Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur automatischen Neueinstellung
von Grenzen für Zugangskontrollen zur Beschränkung des Verkehrs in einem
mit Netzknoten/Router und diese verbindende Verbindungsstrecken/Links gebildeten
Kommunikationsnetz, in dem Datenpakete nach dem Internet Protokoll weitergeleitet
werden und welches Kontrollinstanzen zur Durchführung der Zugangskontrollen
aufweist.
Eine der derzeit wichtigsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Netze
ist die Weiterentwicklung von Datennetzen für die Übertragung von Echtzeitverkehr,
d. h. Sprache, Videoinformationen und Audioinformationen. Um ein Datennetz echtzeitfähig
zu machen, müssen Mechanismen bereitgestellt werden, die die Einhaltung von
so genannten Dienstgütemerkmalen, wie z. B. die Übertragungsdauer, den
so genannten Jitter und die Paketverlustrate gewährleisten. In einem echtzeitfähigen
Netz muss verhindert werden, dass Situationen auftreten, in denen zugesagte Dienstgütemerkmale
nicht mehr gewährleistet werden können. Herkömmliche Datennetze weisen
das Handicap auf, dass Überlastsituationen auftreten können, die zu langen
Paketlaufzeiten oder sogar Paketverlusten führen können. Daher wird bei
echtzeitfähigen Datennetzen oder Paketnetzen – herkömmliche Datennetze
basieren in der Regel auf der Übertragung von IP Paketen, wie z. B. das Internet
– mit Verkehrsbeschränkung zumindest für Echtzeitverkehr gearbeitet,
um dem Echtzeitverkehr die erforderliche Dienstgüte zur Verfügung stellen
zu können. Verkehrsbeschränkung basiert meist auf Zugangskontrollen am
Netzrand, im Zuge derer zu übertragender Verkehr angemeldet und je nach verfügbarer
Bandbreite zugelassen oder abgewiesen wird.
Bei der Einrichtung von Zugangskontrollen soll einerseits eine dienstgerechte
Dienstgüte garantiert werden, andererseits hat der Netzbetreiber das Interesse,
möglichst viel Verkehr zu übertragen, um so möglichst hohe Einkünfte
zu erzielen. Bei der Wahl der Grenzen muss daher ein Kompromiss gefunden werden,
der eine Übertragung von möglichst viel Verkehr erlaubt, ohne dass dadurch
die Dienstgüte beeinträchtigt würde.
In Datennetzen hat der Betreiber zusätzlich die Möglichkeit,
durch Festsetzen von so genannten Linkgewichten die Übertragung bzw. Verteilung
von Verkehr in seinem Netz zu optimieren. Die Festsetzung von Grenzen für die
Zugangskontrolle und Linkgewichten stellt in größeren Netzen einen beträchtlichen
Aufwand dar. Wenn zusätzlich noch betreiberseitig Parameter vorgebbar sein
sollen, um beispielsweise wirtschaftlichen Vereinbarungen nachzukommen und die Einstellungen
bei veränderten Verkehrsbedingungen nachführbar sein sollen, ist der Betreiber
mit Konfigurieren von beträchtlichem Aufwand und beträchtlicher Komplexität
konfrontiert.
Die Erfindung hat zur Aufgabe, die Nachführung von Grenzen für
Zugangskontrollen in einem Kommunikationsnetz zu optimieren. Insbesondere sollen
periodische Änderungen im Verkehrsangebot über der Tageszeit von der Netzsteuerungseinheit
NCS nicht erst reaktiv nach der messtechnischen Beobachtung der Änderung, sondern
bereits vorausschauend behandelt werden.
Die Aufgabe wird durch den Gegenstand des Anspruchs 1 gelöst.
Zur automatischen Konfigurierung von Grenzen wird ein Konfigurierungssystem
im Netz angeordnet. In dem Konfigurierungssystem des Kommunikationsnetzes werden
die Verkehrsmatrix und die Linkgewichte des Netzes erfasst. Diese können als
Reaktion auf das Auslösen der Neueinstellung ermittelt und dann erfasst werden
oder auch regelmäßig bzw. periodisch neu ermittelt und an das Konfigurierungssystem
geliefert werden.
Die Erfindung erlaubt die automatische Berechnung und Konfiguration
von Betriebsparametern, wie z. B. Grenzen für Zugangskontrollen und Linkgewichte.
Diese automatische Berechnungskonfiguration von Betriebsparametern erspart dem Betreiber
die Benutzung externer Optimierungsprogramme, die Konversion der Parameter zwischen
verschiedenen Formaten und das manuelle Einspielen der Parameter und senkt damit
die Kosten für die Einführung von Zugangskontrollen für Verkehrsbeschränkung
oder Traffic Engineering in Paketnetzen.
Das erfindungsgemäße Konfigurierungssystem ist für
die Übermittelung von neu ermittelten Grenzen für Zugangskontrollen an
Kontrollinstanzen ausgestaltet. Es kann zudem zur Aktivierung der übermittelten
Grenzen bei den Kontrollinstanzen angepasst sein. Falls die neu ermittelten Linkgewichte
an Router zu übermitteln sind und dort aktiviert werden sollen, kann das Konfigurierungssystem
auch für diese Zwecke ausgebildet sein.
Durch die Tageszeitabhängige Erfassung von Verkehrsmatrizen kann
der NCS Budgets und ggf. Linkmetriken bereits auf ein wiederkehrendes besonderes
Verkehrsangebot zu bestimmten Tageszeiten anpassen, bevor die Änderung des
Verkehrsangebotes am jeweiligen Tage messtechnisch erfassbar wird.
Die Erfindung wird im Folgenden im Rahmen eines Ausführungsbeispiels
an Hand von Figuren näher erläutert. Dabei wird der Begriff Budget für
die durch die Festsetzung von Grenzen für die Zugangskontrollen
vorhandene Bandbreite für den Transport von Verkehr verwendet.
Es zeigen
1 ein erfindungsgemäßes Konfigurierungssystem
mit Eingangs- und Ausgangsgrößen.
2 Darstellung einer Reaktion entsprechend dem erfindungsgemäßen
Vorgehen auf den Ausfall eines Links.
1 zeigt schematisch ein erfindungsgemäßes
Konfigurierungssystem. In diesem System sind Module für folgende Funktionen
angeordnet:
- 1: Optimierung der Metrik und Berechnung neuer Linkgewichte (Link Metric Optimisation).
- 2: Berechnung neuer Grenzen für die Zugangskontrollen (NAC Budget Computation).
Eingabegrößen des Systems sind netzseitig die Last der Links
(link load) 3, die Auslastung der verfügbaren Bandbreite bzw. die
bei den einzelnen Grenzen noch verfügbare Bandbreite (budget usage)
4, die Topologie des Netzes (topology) 5 und Ereignisse (events)
6, wie Z. B. Netzausfälle, welche zu einer Neuberechnung von Grenzen
führen können. Auf Seite des Betreibers ist es möglich, eine Verkehrsmatrix
(traffic matrix) 7 vorzugeben. Es ist aber auch denkbar, eine Verkehrsmatrix
durch automatisierte Messungen in regelmäßigen Abständen zu ermitteln
und an das Konfigurierungssystem weiterzugeben. Daneben können vom Betreiber
Regeln oder Randbedingungen (operator policies) 8 vorgegeben werden, die
durch wirtschaftliche Überlegungen bedingt sind, z. B. die Bevorzugung von
Verkehr bestimmter Kunden oder zusätzliche Priorisierungen. So kann der Betreiber
z. B. eine Schwelle für die Anzahl der Linkausfälle konfigurieren, bei
denen noch präventiv die Budgets so berechnet werden sollen, dass bei weiteren
Ausfällen die QoS-Zusagen (QoS: quality of service) bzw. die zugesagte Dienstgüte
an die zugelassenen Reservierungen weiterhin eingehalten werden. Jede präventive
Reduktion der Budgets erhöht naturgemäß die Blockierungshäufigkeit
und verringert damit die Einnahmen des Netzbetreibers, während sie andererseits
eine Sicherheit gegen Verletzung der QoS-Zusagen bietet.
Als Ausgangsgrößen liefert das Konfigurierungssystem optimierte
Linkgewichte (optimized link metrics) 9 und die Grenzen (budgets with resilience)
10 für die Zugangskontrollen NAC (NAC: network access control), welche
so festgesetzt werden können, dass für den Ausfall von Netzelementen redundante
Bandbreite zum Abfangen des Ausfalls gegeben ist.
Für die Aktivierung von Grenzen bzw. Budgets kann ein weiteres
Protokoll eingesetzt werden, um eine konsistente Budgetanpassung zu erreichen. Zunächst
werden von den Budgetänderungen nur die Budgetverringerungen aktiviert. Die
Zugangskontrollinstanzen (NACs) geben dem Konfigurierungssystem (z. B. Network Control
Server NCS) bescheid, sobald jeweils das reservierte Budget sich im Rahmen des neu
vorgegebenen Budgets bewegt. Wenn alle NACs für alle geänderten Budgets
dem NCS signalisiert haben, dass die Budgets jetzt eingehalten werden, kann der
NCS die restlichen (zu erhöhenden) Budgets erhöhen.
Während des Netzbetriebes werden Link- und Budgetauslastungen
sowie Topologieänderungen (Ausfälle, Wiederinbetriebnahmen, Netzerweiterungen)
und sonstige Ereignisse beobachtet und ggf. neue Budgets bzw. Link-Kostenmetriken
berechnet. Im Folgenden wird auf die Reaktion auf Ausfälle näher eingegangen.
Die Verarbeitung der Auslastungs-Messdaten ist Gegenstand einer separaten Erfindungsmeldung.
2 zeigt schematisch den Verlauf der verfügbaren
Netzkapazität (capacity) 11, des verfügbaren Budgets (budget)
12 und der Auslastung des Budgets über der Zeit (budget utilization)
13. Die Budgets 12 sind so berechnet, dass der zugelassene Verkehr
auch nach dem Ausfall (failure) 14 eines (beliebigen) Links im Netz noch
mit den gegebenen QoS-Zusagen bzw. mit der zugesagten Dienstgüte transportiert
werden kann. Wenn nun tatsächlich ein solcher Ausfall 14 eintritt
(symbolisiert durch den Pfeil in 2), dann muss außer
der Wiederherstellung der Erreichbarkeit im Netz durch eine schnelle Fehlererkennung
und ein entsprechendes schnelles Re-Routing nichts weiter geschehen.
Um allerdings auch bei weiteren Linkausfällen wieder den Erhalt
der Dienstgüte (QoS) sicherstellen zu können, wird das Konfigurierungssystem
(NCS: network control server) 15 dennoch die Budgets auf die jetzt gültige
neue Topologie anpassen (NCS reaction). 2 zeigt, dass
nach dieser Anpassung zunächst mehr Budget 12 reserviert sein kann
als tatsächlich vorhanden ist. Während dies der Fall ist, werden auf den
betroffenen Budgets alle neuen Reservierungs-Anfragen blockiert. Durch die natürliche
Fluktuation der Reservierungen wird dieser transiente bzw. vorübergehende Zustand
nach einiger Zeit wieder verlassen, wenn genügend Reservierungen beendet wurden.
Von diesem Zeitpunkt an arbeitet die Ressourcenverwaltung wieder normal, und es
werden neue Reservierungen zugelassen, falls sie noch in das jeweils betroffene
Budget passen. Die Blockierungshäufigkeit, d. h. die durchschnittliche Rate
für Abweisungen von Reservierungsanfragen, ist mit den reduzierten Budgets
natürlich etwas größer als vorher, aber das ist die natürliche
Konsequenz des Fehlens der ausgefallenen Netzressourcen.
Wenn ein einmal ausgefallener Link wieder in Betrieb geht, können
die Budgets entsprechend wieder neu berechnet werden und die neuen Werte können
wieder in dem Konfigurierungssystem bzw. den NAC-Komponenten konfiguriert werden.