Die Erfindung betrifft einen Sicherheitsgurt mit einem Dämpfungselement
enthaltend dilatante Flüssigkeiten sowie die Verwendung eines Dämpfungselements
enthaltend dilatante Flüssigkeiten als Klemmvorrichtung in einem Sicherheitsgurt.
Während eines Unfalls wird das Fahrzeug z.B. durch Kollision
mit anderen Fahrzeugen oder Gegenständen stark abgebremst bzw. beschleunigt.
Aufgrund der Massenträgheit bewegen sich die Insassen mit der ursprünglichen
Geschwindigkeit weiter, d.h. ohne Sicherheitsgurt kann ein Aufprall auf das Lenkrad
oder die Frontscheibe erfolgen. Durch den Sicherheitsgurt, gegebenenfalls in Kombination
mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer kann das Risiko eines Aufpralls verringert
werden.
Der prinzipielle Aufbau eines Sicherheitsgurts kann z.B. der
DE 100 49 003 entnommen werden.
Beim starken Abbremsen eines Fahrzeugs muss somit das Abrollen des
Sicherheitsgurts verhindert werden, was üblicherweise durch mechanische Bauteile
(Klemmung) realisiert wird.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war deshalb, das Abrollen des Sicherheitsgurts
bei starkem Bremsen durch eine einfache Klemmvorrichtung zu bewerkstelligen.
Überraschenderweise wurde gefunden, dass sich ein Dämpfungselement
enthaltend dilatante Flüssigkeiten hervorragend als Klemmvorrichtung für
diesen Zweck eignet.
Aus der Literatur (DE 30 25 562,
DE 34 33 085, DE
39 17 456) sind dilatante Polymerdispersionen bekannt. Solche Polymerdispersionen
weisen einen charakteristischen Schubspannungsverlauf auf, der dadurch gekennzeichnet
ist, dass beim Überschreiten einer kritischen Schergeschwindigkeit ein Anstieg
der Schubspannung um den Faktor 1000 erfolgt. Der zeitliche Anstieg der Schubspannung
erfolgt erfahrungsgemäß bei nur kleiner Überschreitung von innerhalb
10–3 bis 10–2 Sekunden.
Als dilatante Flüssigkeiten können Dispersionen wie sie
in DE 39 17 456 und DE
30 25 562 beschrieben sind eingesetzt werden. Die Dispersionen setzen sich
beispielsweise aus Emulsionscopolymerisaten und Metallsalzen zusammen.
Die Emulsionscopolymerisate können insbesondere aus
- • 1 bis 10 Gew.-% &agr;,&bgr;-monoolefinisch ungesättigte Mono-
und/oder Dicarbonsäuren wie Acryl-, Methacryl-, Malein- und/oder Fumarsäure
und
- • 99 bis 90 Gew.-% andere olefinisch ungesättigte Monomere wie Styrol,
C1-C6-Alkylacrylate wie Methylmethacrylat und
- • gegebenenfalls von 5 bis 30 Gew.-% eines Carbonsäureallylester-Monomers
mit 2 oder mehr copolymerisierbaren Doppelbindungen wie beispielsweise Diallylphthallat
polymerisiert werden.
Als Metallsalze werden in der Regel 0,1 bis 30 Gew.-% bezogen auf
die Copolymerisate an Metalloxiden, -hydroxiden, -halogeniden, -carbonaten, -hydrogensulfaten,
sulfaten und/oder -phosphaten zugesetzt.
Weiterhin enthalten die dilatanten Flüssigkeiten Verdünnungsmittel
wie Alkohole, Glykole, Di- und Triglykole, Formamid und insbesondere Wasser.
Beispiele für genaue Rezepturen dilatanter Flüssigkeiten
können den Schriften DE 30 25 562 und
DE 39 17 456 entnommen werden.
In diesem überkritischen Bereich kann die dilatante Dispersion
somit zur Übertragung von Schubspannungen durch Rotationsbewegung und/oder
Translationsbewegungen verwendet werden. Ein Verfahren zur Übertragung von
Schubspannungen durch Rotationsbewegungen und/oder Translationsbewegungen sich relativ
zueinander bewegender Flächen mit dazwischen befindlichen, scherverdickender
Medien ist Gegenstand der DE 31 48 888.
Hier werden auch verschiedene Beispiele für mögliche Ausführungsformen
solcher Module erläutert: So können die kritischen und unterkritischen
Schergeschwindigkeitsbereiche
- 1. durch konzentrische Drehung eines Kreiszylinders und dessen exzentrische
Lagerung gegenüber der Gehäusebohrung;
- 2. durch exzentrische Drehung eines Kreiszylinders und dessen konzentrische
Lagerung gegenüber der Gehäusebohrung;
- 3. durch konzentrische Drehung eines Rotationskörpers mit über dem
Umfang variablem, z.B. elliptischem Durchmesser und dessen konzentrischer Lagerung
gegenüber der Gehäusebohrung;
- 4. durch konzentrische Drehung eines Kreiszylinders und dessen konzentrische
Lagerung in einer Gehäuseöffnung mit über den Umfang variablen Abmessung;
- 5. durch konzentrische Drehung einer oder mehrerer, in radialer Richtung angeordneter,
z.B. kreisförmiger Scherflächenelemente und deren z.B. exzentrische Lagerung
gegenüber dem Gehäuse. In dieser Ausführungsform lässt sich
das übertragene Drehmoment vervielfachen, bzw. die spezifische Scherbelastung
des Fluids verringern
eingestellt werden.
In den obengenannten Ausführungsformen lassen sich bei Verwendung
von dilatanten Flüssigkeiten wie sie in der DE
39 17 456 beschrieben sind, sehr hohe Schubspannungen (100000 bis 1000000
Pa) erreichen. Bei einer einfachen Anordnung bestehend aus einer zylindrischen Gehäusebohrung
und einem darin eintauchenden Zylinder beispielsweise von der Höhe 0,1 m und
Radius 0,05 m kann damit eine Kraft von ca. 6 kN übertragen werden. Diese Kraft
ist ausreichend um einen Menschen mit 80 kg Körpergewicht im Falle eines Unfalls
abzufangen. Insbesondere bevorzugt ist die Verwendung eines Dämpfungselements
mit einem Volumen von 0,05 bis 2 Liter.
Der Spalt zwischen Gehäuse und Metallzylinder soll dabei vorzugsweise
zwischen 0,1 und 5 mm betragen. Es können auch Dispersionen verwendet werden,
bei denen der Übergang vom unterkritischen in den kritischen Bereich zwischen
0,01 und 100 s–1 erfolgt.