Die Erfindung geht aus von einer Prüfvorrichtung nach der Gattung
des Patentanspruchs 1.
Eine derartige Prüfvorrichtung ist beispielsweise durch den „Kontaktstifte
Katalog 2001/2002" der Fa. INGUN bekannt geworden.
Derzeit werden im Automotive-Bereich in elektrischen Steckverbindungen
Kontaktsysteme eingesetzt, bei denen die einzelnen Kontakte (Kontaktkörper)
irr einem ersten Arbeitsschritt an die elektrischen Leitungen angeschlagen werden
und in einem zweiten Arbeitsschritt in den Kontaktkammern der Stecker verrastet
werden. Hierbei kommen unter anderem so genannte Clean-Body-Kontakte zum Einsatz,
bei denen Elemente der Kontaktkammer in Aussparungen bzw. Hinterschneidungen der
Kontakte federn und auf diese Weise die Kontakte verrasten. Ein spezieller Clean-Body-Verrastungstyp
ist dadurch gekennzeichnet, dass der Verrastungsarm in Höhe der Kontaktschulter
an der Kontaktkammerwand angebunden ist und mit seinem Rasthaken in einen Kontakthinterschnitt
in der Nähe der Kontaktöffnung eingreift. Der Verrastungsarm wächst
quasi in Einsteckrichtung des Kontakts und wird im Haltefall im Wesentlichen axial
auf Druck beansprucht. Auf diese Weise ist der Kontakt am Ende des Bestückungsvorgangs
sicher in der Kontaktkammer gehalten. Es sind auch Kontaktsysteme bekannt, bei denen
mehrere dieser Rasthaken gleichzeitig an einem Kontakt in Eingriff gebracht werden.
Zur Erhöhung der Funktionssicherheit der Steckverbindungen wird mittlerweile
seitens der Kunden gefordert, die korrekte Verrastung der Rasthaken sicherzustellen,
indem nach der Montage der Kontakte die Position der Verrastungsarme abgefragt wird.
Für den oben beschriebenen Verrastungstyp sind hierfür bereits so genannte
"Spacer"-Elemente aus Kunststoff bekannt, die vom Steckergesicht her zwischen die
Rücken der Verrastungsarme und die dahinter liegende Wand oder vergleichbare
Strukturen, d.h. in den rückseitigen Auslenkbereich des Verrastungsarms, eingeschoben
werden. Wenn ein Verrastungsarm sich nicht in der korrekten Endlage befindet, z.B.
weil er nicht vollständig in den Kontakt eingerastet ist, wird das Spacerelement
blockiert, und der Bestückungszustand des Kontaktes muss kontrolliert werden.
Ein genereller Nachteil solcher Spacerelemente ist, dass für
die Überprüfung der Rasthaken ein zusätzliches Teil in den Steckverbindungen
verbaut werden muss, was Mehrkosten der Gesamtsteckverbindung bedeutet. Darüber
hinaus wird der konstruktive Gestaltungsfreiraum für die Steckverbindung eingeschränkt,
wenn ein solches Spacerelement in dem Stecker untergebracht, vorverrastet und endverrastet
werden muss.
Ergänzend zu den oben beschriebenen Spacerelementen, also der
mechanischen Überprüfung der korrekten Endlage der Verrastungsarme, gehören
mittlerweile elektrische Endprüfungen der fertig konfektionierten Kabelbäume
zum technischen Standard. Hierbei werden in der Regel die elektrischen Kontakte
mit meist federnd gelagerten, als elektrische Prüfspitze ausgebildeten Prüfelementen
vorsichtig kontaktiert, um die korrekte Zuordnung der Kontakte im Gesamtkabelbaum
zu überprüfen.
Offenbarung der Erfindung
Technische Aufgabe
Es ist die Aufgabe der Erfindung, bei einem Kontaktgehäuse mit
darin verrasteten Kontakten die korrekte Verrastung der Kontakte auch ohne eingebaute
Spacerelemente möglichst kostengünstig überprüfen zu können.
Technische Lösung
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine
Prüfvorrichtung mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 und durch ein Prüfverfahren
mit den Merkmalen des Patentanspruchs 9.
Vorteilhafte Wirkungen
Erfindungsgemäß wird vorgeschlagen, auf die bisher verwendeten,
verbauten Spacerelemente vollständig zu verzichten und stattdessen neben dem
elektrischen Prüfelement (Prüfspitze) am Prüfadapter ein Spacerelement
als mechanisches Abfrageelement vorzusehen, das hinsichtlich seiner Wirkgeometrie
und seiner Position der Wirkkontur eines verbauten Spacerelements entspricht. Während
der elektrischen Endprüfung wird dieses Spacerelement zusammen mit dem elektrischen
Prüfelement vorsichtig in das Steckergesicht eingeführt. Durch die mechanische
Kopplung des mechanischen Spacerelements mit dem elektrischen Prüfelement in
einem Prüfadapter kann erreicht werden, dass das Prüfelement nur dann
in den Prüfbereich gelangt, wenn vorher das Spacerelement ungehindert in den
Bereich zwischen dem Verrastungsarm und der dahinter liegenden Wand, d.h. in den
rückseitigen Auslenkungsbereich des Verrastungsarms, eingeschoben werden konnte,
wenn sich also der Verrastungsarm in der korrekten Verrastungslage befunden hat.
Steht der Verrastungsarm hingegen in einer zwangsweise ausgelenken Position, z.B.
infolge eines unvollständig bestückten Kontaktes, so blockiert er den
Weg des mechanischen Spacerelements und damit den Weg des Prüfadapters. Infolgedessen
gelangt das elektrische Prüfelement nicht in den Prüfbereich, und die
elektrische Verbindung zwischen Kontakt und elektrischen Prüfelement kommt
nicht zustande. Auf diese Weise wird ein Fehler angezeigt. Mit dieser Kombination
von mechanischer Abtastung mittels des Spacerelements und von elektrischer Kontaktierung
mittels des Prüfelements können prinzipiell drei Zustände abgefragt
werden:
- 1. Bei nicht blockierter mechanischer Abtastung und erfolgreicher elektrischer
Prüfkontaktierung wird die Primärverrastung des Kontakts als „korrekt"
erkannt.
- 2. Bei blockierter mechanischer Abtastung und nicht erfolgreicher elektrischer
Prüfkontaktierung wird die Primärverrastung des Kontakts als „nicht
korrekt" erkannt.
- 3. Bei nicht blockierter mechanischer Abtastung und nicht erfolgreicher elektrischer
Prüfkontaktierung wird die Primärverrastung des Kontakts als „nicht
korrekt" erkannt.
Erfindungsgemäß kann auf verbaute Spacerelemente verzichtet
werden, wodurch die Kosten der Gesamtsteckverbindung reduziert werden und konstruktiver
Gestaltungsfreiraum im Steckerdesign gewonnen wird.
Des Weiteren sind auch technische Lösungen denkbar, bei denen
die mechanische Abtastung der korrekten Verrastungsarmposition und die elektrische
Prüfung sowohl mechanisch als auch zeitlich entkoppelt werden. Kern der Erfindung
ist jedoch auch hier, dass die mechanische Abtastung des Verrastungsarms nur in
der Prüfeinrichtung erfolgt und keine zusätzlichen Spacerelemente für
jede Kontaktkammer verbaut werden müssen.
Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausgestaltungen des Gegenstands
der Erfindung sind der Beschreibung, der Zeichnung und den Ansprüchen entnehmbar.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Zwei Ausführungsbeispiele der erfindungsgemäßen Prüfvorrichtung
sind in den Zeichnungen dargestellt und in der nachfolgenden Beschreibung näher
erläutert. Es zeigen:
1 eine erste Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Prüfvorrichtung bei korrekt und fehlerhaft primärverrasteten Kontakten
in einem Längsschnitt; und
2 eine zweite Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Prüfvorrichtung korrekt und fehlerhaft primärverrasteten Kontakten in
einem Längsschnitt.
Ausführungsformen der Erfindung
Das in 1 gezeigte Kontaktgehäuse
1 für eine elektrische Steckverbindung umfasst neun nebeneinander
angeordnete Reihen a-i von Kontaktkammern 2 zum Aufnehmen jeweils eines
in die Kontaktkammer 2 durch eine Bestückungsöffnung
3 einsteckbaren Kontaktkörpers (Kontakt) 4, jeweils einen
Verrastungsarm 5 zur Primärverrastung des bis in seine Endposition
in die Kontaktkammer 2 eingeschobenen Kontaktkörpers 4 und
jeweils ein quer zur Einsteckrichtung 6 des Kontaktkörpers
4 zwischen zwei benachbarten Kontaktkammern 2 verschiebbar geführtes
Verriegelungselement (nicht gezeigt) zur Sekundärverriegelung des in der Kontaktkammer
2 primär verrasteten Kontaktkörpers 4.
Der Kontaktkörper 4 weist einen Crimpbereich (Klemmbereich)
7 auf, mit dem ein Abschnitt einer elektrischen Leitung 8 fest
verbunden ist, und hat ohne den Crimpbereich 7 einen rechteckigen Querschnitt.
In einer Seitenwand des Kontaktkörpers 4 ist eine Rastaussparung
9 vorgesehen.
Der Verrastungsarm 5 ist integral mit dem Kontaktgehäuse
1 gebildet und bildet die in 1 linke Kammerwand
der Kontaktkammer 2. Die rechte Kammerwand der Kontaktkammer
2 ist durch eine feststehende Trennwand 10 des Kontaktgehäuses
1 gebildet. Der Verrastungsarm 5 erstreckt sich in Einsteckrichtung
6 und weist an seinem elastisch auslenkbaren freien Ende einen Rasthaken
11 auf, der seitlich in die Kontaktkammer 2 hineinragt. Auf der
der Bestückungsöffnung 3 gegenüberliegenden Seite weist
das Kontaktgehäuse 1 eine Kontaktöffnung 12, durch die
ein Gegenstecker (Pin oder Messer) des Kontaktkörpers 4 zwischen zwei
federnde Kontaktlamellen 13 des Kontaktkörpers 4 eingeführt
werden kann, und seitlich neben der Kontaktöffnung 12 eine Zugangsöffnung
14 auf.
Das Bestücken des Kontaktgehäuses 1 mit Kontaktkörpern
4 wird im Folgenden anhand der Reihen a bis d beschrieben, die jeweils
den zeitlichen Fortgang des Bestückungsvorgangs darstellen:
Der Kontaktkörper 4 befindet sich in Reihe a in seiner zum Einstecken
in das Kontaktgehäuse 1 ausgerichteten Lage und ist in Reihe b durch
die Bestückungsöffnung 3 in die Kontaktkammer 2 eingeführt.
In Reihe c ist der Kontaktkörper 4 durch weiteres Einstecken auf den
Rasthaken 11 aufgelaufen, wodurch der Verrastungsarm 5 elastisch
ausgelenkt wird, bis durch weiteres Einstecken des Rasthakens 11 schließlich
in der Endposition des Kontaktkörpers 4 in dessen Rastaussparung
9 eingreift bzw. einrastet (Reihe d).
Mit einem Prüfadapter 20, der ein stiftförmiges
Spacerelement (Abtastspitze) 21 und ein stiftförmiges Prüfelement
(Prüfspitze) 22 aufweist, wird die korrekte Primärverrastung
der Kontaktkörper 4 überprüft. Die beiden Elemente
21, 22 verlaufen parallel nebeneinander, wobei das Spacerelement
21 über das Prüfelement 22 vorsteht. Das Kontaktgehäuse
1, der Kontaktkörper 4 und der Prüfadapter
20 bilden zusammen die insgesamt mit 30 bezeichnete
Prüfvorrichtung. In dem in 1 gezeigten Ausführungsbeispiel
entspricht der Abstand zwischen Spacerelement 21 und Prüfelement
22 etwa der maximalen Auslenkung des Verrastungsarms 5 beim Einstecken
des Kontaktkörpers 4 in die Kontaktkammer 2.
Im Folgenden wird das Prüfen der korrekten Primärverrastung
der Kontaktkörper 4 in ihren Kontaktkammern 2 anhand der
Reihen e bis i beschrieben, die jeweils den zeitlichen Fortgang des Prüfvorgangs
darstellen:
Der Prüfadapter 20 befindet sich in Reihe e in seiner zum Einstecken
(Steckrichtung 23) in die Zugangsöffnung 14 ausgerichteten
Lage und ist in Reihe f mit seinem Spacerelement 21 in die Zugangsöffnung
14 eingesteckt. Bei korrekt mit dem Kontaktkörper 4 primärverrastetem
Verrastungsarm 5 dringt das Spacerelement 21 beim weiteren Einstecken
des Prüfadapters 20 in den rückseitigen Auslenkbereich
24 des Verrastungsarms 5 ein, wodurch nun auch das Prüfelement
22 durch die Zugangsöffnung 14 eingreift und so den Kontaktkörper
4 in der Kontaktkammer 2 elektrisch kontaktiert (Reihe g). Somit
ist durch die erfolgreiche elektrische Prüfkontaktierung des Kontaktkörpers
4 mittels des Prüfelements 22 sichergestellt, dass der Kontaktkörper
4 sich in seiner korrekten Endposition in der Kontaktkammer 2
befindet, und durch die nicht blockierte mechanische Abtastung mittels des Spacerelements
21 ist sichergestellt, dass der Rasthaken 11 sich in seiner Verrastungsstellung
befindet. Im Ergebnis wird der in Reihe g gezeigte Kontaktkörper
4 als „in der Kontaktkammer 2 korrekt primärverrastet"
erkannt. Nach der Prüfung wird der Prüfadapter 20 wieder aus
dem Kontaktgehäuse 1 herausgezogen.
In Reihe h ist der Verrastungsarm 5 durch den nicht bis in
seine Endposition eingeschobenen Kontaktkörper 4 ausgelenkt und dadurch
das Einstecken des Spacerelements 21 in den rückseitigen Auslenkungsbereich
24 blockiert. Somit ist die mechanische Abtastung blockiert und die elektrische
Prüfkontaktierung nicht erfolgreich. Im Ergebnis wird der in Reihe h gezeigte
Kontaktkörper 4 als „nicht korrekt primärverrastet" erkannt,
so dass seine Bestückungsposition überprüft werden muss.
In Reihe i ist der Kontaktkörper 4 nicht bis in den
Bereich des Verrastungsarms 5 eingeführt, der sich daher in seiner
nicht ausgelenkten Verrastungsstellung befindet. Das Spacerelement 21 kann
in den rückseitigen Auslenkungsbereich 24 eindringen, aber das Prüfelement
22 kontaktiert den Kontaktkörper 4 nicht. Somit ist die mechanische
Abtastung nicht blockiert und die elektrische Prüfkontaktierung nicht erfolgreich.
Im Ergebnis wird der in Reihe i gezeigte Kontaktkörper 4 als „nicht
korrekt primärverrastet" erkannt, so dass seine Bestückungsposition überprüft
werden muss.
Von der Prüfvorrichtung der 1 unterscheidet
sich die in 2 gezeigte Prüfvorrichtung
30 lediglich dadurch, dass hier der Abstand zwischen Spacerelement
21 und Prüfelement 22 dem Abstand zwischen Auslenkbereich
24 und Kontaktöffnung 12 entspricht. Vom Kontaktgehäuses
1 sind in 2 nur die Reihen g-i gezeigt. Beim
Prüfen mittels des Prüfadapters 20 greift das Prüfelement
22 durch die Kontaktöffnung 12 in die Kontaktkammer
2 ein und kontaktiert bei korrekt in der Kontaktkammer 2 primärverrastetem
Kontaktkörper 4 dessen Kontaktlamellen 13. Die Reihen h und
i zeigen – analog zu 1 – fehlerhaft primärverrastete
Kontaktkörper 4, die wie oben beschrieben als „nicht korrekt
primärverrastet" erkannt werden.