Gebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft einen Zugmitteltrieb, mit einem Umschlingungsmittel,
wenigstens einem antreibenden rotierenden Bauteil und wenigstens einem angetriebenen
rotierenden Bauteil und einem Schwingungstilger, mit wenigstens einem um eine Drehachse
drehbaren Tilgerkörper und wenigstens einer, auf eine Anregungsfrequenz abgestimmten
Tilgermasse, die bezüglich des Tilgerkörpers in wenigstens einer Ebene
verlagerbar ist, bei deren Verlagerung sich ihr radialer Abstand zur Drehachse verändert.
Hintergrund der Erfindung
Dynamische Systeme, die im Bereich ihrer Eigenfrequenzen angeregt
werden, zeigen generell als Systemantwort erhöhte Schwingungen. Wenn ein System,
etwa ein Teil einer drehenden Maschine, in einem breiten Frequenzspektrum angeregt
wird, so besteht die Gefahr, dass bei ungünstigen Betriebsverhältnissen
Resonanzphänomene auftreten. Bei Brennkraftmaschinen ist dies meist dann der
Fall, wenn Eigenfrequenzen von rotierenden Bauteilen, zum Beispiel des Steuertriebs,
des Aggregatetriebs, der Nockenwelle oder eines Nockenwellenverstellers, mit den
Anregungsfrequenzen der Brennkraftmaschine zusammenfallen. Da die Anregungsfrequenzen
mit der Drehzahl des Motors steigen, durchlaufen sie den gesamten Frequenzbereich,
in dem auch Eigenfrequenzen der erwähnten Komponenten der Brennkraftmaschine
liegen. Dabei kann es sich um Eigenfrequenzen eines Zugmittels im Aggregatetrieb
oder im Steuertrieb handeln, ebenso um Dreheigenfrequenzen der Aggregate oder des
Steuertriebs. Es können sogar solche Freiheitsgrade angeregt werden, die keine
unmittelbare Kopplung mit dem Verbrennungsprozess besitzen, beispielsweise können
Biegeschwingungen einer Fahrzeugkarosserie entstehen, die eine Schallabstrahlung
in den Fahrgastraum und die Umgebung bewirken.
Diese dynamischen Effekte können zu einer erhöhten Belastung
von Zugmitteln führen, daneben kann Schlupf entstehen oder es wird eine Schallabstrahlung
in angrenzende Strukturen erzeugt. Diese dynamischen Belastungen reduzieren außerdem
die Lebensdauer der Bauteile und sind daher unerwünscht. Um diesen Effekten
entgegen zu wirken, hat man bisher aufwändige Gegenmaßnahmen ergriffen
und mechanische und hydraulische Spannsysteme, Freiläufe, Dämpfer oder
Elastriemen eingesetzt. Alle bekannten Maßnahmen weisen jedoch Nachteile auf,
hydraulische Spannsysteme bewirken beispielsweise einen Leistungsverlust, der zu
einem erhöhten Kraftstoffverbrauch führt, andere Maßnahmen führen
zu höheren Kosten.
Schwingungstilger, bei denen eine drehbare Masse beweglich mit Tilgermassen
verbunden ist, sind bereits seit langer Zeit bekannt, beispielsweise wird auf die
CH 175420 oder die GB
379 165 verwiesen. Weitere Schwingungstilger, die für den Einsatz
bei Brennkraftmaschinen vorgesehen sind, sind beispielsweise aus der DE
199 11 564 A1 oder der DE 100 59
101 A1 bekannt. In dem Artikel „Drehzahladaptiver Tilger –
Eine Alternative für die Schwingungsreduzierung?" (ATZ Automobiltechnische
Zeitschrift 103 (2001) 4, S. 290-296) werden verschiedene konstruktive Ausführungen
von Schwingungstilgern für den Antriebsstrang eines Kraftfahrzeugs beschrieben.
Damit die Wirkung des Schwingungstilgers ausreicht, ist eine bestimmte
Tilgermasse erforderlich. Da der zur Verfügung stehende Einbauraum heutzutage
bei Brennkraftmaschinen begrenzt ist, ist die Integration des Schwingungstilgers
in einen Zugmitteltrieb schwierig.
Zusammenfassung der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Zugmitteltrieb anzugeben,
bei dem die Integration eines Schwingungstilgers erleichtert ist.
Zur Lösung dieser Aufgabe ist bei einem Zugmitteltrieb der eingangs
genannten Art erfindungsgemäß vorgesehen, dass der Schwingungstilger wenigstens
zwei Tilgerkörper mit Tilgermassen umfasst, wobei die Tilgerkörper verschiedenen
rotierenden Bauteilen zugeordnet sind.
Durch die erfindungsgemäß vorgesehene Aufteilung der benötigten
Gesamtmasse der Tilgermassen auf mehrere Tilgerkörper kann der Schwingungstilger
auch bei solchen Zugmitteltrieben eingesetzt werden, bei denen der Einbauraum begrenzt
ist. Die beiden einzelnen Tilgerkörper sind jeweils signifikant kleiner als
ein einzelner Tilgerkörper.
Es ist besonders vorteilhaft, wenn ein Tilgerkörper fest mit
dem zugeordneten rotierenden Bauteil verbunden oder einstückig damit ausgebildet
ist. Die Form und der Aufbau des rotierenden Bauteils kann somit genau auf den Tilgerkörper
abgestimmt werden.
Bei dem erfindungsgemäßen Zugmitteltrieb kann es auch vorgesehen
sein, dass der erste Tilgerkörper auf eine erste Anregungsfrequenz und der
zweite Tilgerkörper auf eine zweite Anregungsfrequenz und ein gegebenenfalls
vorhandener weiterer Tilgerkörper auf eine weitere Anregungsfrequenz abgestimmt
ist. Dadurch können mehrere Motorordnungen bei einer Brennkraftmaschine getilgt
werden. Beispielsweise ist bei einem Vierzylindermotor die erste Motorordnung dominierend,
mit dem zweiten Tilgerkörper könnte auch eine Nebenordnung,
zum Beispiel die zweite Motorordnung, getilgt werden. Die Tilgung von Schwingungen
mit zwei oder mehr Frequenzen ist mit einem einzigen Tilgerkörper nicht oder
nur mit einem sehr großen baulichen Aufwand möglich. Durch die erfindungsgemäß
vorgesehene Verwendung von zwei oder mehreren Tilgerkörpern, die jeweils auf
eine bestimmte Anregungsfrequenz abgestimmt sind, ist dies jedoch problemlos möglich.
Dabei kann es auch vorgesehen sein, dass der erste Tilgerkörper
auf eine Frequenz abgestimmt ist, die geringfügig unterhalb einer festgelegten
Anregungsfrequenz einer Schwingungsordnung liegt, wobei der zweite Tilgerkörper
auf eine Frequenz abgestimmt ist, die geringfügig oberhalb der Anregungsfrequenz
liegt. Damit erreicht man eine Vergrößerung der Bandbreite der Schwingungstilgung.
Gleichzeitig wird der Zugmitteltrieb dadurch unempfindlicher gegenüber Verschleiß
und Toleranzen.
Bei dem erfindungsgemäßen Zugmitteltrieb sind die Tilgerkörper,
die Tilgermassen und der radiale Abstand des Tilgermassen zur Drehachse jeweils
derart festgelegt, dass der Schwingungstilger sich wie ein lediglich einen Tilgerkörper
umfassender Schwingungstilger verhält. Dadurch wird die gleiche Wirkung wie
mit einem einzigen herkömmlichen Tilgerkörper erreicht, wobei sich gleichzeitig
die erwähnten Vorteile hinsichtlich des Einbauraums ergeben.
Bei dem erfindungsgemäßen Zugmitteltrieb wird es besonders
bevorzugt, dass der Schwingungstilger in oder an einer Scheibe, einer Riemenscheibe,
einer Rolle eines Aggregats, sowie in oder an einer Nockenwelle, einer Nockenwellenscheibe
oder einen Nockenwellenversteller eingebaut oder angebracht ist. Grundsätzlich
kann der Schwingungstilger an allen rotierenden Bauteilen einer Brennkraftmaschine
ein- oder angebaut sein.
Daneben betrifft die Erfindung einen Zugmitteltrieb, insbesondere
einen Zugmitteltrieb der beschriebenen Art, mit einem Umschlingungsmittel, wenigstens
einem antreibenden rotierenden Bauteil und wenigstens einem angetriebenen rotierenden
Bauteil und einem Schwingungstilger, mit wenigstens einem um eine Drehachse drehbaren
Tilgerkörper und wenigstens einer, auf eine Anregungsfrequenz abgestimmten
Tilgermasse, die bezüglich des Tilgerkörpers in wenigstens einer Ebene
verlagerbar ist, bei deren Verlagerung sich ihr radialer Abstand zur Drehachse verändert.
Bei dem erfindungsgemäßen Zugmitteltrieb ist das Umschlingungsmittel
als Elastriemen ausgebildet.
Elastriemen, die an sich bekannt sind, übernehmen sowohl die
Funktion des Riemens als auch die Funktion einer Spanneinrichtung. Dadurch kann
auf eine herkömmliche Spanneinrichtung verzichtet werden, wodurch sich beträchtliche
Kostenvorteile ergeben.
Bei dem erfindungsgemäßen Zugmitteltrieb wird es besonders
bevorzugt, dass das Produkt des Elastizitätsmoduls und der Querschnittsfläche
des Elastriemens 10.000 N bis 150.000 N, insbesondere 20.000 N bis 120.000 N, beträgt.
Der erfindungsgemäße Zugmitteltrieb kann Bestandteil eines
Antriebsstrangs, eines Aggregatetriebs oder eines Steuertriebs einer Brennkraftmaschine
sein, wobei der Zugmitteltrieb vorzugsweise keine separate Spanneinrichtung aufweist
und die Erzeugung der Spannung im Wesentlichen allein durch den Elastriemen erfolgt.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung werden nachfolgend
anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf die Figuren beschrieben.
Die Figuren sind schematische Darstellungen und zeigen:
1 einen herkömmlichen Zugmitteltrieb mit einem
Schwingungstilger;
2 einen erfindungsgemäßen Zugmitteltrieb
mit zwei separaten Tilgerkörpern; und
3 einen erfindungsgemäßen Zugmitteltrieb
mit einem Elastriemen.
1 zeigt einen herkömmlichen Zugmitteltrieb mit
einem Schwingungstilger.
Der Zugmitteltrieb 1 umfasst eine antreibende Rolle
2 sowie mehrere angetriebene Rollen. Eine angetriebene Rolle
3 ist mit dem Generator einer Brennkraftmaschine verbunden. Eine weitere
Rolle 4 ist mit der Wasserpumpe verbunden. Eine Umlenkrolle 11
wird durch ein schematisch dargestelltes Spannelement 5 beaufschlagt, um
in dem Zugmitteltrieb 1, dessen Komponenten über einen Riemen
6 miteinander verbunden sind, die erforderliche Spannung zu erzeugen. An
der Rolle 3 ist ein Schwingungstilger 7 angebracht, der lediglich
schematisch dargestellt ist und in seinem Inneren bewegliche Tilgermassen aufweist,
deren Abstand zur Drehachse sich in Abhängigkeit der Umdrehungsgeschwindigkeit
ändert. Die Tilgermassen sind auf eine bestimmte Drehzahl und damit auf eine
bestimmte Schwingungsfrequenz abgestimmt. Bei einer unerwünschten Drehzahländerung
verändert sich der radiale Abstand der Tilgermassen zur Drehachse, sodass die
störende Schwingung getilgt wird. Wie in 1 gezeigt
ist, benötigt der Schwingungstilger 7 allerdings einen großen
Einbauraum.
2 zeigt einen erfindungsgemäßen Zugmitteltrieb
mit zwei separaten Tilgerkörpern.
Der Zugmitteltrieb 8 umfasst in Übereinstimmung mit
dem in 1 gezeigten Zugmitteltrieb eine antreibende
Rolle 2 und weitere Rollen bzw. Scheiben, die über den Riemen
6 miteinander verbunden sind. An der mit dem Generator verbundenen Rolle
3 ist ein Schwingungstilger mit einem Tilgerkörper 9 angeordnet,
ein weiterer Tilgerkörper 10 ist mit der Rolle 4 verbunden,
die mit der Wasserpumpe der Brennkraftmaschine gekoppelt ist. Wie in den
1 und 2 zu sehen ist,
sind die Tilgerkörper 9, 10 kleiner als der einzelne Tilgerkörper
des Schwingungstilgers 7, sodass diese auch bei beengten Platzverhältnissen
im Motorraum eines Kraftfahrzeugs einfacher integriert werden können. Die beiden
Tilgerkörper 9, 10 besitzen nicht näher dargestellte
Tilgermassen, die unerwünschte Schwingungen tilgen. Dabei sind die Tilgerkörper,
die Tilgermassen sowie die Abstände der Tilgermassen zur Drehachse so gewählt,
dass die beiden Tilgerkörper 9, 10 dieselbe Wirkung wie der
einzelne Schwingungstilger 7 erzielen.
Bei alternativen Ausgestaltungen können die Tilgerkörper
9, 10 auch so ausgebildet sein, dass ein Tilgerkörper auf
eine Frequenz abgestimmt ist, die etwas niedriger als die Anregungsfrequenz ist,
der andere Tilgerkörper kann auf eine etwas höhere Frequenz abgestimmt
sein. In diesem Fall ist die Bandbreite der getilgten Schwingungen größer,
die Tilgerwirkung ist dann auch bei größeren Bautoleranzen sowie beim
Vorliegen von Verschleiß sichergestellt.
Es sind auch andere Abwandlungen möglich, bei denen die Tilgerkörper
9, 10 jeweils auf eine separate Anregungsfrequenz abgestimmt sind.
Der erste Tilgerkörper kann auf die erste Motorordnung der Brennkraftmaschine
abgestimmt sein, der zweite Tilgerkörper kann auf die zweite Motorordnung abgestimmt
sein.
3 zeigt einen Zugmitteltrieb mit einem Elastriemen.
Der Zugmitteltrieb 12 umfasst eine antreibende Rolle
13, die mit der Kurbelwelle einer Brennkraftmaschine verbunden ist, mehrere
angetriebene Rollen, wobei eine Rolle 14 mit einer Klimaanlage, eine Rolle
15 mit einem Generator, eine Rolle 16 mit einer Wasserpumpe verbunden
und eine Rolle 17 als Umlenkrolle ausgebildet ist. Die einzelnen Komponenten
des Zugmitteltriebs 12 sind über einen Elastriemen 18 miteinander
verbunden. Wesentlich ist dabei, dass der Zugmitteltrieb 12 kein separates
Spannelement wie einen Federspanner oder einen hydraulischen Spanner benötigt.
Die erforderliche Riemenkraft und Riemenspannung wird allein durch den Elastriemen
18 erzeugt. Das Produkt aus der Querschnittsfläche des Elastriemens
und seinem Elastizitätsmodul beträgt typischerweise 20.000 N bis 120.000
N. Die Umlenkrolle 17 und die mit dem Generator verbundene Rolle
15 weisen jeweils einen Tilgerkörper 19, 20 auf.
Der Aufbau und die Wirkung der Tilgerkörper 19, 20 entspricht
den in 2 dargestellten Tilgerkörpern
9, 10.
- 1
- Zugmitteltrieb
- 2
- Rolle
- 3
- Rolle
- 4
- Rolle
- 5
- Spannelement
- 6
- Riemen
- 7
- Schwingungstilger
- 8
- Zugmitteltrieb
- 9
- Tilgerkörper
- 10
- Tilgerkörper
- 11
- Umlenkrolle
- 12
- Zugmitteltrieb
- 13
- Rolle
- 14
- Rolle
- 15
- Rolle
- 16
- Rolle
- 17
- Rolle
- 18
- Elastriemen
- 19
- Tilgerkörper
- 20
- Tilgerkörper