Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Weiterleitung eines in einem
digitalen Mobilfunknetz generierten Rufes an einen Festnetz-Anschluss, wobei in
einem einer Vermittlungsstelle des Mobilfunknetzes zugeordneten Intelligenten Netzwerk-System
basierend auf einer aus der Verbindungsaufbau-Nachricht des aus dem Mobilfunknetz
eingehenden Rufes gewonnenen Orts-Information eine von dieser Orts-Information abhängige
Zielrufnummer generiert wird, mittels welcher dieser aus dem Mobilfunknetz eingehende
Ruf an einen vordefinierbaren und in einer Vermittlungsstelle des Festnetzes eingerichteten
Anschluss weitergeleitet wird.
Die Vermittlung von Rufen aus Mobilfunknetzen an Festnetz-Anschlüsse
ist seit langer Zeit gängiger Stand der Technik. Dabei wird üblicherweise
die Identität des rufenden Teilnehmers an den Festnetz-Anschluss übermittelt
und steht dort zum Zwecke der Rufannahme oder für sonstige Auswertungszwecke
zur Verfügung. Somit ist es deshalb üblich, dass die Rufnummer des aus
dem Mobilfunknetz rufenden Teilnehmers auf dem Display eines entsprechend ausgestatteten
Festnetz-Endgerätes erscheint (sofern nicht bestimmte Rufnummer-Unterdrückungs-Funktionen
aktiviert sind).
Es existieren jedoch auch Anwendungen, bei denen der mobile Teilnehmer
den zu rufenden Festnetz-Anschluss nicht mittels einer Eingabe von dessen Zielrufnummer
anwählt, sondern mittels eines Kurzwahl-Rufes aus dem mobilen Netz zu einem
Festnetz-Anschluss gelangen soll. Diese Kurzwahl wird dabei in einem intelligenten
Netz in eine Festnetz-Anschlussrufnummer umgesetzt. Die gerufene Stelle erkennt
dann die Identität der rufenden Stelle.
Für bestimmte Anwendungsfälle kann es jedoch von Bedeutung
sein, dass nicht nur die Identität des aus dem Mobilfunknetz rufenden Teilnehmers,
sondern auch dessen örtliche Position zum Zeitpunkt der Ruf-Initiierung für
einen Ruf-Empfänger im Festnetz bekannt ist. So ist es beispielsweise in dem
von den europäischen Eisenbahnen betriebenen digitalen Mobilfunknetz wünschenswert,
wenn mobile Teilnehmer (z.B. ein vor einem Signal wartender Triebfahrzeugführer)
grundsätzlich zu dem für ihren aktuellen Aufenthaltsort zuständigen
Festnetz-Teilnehmer (z.B. den Fahrdienstleiter, in dessen Stellbezirk sich dieses
Signal befindet) gelangen.
Nach dem derzeit bekannten Stand der Technik kann dies nicht realisiert
werden, da das auf der Festnetz-Seite genutzte Signalisierungsprotokoll über
keinerlei Möglichkeiten verfügt, die im Mobilfunknetz verfügbare
Rufinformation hinsichtlich der räumlichen Ursprungszelle eines im Mobilfunknetz
generierten Rufes bereit zu stellen. Herkömmliche Lösungsansätze
würden auf Modifikationen am Signalisierungsprotokoll auf der Festnetzseite
abzielen, da dessen unzureichender Funktionsumfang dieses Problems verursacht. Derartige
Eingriffe in das Signalisierungsprotokoll wären jedoch mit großen Aufwendungen
verbunden und im Hinblick auf den eher eingeschränkten Anwendungsbereich einer
solchen Funktionalität unwirtschaftlich.
Aus der WO 00/22862A1
ist ein Verfahren für eine auf der geographischen Position des rufenden Teilnehmers
basierende Leitweg-Lenkung von Rufen bekannt, bei der die geographischen Koordinaten
des rufenden Teilnehmers (z.B. mittels GPS) ermittelt und in einer Orts-Datenbank
abgespeichert werden. Diese abgespeicherten Daten können bedarfsweise aus der
Datenbank abgerufen und z.B. beim gerufenen Teilnehmer zum Zwecke der Weiterleitung
des Rufes an einen für die geographische Position des rufenden Teilnehmers
zuständigen Anschluss genutzt werden. Auch eine solche Lösung verursacht
hohe Kosten, da technische Systeme zur Ermittlung und Speicherung der Ortskoordinaten
von Rufteilnehmern vorgehalten werden müssen.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein gemäß
dem Oberbegriff des Patentanspruches 1 ausgestaltetes Verfahren zur Weiterleitung
eines in einem digitalen Mobilfunknetz generierten Rufes an einen Festnetz-Anschluss
bereitzustellen, welches es auf einfache und wirtschaftliche Weise ermöglicht,
den Ursprungsort eines in einem Mobilfunknetz generierten Rufes im Festnetz beim
Ruf-Empfänger verfügbar zu machen.
Erfindungsgemäß. wird diese Aufgabe in Verbindung mit dem
Oberbegriff des Patentanspruches 1 dadurch gelöst, dass dieser aus dem Mobilfunknetz
eingehende Ruf an einen vordefinierbaren und in einer Vermittlungsstelle des Festnetzes
(VST) eingerichteten virtuellen Anschluss (VSUB1, VSUB2, VSUB3) weitergeleitet wird,
der eine Rufweiterleitung auf eine reale Anschlussnummer des Festnetzes (SUB) aufweist.
Bei einem solchen erfindungsgemäßen virtuellen Anschluss
handelt es sich um einen internen Anschluss innerhalb der Festnetz-Vermittlungsanlage,
der nicht auf einen physikalisch existierenden Festnetz-Anschluss gerichtet ist,
sondern auf einen virtuellen Teilnehmer dieser Vermittlungsstelle verweist, dem
keine Anschlussleitung bzw. keine Anschlussbaugruppen zugeordnet sind. Dieser virtuelle
Teilnehmer verfügt jedoch dennoch über die volle Funktionalität und
kann somit auch den Ruf umleitungsdienst nutzen. Die Ortsinformation, innerhalb
welcher Mobilfunkzelle der Ruf im Mobilfunknetz generiert wurde (mobile originated
call = MOC) findet sich nunmehr in der an den Ruf-Empfänger im Festnetz übertragenen
Absender-Kennung des virtuellen Anschlusses wieder. Bei der Rufweiterleitung
vom virtuellen Anschluss zum realen Anschluss des Festnetzes wird nunmehr die Identität
des virtuellen Anschlusses in einem speziell für die Rufumleitung vorgesehenen
Feld in der Verbindungsaufbaunachricht transportiert. Auf diese Weise kann aus der
in der Rufaufbaunachricht enthaltenen Information über die Identität des
virtuellen Anschlusses auf die Ursprungszellinformation hinsichtlich des räumlichen
Ursprungs des MOC geschlossen werden. Diese Information kann für eine automatisierte
Weiterbehandlung des Rufes (z.B. im Rahmen der ortsabhängigen Adressierung)
herangezogen werden.
Es ist in diesem Zusammenhang zweckmäßig, die Identität
der Ursprungszelle (dies umfasst sowohl die eindeutige Netzwerk-Kennung als auch
die Zell-Identität) des MOC in besonders einfach zu decodierender Weise in
die Rufnummer des virtuellen Anschlusses zu integrieren. Dies erleichtert und beschleunigt
die Weiterverarbeitung. Beispielsweise könnte die Identität der Ursprungszelle
in einer mnemotechnisch leicht zu erfassenden Codierung – eventuell sogar
als Klartext – erfasst werden.
Die Erfindung sieht ferner vor, dass bei der Generierung der Zielrufnummer
im Intelligenten Netzwerk-System (IN) mittels einer Datenbankabfrage die der Ursprungszelle
(C1, C2, C3) des aus dem Mobilfunknetz eingehenden Rufes eindeutig zugeordnete Zielrufnummer
ermittelt wird. Diese Zuordnung muss bezogen auf den Zuständigkeitsbereich
einer Festnetz-Vermittlungsstelle eindeutig sein.
Gemäss einer zweckmäßigen Ausgestaltung der Erfindung
wird die in der Rufweiterleitung des in der Festnetz-Vermittlungsstelle (VST) eingerichteten
virtuellen Anschlusses (VSUB1, VSUB2, VSUB3) enthaltene Ziel-Rufnummer (SUB) mittels
an sich bekannter Verfahren des Fernzugriffes konfiguriert. Auf diese Weise können
starre, d.h. nicht-rufabhängige Zuordnungen zwischen den virtuellen Anschlüssen
in der Vermittlungsstelle und den realen Festnetz-Anschlussnummern einfach und unkompliziert
geändert und aktualisiert werden.
Der Erfindungsgedanke wird in nachfolgender Figur verdeutlicht. Es
zeigt:
1 Prinzip-Schemabild des erfindungsgemäßen
Verfahrens
Der zur beispielhaften Erläuterung der Erfindung gedachte Anwendungsfall
sieht 3 Triebfahrzeuge vor, wobei sich das erste Triebfahrzeug in einer Funkzelle
C1 vor dem Einfahrsignal A1 nach A-Stadt, das zweite Triebfahrzeug in einer Funkzelle
C2 vor einem aus anderer Richtung zulaufenden Einfahrsignal A2 von A-Stadt befindet.
Die Fahrzeugführer beider Triebfahrzeuge wollen jeweils unabhängig voneinander
den zuständigen Fahrdienstleiter des Stellbezirkes „A-Stadt" rufen.
Dieser Fahrdienstleiter verfügt über einen Teilnehmer-Anschluss im Festnetz
(SUB), während sich die Fahrzeugführer beider Triebfahrzeuge eines Mobilfunkendgerätes
bedienen. Bei Anwendung des bisher bekannten Standes der Technik musste jeder Fahrzeugführer
wissen, welcher Fahrdienstleiter räumlich zuständig ist, und diesen sodann
gezielt anrufen (z.B. durch Wählen von dessen Telefonnummer oder durch Auswahl
einer entsprechenden Kurzwahl). Sollte der Fahrzeugführer versehentlich eine
falsche Ziel-Rufnummer wählen (z.B. den für B-Dorf zuständigen Fahrdienstleiter),
so konnte dieses Missverständnis bislang nur im Rahmen der im Gespräch
übermittelten Gesprächsinhalte geklärt werden. Das auf der Festnetz-Seite
genutzte Signalisierungsprotokoll EDSS1 verfügt über keinerlei Möglichkeiten,
die im Mobilfunknetz verfügbare Rufinformation bezüglich der räumlichen
Ursprungszelle eines MOC bereit zu stellen. Dies führt immer wieder dazu, dass
Kommunikationskanäle unnötig blockiert werden und der für Kommunikationszwecke
anzusetzende Zeitaufwand zu hoch ausfällt. Eine technische Möglichkeit
zur Vermeidung von derartigen fehlgeleiteten Gesprächswünschen fehlt.
Unter Anwendung des erfinderischen Gedankens ist es nunmehr ausreichend,
wenn jeder der beiden Fahrzeugführer die für den Fahrdienstleiter vorgesehene
Kurzwahl „Fdl" aktiviert. Aufgrund der eindeutigen Orts-Identität der
Ursprungszelle eines solchen im Mobilfunknetz ausgelösten Rufes (mobile originated
call = MOC) wird der vom ersten Fahrzeugführer abgesetzte Ruf im intelligenten
Netz (IN) einem eindeutigen virtuellen Anschluss VSUB1 zugeordnet. Der vom zweiten
Fahrzeugführer abgesetzte Ruf wird hingegen dem virtuellen Anschluss VSUB2
zugeordnet. Die Mobilfunk-Rufe beider Fahrzeugführer erreichen in der Festnetz-Vermittlungsstelle
diese virtuellen Anschlüsse VSUB1 bzw. VSUB2, in denen jeweils eine feste Rufweiterleitung
auf den festnetzseitigen Teilnehmer-Anschluss (SUB) des für „A-Stadt"
zuständigen Fahrdienstleiters programmiert ist. Der gerufene Teilnehmer-Anschluss
„Fahrdienstleiter A-Stadt" erkennt die Identitäten VSUB1 und VSUB2 der
rufenden virtuellen Anschlüsse und kann daraus die Information ableiten, dass
sich die aus dem Mobilfunk rufenden Teilnehmer in den Funkzellen C1 bzw. C2 des
Mobilfunknetzes befinden. In Verbindung mit weiteren eventuell vorliegenden betrieblichen
Informationen (z.B. über das Vorliegen einer betrieblichen Störung im
Bereich des Einfahrsignales A2) kann der Fahrdienstleiter eine Entscheidung über
die bevorzugte Entgegennahme des aus der Zelle C2 stammenden Rufes treffen.
Mittels entsprechend konfigurierter Auswertungsschaltungen kann zudem
realisiert werden, dass Rufe aus Funkzellen, die als „nicht
zuständig" eingestuft sind (beispielsweise mittels einer Positiv- oder Negativliste),
vom realen Teilnehmer-Anschluss (SUB) gar nicht erst angenommen, sondern mangels
örtlicher Zuständigkeit abgewiesen werden. Bezogen auf das Anwendungsbeispiel
könnte dies für den Fahrzeugführer eines dritten Triebfahrzeuges
zutreffen, der in Funkzelle C3 vor dem Einfahrsignal des Bahnhofes von B-Dorf zum
Halten gekommen ist und den für „B-Dorf" zuständigen Fahrdienstleiter
kontaktieren möchte. Sollte dieser Fahrzeugführer nun versehentlich den
Teilnehmer-Anschluss (SUB) des für „A-Stadt" zuständigen Fahrdienstleiters
gewählt haben, so würde dieser Ruf dem virtuellen Anschluss VSUB3 zugeordnet.
Der Teilnehmer-Anschluss SUB könnte die Ortsinformation „Zelle 3" des
Mobilfunknetzes aus der Verbindungsaufbaunachricht entnehmen und den Ruf mangels
Zuständigkeit ohne Rufannahme abweisen.
Für den Fall, dass innerhalb einer Funkzelle verschiedene Zuständigkeiten
vorliegen (also beispielsweise: der Fahrdienstleiter „A-Stadt" ist für
ein erstes Gleis zuständig, für ein zweites benachbartes Gleis hingegen
ist der Fahrdienstleiter „B-Dorf" zuständig), so wird dies zweckmäßigerweise
durch Anwendung verschiedener Shortcodes bzw. Kurzwahlen unterschieden.
- MSC
- mobile Vermittlungsstelle
- IN
- intelligentes Netzwerk-System
- C1
- erste räumliche Zelle eines Mobilfunksystems
- C2
- zweite räumliche Zelle eines Mobilfunksystems
- C3
- dritte räumliche Zelle eines Mobilfunksystems
- BS
- Basis-Station
- BSC
- Controller der Basis-Stationen
- VST
- Vermittlungsstelle des Festnetzes
- VSUB1
- virtueller Anschluss für aus C1 an SUB gerichtete Rufe
- VSUB2
- virtueller Anschluss für aus C2 an SUB gerichtete Rufe
- VSUB3
- virtueller Anschluss für aus C3 an SUB gerichtete Rufe
- SUB
- realer Teilnehmer-Anschluss im Festnetz