GEBIET DER ERFINDUNG
Die vorliegende Erfindung betrifft die optische Kommunikation und
spezieller die Dispersionskompensation für optische Multiplex-Kommunikationssysteme
mit hoch spektraleffizientem Wellenmultiplexverfahren (WDM).
STAND DER TECHNIK
Dispersionsmanagement ist für optische WDM-Übertragungssysteme
mit hoher Geschwindigkeit (z.B. 10 GB/s und mehr) wichtig, um die Abzuge zu reduzieren,
die aus der chromatischen Dispersion und Faser-Nichtlinearität resultieren.
Um den nichtlinearen Abzug auf Grund der Kreuzphasenmodulation (XPM) zwischen den
Kanälen zu reduzieren, wird normalerweise ein gewisser Betrag an chromatischer
Restdispersion pro Übertragungsbereich (RDPS) nach der Kompensation durch eine
dispersionskompensierende Faser (DCF) benötigt.
Optische Weitverkehrs-(LH) und Ultraweitverkehrsnetze (ULH-Netze)
werden zunehmend transparenter mit jedem Signalkanal, der fast überall im Netz
beginnt und endet. Wieder konfigurierbare optische Add/Drop-Multiplexer (R-OADMs)
werden in großem Umfang genutzt, um Kanäle zum Netz hinzuzufügen
und Kanäle aus dem Netz herauszunehmen. Dies kann zu stark schwankenden akkumulierten
Dispersionen für Signale führen, die durch unterschiedliche Übertragungswege
in einem Netz laufen (d.h. unterschiedliche Wege => unterschiedliche Distanzen
=> unterschiedliche akkumulierte Dispersion), und erfordert daher Empfänger,
die eine starke Dispersion abstimmbar kompensieren können.
Während in einem großen Bereich abstimmbare Dispersionskompensatoren
(TDCs) für eine 10 GB/s-Signalübertragung verfügbar werden, stehen
kommerziell realisierbare Lösungen für eine 40 GB/s-Signalübertragung
nicht zur Verfügung. Außerdem steigen die Kosten eines TDC schnell mit
einer Vergrößerung seines abstimmbaren Bereichs an. Folglich können
TDCs mit einem großen Abstimmbereich (der für die 40 GB/s-Signalübertragung
benötigt wird) unerschwinglich teuer sein.
Gegenwärtig gibt es einen Trend in Richtung auf "konvergierte"
Übertragungsplattformen, der sowohl 10 GB/s- als auch 40 GB/s-Signalübertragungen
unterstützt. Die vorherrschenden nichtlinearen Abzüge für die Übertragung
über Kanäle mit 10 GB/s unterscheiden sich normalerweise von denen über
40 GB/s-Kanäle, und die Dispersionskarte für Systeme, die 10 GB/s-Signale
übertragen, ist möglicherweise nicht für Systeme geeignet, die 40
GB/s-Signale übertragen. Es stellt daher eine Herausforderung dar, ein geeignetes
Dispersionsmanagementschema (oder eine Dispersionskarte) zu finden, die die folgenden
Anforderungen erfüllt:
- (1) Kleine distanzabhängige Dispersionsakkumulation (zum Verringern des
Bereichs der erhaltenen Dispersion, besonders in einem transparenten Netz);
- (2) Hohe Toleranz gegenüber nichtlinearen Effekten für die Übertragung
über den 10 GB/s- und den 40 GB/s-Kanal;
- (3) Fähig, WDM-Übertragungen mit hoher Spektraleffizienz (SE) zu unterstützen.
Es sind Lösungen für Systeme vorgeschlagen worden, die sowohl
10 GB/s- als auch 40 GB/s-Kanäle mit 50 GHz-Kanalabstand und für das Dispersionsmanagement
Schemata unterstützen, die Dispersionskompensationsmodule (DCMs) für periodische
Gruppenlaufzeit (PGD) zur Abmilderung der Interkanal-XPM-Abzüge verwenden.
(Siehe US-Patentanmeldung Publikation Nr. 20040126114 mit dem Titel "Dispersionskompensationsverfahren
und -Vorrichtung", angemeldet am 30. 12. 2002, und US-Patentanmeldung Publikation
Nr. 20050281295 mit dem Titel "Optischer Add/Drop-Multiplexer, der eine alternative
Kanalkonfiguration hat", angemeldet am 01.06.2004. Die nutzbare Bandbreite der vorgeschlagenen
PGD-DCMs ist jedoch normalerweise beschränkt (z.B. auf etwa die Hälfte
des Kanalabstandes). Diese Bandbreitenbeschränkung verhindert im wesentlichen
den Betrieb eines solchen Systems bei hoher SE (z.B. SE von etwa 0,4) und ist daher
inkompatibel mit Plattformen, die sowohl 10 GB/s- als auch 40 GB/s-Kanäle bei
50 GHz-Kanalabstand unterstützen.
Die US-Patentanmeldungspublikation 20020149818 lehrt ein optisches
Gerät zur Wellenerzeugung/-trennung, das ein Verzweigungsfilter umfaßt,
welches ein Wellenlängensignal auf der Wellenlängenachse in erste Wellenlängengruppen
und zweite Wellenlängengruppen trennt, die aus Wellenlängengruppen bestehen,
welche nicht in Kontakt mit den Wellenlängengruppen kommen, die die ersten
Wellenlängengruppen bilden; und eine funktionale Schaltung umfaßt, die
Gruppe für Gruppe funktional die Wellenlängengruppen der getrennten ersten
Wellenlängengruppen und zweiten Wellenlängengruppen verarbeitet; und einen
Multiplexer umfaßt, der an das Verzweigungsfilter zum Synthetisieren der getrennten
ersten Wellenlängengruppen und zweiten Wellenlängengruppen angeschlossen
ist.
KURZDARSTELLUNG DER ERFINDUNG
Die vorliegende Erfindung stellt ein Dispersionskompensationsverfahren
und eine -vorrichtung bereit, die Verschachteler und Dispersionskompensationsmodule
mit periodischer Gruppenlaufzeit (PGD-DCMs) einsetzen. Das Dispersionskompensationsverfahren
und die -vorrichtung ermöglichen Hoch-SE-WDM-Übertragung und beseitigen
wirksam die distanzabhängige Dispersionsakkumulation. Durch die Verwendung
von PGD-DCMs gemäß der Erfindung werden Interkanal-XPM (ein wichtiger
nichtlinearer Abzug für 10 GB/s-Kanäle) und Intrakanal-Vierwellenmischung
(IFWM) (ein wesentlicher nichtlinearer Abzug für den 40 GB/s-Kanal) beträchtlich
reduziert.
Dispersionsmanagement, das die Dispersionskompensationsvorrichtung
gemäß der vorliegenden Erfindung verwendet, ist eine attraktive Lösung
für Hoch-SE-WDM-Systeme mit unterschiedlichen Datenraten (z.B. 10 GB/s und
40 GB/s), weil es eine relativ einfache, kostengünstige Dispersionskompensationslösung
mit guter Übertragungsleistung bietet.
In einer bevorzugten Ausführungsform umfaßt die Dispersionskompensationsvorrichtung
einen ersten Verschachteler zum Entschachteln von gerad- und ungeradzahligen Kanälen
eines WDM-Signals auf einen ersten Ausgangsport und einen zweiten Ausgangsport.
Ein erstes DCM ist an den ersten Ausgangsport angeschlossen, und ein zweites DCM
ist an den zweiten Ausgangsport angeschlossen. Mindestens eines der DCMs ist ein
DCM mit periodischer Gruppenlaufzeit (PGD) zur Bereitstellung von Dispersionskompensation
für einen oder mehrere der geradzahligen oder ungeradzahligen Kanäle des
WDM-Signals. Ein zweiter Verschachteler ist an die DCMs zum Verschachteln der geradzahligen
und ungeradzahligen Kanäle des WDM-Signals angeschlossen.
KURZBESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
Die vorgehende Zusammenfassung sowie die folgende ausführliche
Beschreibung der bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung werden besser
verstanden, wenn sie in Verbindung mit den angehängten Zeichnungen gelesen
werden. In den Zeichnungen werden Ausführungsformen, die gegenwärtig bevorzugt
werden, zum Zweck der Erläuterung der Erfindung gezeigt. Es versteht sich jedoch,
daß die Erfindung nicht auf die genauen Anordnungen und Einrichtungen, die
gezeigt werden, beschränkt ist.
1 zeigt ein Blockdiagramm eines optischen WDM-Kommunikationsnetzes,
in dem die vorliegende Erfindung ausgeführt werden kann.
2 ist ein Blockdiagramm einer Vorrichtung gemäß
einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung.
3 ist ein Diagramm, das die Gruppenlaufzeiteigenschaften
von PGD-DCMs, die in Ausführungsformen der Erfindung verwendet werden können,
grafisch illustriert.
4 ist ein Diagramm, das die akkumulierte Dispersion
in einer Übertragungsverbindung, welche eine Multidispersionskompensationsvorrichtung
gemäß Ausführungsformen der Erfindung implementiert, grafisch illustriert.
5 ist ein Diagramm, das die relative Zeitverzögerung
zwischen zwei benachbarten Kanälen in einer Übertragungsverbindung, welche
eine Multidispersionskompensationsvorrichtung gemäß Ausführungsformen
der Erfindung implementiert, grafisch illustriert.
Die 6A–C sind simulierte Augendiagramme
für dichte optische WDM-Übertragung über 4000 km von optischen 10
GB/s-Rückkehr-zu-Null (RZ)-Ein-Aus-Tastungs-(OOK)-Signalen für drei verschiedene
Dispersionskarten.
Die 7A–D sind simulierte Augendiagramme
für dichte optische WDM-Übertragung über 4000 km von optischen 10
GB/s-RZ-OOK-Signalen für RPDS = 20 ps/nm (7A,
B) und für RPDS = 30 ps/nm (7C, D) für ein
typisches dispersionsgelenktes Soliton (DMS) (7A, C)
und eine Dispersionskarte gemäß Erscheinungsformen der Erfindung (7B,
D).
Die 8A–C sind simulierte Augendiagramme
für dichte optische WDM-Übertragung über 1.600 km von optischen 40
GB/s-Trägerunterdrückungs-RZ (CSRZ)-Ein-Aus-Tastungs-(OOK)-Signalen für
drei verschiedene Dispersionskarten.
9 ist ein Blockdiagramm einer weiteren Ausführungsform
einer Vorrichtung gemäß der vorliegenden Erfindung, die eine Polarisationssteuerung
(PC) umfaßt.
10 ist eine Vorrichtung eines optischen Add-Drop-Multiplexers
gemäß einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung.
AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG
Es werden die folgenden Abkürzungen hierin verwendet:
- DCF
- dispersionskompensierende Faser
- DCM
- dispersionskompensierendes Modul
- DMS
- dispersionsgeleitetes Soliton
- DPSK
- Differential phasenumgetastet
- DPGD-DCM
- Dispersion, die vom PGD-DCM bereitgestellt wird
- Dpre
- Prädispersionskompensation
- DRX
- Gesamtdispersion an einem Empfänger
- EDFA
- erbiumdotierter Faserverstärker
- LH
- Weitverkehr
- NRZ
- keine Rückkehr zu null
- OADM
- optischer Add/Drop-Multiplexer
- OOK
- Ein-Aus-Tastung
- PC
- Polarisationssteuerung
- PGD
- periodische Gruppenlaufzeit
- RDPS
- Restdispersion pro Übertragungslänge nach Kompensation durch ein DCF
- RZ
- Rückkehr zu null
- SE
- Spektraleffizienz
- TDC
- abstimmbarer Dispersionskompensator
- WDM
- Wellenlängenmultiplex
- XPM
- Kreuzphasenmodulation
- IFWM
- Intrakanal-Vierwellenmischung
Der Verweis auf "eine Ausführungsform" hierin bedeutet, daß
ein besonderes Merkmal, Struktur oder Charakteristikum, das in Verbindung mit der
Ausführungsform beschrieben wird, in mindestens einer Ausführungsform
der Erfindung enthalten sein kann. Das Auftreten des Ausdrucks "in einer Ausführungsform"
an verschiedenen Stellen in der Patentbeschreibung bezieht sich nicht notwendigerweise
auf dieselbe Ausführungsform; auch schließen getrennte oder alternative
Ausführungsformen nicht andere Ausführungsformen aus.
1 zeigt ein Blockdiagramm eines optischen Kommunikationssystems
100, in dem die vorliegende Erfindung ausgeführt werden kann. System
100 hat ein Netz von Knoten 102, die durch bidirektionale Verbindungen
104 verbunden sind, wobei jeder Knoten dafür ausgelegt ist, optische
Signale zu verarbeiten, die über die Verbindungen 104 transportiert
werden. Die Signalverarbeitung an jedem Knoten 102 umfaßt, ohne darauf
beschränkt zu sein, das Leiten der optischen Signale zwischen benachbarten
Knoten, Herausnehmen (d.h. Dropping) von optischen Signalen, die für lokale
Empfänger bestimmt sind, aus dem Netzverkehr und Einfügen (d.h. Hinzufügen,
Adding) von optischen Signalen, die von lokalen Sendern erzeugt werden, in den Netzverkehr.
Jede Verbindung 104 kann eine oder mehrere Lichtwellenleiter, Lichtwellenverstärker
(nicht dargestellt), Signalregeneratoren (nicht dargestellt) und andere gebräuchliche
Komponenten umfassen.
2 zeigt ein Blockdiagramm einer Vorrichtung eines Dispersionskompensators
200 gemäß einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung.
Die Vorrichtung 200 umfaßt einen ersten Verschachteler 212
zum Entschachteln von gerad- und ungeradzahligen Kanälen eines WDM-Signals
202 auf einen ersten Ausgangsport 212a bzw. einen zweiten Ausgangsport
212b. Die gerad- und ungeradzahligen Kanäle sind in der Frequenz um
den minimalen Kanalabstand der Kanäle des WDM-Signals 202 versetzt.
Ein erstes Dispersionskompensationsmodul (DCM) 215a ist an
den ersten Ausgangsport 212a angeschlossen, und ein zweites DCM
215b ist an den zweiten Ausgangsport 212b angeschlossen. Die Durchlaßbereichs-Mittenfrequenzen
des ersten DCM 215a sind vorzugsweise zu den Mittenfrequenzen der geradzahligen
Kanäle ausgerichtet. Analog sind die Durchlaßbereichs-Mittenfrequenzen
des zweiten DCM 215b vorzugsweise zu den Mittenfrequenzen der ungeradzahligen
Kanäle ausgerichtet.
Mindestens eines der ersten DCMs 215a und das zweite DCM
215b ist vorzugsweise ein DCM mit periodischer Gruppenlaufzeit (PGD) zur
Bereitstellung von Dispersionskompensation für einen oder mehrere der geradzahligen
oder ungeradzahligen Kanäle des WDM-Signals 202. Wenn das erste DCM
215a und das zweite DCM 215b beide PGD-DCMs sind, haben die DCMs
215a, 215b vorzugsweise im wesentlichen dieselbe Periode (in der
Frequenzdomäne) und ihre Durchlaßbänder sind um etwa eine halbe Periode
versetzt.
Die PGD-DCMs (z.B. DCM 215a und/oder DCM 215b) sind
vorzugsweise reflektierende auf Gires-Tournois-Etalonfiltern beruhende Vorrichtungen,
auf Allpaßringresonatorfiltern beruhende Vorrichtungen, auf Wellenleitergitterrouter
basierende Vorrichtungen oder Vorrichtungen, die virtuell sichtbar gemachte phasengesteuerte
Gruppen verwenden. Alternativ kann ein herkömmliches DCM auf DCF-Basis statt
eines der DCMs 215a, 215b verwendet werden.
Fachleute auf dem Gebiet werden erkennen, daß ein oder beide
der DCMs 215a, 215b in einen oder beide des ersten Verschachtelers
212 und des zweiten Verschachtelers 232 integriert werden können.
Die integrierte Vorrichtung (nicht dargestellt) sorgt sowohl für die Kompensation
der Gruppenlaufzeitwelligkeit als auch für Dispersionskompensation. Zum Beispiel
können mehrere auf Etalon basierende Dispersionskompensatoren mit den Ausgangsports
und/oder dem Eingangsport eines Verschachtelers verbunden werden, um die benötigte
Gruppenlaufzeit- und Dispersionskompensationen zu erreichen.
Ein zweiter Verschachteler 232 ist mit dem ersten und zweiten
DCM 215a, 215b zum Verschachteln der geradzahligen und ungeradzahligen
Kanäle des WDM-Signals 202 verbunden, um ein Ausgangs-WDM-Signal
204 zu erzeugen.
Das WDM-Signal 202 kann Kanäle mit einer Bitrate von
10 GB/s und Kanäle mit einer Bitrate von 40 GB/S umfassen. Der Kanalabstand
der 10 GB/s-Kanäle und der 40 GB/s-Kanäle beträgt etwa 50 GHz bzw.
etwa 100 GHz. Das WDM-Signal 202 kann ein RZ- oder NRZ-Übertragungsformat
und ein OOK- oder DPSK-Modulationsformat haben.
In einer Ausführungsform eines optischen Übertragungssystems
gemäß der Erfindung werden mehrere Dispersionskompensationsvorrichtungen,
wie oben mit Bezug auf 2 diskutiert, für verteilte
Dispersionskompensation bei mehreren "DCM-Knoten" (d.h. Knoten mit Dispersionskompensationsvorrichtungen)
im Übertragungssystem eingesetzt.
Jede Dispersionskompensationsvorrichtung in einem DCM-Knoten wird
vorzugsweise zum Kompensieren der Dispersion ausgelegt, die sich in einer Übertragungsverbindung
zwischen diesem DCM-Knoten und einem vorherigen DCM-Knoten angesammelt hat. Positiver
ist, daß jede Dispersionskompensationsvorrichtung die akkumulierte Dispersion
in der Übertragungsverbindung zwischen den DCM-Knoten vollständig kompensiert.
Fachleute auf diesem Gebiet werden erkennen, daß einer oder mehrere
der DCM-Knoten ein OADM-Knoten sein können, wobei die Dispersionskompensationsvorrichtung
in ein OADM integriert ist, wie unten mit Bezug auf 10
diskutiert.
Das optische Übertragungssystem kann ferner einen oder mehrere
Prädispersionskompensatoren zur Bereitstellung von Prädispersionskompensation
für ein oder mehrere optische Signale umfassen, die (z.B. an einem OADM) zur
Übertragung im System hinzugefügt werden. Die Prädispersionskompensation,
die vom Prädispersionskompensator bereitgestellt wird, ist vorzugsweise unabhängig
von der Übertragungsentfernung. Der Prädispersionskompensationswert beträgt
etwa –1/3 der Dispersion einer Übertragungsspanne in einer Übertragungsverbindung.
Das optische Übertragungssystem kann ferner einen oder mehrere
Postdispersionskompensatoren zur Bereitstellung von Postdispersionskompensation
für ein oder mehrere optische Signale umfassen, die (z.B. an einem OADM) aus
der Übertragung im System herausgenommen werden. Die Postdispersionskompensation,
die vom Postdispersionskompensator bereitgestellt wird, ist vorzugsweise unabhängig
von der Übertragungsentfernung.
Die Gesamtdispersion von WDM-Signalen, die im System bei der Umwandlung
"optisch in elektrisch" übertragen werden, ist vorzugsweise etwa null.
3 illustriert die Gruppenlaufzeiteigenschaften von
zwei PGD-DCMs, die in der Dispersionskompensationsvorrichtung 200 verwendet
werden können, die in 2 gezeigt wird. Wie von
Fachleuten auf diesem Gebiet verstanden wird, sind die DCMs um 50 GHz versetzt,
und die Dispersion, die von jedem DCM in seinem nutzbaren Paßband (von ~70
GHz) bestimmt wird, beträgt –100 ps/nm. wie oben diskutiert, können
mehrere verschiedene DCM-Vorrichtungen für diesen Zweck verwendet werden. Diese
Vorrichtungen umfassen phasengesteuerte Gruppen, wie zum Beispiel die virtuell sichtbar
gemachte phasengesteuerte Gruppe oder VIPA (siehe M. Shirasaki, "Kompensator für
chromatische Dispersion, der virtuell sichtbar gemachte phasengesteuerte Gruppen
verwendet", IEEE Phonics Technology Letters, Bd. 9, S. 1598–1600, 1997),
Wellenleitergitterrouter (siehe C. R. Doerr et al., "Integrierter abstimmbarer Mehrkanalkompensator,
der ein thermooptisches Objektiv verwendet", Technical Digest of the Optical Fiber
Communication Conference OFC '02, PD FA6-2, 2002) und Allpaßfilter, die entweder
auf Ringresonatoren (siehe C. K. Madsen und G. Lenz, "Optische Allpaßfilter
für den Phasengangentwurf mit Anwendungen für die Dispersionskompensation",
IEEE Photonics Technology Letters, Bd. 10, S. 994–996, 1998) oder auf reflektierenden
Gires-Tournois-Etalons beruhen (siehe D. J. Moss et al., "Abstimmbare Mehrkanal-Dispersionskompensation,
die Allpaß-Mehrkammeretalons verwenden", Technical Digest of the Optical Fiber
Communication Conference OFC '02, S. 132–133, 2002).
4 illustriert grafisch die akkumulierte Dispersion
in einer Übertragungsverbindung, welche mehrere Dispersionskompensationsvorrichtungen
gemäß Ausführungsformen der Erfindung implementiert und mit Verweis
auf 3 oben diskutiert wird. Es wird angenommen, daß
die Übertragungsverbindung aus 40 100 km-Leiterlängen mit D = 6 ps/km/nm
besteht. Die RDPS wird zu 25 ps/nm angenommen. Eine Dispersionskompensationsvorrichtung
mit D = –100 ps/nm wird alle 4 Spannen verwendet, um die distanzabhängige
Dispersionsakkumulation zu beseitigen. Der Prädispersionskompensationswert
(Dpre) wird mit –200 ps/nm festgesetzt, und die Gesamtdispersion
am Empfänger (DRX) wird mit 0 ps/nm festgesetzt.
5 erläutert grafisch die relative Zeitverzögerung
zwischen zwei benachbarten Kanälen (die 50 GHz Abstand voneinander haben) in
einer Übertragungsverbindung, welche die Dispersionskompensationsvorrichtungen
der Ausführungsformen der Erfindung implementiert, die oben mit Verweis auf
4 diskutiert werden. Es ist bemerkenswert, daß
die Verwendung der Dispersionskompensationsvorrichtung den benachbarten Kanälen
ermöglicht, schnell abzudriften (um 4 Bitperioden nach 40 Spannen). Wenn zum
Vergleich nur DCF (statt der Dispersionskompensationsvorrichtung gemäß
der Erfindung) verwendet wird, um die distanzabhängige Dispersionsakkumulation
zu beseitigen, gibt es im wesentlichen kein Abdriften zwischen den benachbarten
Kanälen, wie durch die gepunktete Linie in 5 gezeigt.
Auf Grund der großen Abdrift, wenn Dispersionskompensationsvorrichtungen gemäß
der Erfindung verwendet werden, können die Interkanal-XPM-Abzüge
beträchtlich reduziert werden.
Die 6A–C zeigen die simulierten
Augendiagramme bei 4.000 km bei dichtem WDM mit 10 GB/s-RZ-OOK-Kanälen, die
50 GHz Abstand haben, wobei alle Kanäle kopolar und ohne ASE sind, für
drei verschiedene Dispersionskarten, (1) eine einfache Karte (6A),
mit RDPS = 0 ps/nm, Dpre = –200 ps/nm und DRX = 0 ps/nm,
(2) eine DMS-Karte (6B) mit RDPS = 25 ps/nm, Dpre
= –200 ps/nm und DRX = 600 ps/nm, und (3) eine Karte gemäß
der Erfindung (6C) mit RDPS = 25 ps/nm, Dpre
= –200 ps/nm, DPGD-DCM = –100 ps/nm pro 4 Spannen und DRX
= 0 ps/nm.
Bei den Simulationen wird angenommen, daß der nichtlineare Koeffizient
der Übertragungsfaser 1,3/W/km und ihr Verlust 0,2 dB/km beträgt. Das
bidirektionale Raman-Pumpen sorgt für 4 dB Raman-Gewinn in Vorwärtsrichtung
und 16 dB Raman-Gewinn in Rückwärtsrichtung. Jede Übertragungsfaserspanne
(100 km) wird durch eine DCF kompensiert, um ein bestimmtes RDPS zu erhalten. Die
DCF hat einen Verlust von 0,6 dB/km und wird rückwärts bis zur Transparenz
Raman-gepumpt. Die Signalleistungen am Anfang der Übertragungsfaser und der
DCF sind –5 dBm bzw. –9 dB pro Kanal. Es werden insgesamt 10 WDM-Kanäle
mit einem Abstand von 50 GHz simuliert, und die Augendiagramme, die gezeigt werden,
sind für den 5. Kanal. Wenn die Dispersionskompensationsvorrichtung verwendet
wird, wird sie vorzugsweise alle 4 Spannen eingesetzt. Offensichtlich ist der Taktjitter
für die einfache Karte mit null RDPS so groß, daß das Auge fast vollständig
verschlossen ist. Die DMS-Karte ergibt ein besseres Leistungsvermögen, aber
die optimale DRX nach 4.000 km Übertragung beträgt 600 ps/nm,
was groß und distanzabhängig ist. Die beste Übertragungsleistung
wird durch Systeme unter Verwendung der Dispersionskompensationsvorrichtung und
dadurch erreicht, daß die Karte gemäß der vorliegenden Erfindung
verwendet wird.
In realen Systemen ist RDPS auf Grund der mangelhaften Übereinstimmung
zwischen der Übertragungsfaser und der DCF bei der Dispersionssteigung möglicherweise
nicht für alle WDM-Kanäle identisch. Es ist wichtig, die Übertragungsleistung
bei verschiedenen RDPS-Werten zu beurteilen. Die 7A–D
zeigen die simulierten Augendiagramme bei 4.000 km bei dichtem WDM mit 10 GB/s-RZ-OOK-Kanälen,
die 50 GHz Abstand haben, wobei alle Kanäle kopolar sind, ohne ASE, und mit
RDPS = 20 ps/nm (7A, B) und RDPS = 30 ps/nm (7C,
D) für die DMS-Karte (7A, C) mit Dpre
= –200 ps/nm und DRX = 600 ps/nm, und die Dispersionskarte gemäß
der Erfindung mit Dpre = –200 ps/nm, DPGD-DCM = –100
ps/nm pro 4 Spannen und DRX = 0 ps/nm (7B,
D). Wieder wird festgestellt, daß das System mit der Dispersionskompensationsvorrichtung
und einer Dispersionskarte gemäß der Erfindung die DMS-Systeme für
alle RDPS-Werte übertrifft.
Es ist auch wichtig sicherzustellen, daß die Dispersionskarte
für Systeme gemäß der Erfindung auch eine gute Übertragungsleistung
für 40 GB/s-Signale ermöglicht. 8 zeigt die simulierten
Augendiagramme bei 1.600 km für dichte WDM, 40 GB/s, trägerunterdrückte
RZ (CSRZ)-OOK-Übertragung, mit Kanälen im Abstand von 100 GHz, alle Kanälen
kopolar, ohne ASE, für die drei verschiedenen Dispersionskarten, die auch in
6 verwendet werden. Der Taktjitter für die einfache Karte
(7A) ist wieder so groß, daß das Auge fast
vollständig verschlossen ist. Die DMS-Karte (7B)
ergibt eine bessere Leistung, aber die IFWM verursacht (durch Erzeugen von "Geisterimpulsen")
> 3 dB nichtlinearen Abzug. Der nichtlineare Abzug im System, das die Dispersionskompensationsvorrichtung
und die Karte gemäß der Erfindung verwendet (7C),
beträgt < 2 dB.
Es wurde festgestellt, daß die Dispersionskarte für Systeme
gemäß der Erfindung durch Reduzieren des IFWM-Abzugs ebenfalls eine herkömmliche
"symmetrische" Dispersionskarte übertrifft (bei der |Dpre| mit wachsender
Distanz ansteigt, so daß die distanzabhängige Dispersionsabweichung "symmetrisch"
zu null ist). Ferner ist die Dispersionskarte für Systeme gemäß der
Erfindung unempfindlich gegen Änderungen von RDPS bei 40 GB/s-Übertragungen.
Da die XPM zwischen kopolaren Kanälen viel stärker als zwischen
orthogonal polarisierten Kanälen ist, kann der Interkanal-XPM-Abzug zwischen
den geradzahligen Kanälen und den ungeradzahligen Kanälen durch Drehen
der relativen Polarisation zwischen den beiden Gruppen weiter reduziert werden.
Dies kann in der Dispersionskompensationsvorrichtung gemäß der Erfindung
durch Einfügen einer Polarisationssteuerung (PC) in einen oder mehrere der
zwei Wege (d.h. den geradzahligen Kanalweg oder den ungeradzahligen Kanalweg) erreicht
werden.
9 zeigt ein Blockdiagramm einer Dispersionskompensationsvorrichtung
900 gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung mit
einer PC 920. Die Dispersionskompensationsvorrichtung 900 fungiert
in einer ähnlichen Weise wie die Dispersionskompensationsvorrichtung, die oben
mit Bezug auf 2 diskutiert wurde. Das Hinzufügen
der Polarisationssteuerung 920 kann für einen beträchtlichen
Anstieg der Systemleistung sorgen. Nimmt man an, daß die relative Polarisation
zwischen den geradzahligen Kanälen und den ungeradzahligen Kanälen um
45 Grad bei jeder Dispersionskompensationsvorrichtung gedreht wird, die in einem
System verwendet wird, so stellt man fest, daß die (nichtlineare) Leistungstoleranz
um ~1 dB ansteigt. Die PC 920 kann eine einfache Faser-PC,
ein Polarisations-Scrambler oder dergleichen sein.
Es versteht sich, daß die relative Zeitverzögerung zwischen
den geradzahligen Kanälen und den ungeradzahligen Kanälen in jeder Dispersionskompensationsvorrichtung
möglicherweise in den tatsächlichen kommerziellen Implementierungen nicht
exakt dieselbe ist. Praktisch bringen die zufälligen Zeitversetzungen zwischen
den geradzahligen und ungeradzahligen Kanälen in verschiedenen Dispersionskompensationsvorrichtungen
in einem System die Kollisionen zwischen zwei Gruppen noch weiter durcheinander
und bewirken, daß die Taktjitter sich zufälliger aufsummieren. Daher ist
die Gesamtbeurteilung der Übertragungsleistung in Systemen mit einer Dispersionskarte
gemäß der Erfindung, die durch Simulationen prognostiziert wird, gültig.
Fachleute auf diesem Gebiet werden erkennen, daß die Dispersionskompensationsvorrichtung
200 von 2 natürlich in einem OADM, wie
zum Beispiel dem OADM 1000, das in 10 gezeigt
wird, implementiert werden kann. Eine integrierte Vorrichtung würde effektiv
die Verschachteler 1012, 1032 des OADM 1000 von
10 und die Verschachteler 212, 232
der Dispersionskompensationsvorrichtung 200 kombinieren.
Wie aus 10 zu erkennen ist, ist das OADM
1000 eine Sechs-Port-Vorrichtung, die einen Haupteingangsport
1002, einen Hauptausgangsport 1004, zwei Drop-Ports
1006a–b und zwei Add-Ports 1008a–b umfassen.
OADM 1000 arbeitet, indem es WDM-Signale, die an den Haupteingangsport
1002 angelegt werden, durch den ersten Verschachteler 1012 lenkt,
der die Eingangs-WDM-Kanäle in geradzahlige Kanäle und ungeradzahlige
Kanäle entschachtelt, die in ihrer Frequenz um den minimalen Kanalabstand der
WDM-Kanäle versetzt sind. Die ungeradzahligen und geradzahligen Kanäle
werden aus dem Verschachteler an einem ersten Ausgangsport 1012a bzw. einem
zweiten Ausgangsport 1012b ausgegeben oder umgekehrt. Die ungeradzahligen
und geradzahligen Kanäle werden zu den Drop-Ports 1006a–b durch
die Teiler (splitter) 1014a–b gelenkt, z.B. für die Verteilung
auf lokale Empfänger, oder zum Hauptausgangsport 1004 (z.B. zur weiteren
Übertragung über das Netz). Die Signale, die an den Drop-Ports
1006a–b herausgenommen werden, werden unter Verwendung der Wellenlängenblocker
1016a–b daran gehindert, den Hauptausgangsport 1004 zu
erreichen.
Einige oder alle der vorher nicht genutzten WDM-Kanäle und/oder
der WDM-Kanäle, die den herausgenommenen Signalen entsprechen, können
dann zum Senden der optischen Signale verwendet werden, die an die Add-Ports
1008a–b angelegt wurden, z.B. von lokalen Sendern.
Die Lichtsignale, die an die Add-Ports 1008a–b angelegt
werden, werden unter Verwendung von Kombinatoren 1034a–b mit den
Lichtsignalen kombiniert, die am Haupteingangsport 1002 empfangen werden,
welche nicht an den Drop-Ports 1006a–b herausgenommen wurden.
Lichtsignale, die an den Ports 1032a und 1032b (d.h.
den geradzahligen Kanälen bzw. den ungeradzahligen Kanälen) empfangen
werden, werden unter Verwendung eines zweiten Verschachtelers 1032 verschachtelt
und am Hauptausgangsport 1004 ausgegeben.
Die DCMs 1015a und 1015b sind, ähnlich wie
die DCMs, die oben mit Bezug auf 2 diskutiert wurden,
vorzugsweise zwischen dem ersten und dem zweiten Verschachteler 1012 und
1032 angeschlossen, wie in 10 gezeigt, um
für die Dispersionskompensation für einen oder mehrere der geradzahligen
oder ungeradzahligen Kanäle des WDM-Signals 1002 zu sorgen.
Obwohl die vorliegende Erfindung gemäß den Ausführungsformen,
die gezeigt wurden, beschrieben wurde, werden Fachleute auf diesem Gebiet ohne weiteres
erkennen, daß es Änderungen an den Ausführungsformen geben kann und
daß diese Änderungen innerhalb des Geltungsbereichs der vorliegenden Erfindung
liegen würden. Dementsprechend können viele Änderungen von einem
Fachmann auf diesem Gebiet vorgenommen werden, ohne den Geltungsbereich der angehängten
Ansprüche zu verlassen.