Die Erfindung betrifft die naßchemische Herstellung von Dünnschicht-Hochtemperatur-Supraleitern
(HTSL) mit einem mindestens einschichtigen texturierten Substrat auf dem texturierte
HTSL-Strukturen mit einer gewünschten Vorzugsrichtung sind. Dazu wird zunächst
das Substrat hergestellt, dann auf das Substrat ein flüssiger HTSL-Precursor
aufgetragen und anschließend eine Wärmebehandlung zur Erzeugung eines
HTSL durchgeführt.
Ein solches Verfahren ist aus der WO
20050110008 bekannt. Der HTSL-Precursor wird dabei als Lösung in einem
der zur erzeugenden HTSL-Struktur entsprechendem Muster im Tintenstrahldruckverfahren
auf das Substrat aufgetragen. Durch die Wärmebehandlung entstehen an den Stellen,
an denen der HTSL-Precursor aufgetragen wurde, HTSL-Bereiche z.B. in Form von Leiterbahnen.
Jedoch haben solche Leiterbahnen eine geringere kritische Stromdichte als Dünnschicht-HTSL
mit flächig aufgetragenem HTSL-Precursor. Weiterhin ist nachteilig, dass das
direkte Drucken kleiner randscharfer Strukturen einen HTSL-Precursor mit kleinem
Benetzungswinkel erfordert. Die Verwendung eines HTSL-Precursors mit großem
Benetzungswinkel würde zwar zu einer gleichmäßigen Benetzung und
damit zu einer verbesserten Stromtragfähigkeit führen, läßt
aber nicht die Erzeugung von kleinen, randscharfen Strukturen zu. Weiterhin bilden
die Leiterbahnen im direkten Druck auf der Oberfläche des Substrates eine unebene
3D-Struktur, so daß eine anschließende Beschichtung mit einer metallischen
Deckschicht, wie sie etwa zur Herstellung von Neutralfaser-HTSL benötigt wird,
schwierig ist.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der einleitend
angegebenen Gattung bereitzustellen, das die zuvor gennannten Nachteile nicht hat.
Diese Aufgabe ist durch ein Verfahren nach dem Anspruch 1 gelöst.
Weil bei der Herstellung des Substrates ein Negativbild der Geometrie der texturierten
HTSL-Strukturen erzeugt wird, bildet sich in Schritt c) über den Bereichen
des Substrates mit dem Negativbild der HTSL-Strukturen keine texturierte HTSL-Schicht
mit der gewünschten Vorzugsorientierung. Die texturierten HTSL-Strukturen mit
der gewünschten Vorzugsorientierung entstehen lediglich auf den verbleibenden
Bereichen des Substrates.
Vorzugsweise wird in Schritt a) ein Substrat aus einem bevorzugt metallischen
Träger, insbesondere Nickel und aus mindestens einer Pufferschicht erzeugt.
Die Pufferschicht(en) trennen den HTSL-Precursor von dem Träger, so daß
Elemente des Trägers, z.B. Nickelatome, nicht in den die HTSL Schicht diffundieren
und diese verunreinigen können. Sofern nicht mindestens eine Schicht selbstorientierend
ist, hat der Träger eine Textur, die über die Pufferschichten auf die
HTSL-Schicht übertragen wird. Zerstört man bei der Herstellung eines solchen
mehrschichtigen Substrates durch Erzeugen eines Negativbildes die Textur in einem
Bereich auf der Oberfläche einer der unteren Schichten, beispielsweise auf
dem Träger, so wird die Textur nicht auf die darüber aufgebrachten Schichten
übertragen. Der „Texturdefekt" wird beim Aufbringen der nächsten
Schicht als Verlust der Vorzugsorientierung an diese weitergegeben. Weil die Pufferschichten
nur geringe Schichtdicken haben, „heilt" die Fehlorientierung beim Aufwachsen
der nächsten Schicht nicht aus. An der Oberfläche der aufgebrachten Schicht
ist an gleicher Stelle wieder ein Texturdefekt. Daher entsteht über einem Bereich
des Substrates, der ein Texturdefekt hat, keine texturierte HTSL-Struktur.
Auf das Substrat kann in den Bereichen, in denen die HTSL-Strukturen
entstehen sollen, im Gegensatz zum o.g. Verfahren nach dem Stand der Technik der
HTSL-Precursor flächig aufgetragen werden. Das Auftragen des HTSL-Precursors
kann wie üblich beispielsweise durch spray coating, dip coating oder nach dem
Tintenstrahldruckverfahren erfolgen. Dadurch erhält man in den flächig
beschichteten Bereichen eine zumindest weitgehend plane und chemisch homogene Oberfläche,
auf die sich weitere, an einen Verwendungszweck des Dünnschicht-HTSL angepasste
Schichten, wie beispielsweise eine metallische Deckschicht naßchemisch aufbringen
lassen.
In einer Ausführungsform des Verfahrens wird in Schritt a) eine
dem Negativbild der Geometrie der texturierten HTSL-Strukturen entsprechende und
dort die Bildung von texturierten HTSL-Strukturen verhindernde Schicht als Störschicht
aufgebracht.
Diese Störschicht besteht bevorzugt aus einem nicht texturübertragenden
Material. Dadurch wir ein Texturübertrag von dem Substrat auf die HTSL-Schicht
verhindert. Bevorzugt ist das Material daher gegen den in Schritt b) aufgetragenen
HTSL-Precursor inert, wird also z.B. von Propionsäure und/oder TFA und/oder
Alkohol als häufigen Bestandteilen der HTSL-Precursoren nicht angegriffen und
greift letztere nicht an
In einer anderen Ausführungsform wird eine sich in Schritt c)
nicht zersetzende Störschicht, beispielsweise aus Titandioxid, Zinkoxid, Lanthanoxid
und/oder Aluminiumoxid aufgebracht. Dadurch findet in Schritt c) über den Bereichen
des Substrates, die die Störschicht aufweisen, kein oder nur ein verminderter
Texturübertrag an die HTSL-Schicht statt.
Somit ist die HTSL Schicht in diesen Bereichen nicht oder nur schwach
texturiert. In den anderen Bereichen findet ein ungestörter
Texturübertrag statt, so daß dort die texturierten HTSL-Strukturen entstehen.
Die einzelnen Kristalle der fehlorientierten HTSL-Schicht können selbst auch
HTSL sein, jedoch sind dann diese Kristalle gegeneinander nicht oder nur schwach
in der gewünschten Stromflussrichtung ausgerichtet. Daher leiten diese Bereiche
im Vergleich zu den HTSL-Strukturen deutlich schlechter. Dies kann bei bandförmigen
Dünnschicht-HTSL zur Wechselstromleitung genutzt werden: Dazu wird ein Band
mit einer Vielzahl, sich in Bandrichtung erstreckender und texturierter HTSL-Filamente
erzeugt. Sind alle Filamente fehlerfrei, findet der Stromtransport zumindest im
wesentlichen in den Filamenten statt. Ist jedoch ein Filament an einer Stelle unterbrochen,
so kann der dieses Filament durchfließende Strom die Unterbrechung über
die schlechter leitenden Bereiche zwischen den Filamenten „umgehen". Alternativ
können in gezielt gewählten Abständen Brücken zwischen einzelnen
Filamenten oder über die gesamte Zahl an Filamenten aufgebracht werden, die
den Alternativweg gewährleisten.
In einer weiteren Ausführungsform wird als Material für
die Störschicht ein Material verwendet, das sich in Schritt c) zersetzt. Die
Zersetzungsprodukte verschlechtern die Haftung der in Schritt c) entstehenden HTSL-Schicht.
Bei geeigneter Wahl des Störschichtmaterials wird ein Abplatzen der HTSL-Schicht
an den Stellen, unter denen die Störschicht aufgebracht wurde, erreicht. Dann
bleiben auf dem Substrat die texturierten HTSL-Strukturen wie Leiterbahnen auf Platinen.
Bei Wahl eines anderen Materials kann die HTSL-Schicht durch bei der Zersetzung
entweichendes Gas auch (nur) porös werden, so daß der Bereich der Poren
nicht oder nur schlecht supraleitend ist. Die übrigen Bereiche sind die texturierten
HTSL-Strukturen.
Stattdessen kann in Schritt a) ein Benetzungsverhinderer auf die Oberfläche
des Substrates aufgebracht werden. Dadurch perlt der HTSL-Precursor an diesen Stellen
vom Substrat ab und es kann sich in oder über den entsprechenden Bereichen
kein HTSL bilden.
Alternativ kann in Schritt a) das Negativbild in die Oberfläche
des Substrates eingeritzt werden. Dadurch wird in den durch das Ritzen beschädigten
Bereichen ein Texturübertrag auf die HTSL-Schicht verhindert. Wird ein mehrschichtiges
Substrat hergestellt, kann das Negativ in eine beliebige Schicht eingeritzt werden.
Der durch das Ritzen entstandene Texturdefekt überträgt sich auf die darüberliegenden
Schichten.
Stattdessen können zum Erzeugen des Negativbildes dem Negativbild
entsprechende Bereiche der Oberfläche des Substrates, bei einem mehrschichtigen
Substrat mindestens eine Schicht des Substrates, angeschmolzen werden. Durch das
Anschmelzen verlieren die entsprechenden Bereiche ihre Textur, so daß oberhalb
der angeschmolzenen Bereiche nur polymorphe, nicht oder höchstens schwach texturierte
HTLS-Strukturen entstehen.
In einer weiteren Ausführungsform wird das Negativbild in die
Oberfläche des Substrates, bei einem mehrschichtigen Substrat in mindestens
eine Schicht des Substrates, geätzt. Oberhalb der angeätzten Bereiche
wird in Schritt c) die Textur nicht an die HTSL-Schicht übertragen und es entstehen
polymorphe, nicht oder nur schwach texturierte Bereiche.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen
veranschaulicht:
Als Grundsubstrat wird für alle nachfolgenden Beispiele ein texturiertes
Metallsubstrat mit einer Ceroxid (CeO2)-Pufferschicht nach
DE 10 2004 038030.9 verwendet. Zur
Durchführung von Schritt b) wurden TFA basierte Beschichtungslösungen
verwendet.
Beispiel 1
Auf eine CeO2-Pufferschicht wurde nochmals eine CeO2-Schicht
aufgebracht. Diese wurde strukturiert in Form von Streifen mittels eines Tintenstrahlverfahrens
(Druckköpfe Marcrojet, Fa. Domino) aufgebracht. Die Beschichtungslösung
war Ce(III)-acetat gelöst in Propionsäure, 2-Propanol und Acetylaceton
(Ce(III)-acetat, Ce(CH3COO)3·xH2O, Sigma-Aldrich
Chemie, 99,9%; Propionsäure, CH3CH2COOH: Merck, ≥99%,
Schmelzpunkt: –21°C, Siedepunkt: 141°C, Flammpunkt: 50°C;
2-Propanol (Isopropanol), (CH3)2CHOH, Sigma-Aldrich Chemie,
99,5%, Siedepunkt 82°C; Acetylaceton, CH3COCH2COCH3
Sigma-Aldrich Chemie, >99%, Siedepunkt 140°C). Die Lösungsmittel hatten
ein Mischungsverhältnis von 5:2:1. Das Mischungsverhältnis kann zur weiteren
Optimierung variiert werden. Der Propionsäureanteil sollte vorzugsweise etwa
50 Vol% nicht unterschreiten. Die Lösungskonzentration wurde auf 0,5M eingestellt.
Die Beschichtungslösung wurde mit einem Vordruck von 2 bar über 16 Düsen
mit einem Düsendurchmesser von 50&mgr;m mit 1 Tropfen pro 0,1mm aufgebracht.
Die Kristallisationsglühung der strukturierten CeO2-Schicht wurde
durch ein schnelles Aufheizen auf 950°C so geführt, dass die Schicht nicht
texturiert sondern regellos orientiert auf der darunter liegenden Schicht aufwuch.
Beispiel 2
Auf die CeO2-Pufferschicht wurde eine untexturierte Silberschicht
aufgebracht. Diese wurde im Tintenstandruckverfahren gemäß dem CSD (Chemcial
Solution Deposition) Prozess kontinuierlich mit einer Lösung von (1,5-Cyclooctadien)-(hexafluoroacetylacetonato)-silber(I),
99%, Fa. Aldrich, in Toluol für die Spektroskopie, Fa. Merck mit einer Konzentration
von c ≈ 1,5M beschichtet. Die Proben wurden mit einer Ziehgeschwindigkeit
von 0,4 cm/s beschichtet (Tintenstrahldruckverfahren wie in Beispiel 1). Nach der
Beschichtung wurden die flüchtigen Bestandteile ausgedampf und bei 300°C
innerhalb 30min in einem der Beschichtung direkt angeschlossen kontinuierlichen
Durchzugsofen pyrolysiert.
Beispiel 3
Auf die CeO2-Pufferschicht wurde eine untexturierte Yttriumoxidschicht
(Y2O3) aufgebracht. Als Beschichtungssuspension wurde 10g
Y2O3 Nanopulver mit einer mittleren Korngröße von
40 &mgr;m dispergiert in 90 ml Methanol verwendet. Die Dispergierung erfolgte
mittels eines Ultra-Thurrax Systems (Fa. IKA). Durch die hierbei erzeugten hohen
Schwerkräfte wurden die Nanopartikel vereinzelt, d.h. eventuell vorhandene
Agglomerate zerstört und so eine Sedimentation der Partikel vor der Beschichtung
verhindert. Die Proben wurden mit einer Ziehgeschwindigkeit von 0,5cm/s beschichtet
(Ink-Jet Parameter s. Beispiel 1). Nach der Beschichtung wurde des Lösungsmittels
bei Temperaturen bis 100°C innerhalb von 10 min ausgedampft. Anschließend
wurden die verbliebenen Nanopartikel bei Temperaturen unterhalb der Schmelztemperatur
angesintert.
Beispiel 4
Auf die CeO2-Pufferschicht wurde eine Struktur mittels
eines Photolithographieverfahrens aufgebracht. Hierzu wurde die Pufferschicht zunächst
mit einem Photolack (Photorestist AZ 1500, Fa Clariant) beschichtet und der Lack
getrocknet. Die Beschichtung erfolgte flächig mittels Dip-Coating bei einer
Durchzugsgeschwindigkeit von 1 m/min. In einer Trocknungsstrecke wurde bei 80°C
innerhalb von 10 min. getrocknet. Die Belichtung erfolgte kontinuierlich mittels
einer Belichtungsmaske aus einer UV-durchlässigen Trägerschicht (Quarzglas)
und einer Adsorberschicht (Chrom). Auf das durchlaufende Band wurde ein Streifenmuster
projiziert. Die bestrahlten Gebiete wurden anschließend mittels des metallionenfreien
Entwicklers AZ 726 im Durchlaufverfahren abgelöst. Die Ablösung/Entwicklung
kann durch Verwendung von Ultraschall unterstützt und/oder beschleunigt werden.
Auf den Lack wurde die HTSL-Precursorlösung flächendeckend
aufgetragen. Im Pyrolyseschritt erfolgt neben der Zersetzung der organischen Komponenten
der Beschichtungslösung auch die Zersetzung des Photolackes. Das Entstehen
von Kohlendioxid und Wasser unterhalb der Supraleiterbeschichtung führte an
den mit Photolack beschichteten Stellen im Pyrolyseschritt zu einer Zerstörung
der Supraleiterschicht. Diese Zerstörung bestand in einem Abplatzen der Schicht
oder in einer so starken Riss- und Porenbildung, dass die Supraleitung in diesen
Bereichen effektiv unterbunden wurde.
Beispiel 5
Auf die CeO2-Pufferschicht wird eine Wachsschicht aufgebracht.
Als Beschichtungslösung wurden verschiedene Wachse mit einem Molekulargewicht
vom mindestens 300 und einem Schmelzpunkt von zumindest 40°C als 10%ige (möglich
5–50%) Lösung in n-Hexan, verwendet. Insbesondere war z.B. Carnaubawachs
und Paraffin als langkettiger Aliphat geeignet. Es wurde im Tintenstrahldruckverfahren
kontinuierlich (Parameter s. Beispiel 1) beschichtet. Die Proben wurden mit einer
Ziehgeschwindigkeit von 1 cm/s beschichtet. Das Wachs hat die Eigenschaft, dass
der Benetzungswinkel der Beschichtungslösung für die supraleitende Schicht
viel kleiner (d.h. nahe 0°) war als der Benetzungswinkel der Beschichtungslösung
auf der Pufferschicht. Die Beschichtung für die supraleitende Schicht erfolgte
im Durchzugverfahren. Die Beschichtungslösung perlte beim möglichst senkrechten
Hersausziehen des Bandes von den mit Wachs beschichteten Stellen. Die Wachsschicht
wurde zusammen mit der Supraleiterschicht pyrolysiert und dadurch vom Band entfernt.