförmigen Fäden in einer modifizierten
Seldinger-Technik zwischen dem vorderen Mitralklappenring und der Hinterwand des
linken Ventrikels im Bereich des Ursprungs der Papillarmuskel, und
- b) Anziehen der Fäden bis zur gewünschten Einstellung des Abstandes
zwischen Papillarmuskel und Mitralklappenring.
Ferner betrifft die Erfindung die Verwendung der Vorrichtung zur Korrektur
einer Insuffizienz der Mitralklappe des Herzens.
Es versteht sich, dass die vorstehend genannten Merkmale sowie die
nachstehend noch zu erläuternden nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination,
sondern auch in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung eingesetzt werden können,
ohne den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen.
Die Erfindung wird aus der nachstehenden Beschreibung sowie den beigefügten
Zeichnungen erläutert. Es zeigen:
1 eine schematische Darstellung eines Querschnitts
durch ein Herz eines Menschen;
2a das zweite Verankerungselement der erfindungsgemäßen
Vorrichtung zur Anbringung am Mitralklappenring;
2b eine andere Ansicht des zweiten Verankerungselements
aus 2a; und
2c das erste Verankerungselement der erfindungsgemäßen
Vorrichtung zur Anbringung an einer Hinterwand des linken Ventrikels.
Zum besseren Verständnis wird zunächst anhand
1 der allgemeine Aufbau eines menschlichen Herzens
erläutert. In 1 ein schematischer Querschnitt
durch das Herz eines Menschen dargestellt, welches mit 10 gekennzeichnet
ist. Dabei ist der linke Vorhof (Atrium) mit 11 und die linke Kammer (Ventrikel)
mit 12 bezeichnet, der rechte Vorhof (Atrium) mit 13 und die rechte
Kammer (Ventrikel) mit 14. Das sauerstoffarme Blut wird durch obere und
untere Hohlvenen 15 und 16 dem rechten Vorhof 13 zugeführt.
Das Blut gelangt vom rechten Vorhof 13 über die Trikuspidalklappe
17 in die rechte Kammer 14 und von dort über die Pulmonalklappe
18 in die Lungenvenen 19. Das in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte
Blut wird dann in den linken Vorhof 11 und über die Mitralklappe
20 in die linke Kammer 12 geleitet, wo es über die Aortenklappe
22 in die Aorta 24 gepumpt wird.
In den 2a, 2b
und 2c sind verschiedene Ansichten einer Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Vorrichtung gezeigt. Dabei sind in diesen Figuren
gleiche Merkmale mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
In den 2a und 2b
sind unterschiedliche Ansichten des Endes eines Ausführungsbeispiels der erfindungsgemäßen
Vorrichtung gezeigt, welches das zweite Verankerungselement aufweist, nämlich
eine Art Ringstrebe.
In 2a ist dieses Verankerungselement,
bzw. die Ringstrebe, insgesamt mit 30 bezeichnet und mit Blick von der
anterioren Seite gezeigt. Das Verankerungselement 30 ist dabei von einer
Form, dass es sich an die aorto-ventrikuläre Membran anpassen
kann. Mit Bezug auf 2b weist das Verankerungselement
30 eine konvexe Form auf, sowie zwei Vertiefungen oder Aussparungen
32, 33 auf, die auf der posterioren Seite vorgesehen sind. Die
beiden Vertiefungen bzw. Aussparungen 32, 33 weisen dabei eine
Form auf, die Dichtungselementen 34, 35 angepasst ist. Diese Dichtungselement
34, 35 befinden sich an einem Ende von sehenartigen Elementen
36, 37, den Neochordae. Bei der Zusammensetzung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung werden also die sehenartigen Elemente 36, 37 durch
die Vertiefungen 32, 33 des konvexen Abschnitts der Ringstrebe
30 hindurch geführt, bis sich die an deren Ende befindlichen Dichtungselemente
34, 35 in die ihrer Form entsprechenden Vertiefungen
32, 33 einfügen.
Diese Ausbildung des Verankerungselements 30 am Mitralklappenring
soll verhindern, dass bspw. nach einem Einführen der Sehnenfäden diese
in diesem Bereich das Gewebe durchschneiden oder deformieren, was die Funktion der
Aortenklappe beeinträchtigen könnte.
In 2c ist das erste Verankerungselement
der erfindungsgemäßen Vorrichtung gezeigt, welches an einer Hinterwand
des linken Ventrikels des Herzens angebracht wird und der Form dieser Wand angepasst
ist. Das Verankerungselement 40 ist dabei als Schiebeleisten-förmige
Strebe ausgebildet und weist zwei Elemente 42, 43 auf, die zumindest
teilweise ineinander geschoben werden können, was durch den Pfeil
41 angedeutet ist. An den Enden der beiden Elemente 42,
43 ist jeweils ein Druckpolster 44, 45 vorgesehen, welche
zur Anlage an die Ventrikelwand kommen. Ferner sind durch diese Druckpolster
44, 45 die Sehnenfäden 36, 37 geführt,
welche über Tourniquets 46, 47 fixiert werden, wodurch sich
diese glatt und fest gegen das Verankerungselement anlegen Die. Druckpolster
44, 45 sind weich und aus einem hämostatischen Material,
vorzugsweise Teflon, gebildet.
Die Distanz zwischen dem Verankerungselement 30, das am Mitralklappenring
fixiert wird, und dem Verankerungselement 40, das in einer Wand des Ventrikels
angebracht wird, wird dabei durch Tourniquets geregelt. Wird die Operation seitlich
links durchgeführt, werden die Tourniquets auf der Ventrikelseite vorgesehen
sein, wohingegen bei einer mittleren Sternotomie die Tourniquets am Ringende vorgesehen
sein werden, wo dann auch das Festziehen der sehnenartigen Stränge vollzogen
werden wird.
Mit den Druckpolstern, die auf der äußeren Herzoberfläche
angebracht werden, wird außerdem vermieden, dass an der Myokard-Wand Nähte
angebracht werden müssen. Mit dem Schiebeleisten-förmigen Verankerungselement
40 kann ferner dafür gesorgt werden, dass die interpapilläre
Distanz verändert werden kann, da bspw. durch das Ineinanderschieben der beiden
Elemente 42, 43 und über die auf diesen Elementen
42, 43 angebrachten Druckpolster 44, 45, die
Distanz zwischen den Ursprüngen der Papillarmuskeln verringert werden kann.
Die Einbringung der erfindungsgemäßen Vorrichtung in das
Herz kann bspw. über eine mittlere Sternotomie erfolgen, wobei der Zugang erleichtert
wird, indem die Aorta sowie die obere Hohlvene vorsichtig beiseite gezogen werden.
Zunächst wird eine Fixiernadel über einen „Referenzpunkt" eingeführt.
Dieser stellt bspw. den anatomischen Punkt zwischen der Mitral- und Aortenklappe
dar. Dieser ist aus chirurgischer Sicht leicht zugänglich, und auf Grund der
zwei Erhebungen des linken Herzkranz- und Nicht-Herzkranzsinus auf der Oberfläche
des Herzens leicht zu identifizieren. Dieser Punkt besteht aus einer sehr festen
faserartigen Struktur, wobei das intertrigonale Dreieck zwischen den angrenzenden
linken und Nicht-Herzkranzsinussen groß genug ist, um die Platzierung der geplanten
Nähte zu ermöglichen, ohne die benachbarten Aortenklappenblätter
zu verletzen. Das Gebiet kann über eine mittlere Sternotomie oder über
eine linke laterale Thoraktomie erreicht werden.
Zur Einführung der erfindungsgemäßen Vorrichtung werden
die zwei Erhebungen der benachbarten Sinusse identifiziert. Anschließend wird
eine gebogene Einführvorrichtung mit Nadel an diesem Punkt eingeführt,
und die Position im Herzen durch das Rückbluten durch die Nadel bestätigt.
Zur Kontrolle kann ein Druckventil an die Nadel angebracht werden, um die Position
im Herzen zu verifizieren. Die Einführvorrichtung hat eine gebogene Form, um
die Richtung ihrer intraventrikulären Spitze von der linken Seite zu ermöglichen.
Die Fixiernadeln sind hinreichend elastisch, so dass sie durch den
gebogenen Einführer eingeführt werden können, und sind dabei gleichzeitig
starr genug, um die posteriore Ventrikelwand zu durchbohren. Diese sind ungefähr
20 bis 25 cm lang, so dass sie die Entfernung vom Referenzpunkt zum Ursprung des
Papillarmuskels überbrücken können. Am Ende der Nadeln sind die sehnenartigen
Schnurelemente (die als Neochordae dienen) angebracht, die bspw. aus Polypropylen
oder PTFE hergestellt ist. PTFE-Nähte werden im Stand der Technik eingesetzt,
um zerrissene oder verlängerte Sehnen über längere Zeiträume
hinweg zu ersetzen.
Die beiden Verankerungselemente werden entsprechend am Mitralklappenring
oder an einer Hinterwand des linken Ventrikels des Herzens fixiert. Durch die sehenartigen
Elemente sind die Verankerungselemente verbunden, wobei der Abstand zwischen diesen
bspw. über Tourniquets geregelt werden kann. Dadurch werden also anhand der
erfindungsgemäßen Vorrichtung transventrikulär Fäden gelegt,
die den Längsdurchmesser des dilatierten Ventrikels reduzieren.
Daher kann mit dem erfindungsgemäßen Verfahren die Architektur
der Mitralklappe am schlagenden Herzen wieder hergestellt und stabilisiert werden,
ohne dass ein Herz-Lungen-Bypass notwendig wäre.
Zusammengefasst ist das Prinzip des Verfahrens das Einbringen von
zwei Neochordae zwischen dem vorderen Anteil des Mitralklappenrings und der Hinterwand
des linken Ventrikels im Bereich des Ursprungs der beiden Papillarmuskel. Dabei
werden dann unter echokardiografischer Kontrolle die beiden Neochordae nach dem
Tourniquet-Prinzip (entweder vom Anulus oder von der Ventrikelwand her) so lange
angezogen, bis der Abstand zwischen Papillarmuskel und Mitralklappenring wieder
hergestellt ist, damit die Dichtigkeit der Mitralklappe wieder gewährleistet
wird. Durch die zusätzliche Schiebeleiste, bzw. das erste Verankerungselement,
die an der Hinterwand des Ventrikels angebracht wird, kann die ggf. pathologisch
modifizierte, interpapilläre Distanz zusätzlich reduziert werden.