Anwendungsgebiet und Stand der Technik
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Dotierung von Siliziummaterial
für Solarzellen sowie Siliziummaterial, das mit einem dementsprechenden Verfahren
dotiert worden ist, ebenso wie Solarzellen aus einem solchen Siliziummaterial.
Aufgrund der Eigenschaft des Siliziums als "indirekter Halbleiter"
hat dieser eine nur schwache Licht-emittierende Eigenschaft bei Raumtemperatur.
Lediglich bei Temperaturen um 20 K ist eine intensive Elektrolumineszenz nachweisbar.
Demgegenüber ist die gute Absorptionseigenschaft von Silizium im Wellenlängenbereich
von 400–1200 nm die Basis, die es als Ausgangsmaterial für photovoltaische
Prozesse besonders geeignet macht.
Mit den Elementen Bor und Phosphor dotiertes Silizium weist eine charakteristische
Lichtabsorption auf. Kennzeichnende Eigenschaft der Lanthanide ist die nahezu komplette
Abschirmung der ungepaarten Elektronen der 4f Orbitale vom umgebenden Kristallfeld
durch Elektronen äußerer Schalen. Somit sind die Energieniveaus der Anregungszustände
dieser ungepaarten Elektronen unabhängig vom Kristallfeld weitestgehend konstant.
Trotz einer geringen Wechselwirkung mit dem Kristallfeld ist die Übergangwahrscheinlichkeit
für die Besetzung dieser Energieniveaus durchaus stark vom Kristallfeld beeinflusst
und zeigt sich in der unterschiedlichen Quanteneffizienz der Emissionsbanden abhängig
von der Kristallstruktur. Lanthanide sind auf einem ganz anderen technischen Gebiet
bekannt als Lumineszenz-Aktivatoren in natürlichen und technischen Leuchtstoffen.
Aufgabe und Lösung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein eingangs genanntes Verfahren,
ein Siliziummaterial sowie Solarzellen zu schaffen, mit denen Probleme des Standes
der Technik vermieden werden können und insbesondere eine Energieausbeute einer
fertigen Solarzelle verbessert ist.
Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1, ein Siliziummaterial mit den Merkmalen des Anspruchs 23 sowie eine
aus solchem Siliziummaterial hergestellte Solarzelle mit den Merkmalen des Anspruchs
27. Vorteilhafte sowie bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sind Gegenstand der
weiteren Ansprüche und werden im Folgenden näher erläutert. Manche
der nachfolgenden Merkmale werden nur einmal aufgezählt. Sie sollen jedoch
unabhängig davon für das Verfahren, das Siliziummaterial sowie die fertige
Solarzelle gelten können. Der Wortlaut der Ansprüche wird durch ausdrückliche
Bezugnahme zum Inhalt der Beschreibung gemacht.
Das zu dotierende Siliziummaterial liegt in flacher Form vor, und
zwar als Wafer odgl., wie dies bekannt ist. Erfindungsgemäß werden in
eine oberste Schicht bzw. einen obersten Bereich des Siliziummaterials, der weniger
als 1 &mgr;m beträgt, Lanthanide eindotiert, um dadurch die Absorptionseigenschaften
des Siliziummaterials zu ändern. Dies kann sowohl für mono- als auch für
multikristalline Solarzellen gemacht werden.
Durch den Einbau von Lanthaniden in diese Silizium-Strukturen oder
weitere Strukturen der Solarzelle sowie in Mischphasen aus diesen Strukturen kann
eine effizientere Ausnutzung der UV und UV-nahen Strahlung des Sonnenlichts erreicht
werden. Dies soll in der Form geschehen, dass aus einem Photon mit einer Energie
mindestens zweimal größer als die Bandlücke von Silizium (1.12 eV)
durch die Anregung und Rekombination der ungepaarten 4f Elektronen der Lanthanide
zwei oder mehr Photonen mit Energien nur wenig größer als die Bandlücke
von Silizium (1.12 eV) oder gleich dieser gebildet werden. Die Hauptemissionslinie
von Silizium liegt im Bereich unter 1.12 eV. Die extrinsische Photolumineszenz kann
dann zur Erzeugung elektrischer Energie beitragen, indem dann zusätzliche Photonen
mit Energien nahe der Silizium-Bandlücke zur Elektronen-Loch-Paarbildung zur
Verfügung stehen. Die Photonen, die durch Anregung und Rekombination von Elektronen
der Lanthanide entstehen, sollen direkt zur Bildung von Elektronen-Loch-Paaren in
p- oder n-Silizium beitragen.
Vorteilhaft werden die Lanthanide bzw. das entsprechende Dotiermaterial
auf die oberste Schicht bzw. auf die Oberfläche des Siliziummaterials aufgebracht.
Dies weist den Vorteil auf, dass das Aufbringungsverfahren zum einen einfach ist.
Des weiteren kann die Umwandlung der eingangs genannten Photonen in der obersten
Schicht des Siliziummaterials besonders gut für die nachfolgende Erzeugung
von elektrischer Energie genutzt werden. Insofern ist eben das Dotieren der obersten
Schicht des Siliziummaterials bzw. der Solarzelle von besonderem Vorteil.
In Ausgestaltung der Erfindung können die Lanthanide in eine
Schicht auf dem Siliziummaterial oder des Siliziummaterials eingebracht werden,
die nur teilweise aus Silizium besteht. Eine Möglichkeit ist eine Antireflexions-Schicht
bzw. eine Schicht aus Si3N4. Eine weitere Möglichkeit
ist eine Schicht aus TCO, also lichtdurchlässigem elektrisch leitfähigem
Oxid-Material, beispielsweise ZnO oder TiO. Eine weitere mögliche Schicht ist
eine Schicht aus Carbon Nano Tubes (CNT), welche ebenfalls auf dem eigentlichen
Silizium der Solarzelle aufgebracht sein kann. Eine nochmals weitere
mögliche Schicht ist eine Schicht aus amorphen Silizium (a-Silizium), unter
Umständen auch in Verbindung mit SiO oder SiO2. In einem solchen
vorgenannten Fall mit dem Einbringen in eine Schicht, die nur teilweise aus Silizium
besteht, können die Lanthanide auch in Mineralphasen mit einem Sauerstoff-Ligandenfeld
eingebaut werden.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung kann die Eindotierung von
Lanthaniden in den Bereich des pn-Übergangs des Siliziummaterials stattfinden.
Auch hier ist eine gute Wirksamkeit bei der Erzeugung von Photonen in der Nähe
der Bandlücke von Silizium aus Photonen mit einer weitaus höheren Energie
möglich.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung können Lanthanide in
den Bereich des Back Surface Field, also der Rückseite, des Siliziummaterials
eindotiert werden.
In nochmals weiterer Ausgestaltung der Erfindung können die Lanthanide
in eine im Wesentlichen aus SiO2 bestehende Schicht des Siliziummaterials
eindotiert werden.
Die bei der aktuellen Si-Solarzellenherstellung eingesetzten Diffusionsprozesse
mit der Anwesenheit von freiem Sauerstoff und Stickstoff unter hohen Temperaturen
können auch Strukturen bzw. Phasen in oder an der Grenzfläche zum Silizium
bzw. im Silizium-Material bilden wie:
- 1. Lanthanid-Sauerstoff-Cluster
- 2. Si-B-P-O-Lanthanide-Phase
- 3. Lanthanid-Si-O-N-Phasen oder deren Mischphasen.
Diese Bereiche, die im engeren Sinne nicht als reine Si-Lanthanide
Verbindung zu bezeichnen sind, können auch zur Effizienzsteigerung durch den
zuvor beschriebenen Prozess der mit Lanthanid gekoppelten Elektronenlochpaarbildung
beitragen. Ein Ziel ist es auch, durch das Diffusionsverfahren besonders Sauerstoff-Cluster
in Verbindung mit Lanthaniden in einer Silizium-dominierten Struktur zu erzeugen
und somit die für viele Lanthanide bekannte Photolumineszenz mit Emission im
sichtbaren Bereich des Spektrums (400–800 nm) zu ermöglichen.
Eine Diffusion der eingebrachten Lanthanide in den pn-Übergang
nahe der Solarzellenoberfläche kann gezielt zur Bildung von p-dominierten O-Lanthanide-Strukturen
bzw. Clustern genutzt werden. Eine Möglichkeit ist es, die Lanthanide in das
Siliziummaterial einzudiffundieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin,
die Lanthanide in einem Sputter-Verfahren aufzubringen. Hierfür können
im Wesentlichen übliche Sputter-Quellen und Aufbringungsvorrichtungen genutzt
werden.
In anderer Ausgestaltung der Erfindung kann eine Dotierung mit Lanthaniden
erfolgen, indem diese in einer wässrigen Lösung oder einem Gel enthalten
sind, die auf das Siliziummaterial aufgebracht werden. Hier erfolgt anschließend
vorteilhaft eine Temperung zum Eindiffundieren.
In nochmals anderer Ausgestaltung der Erfindung können die Lanthanide
durch einen Gasphasenprozess bzw. einen CVD-Prozess aufgebracht werden.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist es möglich, die Lanthanide
durch einen Plasmaprozess auf das Siliziummaterial aufzubringen und einzudiffundieren.
In nochmals weiterer Ausgestaltung der Erfindung können die Lanthanide
durch Kondensation, also durch Niederschlag aus einer gasartigen Phase, aufgebracht
werden. Dies kann ohne Temperung erfolgen, wobei eine solche zum Eindiffundieren
der Lanthanide als vorteilhaft angesehen wird.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung können die Lanthanide
durch Festkörperkontakt aufgebracht werden, also durch direktes Aufbringen
von Lanthanidmaterial.
In nochmals weiterer Ausgestaltung der Erfindung kann eine Dotierung
des Siliziummaterials mit Lanthaniden durch Ionenimplantation stattfinden.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung können Lanthanide aus
einer mit Lanthaniden dotierten Schicht auf dem Siliziummaterial in das Siliziummaterial
hinein diffundiert werden, vorteilhaft unter Wärmeeinwirkung bzw. durch Temperung.
Nach einem derartigen Aufbringen der Lanthanide kann in einem weiteren
Schritt eine Temperung des Siliziummaterials bzw. der Oberfläche erfolgen.
Diese kann zum besseren Eindiffundieren des Dotiermaterials dienen. Sie ist jedoch
nicht unbedingt notwendig.
Bei dem verwendeten Material können verschiedene Lanthanide verwendet
werden oder aber auch jeweils nur ein einziges Lanthanidmaterial. Es ist aber auch
möglich, Kombinationen verschiedener Lanthanide zur Dotierung zu verwenden,
die dann gemeinsam vorliegen. Als Lanthanide eignen sich insbesondere diejenigen
Lanthanide, deren Hauptemissionslinien im sichtbaren Bereich des Lichts liegen,
also etwas unter 1,2 eV. Dies sind La, Ce, Pr, Nd, Pm, Sm, Eu, Gd, Tb, Dy, Ho, Er,
Tm, Yb und Lu. Vorteilhaft wird jedoch im Rahmen der Erfindung Er von den verwendeten
Lanthaniden ausgeschlossen. Die Dotierung mit den Lanthaniden kann auch mit derjenigen
anderer Dotierelemente gekoppelt erfolgen, beispielsweise Mn2+.
Vor allem dadurch, dass die Hauptemissionslinie im sichtbaren Bereich des Lichts
liegt, kann die Absorption des Lichts im Siliziummaterial im UV- und UV-nahen Bereich
verbessert werden, und zwar nicht nur im Siliziummaterial an sich, sondern auch
in p- sowie n-dotiertem Silizium, in Silizium-Sauerstoff-Clustern, in SiO(x) und
in Si3N4. Ebenso kann die Lichtabsorption in verschiedenen
Mineralphasen des Siliziummaterials verbessert werden.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung erfolgt ein Eindiffundieren
der Lanthanide mit einer Tiefe von weniger als 1 &mgr;m, beispielsweise nur 500nm
bis 600nm. Dadurch kann der Diffusionsprozess einfacher gehalten werden. Des weiteren
wird ein weniger tiefes Eindiffundieren als ausreichend angesehen.
Es ist möglich, dass eine durch Dotierung mit Lanthaniden entstehende
Schicht im Siliziummaterial liegt, wobei sie dabei auch eine eigene Schicht bilden
kann. Vorteilhaft liegt diese Schicht, wie zuvor angemerkt worden ist, relativ weit
oben im Siliziummaterial bzw. in der fertigen Solarzelle.
Das erfindungsgemäße Siliziummaterial wird eben erfindungsgemäß
durch ein Verfahren mit den vorbeschriebenen Möglichkeiten hergestellt. Aus
einem derartigen Siliziummaterial kann dann eine erfindungsgemäße Solarzelle
aufgebaut werden.
Diese und weitere Merkmale gehen außer aus den Ansprüchen
auch aus der Beschreibung hervor, wobei die einzelnen Merkmale jeweils für
sich allein oder zu mehreren in Form von Unterkombination bei einer Ausführungsform
der Erfindung und auf anderen Gebieten verwirklicht sein und vorteilhafte sowie
für sich schutzfähige Ausführungen darstellen können, für
die hier Schutz beansprucht wird. Die Unterteilung der Anmeldung in einzelne Abschnitte
sowie Zwischen-Überschriften beschränken die unter diesen gemachten Aussagen
nicht in ihrer Allgemeingültigkeit.