Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur konduktiven Messung der
Leitfähigkeit eines Mediums.
Die konduktive Messung der Leitfähigkeit erfolgt üblicherweise
mittels einer sogenannten Vierpolzelle. Über deren beiden äußeren
Elektroden – die Stromelektroden – fließt ein im Wert bekannter
Strom durch das zu messende Medium. An den beiden inneren Elektroden – den
Spannungselektroden – wird der Spannungsabfall, der durch den vom Leitwert
des Mediums abhängigen Stromfluss entsteht, gemessen. Um in dem leitfähigen
Medium Polarisationseffekte zu vermeiden, erfolgt die Messung der Leitfähigkeit
in der Regel auf der Basis einer Wechselspannung.
Üblicherweise wird bei bekannten Vorrichtungen zur konduktiven
Messung der Leitfähigkeit eines Mediums für die Wechselspannung ein Rechtecksignal
eingesetzt, da dies leicht zu erzeugen und eine synchrone Gleichrichtung einfach
möglich ist. Allerdings hat das Rechtecksignal den erheblichen Nachteil, dass
es einen hohen Anteil an Oberwellen aufweist. Diese Oberwellen führen zu starken
Ausstrahlungen von EMV-Störungen. Ferner werden insbesondere bei langen Messkabeln
dadurch die Messsignale verfälscht, was zu Messfehlern führt. Die Fachwelt
hat sich in diesem Zusammenhang bereits ausführlich damit beschäftigt,
solche Messfehler zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Ein Beispiel hierfür
ist der DE 198 44 489 A1 entnehmbar,
bei der bei einem Messumformer wenigstens zwei Frequenzwerte einer Wechselspannung
zur Ermittlung der Impedanz der in die Flüssigkeit eintauchenden Messzelle
verwendet werden. Aus den ermittelten Impedanzwerten werden unter Zugrundelegung
eines Ersatzschaltbildes bestehend aus einer Parallelschaltung eines die Messzellenkapazität
darstellenden Kondensators und eines den gesuchten Widerstand der Flüssigkeit
innerhalb der Leitfähigkeitsmesszelle darstellenden ohmschen Widerstands sowie
aus einem elektrischen, Frequenz-unabhängige Parameter aufweisenden Bauelement
mit einer Frequenz-unabhängigen Phase die Frequenz-unabhängigen Parameter
und der gesuchte Widerstand bestimmt. Erkennbar ist mit diesem Verfahren ein erheblicher
Rechenaufwand verbunden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung zur konduktiven
Messung der Leitfähigkeit eines Mediums anzugeben, die mit schaltungstechnisch
einfachen Mitteln eine genaue Messung unter erheblicher Reduzierung der EMV-Störstrahlungen
ermöglicht.
Diese Aufgabe wird durch eine Vorrichtung gemäß dem Kennzeichnungsteil
des Anspruches 1 gelöst. Demnach basiert die Erfindung auf einer Schaltungsanordnung,
von deren mindestens einem Analogausgang abgeleitet vorzugsweise mit Hilfe eines
D/A-Wandlers im Wesentlichen sinusförmige Ausgangssignale zueinander synchron-invers
ausgebbar sind. Ferner sind bei der Schaltungsanordnung zwei Analogeingänge
vorgesehen, die das Messsignal aufnehmen. Die Vierpolzelle ist an sich üblich
mit zwei Stromelektroden und zwei Spannungselektroden aufgebaut. Die Stromelektroden
sind dabei jeweils mit einem der D/A-Analogausgänge zur Einspeisung des durch
deren synchron-inverse Ausgangssignale generierten Wechselmessstromes in das Medium
gekoppelt. Die zwei Spannungselektroden zum Abgreifen eines für die Leitfähigkeit
des Mediums repräsentativen Potentialunterschiedes sind jeweils mit einem der
A/D-Analogeingänge gekoppelt. Damit kann der Mikrocontroller das jeweilige
Elektrodenpotential messen und daraus den resultierenden Potentialunterschied bestimmen.
Die Erfindung basiert dabei auf der Erkenntnis, dass in EMV-technischer
Hinsicht ein zumindest angenähertes Sinussignal deutliche Vorteile gegenüber
einem Rechtecksignal aufweist. Die Sinus-Signalform ist auf analogem Wege allerdings
nur sehr aufwändig herstellbar, genauso wie dabei die synchrone Gleichrichtung
nur mit erheblichem Aufwand lösbar ist. Die Erfindung macht sich nun zu Nutze,
dass über D/A-Wandler praktisch beliebige Signalformen, also auch die für
die konduktive Messung der Leitfähigkeit optimale Sinusform generierbar sind.
Da eine Vierpolzelle symmetrisch angesteuert wird, stellt vorzugsweise ein zweiter
D/A-Wandler, ein Inverter oder ein Verstärker mit symmetrischen Ausgängen
ein synchron-inverses Sinussignal zur Verfügung.
Aufgrund des über die D/A-Wandler einfach zu erzeugenden Sinussignals
können an die Messkabel reduzierte Anforderungen gestellt werden. Insbesondere
können diese eine höhere Kapazität bzw. Länge aufweisen, da
keine einen hohen Oberwellenanteil aufweisenden Rechteck-Signale mehr übertragen
werden.
Ein weiterer Vorteil der Sinus-Signalform ist der damit verbundene,
geringere Leistungsbedarf der Messschaltung, da diese eine weitaus geringere Verstärkungsbandbreite
aufweisen muss.
Der Spannungsabfall an den Spannungselektroden wird über zwei
A/D-Wandler abgetastet, deren A/D-Analogeingänge mit den Spannungselektroden
gekoppelt sind. Über den durch die Vierpolzelle fließenden Strom und den
damit ermittelten Spannungsabfall kann der Leitwert des in der Vierpolzelle befindlichen
Mediums berechnet werden.
Der nebengeordnete Patentanspruch 2 betrifft eine sehr ähnliche
konduktive Messvorrichtung, die jedoch auf der Basis einer Zweipolzelle
arbeitet. Hierbei sind die bei der Vierpolzelle getrennten Strom- und Spannungselektroden
jeweils zu einer kombinierten Strom-/Spannungselektrode gekoppelt, die jeweils sowohl
für die Messstrom-Einspeisung als auch den Abgriff des Messsignals zuständig
sind. Dabei ergeben sich die gleichen Vorteile, wie sie bei der Ausführung
mit Vierpolzelle geschildert wurden.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist in den
Stromkreis der Vier- oder Zweipolzelle, also zwischen einer der Stromelektroden
bzw. kombinierten Strom-/Spannungselektroden und einem der D/A-Analogausgänge
ein Messwiderstand geschaltet, dessen Spannungsabfall von einem weiteren A/D-Wandler
des Mikrocontrollers zur Erfassung des Wechselmessstromes abtastbar ist.
Durch die damit gegebene synchrone Abtastung des Messsignales durch
die verschiedenen A/D-Wandler des Mikrocontrollers, der über seine synchrone
D/A-Wandler den Zellenstrom liefert, kann eine definierte Phasenverschiebung bei
der Messung vorgenommen werden. Es können so auftretende Phasenverschiebungen
innerhalb des Messsystems, die durch die Verstärker unvermeidlich sind und
beispielsweise auch durch lange Messkabel verursacht werden, ausgeglichen werden.
Da ferner die Messung mit einer hohen Abtastrate erfolgen kann, besteht die Möglichkeit,
das Messsignal in Realteil und Imaginärteil aufzuteilen, wodurch auftretende
Polarisationseffekte herausgerechnet werden können.
Weitere bevorzugte Ausführungsformen sind den Unteransprüchen
entnehmbar. Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung sind im Übrigen
in der nachfolgenden Beschreibung erläutert, die ein Ausführungsbeispiel
anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
1 bis 3 Blockdiagramme
einer Vorrichtung zur konduktiven Messung der Leitfähigkeit eines Mediums in
verschiedenen Ausführungsformen.
Wie aus 1 deutlich wird, ist das Herzstück
der Leitfähigkeitsmessvorrichtung ein Mikrocontroller 1, der lediglich
schematisch angedeutet ist und über alle notwendige Peripherie, wie eine entsprechende
Betriebsspannungsversorgung, Taktung und so weiter verfügt.
Ferner gehört zu der Messvorrichtung eine übliche Vierpolzelle
2, die in den Figuren ebenfalls nur schematisch und mit einem Ersatzschaltbild
von drei Reihen-Widerständen dargestellt ist. Bei letzteren handelt es sich
um den eigentlichen zu bestimmenden Widerstand RX des in der Vierpolzelle
2 befindlichen flüssigen Mediums 3, sowie um die Vorwiderstände
RV, die Leitungswiderstände und -kapazitäten sowie Übergangswiderstände
in den Elektroden versinnbildlichen.
Die Vierpolzelle 2 weist – wie üblich –
zwei Stromelektroden 4, 5 zur Einspeisung eines Messstromes IM
in das Medium 3 sowie zwei dazwischen angeordnete Spannungselektroden
6, 7 zum Abgriff des zwischen diesen Elektroden über dem
Medium 3 abfallenden Potentials auf.
Zur Einspeisung eines sinusförmigen Messstromes IM
über die beiden Stromelektroden 4, 5 in das Medium
3 sind die Stromelektroden 4, 5 mit den D/A-Analogausgängen
8, 9 eines jeweiligen D/A-Wandlers 10, 11 im
Mikrocontroller 1 gekoppelt. Zwischen der einen Stromelektrode
4 und dem zugehörigen D/A-Analogausgang 8 ist neben einem
Ausgangsverstärker 15 in Reihe ein Messwiderstand RM geschaltet,
über den der Messstrom IM läuft. Zu dessen Messung ist der
Messwiderstand RM mit dem A/D-Analogeingang 13 eines A/D-Wandlers
14 im Mikrocontroller 1 verbunden. Dieser A/D-Wandler
14 ermittelt den Messstrom IM als Spannungsabfall über
den Messwiderstand RM, der in seiner Größe vom Mikrocontroller
einstellbar ist, wie dies in den beigefügten 1
bis 3 strichliert angedeutet ist. Der Messstrom IM
wird im Übrigen durch die Ausgangsverstärker 15, 16
vor den jeweiligen D/A-Analogausgängen 8, 9 entsprechend
der von den D/A-Wandlern 10, 11 generierten Signalform erzeugt.
Die beiden Spannungselektroden 6, 7 sind über
Eingangsverstärker 17, 18, die als Differenzverstärker
geschaltet sind, mit den A/D-Analogeingängen 19, 20 eines
jeweiligen A/D-Wandlers 21, 22 im Mikrocontroller 1 verbunden.
Die Funktionsweise und Vorteile der gezeigten Messvorrichtung stellen
sich wie folgt dar:
Die Versorgungsspannung für die Schaltung ist unipolar, leistungsarm und liegt
bei niedrigen Werten von beispielsweise 2,5 bis 3 Volt. Neben dem Mikrocontroller
1 sind nur wenige externe Bauteile, wie die Ausgangsverstärker
15, 16 und Eingangsverstärker 17, 18 notwendig.
Das von den D/A-Wandlern 10, 11 generierte Sinussignal
enthält keine Oberwellen und ist daher EMV-technisch sehr günstig. Bei
hohen Kabellängen zur Vierpolzelle 2 hin führt ein Sinussignal
ferner zu geringsten Verzerrungen, was mögliche Messfehler deutlich verringert.
Die A/D-Wandler 21, 22 können den für
den Leitwert des Mediums 3 repräsentativen, von den Spannungselektroden
6, 7 erfassten Potentialunterschied mit einer hohen Abtastrate
erfassen. Ferner kann das Empfangssignal in seinen Imaginär- und Realteil aufgespalten
werden. Damit können Signallaufzeitverschiebungen, die durch die Verstärker
15, 16 oder lange Kabel hervorgerufen werden,
kompensiert werden. Bei der Verwendung von Zweipolzellen kann der Einfluss der Polarisation
an den Elektroden durch mathematische Verrechnung minimiert werden.
Der Mikrocontroller 1 kann ferner eine Einstellung der Messbereiche
vornehmen. Bei hohen Eingangssignalen entsprechend einer niedrigen Leitfähigkeit
des Mediums 3 werden die Eingangsverstärker 17,
18 auf eine kleine Verstärkung eingestellt. Bei kleinen Eingangssignalen
entsprechend einer hohen Leitfähigkeit des Mediums 3 wird der Messwiderstand
RM auf kleine Werte reduziert. Damit regelt der Mikrocontroller den Strommesswiderstand
RM und die Eingangsverstärkung auf die für die jeweilige Messung
optimalen Werte.
Bei sehr hohen Leitfähigkeiten regelt der Mikrocontroller das
Ausgangssignal der D/A-Wandler 10, 11 weiter herunter, um den
Messstrom RM und damit den Leistungsbedarf der Gesamtschaltung unter
einem Maximalwert zu halten.
Eine Besonderheit der gezeigten Messvorrichtung liegt in der Möglichkeit,
ungünstige Einbauverhältnisse der Vierpolzelle 2 zu kompensieren.
Stört beispielsweise eine benachbarte metallische Wand das elektrische Feld
der Zelle, so ergeben sich für die beiden Ersatz-Widerstände RV
unterschiedliche Werte. Dies hat zur Folge, dass der Messstrom IM nicht
ausschließlich über den zu messenden Mediumswiderstand RX fließt,
sondern dass auch Fehlströme über die erwähnte metallische Wand abgeleitet
werden. Diesen Umstand registriert der Mikrocontroller durch ungleiche Amplituden
an den A/D-Analogeingängen 19, 20. Der Mikrocontroller
1 regelt dann die Amplituden der D/A-Analogausgänge 8,
9 auf unsymmetrische Werte, bis an den A/D-Analogeingängen
19, 20 die Symmetrie wieder hergestellt ist. Die Feldverteilung
in der Zelle ist damit symmetrisch zur metallischen Wand und es kann kein Fehlstrom
fließen.
Wie ferner aus den 1 bis 3
hervorgeht, kann statt der Vierpolzelle 2 die gesamte konduktive Messeinrichtung
auch auf Basis einer explizit nicht dargestellten Zweipolzelle zur Anwendung gelangen.
Dann fungieren die beiden Elektroden 6, 7 als kombinierte Strom-/Spannungselektroden,
über die sowohl der von den D/A-Wandlern 10, 11 zur Verfügung
gestellte Messstrom IM in die Zelle eingespeist als auch der Potentialunterschied
zwischen den beiden Elektroden 6, 7 von den A/D-Wandlern
21, 22 erfasst wird. Die entsprechende Schaltungsänderung
ist in 1 punktiert eingezeichnet.
Eine weitere Variante der erfindungsgemäßen Leitfähigkeits-Messvorrichtung
ist in 2 gezeigt. Dort ist im Gegensatz zur Ausführungsform
gemäß 1 lediglich ein D/A-Wandler
10 mit entsprechendem D/A-Analogausgang 8 vorgesehen, der einerseits
mit dem Ausgangsverstärker 15, andererseits mit einem Inverter
23 gekoppelt ist. Letzterer erzeugt ein zum Ausgangssignal des Ausgangsverstärkers
15 synchron-inverses Ausgangssignal. Im Übrigen arbeitet die in
2 gezeigte Schaltungsanordnung entsprechend der gemäß
1, sodass übereinstimmende Bauteile mit identischen
Bezugszeichen versehen sind und auf die diesbezüglichen Erläuterungen
der 1 verwiesen werden kann.
Bei der in 3 gezeigten Ausführungsform
ist eine weitere Alternative zur Erzeugung der synchron-inversen, sinusförmigen
Ausgangssignale gezeigt. So ist dem Analogausgang 8 ein Verstärker
24 nachgeschaltet, der über zwei symmetrische Ausgänge
25, 26 verfügt. Über diese werden die sinusförmigen,
synchron-inversen Ausgangssignale zur Erzeugung des sinusförmigen Messstromes
IM generiert. Im Übrigen kann zum verbleibenden Aufbau der Messvorrichtung
wiederum auf die Ausführungen zu 1 verwiesen werden.