1. Problem, das der Erfindung zugrunde liegt
Bei einem Notruf ist es erforderlich, das nächstgelegene bzw.
zuständige Notrufzentrum zu erreichen und diesem ist eine Information über
den Aufenthaltsort des Anrufers zu übermitteln. Dies ist im Festnetz und in
den Mobilfunknetzen bereits realisiert und wird für VoIP Telefonie demnächst
gefordert. Da ein VoIP Teilnehmer den Telefonservice von jedem Internetanschluss
nutzen kann, ist eine vordefinierte Zuordnung der Rufnummer zu einem Standort nicht
mehr zwingend gegeben. Ein zusätzliches Problem entsteht durch die Möglichkeit,
auch im Ausland den VoIP Service des lokalen/nationalen Providers zu nutzen. Selbst
wenn der Standort des Teilnehmers zum Zeitpunkt des Notrufes bekannt wäre,
verfügt der Home VoIP Service Provider nicht über die Routing Information,
um weltweit alle Notrufzentren erreichen zu können.
Ein VoIP Teilnehmer, der sich zeitweise für den VoIP Service
an einem anderen Standort als seiner Heimatadresse registriert, wird im Folgenden
mobiler VoIP Teilnehmer genannt (mobil heißt in diesem Falle nicht sich bewegend).
2. Bisherige Lösung des genannten Problems
Für nichtmobile VoIP Teilnehmer ist bereits ein ursprungsabhängiges
Routing zum Notrufzentrum möglich. Hierzu werden die Teilnehmerdaten im Softswitch
statisch mit Routinginformationen verknüpft, um das regional zuständige
Notrufzentrum zu erreichen.
Zur Lokalisierung des Teilnehmers wird die Rufnummer zum Notrufzentrum
übermittelt. Dort kann die Adresse des Teilnehmers analog zum Notrufservice
im Festnetz anhand einer Datenbankabfrage ermittelt werden.
Die beschriebenen Mechanismen funktionieren zurzeit nicht bei mobilen
VoIP Teilnehmern, da eine feste Zuordnung der Teilnehmer-Rufnummer zu einer Ortsinformation
nicht gegeben ist. Eine standardisierte Lösung für dieses Problem liegt
im Moment noch nicht vor.
3. Erfindungsgemäße Lösung des genannten Problems
Gemäß der Erfindung wird der Notrufservice für einen
VoIP-Teilnehmer durch den Service Provider (SP) im Roaming Netz durchgeführt
und nicht durch den Home Service Provider des VoIP-Teilnehmers.
Hauptmerkmale für eine beispielhafte Realisierung der erfindungsgemäßen
Lösung:
- a. Der lokale Internet Service Provider stellt eine SOS URI eines lokalen Notruf-Servers
(eines lokalen SIP Service Providers) bereit, der einen Notruf zu einem nationalen
Notrufzentrum vermitteln kann.
- b. Der lokale Internet Service Provider stellt außerdem eine Ortsinformation
des physikalischen Internet Anschlusses zur Verfügung.
- c. Der Notrufservice erfolgt durch einen lokal zuständigen VoIP Service
Provider im Roaming Netz, auch wenn der Teilnehmer weiterhin bei seinem Home Service
Provider registriert ist.
Zu 3.a. Der ISP konfiguriert in seinem Netzwerk eine SOS URI in der
Form SOS@localsipdomain mit der ein nationales Notrufzentrum über einen nationalen/lokalen
VoIP Service Provider erreichbar ist. Hierzu können z.B. vertragliche Beziehungen
zwischen ISP und VoIP Service Provider bestehen oder ein VoIP SP wird durch eine
Regulierungsbehörde bestimmt.
Das Netzwerk wird vom ISP (z.B. DSL Provider oder IT-Administration
im Unternehmensnetz) so konfiguriert, dass die SOS URI zu angeschlossenen VoIP Clients
übertragen wird (z.B. über DHCP).
Zu 3.b. Der ISP stellt weiterhin eine Ortsinformation (z.B. in Form
von geografischen Koordinaten oder einer zivilen Adresse) zur Verfügung, die
(z.B. mittels DHCP) zum VoIP Client geladen wird. Für die Übertragung
von geografischen Koordinaten mittels DHCP gibt es dazu bereits einen RFC (3825).
Ein DSL Provider kann hier zum Beispiel die Adresse des Anschlussinhabers
über den DSL Port zur Verfügung stellen. In Unternehmensnetzen können
Angaben über den Standort des physikalischen Netz-Ports gemacht werden.
Zu 3.c. Die VoIP Client Software muss die Ortsinformationen und die
SOS URI empfangen und speichern können sowie eine vorkonfigurierte Liste mit
Notrufnummern besitzen. Ebenfalls denkbar wäre es, die Liste dynamisch um lokale
Notrufnummern zu erweitern.
Bei der Wahl einer Notrufnummer wird die gewählte Nummer in die
SOS URI umgewertet.
Die SIP INVITE Meldung zum Rufaufbau wird dann an den lokalen SIP
Service Provider, der durch die „localsipdomain" in der SOS URI identifiziert
wird, geschickt. Die INVITE Meldung enthält zusätzlich die Ortsinformation
über den Standort des Notrufers. Für die hierzu erforderlichen SIP Erweiterung
gibt es bereits Internet Drafts.
Der lokal zuständige VoIP Service Provider muss
den Notruf des bei ihm nichtregistrierten mobilen VoIP Client annehmen und anhand
der mitgeschickten Ortsinformation zum zuständigen Notrufzentrum weiterleiten.
Ein lokaler VoIP SP verfügt über die nötige Information, wie ein
Notrufzentrum in seinem Zuständigkeitsbereich zu erreichen ist.
Der VoIP Client ist dabei weiterhin bei seinem Home Service Provider
registriert, wo alle „normalen" Rufe abwickelt werden.
Ein VoIP Service Provider bedient nur die Notrufe in seinem Zuständigkeitsbereich,
egal ob von registrierten eigenen oder von roamenden fremden VoIP Clients.
4. Vorteile der Erfindung
Mit dem vorgeschlagenen Konzept eines Notrufservice im Roaming Netz
werden die Hauptanforderungen für einen Notrufservice mobiler VoIP Teilnehmer
(ortsabhängiges Routing und Übermittlung des Teilnehmerstandortes zum
Notrufzentrum) länderübergreifend realisierbar, sofern der physikalische
Netzzugang im Aufenthaltsland erfolgt. Ein Notrufer erreicht trotz SIP Registrierung
bei seinem Home Service Provider ein lokal zuständiges Notrufzentrum.
5. Beispielhafter Ablauf gemäß der Erfindung
Notrufszenario:
- – Ein VoIP Teilnehmer registriert sich für SIP Telefonservice bei
seinem Home VoIP Service Provider über einen fremden Internetanschluss (im
Ausland).
- – Der VoIP-Client erhält vom ISP des fremden Internetanschlusses
die SOS URI (gehostet bei VoIP SP im Roaming Netz) sowie die Ortsinformation über
den Standort des Netzanschlusses und speichert diese intern ab.
- – Der Teilnehmer wählt einen Notruf.
- – Der VoIP Client erkennt die Notrufnummer anhand einer vorkonfigurierten
Liste und ersetzt diese durch die SOS URI gemäß der Form „SOS@localsipdomain".
- – Es erfolgt der Rufaufbau zu die SOS URI und die Ortsinformation wird
mitsignalisiert.
- – Dieser mit der SOS URI erreichte Service Provider akzeptiert den Notruf
von einem nichtregistriertem Client und übernimmt das weitere Routing zum richtigen
Notrufzentrum in seinem Zuständigkeitsbereich.
- – Die empfangene Ortsinformation dient als Information für das Routing.
Weiterhin wird die Ortsinformation dem Notrufzentrum zur Verfügung gestellt.
Dies geschieht entweder durch direktes Signalisieren der Information oder durch
Zugriff auf eine temporäre Datenbank über die Rufnummer des Notrufers
als Schlüssel.