Die Erfindung betrifft eine Doppeldraht-Zwirnspindel mit druckluftbetätigter
Einfädelvorrichtung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Bei Doppeldraht-Zwirnspindeln wird der Faden üblicherweise von
der still stehenden Lieferspule nach oben abgezogen, in das obere Ende eines Fadeneinlaufrohres
eingeführt, nach unten umgelenkt und durch eine Fadenbremse in den Spindelrotor
beziehungsweise in den Spindelschaft geführt, den er durch einen Fadenleitkanal
in radialer Richtung wieder verlässt.
Nach dem Austritt aus dem Fadenleitkanal wird der Faden nach oben
geführt und bildet beim Zwirnen einen um die Lieferspule rotierenden Ballon.
Der Faden läuft anschließend durch einen Fadenführer und wird verzwirnt
auf eine Auflaufspule aufgewickelt.
An modernen Doppeldraht-Zwirnmaschinen wird das Einfädeln des
Fadens mittels Druckluft und Einfädelinjektor vorgenommen. Für den Einfädelvorgang
wird dem Einfädelinjektor Druckluft zugeführt. Die aus dem Einfädelinjektor
ausströmende Luft erzeugt im Fadenleitkanal einen zur Mündung des Fadenleitkanals
nach außen gerichteten Luftstrom. Es entsteht ein Unterdruck in dem als Hohlspindel
ausgebildeten Teil des Spindelschaftes. Die angesaugte Luft zieht den bereit gehaltenen
Faden in die Einmündung am oberen Ende des Fadeneinlaufrohres ein.
Der Luftstrom befördert den Faden durch den Fadenleitkanal nach
außen. Nach Verlassen des Fadenleitkanals kann der Faden von der Bedienungsperson
manuell erfasst und für weitere Bearbeitungsschritte von der Lieferspule abgezogen
und positioniert werden.
Die DE 3012427 C2
offenbart eine Doppeldraht-Zwirnspindel mit druckluftbetätigter Einfädelvorrichtung,
bei der der Spindelrotor einen koaxial verlaufenden Verbindungskanal aufweist, durch
den Druckluft zugeführt wird. In der Speicherscheibe des Spindelrotors münden
der den Faden von oben zuführende Fadenkanal und der von unten die Druckluft
zuführende Verbindungskanal jeweils nach einer Umlenkung in den Fadenleitkanal
der Speicherscheibe. Die beim Einfädelvorgang in den Verbindungskanal eintretende
Druckluft strömt durch den Injektor und erzeugt in der Hohlspindel im oberen
Teil des Spindelrotors die zum Ansaugen des Fadens benötigte Saugwirkung. Nach
Beendigung des Einfädelvorgangs wird die Druckluftzufuhr wieder unterbrochen.
Die gattungsbildende DE 10250423
A1 zeigt eine Doppeldraht-Zwirnspindel mit einer druckluftbetätigten
Einfädelvorrichtung, bei der der Druckluftkanal im unteren Teil des Spindelschaftes
zunächst zentrisch und vor Erreichen der Fadenspeicherscheibe als Schrägbohrung
geführt ist. An den Druckluftkanal im Spindelschacht schließt sich ein
Luftkanal in einem Injektorelement an, der als Injektor in den Fadenkanal mündet
und in diesem die erforderliche Luftströmung radial nach außen erzeugt.
Die Herstellungskosten dieser bekannten Ausführungen sind hoch.
Insbesondere die Fertigung der Kanäle im Spindelschaft ist aufwendig. Die Effizienz
der bekannten Ausführungen ist unzureichend niedrig. Ein Maß für
die Effizienz ist dabei der statische beziehungsweise der dynamische Unterdruck,
der im Fadeneinlaufrohr beziehungsweise im Fadenkanal in Abhängigkeit vom Druck
der eingesetzten Druckquelle erzeugbar ist. Je niedriger dabei der Druck der Druckluftquelle
zur Erzielung eines ausreichend hohen Unterdruckes zum Ansaugen des Fadens ist,
desto wirtschaftlicher beziehungsweise effizienter ist der Einfädelvorgang
durchführbar. Die Ausbildung der Luftführung bei den bekannten Ausführungen
zum Fadenkanal beschränkt die Effizienz.
Es ist Aufgabe der Erfindung, eine bekannte Doppeldraht-Zwirnspindel
so weiter zu bilden, dass die Menge der zugeführten Druckluft bei gleichem
oder höherem erzeugtem Unterdruck reduziert werden kann.
Diese Aufgabe wird mittels einer Doppeldraht-Zwirnspindel mit den
Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
Bei der erfindungsgemäßen Doppeldraht-Zwirnspindel umfasst
die Druckluftzuführung ein Verbindungselement mit gekrümmtem Luftkanal,
der die Zuführbohrung mit dem Injektorelement verbindet, und wobei das Verbindungselement
als separates Bauteil ausgebildet und der Luftkanal den strömungstechnischen
Erfordernissen angepasst ist. Die Herstellung ist einfach und kostengünstig
möglich. Die erfindungsgemäße strömungstechnische Ausbildung
der Druckluftzuführung steigert die Injektorwirkung. Der Druck der Druckluftquelle
kann im Vergleich zu bekannten Vorrichtungen abgesenkt werden, ohne dass der zum
Ansaugen des Fadens erzeugte Unterdruck absinkt. Alternativ erhöht sich der
Unterdruck bei gleichem Druck der Druckluftquelle, so dass die Ansaugwirkung des
Fadens erhöht wird.
Vorteilhafte Ausbildungen des Verbindungselementes gemäß
einem der Ansprüche 2 bis 7 tragen zur besonders strömungsgünstigen
Zuführung der Druckluft zum Injektorelement bei und erhöhen die
Wirkung des Injektorelementes.
In einem Luftkanal, der an seinem Eingang einen größeren
Querschnitt als an seinem Ausgang aufweist, wird die Strömungsgeschwindigkeit
der Luft erhöht. Dadurch wird der Injektorstrahl, der von der in den Fadenleitkanal
austretenden Luft gebildet wird, verstärkt.
Der Spindelschaft und der Fadenleitring weisen vorzugsweise Ausnehmungen
auf, in die das Verbindungselement einsetzbar ist. Die Winkelposition des Fadenleitrings
auf dem Spindelschaft ist durch das eingesetzte Verbindungselement justierbar und
fixierbar. Ist der Fadenleitring mit seiner Ausnehmung über das Verbindungselement
geschoben worden, fluchten der Fadenleitkanal und der Ausgang des Injektorelementes
zueinander. Ein Verdrehen von Spindelschaft und Fadenleitring zueinander ist im
montierten Zustand nicht möglich, da das eingesetzte Verbindungselement als
Verdrehsicherung wirkt.
Ein Verbindungselement, das aus zwei fest miteinander verbundenen
Bauteilen besteht, die spiegelbildlich zueinander ausgebildet sind, ist einfach
und im Vergleich mit einem einstückig gefertigten Verbindungselement weniger
aufwendig herstellbar.
Besteht das Verbindungselement aus glasfaserverstärktem Kunststoff,
lässt es sich kostengünstig herstellen, hat nur wenig Gewicht und ist
haltbar.
Ein Dichtungsring jeweils zwischen dem Verbindungselement und dem
Spindelschaft sowie zwischen dem Verbindungselement und dem Injektorelement stellt
eine preiswerte und funktionssichere Abdichtung der Druckluftzuführung dar.
Die Ausbildung des Verbindungselementes als separates Bauteil erlaubt
ein leichtes Herstellen und Anpassen des Luftkanals an die strömungstechnischen
Erfordernisse. Dies trägt dazu bei, eine erfindungsgemäße Doppeldraht-Zwirnspindel
kostengünstig herstellen zu können. Die Wirtschaftlichkeit beim Einfädelvorgang
wird durch geringen Druckluftverbrauch, der aufgrund der erhöhten Injektorwirkung
möglich ist, verbessert.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist anhand der Figuren
erläutert.
Es zeigt:
1 eine Teildarstellung einer Doppeldraht-Zwirnspindel
mit druckluftbetätigter Einfädelvorrichtung im Axialschnitt,
2 eine perspektivische Ansicht eines demontierten Verbindungselementes
mit Dichtungsringen sowie eines Injektorelementes mit Umlenkstück,
3 eine perspektivische Ansicht einer Hälfte eines
geteilten Verbindungselementes.
In der 1 ist eine Doppeldraht-Zwirnspindel
mit einer Spindellagerung 1 dargestellt. Der einstückig ausgebildete
Spindelschaft 2 ist mittels einer Kugellagerung 3 drehbar im Lagergehäuse
4 gelagert. Das Lagergehäuse 4 ist an der Spindelbank
5 befestigt. Der Spindelschaft 2 trägt einen Antriebswirtel
6, einen Fadenleitring 7 und einen Spulentopf 8 mit Spulenträgerboden
9 und Hohlnabe 10. Die Hohlnabe 10 ist mittels Kugellager
11, 12 auf dem Spindelschaft 2 gelagert und weist ein
koaxiales Fadenrohr 13 auf. Das Fadenrohr 13 mündet in die
obere Hohlachse 14 des Spindelschaftes 2 ein. Der Spindelschaft
2 ist um die senkrecht verlaufende Rotationsachse 15 drehbar.
Quer zur Rotationsachse 15 verläuft eine durch den Spindelschaft
2 durchgehende Ausnehmung mit ovalem Querschnitt. In die Ausnehmung ist
ein Injektorelement 16 aus Kunststoff eingesetzt. Es kann als Spritzteil
kostengünstig und passgenau, den strömungstechnischen Erfordernissen entsprechend,
hergestellt werden. Der Fadenkanal 17 des Injektorelementes 16
verbindet die obere Hohlachse 14 des Spindelschaftes 2 mit dem
Fadenleitkanal 18 des Fadenleitringes 7. Im Fadenkanal
17 wird sowohl die Luftströmung beim Einfädeln als auch der Faden
umgelenkt. Der Faden läuft dabei über ein Umlenkelement 19 aus
Keramik. Der horizontal und damit rechtwinklig zur Rotationsachse 15 des
Spindelschaftes 2 verlaufende Fadenleitkanal 18 des Fadenleitringes
7 weist an seinem äußeren Ende einen Fadenführer
29 aus Keramik auf. Der Fadenleitring 7 trägt den Drehteller
28. Der Spulenträgerboden 9 ist relativ zum Spindelschaft
2 drehbar und wird bei rotierendem Spindelschaft 2 in seiner Position
zum Lagergehäuse 4 beziehungsweise zur Spindelbank 5 durch
Magnetkraft von Dauermagneten 41, 42 mit Rückschlüssen
gehalten.
Das Injektorelement 16 ist temporär an eine Druckluftquelle
20 anschließbar. Der Luftstrom in der Druckluftleitung 21
kann mittels einer Absperreinrichtung 22 unterbrochen werden. Die Rohrmündung
23 der von der Druckluftquelle 20 zum Spindelschaft
2 führenden Druckluftleitung 21 ist stationär unterhalb
des Spindelschaftes 2 angeordnet. Eine derartige stationär angeordnete
Druckluftzuführung zum Spindelschaft 2 ist beispielsweise in der
DE 3012427 C2 ausführlich beschrieben.
Die Druckluftleitung 21 endet in geringem Abstand von der Zuführbohrung
24 des Spindelschaftes 2. Bei dieser Ausbildung kann auf Dichtungen
zwischen der Rohrmündung 23 und dem Spindelschaft 2 verzichtet
werden. Druckluftverluste werden weitgehend vermieden. Die Druckluft wird dem Spindelschaft
2 zunächst in der koaxial zur Rotationsachse 15 verlaufenden
Zuführbohrung 24
geführt. Die Zuführbohrung 24 mündet in
eine Querbohrung 25. Die Querbohrung 25 ist über den Luftkanal
26 des Verbindungselementes 27 mit dem Injektorelement
16 verbunden. Der Luftkanal 26 verläuft halbkreisförmig.
Die Mittellinie 37 des Luftkanals 26 und die Rotationsachse
15 des Spindelschaftes 2 liegen in einer Ebene. Der Halbkreis,
den die Mittellinie 37 bildet, weist einen Radius zwischen 3 mm und 6 mm
auf.
2 zeigt das Verbindungselement 27 und das
Injektorelement 16 in unmontiertem Zustand. Der Luftkanal 26 verläuft
weitgehend halbkreisförmig. Die Umlenkung im Verbindungselement 27
beträgt 180°. Der Luftkanal 26 hat einen kreisförmigen Querschnitt
und weist an seinem Eingang einen größeren Querschnitt auf als an seinem
Ausgang, das in montiertem Zustand am Injektorelement 16 anliegt. Dementsprechend
ist der Luftkanaldurchmesser DE am Eingang des Luftkanals 26
größer als der Luftkanaldurchmesser DA am Ausgang des Luftkanals
26. Sowohl am Eingang als auch am Ausgang des Luftkanals 26 ist
das Verbindungselement 27 zur Aufnahme von Dichtungsringen 30,
31 ausgebildet. In eingebautem Zustand des Verbindungselementes
27 werden die Dichtungsringe 30, 31 zusammengepresst
und führen zu einer sicheren Abdichtung zwischen dem Verbindungselement
27 und dem Spindelschaft 2 sowie zwischen dem Verbindungselement
27 und dem Injektorelement 16. Das Injektorelement 16
umfasst eine Injektorbohrung 32, die in den Fadenkanal 17 mündet
und die auf den Fadenleitkanal 18 gerichtet ist. Die Injektorbohrung
32 und der Fadenleitkanal 18 sind fluchtend angeordnet. Der Durchmesser
der Injektorbohrung 32 ist deutlich kleiner als der Durchmesser des Fadenkanals
17. Dadurch entsteht eine Stufe 40, wie in 1
gezeigt. Die aus der Injektorbohrung 32 als Injektorstrahl austretende
Luft kann frei in Richtung Fadenleitkanal 18 strömen. Die gerade verlaufende
Injektorbohrung 32 weist einen gleichbleibenden Durchmesser auf. Eine derartige
Injektorbohrung 32 mit einer Länge zwischen 5 mm und 6 mm ermöglicht
eine Vergleichmäßigung des Injektorstrahls.
Die Fadenkanalmündung 33 ist der Kreisform des Querschnittes
des Spindelschaftes 2 angepasst und mündet direkt in den Fadenleitkanal
18 ein. Das Umlenkelement 19, das der Reibung durch den laufenden
Faden ausgesetzt ist, wird in das Injektorelement 16 eingedrückt und
von den federnden Haltelaschen 34, 35 gehalten. Das Umlenkelement
19 bildet in eingebautem Zustand die obere Wandung des Fadenkanals
17, wie in 1 dargestellt. Während das
Injektorelement 16 aus Kunststoff hergestellt ist, besteht das Umlenkelement
aus hochverschleißfester Keramik.
3 zeigt eine Verbindungselementhälfte
36. Das Innere des Luftkanals 26 sowie die Ausnehmungen
38, 39, in die die Dichtungsringe 30, 31 eingelegt
werden, sind in der Darstellung der 1 gut erkennbar.
Die Mittellinie 37 des Luftkanals 26 verläuft am Eingang
des Luftkanals 26 gradlinig, anschließend halbkreisförmig und
am Ausgang des Luftkanals 26 wieder geradlinig. Ebenfalls in dieser Darstellung
gut erkennbar ist, dass der Luftkanaldurchmesser DE am Eingang des Luftkanals
26 deutlich größer ist als der Luftkanaldurchmesser DA
am Ausgang des Luftkanals 26.
Die dargestellte Verbindungselementhälfte 36 und eine
spiegelbildlich ausgeführte zweite nicht gezeigte Verbindungselementhälfte
werden so zum Verbindungselement 27 zusammengefügt, dass sich der
Luftkanal 26 mit kreisförmigem Querschnitt bildet, Bestehen die Verbindungselementhälfte
36 und die zweite Verbindungselementhälfte aus Kunststoff, kann das
Verbindungselement 27 aus den beiden Bauteilen zum Beispiel mittels Ultraschallverschweißung
hergestellt werden. Auf diese Weise sind einfache Formen für den Spritzgussprozess
verwendbar und die Herstellung wird kostengünstiger.
Zum Einfädeln wird der Faden zum Beispiel manuell von der still
stehenden Lieferspule nach oben abgezogen und vor dem Fadeneinlaufrohr bereit gehalten.
Die Absperreinrichtung 22 wird geöffnet und die Druckluft strömt
von der Druckluftquelle 20 durch die Druckluftleitung 21, die
Zuführbohrung 24 und die Querbohrung 25 in das Verbindungselement
27 und von dort weiter durch die Injektorbohrung 32 in den Fadenkanal
17. Die aus der Injektorbohrung 32 eingeblasene Luft erzeugt eine
Luftströmung zum Ausgang des Fadenleitkanals 18 hin und einen Unterdruck
im Fadenrohr 13, der sich zum Beispiel bis zur Einmündung des Fadeneinlaufrohres
fortpflanzt. Das bereit gehaltene Ende des Fadens wird vom Unterdruck in das Fadeneinlaufrohr
und das Fadenrohr 13 gesaugt, am Umlenkelement 19 umgelenkt und
weiter von der Luftströmung durch den Fadenleitkanal 18 gefördert.
Am Fadenführer 29 tritt der Faden mit der dort ausströmenden
Luft aus und kann anschließend von der Bedienungsperson manuell erfasst werden.
Nach dem Einfädelvorgang wird die Absperreinrichtung 22 aktiviert
und die Verbindung zwischen Druckluftquelle 20 und Injektorbohrung
32 wieder unterbrochen.
Durch die erfindungsgemäße Ausbildung der Doppeldraht-Zwirnspindel
lässt sich der Luftdruck der Druckluftquelle 20 im Vergleich zu einer
bekannten Ausbildung, wie sie die DE 10250423
A1 zeigt, beispielsweise von 3 bar auf 1,7 bar reduzieren, ohne dass der
Unterdruck, mit dem der Faden angesaugt wird, geringer wird. Damit lässt sich
der Luftverbrauch beim Einfädelvorgang um 60 bis 70% senken. Der geringere
Luftverbrauch führt zu einer erhöhten Wirtschaftlichkeit der erfindungsgemäßen
Doppeldraht-Zwirnspindel.