Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung und ein
Verfahren zum Behandeln eines Proteinkristalls mit einer Flüssigkeit und insbesondere
auf eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Einbringen von Liganden und/oder Inhibitoren
in eine Proteinkristallstruktur.
In der Proteinkristallographie kommt es häufig vor, daß
vor der kristallographischen Messung Liganden oder Inhibitoren in eine Proteinstruktur
bzw. einen Proteinkristall eingebracht werden sollen. Ziel ist es dabei, die kristallographische
Struktur eines Proteins ohne und mit Ligand oder Inhibitor zu vergleichen und die
räumliche Anordnung des Liganden oder Proteins zu ermitteln. Liganden können
hierbei alle an eine Protein oder Polypeptid bindenden Moleküle oder Substanzen
sein, die bspw. inhibitorische Wirkung oder auch agonistische Wirkung auf die Funktion
des Proteins haben können. Ggf. können Liganden organisch-chemische Moleküle
sein oder auch (modifizierte) Antikörper oder Antikörperfragmente, native
Bindungspartner oder Fragmente, ggf. modifiziert, vom kristallisierten Protein.
Weiterhin werden regelmäßig auch Schwermetallatom-Derivate in der Proteinkristallographie
benötigt, um die entsprechende Phaseninformationen zu erhalten. Ein Ligand
i.S. der vorliegenden Erfindung kann daher auch ein an das kristallisierte Protein
bindendes Schwermetallatom(salz) sein.
Folgende Druckschriften aus dem Stand der Technik sind bekannt:
DE 33 31 816 A1 betrifft eine Ätzvorrichtung
für Metall- und Halbleiterscheiben, die einen Aufnahmebereich für Scheiben
aufweist sowie pneumatischen Zerstäuberdüsen einer Sprühdosen-Anordnung,
die einen Ätznebel erzeugen können. Die Ätzvorrichtung kann bei der
Herstellung von Drucksensoren aus Halbleiterscheiben angewendet werden.
In US 6,503,320 B1
wird eine Vorrichtung zur Blockierung eines Kältestroms von flüssigem
Stickstoff, der in einem Verfahren zum Auftauen und erneuten Einfrieren eines Proteinkristalls
erzeugt wird, offenbart.
US 6,408,047 B1 beschreibt ein automatisiertes
Hochdurchsatz-Verfahren mittels eines Roboters zur röntgenkristallographischen
Untersuchung von Proben.
US 5,737,385 A betrifft ein automatisiertes
System für die Untersuchung von oberflächennahen Materialeigenschaften
von Proben mittels Röntgendiffraktometrie. Das automatisierte System umfasst
eine drehbare Probenhalterung, eine Vorrichtung, um die Proben mit chemischen Lösungen
zu behandeln sowie eine Röntgenquelle.
In DE 199 00 346 A1
wird eine Präzisions-Probendrehvorrichtung an einem Diffraktometer offenbart,
welches für Röntgen- bzw. Synchrotronstreuversuche verwendet werden kann.
DE 39 27 345 A1 betrifft ein Verfahren
zur Strukturbestimmung eines Peptids, das mit einem Protein kovalent verknüpft
ist, mittels Röntgenkristallographie oder Kernresonanzspektrokopie.
DE 197 27 437 A1 betrifft kristalline
Schwermetall-Clusterverbindungen und deren kristallographische Daten sowie deren
Verwendung in der Röntgenstrukturanalyse.
EP 1 172 646 A1 offenbart ein Verfahren
zur Untersuchung des Kristallisationsverhaltens von Analyten unter verschiedenen
Bedingungen mittels Röntgendiffraktometrie.
EP 1 308 542 A2 beschreibt eine
Apparatur und ein Verfahren zur automatisierten Kristallisation von Proteinen. Proteinkristalle
werden anschließend automatisch röntgenkristallographisch analysiert.
EP 1 353 166 A2 betrifft ein automatisiertes
Verfahren, um die Kristallisation biologischer Proben mittels Röntgenkristallographie
zu analysieren.
EP 1 338 684 A2 offenbart eine Apparatur
und ein Verfahren, um ein Biopolymer, beispielsweise ein Protein, zu kristallisieren.
US 6,404,849 B1 beschreibt eine
Apparatur und ein Verfahren, um einen Kristall an einer Halterung zu befestigen,
den Kristall auszurichten und die Struktur des Kristalls röntgenkristallographisch
zu bestimmen.
US 6,417,007 B1 betrifft das automatisierte
Ernten von Proteinkristallen aus einer flüssigen Umgebung und das anschließende
Schockgefrieren der geernteten Kristalle zur sicheren Aufbewahrung.
US 2003/0072683 A1 offenbart
ein Matrix-Robotersystem zum Mischen und Verteilen von verschiedenen Stammlösungen
in Lochplatten, um eine Kristallkernbildung zu induzieren.
US 2002/0142483 A1 betrifft
Dispensiervorrichtungen zum Aufbringen von flüssigen Proben auf Substrate,
die insbesondere zum Transport von Proben auf Mikroarrays sowie für massenspektrometrische
Analysen geeignet sind. Mittels der beschriebenen Dispensiervorrichtungen können
Tropfen im Nanoliter- oder Pikoliter-Maßstab auf Materialien auf der Substratoberfläche
aufgebracht werden.
In US 2003/0049642 A1
wird eine Vorrichtung sowie ein Verfahren zum Screening der Kristallisationskernbildung
beschrieben. Das dort offenbarte Verfahren umfasst die Bildung eines frei schwebenden
Tropfens durch einen akustischen Levitator sowie das Aufbringen mindestens einer
Substanz auf den frei schwebenden Tropfen mit einer piezoelektrischen Durchfluss-Dispensiervorrichtung
sowie die anschließende Detektion einer Kristallisationskernbildungs-Tendenz.
US 2002/0191048 A1 betrifft
Verfahren zur Optimierung der Protein-Kristallisation. Dazu werden durch akustische
Deposition Flüssigkeitstropfen auf einer Substratoberfläche abgelegt.
Ein im Stand der Technik bekanntes Verfahren zum Einbringen von Liganden,
bspw. Inhibitoren, ist das sogenannte „Soaking" mit einem Puffer, der aus
der Kristallisationslösung sowie dem Liganden besteht. Falls ein in den Kristall
zu „soakender" Ligand schlecht oder nur schwerlöslich sind, können
dem Puffer zur Erhöhung der Löslichkeit desselben weitere Substanzen als
Löslichkeitsverbesserer zugesetzt werden. Beispielsweise kann es sich um Lösungsmittel
wie DMSO (Dimethylsulfoxid), TFE, Ethanol, 2-Nitropropan oder andere organische
Lösungsmittel, insbesondere chlorierte Lösungsmittel, ggf. auch Emulgatoren
handeln.
Das „Soaking"-Verfahren besitzt verschiedene Nachteile. So
besteht ein Nachteil darin, daß die Kristalle beim „Soaking" einer anderen
Umgebung ausgesetzt werden müssen, wodurch der Kristall Schaden erleiden kann,
d.h. insbesondere, dass die Mikrostruktur des Kristalls nach dem „Soaking"
Unregelmäßigkeiten aufweist, die das Diffraktionsvermögen des Kristalls
beeinträchtigen. Sollen z.B. schwerlösliche Inhibitoren oder Liganden
in die Proteinkristallstruktur eingebracht werden, so benötigt man sehr hohe
Konzentrationen an Lösungsmittel. Gerade hohe Lösungsmittelkonzentrationen
führen aber häufig zur Zerstörung der fragilen Proteinkristalle,
wie zuvor erwähnt.
Darüber hinaus besteht ein weiterer Nachteil des herkömmlichen
„Soaking"-Verfahrens in dem hohen Zeitaufwand des Verfahrens. Dieser ist
zum einen durch die unter Umständen zahlreichen (repetitiven) „Soaking"-Prozesse
bedingt, die, ggf. unter Veränderung der Konzentrationsverhältnisse des
zu „soakenden" Liganden durchlaufen werden müssen, um überhaupt
eine geeignete, die Liganden oder Inhibitoren enthaltende, also komplexierte Proteinkristallstruktur
(Cokristall) zu erhalten, und zum anderen dadurch, daß bereits ein einzelner
Soaking-Prozeß bereits sehr zeitaufwendig sein kann, da bspw. die Diffusionskinetik
beachtet werden muß.
Ein weiterer Nachteil des „Soaking"-Verfahrens besteht darin,
daß röntgenkristallographische Untersuchungen oder Untersuchungen des
Proteinkristalls mit Synchrotronstrahlung während des „Soaking"-Verfahrens
technisch nicht möglich sind.
Die Aufgabe der Erfindung besteht nun darin, eine Vorrichtung und
ein Verfahren zur Behandlung eines Proteinkristalls mit einer Substanz zu schaffen,
die im Vergleich zu bisherigen Vorrichtungen und Verfahren unter anderem eine schonendere
Behandlung von Proteinkristallen und die einfachere und/oder effizientere Herstellung
von komplexierten Proteinkristallen sowie die einfache Herstellung von bisher nur
schwer oder überhaupt nicht herstellbaren komplexierten Proteinkristallen erlauben.
Diese Aufgabe wird durch eine Vorrichtung zum Behandeln eines Proteinkristalls
mit einer Flüssigkeit mit einer Halterung zur Befestigung des Proteinkristalls
und einem Mikrodosiersystem gelöst, das im Verhältnis zur Halterung so
angeordnet ist, daß damit Mikro-Tropfen einer Flüssigkeit, die bspw. Lösungsmittel
und mindestens einen Ligandentyp aufweist, auf den in der Halterung befestigten
Proteinkristall aufgebracht werden können.
Durch das Auftropfen von Mikro-Tropfen mit der erfindungsgemäßen
Vorrichtung lässt sich eine wesentlich schonendere Behandlung
von Proteinkristallen mit bestimmten aufzubringenden Substanzen, die in einer Lösung
enthalten sind, erreichen. Diese Substanzen können Liganden, bspw. Inhibitoren,
Substrate oder Reaktanden, sein. Bei den Liganden wird es sich typischerweise um
Agonisten, Substrate oder Antagonisten der kristallisierten Proteine handeln.
Gemäß einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung ist bei
der erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Behandeln eines Proteinkristalls
mit mindestens einer Substanz die Kristallhalterung so ausgebildet, daß durch
die Halterung ein Gasstrom geführt werden kann, der auf den in der Halterung
befestigten Proteinkristall gerichtet ist. Dadurch kann der Proteinkristall während
der Behandlung durch die Mikro-Tropfen in einer definierten Umgebung gehalten werden.
Falls die Substanz in der aufzutropfenden Flüssigkeit aus gelösten
Liganden, bspw. Inhibitoren, besteht, die in die Kristallstruktur des Proteinkristalls
eingebracht werden sollen, so kann dem Gasstrom auch gemäß einer weiteren
vorteilhaften Ausführungsform ein Lösungsvermittler (s. obige Ausführungen)
beigemischt werden, der insbesondere bei schwerlöslichen Liganden die Diffusion
durch den Proteinkristall bzw. die Bindung an die kristallisierten Proteine wesentlich
erleichtern kann.
Es ist ferner besonders vorteilhaft, daß die erfindungsgemäße
Vorrichtung auch auf einem Goniometerkopf im Röntgenstrahl oder in einem Synchrotron
befestigt werden kann, so daß der zeitliche Ablauf der Veränderung der
kristallisierten Proteinstruktur, z.B. infolge der Ligandenbindung während
des Auftropfens der Mikro-Tropfen, im Meßgerät beobachtet werden kann.
Die Aufgabe der Erfindung wird ferner durch ein Verfahren zum Behandeln
eines Proteinkristalls mit einer Flüssigkeit gelöst, bei dem der Proteinkristall
befestigt wird und bei dem dann Mikro-Tropfen der Flüssigkeit, enthaltend eine
Lösung und mindestens Liganden einer Art, auf den Proteinkristall aufgebracht
werden.
Weitere vorteilhafte Ausführungen der erfindungsgemäßen
Vorrichtung und des erfindungsgemäßen Verfahrens ergeben sich aus den
abhängigen Ansprüchen.
Bevorzugte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung werden
nachfolgend unter Bezug auf die beiliegende Zeichnung näher erläutert.
Es zeigen
1 eine teilweise im Schnitt dargestellte Ansicht einer
Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Behandeln
eines Proteinkristalls mit einer Lösung,
2 ein Gehäuse eines Steuergeräts zur Steuerung
eines bei einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung
verwendeten Mikrodosiersystems,
3 zeigt ein Flüssigkeitszufuhrsystem für
ein Mikrodosiersystem, das bei einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Vorrichtung verwendet werden kann.
Die Erfindung wird im folgenden an der Behandlung von Proteinkristallen
beschrieben.
1 zeigt eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung zum Behandeln eines Proteinkristalls. Dabei ist links in der
1 eine Halterung 1 dargestellt, die dazu dient,
einen Proteinkristall 2 zu befestigen. Die in der 1
dargestellte Halterung, die in ihrer generischen Art auch als „free mounting
system" bezeichnet wird, ist bereits aus dem Stand der Technik bekannt und z.B.
in der Deutschen Patentschrift DE 198 42
797 C1 beschrieben worden. Diese Druckschrift wird insoweit vollumfänglich
in die Offenbarung der vorliegenden Anmeldung einbezogen.
Die Halterung 1, die in der 1
in einer Schnittansicht von der Seite dargestellt ist, besteht im wesentlichen aus
einem Trägerblock 3, der ein einschiebbares Einsatzteil
4 aufweist, das in eine Öffnung des Trägerblocks 3 eingeschoben
werden kann. Am Einsatzteil ist eine Haltekapillare 5 angebracht, an deren
freiem Auflageende der Proteinkristall 2 gehalten wird. Die Haltekapillare
besteht vorzugsweise aus einer Mikropipette, in der über eine in der
1 nicht dargestellte und mit dem anderen Ende der Mikropipette
verbundene Pumpvorrichtung ein Unterdruck erzeugt wird, der dazu dient, den Proteinkristall
2 an dem freien Auflageende zu halten. Das linke Ende 8 des Einsatzteils
ist so ausgebildet, daß daran die Halterung 1 an einem Goniometerkopf
einer Röntgen- oder Synchrotronbestrahlungsanlage befestigt werden kann.
In einer Röntgen- oder Synchrotronbestrahlungsanlage kann die
Beugung von Röntgenstrahlen beim Durchgang durch das Kristallgitter
des Proteinkristalls ausgenutzt werden, um aus dem Beugungsbild auf die räumliche
Anordnung der Atome und Moleküle in dem kristallisierten Protein zu schließen
bzw. die Struktur durch mathematische Operationen zu errechnen. Die erforderlichen
Röntgenstrahlen können z.B. durch Beschuß von Kupfer oder anderen
Materialien mit Elektronen erzeugt werden (bspw. CuK&agr;-Strahlung). Alternativ
kann die Röntgenstrahlung auch in einem Synchrotron, d.h. einem Teilchenbeschleuniger,
erzeugt werden, bei dem die Röntgenstrahlung von auf Kreisbahnen beschleunigten
Elektronen emittiert wird. Das Synchrotron besitzt trotz des größeren
apparativen Aufwands eine Reihe von Vorteilen gegenüber der herkömmlichen
Erzeugung von Röntgenstrahlung durch Elektronenbeschuß von Metallen. So
besitzen die durch Synchrotrone erzeugten Röntgenstrahlen eine höhere
Intensität und können in verschiedenen Wellenlängen gewählt
werden. Auch besteht auf diese Weise die Möglichkeit, „weißes"
Röntgenlicht einzusetzen und damit den Kristall mit Röntgenblitzen, die
Röntgenstrahlen aller Wellenlängen aufweisen, zu beschießen.
Darüber hinaus lassen sich die Messungen mit dem Synchrotron
wesentlich schneller als mit herkömmlichen Röntgenbestrahlungsanlagen
durchführen.
In die Halterung 1 ist ferner ein Gaskanal 6 integriert,
dessen Mündungsende 7 auf das freie Auflageende der Haltekapillare
5 gerichtet ist, an dem der Proteinkristall 2 befestigt ist. Dabei
wird der am Auflageende angebrachte Proteinkristall 2 vollständig
vom Gasstrom aus dem Gaskanal 6 umschlossen, so daß eine definierte
Gasatmosphäre um den Proteinkristall herum erzeugt werden kann. Der Gaskanal
6 ist an seinem in der 1 als offen dargestellten
Ende mit einem Gaserzeugungsmittel und einem Gasmischmittel verbunden, mit dem die
Zusammensetzung des Gasstroms variabel eingestellt werden kann. Falls das um den
Proteinkristall herum befindliche Gas Luft ist, kann das Gasmischmittel z.B. dazu
dienen, die Luftfeuchtigkeit auf einen vorherbestimmten optimalen Wert einzuregeln.
Es kann darüber hinaus auch ein Temperatureinstellmittel vorgesehen sein, mit
dem die Temperatur des Gasstroms gemessen und auf einen bestimmten vorgebbaren Wert
eingeregelt werden kann. Auch können andere gasförmige Substanzen dem
Gasstrom beigemischt werden, so dass bspw. der Stickstoff- oder Sauerstoffgehalt
der Luft modifiziert, bspw. erhöht, werden kann.
In der älteren Patentanmeldung DE
102 32 172 A1 mit dem Titel „Vorrichtung und Verfahren zur Erzeugung
einer definierten Umgebung für partikelförmige Proben" ist bereits eine
Vorrichtung und ein Verfahren beschrieben, mit dem sich eine hochgenaue und langzeitstabile
Feuchteeinstellung eines durch die oben beschriebene Halterung geführten feuchten
Gasstroms am Ort des partikelförmigen Kristalls erreichen läßt. Diese
Druckschrift wird daher insoweit ebenfalls vollumfänglich in die Offenbarung
der vorliegenden Anmeldung einbezogen.
Über dem Proteinkristall ist ein Mikroskop mit Videosystem
10 angebracht, mit dem der Proteinkristall während der Behandlung
mit der Substanz beobachtet werden kann. Ggf. kann infolge der Beobachtung über
das Videosystem der Behandlungsmodus modifiziert oder auch die Behandlung eingestellt
werden.
Die in der 1 dargestellte erfindungsgemäße
Vorrichtung zum Behandeln eines Proteinkristalls mit einer Substanz umfaßt
darüber hinaus ein Mikrodosiersystem 11, das rechts in der
1 in einer Seitenansicht im Schnitt dargestellt ist.
Das Mikrodosiersystem 11 umfaßt eine sogenannte Piezopipette
12, die in einem Stativ 15 gehalten wird und so auf den Proteinkristall
2 ausgerichtet ist, daß dieser mittels der Piezopipette mit Tropfen
beschossen werden kann. Die Piezopipette ist in der 1
aus Gründen der Anschaulichkeit in einem vergrößerten Maßstab
im Verhältnis zur Halterung 1 dargestellt. Die Piezopipette ist so
angeordnet, daß die Spitze der Piezopipette einen Abstand von typischerweise
3 mm zu dem Proteinkristall aufweist. Vorzugsweise liegt dieser Abstand in einem
Bereich von 1–5 mm, kann jedoch unter besonderen Umständen auch größer
oder kleiner gewählt werden.
Die Piezopipette 12 besteht aus einer Glaskapillare
13, die z.B. aus Borosilicatglas bestehen kann. Die Durchmesser der Öffnung
der Glaskapillare ist einer der Faktoren, die die Größe der von der Piezopipette
abgegebenen Mikro-Tropfen beeinflussen und kann z.B. in einem Bereich zwischen 5
und 50 Mikrometer liegen. Die Glaskapillare 13 ist von einem piezoelektrischen
Element 14 umschlossen, das aus einem Material besteht, das einen piezoelektrischen
Effekt zeigt. Es kann sich bei diesem Material z.B. um einen Piezokristall handeln.
Das piezoelektrische Element 14 ist darüber hinaus über zwei
Kabel 16 mit einem Steuergerät 17 elektrisch verbunden, mit
dem eine Spannung an das piezoelektrische Element 14 angelegt werden kann.
Wird ein Spannungspuls durch das Steuergerät 17 an das piezoelektrische
Element 14 angelegt, so wird das piezoelektrische Element 14 und
mit diesem auch die Glaskapillare 13 kontrahiert und ein Tropfen aus der
Öffnung der Piezopipette herausgeschossen. Über das Steuergerät
17 können unterschiedlich geformte Spannungspulse
an die Piezopipette angelegt werden können, deren Formen die Form und Größe
der Mikro-Tropfen und deren Frequenz die Frequenz der Mikro-Tropfen beeinflussen.
In der 2 ist ein Gehäuse eines möglichen
Steuergeräts zur Steuerung der Piezopipette dargestellt, wobei die einzelnen
Steuerungsmöglichkeiten anhand der in der 2 dargestellten
Schalter und Steuerelemente des Steuergeräts erläutert werden sollen.
Das Steuergerät weist zunächst drei verschiedene LCD-Anzeigen
20, 21 und 22 auf. Auf der ersten LCD-Anzeige
20 wird der aktuelle Wert für den Spannungspegel der Impulsausgangsspannung
für das Piezopipettensteuersignal angezeigt. Dieser Wert läßt sich
über einen Drehregler 23 variabel einstellen. Auch die Impulsweite
des Pipettenansteuersignals, die auf der zweiten LCD-Anzeige 21 in Mikrosekunden
angezeigt wird, läßt sich mittels eines zweiten Drehreglers
24 einstellen. Schließlich ist ein dritter Drehregler 25
vorgesehen, um die Frequenz der an die Piezopipette angelegten Spannungsimpulse
einzustellen, die auf der dritten LCD-Anzeige 22 angezeigt wird. Diese
Frequenz, die bis zu einige kHz betragen kann (z.B. 2 kHz) entspricht der Frequenz,
mit der die Mikro-Tropfen aus der Piezopipette auf den Proteinkristall geschleudert
werden. Der Einstellbereich der Frequenz kann z.B. in einem Bereich zwischen 1 Hz
und 6 kHz liegen. Die Höhe der Impulsausgangsspannung und die Weite der Spannungsimpulse
müssen zunächst so eingestellt werden, daß es überhaupt zu einer
Tropfenerzeugung mit der Piezopipette kommt. Darauf wird die Frequenz gewählt,
die für den jeweiligen Proteinkristallbehandlungsprozeß ideal ist. Die
Frequenz kann natürlich auch während des Proteinkristallbehandlungsprozesses
laufend variiert werden.
Das Steuergerät weist ferner zwei Eingänge 26 auf,
an denen die beiden Verbindungskabel der Piezopipette angeschlossen werden. Ferner
sind ein Netzkabel 27 sowie ein Netzanschluß 28 zur Stromversorgung
des Steuergeräts vorgesehen. Über den weiteren Signaleingang
29 können von anderen elektrischen Geräten vorgegebene Spannungsimpulsfolgen
angelegt werden, um die Mikro-Tropfenerzeugung auszulösen und die Mikro-Tropfenfolge
und -form von außen zu steuern. Das kann z.B. sinnvoll sein, wenn es ein zentrales
Steuergerät gibt, das sowohl die Tropfenerzeugung als auch andere Parameter
der Proteinkristallbehandlung wie den über die Kristallhalterung zugeführten
Gasstrom, die Zusammensetzung des Gasstroms (z.B. seinen Feuchtegehalt), die Temperatur
des Gasstroms, eine angeschlossene Röntgenbestrahlungsanlage etc. steuert und
die verschiedenen Steuerungsparameter in einer vorherbestimmten Weise zueinander
synchronisiert.
Der Schalter 30 ist dazu vorgesehen, den Piezopipettenbetrieb
ein- und auszuschalten. Über den weiteren Schalter 31 kann zwischen
Einzelspannungsimpulsbetrieb und kontinuierlichem Spannungsimpulsbetrieb umgeschaltet
werden, d.h. zwischen Einzeltropfenerzeugung und kontinuierlicher Tropfenerzeugung.
Für die Einzeltropfenerzeugung kann ferner ein Taster 32 vorgesehen
sein, über den einzelne Spannungsimpulse an die Piezopipette angelegt werden
können, wenn es gewünscht ist, einzelne Tropfen per Handbetrieb auf den
Proteinkristall zu schießen.
Der Schalter 33 dient schließlich dazu zwischen verschiedenen
Impulsformen der an die Piezopipette 12 angelegten Spannungsimpulse variieren
zu können. In der Schalterstellung A kann z.B. ein vorgegebener Standard-Rechteckspannungsimpuls
mit vorherbestimmter Dauer und Höhe erzeugt werden, während in der Schalterstellung
B ein Rechteckspannungsimpuls erzeugt werden kann, dessen Dauer und Höhe variabel
eingestellt werden kann. Es ist natürlich bei anderen Ausführungen auch
denkbar, daß Spannungsimpulse angelegt werden, die von der Rechteckform abweichen.
Die Impulsform der Spannungsimpulse wird nun so gewählt, daß eine optimale
Tropfenerzeugung in Hinblick auf den zu behandelnden Proteinkristall gewährleistet
ist.
Verschiedene Größen der Mikro-Tropfen, die z.B. für
verschiedene Proteinkristallgrößen geeignet sein können, können
über die Variation der Spannungspulsweiten und Spannungspulshöhen eingestellt
werden, die die an die Piezopipette angelegten Spannungen aufweisen.
Die Glaskapillare 13 der Piezopipette 12 ist typischerweise
über eine Zuleitung 18 mit einem in der 1
nicht dargestellten Vorratsgefäß verbunden, das die Lösung enthält,
die auf den Proteinkristall getropft werden soll. Diese Lösung enthält
die Substanz oder die Substanzen, mit der bzw. denen der Proteinkristall behandelt
werden soll. Die Oberkante des Flüssigkeitsspiegels der sich im Vorratsgefäß
befindenden Flüssigkeit sollte dabei etwas höher als die Unterkante der
Pipettendüse eingestellt werden. Alternativ dazu kann die Flüssigkeit
bei einer Ausführungsform ohne Vorratsgefäß aber auch direkt über
die Auslaßöffnung der Piezopipette in die Piezopipette gesaugt werden,
um sie dann später wieder abgeben zu können. Es kann auch eine Temperiervorrichtung
um das Vorratsgefäß herum angeordnet sein, um die in denn Vorratsgefäß
sich befindende Flüssigkeit auf eine gewünschte Temperatur zu bringen.
Gemäß einer Ausführungsform kann vor dem Aufbringen der Lösung
auf den Proteinkristall der pH-Wert und/oder die Ionenstärke (bzw. spezifische
Salzkonzentrationen) der Lösung gemäß den im Stand der Technik bekannten
Verfahren auf einen gewünschten Wert eingestellt werden.
Unter Mikro-Tropfen im Sinne der vorliegenden Erfindung sollen Tropfen
zu verstehen sein, deren Volumen kleiner als 1 nl ist, wobei das Volumen der Mikro-Tropfen
vorzugsweise zwischen 1 nl (nanoliter) und 1 pl (picoliter), noch weiter bevorzugt
zwischen 100 pl und 20 pl und noch stärker bevorzugt zwischen 20 pl und 4 pl
liegt. Aus diesen Größen lassen sich über die Volumensformel die
entsprechenden geeigneten Durchmesser der Tropfen errechnen, wenn man näherungsweise
davon ausgeht, daß die Tropfen kugelförmig sind. Die gewünschte Tropfengröße
kann erfindungsgemäß eingestellt werden.
Die Mikro-Tropfen der auf den Proteinkristall aufzubringenden Flüssigkeit
sind dabei vorzugsweise kleiner als das Volumen des Proteinkristalls ist. Ein typisches
Proteinkristallvolumen kann dabei z.B. in einer Großenördnung von 1 nl
liegen.
Das Volumen der im speziellen Fall verwendeten Mikro-Tropfen wird
in Abhängigkeit vom Volumen des Proteinkristalls gewählt. Dabei betragen
die Volumen der Mikrotropfen weniger als 50 %, z.B. 1 bis 20 %, des Proteinkristallvolumens
und vorzugsweise von 1, stärker bevorzugt von 5 bis 10 % des Proteinkristallvolumens.
Die Tropfenerzeugung mittels einer Piezopipette ist nur ein Beispiel
für eine Mikrodosiervorrichtung. Es können auch andere Vorrichtungen verwendet
werden, die in der Lage sind, Mikro-Tropfen zu erzeugen.
So kann z.B. auch ein Mikrodosiersystem verwendet werden, das eine
Kapillare und ein in der Kapillare angeordnetes Mikroventil umfaßt. Dabei wird
die Flüssigkeit unter Druck aus einem Vorratsgefäß auf das Mikroventil
gepreßt, das von einem Steuergerät elektrisch innerhalb eines kurzen Zeitintervalls
geöffnet und danach wieder geschlossen wird, um die Tropfen zu erzeugen. Die
Begrenzung der Tropfengröße ergibt sich hier durch die noch steuerbare
Öffnungsdauer des Ventils.
Als Mikrodosiersystem kann bei einer anderen Ausführungsform
auch ein Zerstäuber dienen. Ein Zerstäuber hat allerdings gegenüber
den oben beschriebenen Lösungen den Nachteil, daß das Ausrichten der Tropfen
auf den Proteinkristall schwieriger ist. Daher wird vorteilhafter Weise dem Zerstäuber
ein Mittel nachgeordnet, das die Orientierung der aus dem Zerstäuber erhaltenen
Mikro-Tropfen auf den Proteinkristall sicherstellt.
Es ist gemäß einer weiteren Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Vorrichtung auch denkbar, daß die Mikrodosier-Vorrichtung aus einem „Loop",
bspw. einer Schlaufe, besteht, mit dem einzelne Tropfen (oder nur ein Tropfen) auf
den Proteinkristall durch bspw. Abschütteln oder Abtropfenlassen von dem „Loop"
aufgebracht werden. Es muß allerdings bei dieser Lösung der erfindungsgemäßen
Aufgabe sichergestellt sein, daß die aufgebrachten Tropfenvolumina klein genug
für die Proteinkristalle (im Sinn der voranstehend offenbarten Volumenverhältnisse
von Proteinkristall zu Tropfen) sind.
Auch alle weiteren technischen Möglichkeiten, Mikro-Tropfen entsprechender
Größe zu erzeugen, sind Lösungen im Sinne der vorliegenden Erfindung.
Bei einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird ein Proteinkristall zunächst an dem freien Auflagenende der Haltekapillare
2 befestigt. Anstelle der Haltekapillare 2 kann auch ein sogenannter
„Loop", also eine Art Schlaufe, verwendet werden, in dem der Proteinkristall
befestigt ist. Der Proteinkristall ist dabei frei von jeglicher Oberflächenlösung
und damit zugänglich für Lösungen, die von außen direkt mittels
des Mikrodosiersystems aufgebracht werden können. Durch die Halterung
1 wird nun typischerweise eine Gasatmosphäre um den Proteinkristall
2 herum erzeugt, indem ein Gasstrom definierter Zusammensetzung und Temperatur
durch den Gaskanal 6 der Halterung 1 geführt wird. Bei dem
beschriebenen Verfahren wird es sich typischerweise um einen Luftstrom, ggf. unter
Beimischung anderer gasförmiger Substanzen, mit einem geregelten Feuchtigkeitsgehalt
(d.h. Wassergehalt) und einer geregelten Temperatur handeln.
In die Kristallstruktur des Proteinkristalls soll nun ein Inhibitor
eingebracht werden, der Bestandteil einer Substanz ist, die der Lösung zugesetzt
wurde, die sich in dem Vorratsgefäß befindet, das mit der Piezopipette
verbunden ist. Es hat sich durch Experimente gezeigt, daß lokal auf die Oberfläche
des Proteinkristalls aufgebrachte Lösungen (wie bspw. DMSO) mit hoher Inhibitor-Konzentration
den Proteinkristall in der Regel nicht schädigen. Nun werden durch das Steuergerät
17 elektrische Spannungspulse an die Piezopipette 12 angelegt
und Mikro-Tropfen mit der Inhibitor-Lösung auf den Proteinkristall
2 geschleudert. Durch das Aufspritzen einzelner Mikro-Tropfen bleibt der
den Proteinkristall umströmende Gasstrom praktisch unbeeinflußt, so daß
der Proteinkristall in seiner stabilen definierten Umgebung verbleibt. Die Erhaltung
einer stabilen Umgebung ist insbesondere für die relativ instabilen Proteinkristalle,
die durch geringe Gitterkräfte zusammengehalten werden, wichtig, damit die
Proteinkristalle nicht zerstört werden, bevor sie z.B. einer röntgenkristallographischen
Untersuchung unterzogen werden. Die Feuchtigkeit des den Proteinkristall umgebenden
Luftstroms kann nun im Zusammenspiel mit der Größe und Frequenz der über
die Mikrodosiervorrichtung auf den Proteinkristall aufgebrachten Tropfen so eingestellt
werden, daß der Proteinkristall möglichst sein Volumen nur wenig ändert,
indem ein Gleichgewicht zwischen Abdampfen von Flüssigkeit vom Proteinkristall
und Zuwachs an Flüssigkeit durch Auftropfen von Flüssigkeit mittels der
Mikrodosiervorrichtung erreicht wird. Dadurch wird der Proteinkristall nur minimal
belastet und es kann ein schonendes Einbringen des/der Liganden über die lokal
aufgetragenen Mikrotropfen erreicht werden. Dieser Vorgang der Einstellung der optimalen
Luftfeuchtigkeit bzw. der optimalen Auftropffrequenz durch die Mikrodosiervorrichtung
kann über ein Regelelement automatisch geregelt werden, daß entsprechende
Änderungen der Feuchtigkeit des Luftstroms und/oder der Auftropffrequenz vornimmt,
wenn sich das gemessene Volumen des Proteinkristalls ändert.
Während des Proteinkristallbehandlungsprozesses kann der Proteinkristall
gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung auch mit gepulstem
Licht bestrahlt werden, z.B. über ein Stroboskop, um mittels des Videosystems
in regelmäßigen Abständen eine Vermessung des Volumens des Tropfens
durchführen zu können.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung
ist es auch denkbar, daß der Proteinkristall, der sich in dem Gasstrom definierter
Zusammensetzung befindet, von einer Lösung umgeben ist, so daß die durch
die Mikrodosiervorrichtung aufgebrachten Tropfen nicht direkt auf den Proteinkristall,
sondern in die den Proteinkristall umgebende Lösung gegeben werden.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung bzw. das erfindungsgemäße
Verfahren erweisen sich auch dann besonders vorteilhaft, wenn Liganden, bspw. Inhibitoren
oder andere Stoffe, in einen Proteinkristall eingebracht werden sollen, die selbst
in einer wäßrigen Lösung nur schwer zu lösen sind. Tatsächlich
erweist sich eine Reihe von Liganden als in wäßrigen Systemen ausgesprochen
schwer löslich, so daß mit dem in der Beschreibungseinleitung beschriebenen
klassischen „Soaking"-Verfahren diese Liganden/Inhibitoren nicht in den Proteinkristall
eingebracht werden können, da die Konzentration der Liganden/Inhibitoren in
der wäßrigen Lösung zu gering ist. Wird nun mittels des Mikrodosiersystems
eine wäßrige Lösung, in der diese Liganden und/oder Inhibitoren gelöst
sind, auf den Proteinkristall aufgetropft, so verdunstet das Wasser nach jedem Auftropfen
vollständig, während der Ligand auf bzw. im Proteinkristall verbleibt.
Durch wiederholte Auftropfzyklen können so größere Mengen des (schwer
löslichen) Liganden auf den Proteinkristall aufgebracht werden. Der Ligand
akkumuliert sich so allmählich auf bzw. im Proteinkristall, bis eine ausreichende
Menge des Liganden in den Proteinkristall eingebracht ist und eine zufriedenstellende
Ligand-Protein-Komplexbildung (also die Besetzung des Proteinkristalls an den Bindungsstellen
der kristallisierten Proteine ausreichend ist, eine Elektronendichte für den
Liganden zu bestimmen) erreicht ist.
Der Vorteil bei diesem Verfahren liegt auch darin, daß die Proteinkristalle
nicht mit einem weiteren Lösungsmittel versetzt werden müssen und so die
Behandlung der empfindlichen Proteinkristalle schonender wird. Außerdem besteht
derart nicht die Gefahr, daß der Ligand aufgrund seiner geringen Löslichkeit
auf dem Proteinkristall bzw. in den Lösungsmittelkanälen präzipitiert.
Bei diesem Verfahren kann die Menge an durch das Mikrodosiersystem aufzutropfender
Lösung durch die Konzentration der Lösung sowie einer Abschätzung
der Molarität des Proteins im Proteinkristall berechnet werden. Ein weiterer
Vorteil des Verfahrens besteht darin, daß man mit Wasser als dem einzigen Lösungsmittel
für den Liganden im Vergleich zu anderen Lösungsmitteln oder Flüssigkeiten
besonders kleine Tropfengrößen erzielen kann, was insbesondere bei kleinen
Proteinkristallen wichtig ist, da erfindungsgemäß die Tropfengröße
kleiner als die Größe des Proteinkristalls sein sollte.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Behandeln eines Proteinkristalls
mit einem Substrat kann auch in einer Röntgenbestrahlungsanlage oder Synchrotronbestrahlungsanlage
verwendet werden, so daß es möglich wird, während der Behandlung
des Proteinkristalls mit der Substanz Beugungsbilder des Proteinkristalls aufzunehmen
und so den Behandlungsprozeß, d.h. die sukzessive Besetzung der Bindungsstellen
des Proteinkristalls, „online" zu beobachten. Hierzu kann die Halterung
1 z.B. an einem Goniometer einer Röntgen- oder Synchrotron-Bestrahlungsanlage
befestigt werden. Der Proteinkristall kann vor der röntgenkristallographischen
Untersuchung auch eingefroren werden, was in der Regel unter Verwendung von flüssigem
Stickstoff erfolgt (sogenannte Cryo-Kristallographie). Hierdurch werden bei röntgenkristallographischen
Untersuchungen die Intensitäten der Reflexe des Beugungsbildes ermittelt und
schließlich unter Verwendung der Phaseninformation, z.B. aus isomorpher Ersetzung
oder MAD („multiple anomalous scattering"), die Elektronendichte der
Struktur ermittelt werden.
Selbstverständlich können auch andere physikalische, insbesondere
spektroskopische, Messungen mit Hilfe der erfindungsgemäßen Vorrichtung
an dem Proteinkristall durchgeführt werden. So kann die erfindungsgemäße
Vorrichtung z.B. auch mit einer Anlage zur Aufnahme einer Absorptionsspektrums kombiniert
werden, um das Absorptionsspektrum des Proteinkristalls aufzunehmen.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung kann auch oder nur dem durch die Halterung 1 geführten Gasstrom
ein Lösungsvermittler beigefügt werden, der sich für die in den Proteinkristall
einzubringende Substanz eignet, also z.B. ein Lösungsvermittler für einen
schwerlöslichen Liganden. Hierzu kann zusätzlich ein Verdampfer vorgesehen
sein, um den Lösungsvermittler vor der Einleitung in den Gaskanal
9 der Halterung 1 zu verdampfen. Auch kann eine Vorrichtung vorgesehen
sein, die dazu dient, die Konzentration des Lösungsvermittlers im Gasstrom
variabel einzustellen und den erforderlichen Bedingungen anzupassen. So läßt
sich eine im Gegensatz zum klassischen „Soaking"-Prozeß sehr schonende
Zufuhr von Lösungsvermittler zu dem Proteinkristall erreichen. Während
der Zufuhr des den Lösungsvermittler enthaltenden Gasstroms kann dann über
die Piezopipette die Ligandenlösung auf den Proteinkristall in Mikro-Tropfenform
aufgebracht werden. Insgesamt ergibt sich also erfindungsgemäß die Möglichkeit
nur der als Mikrotropfen aufzubringenden Ligandenlösung Lösungsvermittler
oder nur dem zugeführten Gasstrom beizumischen. Ggf. können beide Alternativen
auch kombiniert werden, so dass sowohl im Mikrotropfen als auch im Gasstrom der
Lösungsmittelvermittler (gleich oder verschieden) zugesetzt werden.
Auf erfindungsgemäße Weise lassen sich damit Liganden an
den Proteinkristall binden, die mit klassischen „Soaking"-Prozessen nicht
gebunden werden können. Zudem ist ein solches erfindungsgemäßes Verfahren
im Vergleich zu bisherigen „Soaking"-Prozessen mit geringerem Zeitaufwand
verbunden, da wegen der schonenderen Proteinkristallbehandlung weniger Versuche
unternommen werden müssen, um die Proteinkristallbehandlung erfolgreich zum
Abschluß zu bringen.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung sowie das erfindungsgemäße
Verfahren eignen sich aber nicht nur zum Einbringen von Liganden in Proteinkristalle.
Es können auch eine Reihe von anderen Behandlungsmethoden mit anderen Lösungen
an Proteinkristallen auf die erfindungsgemäße Art durchgeführt werden.
Auch kann die über die Mikro-Tropfen mittels des Mikrodosiersystems
aufgebrachte Lösung mehrere verschiedene Substanzen enthalten, mit denen der
Proteinkristall behandelt werden soll. Es kann sich dabei zum Beispiel um mehrere
Liganden, bspum w. mehrere Substrate oder um ein Substrat und um einen katalytisch
wirkenden Liganden, handeln, die in einer Lösung gelöst sind, die mittels
einer Piezopipette auf den Proteinkristall aufgebracht werden soll.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform kann die Piezopipette
auch mit einem speziellen Flüssigkeitzufuhrsystem versehen sein, mit dem es
möglich ist, die Zufuhr verschiedener Flüssigkeiten in die Piezopipette
zeitlich in gewünschter Weise zu steuern. In der 3
ist ein solches Flüssigkeitszufuhrsystem darstellt. Das in der 3
dargestellte Flüssigkeitszufuhrsystem umfaßt eine Präzessionsspritze
40, die aus einem Zylinder 41 besteht, in dem ein über einen
(in der 3 nicht dargestellten) Motor angetriebener
Kolben 42 hin- und herlaufen kann. Wenn der Kolben nach unten läuft,
können verschiedene Flüssigkeiten aus den Flüssigkeitsbehältern
43, 44, 45 oder 46 in den Zylinder gesaugt werden,
wenn eines der entsprechenden elektrisch ansteuerbaren Ventile 47,
48, 49 bzw. 50 geöffnet wird und zusätzlich
das vor dem Zylinder liegende elektrisch steuerbare Ventil 51 geöffnet
wird. Wird das Ventil 51 dann wieder geschlossen, das am Auslaß des
Zylinders liegende elektrisch steuerbare Ventil 52 geöffnet und der
Kolben 42 nach oben getrieben, so kann die angesaugte Flüssigkeit
über die zur Piezopipette führende Flüssigkeitszufuhrleitung
53 zur Piezopipette geführt werden, um dann schließlich in Tropfenform
auf den Proteinkristall gegeben werden zu können.
Die Behälter 45 und 46 können z.B. zwei
verschiedene Lösungen mit verschiedenen Liganden enthalten, die mit dem Protein
des zu betropfenden Proteinkristall einen Komplex bilden sollen. Die Behandlung
des Proteinkristalls kann dabei z.B. so erfolgen, daß zunächst die Lösung
1 aus dem Behälter 45 und danach die Lösung
2 aus dem Behälter 46 auf den Proteinkristall aufgetropft
wird. Zwischen den beiden Lösungen kann eine Reinigungslösung durch die
Leitungen gespült werden, die sich in dem Behälter 44 befindet.
Der weitere Behälter 47 dient als Abfallbehälter, um Flüssigkeitsmengen
aufzunehmen, die nicht mehr benötigt werden und aus dem Zufuhrsystem entfernt
werden müssen. Durch geeignete zeitliche Ansteuerung der Ventile
47–52 und des Kolbens 42 können nun der Piezopipette
die gewünschten Lösungen in der gewünschten Menge zugeführt
werden.
Ein weiteres Beispiel zur Anwendung eines erfindungsgemäßen
Verfahrens ist das sogenannte „Back-Soaking", bei dem bestimmte an die Kristallstruktur
des Proteins bereits gebundene Substanzen durch andere Substanzen ausgetauscht werden,
es wird also ein Cokristall erneut mit dem Ziel einer Substitution „gesoakt".
So kann z.B. ein Ligand durch einen anderen Liganden, der sich in der Lösung
befindet, die über Mikro-Tropfen auf den Proteinkristall aufgebracht wird,
ersetzt werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann ferner auch dazu verwendet
werden, in sehr schonender Weise sogenannte „Cryo-Puffer" auf einen Proteinkristall
(komplexiert oder nicht-komplexiert) aufzubringen. Viele Proteinkristalle müssen
vor der röntgenkristallographischen Untersuchung aus Stabilitätsgründen
eingefroren werden, was, wie oben beschrieben, in der Regel unter Verwendung von
flüssigem Stickstoff durchgeführt wird. Die Cryo-Puffer werden während
des Einfrierprozesses verwendet, um die Eisbildung zu verhindern, die zur Zerstörung
des Proteinkristalls führen würde. Beispiele für Cryo-Puffer sind
Glycerin oder 2-Methyl-2,4-pentanediol (MPD). Die Cryo-Puffer können in das
Vorratsgefäß der Piezopipette gefüllt werden und dann in ähnlicher
Weise wie die Ligandenlösung mit der Mikrodosiervorrichtung auf den Proteinkristall
gespritzt werden.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung
können auch mehrere Mikrodosiersysteme, z.B. mehrere Piezopipetten, verwendet
werden, mit denen jeweils unterschiedliche oder auch identische Substanzen (bspw.
an zwei verschiedenen, lokal abgegrenzten Bereichen des Proteinkristalls) auf den
Proteinkristall aufgebracht werden. Eine solche Anordnung kann z.B. von Vorteil
sein, wenn zwei verschiedene Liganden in eine Proteinkristallstruktur eingebracht
werden sollen. Die Liganden werden dann in verschiedenen Lösungen gelöst,
die in die beiden Flüssigkeitsvorratsbehälter zweier Piezopipetten gegeben
werden. Über die beiden Piezopipetten werden dann die beiden Lösungen
mit den verschiedenen Liganden in Mikro-Tropfenform auf den Proteinkristall aufgebracht.
Dabei können über das mit einer Piezopipette jeweils verbundene Steuergerät,
das die Tropfenerzeugung steuert, unterschiedliche Spannungsimpulse und Spannungspulsfolgen
an die Piezopipetten angelegt werden, um so eine optimale Form und Frequenz der
Mikro-Tropfen zu erreichen, die für den jeweiligen Liganden ideal ist.
Die Verwendung von zwei Mikrodosiersystemen, mit denen getrennt zwei
verschiedene Substanzen aufgebracht werden, die erst auf dem Proteinkristall zusammentreffen,
ist insbesondere auch dann vorteilhaft, wenn das kristallisierte Protein Katalysatorfunktion
für die beiden Substanzen, die beide als Reaktanden im kristallisierten Protein
gebunden werden, hat. Erfolgt das Aufspritzen der beiden Reaktanden separat durch
zwei Mikrodosiersysteme während der Röntgenbestrahlung des Proteinkristalls,
kann die Reaktion der Reaktanden unter katalytischem Einsatz der kristallisierten
Proteine verfolgt werden. Eine Voraussetzung für eine derartige röntgenkristallographische
Untersuchung ist natürlich die Stabilität des Proteinkristalls, d.h.,
daß der Proteinkristall seine Struktur nicht durch strukturelle Umlagerungen
der kristallisierten Proteine verlieren darf, da er dadurch auch sein Diffraktionsvermögen
verlieren würde.
Auch das sogenannte „Cryo-Soaking" läßt sich mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren in besonders vorteilhafter Weise durchführen.
Das „Cryo-Soaking" ist durch die Kombination aus Ligandenzugabe und gleichzeitigem
Einfrieren eines Proteinkristalls gekennzeichnet. So können z.B. Übergangszustände
des Proteinkristalls eingefroren und dann röntgenkristallographisch untersucht
werden. Auch hierzu kann ein System verwendet werden, das mit mehreren Mikrodosiersystemen
arbeitet, wobei über das eine Mikrodosiersystem z.B. der oben beschriebene
Cryo-Puffer und über das andere Mikrodosiersystem eine Lösung in Mikro-Tropfenform
auf den Proteinkristall gegeben werden, die den in den Proteinkristall einzubringenden
Liganden enthält.
Eine weitere Anwendung wäre etwa das Aufspritzen von Reaktanden,
die in bestimmter Weise mit dem Proteinkristall reagieren.
Es ist gemäß einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens auch denkbar, daß dem durch die Halterung für den Proteinkristall
geführten Gasstrom gewisse Substanzen zugefügt werden, mit denen der Proteinkristall
behandelt werden soll. So könnte z.B. beim „Soaking" dem Gasstrom ein
in die Proteinkristallstruktur einzubringender Ligand beigemengt werden, während
mit dem Mikrodosiersystem Lösungsmittel für diesen Liganden aufgetropft
wird oder eine Lösung aufgetropft, in der ein weiterer Ligand gelöst ist,
der gleichzeitig mit dem über den Gasstrom zugeführten Liganden in die
Kristallstruktur des Proteinkristalls eingebaut werden soll. Das Lösungsmittel
für den Liganden kann natürlich zusätzlich auch über den Gasstrom
dem Proteinkristall zugeführt werden. Hierzu kann ein Verdampfer eingesetzt
werden, um das Lösungsmittel vorher in die Gasphase zu überführen.
Auch ein Ligand, der über den Gasstrom zugeführt werden soll, kann über
den Verdampfer dem Gasstrom zugeführt werden. Auch beim oben beschriebenen
Cryo-Soaking kann z.B. über den Gasstrom Lösungsmittel
mit Ligand dem Proteinkristall zugeführt werden, während über das
Mikrodosiersystem ein Cryo-Puffer auf den Mikrokristall aufgetropft wird.
In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung
kann ein erfindungsgemäßes Verfahren im Wege des Hochdurchsatzes auch
zur Identifikation von Verbindungen genutzt werden, die Komplexbildungseigenschaften
aufweisen. Hierzu sind erfindungsgemäße Verfahren geeignet, wobei ein
Proteinkristall, wie bspw. in der DE 198
42 797 C1 oder in 1 gezeigt montiert wird
und (a) ein potentieller Ligand in Mikrotropfen einer Flüssigkeit nach einem
erfindungsgemäßen Verfahren auf den Proteinkristall aufgebracht wird,
(b) in einem zeitlichen Abstand von variabler Länge Beugungsintensitäten
gemessen werden, wobei mindestens eine Aufnahme, vorzugsweise 2 bis
10 Aufnahmen, zu jedem Zeitpunkt aufgenommen werden, und (c) diese im zeitlichen
Abstand gemessenen Beugungsintensitäten, die typischerweise verschiedene Akkumulierungszustände
des potentiellen Liganden auf dem Proteinkristall widerspiegeln, miteinander in
ihrer zeitlichen Abfolge verglichen werden. Hierbei ist es besonders bevorzugt,
wenn der Proteinkristall in einer Orientierung während aller Beugungsaufnahmen
verbleibt. Auf diesem Weg wird es erfindungsgemäß möglich mit nur
einem Proteinkristall und einzelnen Röntgenaufnahmen (ohne einen vollständigen
Datensatz aufnehmen zu müssen), die Komplexbildung nachzuweisen und damit die
Testsubstanz als Liganden oder als nicht-bindend zu identifizieren. Mit zunehmender
Komplexbildung nimmt nämlich die Korrelation zum völlig unbesetzten Ausgangszustand
des Proteinkristalls ab, weswegen (im zeitlichen Abstand wachsende) Intensitätsunterschiede
des Reflexe die Komplexbildung indizieren. Ein derartiges Verfahren kann als Hochdurchsatzverfahren
durchgeführt werden, da eine nichtbindende Substanz verworfen werden kann und
mit einer anderen Substanz das Verfahren gemäß Schritten (a) bis (c) wiederholt
werden kann. Innerhalb von wenigen Minuten kann erfindungsgemäß eine Testsubstanz
als Ligand identifiziert oder als nichtbindend verworfen werden.
Die vorliegende Erfindung wird durch die 4
und 5 näher erläutert:
4: Der kovalent gebundene Inhibitor sowie einzelne
Aminosäuren in der Umgebung des Aktiven Zentrums des Thrombins um Ser195 sind
als stick-Modell dargestellt. Sauerstoffatome sind rot, Schwefelatome gelb, Stickstoffatome
blau und Kohlenstoffatome grau dargestellt. Der Inhibitor ist zusätzlich von
seiner 2Fo–Fc-Elektronendichte (kontouriert bei 1&sgr;)
überlagert. Der Inhibitor ist in seiner Elektronendichte eindeutig definiert.
In der experimentell bestimmten Elektronendichte ist deutlich die
kovalente Bindung des PMSFs am Ser195 zu erkennen (4),
die sich von der des ursprünglich im Kristall gebundenen Benzamidins signifikant
unterscheidet. Damit wurde der Beweis geführt, daß der Ansatz des Auftropfens
von Picoliter-Tropfen auf einen Proteinkristall unter Verwendung des Free Mounting
Systems funktioniert
5: Das Spaltprodukt Pro-Ile des Inhibitors Diprotin
A sowie einzelne Aminosäuren in der Umgebung des Aktiven Zentrums der DPIV
um Ser630 sind als stick-Modell dargestellt. Sauerstoffatome sind rot, Stickstoffatome
blau und Kohlenstoffatome grau dargestellt. Der Inhibitor sowie Ser630, das kovalent
an den Inhibitor gekoppelt ist, ist zusätzlich von seiner 2Fo–Fc-Elektronendichte
(kontouriert bei 1&sgr;) überlagert. Der Inhibitor ist in seiner Elektronendichte
eindeutig definiert (5).
Vom eingesetzten Tripeptid mit der Sequenz Ile-Pro-Ile ist das C-terminale
Isoleucin abgespalten, während das Dipeptid kovalent mit Ser630 weiterhin verknüpft
ist und nicht abgespalten wird. Insofern verhält sich Diprotin A eher wie ein
Suizid-Substrat und nicht wie ein Inhibitor.
Die vorliegende Erfindung wird durch die nachfolgenden Ausführungsbeispiele
näher beschrieben.
Ausführungsbeispiele
1. Ausführungsbeispiel
Bindung von Phenylmethylsulfonyl-Flourid (PMSF) an humanes &agr;-Thrombin
Ein Thrombin-Kristall wurde bei der zuvor ermittelten Startfeuchte
von 93 % mit einem „Loop" auf dem Free Mounting System montiert. Überschüssiger
Reservoirpuffer wurde aus dem „Loop" vorsichtig unter dem Mikroskop mit einem
Filterpapierstreifen entfernt. Die Stabilität bzw. die Konstanz der Größe
des Kristalls wurde mit Hilfe des Videosystems kontrolliert.
Darauf wurde die Piezopipette mit einer 100 mM Lösung von PMSF,
einem Liganden (Inhibitor) von Thrombin, in Isopropanol befüllt.
Es wurde hier eine hochkonzentrierte PMSF-Lösung in einem organischen Lösungsmittel
verwendet.
Anschließend wurde der Kristall mit einzelnen Tropfen („single
shot" Modus) der Lösung „beschossen". Das insgesamt aufgetropfte Volumen
entsprach ungefähr dem Volumen des Kristalls, also ca. 300 pl. Bei der sehr
hohen eingesetzten PMSF-Konzentration entspricht dies ca. einem 3–4-fachen
molaren Überschuß des Inhibitors. Dabei wurde nach jedem Auftropfen die
Projektion der Fläche des Kristalls beobachtet und bis zum nächsten Auftropfen
so lang gewartet, bis die Fläche wieder konstant blieb. Die einzelnen Parameter
des Experiments sind Tabelle 1 zu entnehmen.
Tabelle 1
Startfeuchte [% r.h.]
93
Größe der aufgebrachten Tropfen [pl]
ca. 30
Anzahl der augebrachten Tropfen
10
Spannung [V]
39,1
Pulsweite [&mgr;s]
450
Nach Abschluß des Auftropfens wurde der Kristall mit PFPE-Öl
(Perfluoropolyether) benetzt und in flüssigem Stickstoff schockgefroren. Der
röntgenkristallographische Datensatz wurde auf einer rotierenden Kupferanode
aufgenommen. Die Prozessierung der Daten erfolgte mit den Programmen XDS und XSCALE,
Verfeinerung und manueller Modellbau wurden mit den Programmen CNX und O durchgeführt.
Die Statistiken von Datensammlung, Prozessierung und Verfeinerung sind in Tabelle
2 angegeben. Trotz des Auftropfens des reinen Lösungsmittels wurde die Diffraktionsqualität
des Kristalls nicht beeinträchtigt, wie insbesondere anhand des Wertes von
Rmeas zu erkennen ist.
Tabelle 2
Inhibitor
PMSF
Strahlungsquelle
Rotierende Kupferanode
Wellenlänge [Å]
1,5418
Detektor
MAR Imageplate
Temperatur [K]
100
Raumgruppe
C2
Zellparameter:
a ≠ b ≠ c [Å]
70,8; 72,8; 72,7
&agr; = &ggr; = 90°; &bgr;
99,77
[°]
Auflösung [Å]
2,57
Unabhängige
10892
Reflexe
I/&sgr;1
7,3 (2,9)
Vollständigkeit1
91,7 (94,5)
[%]
Rmeas
1,2 [%]
11,8 (40,4)
Rcryst
1[%]
19,8
Rfree
2 [%]
26,4
-
1 Werte in Klammer gelten für die äußerste Auflösungsschale
-
2 Rmeas = &Sgr; |Iobs – <I>|/&Sgr;
<I>
Eine graphische Darstellung der Ergebnisse der röntgenkristallographischen
Untersuchung ist 4 zu entnehmen.
2. Ausführungsbeispiel
Bindung von Diprotin A an Dipeptidyl-Peptidase IV (DPIV) aus Schwein
Die Kristalle der DPIV zeigen im nativen Zustand ein nur sehr eingeschränktes
Streuverhalten. Erst durch Feuchte-Optimierung mit dem „Free Mounting System"
lässt sich die erreichbare Auflösung der Kristalle aber entscheidend verbessern.
Im optimierten Zustand bei reduzierter Feuchte zeichnen sich die Kristalle zudem
durch eine erhöhte Stabilität aus und sind somit besser für „Soaking"-Experimente
durch das Auftropfen geeignet.
Im vorliegenden Experiment wurde ein Kristall der DPIV bei der zuvor
bestimmten Startfeuchte von 97 % mit dem „Free Mounting System" montiert.
Zur Optimierung wurde die Feuchte in einem Gradient von 0,5 % Feuchteänderung
pro 60 s auf 89 % r.h. abgesenkt. Die Transformation des Kristalls, die durch eine
deutliche Verbesserung der Auflösung gekennzeichnet ist, beginnt bereits bei
94 % r.h. und erreicht bei 89 % r.h. ihr Maximum. Während des Auftropfens wurde
daher die Feuchte konstant gehalten.
Als Ligand wurde eine Inhibitor-Lösung von wässriger Diprotin
A Lösung (50 mM) verwendet. Bei Verwendung einer wässrigen Lösung
sind im Vergleich zu organischen Lösungsmitteln kleinere Tropfengrößen
zu erreichen, wodurch der Kristall noch schonender behandelt wird. Während
des Auftropfens der Lösung wurde permanent die Fläche des Kristalles beobachtet
und erst dann der nächste Tropfen aufgetragen, wenn die Fläche sich nicht
mehr änderte. Die Gesamt-Menge an aufgetropften Inhibitor entspricht einem
ca. 10-fachen molaren Überschuß. Die einzelnen Parameter des Experiments
sind Tabelle 3 zu entnehmen.
Tabelle 3
Startfeuchte [% r.h.]
97
Feuchte-Gradient
0,5 %/60 s
Optimum der Feuchte [%]
89
Größe der aufgebrachten Tropfen [pl]
ca. 5–10
Anzahl der aufgebrachten Tropfen
80
Spannung [V]
39,2
Pulsweite [&mgr;s]
10
Nach Beendigung des Auftropfen wurde der Kristall unter Verwendung
von PFPE-Öl (Perfluoropolyether) als Cryo-Protectant in flüssigem Stickstoff
eingefroren. Die anschließende röntgenkristallographische Datensatzaufnahme
erfolgte auf einer rotierende Kupferanode. Prozessiert wurden die Daten mit den
Programmen XDS und XSCALE, Verfeinerung und manueller Modellbau wurden mit den Programmen
CNX und O durchgeführt. Die Statistiken von Datensammlung, Prozessierung und
Verfeinerung sind in Tabelle 4 angegeben.
Tabelle 4
Inhibitor
Diprotin A
Strahlungsquelle
Rotierende Kupferanode
Wellenlänge [Å]
1,5418
Detektor
MAR Imageplate
Temperatur [K]
100
Raumgruppe
P1
Zellparameter:
a ≠ b ≠ c [Å]
62,3; 118,5; 133,1
&agr; ≠ &bgr; ≠ &ggr; [°]
112,7; 94,9; 90,9
Auflösung [Å]
2,59
Unabhängige
103898
Reflexe
I/&sgr;1
14,0 (4,1)
Vollständigkeit1
93,5 (89,4)
[%]
Rmeas
1,2 [%]
6,1 (28,0)
Rcryst
1 [%]
22,6
Rfree
2 [%]
27,5
Die Ergebnisse der röntgenkristallographischen Untersuchung sind
in 5 dargestellt. Mit diesem Ausführungsbeispiel
wird das große Potential erfindungsgemäßer Verfahren unter Verwendung
von Microdosiersystemen (und Free Mounting) deutlich, da hier parallel ein Kristall
optimiert und durch das Auftropfen ein Inhibitor gebunden werden konnte.
3. Ausführungsbeispiel
Bindung von Pefabloc an humanes &agr;-Thrombin durch langsames
Akkumulieren
Eine weitere Möglichkeit, insbesondere schwerlösliche Liganden
(Inhibitoren) an kristallisierte Proteine zu binden, besteht im langsamen Akkumulieren
des Inhibitors, der im wässrigen System gelöst ist. Beim klassischen „Soaking"
ist man stets darauf angewiesen, daß die Konzentration des Inhibitors in der
Lösung nicht zu gering ist. Daher ist es häufig notwendig, dem Ansatz
zur Erhöhung der Löslichkeit Lösungsmittel beizumischen, was die
empfindlichen Proteinkristalle u.U. schädigt oder sogar zerstört.
Mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. bei Durchführung
eines erfindungsgemäßen Verfahrens wurde zur schonenderen Behandlung ganz
auf Lösungsmittel verzichtet, da sich der Inhibitor auch bei nur geringer Löslichkeit
durch häufiges Auftropfen im Kristall akkumuliert, wodurch die Wahrscheinlichkeit
der Bindung wesentlich erhöht wird. Durch die Beobachtung des Kristalls mit
dem Videosystem wurde gewährleistet, daß der Kristall nicht zu stark befeuchtet
wurde. Ein neuer Tropfen wurde erst dann aufgebracht, wenn der vorherige Tropfen
bereits verdunstet war. Aus den Angaben über die Löslichkeit des jeweiligen
Inhibitors, der Tropfengröße und der Anzahl der Moleküle im Kristall
konnte sogar die Anzahl der aufzubringenden Tropfen berechnet werden.
Als Inhibitor wurde Pefabloc SC (4-(2-Aminoethyl)-benzolsulfonyl-fluorid-hydrochlorid,
Ki: 6,5 &mgr;M) verwendet, der sich durch eine hohe Stabilität
im wässrigen System auszeichnet.
Es wurde die Anzahl benötigter Tropfen für eine Stöchiometrie
von Inhibitor zu Protein von 2:1 errechnet unter folgenden Randbedingungen: bei
einem Kristall-Volumen von 300 pl und einer Dichte des Kristalls von ca. 1,3 g/ml
ergab sich für die Masse des Kristalls = 390 ng. Unter Berücksichtigung
des Molekulargewichts von Thrombin (ca. 40 kDa) ergab sich eine Konzentration des
Thrombins im Kristall ca. 9,75 pmol/300 pl bzw. 32,5 mM. Da es das Ziel war, den
Inhibitor im stöchiometrischen Verhältnis von 2:1 aufzubringen, um eine
möglichst hohe Besetzung zu erreichen, betrug die benötigte Menge des
Inhibitors: 19,5 pmol (9,75 pmol × 2).
Die Menge an aufzutropfender Inhibitor-Lösung hängt von
der Konzentration des Inhibitors ab und wurde experimentell für drei Konzentrationen
unter der Annahme einer Tropfengröße von 10 pl, wie sie bei Verwendung
von Wasser realisierbar ist, gewählt, wie in Tabelle 5 dargestellt. Bei einer
üblichen relativen Feuchte zwischen 90 und 100 % r.h. konnte regelmäßig
1 Tropfen pro sec auf den Kristall aufgebracht werden. Die Frequenz wurde aber deutlich
erhöht, wenn bei reduzierter Feuchte im Hüllstrom, die zu einem Austrocknen
der Kristalle führt, der Verlust an Feuchtigkeit durch ein schnelleres Auftropfen
ausgeglichen und somit die rel. Feuchte am Kristall konstant gehalten werden mußte.
Dadurch wurde eine Frequenz von 20 Tropfen pro Sekunde ermöglicht. Die sich
daraus bei verschiedenen Inhibitorkonzentrationen ergebenden Zeiten sind ebenfalls
in Tabelle 5 dargestellt.
Tabelle 5
Inhibitor-Konzentration
Gesamtvolumen an aufzutropfen- der Lösung [&mgr;l]
Anzahl der Tropfen (Tropfenvolumen 10 pl)
Dauer des Experi-ments [h] bei 20 Tropfen/sec
100 &mgr;M
0,195
19.500
0,3
10 &mgr;M
1,95
195.000
2,7
1 &mgr;M
19,5
1.950.000
27,1
Beim Experiment mit humanen &agr;-Thrombin und dem Inhibitor Pefabloc
unter Verwendung einer Konzentration von 100 &mgr;M wurden die folgenden, aus
Tabelle 6 entnehmbaren experimentellen Parameter gewählt. Durch die erhöhte
Frequenz beim Auftropfen wurde die reduzierte Feuchte während des Experimentes
ausgeglichen werden.
Tabelle 6
Startfeuchte [% r.h.]
93
Feuchte beim Auftropfen [% r.h.]
ca. 80
Inhibitor-Konz. [&mgr;M]
100
Größe des Proteinkristalls [pl]
250
Größe der aufzubringenden Tropfen [pl]
ca. 10
Frequenz [s–1]
10
Anzahl der aufzubringenden Tropfen
17.000
Spannung [V]
41,0
Pulsweite [&mgr;s]
450