I. Problemstellung
Lichtmikroskopische Verfahren sind von größter Bedeutung
für die Analyse von biologischen Mikrosystemen. Beispiele hierfür sind
Gewebeschnitte, einzelne Zellen, sowie Untereinheiten einzelner Zellen, wie Membranen,
Cytoplasmatische Strukturen, oder Strukturen des Zellkerns. In Verbindung mit geeigneten
Markierungsverfahren, insbesondere Fluoreszenzmarkierungsverfahren, sind vielfache
diagnostische Analysen möglich. Zum Beispiel sind umfangreiche pathologisch
relevante Analysen der Zellkernstruktur oder der genetischen Konstitution auf dem
Einzelzellniveau möglich. Eine weitere Anwendung lichtmikroskopischer Verfahren
ergibt sich bei der Analyse einzelner isolierter Zellbestandteile. Je nach Problemstellung
sind dabei verschiedene lichtmikroskopische Verfahren zu verwenden. Für viele
Analysen genügen beispielsweise epifluoreszenzmikroskopische Verfahren unter
Verwendung inkohärenter Lichtquellen. Solche Epifluoreszenzverfahren haben
in der Objektebene eine optimale laterale optische Auflösung von etwa 200 nm,
während die axiale optische Auflösung in Richtung der Optischen Achse
um ein Vielfaches schlechter ist. Zur genaueren Analyse der dreidimensionalen Struktur
biologischer Objekte werden daher vielfach Verfahren der konfokalen Laserscanning
Fluoreszenzmikroskopie eingesetzt. Konventionelle Verfahren der konfokalen Laserscanning
Fluoreszenzmikroskopie haben eine laterale optische Auflösung von ca. 200 nm
und eine axiale optische Auflösung von ca. 600 nm. Noch wesentlich verbesserte
Analysemöglichkeiten ergeben sich bei Verwendung neuer Fluoreszenzmikroskopietechniken
auf der Basis des Point Spread Function Engineering unter Verwendung fokussierten
Laserlichts oder von Strukturierter Beleuchtung.
Mit diesen letztgenannten Methoden wird derzeit eine stark verbesserte
optische Auflösung bzw. Größenauflösung bis zu ca. 20 nm erreicht,
entsprechend etwa 1/20 bis 1/40 der zur Anregung verwendeten Lichtwellenlänge.
Diese Verfahren sind jedoch technisch außerordentlich aufwendig. Daher ist
es wirtschaftlich sinnvoll, sie nur dort zu verwenden, wo die optische Analyse mit
Hilfe jeweils einfacherer lichtmikroskopischer Verfahren nicht ausreichend ist.
Einer der entscheidenden Vorteile mikroskopischer Verfahren im Gegensatz
zu biochemischen oder molekularbiologischen Techniken ist die Möglichkeit der
Analyse einzelner biologischer Mikrostrukturen. Daraus ergibt sich, dass es außerordentlich
wünschenswert ist, solche einzelnen biologischen Objekte mit Hilfe eines einfachen
und ökonomisch vorteilhaften Verfahrens in verschiedenen Mikroskopiesystemen
für weitere Analysen relokalisieren zu können. Beispielsweise könnte
so eine erste Auswahl interessierender Objekte mit Hilfe von Epifluoreszenzmikroskopie
vorgenommen werden; die ausgewählten und relokalisierten Objekte könnten
anschließend mittels von Methoden der konfokalen Laserscanning Fluoreszenzmikroskopie
näher analysiert werden; eine weitere Analyse hierbei ausgewählter Objekte
könnte dann nach Relokalisierung derselben Objekte unter Verwendung von Techniken
des Point Spread Function Engineering unter Verwendung fokussierten Laserlichts
oder von Strukturierter Beleuchtung erfolgen.
Das hier beschriebene erfindungsgemäße Verfahren erlaubt
eine rasche, automatisierbare, mikrometergenaue und ökonomisch vorteilhafte
lichtmikroskopische Relokalisation von Objekten.
II. Stand der Technik
Nach dem Stand der Technik wurden verschiedene Verfahren zur lichtmikroskopischen
Relokalisierung von biologischen Objekten, insbesondere von Zellen, beschrieben.
In der mikroskopischen Analyse solcher zellulärer Objekte werden heute verschiedene
kommerzielle Hilfsmittel eingesetzt, um dieselbe Zelle mit verschiedenen Mikroskopieverfahren
gezielt wieder zu finden.
Solche am Markt befindlichen Systeme bestehen entweder aus:
- a) einer Glasscheibe, auf welche ein schwarzes Gittermuster gedruckt wurde (CellLocate
Grid, Firma Eppendorf, Hamburg)
- b) einem Objektträger, in welchen mit einem IR-Laser (IR = infra rot) Strukturen
eingeschrieben werden (Cellfinder Mikroskopie-Objektträger, Firma Ing. L.G.A.Luttmer,
Arnheim – Holland), ähnlich US-Patent
4,415,405 (URL: http://www.antenna.nl/microlab/)
- c) einem Polymer mit fluoreszierenden Partikeln, welches mit einem 2-Photonen-Laser
ausgehärtet wird.
Die Systeme a und b haben den Nachteil, dass in der Fluoreszenzmikroskopie
umständlich zwischen Durchlicht- und Fluoreszenzbeleuchtung umgeschaltet werden
muß, da weder die Strukturen des IR-Lasers noch das schwarze Gittermuster in
der Folie dargestellt werden können.
Dies führt zu sehr viel aufwendigeren Relokalisationsverfahren.
Für konkrete Anwendungen, in denen z.B. tausende von Zellen zu analysieren
sind, ergibt sich hierdurch ein ganz erheblicher Mehraufwand. Da moderne analytische
Fluoreszenzmikroskopsysteme vielfach sehr spezialisiert sind, ist eine serienmäßige
Analyse derselben Zellen mit derartigen Systemen nur möglich, wenn beim Wechsel
zwischen verschiedenen Mikroskopsystemen die Relokalisation derselben Objekte rasch
und einfach durchgeführt werden kann. Bei heutigen analytischen
Lichtmikroskopieverfahren bedeutet dies insbesondere die Automatisierbarkeit des
Verfahrens. Diese würde durch klare, bildanalytisch leicht detektierbare fluoreszierende
Muster ganz wesentlich vereinfacht.
Eine ähnliche Methode ist in „Microscopy Research and
Technique, 2005" unter der Bezeichnung „Two-Photon Fluorescent Microlithography
for Live-Cell Imaging" von Santiago Costantino beschrieben. Seine Methode unterscheidet
sich jedoch darin, dass mit 2-Photonen-Anregung ein im ultravioletten aushärtendes
Polymer mit fluoreszierenden Partikeln verwendet wird und die darin eingebrachten
fluoreszierenden Partikel darin eingeschlossen werden, indem ein gepulster Laserstrahl
mittels einer xy-Scannereinrichtung direkt das Polymer beschreibt.
In der hier vorgelegten Erfindung verwenden wir hingegen ausschließlich
ein im Ultravioletten aushärtendes Polymer und nutzen dessen Eigenfluoreszenz
aus, ohne daß zusätzlich fluoreszente Partikel eingebracht werden müssen.
Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass das von uns beschriebene erfindungsgemäße
Verfahren eine Maske verwendet, was zum einen für eine wirtschaftliche und
schnelle Massenproduktion unumgänglich ist; zum anderen verwenden wir zur Belichtung
eine gewöhnliche UV-Lampe anstatt des sehr teuren 2-Photonen Lasersystems.
Einzig zur einmaligen Herstellung der Maske wird ein UV-Laser benötigt, der
jedoch im 1-Photonen-Modus arbeitet, z.B. ein He-Cd Laser mit einer Emission von
325 nm.
Weiterhin beschreibt die von Costantino publizierte Methode im Gegensatz
zu unserer nicht, wie sich eine Resistenz der fluoreszierenden Schicht gegenüber
der Umgebung (z.B. Zellen) ergibt und auch nicht, wie innerhalb kurzer Zeiten eine
eindeutige automatisierbare Relokalisation von Objekten möglich sei.
Zur Methode b) (US-Patentnummer 4,415,405):
Dieses Patent steht mit seinen Ansprüchen und auch mit der Methode
nicht im Zusammenhang mit dem von uns bechriebenen Verfahren. Die in US
4,415,405 verwendete Methode ist materialabtragend; wir hingegen bringen
zusätzliches Material auf. Weiterhin ist die o.g. Patentmethode nicht fluoreszent
und besteht zudem aus einem feinmaschigen Gitternetz, welches wiederum die zur Proben-Detektion
verfügbare Freifläche stark reduziert. Eine schnelle automatisierte Relokalisation
ist ebenfalls nicht beschrieben. Die einzige Gemeinsamkeit besteht in der lithographischen
Strukturierung einer Schicht, was jedoch ein seit Jahrzehnten etablierter Stand
der Technik ist.
III. Problemlösung durch das erfindungsgemäße Verfahren
Die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur
Herstellung wird anhand der folgenden Anwendungsbeispiele zur lichtmikroskopischen
Relokalisation von Objekten mithilfe eines fluoreszierenden Koordinatensystems unter
Verwendung eines photolitographischen Strukturierungsprozesses beschrieben.
Ausführungsbeispiel 1
Die Erfindung (im weiteren Mikrofluoreszenzkoordinator, MFK genannt)
löst das Problem wie folgt:
Der MFK wird auf den Träger der biologischen Objekte aufgebracht.
Beispielsweise ist der Träger ein Mikroskopiedeckglas mit 24·24·0,17
mm. Auf diesen wird ein fluoreszierender Photoresist, z.B. Typ AZ1505 (Microchemicals
GmbH, Ulm) nach dem Spincoating-Verfahren aufgebracht, wobei eine Lackdicke von
ca. 600 nm erreicht wird.
Die Strukturierung erfolgt lithographisch mit einer Maske und UV-Licht
(UV = ultra violett). Im Anschluß an den Belichtungsprozeß nach dem Stand
der Technik wird der belackte Mikroskopieträger in ein Entwicklerbad gegeben.
Damit diese Photoresist-Struktur die (meist biologischen) Präparate
nicht beeinflussen kann, wird die fertig entwickelte Lackschicht mit einer ca. 1
&mgr;m dicken SiO2-Schicht bedeckt.
Diese Schicht wird mit einem Sputtergerät aufgebracht und verschafft
dem System sowohl eine chemische Passivierung gegen Alkohole und Lösungsmittel,
eine erweiterte mechanische Festigkeit und eine Oberfläche, auf der lebende
Zellen ohne größere Schädigungen mikroskopiert werden können.
Der fluoreszierende MFK beispielsweise weist eine rechtwinklige Anordnung
von zwei 20 &mgr;m breiten Linien auf, die jeweils eine Länge von 15 mm haben.
Im Abstand von 500 &mgr;m befindet sich jeweils eine 10 &mgr;m breite und 200
&mgr;m lange Linie als Markierung, die zusätzlich alle 1000 &mgr;m fortlaufend
von 1 bis 15 mit einer 130 &mgr;m großen Nummer beschriftet ist, so daß
das System als ein eigenständiges Längen-Messgerät verwendet werden
kann. Ein 1 mm langes Feinraster, dessen Rastergröße 50 &mgr;m beträgt,
befindet sich auf beiden Achsen jeweils in deren Mitte und dient der genaueren Auflösungsbestimmung
des verwendeten Verschiebetisches.
Die zeigt schematisch diese Struktur. Andere
geometrische Anordnungen, die eine Positionierung des Objekts erlauben, sind ebenfalls
erfindungsgemäß.
Einzelheiten der Technischen Realisierung des Mikrosfluoreszenzkoordinators
1. Maskenherstellung:
- • Quarzglasscheibe, hier 70 × 70 mm für 10 min. mit Millipore-Wasser
in ein Ultraschallbad legen
- • Mit Stickstoffgas trocknen
- • Für 20 min. in 10% Dextranlösung in ein Ultraschallbad legen
- • Mit Millipore-Wasser abspülen
- • Für 10 min mit Millipore-Wasser in ein Ultraschallbad legen
- • Bei 200°C 5 min. auf eine Heizplatte legen
- • 100 &mgr;L Hexadimethylsiloxan zusammen mit der Glasscheibe in einen
Exikator geben
- • 10 min lang den Exikator evakuieren
- • 20 min das Glas im Exikator trocknen lassen
- • 1000 &mgr;L AZ1505 Lack mit einem Spincoater auf das Glas aufbringen
(4000 rpm 35 s).
- • Softbake des Lacks bei 80°C für 30 min auf einer Heizplatte
- • Mit einem CAD-Programm (hier AutoCAD2004) wird die Struktur im Maßstab
1:1 erstellt
- • Anschließend mit einem Maskenschreiber (DWL66, Heidelberg Instruments)
die importierte AutoCAD-Struktur schreiben
- • Maske 1 min mit AZ305 entwickeln (Verdünnung 1:6 mit Millipore-Wasser)
- • 15 min in Millipore-Wasser legen
- • mit Stickstoffgas trocknen
- • 150 nm Chrom mit einem Plasmasputter auf die entwickelte Maske sputtern
- • Maske 15 min in Aceton legen, um den unbelichteten Lack unter der Chromschicht
zusammen mit dieser abzulösen (Lift-off Technik)
- • Mit Millipore-Wasser abspülen
- • Mit Stickstoffgas trocknen.
Eine solche Maske braucht nur einmal hergestellt zu werden und hat
eine Lebenserwartung von mehreren tausend Belichtungszyklen, entsprechend einer
Verwendbarkeit für die Herstellung von mehreren tausend MFK. Mit Hilfe von
Computer Aided Design (CAD) Verfahren nach dem Stand der Technik können beliebige
andere Muster realisiert werden. Erfindungsgemäß sind dabei alle Muster,
die eine Relokalisierung der biologischen Objekte mit einer Präzision besser
als 50 &mgr;m erlauben.
2. Lackierung und Strukturierung der Deckgläser:
- • Deckglas 5 min. mit Aceton in ein Ultraschallbad legen
- • Mit Millipore-Wasser abspülen
- • Mit Stickstoffgas trocknen
- • Deckglas mit 175 &mgr;L Lack AZ1505 in einem Spincoater beschichten
(400 rpm 15 s, 4000 rpm 45 s)
- • Für 30 min bei 80°C auf eine Heizplatte legen (Softbake)
- • Maske auf das beschichtete Deckglas legen und für 10 s mit UV-Licht
belichten
- • 15 s in Lösungsmittel AZ351 entwickeln (Verdünnung 1:6 mit
Millipore-Wasser)
- • Mit Millipore-Wasser den Entwickler vom Deckglas abspülen
- • Mit Stickstoffgas trocknen
Durch die Molekülstruktur des Photolackes lässt sich Fluoreszenzlicht
innerhalb eines sehr breiten Spektrums anregen; daher erlaubt diese hier vorgestellte
Methode eine einfache Verwendung in der Fluoreszenzmikroskopie. Wird anstatt einer
Fluoreszenzmikroskopie-Technik eine Auflicht- oder Durchlichtmikroskopie-Methode
verwendet, ist ebenfalls die Struktur des Koordinatensystems zu erkennen, da der
Lack ein merkliches Absorptionsvermögen aufweist. Mit Phasenkontrastmikroskopie
ist die Struktur wegen des vom Glas abweichenden Brechungsindex ebenfalls eindeutig
und gut sichtbar.
3. Anwendung des MFK zur Bestimmung von Objektpositionen
Die Objektrelokalisation geschieht in einem 4-stufigen Prozeß.
Zunächst werden die Objekte mithilfe eines ersten Mikroskopsystems analysiert;
ein solches erstes Mikroskopsystem kann z.B. ein Epifluoreszenzmikroskop oder ein
konfokales Laserscanning Fluoreszenzmikroskop sein. Für eine rasche Relokalisation
der Objekte in einem zweiten Mikroskopsystem ist es vorteilhaft, wenn eine digitale
Registrationsmöglichkeit besteht. Die Koordinaten eines an diesem ersten Mikroskopsystem
befindlichen Verschiebetisches werden rechnerisch auf die orthogonale Lackstruktur
der hier beschriebenen Erfindung transformiert. Bei Vorliegen einer digitalen Registrierung
ist dieser Schritt mit bildanalytischen Methoden leicht automatisierbar. Dieser
Schritt wird für jedes zu untersuchende Objekt durchgeführt. Zusätzlich
wird die Position des Schnittpunktes sowie mindestens eines weiteren Referenzpunktes
auf einer der beiden Lack-Achsen bestimmt.
Die zweite Stufe besteht nun darin, die in dem ersten Mikroskopiesystem
analysierten Objekte (z.B. Zellen) in einem zweiten Mikroskopsystem erneut zu identifizieren.
Identifizieren bedeutet, ein bestimmtes in dem ersten Mikroskopiesystem detektiertes
Objekt, z.B. eine bestimmte Zelle, in dem zweiten Mikroskopiesystem innerhalb kurzer
Zeit mit einer für die Identifikation ausreichenden Präzision der Relokalisierung
sicher wieder aufzufinden. Ein solches zweites Mikroskopsystem kann z.B. ein konfokales
Laserscanning Fluoreszenzmikroskop mit anderen technischen Eigenschaften
sein, oder ein 4Pi-Mikroskop, oder ein Spatially Modulated Illumination Mikroskop,
oder irgend ein anderes Mikroskopsystem. Das zweite Mikroskopsystem kann auch mit
dem ersten Mikroskopsystem identisch sein. Für zelluläre Objekte mit einer
typischen Ausdehnung von 10 &mgr;m bis 30 &mgr;m ist eine Präzision im
Bereich mehrer Mikrometer völlig genügend. Hierzu wird erneut die Position
des Schnittpunkts der beiden Achsen sowie der Referenzpunkt gesucht. Sind diese
zwei Punkte gefunden, kann der Drehwinkel zwischen beiden Meßreihen auf einfache
Weise nach bekannten trigonometrischen Verfahren berechnet werden. In der dritten
Stufe wird nun eine Drehmatrix auf die in der ersten Messreihe gefundenen Positionen
angewandt. Im letzten Schritt erfolgt eine Transformation der Systempositionen zurück
auf die des aktuell verwendeten Verschiebetisches. Unter Berücksichtigung des
im Allgemeinen nur wenige Grad kleinen Drehwinkels, kann die Drehmatrix in Potenzen,
etwa nach der Methode von Taylor, entwickelt werden. Mit einem computergestützten
Verfahren kann dies leicht berechnet werden. Ein weiterer Ansatz besteht darin,
ganz auf die Reihenentwicklung zu verzichten und die Drehmatrixkomponenten tabellenbasiert
zu bestimmen. Somit reduziert sich ein solcher Algorithmus auf einfache Additionen
und Multiplikationen. Die genannten rechnerischen Operationen können leicht
automatisiert werden.
4. Untersuchungen zur Langzeitstabilität des MFK gegenüber
Anregungslicht
Damit ein System wie der MFK zur Relokalisation von Objekten sinnvoll
eingesetzt werden kann, ist es wichtig, daß die fluoreszierende Struktur bis
zum Abschluß der Analyse intakt bleibt, d.h. eine Ausbleichng genügend
langsam erfolgt. Das Ausbleichverhalten wurde untersucht, indem eine Fläche
mehrfach (bis zu 320 mal) nacheinander mit dem fokussierten Laserstrahl (sichtbarer
Spektralbereich) eines konfokalen Laserscanning Fluoreszenzmikroskops zur Fluoreszenz
angeregt und sofort die Fluoreszenzintensität pro Anregungsschritt gemessen
wurde. Die zeigt den gemessenen Verlauf der
Fluoreszenzintensität als Funktion von der Abtasthäufigkeit für zwei
typische Anregungswellenlängen pro bestrahlter Fläche.
Ausführungsbeispiel 2:
Dieses entspricht Beispiel 1 mit folgenden Änderungen:
Es wurde eine einfachere Maskenstruktur gewählt, die nur aus einem Kreuz zweier
1000 &mgr;m langer und 3 &mgr;m dicker Linien in einer 2 × 2 mm großen
Box besteht. Damit eine eindeutige Orientierung der Achsen möglich ist, befindet
sich im ersten Quadrant ein 20 × 20 &mgr;m großes Quadrat sowie im vierten
Quadranten ein Vollkreis mit 400 &mgr;m Durchmesser.
zeigt den in diesem zweiten Ausführungsbeispiel realisierten MFK.
Ausführungsbeispiel 3:
Die dritte Ausführung entspricht dem ersten Ausführungsbeispiel,
wobei hier ein kreisförmiges Deckglas (30 mm Durchmesser, 170 &mgr;m Dicke)
mit der Struktur des ersten Ausführungsbeispieles versehen worden.
Diese Deckgläser kommen z.B. bei der konfokalen Laser Scanning
4Pi-Mikroskopie zum Einsatz und bieten nun erstmals die Möglichkeit, mit einem
konfokalen Laserscanning Fluoreszenzmikroskop eine Vorauswahl der zu analysierenden
Strukturen zu treffen und diese dann höchstauflösend mit einem kommerziellen
4Pi Mikroskop (Leica Microssystems Mannheim) innerhalb sehr kurzer Zeiten zu messen,
ohne langwierig diese Bereiche suchen zu müssen. Ein wesentlicher Vorteil der
schnellen Relokalisierung ist die Verminderung der Ausbleicheffekte aufgrund von
Mehrphotonen-Absorption, wie sie bei dieser Form der Mikroskopie für die erhöhte
optische axiale Auflösung erforderlich ist.
Ausführungsbeispiel 4:
Dies ist identisch zu den Beispielen 1 bis 3, jedoch ohne daß
eine Deckschicht aus Glas (SiO2) aufgebracht wurde. Falls die Deckgläser
bei der weiteren Benutzung nicht Alkoholen oder Lösungsmitteln ausgesetzt werden,
ist dies eine sehr preiswerte und schnell zu fertigende Alternative zu den Ausführungsbeispielen
1 bis 3.
Ausführungsbeispiel 5:
Ausführungsbeispiel 5 ist identisch zu Ausführungsbeispielen
1-4, mit dem Unterschied, dass statt eines Glasdeckglases der Dicke 170 &mgr;m
ein Deckglas mit einer anderen Dicke oder aus einem anderen Material, z.B. Quarz
verwendet wird. Beispielsweise werden Quarzdeckgläser vorteilhaft bei der 4Pi
Mikroskopie verwendet.
Ausführungsbeispiel 6:
Ausführungsbeispiel 6 ist identisch zu Ausführungsbeispielen
1-4, mit dem Unterschied, dass statt eines Deckglases ein Objektträger oder
ein sonstiger Träger verwendet wird.
Das neue Herstellungsverfahren vereinigt alle Einsatzgebiete, die
bisher mit anderen Relokalisierungsverfahren nach dem Stand der Technik schon möglich
gewesen sind; darüber hinaus bietet jedoch folgende erfindungsgemäße
Vorteile: Ökonomisch preiswerte Realisierung von Mikrofluoreszenzkoordinatoren
(MFK); unmittelbare Einsatzmöglichkeit in der Fluoreszenzmikroskopie;
schnelle und automatisierbare Relokalisation von zellulären Objekten bei Verwendung
einer Vielfalt verschiedener Mikroskopsysteme.
IV. Anwendungsbeispiel für die Zellbiologie:
Die praktische Verwendbarkeit des MFK wurde unter anderem mit auf
ihm aufgebrachten Lymphozyten getestet. Hierbei wurde untersucht, ob sich die Lackstruktur
zusammen mit den Lymphozyten-Kernen abbilden läßt. Die
zeigt eine Aufnahme mit einem konfokalen Laser Scanning Mikroskop (CLSM) von diesem
Versuch. Der Abstand der Teilstriche beträgt 10 &mgr;m. Die fluoreszenzgefärbten
Zellkerne der Lymphozyten sind deutlich erkennbar. Die Position relativ zum Koordinatensystem
ist visuell mit einer Präzision von besser 5 &mgr;m bestimmbar. Mit bildanalytischen
Verfahren ist die Positionierungspräzision noch wesentlich besser.
Die Fixierung der Zellen konnte sowohl mit PFA (= Paraformaldehyd)
als auch mit Methanol-Eisessig durchgeführt werden.
V. Wirtschaftliche Nutzung:
Die hier beschriebene Erfindung stellt einen wirtschaftlich günstigen
Weg dar zur raschen und präzisen, mikrometergenauen Relokalisation insbesonders
fluoreszierender Objekte mit verschiedenen Mikroskopietechniken. Das Verfahren ist
grundsätzlich für relativ hohe Stückzahlen bei geringen Stückkosten
geeignet. Aufgrund der arbeitsintensiven Nutzung moderner hochauflösender Fluoreszenzmikroskopiesysteme
(die Analyse einer einzelnen Zelle kann bis zu mehreren Minuten betragen) und der
hohen Abschreibungskosten (ein konfoklaes Multiphotonen Laser Scanning Mikroskop
z.B. hat einen Beschaffungswert von ca. 400,000 EUR, ein ein 4Pi-Mikroskop ca. 1
Mio. EUR.) ist die Beschleunigung der Lokalisierung außerordentlich wünschenswert.
Verglichen mit diesen Kosten sind die Aufwendungen für die Herstellung von
MFKs sehr gering.