Die vorliegende Erfindung betrifft einen elektronischen Sensor und
ein Verfahren, mit dem der volumetrische Gehalt von flüssigem Wasser in vielen
Materialien, insbesondere in Substraten und Erden, bestimmt werden kann.
Stand der Technik
Zur Bestimmung des für Pflanzen verfügbaren Wassergehalts
werden häufig Tensiometer angewendet, die jedoch Wartung erfordern und außerdem
groß und teuer sind.
Andere Sensoren bestimmen den volumetrischen Gehalt von flüssigem
Wasser durch Messung der elektrischen Kapazität zwischen zwei in das Substrat
eingelassenen Elektroden. Bei bekannten Substraten kann der für Pflanzen verfügbare
Wassergehalt aus dem volumetrischen Wassergehalt bestimmt werden.
Freies Wasser hat bei Raumtemperatur eine hohe relative Dielektrizitätszahl
von etwa 81, und liegt damit weit höher als die der meisten anderen Moleküle.
Die effektive relative Dielektrizitätszahl eines Stoffgemischs,
wie zum Beispiel das aus Wasser, Luft und Substrat, ergibt sich näherungsweise
aus der Summe der relativen Dielektrizitätszahlen der einzelnen Stoffe multipliziert
mit ihrem volumetrischen Anteil. Hierbei wird die Interaktion der unterschiedlichen
Moleküle miteinander vernachlässigt.
&egr;r_eff ≈ &egr;r_wasser × nwasser
+ &egr;r_substrat × nsubstrat + &egr;r_luft
× nluft(1)
1 = nwasser + nsubstrat + nluft(2)
Dabei ist
&egr;r die relative Dielektrizitätszahl und
n der volumetrische Anteil des jeweiligen Materials.
Für den Fall von Wasser, Luft und Substrat kann die Gleichung
noch weiter vereinfacht werden, da Wasser die Luft verdrängt und die relative
Dielektrizitätszahl von Luft gleich 1 ist.
&egr;r_eff ≈ (&egr;r_wasser – 1) ×
nwasser + (&egr;r_substrat – 1) × nsubstrat
+ 1(3)
Da Substrate, wegen der erwünschten Fähigkeit zur Wasseraufnahme,
einen geringen volumetrischen Anteil haben und die relative Dielektrizitätszahl
üblicher Substrate sehr niedrig ist, kann für Raumtemperatur die folgende
Näherung benutzt werden.
&egr;r_eff ≈ 80 × nwasser + 1(4)
Die effektive relative Dielektrizitätszahl wird indirekt ermittelt,
indem die elektrische Kapazität zwischen zwei Elektroden gemessen wird, die
in das zu analysierende Material eingebracht sind. Die elektrische Kapazität
steht bei definierter Geometrie der Elektroden in einer festen Beziehung zur effektiven
relativen Dielektrizitätszahl im Material und der Meßfrequenz.
Der Zusammenhang zwischen volumetrischem Wassergehalt und der Kapazität
wird somit bestimmt durch das zu analysierende Material, die Geometrie der Elektroden,
die Meßfrequenz und die Temperatur. Die Abhängigkeit vom Material kann
für alle unpolaren und den meisten schwach polaren Materialien vernachlässigt
werden, da die dielektrischen Eigenschaften des Wassers dominieren. Die Geometrie
der Elektroden und die Eindringung in das zu analysierende Material müssen
genau definiert werden. Durch Berechnung der elektrischen Wechselfelder bei der
Meßfrequenz kann bei gegebener Geometrie der Elektroden, der Zusammenhang zwischen
effektiver relativer Dielektrizitätszahl und Kapazität bestimmt werden.
Die Temperaturabhängigkeit der effektiven relativen Dielektrizitätszahl
und damit der Kapazität kann kompensiert werden.
Die Messung der Kapazität erfolgt bei hoher Frequenz, mindestens
30 MHz, um den Einfluss des elektrischen Leitwertes auf die Messung zu minimieren.
Nur durch die Messung mit hoher Frequenz wird sichergestellt, dass der kapazitive
Leitwert, der durch das Wasser verursacht wird, wesentlich größer ist
als der elektrische Leitwert, der zum Beispiel vom Salzgehalt verursacht wird.
An die Elektroden darf keine Gleichspannung gelangen, um die galvanische
Zersetzung der Elektroden zu vermeiden.
Aus US-2004/0 095 154 A1 ist bekannt, dass die elektrische Kapazität
bestimmt werden kann, indem die Wechselspannung an den Elektroden, der Wechselstrom
in die Elektroden und die Phasenbeziehung zwischen ihnen gemessen wird. Die dazu
notwendige Messtechnik, vor allem zur Bestimmung der Phasenbeziehung, ist sehr aufwendig.
Aus US-5 479 104 A ist bekannt, dass auf die Messung der Phasenbeziehung
verzichtet werden kann, indem an einem bestimmten elektrischen Netzwerk drei Wechselspannungen
betragsmäßig bestimmt werden. Dies führt zu einer Vereinfachung der
elektrischen Schaltung.
Bei DE-10 261 138 B4 wird der Leitwert, der durch
den Salzgehalt verursacht wird, vernachlässigt. Die Kapazität wird nur
aus der betragsmäßigen Messung von zwei Wechselspannungen an einem bestimmten
elektrischen Netzwerk bestimmt. Der Aufwand der elektrischen Schaltung zur Messung
der zwei Wechselspannung ist immer noch sehr hoch.
Die bisherigen Vorrichtungen zur Messung der elektrischen Kapazität
sind sehr aufwendig und teuer und lassen sich deshalb nicht im häuslichen Bereich
einsetzen.
Alle bekannten Veröffentlichungen gehen von einem Oszillator
aus, der unter allen zulässigen Betriebsbedingungen schwingt.
Aufgabenstellung und Lösung
Ziel war es einen Sensor zu entwickeln der wartungsfrei, zuverlässig,
klein und preisgünstig ist.
Dies wurde erreicht, indem die aufwendige Messung von Wechselspannungen
überflüssig gemacht wurde, durch Nutzung eines Oszillators, der nur eine
endliche, aber einstellbare Entdämpfung zur Verfügung stellt.
Ohne Einschränkung der Patentansprüche zeigt 1
das Prinzip der Messung schematisch.
Je nach volumetrischem Wassergehalt wird zwischen den Elektroden (1a
und 1b) eine unterschiedliche elektrische Kapazität erzeugt. Das elektrische
Netzwerk (2) dämpft je nach Größe der Kapazität zwischen
den Elektroden (1a und 1b) den Oszillator (3) unterschiedlich
stark. Der Oszillator besteht aus einem Parallelschwingkreis (3a und
3b) und dem aktiven Element (3c), das einen negativen Widerstand
hat und somit entdämpfend wirkt. Ist die Dämpfung größer als
der Oszillator entdämpfen kann, so wird keine Schwingung erzeugt. Die Größe
der Entdämpfung des Oszillators wird über die Größe des Versorgungsgleichstroms
in den Oszillator eingestellt.
Die Tatsache, ob eine Schwingung auftritt oder nicht, kann an der
Größe der Versorgungsgleichspannung festgestellt werden.
Die Größe der Versorgungsgleichspannung dient einer Regelschaltung
(4) als Indikator. Diese Schaltung regelt den Versorgungsgleichstrom des
Oszillators so, dass gerade noch eine Schwingung auftritt.
Der Versorgungsgleichstrom in den Oszillator, bei dem die Schwingung
einsetzt, hat eine feste Beziehung zum volumetrischen Wassergehalt.
Das elektrische Netzwerk ist notwendig, um abhängig von der Größe
der elektrischen Kapazität zwischen den Elektroden, die für sich alleine
keine Dämpfung hat, eine Dämpfung des Oszillators zu erzeugen. Ein sehr
einfaches elektrisches Netzwerk ist ein Widerstand (2a) in Reihenschaltung
zum Ausgang des Oszillators und den Elektroden. Dieses elektrische Netzwerk führt
bei großer elektrischer Kapazität zwischen den Elektroden, was einem hohen
volumetrischen Wassergehalt entspricht, zu einer großen Dämpfung des Oszillators.
Es sind jedoch auch andere elektrische Netzwerke möglich, die
auch ein umgekehrtes Verhalten zeigen können.
Zusätzlich kann das elektrische Netzwerk die Temperaturabhängigkeit
der effektiven relativen Dielektrizitätszahl kompensieren. Dies kann zum Beispiel
erreicht werden indem der Widerstand (2a) im elektrischen Netzwerk ebenfalls
eine Temperaturabhängigkeit aufweist.
Die Elektroden bestehen aus zwei parallelen starren Metalldrähten
mit definierter Länge, Durchmesser und Abstand. Die Form der Elektroden ist
so gewählt, damit sie leicht in das Substrat eindringen können.
Das Einstecken der Elektroden in das Substrat stellt für die
Pflanzen ein Risiko zur Verletzung der Wurzeln dar. Die Elektroden sollten zur Verringerung
der Belastung der Pflanze und zur Erhöhung der Zuverlässigkeit nur einmal
in das Substrat gesteckt werden und dann dort verbleiben. Diese Anforderung führt
jedoch dazu, dass jedes Substrat einen eigenen Sensor benötigt, was die Kosten
sehr erhöht.
Die Erhöhung der Kosten wird durch eine weitere Innovation verhindert.
Der Sensor wird in zwei Teile getrennt. Die Teile werden im Weiteren "Sonde" und
"Elektronik" genannt.
Ohne Einschränkung der Patentansprüche zeigt 2
den Aufbau schematisch.
Die Sonde, die in das Substrat bleibend eingesteckt wird, enthält
die zwei Elektroden (1a und 1b) und das elektrische Netzwerk (2)
mit einer Spule (2b). Die Elektronik enthält den Oszillator (3),
die Regelschaltung (4), und eine zweite Spule (3a). Die Spule
der Elektronik wird definiert auf die Spule der Sonde gelegt und damit induktiv
verkoppelt. Über die induktive Verkopplung wird die hochfrequente Schwingung
von der Elektronik auf die Sonde übertragen.
Die Elektronik wird nun nur noch einmal benötigt, und nicht mehr
für jedes zu untersuchende Substrat. Die Sonde ist in Leiterplattentechnik
extrem preisgünstig herstellbar. Der Preis der Elektronik
wird im Wesentlichen durch die Stromversorgung, beziehungsweise durch die Batterie,
sowie durch das Gehäuse bestimmt. Die elektronischen Bauteile haben einen Preis
von nur etwa 0,2 Euro.
Die Spulen werden direkt auf die Leiterplatten der Sonde und der Elektronik
spiralförmig aufgebracht.
Um eine möglichst hohe induktive Kopplung zu erzielen, wird die
Spule der Elektronik beim Aufsetzen auf die Spule der Sonde mechanisch geführt.
Diese mechanische Führung wird besonders elegant erreicht, indem in der Mitte
der Spule der Elektronik ein Loch (9) ist und sich die eine Elektrode genau
in der Mitte der Spule der Sonde befindet, und die Leiterplatte durchsticht. Der
sich daraus ergebende Führungsdraht ist zusätzlich mit einem runden Führungskopf
(7) versehen.
Um die Langlebigkeit der Batterie zu erhöhen, wird die Stromversorgung
nur aktiviert, wenn die Elektronik auf die Sonde gedrückt wird. Dies wurde
sehr einfach gelöst, indem ein Taster durch das Andrücken betätigt
wird.
Ausführungsbeispiele
3 und 4 zeigen verschiedene
Ansichten einer erfindungsgemäßen Sonde (5) aufgebaut auf einer
Leiterplatte (6), die die beiden Elektroden (1a und
1b), einen elektrischen Widerstand (2a), die spiralförmige
Spule (2b) und den Führungskopf (7) beinhaltet. Die Elektroden
werden in das zu analysierende Substrat so tief eingesteckt, bis die Leiterplatte
ein weiteres Eindringen verhindert. Die Leiterplatte der Sonde hat eine Größe
von 20 mm.
5 und 6 zeigen verschiedene
Ansichten einer erfindungsgemäßen Elektronik (8) als Gießanzeiger
im häuslichen Bereich mit der Spule (3a), dem Führungsloch (9),
einem Griff (10) und einer optischen Anzeige (11), die darüber
informiert, ob der Wassergehalt unter ein kritisches Maß gesunken ist.
7 zeigt eine erfindungsgemäße Elektronik
(12) zur exakten Bestimmung des volumetrischen Wassergehalts mit einer
numerischen Anzeige (13).
8 zeigt einen erfindungsgemäßen Sensor (14)
zur Nutzung in automatischen Bewässerungsanlagen mit den Elektroden (1a
und 1b) und einem Anschlusskabel (15) zur Stromversorgung und
Signalisierung.