Verfahren zur distillativen Aufreinigung von polymerisierbaren Verbindungen unter Verwendung einer hochsiedenden, inerten thermisch langzeitstabilen Substanz als Siedeöl, dadurch gekennzeichnet, dass sich das Siedeöl im Sumpf einer Retifikationskolonne befindet.
Beschreibung[de]
Die Erfindung beschreibt ein Verfahren zur destillativen Aufreinigung
von polymerisierbaren Verbindungen und die Verwendung eines Siedeöls zur destillativen
Aufreinigung von polymerisierbaren Verbindungen.
In DE-A-2136396 wird ein Verfahren zur Gewinnung wasserfreier Acrylsäure
durch Gegenstromwäsche der Reaktionsgase in einer Absorberkolonne mit einem
hochsiedenden inerten extrem hydrophoben Lösungsmittel beschrieben. Geeignete
Lösungsmittel sind Kohlenwasserstoffe der Mittelölfraktion, Wärmeträgeröle
mit Siedepunkten oberhalb 170°C (bei Normaldruck) oder Diphenylether, Diphenyl
und/oder deren Gemische. Das Lösungsmittel wird über den Kopf der Kolonne
zugeführt. Für die Absorption wird eine möglichst niedrige Temperatur
von 30–80°C bei Normaldruck eingestellt.
Aus der EP-A-188775 ist ein Verfahren zur Gewinnung wasserfreier Methacrylsäure
bekannt, bei dem die anfallenden Reaktionsgase insbesondere durch Gegenstromwäsche
in einer Absorberkolonne mit einem inerten, hochsiedenden hydrophoben organischen
Lösungsmittel gewaschen werden. Das Lösungsmittel wie Diphenyl, Diphenyläther,
Dibenzofuran und/oder deren Gemische wird über den Kopf der Kolonne zugegeben.
Die Absorptionstemperatur beträgt 40–120°C bei Normaldruck.
Nachteilig bei den vorgenannten Verfahren ist, dass zur Gewinnung
von wasserfreier Acrylsäure bzw. Methacrylsäure weitere Desorptions- und
Destillationsschritte nachfolgen müssen, um das Zielprodukt von dem verwendeten
Lösungsmittel wieder abzutrennen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur destillativen
Aufreinigung von polymerisierbaren Verbindungen bereitzustellen, bei dem die als
Hilfsmittel verwendeten Substanzen ohne weitere Aufreinigung in die Anlage zurückgeführt
werden können und maximal 10% des Hilfsmittels bezogen auf das Zielprodukt
ausgeschleust werden. Darüber hinaus soll das Verfahren vor allem gewährleisten,
dass eine Polymerisation des Zielprodukts vermieden wird.
Die Aufgabe wird dadurch gelöst, dass die destillative Aufreinigung
der polymerisierbaren Verbindung in Gegenwart einer hochsiedenden, inerten thermisch
langzeitstabilen Substanz durchgeführt wird, wobei diese als Siedeöl bezeichnete
Substanz im Sumpf einer Rektifikationskolonne zugegen ist. Dadurch werden lange
Verweilzeiten des polymerisationsanfälligen Zielproduktes im Sumpf ausgeschlossen,
da die Konzentration der polymerisationsanfälligen Verbindung durch den Wärmeaustausch
mit den Siedeöldämpfen in Richtung Sumpf und somit in Richtung zunehmender
Temperatur stark abnimmt, wodurch die Polymerisationsgefahr weitgehend gebannt ist.
Gegenstand der Erfindung ist daher ein Verfahren zur destillativen
Aufreinigung von polymerisierbaren Verbindungen unter Verwendung einer hochsiedenden,
inerten thermisch langzeitstabilen Substanz als Siedeöl, dadurch gekennzeichnet,
dass sich das Siedeöl im Sumpf einer Rektifikationskolonne befindet.
Für das erfindungsgemäße Verfahren wird als Siedeöl
eine hochsiedende, inerte thermisch langzeitstabile Substanz mit einem Siedepunkt
höher als der Siedepunkt des reinen Zielprodukts verwendet, um dessen destillative
Abtrennung zu gewährleisten. Der Siedepunkt des Siedöls sollte aber auch
nicht zu hoch sein, um die thermische Belastung der reinen polymerisierbaren Verbindung
zu reduzieren.
Im Allgemeinen liegt die Siedetemperatur des Siedeöls bei Normaldruck
(1013 mbar) bei 150 bis 400°C, insbesondere bei 200 bis 300°C.
Geeignete Siedeöle sind u.a. höherkettige unverzweigte Paraffine
mit 12–20-Kohlenstoffatomen, aromatische Verbindungen wie Diphyl (eutektische
Mischung aus 75% Biphenyloxid und 25% Biphenyl), allcylsubstituierte Phenole oder
Naphthalinverbindungen, Sulfolan (Tetrahydro-thiophen-1,1-dioxid), oder Mischungen
aus diesen.
Geeignete Beispiele sind die nachfolgend aufgeführten Siedeöle:
Besonders bevorzugt werden 2,6-di-tert-Butyl-para-cresol, 2,6-di-tert-Butyl-phenol,
Sulfolan, Diphyl oder Mischungen aus diesen eingesetzt, ganz besonders bevorzugt
Sulfolan.
Für das erfindungsgemäße Verfahren kann jede Rektifikationskolonne
verwendet werden, die vorzugsweise 5 bis 50 Trennstufen besitzt. Als Anzahl der
Trennstufen wird in der vorliegenden Erfindung die Anzahl der Böden bei einer
Bodenkolonne multipliziert mit dem Bodenwirkungsgrad oder die Anzahl der theoretischen
Trennstufen im Fall einer Packungskolonne oder eine Kolonne mit Füllkörpern
bezeichnet.
Beispiele für eine Rektifikationskolonne mit Böden beinhalten
solche wie Glockenböden, Siebböden, Tunnelböden, Ventilböden,
Schlitzböden, Sieb-Schlitzböden, Sieb-Glockenböden, Düsenböden,
Zentrifugalböden, für eine Rektifikationskolonne mit Füllkörpern
solche wie Raschig-Ringe, Lessing-Ringe, Pall-Ringe, Berl-Sättel, Intalox Sättel
und für eine Rektifikationskolonne mit Packungen solche wie vom Typ Mellapak
(Sulzer), Rombopak (Kühni), Montz-Pak (Montz) und Packungen mit Katalysatortaschen,
beispielsweise Katapak (Sulzer).
Eine Rektifikationskolonne mit Kombinationen aus Bereichen von Böden,
aus Bereichen von Füllkörpern und/oder aus Bereichen von Packungen kann
ebenso verwendet werden.
Bevorzugt wird eine Rektifikationskolonne mit Füllkörpern
und/oder Packungen eingesetzt. Die Rektifikationskolonne kann aus jedem hierfür
geeigneten Material hergestellt werden. Hierzu gehören u.a. Edelstahl sowie
inerte Materialien.
Vorzugsweise wird die Rektifikationskolonne im Vakuum bei einem Absolutdruck
von 1 bis 500 mbar, vorzugsweise bei einem Absolutdruck von 1 bis 100 mbar, betrieben.
Die Temperatur im Sumpf der Rektifikationskolonne ergibt sich durch das verwendete
Siedeöl und den herrschenden Systemdruck.
Unter polymerisierbaren Verbindungen sind im allgemeinen Monomere
mit mindestens einer reaktionsfähigen Doppelbindung oder anderen reaktiven
funktionellen Gruppen zu verstehen. Zu ihnen zählen u.a. Verbindungen mit Kohlenstoff-Kohlenstoff-Mehrfachbindungen
(Olefine, Alkine, Vinyl-, (Meth)acryl-Verbindungen), cyclische Ether, Ester oder
Amide (Oxirane, Lactone, Lactame), ungesättigte cyclische Kohlenwasserstoffe
sowie solche mit Isocycanat- oder H-aciden Amino-, Hydroxy- oder Carboxy-Gruppen.
Geeignete polymerisierbare Verbindungen sind dem Fachmann aus der Literatur wie
zum Beispiel aus J. Brandrup, E. H. Immergut und E. A. Grulke, Polymer Handbook,
4. Aufl., Hoboken, John Wiley and Sons, 1999, Seiten III-1 bis III-41. bekannt,
worauf explizit Bezug genommen wird.
Die Zufuhr der aufzureinigenden polymerisierbaren Verbindung erfolgt
vorzugsweise oberhalb des mittleren Bereiches der Kolonne. Niedrig siedende Verunreinigungen
werden am Kopf der Kolonne abgezogen, hochsiedende Verunreinigungen werden aus dem
Kolonnensumpf ausgeschleust. Das reine Zielprodukt wird vorzugsweise an einem Seitenabzug
unterhalb des mittleren Bereiches der Kolonne ausgetragen.
Die Kolonne kann noch mit anderen Apparaten verschaltet sein, wie
beispielsweise weiteren Apparaten zur Stofftrennung und/oder einem Reaktor. Ein
Reaktionsbereich kann auch innerhalb der Kolonne angeordnet sein. Die Kolonne kann
auch in mehrere Trennsegmente unterteilt sein, die verschiedene Aufgaben erfüllen.
Um unerwünschte Polymerisationen der aufzureinigenden polymerisierbaren
Verbindung zu vermeiden wird gegebenenfalls ein Polymerisationsinhibitor zugefügt.
Zu den bevorzugt einsetzbaren Polymerisationsinhibitoren gehören unter anderem
Octadecyl-3-(3,5-di-tert-butyl-4-hydroxyphenyl)-propionat, Phenothiazin, Hydrochinon,
Hydrochinonmonomethylether, 4-Hydroxy-2,2,6,6-tetramethylpiperidinooxyl (TEMPOL),
2,4-Dimethyl-6-tert-butylphenol, 2,6-Di-tert-butylphenol, 2,6-Di-tert-butyl-4-methylphenol,
para-substituierte Phenylendiamine wie z. B. N,N'-Diphenyl-p-phenylendiamin, 1,4-Benzochinon,
2,6-Di-tert-butyl-alpha-(dimethylamino)-p-cresol, 2,5-Di-tert-butylhydrochinon oder
Gemische aus zwei oder mehreren dieser Stabilisatoren.
Die Zudosierung des Inhibitors erfolgt vorzugsweise am Kopf der Kolonne.
Aus dem Kolonnensumpf können Hochsieder wie zugesetzte Inhibitoren durch übliche
Methoden ausgeschleust werden, beispielsweise durch einen Dünnschichtverdampfer
oder einen ähnliche Aufgaben verrichtenden Apparat, der verdampfende Stoffe
in die Rektifikationskolonne zurückführt und nicht verdampfende Hochsieder
ausschleust.
Gegenstand der Erfindung ist ferner die Verwendung der obengenannten
hochsiedenden, inerten thermisch langzeitstabilen Substanz als Siedeöl im Sumpf
einer Rektifikationskolonne zur destillativen Aufreinigung von polymerisierbaren
Verbindungen.
Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht es, die polymerisierbare
Verbindung ohne Verluste durch unerwünschte Polymerisation in hoher Reinheit
durch einfache Abtrennung zu erhalten, wobei das verwendete Siedeöl ohne weitere
Aufreinigung in die Anlage zurückgeführt werden kann.
Eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist schematisch in 1 dargestellt.
Das aufzureinigende Monomer = Rohmonomer (1) gelangt in den
unteren Teil einer Rektifikationskolonne (2). Hier findet im Trennbereich
(2a) die Abtrennung von Komponenten, die leichter (3) als das
aufzureinigende Monomer sieden statt. Im Trennbereich (2b) der Kolonne
wird das Monomer von dem im Sumpf befindlichen Siedeöl (4) sowie von
Komponenten, die höher als das aufzureinigende Monomer sieden getrennt. Im
Sumpf befindliche Hochsieder können durch übliche Methoden ausgeschleust
werden (5), beispielsweise durch einen Dünnschichtverdampfer oder
einen ähnliche Aufgaben verrichtenden Apparat, der verdampfende Stoffe in die
Rektifikationskolonne zurückführt und nicht verdampfende Hochsieder ausschleust.
Das hochreine Monomer (6) wird zwischen Trennbereich (2a) und
(2b) bevorzugt gasförmig abgezogen.
Die nachfolgenden Beispiele veranschaulichen das erfindungsgemäße
Verfahren ohne dieses darauf zu beschränken.
Beispiel 1: Aufreinigung von Methacrylsäureanhydrid
Die Aufreinigung von Methacrylsäureanhydrid wurde im unteren
Teil einer Rektifikationskolonne gemäß 1 durchgeführt.
Die Rektifikationskolonne hatte im Trennbereich (2a) zwölf
und im Trennbereich (2b) acht Trennstufen. Diese Kolonne, hatte einen Innendurchmesser
von 100 mm und war mit Packungen der Fa. Sulzer, Typ CY (Trennbereich
2a) und der Fa. Montz, Typ BSH 400 (Trennbereich 2b) bestückt.
Der Druck im Kolonnensumpf betrug 35 mbar. Bei stationären Bedingungen stellte
sich ein Temperaturprofil von 164°C (Sumpf) bis 66°C (oberes Ende des
Trennbereiches 2a) ein. Der Austrag an Methacrylsäureanhydrid am Seitenabzug
(zwischen Trennbereiches 2a und 2b) sowie die Heizdampfleistung
des Sumpfverdampfers erfolgte temperaturgeregelt in den jeweiligen Bereichen.
Im Sumpf der Rektifikationskolonne wurden 6 kg Sulfolan als Siedeöl
(4) eingesetzt. Als Verdampfer diente ein Fallfilmverdampfer.
Am Seitenstromabzug wurde Methacrylsäureanhydrid mit einer Reinheit
von 99,7% (GC-Analyse) entnommen.
Beispiel 2: Aufreinigung von Acrylsäureanhydrid
Die Aufreinigung von Acrylsäureanhydrid wurde im selben unteren
Teil einer Rektifikationskolonne gemäß 1 wie
in Beispiel 1 erläutert durchgeführt. Der Druck im Kolonnensumpf betrug
35 mbar. Bei stationären Bedingungen stellte sich ein Temperaturprofil von
164°C (Sumpf) bis 54°C (oberes Ende des Trennbereiches 2a) ein.
Der Austrag an Acrylsäureanhydrid am Seitenabzug (zwischen Trennbereiches
2a und 2b) sowie die Heizdampfleistung des Sumpfverdampfers erfolgte
temperaturgeregelt in den jeweiligen Bereichen.
Im Sumpf der Rektifikationskolonne wurden 6 kg Sulfolan als Siedeöl
(4) eingesetzt. Als Verdampfer diente ein Fallfilmverdampfer.
Am Seitenstromabzug wurde Acrylsäureanhydrid mit einer Reinheit
von 99,7% (GC-Analyse) entnommen.
Anspruch[de]
Verfahren zur destillativen Aufreinigung von polymerisierbaren Verbindungen
unter Verwendung einer hochsiedenden, inerten thermisch langzeitstabilen Substanz
als Siedeöl, dadurch gekennzeichnet, dass sich das Siedeöl im Sumpf
einer Rektifikationskolonne befindet.Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der
Siedepunkt des Siedeöls bei 1013 mbar 150 bis 400°C beträgt.Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass der Siedepunkt des Siedeöls bei 1013 mbar 200 bis 300°C beträgt.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, dass als hochsiedende, inerte thermisch langzeitstabile Substanz
höherkettige unverzweigte Paraffine mit 12–20-Kohlenstoffatomen, aromatische
Verbindungen wie Diphyl, alkylsubstituierte Phenole oder Naphthalinverbindungen,
Sulfolan oder Mischungen aus diesen verwendet werden.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, dass als hochsiedende, inerte thermisch langzeitstabile Substanz
2,6-di-tert-Butyl-para-cresol, 2,6-di-tert-Butyl-phenol, Sulfolan oder Diphyl oder
Mischungen aus diesen verwendet wird.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, dass als hochsiedende, inerte thermisch langzeitstabile Substanz
Sulfolan verwendet wird.Verwendung einer hochsiedenden, inerten thermisch langzeitstabilen Substanz
als Siedeöl im Sumpf einer Rektifikationskolonne zur destillativen Aufreinigung
von polymerisierbaren Verbindungen.