Die Erfindung betrifft ein Kontaktsystem einer elektrischen Schaltanordnung
mit einem elektromagnetischen Kontaktantrieb zur Betätigung mindestens eines
Bewegtkontakts. Bei solchen Anordnungen wirkt mindestens ein Festkontakt mit mindestens
einem Bewegtkontakt zusammen, und es wird mindestens eine die Kontaktschließkraft
verstärkenden Kontaktkraftfeder eingesetzt, die zwischen einem Festlager und
dem Bewegtkontakt abgestützt ist.
Bei solchen Kontaktsystemen sind Maßnahmen bekannt, den Zeitpunkt
und die Geschwindigkeit der Kontaktöffnung zu manipulieren.
Das vorrangige Motiv dabei ist, dass das Öffnen der Kontakte
beschleunigt wird, meistens auch unter Wirkung eines erhöhten Stroms. Damit
ist der Effekt verbunden, dass ein Schaltlichtbogen nur kürzere Zeit brennt,
so dass die thermische Belastung der Kontakte geringer ist und dem Verschweißen
der Kontakte vorgebeugt ist.
Neben elektrischen (Einsatz eines Strombegrenzungselements, wie in
DE 24 39 066 C2) oder elektromagnetischen
'Maßnahmen' sind auch Mittel bekannt, die Kontaktschließkraft, die in
der Regeln von einer oder mehreren Kontaktfedern ausgeübt wird, anzupassen
oder zu verändern, meistens in Richtung einer Verstärkung der Kontaktschließkraft.
Neben dem Erfolg der Verringerung der thermischen Belastung kann durch Anpassung
der Kontaktschließkraft auch der durch Kontaktabbrand entstanden Kontaktdurchhub
nachgeregelt werden.
Man kann dazu die Höhe eines Überstroms oder Kurzschluss-Stroms
als Schwelle wählen, wobei die Kontaktöffnung dann erst erfolgt, wenn
die Schwelle erreicht oder überschritten ist. Als Mittel zu schnellen Öffnung
im Überlastbereich kann beispielsweise ein Schnellauslöser eingesetzt
werden (z.B. DE 37 13 412 A1).
Weiterhin kann durch Ausbildung der zu den Kontakten führenden
Stromschienen eine Strombahn ausgebildet werden, in der – induziert durch
den Strom – eine Anziehungskraft zwischen den Stromschienen aufgebaut wird,
die ebenfalls bewirkt, dass die Kontakte erst bei höheren Strömen aufschleudern
(Beispiel DE 29 40 781 C2).
Andere bekannte Maßnahmen sind der Einsatz von Strombegrenzungselementen
in der Strombahn, wobei sich beim Öffnen der Kontakte der Widerstand sprungartig
verändert. Ein solches Element kann ein auf Druck veränderlicher elektrischer
Widerstand sein. Es wird der Druck ausgenutzt, den die Kontakte aufeinander ausüben
(DE 24 39 066 C2). Bei einer anderen
Lösung, die in DE 40 37 126 A1
gezeigt ist, liegt ein druckabhängiger Widerstand parallel zur Trennstelle
(zu den Kontakten). Hierbei wird ein zunehmender Druck bei Bewegung des Schaltarms
mechanisch vom Schaltarm auf den Widerstand übertragen.
Als elektrodynamische Maßnahmen sind schon zusätzliche (Hilfs-)Magnetsysteme
in der Strombahn vorgeschlagen worden (DE
196 17 136 A1, WO 97/27602 A1,
US-PS 4513270). Diese erzeugen eine mit
zunehmendem Strom ansteigende Kraft, die auf die Kontakte übermittelt wird.
Die Kontaktschließkraft erhöht sich. Mit solchen Anordnungen kann auch
das das Ansprechen (Abhebegrenze) mit der Stärke des Stromflusses einstellbar
gestaltet werden.
Bekannt sind Verzögerungseinrichtungen, die bei Betätigung
der Schalteinrichtung die Wirkung auf den beweglichen Kontakt verzögern. Solche
Einrichtungen können als Zeitrelais ausgebildet sein, oder auch auf einem mechanischen
Prinzip beruhen, wo die Verzögerung des Einschalt- und auch des Ausschaltvorgangs
durch Inbewegungsetzen einer rotierenden Masse erfolgt (DE
36 44 546 C1).
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Anordnung vorzuschlagen,
mit der die Kontaktschließkraft auf den Bewegtkontakt und/oder der Durchhub
des Bewegtkontakts mit einfachen Mitteln einstellbar ist.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden
Merkmale des unabhängigen Anspruches gelöst, während den abhängigen
Ansprüchen vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung zu entnehmen sind.
Der Kern der Erfindung ist, dass die Verstellung über einen motorischen
Antrieb vornehmbar ist, welcher mindestens ein Lager der Kontaktkraftfeder beaufschlagt,
was zu einer Veränderung der Lagerposition führt. Die Anordnung kann so
ausgebildet sein, dass das Festlager der Kontaktkraftfeder und/oder die Abstützung
der Kontaktkraftfeder am Bewegtkontakt zu beaufschlagen ist. Zur Vermittlung der
motorischen Kraft ist ein Angriffelement vorgesehen, welches entweder rotatorisch
oder translatorisch bewegt wird.
Geeignete mikromotorische Antriebe sind bekannt. Diese sind extrem
leistungsarm. Es werden zwei typische Mikromotoren zum Einsatz für die Erfindung
vorgeschlagen, ohne jedoch andere auszuschließen. Es handelt sich dabei um
einen piezoelektrischen Aktor oder um einen Antrieb auf Basis eines berührungslos
beweglichen Bauteils beruht, welches durch Abstoßungskräfte seine Bewegungskomponente
erfährt. Letzterer ist in DE 199 60
949 B4 dargestellt worden.
Das Prinzip eines piezoelektrischen Aktors besteht darin, dass bei
Beaufschlagung eines piezoelektrischen Schwingungsgenerators und eines Resonanzkörpers
mit einem Spannungsimpuls der Resonanzkörper Hübe von wenigen Mikrometern
vollführt. Ein piezoelektrischer Aktor kann beispielsweise ein Gerät sein,
welches in einer der Veröffentlichungen EP
1273096 B1 oder EP1630879 A2
beschrieben ist.
Unter zu Hilfenahme einer Art Rutschkupplung lassen sich fortschreitende
Vorwärts- oder Rückwärtsbewegungen erzeugen.
Die lineare Bewegung des piezoaktiven Elements kann auf den Umfang
eines Antriebsrads übertragen werden, so dass die Bewegung des piezoaktiven
Elements in eine Drehbewegung des Antriebsrads und seiner Achse überführbar
ist. Durch die Reibung zwischen Kontaktfläche des Resonanzkörpers und
der Oberfläche des Antriebsrads kommt ein Vortrieb zustande. Je nach Anregung
des Resonanzkörpers kommt es zu einer rechts- oder einer linksdrehenden Bewegung
des Antriebsrads und somit zu einer Vorwärts- oder einer Rückwärtsdrehung
der als Antriebswelle wirkenden Achse des Antriebsrads.
Unter Aktuatoren werden Elemente verstanden, die pro Arbeitszyklus
die Ausdehnung der Piezokeramik nur einfach ausnutzen. Teilweise verstärken
Hebelmechanismen den erreichbaren Hub. Der Hub eines Aktuators ist somit begrenzt.
Unter Piezo-Motoren werden Systeme verstanden, die den Hub des Piezoelements
mehrfach nacheinander ausführen können, um Bewegung ohne Hubbeschränkung
zu erhalten. Motoren haben somit einen unbegrenzten Hub.
Typische technische Kenndaten eines piezoaktiven Aktors haben eine
Betriebsspannung von ca. 30 VDC und einen Betriebsstrom von ca. 100–200 mA.
Das Angriffelement kann vom Mikromotor translatorisch oder rotatorisch
beaufschlagt werden. Bei einer Anordnung mit linear, translatorischer Bewegung kann
ein Keil vorgesehen sein, der zwischen einer Unterlage und der Kontaktkraftfeder
hin- und hergeschoben wird.
Bei einer Anordnung mit rotatorischer Bewegung kann das Angriffelement
als rotatorisch bewegbare Rampe ausgebildet sein.
Die Erfindung kann bei einen einfach unterbrechenden oder einem doppelt
unterbrechenden Kontaktsystem eingesetzt werden. Einfach unterbrechende Systeme
sind meistens solche mit drehpunktgelagertem Kontaktarm, die im folgenden als besondere
Ausführungsform näher dargestellt sind. Die mindestens eine Kontaktkraftfeder
wird zwischen einem Gegenlager und einem Auflagepunkt auf dem Bewegtkontakt eingespannt.
Das Gegenlager für die Kontaktkraftfeder kann in einem Gehäuseteil der
Kontaktanordnung oder in der Schaltwelle des Kontaktsystems angeordnet.
Insbesondere bei einem nullpunktlöschenden Kontaktsystem ist
es von Vorteil, wenn die Kontaktschließkraft parallel zum Kurzschlussstromanstieg
erhöht werden kann.
Die Höhe der Kontaktschließkraft wird vom Anwender eingestellt
oder nachgeregelt, wobei diese weicher oder härter einstellbar ist und dadurch
eine Zuordnung zur Höhe des Überstroms vorgenommen wird. Die Einstellung
lässt sich insbesondere dann vornehmen, wenn durch Abbrand der Kontakte die
Abstände der Kontakte verändert sind.
Es sind Einrichtungen bekannt, mit denen die Stärke des Abbrands
automatisch erfasst werden kann. Mit Einsatz einer solchen Einrichtung lässt
sich der Durchhub auch automatisch erfassen und nachregeln.
Die Ansteuerung wird aus der Schalterelektronik vorgenommen, wobei
der Antrieb drahtgebunden, aber auch drahtlos angesteuert werden kann.
Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus dem
folgenden, anhand der Figuren erläuterten Ausführungsbeispielen.
Diese zeigen im Einzelnen
1 eine schematische Darstellung ein einfach unterbrechendes
Kontaktsystems eines elektrischen Schalters und
2 drei Formen eines Angriffelements.
Dargestellt ist schematisch ein Kontaktsystem mit einem feststehenden
Kontakt 15 und einem beweglichen Kontakt 10 mit einem Kontaktstück
12, wobei der Bewegtkontakt um den Drehpunkt 14 beweglich gelagert
ist. Die Stromzuführung an den Bewegtkontakt erfolgt über eine Litze
16. Auf den Kontaktarm des Bewegtkontakts wirkt die als Druckfeder ausgebildete
Kontaktkraftfeder 20. Die Kontaktkraftfeder ist in einer Führung
22 mechanisch gehalten.
Ein zum Kontaktsystem gehörender elektromechanischer oder elektronischer
Kurzschlussauslöser ist nicht näher dargestellt.
Die Aktorik besteht aus einem Sensoreingang 34, einer Sensorsteuerung
32 und dem aus einem Mikromotor bestehenden motorischen Antrieb 30.
Der Mikromotor 30 ist über ein Koppelglied 28 mit einem Angriffelement
25 gekoppelt. Das Angriffelement 25 ist an oder in einer schematisch
angedeuteten Führung oder Halterung 24 angeordnet. Die Kontaktkraftfeder
22 ist zwischen einem Lager 20.1 am Bewegtkontakt 10
und einem Lager 20.2 am Angriffelement 25 angeordnet.
Der Mikromotor 30 bewegt das Angriffelement 25 linear
(lineare Bewegung mit dem Bezugszeichen LB) oder rotatorisch (rotatorische Bewegung
mit dem Bezugszeichen RB). In 1 ist schematisch dargestellt,
dass das Angriffelement an dem Gegenlager 20.2 der Kontaktkraftfeder angeordnet
ist. Nicht dargestellt ist eine Ausführungsform, bei der das Angriffelement
zwischen Kontaktkraftfeder und ihrer Abstützung 20.1 am Bewegtkontakt
angeordnet ist und dort vom Mikromotor beaufschlagt wird.
In 2 sind drei Formen eines Angriffelements
gezeigt. Links ist ein keilförmiges Element 25' gezeichnet, welches
linear (LB) oder rotatorisch (um eine Achse) beaufschlagbar ist. Es kommt zu einer
Bewegung V des Angriffspunkts A der Kontaktkraftfeder 20. Mit
25'' und 25'' sind zwei weitere Angriffelement dargestellt, die
radförmig ausgebildet sind, und deren Achse ein Mikromotor angreift. Hier kommt
es ebenso zur Verkürzung oder Verlängerung (V) der Kontaktkraftfeder
20, die einen Angriffpunkt A entweder auf dem rampenförmig ausgebildeten
Umfang des Rades 25'' und einen Angriffpunkt A auf einer rampenförmig
ausgebildeten Seitenfläche des Rades 25'' hat.