Die Erfindung betrifft ein Gebäudekühlsystem, bestehend
aus Kapillarrohrmattenmodulen, an die in Räumen oder in Gebäudeumfassungen
Wärme übertragen wird, einem korrosionsfesten Wärmeträgertransportsystem
sowie einer naturgegebenen Umweltenergiesenke, die die zugeführte Wärme
dauerhaft aufnimmt. Außerdem betrifft die Erfindung ein Verfahren zum wirtschaftlichen
Betreiben des Gebäudekühlsystems. Derartige Lösungen dienen zur umweltschonenden
Kühlung von Gebäuden.
Die Kühlung von Räumen erfolgt in der Regel mittels Kaltwassersystemen,
die bei angeschlossenen Luftkühlern mit beispielsweise 6°C Vorlauftemperatur
betrieben werden. Die Bereitstellung der niedrigen Kaltwasser-Vorlauftemperatur
wird von Kältemaschinen übernommen, die die Abwärme den natürlichen
Wärmesenken, wie beispielsweise der atmosphärischen Luft und/oder in geringerem
Umfang dem Grundwasser, in der Regel bei einer hohen Temperatur z. B. bei 40 bis
50°C übergeben. Dieser große, von der Kältemaschine überwundene
Temperaturhub erfordert sehr hohe Exergieaufwendungen, die den Einsatz von Edelenergie
– vorzugsweise von Elektroenergie – für den Betrieb der Kältemaschinen
erfordern. In den Räumen kommen dann üblicherweise Kompaktwärmeübertrager
Wasser/Luft zum Einsatz, die meistens aus Metall bestehen, wobei Aluminium und Kupfer
üblich sind, da sich diese durch hohe Wärmeleitfähigkeiten auszeichnen.
Diese Materialien sind teuer, der Verarbeitungsaufwand ist hoch und bei den meisten
Einsatzgebieten – vor allem bei Kondensatbildung – kommt es häufig
zur Korrosion. Aus diesem Grund ist bisher keine direkte Beaufschlagung der Wärmeübertragerflächen
im Raum ohne hydraulische Trennung von der natürlichen Wärmesenke z. B.
mit Meerwasser und/oder mit Grundwasser aus Uferfiltrat möglich.
Um den erstgenannten Nachteil zu vermeiden, wurde erkannt, dass sich
die exergetischen Aufwendungen für die Kältemaschinen mindern lassen,
wenn Kühldecken zum Einsatz kommen. Die Wärmeträger-Eintrittstemperaturen
betragen in der Regel 14 bis 15°C. Eine weitere Verbesserung bietet die sogenannte
thermische Bauteilaktivierung, die beispielsweise mit der Wärmeträger-Eintrittstemperatur
von 16 bis 17°C arbeitet. Die über den Tag gemittelte, spezifische Kühlleistung
beträgt bei dieser Variante aber nur etwa 25 bis 30 W/m2, wobei
aufgrund der Wärmespeicherung im Massivbauteil die reale Leistung eine Zeitfunktion
darstellt, die nicht regelbar ist.
Um den zweitgenannten Nachteil zu vermeiden, wurde erkannt, dass sich
der Einsatz von Kunststoff-Kapillarrohrmatten sehr gut als korrosionsfeste, absolut
umweltverträgliche und preisgünstige Wärmeübertragerfläche
eignet. Sie finden vielfältigen Einsatz in Kühldecken und Kühlsegeln.
Die Wärmeübertragung erfolgt durch Wärmeleitung, Konvektion und Strahlung.
Es wird durch diese Konstruktionen zwar eine Raumkühlung bewirkt, eine intensive
Luftkühlung kann und soll damit jedoch nicht erreicht werden. Eine Luftentfeuchtung
ist ausgeschlossen.
Für den speziellen Einsatzfall der konvektiven Luftkühlung
und -entfeuchtung ist bekannt (DE 198 06
207 C2), dass Kapillarrohrmatten in einem Schacht, vorwiegend eben, angeordnet
werden, wobei der Luftdurchfluss zwischen zwei Öffnungen mit Vertikalabstand
aufgrund der Dichteunterschiede der Luft im Schacht und im Raum entsteht. Der Wärmeübertrager
arbeitet nur bei entsprechend großer vertikaler Schachthöhe, der Luftstrom
ist relativ klein und die Leistung somit begrenzt.
Weiter ist bekannt (DE 198
31 918 C2), dass bei ähnlichem Aufbau wie vorher (zu DE
198 06 207 C2) beschrieben, die obere Schachtöffnung mit der Außenluft
verbunden ist und somit die Luftqualität im Raum durch temperierte Außenluftzufuhr
verbessert wird.
Bekannt ist weiterhin eine Kunststoff-Kapillarrohrmatte zur Kühlung
und Heizung von Räumen und/oder Wasserbädern (DE
197 51 883 C2), die unter anderem auch eine spiralförmig aufgewickelte
Kunststoff-Kapillarrohrmatte beinhaltet. Kennzeichnend für diese Konstruktion
ist eine zwischen den Kapillarrohrmatten angeordnete Folie mit Vorsprüngen
(Erhebungen), wodurch Kanäle gebildet werden. Während der Wärmeträgerstrom
in der Kapillarrohrmatte fließt, wird der Luftstrom quer dazu durch die durch
die Folie gebildeten Kanäle geführt. Aus thermodynamischer Sicht ergeben
sich für diese gewickelte Lösung mehrere Nachteile. Die Folie deckt teilweise
die Kapillarrohre ab, wodurch sich die effektive Wärmeübertragerfläche
reduziert und die Führung des Primär- sowie Sekundärstromes stellt
eine Kreuz-Gegenstrom-Führung mit geringem Gegenstromanteil dar.
Die vorgenannten Nachteile werden durch die Lösung DPMA
103 13 384.4 (europäische Anmeldenummer
03016203.6), die durch spiralförmig
angeordnete Kunststoff-Kapillarrohrmatten mit radialem Luftdurchtritt charakterisiert
ist, vermieden. Nachteilig ist jedoch der große Platzbedarf aufgrund der zylindrischen
Wärmeübertragergeometrie, sodass der Einsatz für Klimatisierungszwecke
in Büro- und Wohnräumen nur eingeschränkt möglich ist.
Ein neuartiges Luftkühl- und Luftentfeuchtungsmodul mit einem
Wärmeübertragerelement aus Kunststoff-Kapillarrohrmatten, die zu einem
kompakten Paket mit nahezu quaderförmiger äußerer Gestalt geformt
sind, wird in der noch nicht veröffentlichten PCT-Anmeldung PCT/EP2005/008209
beschrieben. Es ist für den gewünschten Einsatzfall bedingt
geeignet, wobei die Fertigungstechnologie allerdings sehr aufwändig ist.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, nachfolgend beschriebene
Zielstellungen für das Gebäudekühlsystem mit Nutzung von Umweltenergiesenken
zu erfüllen:
- – Die Wärmeübertragerelemente zur Raum- und Bauteilkühlung
sollen mit den Temperaturen, die die Umweltenergiesenken liefern, ohne Zwischenschaltung
von Kältemaschinen arbeiten.
- – Die Wärmeübertragerelemente müssen baulich kompakt sein,
d. h. auf kleinem Raum eine große Wärmeübertragerfläche beinhalten.
- – Die Konstruktionen der Wärmeübertragerelemente zur Raum-
und Bauteilkühlung sollen eine geometrische Form besitzen, die mit einer einfachen
Fertigungstechnologie herstellbar und weltweit gut versandfähig ist.
- – Eine Leistungsregelung aller Wärmeübertragerelemente muss
verwirklichbar sein.
- – Der Einsatz von korrosions- und inkrustationsfreiem Material für
die Wärmeübertragerfläche stellt eine Grundbedingung dar.
- – Die Konstruktion des Moduls und speziell des Wärmeübertragerelementes
muss eine gute Wartung und auch den leichten Austausch des Wärmeübertragerelementes
zulassen.
- – Das Wärmeübertragerelement zur Luftkühlung muss eine
thermodynamisch günstige Stromführung realisieren und die Leistung durch
Aufprägen eines zwangsweisen Luftstromes steigerbar und regelbar sein.
- – Die Rohr- und/oder Kanalverbindungen zwischen den Wärmeübertragerelementen
zur Raum- und Bauteilkühlung sowie den Umweltenergiesenken müssen korrosionsfest
sein und auch die Beaufschlagung mit Salzwasser erlauben.
- – Bezüglich der Umweltenergiesenken sind die üblichen Gegebenheiten
und besonders auch Meerwasser und uferfiltriertes Grundwasser in Küstennähe
zu berücksichtigen.
- – Der Betriebsverbund zwischen unterschiedlichen Wärmeübertragerelementen
zur Raum- und Bauteilkühlung sowie zwischen verschiedenartigen Umweltenergiesenken
muss realisierbar sein.
- – Vorteilhaft waren auch Möglichkeiten, die die zeitlichen Unterschiede
zwischen Raumkühlbedarf und der Lieferfähigkeit der Umweltenergiesenken
ausgleichen.
Die gestellte Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale
der Patentansprüche 1 und 12 gelöst. Der Einsatz von korrosionsfesten
und inkrustationsfreien Kunststoff-Kapillarrohr-matten zu kompaktgeformten Kapillarrohrmattenmodulen,
die aufgrund der großen Oberfläche und der direkten Beaufschlagung mit
dem Wärmeträger – in der Regel Wasser – aus einer natürlichen
Umweltenergiesenke – wobei im Volllastfall die minimale, unter der Raumtemperatur
liegende Senkentemperatur an den Kapillarrohrmattenmodulen verfügbar ist –
ermöglicht eine wirkungsvolle Wärmeabfuhr aus dem Raum ohne Energieaufwand
für eine Kältebereitstellung. Es wird lediglich Energie für den Transport
des Wärmeträgers innerhalb des Systems benötigt. Dies sind beispielsweise
nur 1% der Kühlleistung. Die Ausführung des Rohrleitungssystems in korrosionsfestem
Material – vorzugsweise in Kunststoff – ermöglicht auch den Einsatz
von Meerwasser zur direkten Raumkühlung. Diese Tatsache erschließt ein
außerordentlich großes Nutzungspotenzial für alle zu kühlenden
Gebäude in Küstennähe.
Vorteilhaft für den universellen Einsatz sind kompakte Kapillarrohrmattenmodule
in Rollenform, da diese mittels relativ einfacher Technologie herstellbar und gut
versandfähig sind. Zudem kann deren Leistung durch eine zwangsweise Luftdurchströmung,
die vorzugsweise vom Rolleninneren radial nach außen erfolgt, und der damit
verbundenen Erhöhung des luftseitigen Wärmeübergangskoeffizienten
in einem großen Bereich gesteigert werden. Die beschriebene Luftdurchströmung
stellt die thermodynamisch günstigste Strömungsform – den idealen
Gegenstrom – sicher.
Die Leistungsregelung der kompakten Kapillarrohrmattenmodule ist in
einfacher Weise durch eine Veränderung des Luftstromes durch das Modul möglich.
Ferner kann die Leistung auch durch Veränderung des Wärmeträgerdurchsatzes
(Drosselregelung) bewirkt werden.
Vorteilhaft ist auch, dass das System den Austausch von Umweltenergiesenken
gestattet. So können anstelle von Meerwasser auch über Brunnen gewonnenes
Grundwasser, das Süßwasser aber auch salzhaltiges Uferfiltrat sein kann,
Verwendung finden. Des Weiteren sind auch Außenluftkühler – vorzugsweise
Hybridkühler aus Kunststoff-Kapillarrohrmatten mit Wasserbenetzung –
einsetzbar, sodass eine überall verfügbare Umweltenergiesenke nutzbar
ist.
Der Einbau von Kunststoff-Kapillarrohrmatten in Kapillarrohrmattenmodulen
mit flächenförmiger Gestalt eröffnet vorteilhafte Kombinationsmöglichkeiten
mit kompakten Kapillarrohrmattenmodulen zur Raum- und/oder Gebäudekühlung.
Bei Anordnung im Raum ergeben sich wärmephysiologische Vorteile für die
Raumnutzer, da zusätzlich eine Strahlungskühlung erfolgt. Bei Anordnung
in Außenbauteilen – Fassade und/oder Dach – wird der ins Gebäude
eingetragene Wärmestrom infolge Besonnung und/oder hohe Außentemperaturen
zu einem großen Teil von den Kapillarrohrmattenmodulen kompensiert ohne die
angrenzenden Räume zu erreichen und thermisch zu belasten. Diese Einbauvariante
besitzt zudem den großen energetischen Vorteil, dass das Temperaturniveau um
das Kapillarrohrmattenmodul sehr hoch ist, wodurch der verfügbare Wärmeträger
eine besonders große Kühlleistung erbringt. Die Einbettung des Kapillarrohrmattenmoduls
im Dämmstoff ermöglicht wärmetechnische Optimierungen durch die Wahl
der beidseitigen Dämmstoffdicken.
Eine vorteilhafte Weiterbildung der flächenförmigen, in
der Gebäudeaußenhaut installierten Kapillarrohrmattenmodule wird durch
den Einsatz in transparenten Umfassungen erreicht.
Kann der Kühlbedarf der Ergiebigkeit der Umweltenergiesenke nicht
angepasst werden, lässt die Systemgestaltung das Zwischenschalten eines Speichers
zu. Dieser kann als Speicher, der den Wärmeträger bei Senkentemperatur
bevorratet, oder als Wärmespeicher, der mit sensiblem und/oder latentem Speichermaterial
gefüllt ist und vom Wärmeträger im Haupt- oder Nebenschluss durchströmt
wird, ausgebildet sein.
Grundsätzlich sieht die Erfindung eine Parallelschaltung der
Kapillarrohrmattenmodule vor. Dennoch ist mitunter eine Reihenschaltung zu bevorzugen.
So sind beispielsweise flächenförmige Kapillarrohrmattenmodule im Raum
den kompakten Kapillarrohrmattenmodulen zur Luftkühlung vorteilhaft nachzuschalten,
um eine Kondenswasserbildung an den erstgenannten Flächen ohne Installation
von zusätzlichen Vorrichtungen zur Leistungsregelung zu vermeiden. Weiterhin
bietet die Reihenschaltung von Kapillarrohrmattenmodulen in Räumen und von
Kapillarrohrmattenmodulen in den Außenbauteilen den Vorteil der besseren energetischen
Ausnutzung des verfügbaren Wärmeträgers. Um dies konstruktiv rationell
zu bewirken, ist es vielfach sinnvoll, eine Sammelleitung zwischen den Rückläufen
aus den Kapillarrohrmattenmodulen in den Räumen und den abgehenden Vorlaufleitungen
an die Kapillarrohrmattenmodule in der Gebäudeumfassung anzuordnen.
Einen besonderen Vorteil bietet die Verfügbarkeit von Umweltenergiesenken
mit Temperaturen, die unter der Taupunkttemperatur der Luft in den zu kühlenden
Räumen liegt, da dann die kompakten Kapillarrohrmattenmodule zur Raumluftkühlung
und – entfeuchtung nutzbar sind, wobei dann auch zwei getrennte Regelkreise
mit Vorgabe der Raumsolltemperatur und der Raumsollfeuchte auf ausgewählte
Kapillarrohrmattenmodule arbeiten.
Außer der individuellen Leistungsregelung der Kapillarrohrmattenmodule
ist es vorteilhaft, die in den Bauteilen installierten Module aufgrund der intensiv
wirkenden, instationären Wärmespeichervorgänge nach Zeitsteuerregimen
zu betreiben. Diese können durch Einsatz von selbstlernenden Reglern, die vorzugsweise
auf der Grundlage von neuronalen Netzen arbeiten, weitergebildet werden.
Das erfindungsgemäße Gebaudekühlsystem, das keine Energie
zur Kältebereitstellung benötigt, kann dahingehend weiter verbessert werden,
dass die Förderenergie für den Wärmeträgertransport vermindert
wird. So ist es vorteilhaft, wenn bei geodätischen Systemdruckunterschieden,
die kleiner als der Luftdruck sind, die Ausbildung der Vor- und Rücklaufleitung
im Bereich der Umweltenergiesenke so erfolgt, das ein geschlossener Wärmeträgerkreislauf
entsteht. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn beide Rohrleitungen unterhalb
der Wasseroberfläche enden. Die erforderliche Förderenergie beschränkt
sich dann lediglich auf die Kompensation der hydraulischen Druckverluste. Bei größeren
Gebäudehöhen und niedrigen Temperaturen der Umweltenergiesenken ist für
die höher gelegenen Gebäudeabschnitte eine hydraulische Systemtrennung
wirtschaftlich. Ansonsten ist bei Einsatz von Gebäudekühlsystemen ohne
hydraulische Trennung und großer geodätischer Förderhöhe der
Einsatz von bekannten Kleinstwasserturbinen nur Rückgewinnung eines Großteils
der geodätischen Förderenergie sinnvoll.
Um auch den Betrieb des erfindungsgemäßen Gebäudekühlsystems
ohne Fremdenergie durchzuführen, ist in sonnenreichen Ländern die Photovoltaik
zu nutzen.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen
mit Zeichnungen näher erläutert.
Es zeigt:
1 Vertikalschnitt durch ein Gebäude mit allgemeiner
Gestaltungsmöglichkeit eines Gebäudekühlsystems mit mehreren, parallel
geschalteten Kapillarrohrmattenmodulen unterschiedlicher Bauart und Sinnbilddarstellung
für die Nutzung von drei verschiedenen Umweltwärmesenken
2 Einbau- und Nutzungsvarianten von vertikalen und
horizontalen Kapillarrohrmattenmodulen in Rollenform zur Raumluftkühlung und
zur speziellen Temperaturabsenkung von inneren Fensteroberflächen durch herabfallende
Kaltluft (Darstellung im Vertikalschnitt und Grundriss ohne und mit einer raumseitigen,
transparenten Vorsatzscheibe vor dem Fenster)
3 Zusammenwirken eines Kapillarrohrmattenmoduls in
Rollenform zur konvektiven Raumluftkühlung und eines flächenförmigen,
in einer untergehängten Decke integrierten Kapillarrohrmattenmoduls (Kühldecke)
zur Raumkühlung durch Konvektion und Strahlung (Darstellung
im Vertikalschnitt und Grundriss)
4 Schaltungsmöglichkeit von in Räumen angeordneten
Kapillarrohrmattenmodulen mit Zusammenfassung der Wärmeträger-Rückläufe
in einer Sammelleitung und der nachgeschalteten Beaufschlagung eines im Dach eingeformten,
flächenförmigen Kapillarrohrmattenmoduls
Ausführungsbeispiel 1:
1 zeigt eine prinzipielle Gestaltungsmöglichkeit
für ein Gebäudekühlsystem. Kapillarrohrmattenmodule 1,
2, 3 unterschiedlicher Bauart sind installiert. Im Einzelnen handelt
es sich um ein Kapillarrohrmattenmodul 1 in Rollenform, das in vertikaler
Anordnung rein konvektiv die Raumluft abkühlt. Eine Abwandlung davon ist als
Kapillarrohrmattenmodul 1a in Paketform horizontal über einer abgehangenen
Decke 1b angeordnet. Die warme Raumluft wird konvektiv abgekühlt und
die austretende, kalte Luft fällt nach dem Überstreichen der Decke
1b beispielsweise über Schattenfugen und/oder durch Perforationen
in den Raum. Die Kühlung der untergehangenen Decke 1b bewirkt eine
Senkung der raumseitigen Oberflächentemperatur, wodurch sich die Strahlungstemperatur
im Raum reduziert, was das thermische Raumklima für den Nutzer verbessert.
Der Einsatz des flächenförmigen Kapillarrohrmattenmoduls 2 an
oder oberflächennah in der Decke führt zu einer kombinierten Wärmeaufnahme
durch Konvektion und Strahlung, wobei in der Regel der Strahlungsanteil mit ca.
60 % überwiegt und sich dadurch das wärmephysiologische Empfinden der
Raumnutzer weiter verbessert. Schließlich zeigt Kapillarrohrmattenmodul
3, das sich in einem Außenbauteil des Gebäudes – hier
in der Fassade – befindet, die Möglichkeit der Wärmeaufnahme allein
durch Wärmeleitung. Die Besonnung der Außenwand und/oder der Wärmeeintrag
durch Transmission bewirkt eine hohe Wandtemperatur, die über der zulässigen
Raumtemperatur liegt. Somit bewirkt auch eine Wärmeträger-Eintrittstemperatur,
die beispielsweise über der zulässigen Raumtemperatur liegt, noch eine
intensive Wärmeabfuhr über das Kapillarrohrmattenmodul aus der Fassade,
wodurch sich der Wärmestrom in den Raum drastisch reduziert und die Raumnutzer
thermisch weniger belastet. Die Versorgung der beispielhaft vorgestellten Kapillarrohrmattenmodule
1, 1a, 2, 3 kann mit raumnahen Wärmeträger-Vorlauftemperaturen
erfolgen, bei Einsatz von Kapillarrohrmattenmodul 3 sind sogar Vorlauftemperaturen
über der Raumtemperatur wirkungsvoll einsetzbar. Somit sind generell Umweltenergiesenken
mit relativ hohen Temperaturen nutzbar. Geeignet sind beispielsweise die in
1 dargestellten Varianten Grundwasser, das über
einen Förderbrunnen 6 erschlossen wird, sowie Meerwasser
8, das vorzugsweise aus Tiefen > 10 m unter der Wasseroberfläche
gefördert wird, und schließlich kann noch die Enthalpie der atmosphärischen
Luft 9, vorzugsweise über Kühltürme oder Hybridkühler
10 genutzt werden. Die Wärmeübertragerfläche bei den im
geschlossenen Wärmeträger-Kreislauf betriebenen Hybridkühlern
10 besteht aus gewickelten Kunststoff-Kapillarrohrmatten, die um den Verdunstungseffekt
zu nutzen, mit Wasser besprüht werden. Die Verbindung der gebäudeseitig
installierten Kapillarrohrmattenmodule 1, 1a, 2,
3 mit den Umweltenergiesenken 6, 8, 9 und mit
einem evtl. Schluckbrunnen 7, der das entnommene Grundwasser an entfernter
Stelle zurückführt, erfolgt durch ein korrosionsfestes Rohrleitungssystem
4, das vorzugsweise wie die Kapillarrohrmattenmodule aus Kunststoff besteht.
Im Ausführungsbeispiel ist keine hydraulische Trennung enthalten, sodass keine
Grädigkeiten durch Wärmeübertrager entstehen und eine effiziente
Nutzung der Umweltenergiesenken 5 erfolgen kann. Im Wärmeträger-Vorlauf
sind die Förderpumpe 11 und ein Filter 13 eingebaut, ein
Wärme- und/oder Wärmeträger-Speicher 12 befindet sich im
Haupt- oder Nebenschluss zum Wärmeträger-Vorlauf 16. Spezielle
Vorrichtungen im Rohrleitungssystem 4 zur Druckhaltung, zum temperaturabhängigen
Volumenausgleich, zur zeitweiligen Außerbetriebnahme sowie zur Leistungsregelung
der Kapillarrohrmattenmodule sind nach bekannten Methoden zu installieren. Hauptmerkmal
des in 1 dargestellten Systems ist, dass die natürlichen
Wärmesenken die Kompensation der aus dem Gebäude abgeführten Wärme
vollkommen übernimmt.
Ausführungsbeispiel 2:
2 verdeutlicht zwei Möglichkeiten zum Einbau von
Kapillarrohrmattenmodulen in Rollenform 23, 26. Sie nehmen rein
konvektiv die Wärme von der Raumluft 24, die sich im oberen Raumbereich
ansammelt, auf. Aus dem Kapillarrohrmattenmodul 26 tritt die kalte Luft
25 in Form von Quellluft in den Raum. Das Kapillarrohrmattenmodul
23 schirmt durch herabfallende Kaltluft 25 den negativen Einfluss
der warmen Fensteroberfläche 15 auf den Raum wirksam ab. Die in
2 weiterhin dargestellte Spezialvariante mit einer
Vorsatzscheibe 27 vor dem Fenster 15 führt zu energetischen
und wärmephysiologischen Verbesserungen. Durch die Anordnung der transparenten
Vorsatzscheibe 27, die einen Luftraum zur Fensteroberfläche abgrenzt,
entsteht infolge Schachtwirkung ein intensiv aufsteigender Warmluftstrom
28 mit hoher Eintrittstemperatur in das Kapillarrohrmattenmodul
23, sodass dessen Leistung gesteigert wird. Zudem kühlt der herabfallende
Kaltluftstrom 25 die Vorsatzscheibe, wodurch die wärmephysiologische
Behaglichkeit im Raum verbessert wird.
Ausführungsbeispiel 3:
3 zeigt eine Kombination von konvektiver
Luftkühlung durch ein horizontal angeordnetes, rollenförmiges Kapillarrohrmattenmodul
23 und ein flächenförmiges Kapillarrohrmattenmodul
30, das im Zusammenwirken mit einer untergehängten Decke die Wärmeaufnahme
aus dem Raum vorwiegend durch Strahlungsaustausch bewirkt. Die Leistung der Kühldecke
30 wird dadurch erhöht, dass die aus dem Kapillarrohrmattenmodul
23 austretende Kaltluft 25 über die Decke fließt und
durch die Deckenperforation und über Schattenfugen als leicht erwärmter
Luftstrom 29 in den Raum gelangt. Dabei ist es sinnvoll, den Luftstrom
an der Außenfassade und speziell am Fenster 15 zu verstärken.
Zur sicheren Vermeidung von Kondensation an der Decke kann das Kapillarrohrmattenmodul
30 dem Kapillarrohrmattenmodul 23 wärmeträgerseitig
nachgeschaltet sein.
Ausführungsbeispiel 4:
In 4 wird eine besondere Möglichkeit
der hydraulischen Verschaltung der thermisch unterschiedlich belasteten Kapillarrohrmattenmodule
gezeigt. Die Kapillarrohrmattenmodule zur rein konvektiven Luftkühlung
1 und zur kombinierten Wärmeabfuhr durch Strahlung und Konvektion
2, werden mit dem Wärmeträger-Vorlauf 16 aus der Umweltenergiesenke
5 beaufschlagt. Der Wärmeträger-Rücklauf aus diesen Komponenten
wird in der zusätzlichen Schiene 18 gesammelt, wodurch eine mittlere
Systemtemperatur entsteht. Die Wärmeträger-Sammelleitung 18 fungiert
dann als Vorlauf für das Kapillarrohrmattenmodul 3. Die hohe Dachtemperatur
bei Besonnung, beispielsweise von 70°C, würde ohne Einbau des Kapillarrohrmattenmoduls
3 einen sehr großen Wärmestrom in den Obergeschossraum, der beispielsweise
die Raumtemperatur von 25°C aufweist, verursachen. Dadurch bewirkt der Einbau
des Kapillarrohrmattenmoduls 3 und der Betrieb dieses Moduls selbst mit
einer Wärmeträger-Vorlauftemperatur, die über der Raumtemperatur
z. B. bei 30°C liegt, eine sehr wirkungsvolle Reduzierung des Wärmestromes
in den Raum. Die Größe des verbleibenden Wärmestromes in den Raum
kann durch die Aufteilung der Wärmeleitwiderstände im Außenwandbauteil
und die mittlere Wärmeträger-Temperatur wesentlich beeinflusst werden,
wobei der äußere Wärmeleitwiderstand zwischen Dachoberfläche
und Lage der Mitte des Kapillarrohrmattenmoduls und der innere Wärmeleitwiderstand
zwischen der Mitte des Kapillarrohrmattenmoduls und der Deckeninnenfläche jeweils
zu bilden ist. Die wärmetechnische Optimierung ergibt, dass eine Anordnung
des Kapillarrohrmattenmoduls 3 innerhalb der Dämmschicht
19 vorteilhaft ist, weshalb auch die Bezeichnung thermisch aktive Dämmung
verwendet wird. Das Kapillarrohrmattenmodul 3 ist zweckmäßigerweise
in die Dämmschicht 22 durch Einschäumen vorzufertigen und als
thermo-aktive Dämmung 22 in Plattenform zu verlegen. Durch die gewählte
Reihenschaltung und die Besonderheit der Dachausbildung mit dem integrierten Element
22 ist es möglich, eine sehr hohe Wärmeträger-Rücklauftemperatur
für das Gebäudekühlsystem im Wärmeträger-Rücklauf
17 zu realisieren. Dadurch wird die Umweltenergiesenke besonders effizient
genutzt.
- 1
- Kapillarrohrmattenmodul in Rollen- oder Paketform
- 1a
- Kapillarrohrmattenmodul in Paketform bei horizontaler Anordnung
- 1b
- untergehängte, thermisch passive Decke
- 2
- flächenförmige Kapillarrohrmattenmodule in Raumoberflächen
- 3
- flächenförmige Kapillarrohrmattenmodule in Gebäudeumfassungen
- 4
- Rohrleitungssystem zur Aufnahme des flüssigen Wärmeträgers (Vor-
und Rücklauf)
- 5
- Umweltenergiesenke
- 6
- Förderbrunnen
- 7
- Schluckbrunnen
- 8
- Meerwasser
- 9
- Atmosphäre
- 10
- Kühlturm (z. B. Hybridkühlturm)
- 11
- Fördervorrichtung (z. B. korrosionsfeste Pumpe)
- 12
- Speicher
- 13
- Filter
- 14
- Gebäude
- 15
- Fenster
- 16
- Wärmeträger-Vorlauf
- 17
- Wärmeträger-Rücklauf
- 18
- Wärmeträger-Sammelleitung für die Rückläufe aus den
Kapillarrohrmattenmodulen im Raum
- 19
- Wärmedämmung im Dach
- 20
- Dachhaut
- 21
- tragende Stahlbetondecke
- 22
- thermo-aktive Dämmung (flächenförmiges Kapillarrohrmattenmodul
eingeschäumt im Wärmedämmmaterial) in Plattenform
- 23
- Kapillarrohrmattenmodul als horizontale, luftdurchströmte Rolle
- 24
- angesaugte Raumluft
- 25
- austretende Kaltluft
- 26
- Kapillarrohrmattenmodul als vertikale, luftdurchströmte Rolle
- 27
- transparente Vorsatzscheibe vor dem Fenster
- 28
- aufsteigende Warmluft
- 29
- Kaltluft aus der Decke und dem Deckenhohlraum
- 30
- perforierte Kühldecke mit flächenförmigem Kapillarrohrmattenmodul