Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Laser-Mikrodissektion
und zum Laser-Pressure-Catapulting (LMPC). Für das Laser-Pressure-Catapulting
werden entsprechend einer Laser-Mikrodissektion biologische Objekte aus einer biologischen
Masse zumindest weitgehend herausgeschnitten und dann mit einem gezielten Laserschuss
bzw. Laserimpuls in einen Auffangbehälter katapultiert. Ein direktes Katapultieren
interessierender Bereiche der biologischen Masse ohne verheriges Ausschneiden ist
ebenfalls möglich, wobei in diesem Fall das katapultierte Gebiet maßgeblich
von der Strahlintensität und dem Strahlprofil eines verwendeten Laserstrahls
abhängt. Eine derartige Vorrichtung bzw. ein derartiges Verfahren ist beispielsweise
aus der DE 100 15 157.4 der Anmelderin
bekannt und wird unter der Bezeichnung MicroBeam vertrieben.
Problemstellung
Welches Problem löst die Erfindung
Der MicroBeam Verwendet sowohl zum Ausschneiden als auch zum Katapultieren
denselben Laser. Das von der Strahlquelle vorgegebene Strahlprofil wird im gegenwärtigen
Zustand sowohl für den Mikrodissektionsprozess als auch für den Katapult-Vorgang
im Wesentlichen unverändert eingesetzt. Allerdings müssen die Laserparameter
für den jeweiligen Vorgang und auf das jeweilige Präparat eingestellt
werden: Während des Schneideprozesses befindet sich der fokale Punkt des Lasers
auf der Objektebene. Für den Katapult-Vorgang hingegen wird der Laserstrahl
defokussiert eingesetzt. Somit ergibt sich eine starke Abhängigkeit der LMPC
von der Qualität und Geometrie des Ausgangsstrahls: Für das Schneiden
eignen sich Strahlprofile mit enger Gauss-Verteilung, die jedoch für das Katapultieren
nachteilig sind.
Welche Nachteile weisen bekannte Lösungen auf
Nicht-optimale Kompromiss-Lösung für die LMPC-Prozesse Schneiden
und Katapultieren
Die zurzeit angewandte Strahlfokus-Anpassung über Beamexpander
und Grauwert-Abschwächer stellt einen Kompromiss zwischen den gegenläufigen
Anforderungen des Schneidens (optimal: enger Gauss mit hoher Amplitude) und des
Katapultierens (optimal: flat-top) her. Neben der Abhängigkeit vom Ausgangsstrahl
ergeben sich daher vor allem Probleme für das Katapultieren der Probe: mit
der herkömmlichen Lösung wird der „Transfer-Impuls" über Defokussierung
des Laserstrahls erreicht. Dies hat zur Folge, dass ein Großteil der zur Verfügung
stehenden Energie nicht dem Transfer zugute kommt, sondern nur die Basis des gauss-verteilten
Strahlprofils. Die restliche Energie „verpufft" entweder unterhalb der Objektebene
ungenutzt oder aber wird in die Objektebene übertragen und führt zur unnötigen
Belastung der Probe (Durchschuss der Probe). Dies führt zur zeitaufwändigen
Praxis bei schwierig zu bearbeitenden Proben für den Schneideprozess hochnumerische
Objektive einzusetzen und für den Katapultvorgang zu niedernumerischen Objektiven
zu wechseln. Hinzu kommt, dass bei Verwendung z. B. Femtosekundenlaser das Katapultieren
schwierig und nur begrenzt durchführbar ist, da die übertragene Energie
nur auf eine sehr kleine Oberfläche verteilt werden kann.
Lösung
Dieses Problem wird gelöst durch ein Verfahren nach Anspruch
1 und eine Vorrichtung nach Anspruch 8. Die abhängigen Ansprüche definieren
bevorzugte oder vorteilhafte Ausführungsbeispiele.
Durch Einsatz von refraktiver/defraktiver Optik kann der Strahl beliebig
„geformt" werden, so dass er sowohl fein fokussiert zum Schneiden oder zur
Mikroinjektion eingesetzt als auch mit einer breiten Strahlfront zum optimierten
Katapultieren verwendet werden kann. Eine Abhängigkeit der Laserquelle wird
somit vermindert. Zudem kann der Laserstrahl sehr schnell auf die jeweilige Anforderung
moduliert werden, ohne das Veränderungen in Fokus- und Energiewerten erfolgen
müssen. Des Weiteren kann auf einen Objektivwechsel zwischen Schneiden und
Katapultieren auch bei schwierigen Proben verzichtet werden.
Weitere Vorteile:
- – Aufgrund der optimierten Energieverteilung kann im Katapultiermodus
mehr Energie auf eine größere Fläche übertragen werden, wodurch
vor allem mit Objektiven mit geringerer Vergrößerung größere
Probenareale transferiert werden können. Dies bringt auch für auf Glasobjektträgern
aufgebrachte Proben Vorteile, da über die größere Flächenverteilung
größere Areale ohne unterliegende Transfer-Membran befördert werden
können.
- – Hierdurch wird erreicht, dass der Energieeintrag in die Probe minimiert
wird, was vor allem im Lebendzell-Bereich von Bedeutung ist. Des Weiteren können
somit Durchschüsse der Membran verhindert werden.
- – Der über refraktive/defraktive Optik modulierte Strahl hat nach
der Umformung eine rechteckige Bestrahlungsfläche und kann daher für eine
Bestrahlung der Fläche ohne Überlappungsbereiche genutzt werden (z. B.
bei AutoLPC von direkt au Glasobjektträgern aufgebrachten Proben).
In 1A und 1B
ist ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung dargestellt, wobei 1A den Strahlengang und
1B ein vollständiges Mikroskopsystem zeigt. Bis
auf die nachfolgend noch zu erläuternden Elemente entspricht das Mikroskopsystem
von 1B einem herkömmlichen System zur Laser-Mikrodissektion
und zum Laser-Pressure-Catapulting (LMPC), wie es beispielsweise in der
DE 103 58 565 der Anmelderin beschrieben
ist.
Zur Einstellung eines gewünschten Laserstrahlprofils insbesondere
für das Katapultieren dient ein Strahlformungselement 100, welches
durch einen Schrittmotor wie durch einen Pfeil 110 angedeutet in den Strahlengang
gefahren werden kann bzw. aus diesem heraus gefahren werden kann. Statt eines Schrittmotors
sind auch andere Bewegungsmittel zum Bewegen des Strahlformungselements
100 in den Strahlengang oder aus dem Strahlengang heraus denkbar. Der Schrittmotor
weist bevorzugt eine hohe Positioniergenauigkeit auf, um das Strahlprofil präzise
einstellen bzw. das Strahlformungselement 100 präzise positionieren
zu können. Eine mögliche Positioniergenauigkeit ist beispielsweise 0,1
mm.
Das Strahlformungselement 100 kann insbesondere ein Beugungselement
sein oder ein solches enthalten. Beispiele für Beugungselemente sind in den
weiteren Figuren dargestellt.
Das Beugungselement kann beispielsweise eine so genannte Asphäre
sein, ein asphärisches Element, welches beispielsweise durch Lithographie wie
in 9 dargestellt hergestellt werden kann. Durch ein
derartiges Verfahren kann ein Beugungsgitter erzeugt werden. Mit derartigen Beugungsgittern
können gewünschte Strahlprofile erzeugt werden, dafür wird das gewünschte
Strahlprofil vorgegeben und nach den bekannten der Wellenoptik das nötige Beugungsprofil
ermittelt. Derartige Beugungselemente sind beispielsweise auch aus der
DE 102 45 558 A1 bekannt.
Asphärische Beugungselemente können dabei auch aus einer
Kombination einer sphärischen Linse mit einem auf der Linse aufgebrachten Beugungsgitter
bestehen.
2 und 3A, 3B
zeigen dabei Strahlprofile für eine derartige Asphäre, d. h. die Intensität
des Strahls in Abhängigkeit von dem Ort. Mit z wird dabei eine Fokussierung
in der jeweiligen Objektebene des Mikroskops aus 1B
bezeichnet. Eine derartige Fokussierung kann entweder durch ein entsprechendes Mikroskopobjektiv
oder durch eine Optik 16 in 1B erreicht werden.
Wie zu sehen ist, kann mit einer derartigen Asphäre ein breites relativ homogenes
Strahlprofil erzeugt werden, welches zum Katapultieren gut geeignet ist.
4 zeigt schließlich den Einfluss einer Profiltiefe
der Asphäre auf die Intensitätsverteilung.
Eine weitere Möglichkeit zur Strahlformung ist ein Array, beispielsweise
ein Linsenarray. Ein derartiges Linsenarray ist in 10
schematisch dargestellt und kann durch Reflexion über Spiegel beleuchtet werden.
10 zeigt dabei ein an den Mikrolinsenabstand angepasstes
Kohärenz-Management durch zwei gekreuzte Stufenspiegel. 5
und 6 zeigen Intensitätsverteilungen ähnlich
2 und 3 für ein derartiges Array.
Auch in einem Array können zusätzlich oder alternativ zu Linsen Beugungselemente
zum Einsatz kommen.
Bei derartigen Arrays kann es durch die regelmäßige Anordnung
der Linen zu Interferenzerscheinungen kommen. Um dies zu vermeiden, kann als Strahlformungselement
100 auch ein so genanntes statistisches Array vorgesehen sein, welches
eine Feldverteilung im Wesentlichen ohne Interferenzen ermöglicht, da bei einem
derartigen statistischen Array keine für eine Interferenz nötige feste
Phasenbeziehung zwischen einer Mehrzahl von Strahlen besteht. Derartige statistische
Arrays sind beispielsweise in L. Erdmann et al., „MOEMS-based Lithography
for the Fabrication of Mirco-Optical Components", Journal of Microlithography, Microfabrication
and Microsystems, Vol. 4, Issue 4, 2005 beschrieben.
Es können sowohl zur Herstellung der Strahlformungselemente
100 als auch für die Strahlformungselement 100 selbst so
genannte DMD-Elemente verwendet werden, welche aus der Projektionstechnik bekannt
sind. Hierbei handelt es sich um eine große Anzahl von in einer Matrix angeordneten
gegebenenfalls teildurchlässigen Mikrospiegel, welche einzeln angesteuert werden
können.
Es ist zu bemerken, dass das Strahlformungselement 100 auch
aus mehreren optischen Elementen, beispielsweise einer Kombination aus Beugungselementen
und Linsen, bestehen kann.
9 zeigt das simultane Strukturieren des gesamten optischen
Elements durch holgrafische Lithografie. Dabei liegt ein geblaztes Oberflächenprofil
für hohe räumliche Sequenzen vor. Aufgrund der begrenzten Profiltiefe
in dem Fotolack wird ein zusätzlicher Ionen-Ätzprozess zum Einstellen
der Profiltiefe verwendet.
Es ist möglich, für die Laser-Mikrodissektion, also für
einen Schneidvorgang, den unveränderten Laserstrahl zu verwenden und zum Katapultieren
das Strahlformungselement 100 in den Strahlengang zu bewegen. Es sind jedoch
auch zwei verschiedene Strahlformungselemente 100 denkbar, wobei eines
für das Schneiden und eines für einen Katapultvorgang in den Strahlengang
gefahren wird, um jeweils ein optimales Strahlprofil zu erzeugen.