Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Zinksulfid enthaltender Kunststoff und dessen Verwendung.
Beschreibung[de]
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Zinksulfid enthaltender
Kunststoff und dessen Verwendung.
Die Erfindung betrifft außerdem die Verbesserung der Thermostabilität
von Kunststoffen, insbesondere von thermoplastischen und elastomeren Kunststoffen,
durch den Einsatz von Zinksulfid, insbesondere in Kombination mit organischen Antioxidantien
und organischen Metalldesaktivatoren.
Kunststoffe, insbesondere thermoplastische und elastomere Kunststoffe,
werden zunehmend in Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Lebensdauer eingesetzt.
Beispielhaft sind folgende Anwendungen zu nennen: Kabelisolierungen, Warmwasserrohre,
beispielsweise für Fußbodenheizung, Schläuche in Waschmaschinen und
Geschirrspülern, sowie Pumpengehäusen. Zum Einsatz in diesen Anwendungen
kommen vor allem Kunststoffe auf der Grundlage von Polymeren wie Polyethylen (PE)
und Polypropylen (PP). Anwendungen für elastomere Kunststoffe, beispielsweise
auf der Grundlage von Polymeren wie Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR), sind beispielsweise
Dichtungen und Schwingungsdämpfer. Die Kunststoffe sind verschiedenen Beanspruchungen
während ihrer Verarbeitung und in der Endanwendung ausgesetzt, die entscheidenden
Einfluss auf die Lebensdauer des Kunststoffes haben. Mechanische Belastung, Temperatur
und UV-Licht führen zu einer Schädigung des Polymers, so dass sich visuelle
und mechanische Eigenschaften verschlechtern, das heißt, es tritt beispielsweise
Vergilbung und Versprödung auf.
Wesentliche Bedeutung beim Polymerabbau hat die in 1
schematisch dargestellte Autoxidation (Autoxidationzyklus). Einwirkung von Wärme,
UV-Licht oder Scherbeanspruchung während der Verarbeitung führt zur Spaltung
der Polymerketten und zur Bildung von Radikalen R•. In Gegenwart von Luftsauerstoff
entstehen Peroxyradikale ROO•, die mit dem Polymer RH zum Hydroperoxid ROOH
abreagieren. Beim Zerfall des Hydroperoxides entstehen als Reaktionsprodukte die
Radikale RO• und •OH, die zum weiteren Abbau des Polymers beitragen.
Der homolytische Zerfall des Hydroperoxides ROOH in die Radikale RO•
und •OH ist für die Autoxidation Geschwindigkeits-bestimmend, da eine
hohe Aktivierungsenergie benötigt wird und die Reaktion erst ab Temperaturen
von 150°C statt findet. Die Gegenwart katalytischer Mengen von Schwermetallionen
setzt die Aktivierungsenergie herab und ermöglicht, dass der Zerfall des Hydroperoxides
bereits bei Raumtemperatur stattfinden kann. Katalytisch aktiv sind solche Metalle,
deren um eine Einheit verschiedene Oxidationsstufen eine vergleichbare Stabilität
aufweisen. Hierzu gehören beispielsweise Cu+1/Cu+2, Fe+2/Fe+3,
Co+2/Co+3 oder Mn+2/Mn+3. Der Redox-Prozess
kann folgendermaßen beschrieben werden (A.J. Chalk und J. F. Smith, Trans.
Farad. Soc. 53 (1957), S. 1214):
M = Fe, Cu, Mn, Co, Ce, V
Damit kommt den Schwermetallionen eine große Bedeutung für
die Stabilität des Polymers zu. Schwermetallionen werden beispielsweise über
mineralische Füllstoffe wie Talkum, Calciumcarbonat, Kaolin oder Bariumsulfat
eingebracht. Diese Füllstoffe sollen beispielsweise die mechanischen Eigenschaften
der Kunststoffe wie Schlagfestigkeit, Steifigkeit, Formbeständigkeit und Schalldämmung
verbessern. Direkter Kontakt des Kunststoffes mit einem Schwermetall, insbesondere
Kupfer, besteht beispielsweise in den Anwendungen Warmwasserrohre, wiederum beispielsweise
in Fußbodenheizungen, und Kabelisolierungen.
Zur Erhöhung der Langzeitthermostabilität und Alterungsbeständigkeit
von Kunststoffen, insbesondere von thermoplastischen und elastomeren Kunststoffen,
wiederum insbesondere von Kunststoffen auf der Grundlage von Polyolefinen, werden
zur Grundstabilisierung durch organische Antioxidantien (AO) zusätzlich Metalldesaktivatoren
(MD) eingesetzt.
Als Antioxidantien werden typischerweise folgende Verbindungsklassen
eingesetzt:
Sterisch gehinderte Phenole, sekundäre aromatische Amine, Aminophenole, Thioether,
Phosphite und Phosphonite, sterisch gehinderte Amine, Epoxidverbindungen.
Als Metalldesaktivatoren werden typischerweise organische Verbindungen
eingesetzt, die als Chelatbildner in der Lage sind, Schwermetallionen in Form von
Metallkomplexen zu immobilisieren.
Es werden beispielsweise folgende Verbindungsklassen eingesetzt:
Carbonsäureamide, cyclische Amide, Hydrazone und Bishydrazone, Hydrazide, diacylierte
Hydrazine, heterocyclische Verbindungen wie Melamin, Benzotriazole, 8-Oxychinolin,
Hydrazone und acylierte Derivate von Hydrazinotriazinen, Polyhydrazide, sterisch
gehinderte Phenole, Benzylphosphonsäure-Ni-Salze, Pyridinthiol-Sn-Verbindungen,
tertiäre Phosphorigsäureester schwefelhaltiger Bisphenole, und/oder Thioether.
Problematisch ist, dass organische Metalldesaktivatoren aus der zu
schützenden Polymermatrix wandern und damit an Wirksamkeit verlieren können.
Des Weiteren kann die Wirksamkeit des organischen Metalldesaktivators durch Adsorption
an der Oberfläche von Füllstoffen ebenfalls vermindert werden. Daher sind
die auch die gemäß des Standes der Technik langzeitthermostabilisierten
und alterungsbeständigen Kunststoffe einer vorzeitigen Verschlechterung der
visuellen und mechanischen Eigenschaften unterworfen.
Jedoch ist für bestimmte Anwendungen von Kunststoffen, beispielsweise
für Rohre für Fußbodenheizungen, eine deutlichere Erhöhung der
Langzeitthermostabilität und Alterungsbeständigkeit gewünscht. Immerhin
sollen diese Kunststoffrohre unter thermischer und mechanischer Wechselbelastung
über Jahre und Jahrzehnte unbeschadet im Estrich eines Fußbodens überdauern.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, die Nachteile des
Standes der Technik zu überwinden. Insbesondere ist es Aufgabe der vorliegenden
Erfindung, Kunststoffe bereitzustellen, die gegenüber dem Stand der Technik
eine deutlich erhöhte Langzeitthermostabilität und/oder Alterungsbeständigkeit
besitzen.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe überraschenderweise
durch die Merkmale des Hauptanspruchs gelöst. Vorzugsweise Ausgestaltungen
finden sich in den Unteransprüchen.
Dabei wird erfindungsgemäß die Aufgabe durch einen Kunststoff
gelöst, der Zinksulfid enthält, das eine mittlere Korngröße
d50 von 1 bis 400 nm, bevorzugt von 1 bis 250 nm, besonders bevorzugt
von 1 bis 50 nm, insbesondere bevorzugt von 3 bis 20 nm, ganz besonders bevorzugt
von 5 bis 15 nm hat.
Überraschenderweise wurde gefunden, dass Kunststoffe, die Zinksulfid
in Kombination mit organischen Antioxidantien und Metalldesaktivatoren enthalten,
eine deutlich erhöhte Langzeitthermostabilität und Alterungsbeständigkeit
gegenüber gemäß dem Stand der Technik stabilisierten Kunststoffen
aufweisen.
Insbesondere Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Zinksulfid
enthaltender Kunststoff mit erhöhter Langzeitthermostabilität und/oder
Alterungsbeständigkeit sowie dessen Verwendung.
Bei einem Kunststoff, der Zinksulfid mit einer mittleren Korngröße
d50 von 300 bis 350 nm (Sachtolith HD-S) in Kombination mit organischen
Antioxidantien und Metalldesaktivatoren enthält, ist bereits eine um 50 % erhöhte
Langzeitthermostabilität und Alterungsbeständigkeit gegenüber gemäß
dem Stand der Technik stabilisierten Kunststoffen festzustellen. Ein Kunststoff,
der Zinksulfid mit einer mittleren Korngröße d50 von 1 bis
250 nm (ZnS (nano)) in Kombination mit organischen Antioxidantien und Metalldesaktivatoren
enthält, weist eine um mehr als 100 % erhöhte Langzeitthermostabilität
und Alterungsbeständigkeit gegenüber gemäß dem Stand der Technik
stabilisierten Kunststoffen auf.
Ein solcher Kunststoff enthält erfindungsgemäß beispielsweise:
12 bis 99,8 Gew.-% Thermoplast, 0 bis 80 Gew.-% mineralischer Füllstoff, 0,05
bis 1,0 Gew.-% Antioxidant, 0,05 bis 2,0 Gew.-% organischer Metalldesaktivator und
0,1 bis 5,0 Gew-% ZnS (nano).
Weiterhin konnte die Geschwindigkeit des Elastizitätsverlustes
eines elastomeren Kunststoffes, beispielsweise auf Grundlage eines Styrol-Butadien-Kautschuks
(SBR), bei hoher Temperatur durch den Zusatz von Zinksulfid mit einer mittleren
Korngröße d50 von 1 bis 250 nm (ZnS (nano)) reduziert werden.
In einer erfindungsgemäßen Ausführung enthält
ein solcher elastomerer Kunststoff beispielsweise 100 phr Elastomer, 0 bis 10 phr
Vulkanisationsbeschleuniger, 0 bis 10 phr Vulkanisationsverzögerer, 0 bis 20
phr Zinkoxid, 0 bis 10 phr Stearinsäure, 0 bis 20 phr Schwefel
und/oder Peroxid, 0 bis 300 phr mineralischer Füllstoff, 0 bis 200 phr Weichmacher,
0 bis 30 phr protective system, enthaltend beispielsweise Antioxidantien und Antiozonantien,
und 0,1 bis 10 phr, bevorzugt 0,5 bis 7, besonders bevorzugt 2 bis 5 phr ZnS (nano).
Wie bei Elastomeren üblich und dem Fachmann bekannt sind die Anteile der Komponenten
in phr (parts per hundred resin) angegeben.
Es wird angenommen, dass die Sulfidanionen des Zinksulfids mit den
Schwermetallionen schwerlösliche Schwermetallsulfide bilden, die im Kunststoff
nicht wandern. Damit stehen die Schwermetallionen nur sehr eingeschränkt als
Katalysator für die Autoxidation des Polymers zur Verfügung.
Die Herstellung der erfindungsgemäßen Kunststoffe erfolgt
mit Verfahren gemäß dem Stand der Technik.
Gegenstand der Erfindung ist im Einzelnen:
– ein Kunststoff, der Zinksulfid enthält, wobei:
– das Zinksulfid:
• eine mittlere Korngröße d50 von 1 bis 400 nm, bevorzugt
von 1 bis 250 nm, besonders bevorzugt von 1 bis 50 nm, insbesondere bevorzugt von
3 bis 20 nm, ganz besonders bevorzugt von 5 bis 15 nm hat;
• eine spezifische Oberfläche (BET) von 20 bis 300 m2/g,
bevorzugt von 50 bis 180 m2/g hat;
• eine anorganische und/oder eine organische Oberflächenmodifizierung
besitzt, wobei:
• die anorganische Oberflächenmodifizierung des Zinksulfids aus einer
Verbindung besteht, die mindestens zwei der folgenden Elemente enthält: Aluminium,
Antimon, Barium, Calcium, Cer, Chlor, Cobalt, Eisen, Phosphor, Kohlenstoff, Mangan,
Sauerstoff, Schwefel, Silizium, Stickstoff, Strontium, Vanadium, Zink, Zinn, Zirkon;
• die organische Oberflächenmodifizierung aus mindestens einer der folgenden
Substanzklassen ausgewählt ist: Polyethern, Siloxanen, Polysiloxanen, Polycarbonsäuren,
Polyestern, Polyamiden, Polyethylenglykolen, Polyalkoholen, Fettsäuren, bevorzugt
ungesättigten Fettsäuren, Polyacrylaten;
• mit einem Anteil von 0,1 bis 5 Gew.-%, bevorzugt 0,2 bis 2 Gew.-%, besonders
bevorzugt 0,5 bis 1,5 Gew.-% im fertigen Kunststoff vorliegt;
– es sich bei dem Kunststoff um einen thermoplastischen Kunststoff handelt,
wobei:
• der Thermoplast vorzugsweise ausgewählt ist aus: Polyethylen (PE),
Polypropylen (PP), Polybutylen (PB), Poylamid (PA), Poylvinylchlorid (PVC), Acrylnitril-Butadien-Styrol-Terpolymer
(ABS), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polycarbonat (PC), Polyoxymethylen (POM), Poylbutylenterephthalat
(PBT), Polyurethan (PUR) oder Mischungen von mindestens zwei dieser Kunststoffe;
• der thermoplastische Kunststoff 12 bis 99,8 Gew.-% Thermoplast, 0 bis 80
Gew.-% mineralischen Füllstoff, 0 bis 80 Gew.-% Flammschutzmittel, 0,05 bis
1,0 Gew.-% Antioxidant, 0,05 bis 2,0 Gew.-% organischen Metalldesaktivator und 0,1
bis 5 Gew.-%, bevorzugt 0,2 bis 2 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,5 bis 1,5 Gew.-%
Gew-% ZnS (nano) enthält;
– es sich bei dem Kunststoff um einen elastomeren Kunststoff handelt,
wobei:
• das Elastomer vorzugsweise ausgewählt ist aus: Naturkautschuk (NR),
Isopren-Kautschuk (IR), Butyl-Kautschuk (CIIR, BIIR), Butadien-Kautschuk (BR), Styrol-Butadien-Kautschuk
(SBR), Acrylnitril-Butadien-Kautschuk (NBR), Brombutyl-Kautschuk (BIIR), Styrol-Butadien-Isopren-Kautschuk
(SBIR), Chloropren-Kautschuk (CR), chlorsulfonierter Polyethylen-Kautschuk (CSM),
hydrierter NBR-Kautschuk (HNBR), Polymethylsiloxan-Vinyl-Kautschuk (VMQ), Acrylat-Ethylen-Kautschuk
(AEM), Acrylat-Kautschuk (ACM), Fluor-Kautschuk (FKM), Fluorsilikon-Kautschuk (FVMQ),
thermoplastischen Elastomeren (TPE), thermoplastischen Elastomeren (TPE) auf Basis
von Polyamid (TPA), auf Basis von Copolyestern (TPC), auf Basis von Olefinen (TPO),
auf Basis von Styrol (TPS), auf Basis von Polyurethan (TPU), auf Basis von vernetztem
Kautschuk (TPV) oder Mischungen von mindestens zwei dieser Kunststoffe;
• der elastomere Kunststoff 100 phr Elastomer, 0 bis 10 phr Vulkanisationsbeschleuniger,
0 bis 10 phr Vulkanisationsverzögerer, 0 bis 20 phr Zinkoxid, 0 bis 10 phr
Stearinsäure, 0 bis 20 phr Schwefel und/oder Peroxid, 0 bis 300 phr mineralischen
Füllstoff, 0 bis 200 phr Weichmacher, 0 bis 30 phr protective system, enthaltend
vorzugsweise Antioxidantien und Antiozonantien, und 0,1 bis 10 phr, bevorzugt 0,5
bis 7, besonders bevorzugt 2 bis 5 phr ZnS (nano) enthält;
– die Verwendung des erfindungsgemäßen Kunststoffes:
– in thermisch belasteten Systemen;
– in Systemen, in denen der Kunststoff in unmittelbaren Kontakt mit Metall
und/oder Wasser steht;
– zur Herstellung von Kabelisolierungen, Pumpengehäusen, Dichtungen
und Schwingungsdämpfern, Warmwasserrohen, beispielsweise für Fußbodenheizungen,
sowie Schläuchen in Waschmaschinen und Geschirrspülern;
– ein Masterbatch, der Zinksulfid enthält, zur Herstellung eines
erfindungsgemäßen Kunststoffes, wobei;
– das Zinksulfid:
• eine mittlere Korngröße d50 von 1 bis 400 nm, bevorzugt
von 1 bis 250 nm, besonders bevorzugt von 1 bis 50 nm, insbesondere bevorzugt von
3 bis 20 nm, ganz besonders bevorzugt von 5 bis 15 nm hat;
• eine spezifische Oberfläche (BET) von 20 bis 300 m2/g,
bevorzugt von 50 bis 180 m2/g hat;
• eine anorganische und/oder eine organische Oberflächenmodifizierung
besitzt, wobei:
• die anorganische Oberflächenmodifizierung des Zinksulfids aus einer
Verbindung besteht, die mindestens zwei der folgenden Elemente enthält: Aluminium,
Antimon, Barium, Calcium, Cer, Chlor, Cobalt, Eisen, Phosphor, Kohlenstoff, Mangan,
Sauerstoff, Schwefel, Silizium, Stickstoff, Strontium, Vanadium, Zink, Zinn, Zirkon;
• die organische Oberflächenmodifizierung aus mindestens einer der folgenden
Substanzklassen ausgewählt ist: Polyethern, Siloxanen, Polysiloxanen, Polycarbonsäuren,
Polyestern, Polyamiden, Polyethylenglykolen, Polyalkoholen, Fettsäuren, bevorzugt
ungesättigten Fettsäuren, Polyacrylaten;
• mit einem Anteil von 0,5 bis 25 Gew.-%, bevorzugt 1 bis 10 Gew.-%, besonders
bevorzugt 2 bis 5 Gew.-% im Masterbatch vorliegt;
– die Verwendung des erfindungsgemäßen Masterbatches zur Herstellung
des erfindungsgemäßen Kunststoffes;
– die Verwendung von Zinksulfid zur Erhöhung der Langzeitthermostabilität
und/oder Alterungsbeständigkeit von Kunststoffen;
– die Verwendung von Zinksulfid zur Erhöhung der Langzeitthermostabilität
und/oder Alterungsbeständigkeit von mineralisch gefüllten Kunststoffen.
Die nachfolgenden Beispiele sollen die Erfindung näher erläutern,
ohne sie dadurch einzuschränken.
Von den Ausgangskomponenten Sachtolith HD-S (d50 300 bis
350 nm) oder Zinksulfid (ZnS (nano)) und gegebenenfalls Talkum wurden erfindungsgemäße
PP-Masterbatches gefertigt, beispielsweise: Talkum 25 Gew.-% in PP-H(Homopolymer),
Sachtolith HD-S 50 Gew.-% in PP-H, ZnS (nano) (d50 = 10 nm) 5 Gew.-%
in PP-H. Außerdem wurden Masterbatches mit Rezepturen gemäß dem Stand
der Technik gefertigt. Bei der Herstellung der Masterbatches wurde auf den Zusatz
von Dispergierhilfsmitteln, Antioxidantien und Metalldesaktivatoren verzichtet.
Anschließend wurden neun verschiedene PP-Zusammensetzungen entsprechend
der in Tabelle aufgeführten Rezepturen auf der Grundlage der zuvor gefertigten
Masterbatches mit einem Brabender Einschneckenextruder gefertigt. Antioxidant und
Metalldesaktivator wurden entsprechend der Rezeptur erst bei der Herstellung des
Prüfmaterials als Pulver zugegeben.
Die Herstellung der Kunststoffe erfolgt mit Verfahren gemäß
dem Stand der Technik. Tabelle 1: Rezepturen PP-Compounds
1) AO = Pentaerythriol-Tetrakis-(3-(3,5-di-tert-butyl-4-hydroxyphenyl)propionat)
Der zu 100 Gew.-% fehlende Anteil entspricht dem des Polypropylens.
Die erhaltenen Kunststoffe wurden anschließend auf einem Spritzgussgerät,
beispielsweise auf dem Arburg Allrounder, zu Prüfkörpern (125 mm ×
10 mm × 0,5 mm) verspritzt. Danach wurden diese den nachfolgend beschriebenen
Prüfungen unterzogen.
Beispiel 1: Thermostabilitätsprüfung WAP (Wärmealterungsprüfung)
140°C
Die Thermostabilitätsprüfung WAP wurde im Umlufttrockenschrank
analog zur DIN 53383 bei 140°C durchgeführt. Die Probenkörper wurden
mittels einer Klammer in den Trockenschrank eingehängt. Sobald ein Prüfkörper
Abbauerscheinungen am Polymer in Form von braunen Stippen aufwies, wurde dieser
aus dem Testprogramm entfernt. Die Zeit wurde notiert. Die Ergebnisse sind in Tabelle
2 wiedergegeben.
Tabelle 2: Ergebnisse der Thermostabilitätsprüfung WAP 140°C
Beispiel 2: Kombinierte Wasserbadlagerung 1500 h/85°C und Ofenalterung
WAP 140°C
Die Prüfkörper wurden in VA-Reagenzglasständern aufrecht
in einem elektrisch beheizten Bad mit vollentsalztem Wasser bei 85°C gelagert.
Das Wasser wurde einmal wöchentlich ausgewechselt. Nach 1500 h im Wasserbad
wurden die Probenkörper wie in Beispiel 1 beschrieben im Umlufttrockenschrank
gelagert und geprüft. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 wiedergegeben.
Tabelle 3: Ergebnisse der kombinierten Wasserbadlagerung 1500 h/85
°C und Ofenalterung WAP 140°C
Beispiel 3: Wärmestabilitätsprüfung WAP 140°C mit Kupferkontakt
Zur Simulation einer Kabelanwendung wurden die Probenkörper mit
Cu-Folie umwickelt und wie in Beispiel 1 beschrieben im Umlufttrockenschrank gelagert
und geprüft. Die Ergebnisse sind in Tabelle 4 wiedergegeben.
Tabelle 4: Ergebnisse der Wärmestabilitätsprüfung WAP
140°C mit Kupferkontakt
Weitere erfindungsgemäß bevorzugte thermoplastische Kunststoffe
haben folgende Zusammensetzung:
Beispiel 4: Ofenalterung eines Styrol-Butadien-Kautschuks bei 150°C
Es wurden fünf verschiedene Elastomer-Zusammensetzungen entsprechend
der in Tabelle 5 aufgeführten Rezepturen hergestellt. Die einzelnen Komponenten
wurden nacheinander auf einem 2-Walzen-Kalander in einem Temperaturbereich von 20
bis 80 °C gemischt. Es wurden die zur Bestimmung der Shore A Härte analog
DIN 53505 erforderlichen Prüfköper aus dem Walzfell mit einer Schichtdicke
von 6 mm gestanzt.
Tabelle 5: Rezepturen SBR-Mischungen
Beispiel 5: Wärmestabilitätsprüfung WAP 150°C mit Kupferkontakt
Die Thermostabilitätsprüfung WAP wurde in einem Umluftrockenschrank
analog DIN 53383 bei 150 °C durchgeführt. Die Probekörper wurden
mit Cu-Folie umwickelt und mittels einer Klammer in den Trockenschrank eingehängt.
Nach 3, 4, 5, 6, 7 und 10 Tagen wurden die Probekörper aus dem Trockenschrank
genommen, die Cu-Folie entfernt und die Shore A Härte analog DIN 53505 an der
Stelle mit Cu-Kontakt bestimmt. Dabei ist eine höhere Shore A Härte ein
Maß für die unerwünschte Versprödung des Werkstoffs. Die Ergebnisse
sind in Tabelle 6 und 2 wiedergegeben. Tabelle 6: Shore A Härte nach Wärmealterung bei 150°C
Fig. 2:
Abszisse: Zeit in Tagen;
Ordinate: Shore A Härte;
(1): Mischung 1;
(2): Mischung 2;
(3): Mischung 3;
(4): Mischung 4;
(5): Mischung 5
Anspruch[de]
Kunststoff, dadurch gekennzeichnet, dass er Zinksulfid enthält.Kunststoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Zinksulfid
eine mittlere Korngröße d50 von 1 bis 400 nm, bevorzugt von
1 bis 250 nm, besonders bevorzugt von 1 bis 50 nm, insbesondere bevorzugt von 3
bis 20 nm, ganz besonders bevorzugt von 5 bis 15 nm hat.Kunststoff nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das
Zinksulfid eine spezifische Oberfläche (BET) von 20 bis 300 m2/g,
bevorzugt von 50 bis 180 m2/g hat.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, dass das Zinksulfid eine anorganische und/oder eine organische Oberflächenmodifizierung
besitzt.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, dass die anorganische Oberflächenmodifizierung des Zinksulfids
aus einer Verbindung besteht, die mindestens zwei der folgenden Elemente enthält:
Aluminium, Antimon, Barium, Calcium, Cer, Chlor, Cobalt, Eisen, Phosphor, Kohlenstoff,
Mangan, Sauerstoff, Schwefel, Silizium, Stickstoff, Strontium, Vanadium, Zink, Zinn,
Zirkon.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, dass die organische Oberflächenmodifizierung aus mindestens
einer der folgenden Substanzklassen ausgewählt ist: Polyethern, Siloxanen,
Polysiloxanen, Polycarbonsäuren, Polyestern, Polyamiden, Polyethylenglykolen,
Polyalkoholen, Fettsäuren, bevorzugt ungesättigten Fettsäuren, Polyacrylaten.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch
gekennzeichnet, dass das Zinksulfid mit einem Anteil von 0,1 bis 5 Gew.-%, bevorzugt
0,2 bis 2 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,5 bis 1,5 Gew.-% im fertigen Kunststoff
vorliegt.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, dass es sich bei dem Kunststoff um einen thermoplastischen Kunststoff
handelt.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch
gekennzeichnet, dass der Thermoplast ausgewählt ist: aus Polyethylen (PE),
Polypropylen (PP), Polybutylen (PB), Poylamid (PA), Poylvinylchlorid (PVC), Acrylnitril-Butadien-Styrol-Terpolymer
(ABS), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polycarbonat (PC), Polyoxymethylen (POM), Poylbutylenterephthalat
(PBT), Polyurethan (PUR) oder Mischungen von mindestens zwei dieser Kunststoffe.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch
gekennzeichnet, dass er 12 bis 99,8 Gew.-% Thermoplast, 0 bis 80 Gew.-% mineralischen
Füllstoff, 0 bis 80 Gew.-% Flammschutzmittel, 0,05 bis 1,0 Gew.-% Antioxidant,
0,05 bis 2,0 Gew.-% organischen Metalldesaktivator und 0,1 bis 5 Gew.-%, bevorzugt
0,2 bis 2 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,5 bis 1,5 Gew.-% Gew-% ZnS (nano) enthält.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, dass es sich bei dem Kunststoff um einen elastomeren Kunststoff
handelt.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7 oder 11,
dadurch gekennzeichnet, dass der Elastomer ausgewählt ist aus: Naturkautschuk
(NR), Isopren-Kautschuk (IR), Butyl-Kautschuk (CIIR, BIIR), Butadien-Kautschuk (BR),
Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR), Acrylnitril-Butadien-Kautschuk (NBR), Brombutyl-Kautschuk
(BIIR), Styrol-Butadien-Isopren-Kautschuk (SBIR), Chloropren-Kautschuk (CR), chlorsulfonierter
Polyethylen-Kautschuk (CSM), hydrierter NBR-Kautschuk (HNBR), Polymethylsiloxan-Vinyl-Kautschuk
(VMQ), Acrylat-Ethylen-Kautschuk (AEM), Acrylat-Kautschuk (ACM), Fluor-Kautschuk
(FKM), Fluorsilikon-Kautschuk (FVMQ), thermoplastischen Elastomeren (TPE), thermoplastischen
Elastomeren (TPE) auf Basis von Polyamid (TPA), auf Basis von Copolyestern (TPC),
auf Basis von Olefinen (TPO), auf Basis von Styrol (TPS), auf Basis von Polyurethan
(TPU), auf Basis von vernetztem Kautschuk (TPV) oder Mischungen von mindestens zwei
dieser Kunststoffe.Kunststoff nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7 oder 11
bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass er 100 phr Elastomer, 0 bis 10 phr Vulkanisationsbeschleuniger,
0 bis 10 phr Vulkanisationsverzögerer, 0 bis 20 phr Zinkoxid, 0 bis 10 phr
Stearinsäure, 0 bis 20 phr Schwefel und/oder Peroxid, 0 bis 300 phr mineralischer
Füllstoff, 0 bis 200 phr Weichmacher, 0 bis 30 phr protective system, enthaltend
vorzugsweise Antioxidantien und Antiozonantien, und 0,1 bis 10 phr, bevorzugt 0,5
bis 7, besonders bevorzugt 2 bis 5 phr ZnS (nano) enthält.Verwendung eines Kunststoffes nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 13 in thermisch belasteten Systemen.Verwendung eines Kunststoffes nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 13 in Systemen, in denen der Kunststoff in unmittelbaren Kontakt mit Metall
und/oder Wasser steht.Verwendung eines Kunststoffes nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 13 zur Herstellung von Kabelisolierungen, Pumpengehäusen, Dichtungen
und Schwingungsdämpfern, Warmwasserrohen, beispielsweise für Fußbodenheizungen,
sowie Schläuchen in Waschmaschinen und Geschirrspülern.Masterbatch zur Herstellung von Kunststoffen, dadurch gekennzeichnet,
dass er Zinksulfid enthält.Masterbatch zur Herstellung von Kunststoffen nach Anspruch 17, dadurch
gekennzeichnet, dass das Zinksulfid eine mittlere Korngröße d50
von 1 bis 400 nm, bevorzugt von 1 bis 250 nm, besonders bevorzugt von 1 bis 50 nm,
insbesondere bevorzugt von 3 bis 20 nm, ganz besonders bevorzugt von 5 bis 15 nm
hat.Masterbatch, nach Anspruch 17 oder 18, dadurch gekennzeichnet, dass
das Zinksulfid eine spezifische Oberfläche (BET) von 20 bis 300 m2/g,
bevorzugt von 50 bis 180 m2/g hat.Masterbatch, nach mindestens einem der Ansprüche 17 bis 19, dadurch
gekennzeichnet, dass das Zinksulfid eine anorganische und/oder eine organische Oberflächenmodifizierung
besitzt.Masterbatch nach mindestens einem der Ansprüche 17 bis 20, dadurch
gekennzeichnet, dass die anorganische Oberflächenmodifizierung des Zinksulfids
aus einer Verbindung besteht, die mindestens zwei der folgenden Elemente enthält:
Aluminium, Antimon, Barium, Calcium, Cer, Chlor, Cobalt, Eisen, Phosphor, Kohlenstoff,
Mangan, Sauerstoff, Schwefel, Silizium, Stickstoff, Strontium, Vanadium, Zink, Zinn,
Zirkon.Masterbatch nach mindestens einem der Ansprüche 17 bis 21, dadurch
gekennzeichnet, dass die organische Oberflächenmodifizierung
aus mindestens einer der folgenden Substanzklassen ausgewählt ist: Polyethern,
Siloxanen, Polysiloxanen, Polycarbonsäuren, Polyethern, Polyamiden, Polyethylenglykolen,
Polyalkoholen, Fettsäuren, bevorzugt ungesättigten Fettsäuren, Polyacrylaten.Masterbatch nach mindestens einem der Ansprüche 17 bis 22, dadurch
gekennzeichnet, dass das Zinksulfid mit einem Anteil von 0,5 bis 25 Gew.-%, bevorzugt
1 bis 10 Gew.-%, besonders bevorzugt 2 bis 5 Gew.-% im Masterbatch vorliegt.Verwendung eines Masterbatches nach mindestens einem der Ansprüche
17 bis 23 zur Herstellung eines Kunststoffes nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 13.