TECHNISCHES GEBIET
Diese Erfindung betrifft die thermomechanische Verarbeitung einer
stranggegossenen Aluminiumlegierung zur Bildung eines Blechmaterials, das für
Blechformoperationen mit hoher Dehnung geeignet ist. Genauer betrifft diese Erfindung
eine spezifische Abfolge von Warmwalz-, Aufwickel-, Glüh- und Kaltwalzoperationen
für eine Magnesium und Mangan enthaltende stranggegossene Aluminiumlegierung,
um eine solches hochformbares Blechmaterial herzustellen.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
Karosseriebleche für Kraftfahrzeuge werden aktuell unter Verwendung
eines superplastischen (Hochdehnungs-) Formverfahrens hergestellt, das auf ein bestimmtes
Magnesium enthaltendes Aluminiumlegierungsblechmaterial angewandt wird. Gegenwärtig
ist das Blechmaterial eine speziell vorbereitete Aluminiumlegierung 5083 mit feinkörniger
Mikrostruktur. AA5083 hat eine Nennzusammensetzung bezogen auf das Gewicht von etwa
4 bis 5 Prozent Magnesium, 0,4 bis 1 Prozent Mangan, maximal 0,25 Prozent Chrom,
bis zu etwa 0,1 Prozent Kupfer, bis zu etwa 0,4 Prozent Eisen, bis zu etwa 0,4 Silicium,
und der Rest im Wesentlichen ganz Aluminium. Allgemein wird die Legierung zu einem
großen Gussblock mit einer Dicke von etwa 70 Millimeter kokillengegossen und
einer langen homogenisierenden Wärmebehandlung unterzogen. Die Bramme wird
dann durch eine Reihe von Warmwalzoperationen allmählich in der Dicke zu einem
Band im Bereich von vier bis acht Millimeter reduziert, was etwas von dem Ziel für
die endgültige Dicke des Blechs abhängt, und aufgewickelt. Das aufgewickelte
Band wird dann stark kaltgewalzt, gewöhnlich in Stufen mit möglicherweise
eingeschobenen Glühungen, und zwar auf eine endgültige Blechdicke im Bereich
von etwa eins bis drei oder vier Millimeter.
Das Ergebnis der thermomechanischen Verarbeitung ist ein Coil aus
einem Aluminiumblechmaterial mit glatter Oberfläche, dessen Mikrostruktur stark
belastet worden ist. Das Blechmaterial wird erwärmt, um es zu einer entspannten
feinkörnigen Mikrostruktur zu rekristallisieren (Körner von weniger als
etwa zehn Mikrometer), und auf eine geeignete Formtemperatur, z.B. 450 C bis 500
C. In diesem Zustand kann ein Blechrohling zu einem Gegenstand komplexer Gestalt
mit Bereichen hohen biaxialen Streckens streckgeformt werden.
Während dieses speziell verarbeitete Material vom Typ AA 5083
sehr nützlich zur Herstellung von Gegenständen wie Kraftfahrzeugkarosserieplatten
ist, ist es viel kostspieliger als das schwerere Kohlenstoffstahlblech, das lange
bei den gleichen Anwendungen verwendet worden ist. Es besteht ein Bedarf an einem
weniger kostspieligen Aluminiumlegierungsblechmaterial, das Formverfahren mit hoher
Dehnung wie dem superplastischen Formen SPF, einem Verfahren mit niedriger Dehnungsgeschwindigkeit
und relativ hoher Temperatur unterzogen werden kann. Ebenso besteht ein Bedarf an
einem solchen Aluminiumblechmaterial bei dem später entwickelten schnellen
plastischen Formverfahren QPF, wie es in der US-Patentschrift 6,253,588 (Rashid
et al.) mit dem Titel Quick Plastic Forming of Aluminium Alloy Sheet Metal offenbart
ist. QPF ist ein Blechformverfahren mit hoher Dehnung ähnlich wie SPF. QPF
beinhaltet jedoch gewöhnlich etwas niedrigere Formtemperaturen, höhere
Dehnungsgeschwindigkeiten und unterschiedliche physikalische metallurgische Formverfahren
als SPF. Andere Formverfahren, die eine wesentliche Dehnung des Aluminiumlegierungsblechmaterials
beinhalten, z.B. Warmprägen und Warmhydroformen würden auch von der Verfügbarkeit
von relativ preisgünstigem, hoch formbarem Aluminiumlegierungsblechmaterial
profitieren.
Die US 5,469,912 A
offenbart ein Verfahren zum Herstellen eines Aluminiumlegierungsblechs, welches
umfasst, dass eine Aluminiumlegierungsschmelze gebildet wird, die Aluminiumlegierung
in einer Blockgießmaschine gegossen wird, um ein gegossenes Band zu bilden,
das gegossene Band warmgewalzt wird, um seine Dicke zu verringern, und das Band
geglüht wird. Nach dem Abkühlen des Bandes auf Umgebungstemperatur wird
es zwei Mal kaltgewalzt, um die Dicke weiter zu verringern, während das Band
wieder zwischen den Kaltwalzschritten geglüht wird.
Eine Aufgabe dieser Erfindung liegt darin, ein Verfahren zur kostengünstigeren
Herstellung von hoch verformbarem, Magnesium und Mangan enthaltendem Aluminiumlegierungsblechmaterial
vorzusehen. Genauer liegt eine Aufgabe dieser Erfindung darin, ein thermomechanisches
Verfahren zum Umwandeln einer stranggegossenen Aluminiumlegierung in ein solches
relativ preisgünstiges Blechmaterial mit hoher Dehnung vorzusehen.
Diese Aufgabe ist durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs
gelöst.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
Die Praxis dieser Erfindung wird auf Aluminiumlegierungen angewandt,
die im Wesentlichen bezogen auf das Gewicht aus 3,5 bis 5,5 % Magnesium, 0,4 bis
1,6 % Mangan, 0 bis 0,5 % Chrom und dem Rest im Wesentlichen ganz Aluminium bestehen.
Die Legierung hat typische Niveaus von Verunreinigungsmaterialien wie Eisen und
Silicium. Bevorzugt enthalten die Legierungen bezogen auf das Gewicht 4,5
bis 5 % Magnesium und 0,5 bis 1 % Mangan.
Ein geschmolzene Legierung einer solchen Zusammensetzung wird in einer
Stranggießmaschine auf eine Stärke im gegossenen Zustand von etwa 6 bis
30 Millimeter gegossen. Es gibt viele verschiedene kommerziell erhältliche
Stranggießmaschinen für Aluminiumlegierungen. Sie umfassen Doppelbandgießmaschinen,
Doppelwalzengießmaschinen und Blockgießmaschinen. Die schnellen Abkühlungsraten,
die dem Stranggießen innewohnen, gewährleisten, dass die meisten Beimengungselemente
wie Mangan, Chrom und andere in übersättigter fester Lösung bleiben.
Die warme Gussbramme wird sofort durch ein 1-3-Ständer-Tandem-Warmwalzwerk
geführt, um ihre Dicke zu verringern und die dendritische Mikrostruktur im
gegossenen Zustand aufzubrechen. Die Walztemperaturen und die Verringerungsniveaus
in dem Warmwalzwerk werden derart verwaltet, dass die Endtemperatur des warmgewalzten
Bandes beim Austritt zwischen 200 G und 350 C, bevorzugt zwischen 230 C und 330
C liegt. Dieser Temperaturbereich gewährleistet die Beibehaltung einer gewissen
Arbeitsspannung in dem Metall. Die Nettostärkenverringerung von der Gussbramme
zu dem gewalzten Band liegt im Bereich von 30 bis 80 %, und die Dicke des warmgewalzten
Bandes liegt zwischen drei und zehn Millimeter oder so, die maximale Dicke, die
effektiv aufgewickelt werden kann. Bevorzugt wird das Band gewickelt, wenn es aus
dem letzten Walzgerüst hervorgeht.
Das aufgewickelte warmgewalzte Band wird bei 470 bis 560 C für
drei bis fünfundzwanzig Stunden geglüht. Typischerweise kann der Glühschritt
bei 500 C bis 550 C für fünf bis fünfzehn Stunden durchgeführt
werden, um die Mikrostruktur des gegossenen und warmgewalzten Bandes zu homogenisieren
und die Ausfällung von Beimengungselementen Mangan, Chrom und Spurenelementen
in Form von kleinen verteilten intermetallischen Partikeln aus der festen Aluminiumlösung
zu fördern. Diese Partikel dienen einer nützlichen Funktion bei der Endverarbeitung
des Blechmaterials. Die Homogenisierung wird natürlich schneller bei den höheren
Temperaturen abgeschlossen. Nach dem Glühen wird der Coil zum Kaltwalzen auf
Umgebungstemperatur abgekühlt.
Der Coil wird einem oder mehreren Durchgängen durch ein Kaltwalzgerüst
unterzogen, um eine kalte Verringerung der Dicke des Bandes um wenigstens fünfzig
Prozent und bevorzugt fünfzig bis neunzig Prozent zu bewirken. Das kaltgewalzte
Material wird zwischen Walzstufen nicht geglüht, wenn mehr als eine Stufe verwendet
wird. Das Produkt des Kaltwalzens ist ein grob bearbeitetes kaltgewalztes Blech
mit der gewünschten Dicke für ein Verfahren zum Formen eines Blechs mit
hoher Dehnung. Das Blech wird typischerweise eine Dicke von etwa 1 bis 3 mm zum
Warmstreckformen zu einer Kraftfahrzeugplatte oder ähnlichem haben. Die Oberfläche
des kaltgewalzten Materials ist gewöhnlich für ein kommerziell akzeptables
visuelles Aussehen in geformten Gegenständen glatt und frei von Defekten. Das
Blech wird gewöhnlich aufgewickelt, wenn es das Kaltwalzwerk verläßt.
Das kaltgewalzte Blech ist hart und als solches ungeeignet für
eine Formung mit hoher Dehnung wie SPF oder QPF. Das Material muss erwärmt
werden, um die stark bearbeitete Mikrostruktur zu einer weichen, sehr feinkörnigen
Mikrostruktur zu rekristallisieren. Die stark gespannte Mikrostruktur liefert eine
günstige thermodynamische Antriebskraft zur Rekristallisation, besonders wenn
das Material auf eine geeignete Glühtemperatur erwärmt wird. Die während
des Glühens des warmgewalzten Coils gebildeten intermetallischen Partikel sehen
Keimbildungsorte für neue Körner während eines Rekristallisationsglühschritts
vor. Eine geeignete Rekristallisation tritt innerhalb einiger Minuten auf, wenn
der warmgewalzte Coil auf 325 C bis 525 C erwärmt wird. Der Rekristallisationsschritt
kann an dem vollen Coil oder an zum Erwärmen auf eine geeignete Formtemperatur
vor einer SPF- oder QPF-Operation aus dem Coil entnommenen Blechrohlingen durchgeführt
werden. Das rekristallisierte Produkt hat eine Mikrostruktur mit einer Korngröße
von etwa fünf bis zehn Mikrometer. Die Körner sind hauptsächlich
eine feste Lösung von Magnesium in Aluminium mit kleineren verteilten intermetallischen
Partikeln, wie dies oben beschrieben wurde.
Das Blechprodukt dieses Verfahrens hat Formeigenschaften, die mit
dem Blechprodukt vergleichbar sind, das aus der herkömmlichen Direktstranggussmöllerlegierung
(DC) mit ähnlicher Zusammensetzung hergestellt wird, und ist kostengünstiger
herzustellen. Es ist nützlich bei Formverfahren, bei welchen erwartet wird,
dass Abschnitte des Blechs Bereiche relativ starker biaxialer Streckung erfahren.
Andere Aufgaben und Vorteile der Erfindung werden aus einer folgenden Beschreibung
einer bevorzugten Ausführungsform deutlich.
BESCHREIBUNG EINER BEVORZUGTEN AUSFÜHRUNGSFORM
Eine Schmelze aus einer Nennzusammensetzung bezogen auf das Gewicht
von 4,7 % Magnesium, 0,8 % Mangan, 0,25 % Chrom, typischen Verunreinigungsmengen
von Eisen und Silicium und dem Rest Aluminium wird hergestellt. Diese Schmelze wird
bei einer Temperatur von etwa 700 C in einer Doppelbandstranggießmaschine verwendet,
um eine lange, 20 mm dicke Bramme aus der Legierung herzustellen.
Die warme Gussbramme wird sofort durch ein 3-Ständer-Tandemwarmwalzwerk
warmgewalzt, um die Dicke der stranggegossenen Bramme zu verringern und die dendritischen
Körner im gegossenen Zustand in gleichachsigere Körner umzuformen. Das
warmgewalzte Band tritt aus der letzten Walze mit einer Temperatur von etwa 300
C und einer Dicke von 7 mm aus. Das warmgewalzte Band erfährt eine Dickenverringerung
von etwa 65 % bezüglich der Dicke der gegossenen Bramme. Natürlich wächst
das Band in der Länge und auch etwas in der Breite. Das kontinuierlich hergestellte
warme Band wird aufgewickelt, wenn es aus dem Walzwerk austritt. Der Coil wird zu
einem Glühofen transportiert und bei 560 C für fünf Stunden homogenisiert.
Man läßt den geglühten Coil auf Umgebungstemperatur abkühlen.
Wenn eine Kaltwalzausrüstung verfügbar ist, wird der warmgewalzte
Coil abgewickelt und z.B. in drei Durchgängen kaltgewalzt, um eine 80%ige Dickenverringerung
auf eine Stärke von etwa 1,5 mm Blechmaterial zu erhalten.
Das Blechmaterial wurde bei 500 C für 10 Minuten geglüht,
um die grob bearbeitete kaltgewalzte Mikrostruktur zu rekristallisieren. Dann wurde
eine Zugprobe aus dem geglühten 1,5 mm dicken Blechmaterial geschnitten und
unter superplastischen Formbedingungen für diese Legierung getestet. Mit anderen
Worten, die Zugprobe wurde auf eine Temperatur von 500 C erwärmt und einer
Zugdehnungsgeschwindigkeit von 10–3 s–1 unterworfen,
was eine durchschnittliche Dehnung von 350 % plus oder minus 10 % ergab. Dieser
Dehnungswert ist vergleichbar mit einer ähnlichen Blechzusammensetzung, die
durch das herkömmliche Direktkokillenmöllergussverfahren hergestellt wird,
bei welchem ein relativ dicker Gussblock (etwa 700 mm) gegossen und geglüht
und aufwändig warmbearbeitet und dann kaltgewalzt, um ein relativ teures Blechmaterial
herzustellen.
Die vorliegende Erfindungspraxis von kontrollierter Warmwalztemperatur,
Aufwickeln, Glühen und nachfolgendem Kaltwalzen hat einen synergistischen Effekt
auf die Blecharbeitshärtung. Diese Kombination erzeugt ein härteres Blechmaterial
als andere Verarbeitungsabfolgen. Die erhöhte Blechhärte hat ein erhöhtes
thermodynamisches Potenzial zur Erhöhung der Kernraffination bei der Rekristallisation.
Es wird also ein Blech mit feiner Korngröße hergestellt, nachdem das kaltbearbeitete
Material auf Rekristallisation erwärmt wird. Man hat herausgefunden, dass das
vorliegende Aluminiumlegierungsblech mit feinerer Korngröße bessere mechanische
Eigenschaften und bessere Formbarkeit für Hochdehnungsformoperationen wie superplastisches
Formen und schnelles plastisches Formen und ähnliches hat.
Die beim Stranggießen erhaltenen schnellen Abkühlungsgeschwindigkeiten
gewährleisten, dass die meisten der ursprünglichen Beimengungslegierungsmittel
wie Mangan und Chrom und andere in einem übersättigten Festlösungszustand
bleiben. Die Glühbehandlung des aufgewickelten warmgewalzten Materials fällt
Beimengungselemente wie Mangan und Chrom und andere in Form von intermetallischen
Partikeln aus. Bevorzugt sind diese Partikel ziemlich klein, z.B. ein bis fünf
Mikrometer in größter Abmessung. Diese Partikel haben eine kleine Größe
und Verteilung, so dass sie als Orte zur Kristallisationskernbildung für neue
Körner während des Rekristallisationsschritts wirken.
Nach der Verwendung der vorliegenden Erfindung ist erforderlich, dass
das kaltgewalzte Blechmaterial, das grob bearbeitet worden ist, rekristallisiert
wird, um es in eine feinkörnige metallurgische Mikrostruktur zum Hochdehnungsformen
zu bringen. Diese Wärmebehandlung zur Rekristallisation kann z.B. bei 325 C
bis 525 C an einem Coil des kaltgewalzten Materials vor seiner Lieferung zu der
Herstellungsoperation durchgeführt werden, welche das Hochdehnungsblechmaterial
verwenden soll. Bei einer weiteren Ausführungsform kann das kaltgewalzte Material
zu einem Benutzer verfrachtet werden, und Rohlinge können aus dem Coil geschnitten
werden. Diese Rohlinge müssen auf eine Formtemperatur erwärmt werden,
bei welcher ihre hohe Dehnung verwendet wird, z.B. 470 C. Dieser Erwärmungsschritt
erreicht typischerweise die gewünschte Rekristallisation, wenn das Blechmaterial
auf seine geeignete Formtemperatur erwärmt wird.
Während die Erfindung bezüglich einer spezifischen Ausführungsform
beschrieben worden ist, ist der Umfang der Erfindung nicht auf dieses veranschaulichende
Beispiel begrenzt.