Die vorliegende Erfindung betrifft eine austenitische rostfreie Stahllegierung,
genauer gesagt eine hochfeste ausscheidungshärtbare austenitische rostfreie
Stahllegierung, welche einen gut ausgeglichenen Aluminiumgehalt und einen hohen
Siliciumgehalt aufweist, ein Produkt, welches durch Kaltverformung, insbesondere
Ziehen, ohne zwischengeschaltete Hitzebehandlung reduziert wird, dessen Festigkeit
durch abschließende Hitzebehandlung bei 300°C bis 500°C um nicht
weniger als 14% zunimmt, welches einen Md30-Wert von zwischen –55
und –100 hat, einen Kraftverlust von weniger als 3,0% bei 1400 N während
24 Stunden zeigt und welches für die Verwendung in Federanwendungen, wie Federn
aus rundem Draht und Bandstahl, und in medizinischen Anwendungen, wie chirurgischen
und zahnmedizinischen Instrumenten, sehr gut geeignet ist.
Hintergrund der Erfindung
Auf dem Markt für rostfreien Federstahl nehmen die kaltverformten
austenitischen rostfreien Federstähle des Typs AISI 302 eine dominierende Position
ein. Dies ist auf eine Kombination aus relativ guter Korrosionsbeständigkeit
und der Möglichkeit des Kaltverormens des Materials zu einer beträchtlichen
Festigkeit zurückzuführen, was eine Voraussetzung für ein gutes Federmaterial
ist. Ausgehend von dem kaltverformten Zustand können die mechanischen Eigenschaften
zusätzlich mittels einer einfachen Hitzebehandlung verbessert werden. Stahl
des Typs AISI 631 ist mit Aluminium legiert, um die Steigerung der Festigkeit bei
Hitzebehandlung noch weiter zu verbessern. Während der Kaltverformung findet
eine Umwandlung von dem austenitischen Hauptbestandteil der geglühten Struktur
zu Verformungsmartensit statt, welcher härter ist als die Phase, aus der er
gebildet wurde. Dieses rasche Verformungshärten reduziert gleichzeitig die
Duktilität des Materials, und aus diesem Grund muß das Weichglühen
in einer oder mehreren Stufen in der Produktionskette durchgeführt werden.
Dies verteuert den Herstellungsvorgang und erhöht gleichzeitig das Risiko,
daß in dem Material Oberflächendefekte entstehen. Für Stahl des Typs
AISI 631 bringt es die Zugabe von Aluminium mit sich, daß das Material während
der Verfestigung nach dem Gießen in der Struktur tendenziell Ferrit bildet.
Die resultierende austenitisch-ferritische Struktur und der relativ niedrige Legierungsgehalt
führen zu einem raschen Verformungshärten, was bedeutet, daß nur
moderate Reduktionen möglich sind, um Rißbildung während des Herstellungsvorgangs
zu vermeiden. Alternativ werden Stähle der Typen AISI 304 und AISI 316 als
Federstähle verwendet. Diese Stähle sind höher legiert und weisen
einen niedrigeren Kohlenstoffgehalt auf als Stähle der Typen AISI 302 und AISI
631. Dies führt dazu, daß bei diesem Stahltyp eine höhere Reduktionsrate
ermöglicht werden kann. Der Nachteil bei diesen Stählen besteht darin,
daß die Eigenschaften des resultierenden Produkts, die für eine gute Federfunktion
wesentlich sind, häufig schlechter sind als für die Stähle der Typen
AISI 302 und AISI 631. Ein Beispiel einer solchen Eigenschaft ist die Beständigkeit
gegen Entspannung, was die Fähigkeit einer Feder beschreibt, ihre Federstärke
im zeitlichen Verlauf beizubehalten.
Die US-A-6 106 639 beschreibt einen Cr-Ni-Cu-Stahl, der zwischen den
Glühvorgängen stark reduziert werden kann. In der beispielhaften Ausführung
wird eine Festigkeit von 1856 MPa bei einer Reduktion von &egr; = 3,41 (5,5 bis
1 mm) angegeben. Diese wird mit einer spezifizierten Festigkeit gemäß
dem Standard von 2050 MPa verglichen. Laut der US-A-6 106 639 muß eine Hitzebehandlung
durchgeführt werden, um zu ermöglichen, daß die Legierung Festigkeitswerte
gemäß diesem Standard erreicht. Die Legierung gemäß der US-A-6
106 639 enthält Kupfer als die Festigkeit steigerndes Element bei Hitzebehandlung.
In der US-A 6 048 416 wird ein Cr-Ni-Cu-Stahl beschrieben, der Fahrzeugreifen
in der Form von hochfestem Stahldraht verstärken soll. Um die gewünschten
Eigenschaften zu erzielen, muß die Legierung gemäß der US-A-6 048
416 hinsichtlich ihrer Zusammensetzung innerhalb eines Stabilitätsintervalls
liegen, der durch einen sogenannten JM-Wert (JM = 551 – 462 × (C% +
N%) – 9,2 × Si% – 20 × Mn% – 13,7 × Cr% –
29 × (Ni% + Cu%) – 18,5 × Mo%) ausgedrückt wird und welcher
größer als –55, aber kleiner als –30 sein sollte. In der
erfindungsgemäßen Legierung ist die kumulative logarithmische (&egr;
= 2·In(S0/Sf)) Reduktionsrate auf einen maximalen Wert
von 4 beschränkt. Dies entspricht einer maximalen Flächenreduzierung beim
Drahtziehen von 98%. Neben Kupfer enthält die Legierung gemäß der
US-A-6 048 416 kein ausscheidungshärtbares Element.
Zusammenfassung der Erfindung
Es ist daher ein Ziel der vorliegenden Erfindung, eine hochfeste,
ausscheidungshärtbare, austenitische rostfreie Stahllegierung bereitzustellen,
die eine gut ausgeglichene Menge an Aluminium enthält und einen hohen Siliciumgehalt
hat, ein Produkt, welches durch Kaltverformung, insbesondere Ziehen, ohne zwischengeschaltete
Hitzebehandlung reduziert wird, dessen Festigkeit durch abschließende Hitzebehandlung bei
300°C bis 500°C um nicht weniger als 14% zunimmt, welches einen Md30-Wert
von zwischen –55 und –100 zeigt, einen Kraftverlust von weniger als
3,0% bei 1400 N während 24 Stunden aufweist und welches zur Verwendung in Federanwendungen,
wie Federn aus rundem Draht und Bandstahl, und medizinischen Anwendungen, wie chirurgischen
und zahnmedizinischen Instrumenten, sehr gut geeignet ist.
Gemäß der vorliegenden Erfindung werden diese Ziele durch
eine hochfeste, ausscheidungshärtbare, austenitische rostfreie Stahllegierung
erreicht, die die folgende Zusammensetzung hat (in Gewichts-%):
Cmehr als 0 bis 0,07Si0,5 bis 3,0Nmax. 0,1Cr15,0 bis 20,0Ni9,0 bis 10,0Al0,25 bis 1,5Cu2,4 bis 3,0Mn> 0 bis 3,0Mo1,0Ti> 0 bis 1,0
Rest Fe und üblicherweise auftretende Verunreinigungen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
1 zeigt den Kraftverlust der Federn nach 24 Stunden
mit erfindungsgemäßen Materialien im Vergleich zu AISI 302 und Charge
Nr. 150725.
2 zeigt die abschließende Zugfestigkeit von erfindungsgemäßen
Materialien im Vergleich zu AISI 302* (* – mit zwischengeschalteter Hitzebehandlung)
und Charge Nr. 150725.
3 zeigt die abschließende Zugfestigkeit als eine
logarithmische Funktion der kumulativen Reduktionsrate von erfindungsgemäßen
Materialien im Vergleich zu Charge Nr. 150725.
4 zeigt schematisch ein Segment einer möglichen
Ausführungsform eines Spreizrings in Seitenansicht.
5 zeigt in 5a den Ring
in einer Draufsicht von oben. Die Enden werden durch die Kraft F aneinandergedrückt.
In 5b ist der Ring in Seitenansicht gezeigt, und die
Enden werden durch die Kraft F aneinandergedrückt. In 5c
ist ein Teil des Spreizrings gezeigt, der ein flaches Federelement darstellt, und
wie dieses durch die Kraft F beeinflußt wird.
6 zeigt verschiedene Ausführungsformen für
Bandfedern.
Ausführliche Beschreibung der Erfindung
Die Bedeutung der Legierungselemente für die vorliegende Legierung
ist wie folgt:
Kohlenstoff (C) hat eine starke Neigung, sich mit Chrom zu vereinigen, was bedeutet,
daß Chromcarbid in den Kristallkorngrenzen präzipitiert, wodurch die Umgebung
der Masse an Chrom verarmt. So verschlechtern sich bei hohen Kohlenstoffgehalten
die Korrosionseigenschaften des Materials und es kommt auch zu Problemen aufgrund
von Versprödung, was insbesondere dann problematisch ist, wenn der Draht zu
Federn geformt wird. Daher sollte der Kohlenstoffgehalt so gering wie möglich,
auf mehr als 0,0 Gewichts-%, jedoch auf maximal 0,07 Gewichts-%, bevorzugt 0,05
Gewichts-% und am meisten bevorzugt auf maximal 0,035 Gewichts-%, gehalten werden.
Silicium (Si) hat eine Ferrit-stabilisierende Wirkung, was dazu führt,
daß ein zu hoher Siliciumgehalt eine Zwei-Phasen-Struktur erzeugt. Daher sollte
der Siliciumgehalt 3,0 Gewichts-% nicht übersteigen. Silicium ist jedoch auch
dahingehend vorteilhaft, daß es bei Hitzebehandlung zu einer stärkeren
Zunahme der Festigkeit des kaltverformten Produkts führt. Daher sollte der
Siliciumgehalt nicht weniger als 0,5 Gewichts-% betragen und sollte im Bereich von
0,5 bis 3,0 Gewichts-%, bevorzugt zwischen 0,5 und 2,5 Gewichts-% liegen und am
meisten bevorzugt 0,5 bis 1,5 Gewichts-% betragen.
Stickstoff (N) ist ein Legierungselement, welches zusammen mit Aluminium unerwünschte
spröde Schlacken in Form von Aluminiumnitriden bildet. Weiterhin steigert Stickstoff
das Verformungshärten bei der Kaltverformung, was in der vorliegenden
Erfindung einen Nachteil darstellt. Daher ist es von größter Wichtigkeit,
den Stickstoffgehalt so gering wie möglich zu halten, und zwar maximal auf
0,1 Gewichts-%, bevorzugt 0,05 Gewichts-%.
Chrom (Cr) ist hinsichtlich der Korrosionsbeständigkeit des Materials ein
sehr wichtiges Legierungselement. Dies ist auf die Fähigkeit von Chrom zurückzuführen,
eine passive Schicht aus Cr2O3 auf der Oberfläche des
Stahls auszubilden. Damit sich diese passive Schicht bildet, ist es erforderlich,
daß der Chromgehalt ungefähr 12,0 Gewichts-% überschreitet. Zusätzlich
nimmt die Korrosionsbeständigkeit mit höherem Chromgehalt zu. Ein weiterer
Vorteil von Chrom besteht darin, daß die austenitische Struktur des Materials
gegen einen Übergang zu Martensit bei der Kaltverformung stabilisiert wird.
Chrom wirkt jedoch Ferrit-stabilisierend, und somit sollte der Gehalt nicht zu hoch
sein. Daher sollte in der Legierung gemäß der vorliegenden Erfindung der
Chromgehalt nicht weniger als 15,0 Gewichts-% und nicht mehr als 20,0 Gewichts-%
betragen und vorzugsweise im Bereich von 16,0 bis 19,0 Gewichts-% liegen.
Nickel (Ni) ist ein Legierungselement, welches, wenn es in ausreichender Menge
vorliegt, sicherstellt, daß das Material bei Raumtemperatur eine austenitische
Struktur bekommt. Des weiteren verbessert sich die Duktilität mit einem gesteigerten
Nickelgehalt. Nickel ist jedoch ein teures Legierungselement, und hohe Gehalte bringen
eine langsame Verformungshärtung mit sich, was wiederum zu Schwierigkeiten
führt, eine ausreichende Festigkeit zu erzielen. Demnach sollte der Nickelgehalt
im Bereich von 7,0 bis 12,0 Gewichts-%, bevorzugt zwischen 8,0 und 11,0 Gewichts-%
und am meisten bevorzugt im Bereich von 9,0 bis 10,0 Gewichts-% liegen.
Aluminium (Al) ist in der vorliegenden Erfindung ein zentrales Legierungselement.
Aluminium wird als ausscheidungshärtbares Element zugegeben, um die Festigkeit
zu erhöhen, was wiederum die Beständigkeit gegen Entspannung beeinflußt.
Während des Ausscheidungshärtens des kaltverformten Drahts bei 350–500°C
bilden sich Präzipitate in Form von &bgr;-NiAl, was die mechanischen Eigenschaften
anders als bei bislang bekannten Materialien verbessert. Dieser Effekt ist von größter
Bedeutung, wenn der Draht in Form von Federn verwendet werden soll, deren Entspannungsbeständigkeit
sehr hohen Anforderungen genügen muß. Ein Nachteil von Aluminium besteht
darin, daß es Ferrit stabilisiert, und aus diesem Grund sollte der Aluminiumgehalt
auf maximal 1,5 Gewichts-% beschränkt sein. Im Hinblick auf die obigen Ausführungen
sollte der Aluminiumgehalt jedoch wenigstens 0,25 Gewichts-% betragen und vorzugsweise
im Bereich von 0,4 bis 1,0 Gewichts-% liegen.
Kupfer (Cu) ist ein Legierungselement mit zwei wichtigen Eigenschaften. Erstens
ist Kupfer ein austenitstabilisierendes Element, und zweitens verringert Kupfer
das Verformungshärten des Materials und bringt eine verbesserte Duktilität
mit sich. Da das Material ohne zwischengeschaltetes Glühen extremen Reduzierungen
standhalten muß, sollte der Kupfergehalt möglichst hoch sein. Mit steigendem
Kupfergehalt nimmt jedoch auch das Risiko unerwünschter Präzipitationen
zu, wodurch die Duktilität des Materials abnimmt. Daher sollte der Kupfergehalt
im Bereich von 0 ≤ Cu ≤ 4,0 Gewichts-%, bevorzugt zwischen 2,0 und
3,5 Gewichts-%, am meisten bevorzugt zwischen 2,4 und 3,0 Gewichts-%, liegen.
Mangan (Mn) hat eine ähnliche Wirkung wie Nickel, sowohl im Hinblick auf
die Bildung von Austenit beim Härten als auch im Hinblick auf die Stabilisierung
desselben gegen eine Umwandlung in Martensit beim Kaltverformen. Mangan steigert
jedoch das Verformungshärten, was bei Nickel nicht der Fall ist. Dies führt
zu einem schnelleren Verformungshärten und reduziert die größtmögliche
Reduktionsrate zwischen den Glühvorgängen. Daher sollte der Mangangehalt
mehr als 0,0 Gewichts-% betragen, jedoch auf maximal 3,0 Gewichts-%, bevorzugt auf
maximal 1,0 Gewichts-%, beschränkt sein.
Molybdän (Mo) ist ein Ferrit-stabilisierendes Element mit einer sehr vorteilhaften
Auswirkung auf die Korrosionsbeständigkeit in Chloridumgebungen. Etablierte
PRE-(Lochfraß-Beständigkeits-Äquivalent) Formeln weisen Molybdän
im Vergleich zu der Auswirkung von Chrom einen Faktor von ~3 zu. Ein hoher Molybdängehalt
stabilisiert die Ferritphase in dem Stahl. Weiterhin besteht ein erhöhtes Risiko
einer Präzipitation von intermetallischen Phasen, wie Sigmaphase. Daher sollte
der Molybdängehalt mehr als 0,0 Gewichts-% betragen, jedoch nach oben auf 2,0
Gewichts-% beschränkt sein.
Titan (Ti) ist wie Aluminium ein ausscheidungshärtbares Element, welches
zugegeben wird, um die Festigkeit zu erhöhen, was wiederum die Entspannungsbeständigkeit
beeinflußt. Weiterhin ergibt Titan zusammen mit Silicium bereits bei niedrigen
Titangehalten eine starke Hitzebehandlungswirkung. Titan wirkt jedoch stark Ferrit-stabilisierend,
weshalb der Gehalt nicht zu hoch sein sollte. So sollte der Titangehalt mehr als
0,0 Gewichts-% betragen, jedoch nach oben auf 1,0 Gewichts-%, bevorzugt auf maximal
0,75 Gewichts-%, beschränkt sein.
Beschreibung des Testverfahrens
Die Testmaterialien wurden durch Schmelzen in einem Hochfrequenzofen
hergestellt. Danach wurden alle Testblöcke vollständig gemahlen, ehe sie
geschmiedet wurden. Die Blöcke wurden auf 103 × 103 mm Länge an Material
geschmiedet. Die Heiztemperatur lag im Bereich zwischen 1240°C und 1260°C.
Die Haltezeit bei voller Temperatur betrug 1 h. Bei der anschließenden Behandlung
der Rohteile wurden die Rohteile vollständig gemahlen und
mit Ultraschall getestet.
Drahtstäbe im Dimensionsbereich von ø 5,50 mm–ø
5,60 mm wurden hergestellt, indem die Rohteile auf 1200°C–1240°C
erhitzt wurden, woraufhin sie zu ihrer endgültigen Dimension gewalzt und dann
durch Abschrecken mit Wasser gekühlt wurden. Die heißgewalzten Drähte
wurden dann durch Ziehen in einer konventionellen Ziehmaschine kaltverformt.
Die chemische Zusammensetzung der Legierungen in dem Testprogramm
und der Referenzmaterialien in Gewichts-% ist in Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1. Chemische Zusammensetzung (in Gewichts-%)
Die Festigkeit der Legierungen in kaltverformtem Zustand und nach
der Hitzebehandlung bei uniaxialem Testen der Zugfestigkeit ist in Tabelle 2 gezeigt,
wo die endgültige Zugfestigkeit dem maximalen Wert der Belastung im Länge-Belastungs-Diagramm
entspricht. Alle Legierungen wurden mit einem logarithmischen kumulativen Reduktionsgrad
von &egr; = 3,95 (was einer Flächenreduzierung von 98% entspricht) ohne zwischengeschaltete
Glühvorgänge hergestellt. AISI 302 konnte nicht ohne Rißbildung auf
&egr; = 3,95 kaltverformt werden; aufgrund der Rißbildung mußte vor
dem Ziehen auf die endgültige Dimension ein Glühvorgang durchgeführt
werden. Alle Legierungen haben jedoch den gleichen Drahtdurchmesser.
Die Hitzebehandlung wurde zu demselben Zweck durchgeführt wie
bei Federstahl des Typs AISI 302, wodurch eine Verbesserung der mechanischen Eigenschaften
erhalten wird. Dadurch werden mehrere wichtige Federeigenschaften, wie beispielsweise
die Entspannungsbeständigkeit, beeinflußt, jedoch stärker als bislang
bekannt.
Tabelle 2. Endgültige Zugfestigkeit vor und nach Hitzebehandlung
Zur Bewertung der Entspannungsbeständigkeit wurden Federn des
zylindrisch-spiralförmigen Typs ohne abgeglichene Windungen hergestellt. Die
Testergebnisse sind in Tabelle 3 zu sehen.
Tabelle 3. Federabmessungen
Die Federkraft (F) und die gesamte Abfederung (ft) wurden
bei Raumtemperatur mittels einer Kraft-gegen-Belastung-Kurve bestimmt. Anschließend
wurden die Federkonstante (C) und das Schermodul (G) unter Verwendung von Gleichung
1 und 2 berechnet.
C = (F·Nv)/ftGleichung 1.
G = (8·F·Nv·D3M/(ft·D4l)Gleichung
2.
Der Entspannungstest wurde durch Belasten von gebläuten Federn
mit einer konstanten Belastung durchgeführt. Die Belastung wurde während
der ersten fünf Minuten jede Minute abgelesen, und dann wurde die Anzahl an
Ablesevorgängen reduziert. Jeder Test wurde nach vierundzwanzig Stunden gestoppt.
Federn aus der jeweiligen Charge wurden zuerst auf vier verschiedenen Niveaus belastet.
Die Entspannung wurde unter Verwendung von Gleichung 3 berechnet, und die Ergebnisse
sind in 1 zusammengefaßt.
R = ((F1 – F2)/F1)·100Gleichung
3.
wobei
R
= Entspannung
F1
= anfängliche Belastung
F2
= Belastung zu gegebenem Zeitpunkt
In 1 ist zu erkennen, daß die Legierung
mit einem sehr geringen Aluminiumgehalt, d.h. Charge Nr. 150725, sich weitaus stärker
entspannt als die Legierungen in dem Testprogramm, die allesamt Aluminium als aktives
Legierungselement aufweisen. Weiterhin haben alle Legierungen in dem Testprogramm
eine äquivalente oder eine bessere Entspannungsbeständigkeit als AISI
302.
Md30/Nohara zeigt die Temperatur, bei der bei einer Kaltreduktionsrate
von 30% 50% des Austenits in dem Stahl in Umwandlungs-Martensit umgewandelt werden.
Ein höherer Wert für die Temperatur zeigt an, daß die Struktur stabiler
ist (geneigter zur Bildung von Martensit) und zu einer höheren Rate der Kaltverformung
in dem Stahl führt.
Der Md30-Wert nach Nohara wird durch die folgende Formel
berechnet:
Md30/Nohara = 551 – 462 × (C + N) – 9,2 × Si
– 8,1 × Mn – 13,7 × Cr – 20 × (Ni + Cu) –
18,5 × Mo – 68 × Nb – 1,42 × (ASTM-Korngröße
– 8).
Tabelle 4 zeigt die Ergebnisse für die Testchargen 1 bis 7. Es
wurde überraschend gezeigt, daß ein Stahl mit einer Zusammensetzung gemäß
der vorliegenden Erfindung die beste Hitzebehandlungswirkung bei Md30-Werten
von zwischen –55 und –100 und die größte Zunahme der endgültigen
Zugfestigkeit nach lediglich Kaltverformung ohne zwischengeschaltete Hitzebehandlung
erzielt.
Tabelle 4: Md30/Nohara
Beschreibung bevorzugter Ausführungsformen
Im folgenden werden einige Ausführungsformen der Erfindung beschrieben.
Diese sollen die Erfindung veranschaulichen, jedoch nicht beschränken.
Der Stahl gemäß der vorliegenden Erfindung wird einer starken
Kaltverformung unterzogen. Er kann zu Geometrien mit unterschiedlichem Querschnitt,
beispielsweise rundem oder ovalem Draht, Profilen mit unterschiedlichem Querschnitt,
beispielsweise rechteckigen, dreieckigen oder komplexeren Ausführungsformen
und Geometrien, geformt werden. Runder Draht kann auch flachgewalzt sein.
Beispiel 1: Federn aus rundem Draht
Wie oben beschrieben, sind Federn aus Draht, die aus der erfindungsgemäßen
Legierung hergestellt sind, gewunden. Diese Federn haben gute Federeigenschaften
hinsichtlich Entspannung, d.h. die Federkraft bleibt über einen langen Zeitraum
erhalten, und werden in vorteilhafter Weise in typischen Federanwendungen, wie beispielsweise
Federn in Schließanwendungen, d.h. mechanische Teile in der Schließvorrichtung,
Federn in Aerosolbehältern, Stiften, insbesondere Kugelschreibern, Pumpfedern,
Federn in Industriewebstühlen, Federn in der Fahrzeugindustrie, in der Elektronik,
in Computern und in der Feinmechanik, verwendet.
Beispiel 2: Federn aus Bandstahl
Für flache Torsionsfedern ist das Drehmoment eine entscheidende
Größe. Das Drehmoment kann wie folgt ausgedrückt werden
wobei:
M
= das Drehmoment der Feder
I
= Moment der Biegeträgheit (b·t3/12)
B
= Federbandbreite
T
= Federbanddicke
L
= ausgezogene Federlänge
n0
= Anzahl der Windungen in der freien Feder (unmontiert)
n
= Anzahl der wirksamen Windungen
Um das Drehmoment bei einer gegebenen Federgeometrie zu steigern,
kann eine sogenannte Rückwindung verwendet werden. Bei einer sogenannten "elastischen"
Windung wird die Feder dadurch vorgeformt, daß sie in einer Richtung entgegengesetzt
zur Arbeitsrichtung gewunden wird. Dann findet eine Hitzebehandlung der Feder statt,
wonach sie im Federgehäuse in die entgegengesetzte Richtung eingedreht wird.
Bei einer sogenannten "Cross-curve"-Windung wird das Band auf einem Stift ausgebildet,
woraufhin eine Hitzebehandlung stattfindet. Dann wird die Feder
in die entgegengesetzte Richtung in das Federgehäuse eingewunden. Durch dieses
Verfahren kann ein im Vergleich zu einer einfach gewundenen Feder kleinerer und
manchmal sogar ein negativer Wert für n0 erhalten werden, siehe
6. Aufgrund der sehr guten Zunahme der Festigkeit bei
Hitzebehandlung ist die Legierung gemäß der vorliegenden Erfindung für
eine Verwendung in Form von Torsionsfedern, wo ein sehr hohes Drehmoment und eine
gute Entspannungsbeständigkeit erforderlich sind, sehr gut geeignet.
Beispiel 3: Expanderdraht
Ein Expander ist ein Stück Draht, welcher gewellt und zu einer
flachen Feder geformt ist, die in Reihen angeordnet ist. Diese Feder wird beispielsweise
verwendet, um den Druck der Ölabstreifringe auf die Zylinderwand in einem Verbrennungsmotor
zu regulieren. Ein typischer Expander für Automotoren wird als der geschrumpfte
Draht zwischen zwei Kolbenringen betrachtet. Eine mögliche Ausführungsform
eines solchen geschrumpften Rings ist schematisch in 4
gezeigt.
Ein Nachteil motorbetriebener Fahrzeuge besteht heutzutage darin,
daß ein großer Energieverbrauch erforderlich ist, um dem Fahrzeug die
gewünschte Leistungsfähigkeit zu verleihen. Die einfachste Möglichkeit,
einen reduzierten Energieverbrauch zu erzielen, besteht unter anderem darin, die
innere Reibung des Antriebs zu verringern und die Gesamtmasse des Fahrzeugs zu reduzieren.
Der Kolbenkern macht mehr als die Hälfte der Reibung eines Motors aus. Daher
besteht nach wie vor ein Ziel darin, das Material und die Präzision der Ringe,
Kolben und Zylinderwände zu verbessern, mit dem Zweck, das Leergewicht und
den Lagerdruck zu verringern. Der Expander ist die Feder, die den Druck der Ölabstreifringe
auf die Zylinderwand reguliert und so auch den Ölverbrauch und einen Teil der
inneren Reibung eines Motors reguliert. Die Last des Expanderdrahts besteht aus
der Kraft F, wie es in den 5a bis 5c
gezeigt ist.
Für eine flache Feder, bei der die Last in einem Winkel von 90°
zu der maximal belasteten Rückwand aufgebracht wird, läßt sich folgendes
Verhältnis anwenden:
Gleichung (3) zeigt, daß die Drahtdicke, die für eine gegebene
Eigenschaft erforderlich ist, von der Ausgestaltung des Expanders abhängig
ist. Wenn die zulässige Dehnung des Materials erhöht wird, kann ein kleinerer
Krümmungsradius zugelassen werden, was von großem Interesse ist, da Ringe
kleinerer Typen hergestellt werden können. Die Möglichkeit, kleinere Ringe
herzustellen, wird zunehmend wichtiger, da die Nachfrage nach kleinen
Motoren mit wachsenden Umwelterfordernissen steigt.
Eine weitere Möglichkeit, den Vorteil einer größeren
Festigkeit in dem Spreizring zu erzielen, besteht darin, eine Energiebetrachtung
wie folgt durchzuführen.
Gleichung (4) zeigt, daß eine bestimmte elastische Energie für
ein gegebenes Elastizitätsmodul eine Funktion des spezifischen Volumens, der
Materialabnutzung und der zulässigen maximalen Spannung ist. Eine erhöhte
zulässige maximale Spannung erhöht in der Regel die Material-Abnutzungs-Konstante,
was in Kombination einen großen Einfluß auf das erforderliche spezifische
Volumen hat. So ist es möglich, die durch das Materialvolumen erhöhte
zulässige Spannung für ein anhaltendes Niveau elastischer Energie zu verringern.
Das Formen eines Spreizrings zu der komplexen Form ist nur mit weichen
Materialien möglich. Die Bearbeitbarkeit ist der Hauptgrund für die Verwendung
von rostfreiem Stahl. Für die Funktionsfähigkeit des Expanders sind die
Dehngrenze und die endgültige Zugfestigkeit jedoch mindestens ebenso wichtig
wie in allen Federanwendungen. Dies war früher ein Widerspruch, der schwierig
zu handhaben war. Bei Verwendung des erfindungsgemäßen Stahls kann das
Material in einem relativ weichen Zustand geformt werden, so daß es später
in der endgültigen Form hitzebehandelt werden kann, woraufhin die gewünschten
Federeigenschaften durch Ausscheidungshärten erzielt werden.
Beispiel 4: Flacher Draht
Diese Ausführungsform gemäß der vorliegenden Erfindung
wird insbesondere in Anwendungsfällen verwendet, bei denen hohe Anforderungen
an die Entspannungseigenschaften des Stahls gestellt werden, da er einer Kraft widerstehen
sollte, ohne sich zu verformen. Dies macht den Stahl besonders geeignet für
eine Verwendung z.B. als Draht für Scheibenwischer, wo eine gute Lochbarkeit
des Ausgangsmaterials sich mit einer guten Entspannungsbeständigkeit des Endprodukts
kombinieren sollte.
Beispiel 5: Runder und flacher Draht sowie Bandstahl für medizinische
Anwendungen
Draht, der aus der erfindungsgemäßen Legierung hergestellt
ist, kann auch in medizinischen Anwendungen verwendet werden, wie beispielsweise
in der Form von zahnmedizinischen Instrumenten, wie Feilen, wie z.B. Wurzelkanalfeilen,
Nervenextraktoren und dergleichen, sowie chirurgischen Nadeln. Flachgewalzte Drähte
aus dem erfindungsgemäßen Stahl können in vorteilhafter Weise für
die Herstellung von zahnmedizinischen und chirurgischen Instrumenten verwendet werden.
All diese Anwendungsformen haben gemeinsam, daß sie komplexe
Geometrien aufweisen, die in vorteilhafter Weise vor der letzten Hitzebehandlung
durch Mahlen, Krümmen und/oder Torsion hergestellt werden und bei denen sich
dann die mechanischen Eigenschaften, wie beispielsweise eine hohe Bruchfestigkeit
in Kombination mit einer guten Duktilität, sehr verbessern.
Anspruch[de]
Hochfeste, austenitische, rostfreie Legierung, dadurch gekennzeichnet,
daß sie ausscheidungshärtbar ist und die folgende Zusammensetzung (in
Gew.-%) hat:
Cmehr als 0 bis 0,07Si0,5 bis 3,0Nmax. 0,1Cr15,0 bis 20,0Ni9,0 bis 10,0Al0,25 bis 1,5Cu2,4 bis 3,0Mnmax. 1,0Momax. 2,0Timax. 1,0
und Rest Fe zusammen mit üblicherweise auftretenden Verunreinigungen, wobei
die Legierung durch Kaltverformung reduzierbar ist.Hochfeste, austenitische, rostfreie Legierung nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß sie Chrom in einem Gehalt zwischen 16,0 und 19,0 Gew.-%
enthält.Hochfeste, austenitische, rostfreie Legierung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß sie Aluminium in einem Gehalt von 0,4 bis 1,0 Gew.-%
enthält.Hochfeste, austenitische, rostfreie Legierung nach einem der vorangegangenen
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sie Silizium in einem Gehalt von
0,5 bis 2,5 Gew.-% enthält.Hochfeste, austenitische, rostfreie Legierung nach einem der vorangegangenen
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sie Silizium in einem Gehalt von
0,5 bis 1,5 Gew.-% enthält.Hochfeste, austenitische, rostfreie Legierung nach einem der vorangegangenen
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sie einen Md30-Wert
zwischen –55 und –100 aufweist.Hochfeste, austenitische, rostfreie Legierung nach einem der vorangegangenen
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sie einen Kraftverlust aufweist,
der bei 1400 N während 24 h geringer als 3,0% ist.Hochfeste, austenitische, rostfreie Legierung nach einem der vorangegangenen
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sie in der Form von Draht, eines
Profils und/oder eines Bandes vorliegt.Verfahren zur Herstellung eines Produkts aus einer Legierung, wie sie
in einem der Ansprüche 1 bis 8 angegeben ist, gekennzeichnet durch Reduzieren
der Legierung durch Kaltverformung bei einer Reduktionsrate von mehr als 99% ohne
zwischenzeitliche Wärmebehandlung.Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Kaltverformung
Ziehen ist.Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, daß man
die Legierung einer abschließenden Wärmebehandlung bei 300°C bis
500°C unterzieht, wobei eine Erhöhung der Festigkeit um wenigstens 14%
erzielt wird.Verwendung einer Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 8 in
Federanwendungen.Feder, dadurch gekennzeichnet, daß sie eine Legierung nach einem
der Ansprüche 1 bis 8 enthält.Feder nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß sie eine Feder
aus rundem Draht ist.Feder nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß sie eine Feder
aus Bandstahl ist.Verwendung einer Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 8 in
medizinischen Anwendungen.Chirurgisches Instrument, dadurch gekennzeichnet, daß es eine Legierung
nach einem der Ansprüche 1 bis 8 enthält.Zahnmedizinisches Instrument, dadurch gekennzeichnet, daß es eine
Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 8 enthält.