Stand der Technik
Die Erfindung geht aus von einem Verfahren zum Vorwärmen von
Kraftstoff nach der Gattung des unabhängigen Anspruchs 1.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind auch ein Computerprogramm
gemäß Anspruch 9 sowie ein Computerprogrammprodukt gemäß Anspruch
10.
Die Einhaltung von Schadstoff- und Geräuschemissionsgrenzwerten
ist bei der Entwicklung von Verbrennungsmotoren von entscheidender Bedeutung. Die
Gemischbildung beeinflusst sowohl die Entstehung von Schadstoff als auch die bei
der Verbrennung entstehenden Verbrennungsgeräusche.
Zur Reduktion der Schadstoff- und Geräuschemission sind Verfahren
und Vorrichtungen zum Vorwärmen des Kraftstoffs vor der Einspritzung bekannt.
Durch eine solche Vorwärmung wird die Verdunstung des flüssigen Kraftstoffs
beschleunigt. Dies führt im Falle einer Saugrohreinspritzung zu wesentlich
geringeren Kohlenwasserstoffemissionen. Derartige Vorrichtungen und Verfahren sind
beispielsweise aus der WO 00/50763 sowie aus der US 2001/0040187 bekannt.
Bei atmosphärischen oder geringen Gegendrücken, wie sie
im Saugrohr oder im Abgastrakt von Verbrennungsmotoren existieren, kann zudem ein
so genannter „Flash-Boiling"-Effekt ausgenutzt werden, wie es beispielweise
in der US 2004/0154287 offenbart ist. Hierbei wird der Brennstoff unter Druck überhitzt.
Während der Einspritzung siedet der Kraftstoff spontan und es kommt zu einer
extremen Feinzerstäubung des Kraftstoffs. Dieser Effekt tritt allerdings nur
bei geringen Gegendrücken auf. Bei einer Direkteinspritzung ist jedoch im Gegensatz
beispielsweise zur Saugrohreinspritzung mit hohen Gegendrücken zu rechnen.
Ein Sieden des Kraftstoffs ist hierbei nicht möglich, da der kritische Druck
des Kraftstoffs bei diesen Druckverhältnissen überschritten ist. In diesem
Fall tritt eine Tropfenverdunstung auf. Nur bei überkritischen Kraftstofftemperaturen
findet ein nahezu spontaner Phasenübergang statt. Aus diesem Grunde müsste
der Kraftstoff auf eine überkritische Temperatur vorgewärmt werden, wie
dies beispielsweise in der EP 0790395 A2
beschrieben ist. Eine solche Aufwärmung auf eine überkritische Temperatur
ist sowohl aufgrund des hohen Energiebedarfs als auch aus materialtechnischer Sicht
nicht möglich. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die meisten Kraftstoffsorten
bei derart hohen Temperaturen gecrackt werden, das heißt chemische Umwandlungsprozesse
stattfinden. Dies führt innerhalb des Einspritzsystems von Verbrennungsmotoren
zu Funktionsstörungen und zu Verschleiß.
Die Bestimmung der Vorwärmtemperatur auf die oben beschriebene
Weise kann beispielsweise mit Hilfe eines Computerprogramms erfolgen, das in einem
Steuergerät einer Brennkraftmaschine implementiert ist.
Offenbarung der Erfindung
Vorteile der Erfindung
Das erfindungsgemäße Verfahren mit den Merkmalen des unabhängigen
Anspruchs hat demgegenüber den Vorteil, dass durch die Aufwärmung des
Kraftstoffs auf eine der Gleichgewichtstemperatur im Wesentlichen entsprechende
Vorwärmtemperatur ein Optimum zwischen thermischer Energie, die dem Kraftstoff
zugeführt werden muss und einer Verkürzung der Verdunstungszeit realisierbar
ist. Die der Gleichgewichtstemperatur entsprechende Vorwärmtemperatur des Kraftstoffs
wird dabei mit Hilfe von Zustandsgleichungen für einen gewissen Kraftstofftyp
auf nachfolgend beschriebene Weise bestimmt, wobei unter Gleichgewicht hier ein
Energiegleichgewicht der Tropfen zu verstehen ist, in dem der Kraftstofftropfen
zugeführte Wärmestrom genau so groß ist wie der abdampfende Energiestrom.
Eine Abweichung von der Gleichgewichtstemperatur würde bei einem
Unterschreiten zu einer starken Zunahme der Tropfenverdunstungszeit führen,
während der zusätzliche Nutzen bei einem Überschreiten der Gleichgewichtstemperatur
verhältnismäßig gering wäre. Durch die gezielte Aufheizung des
Kraftstoffs auf eine der Gleichgewichtstemperatur im Wesentlichen entsprechende
Vorwärmtemperatur wird die Tropfenverdunstungszeit jedoch stark reduziert.
Dies ist insbesondere bei einer Direkteinspritzung des Kraftstoffs von großem
Vorteil, da hierdurch eine schnelle und intensive Gemischbildung stattfindet. Weiterhin
ist vorteilhaft, dass die vorgewärmten Kraftstofftropfen zu einer geringeren
lokalen Abkühlung der Gasphase führen als das bei aus dem Stand der Technik
bekannten Verfahren innerhalb des Kraftstoffstrahls beobachtet werden kann. Hierdurch
wird nicht nur die Verdunstung, sondern auch der Reaktionsfortschritt und der Reaktionsbeginn
begünstigt. Generell wird durch das Vorwärmen des Kraftstoffs auf eine
der Gleichgewichtstemperatur im Wesentlichen entsprechende Vorwärmtemperatur
eine schnellere Homogenisierung des Kraftstoffgemischs realisiert, die einen verminderten
Rußausstoß und eine verminderte Stickoxidbildung zur Folge hat. Bei selbstzündenden
Brennkraftmaschinen wird darüber hinaus das Verbrennungsgeräusch durch
Verkürzung des Zündverzugs wesentlich reduziert.
Vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens sind Gegenstand der auf
den unabhängigen Anspruch rückbezogenen Unteransprüche.
So wird die Vorwärmtemperatur zweckmäßigerweise abhängig
von dem im Brennraum herrschenden Druck und der im Brennraum herrschenden Temperatur
bestimmt.
Da der Brennraumdruck und die Brennraumtemperatur von dem Einspritzzeitraum
und der Kühlwassertemperatur maßgeblich beeinflusst werden, sieht eine
vorteilhafte Ausführungsform vor, die Vorwärmtemperatur abhängig
von dem Einspritzzeitpunkt und der Kühlwassertemperatur zu bestimmen.
Sofern ein Abgasrückführsystem vorgesehen ist, wie dies
beispielsweise bei direkteinspritzenden, selbstzündenden Verbrennungsmotoren
der Fall ist, sieht eine vorteilhafte Ausführungsform vor, die Vorwärmtemperatur
auch abhängig von der Abgasrückführrate zu bestimmen.
Sofern der Verbrennungsmotor des Weiteren aufgeladen ist, beispielsweise
durch einen Turbolader oder einen Kompressor, wird zweckmäßigerweise die
Vorwärmtemperatur auch abhängig von dem Ladedruck und der Ladelufttemperatur
bestimmt.
Abhängig von diesen Größen bestimmen bedeutet dabei,
dass die Vorwärmtemperatur als Funktion dieser an sich bekannten und in einem
Steuergerät des Verbrennungsmotors verarbeiteten Größen bestimmt
wird.
Die Aufwärmung des Kraftstoffs kann durch eine ansteuerbare Heizeinrichtung
in der Kraftstoffeinspritzdüse, dem Injektor und/oder durch einen in der Kraftstoffzuführung
angeordneten Wärmetauscher und/oder durch Wärmeleitung, beispielsweise
an heißen Teilen des Verbrennungsmotors erfolgen. Dabei kann beispielsweise
vorgesehen sein, nur eine gewisse Grundenergiemenge aus der Abluft des Verbrennungsmotors
zu entnehmen und eine kleine, regelbare Energiemenge über die Heizungseinrichtung
in der Einspritzdüse dem Kraftstoff zuzuführen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt
und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
Es zeigen:
1 schematisch eine Kraftstoffzuführung, bei der
das erfindungsgemäße Verfahren zum Einsatz kommt;
2 die Tropfenoberfläche über der Zeit bei
nicht vorgeheiztem Kraftstoff und bei gemäß dem erfindungsgemäßen
Verfahren vorgeheiztem Kraftstoff und
3 die Tropfentemperatur über der Zeit bei nicht
vorgewärmtem Kraftstoff und bei nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
vorgeheiztem Kraftstoff.
Ausführungsformen der Erfindung
In 1 ist schematisch ein Brennraum
110 eines Verbrennungsmotors dargestellt. In diesem Brennraum
110 bewegt sich ein Kolben 120 auf an sich bekannte Weise auf
und ab.
In den Brennraum 110 mündet ein Einspritzventil
130, beispielsweise ein Injektor zum Einspritzen von Diesel-Kraftstoff
im Falle eines Dieselmotors oder Benzin im Falle eines Ottomotors. Das Einspritzventil
130 weist eine elektrische Heizung 135 auf, mit der Kraftstoff,
der in einer Kraftstoffzuführung 140, beispielsweise in Form einer
Kraftstoffleitung fließt, erwärmt werden kann. Des Weiteren ist in der
Kraftstoffzuführung 140 ein Wärmetauscher 150 angeordnet,
durch den der Kraftstoff ebenfalls erwärmt werden kann.
Bei einer Direkteinspritzung wird Kraftstoff unter hohem Druck in
den Brennraum 110 eingespritzt. Dabei wird der Kraftstoffstrahl bei Verlassen
der Einspritzdüse 130 in sehr feine Tropfen zerstäubt. Die Haupteinspritzung
erfolgt dabei typischerweise in der Nähe des oberen Totpunktes. Somit herrschen
innerhalb des Zylinders, das heißt im Brennraum 110 hohe Drücke
und Temperaturen. In dieser heißen Umgebung wird den Tropfen Wärmeenergie
zugeführt. Dieses führt zu einer Verdunstung der Tropfen. Dabei findet
zunächst am Anfang eine starke Aufheizung der Tropfen statt. Während dieser
Zeit spielt die Verdunstung nur eine untergeordnete Rolle. In dieser Zeit nimmt
die Tropfenoberfläche kontinuierlich zu. Erst nach einer gewissen Zeit setzt
eine immer schneller werdende Verdunstung ein, bis die Tropfen ein Energiegleichgewicht
erreicht haben. Der zugeführte Wärmestrom ist dann genauso groß,
wie der durch Verdampfung abfließende Energiestrom. In dieser Phase bleibt
die Tropfentemperatur konstant (3).
Der Grundgedanke der Erfindung liegt nun darin, den Kraftstoff schon
vor der Einspritzung auf die Gleichgewichtstemperatur zu erwärmen. Die Aufheizung
findet dabei beispielsweise durch die Heizung 135 in dem Einspritzventil
130 statt und/oder mittels des Wärmetauschers 150 in der
Kraftstoffzuführung 140. Denkbar ist auch die Aufheizung durch eine
Wärmeleitung an heißen Motorteilen. In diesem Falle ist die Kraftstoffzuführung
140 in direktem Wärmekontakt mit den heißen Teilen des Verbrennungsmotors
angeordnet. Dies ist in 1 schematisch durch Pfeile
170 dargestellt, durch die angedeutet ist, dass die Kraftstoffzuführung
140 benachbart beispielsweise zum Brennraum 110 verläuft,
wodurch die von dem Brennraum 110 abgegebene, beispielsweise abgestrahlte
Wärmeenergie von der Kraftstoffzuführung 140 absorbiert wird.
Auch eine Kombination ist denkbar, bei der nur eine gewisse Grundenergiemenge aus
der Abwärme des Verbrennungsmotors entnommen wird und eine kleine, regelbare
Energiemenge über die in dem Einspritzventil 130 angeordnete Heizung
135 zugeführt wird (1).
Die der Gleichgewichtstemperatur entsprechende Vorwärmtemperatur
des Kraftstoffs wird mit Hilfe von Zustandsgleichungen für einen gewissen Kraftstofftyp
als Funktion des Drucks und der Temperatur bestimmt, die der Tropfen im Brennraum
110 gewissermaßen vorfindet, also in Abhängigkeit von dem Brennraumdruck
und der Brennraumtemperatur. Die thermodynamische Beschreibung und Berechnung der
Tropfenverdunstung ist an sich bekannt und geht beispielsweise aus der Veröffentlichung
Sirignano, W. A. (1999): „Fluid Dynamics and Transportation of Droplets and
Sprays", Cambridge University Press und aus der Veröffentlichung Burger, M.,
Schmehl, R., Prommersberger, K., Schäfer, O., Koch R. und Wittig, S. (2003):
Droplet evaporation modeling by the distillation curve model: accounting for kerosene
fuel and elevated pressures", International Journal of Heat and Mass Transfer, Bd.
46, S. 4403–4412 hervor, auf die vorliegend Bezug genommen wird.
Die Bestimmung der der Gleichgewichtstemperatur im Wesentlichen entsprechenden
Vorwärmtemperatur erfolgt dabei also in Abhängigkeit von dem im Brennraum
110 herrschenden Druck und von der im Brennraum 110 herrschenden
Temperatur. Da diese Größen von dem Einspritzzeitpunkt und von der Kühlwassertemperatur
bestimmt werden, erfolgt die Bestimmung der Vorwärmtemperatur abhängig,
das heißt als Funktion des Einspritzzeitpunkts ti und beispielsweise
der Kühlwassertemperatur &thgr;C, mit dem der Verbrennungsmotor
gekühlt wird. Wenn eine Abgasrückführung existiert, beispielsweise
bei Diesel-Brennkraftmaschinen kann die Gleichgewichtstemperatur darüber hinaus
auch noch abhängig von der Abgasrückführrate AGR bestimmt werden.
Im Falle eines aufgeladenen Motors, erfolgt die Bestimmung der Vorwärmtemperatur
ferner vorteilhafterweise auch abhängig von dem Ladedruck pL und
der Ladelufttemperatur &thgr;L. Die der Gleichgewichtstemperatur im
Wesentlichen entsprechende Vorwärmtemperatur wird dabei in einem Steuergerät
200 bestimmt, welches sowohl die Heizung 135 als auch den Wärmetauscher
150 ansteuert. Das vorbeschriebene Verfahren kann beispielsweise durch
ein Computerprogramm realisiert werden, welches in dem Steuergerät
200 implementiert ist. Hierzu kann ein Computerprogrammprodukt mit einem
Programmcode vorgesehen sein, der beispielsweise auf einem maschinenlesbaren Träger
gespeichert ist.
In 2 und 3
ist der Oberflächen- und Temperaturverlauf eines verdunstenden Tropfens schematisch
dargestellt. Dabei sind die Verläufe für reinen Kraftstoff (durchgezogene
Linien 200, 210, 300, 310) sowie für ein
Kraftstoffgemisch (unterbrochene Linien 205, 215, 305,
315) dargestellt. Ohne eine Vorwärmung des Kraftstoffs setzt die Verdunstung
durch den hohen Brennraumdruck stark verzögert ein, wie dies anhand der Verläufe
200, 205 ersichtlich ist. Es vergeht eine mit I bezeichnete Zeitspanne,
bis eine Aufheizung stattgefunden hat und sich ein thermisches Gleichgewicht einstellt
(Zeitintervall II in 2 und 3).
Wird der Kraftstoff jedoch vor der Einspritzung auf eine der Gleichgewichtstemperatur
im Wesentlichen entsprechende Vorwärmtemperatur vorgewärmt, setzt die
Tropfenverdunstung sofort ein, wie dies anhand der Kurvenverläufe
210, 215, 310, 315 ersichtlich ist. Die Tropfenverdunstungszeit
wird auf diese Weise signifikant reduziert. Zwar kann rein prinzipiell auch nach
Erreichen des thermodynamischen Gleichgewichts noch ein Temperaturanstieg stattfinden,
weil Kraftstoffe wie Benzin und Diesel sich aus Hunderten von chemisch reinen Stoffen
zusammensetzen und während der Verdunstung eine Destillation im Kraftstofftropfen
stattfindet. Leicht flüchtige Bestandteile verdunsten dabei in einem frühen
Stadium, schwer flüchtige Bestandteile verbleiben länger im Tropfen, wodurch
sich die Stoffeigenschaften des Gemisches ändern. Das vorstehende Verfahren
ist jedoch bei beliebigen Kraftstoffsorten anwendbar.
In 2 und 3
sind schematisch Tropfenoberflächen O und die Tropfentemperatur Temp über
der Zeit dargestellt. Die Kurvenverläufe 200, 205 bzw.
300, 305 sind dabei Temperaturverläufe von reinem Kraftstoff
(200, 300) bzw. einem Kraftstoffgemisch (205,
305). Wie den Kurven 200, 205 bzw. 300,
305 zu entnehmen ist, findet ohne Vorwärmung des Kraftstoffs zunächst
eine Aufheizung des Kraftstoffs in dem Zeit-Intervall I statt, bis der Kraftstoff
in dem Zeit-Intervall II seine Gleichgewichtstemperatur erreicht hat, der Kraftstoff
sich also in einem Energiegleichgewicht befindet, in dem der zugeführte Wärmestrom
genau so groß ist wie der abdampfende Energiestrom. In diesem Falle ändert
sich die Temperatur, wie der 3 zu entnehmen ist, nicht
mehr. Der Beginn dieses Zeitintervalls ist in 2 durch
einen Punkt 240 und in 3 durch einen Punkt
340 dargestellt. Im Gegensatz dazu befindet sich der auf Gleichgewichtstemperatur
vorgewärmte Kraftstoff bereits auf einer solchen Temperatur (Kurvenverläufe
210, 215, 310, 315). Die Tropfenverdunstungszeit
wird signifikant reduziert, wodurch die Verbrennung und das Abgasverhalten deutlich
verbessert werden.