Die Erfindung betrifft einerseits ein Verfahren zur Lokalanalyse und
Verteilungsanalyse und gleichzeitig ein Verfahren zur quantitativen Bestimmung von
Elementkonzentrationen. Ferner betrifft die Erfindung eine zur Durchführung
der vorgenannten Verfahren geeignete Vorrichtung.
Stand der Technik
Als Analysenmethode zur Messung von lateralen Elementverteilungen
im &mgr;m Bereich und zur Bestimmung von Spurenelementen bis in den ng/g und sub-ng/g
– Konzentrationsbereich werden derzeit in der Massenspektrometrie zur direkten
Ablation des zu untersuchenden festen Probenmaterials verschiedene Verfahren z.
B. unter Verwendung von fokussierten Laserstrahlen angewandt. Bekannt ist beispielsweise
das Verfahren der Laserablation – induktiv gekoppelten Plasmamassenspektrometrie
(LA-ICP-MS) in der Spuren- und Mikrolokalanalyse. Dieses Verfahren ist nachteilig
jedoch nicht in der Lage, Elementverteilungen und -konzentrationen im nanoskaligen
Maßstab, insbesondere unterhalb von 100 nm zu bestimmen, wie sie beispielsweise
bei der Analyse an Zellorganellen gefordert wird.
Andere Analysenverfahren mit einem lateralen Auflösungsvermögen
von 50–100 nm, wie beispielsweise die Rasterelektronenmikroskopie (SEM-EDX),
die Augeremissionsspektroskopie (AES) oder die Sekundärionen-Massen-spektrometrie
(SIMS), sind regelmäßig nicht empfindlich genug oder sogar ungeeignet,
quantitative Analysendaten von Spurenelementen in untersuchten Probenmaterialien
zu liefern. Zudem sind diese Analysenverfahren in der Regel nicht für Verteilungsanalysen
nicht leitender Probenmaterialien infolge von Aufladungseffekten auf der Probenoberfläche
geeignet und machen dementsprechend speziell zu entwickelnde Techniken erforderlich.
In zunehmenden Maße werden in der Analytik Laser, wie beispielsweise
der Nd-YAG-Laser mit einer Wellenlänge im UV-Bereich (&lgr;-266 nm oder 213
nm), eingesetzt. Diese Laser werden häufig für den Probeneintrag in nachweisstarke
ICP-Massenspektrometer (LA-ICP-MS: laser ablation inductively coupled plasma mass
spectrometry) verwendet. Zurzeit sind Nd-YAG-Lasersysteme mit einem Laserspotdurchmesser
von einigen &mgr;m bis zu einigen hundert &mgr;m zur Mikrolokalanalyse kommerziell
verfügbar (z. B. LSX 200, CETAC Technologies, Ohama, USA oder UP 213, New WAVE
Research, Fremont, USA).
Nachteilig reicht die Leistungsdichte solcher Lasersysteme in der
Regel nicht aus, um bei einem lateralen Auflösungsvermögen der LA-ICP-MS
im unteren &mgr;m-Bereich, biologische Matrizes direkt mit hoher Effizienz zu
ablatieren. Der begrenzende Faktor ist dabei die Beugungsgrenze, die ein Laser regelmäßig
nicht unterschreiten kann. Dies bedeutet, dass die mögliche minimale Auflösungsgrenze
im Bereich einer Wellenlänge des Lasers liegt. Ortsaufgelöste Analysen
unterhalb von 1 &mgr;m sind daher regelmäßig gar nicht möglich.
In US 2002/0163735 A1
wird beispielsweise ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Erzeugung einer radial
homogenisierten, hoch energetischen Laserstrahlung für die Probenablation und
weiteren Analyse durch ICP-MS beschrieben, bei der die Laserstrahlung mit einer
Leistung von mindestens 30 J/cm2 über ein Mittel zur Homogenisierung
auf eine Fläche mit einem Durchmesser von wenigstens 40 &mgr;m auf die Oberfläche
der Probe geleitet wird.
Ferner wird in DE 199 34 561
A1 ein Elementaranalyseverfahren zur Detektion von Spurenelementen aus
Eisproben offenbart, bei der durch ein Laserablations-ICP-MS-Verfahren gefrorene
Materialproben untersucht werden. Dabei wird ein Nd:YAG-Laserstrahl über eine
Transfer- und Fokussierungsoptik auf die Eisprobe geleitet.
US 6,482,199 B1 beschreibt ein Verfahren
und eine Vorrichtung zur schnellen, hochpräzisen und variablen Materialmodifikation.
Dabei wird eine gepulste elektromagnetische Strahlung auf ein Target geleitet, um
unterschiedliche Materialmodifikationen zu erzielen, unter andern auch die Schmelz-
oder Verdampfungsablation des Materials. Die Steuerung des Energieeintages erfolgt
dazu neben der Variation der Einstrahldauer u. a. auch durch Variation des Strahlungsdurchmessers
auf dem Target.
Für viele medizinisch-molekularbiologische Fragestellungen wird
jedoch ein laterales Auflösungsvermögen des zu verwendenden Analysenverfahrens
von einigen hundert nm bis in den unteren nm-Bereich gefordert. Eine solche Ortsauflösung
könnte dazu führen, dass eine direkte Nanolokalanalytik an einzelnen Zellorganellen
durchführbar wäre, und gleichzeitig eine ortsaufgelöste Verteilungsanalytik
im Nanometerbereich der interessierenden Elemente, wie beispielsweise Cu, Zn, S,
Fe und P ermöglicht würde.
Nahfeld-optische Techniken werden derzeit intensiv erforscht und verbessert,
um beispielsweise eine wesentlich höhere Ortsauflösung in der optischen
Mikroskopie zu erhalten. Eine extrem hohe Auflösung kann erreicht werden, wenn
Licht im Nahfeld gestreut oder detektiert wird. Dies ist beispielsweise das Prinzip
eines nahfeldoptischen Mikroskops. Anwendungen der Nahfeldoptischen Mikroskopie
reichen von festkörperphysikalischen Problemen bei tiefen Temperaturen über
Untersuchungen an Halbleiterproben bis zu biologischen Fragestellungen.
In dem Aufsatz "Nanoscale Atmospheric Pressure Laser Ablation Mass
Spectrometry" von R. Stöckle et al. (Anal. Chem. 73, 2001, 1399–1402)
wird ein Verfahren beschrieben, das die Nahfeld-Laserablation zur Erzeugung neutraler
Moleküle aus einer Antracen-Kristalloberfläche nutzt. Diese wurden über
ein Interface (suction tube: 20 &mgr;m Stahlkapillare) in eine Elektronenstoßionenquelle
eines Quadrupol-Massenspektrometers extrahiert. Die Laserablation des organischen
Materials wurde mit Hilfe eines frequenzverdreifachenden Nd-YAG-Lasers mit einer
Wellenlänge von 355 nm und mit 250 &mgr;J Energie pro Puls durchgeführt,
dessen Laserstrahl in eine speziell präparierte optische Faser mit ausgezogener
Spitze für die Nahfeldoptik eingekoppelt wurde. Diese Spitze hatte eine 170
nm Aperture. Die mit Hilfe der Laserablation erzeugten Krater auf der Antracen-Kristalloberfläche
wiesen dabei etwa denselben Durchmesser auf. Heutzutage lassen sich mit der Nahfeldoptik
Aperturen mit einigen wenigen Nanometern Durchmesser erzeugen. Der Durchlässigkeitsgrad
solcher Aperturen liegt aber deutlich unterhalb von 10–8.
Die physikalischen Grundlagen der Nahfeldverstärkung sind der
Funktionsweise eines Blitzableiters im elektrostatischen Feld ähnlich. Ein
leitendes Objekt in einem quasistatischen elektrischen Feld ruft eine lokale Feldintensitätsüberhöhung
in der Nähe seiner Oberfläche hervor, die umso stärker ist, je ausgedehnter
das Objekt ist. Eine ähnliche Situation kann auch in Feldern optischer Frequenz
realisiert werden. Eine Voraussetzung dafür ist, dass der Krümmungsradius
des leitenden Objekts viel kleiner als die Wellenlänge der optischen Strahlung
ist. Die tatsächliche Feldverstärkung bei realen Metallen durch die Anregung
der sogenannten Plasmonresonanzen (Eigenschwingungen des Elektronengases an der
Metalloberfläche) kann aber deutlich höher als die rein statische sein.
Genaue Berechungen auf der Basis der Maxwell-Gleichungen in der so
genannten Nahfeldzone ergeben, dass es je nach der Form und den optischen Eigenschaften
des Objektes eine optimale Objektgröße und eine Strahlungswellenlänge
gibt, bei der der Feldverstärkungsfaktor am größten ist. Beispielsweise
weist ein sphärisches Teilchen aus Silber einen maximalen Feldverstärkungsfaktor
von ca. 40 an seiner Oberfläche auf, wenn es mit Licht mit einer Wellenlänge
von 400 nm bestrahlt wird. Streckt man dieses Teilchen bis auf ein Achsenverhältnis
von 1:4, so erhöht sich der Feldverstärkungsfaktor auf 500, wobei sich
die Resonanzwellenlänge auf 575 nm verschiebt. Dabei wird vorausgesetzt, dass
der elektrische Vektor der einfallenden Lichtwelle entlang der großen Hauptachse
des Teilchens liegt. Einen ähnlichen Feldverstärkungseffekt kann man nicht
nur bei isolierten Teilchen beobachten, sondern auch an der nm-scharfen Spitze einer
Metallnadel, die mit Licht aus rotem oder infrarotem Spektralbereich bestrahlt wird,
und bei der der elektrische Vektor der einfallenden Lichtwelle entlang der Spitzachse
angeordnet ist.
Beträgt die eingestrahlte Laserleistungsdichte mehr als 109
W/cm2, so wird das Probenmaterial nahezu stöchiometrisch ablatiert.
Unter einer stöchiometrischen Ablation im Sinne dieser Erfindung wird verstanden,
dass die atomare Zusammensetzung des durch die Laser-Festkörperwechselwirkung
entstandenen Dampfes identisch der des Laser bestrahlten Festkörpers ist. Dies
ermöglicht vorteilhaft eine einfache semiquantitative Analyse des Probenmaterials,
wobei die Elementkonzentrationen in beliebigen Probenmaterialien mit einem Fehlerfaktor
von 2 bis 3 bestimmbar sind. Bei dieser eingestrahlten Laserleistungsdichte wird
die Quantifizierung der massenspektrometrischen Analysendaten wesentlich vereinfach,
da Fraktionierungseffekte in der Regel minimiert werden.
Aufgabe und Lösung
Die Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zu Verfügung
zu stellen, welches einerseits eine qualitative Lokal- und Verteilungsanalyse im
Nanometerbereich und gleichzeitig die quantitative Bestimmung von Elementkonzentrationen
in verschiedenen Probenmaterialien ermöglicht.
Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist es, eine zur Durchführung
des Verfahrens geeignete Vorrichtung zu schaffen.
Die Aufgaben der Erfindung werden gelöst durch ein Verfahren
mit der Gesamtheit an Merkmalen gemäß Hauptanspruch 1, sowie durch eine
Vorrichtung mit der Gesamtheit an Merkmalen gemäß Nebenanspruch 4. Vorteilhafte
Ausführungen des Verfahrens und der Vorrichtung finden sich in den jeweils
darauf rückbezogenen Ansprüchen.
Gegenstand der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren, bei dem ein Laser induziertes
Nanoplasma zur stöchiometrischen Laserablation des untersuchten Materials eingesetzt
wird. Dabei können neben beliebigen Festkörperproben auch vorteilhaft
biologische Materialien untersucht werden.
Unter biologischen Materialien sind dabei insbesondere Materialien
in Zellorganellen (z. B. Mitochondrien) in isolierten Proteinspots in zweidimensionalen
Gelen, biologische Gewebeschnitte oder biologische Nanostrukturen zu verstehen.
Die Laserablation des biologischen Materials erfolgt in der Regel in
einer Laserablationskammer mit einem gekühlten Targethalter. Die Laserablationskammer
ist vorteilhaft mit einem ICP-MS oder auch weniger empfindlichen ICP-OES (OES-optical
emission spectrometry) gekoppelt. Der Beschuss der Probenoberfläche erfolgt
mit Photonen eines Lasers, wobei eine Ortsauflösung (Laserspotdurchmesser)
auf der Oberfläche der Probe von weniger als 1 &mgr;m, insbesondere unterhalb
von 0,5 &mgr;m und vorteilhaft sogar unterhalb von 0,1 &mgr;m realisierbar ist.
Besonders vorteilhaft wird eine Ortsauflösung sogar bis in den Bereich von
20 bis 30 nm erreicht. Zusätzlich können aber mit diesem Laser ebenso
Bulkanalysen, das bedeutet Multielementanalysen am Probenmaterial mit einem Laserspotdurchmesser
im unteren &mgr;m bis zu 300 &mgr;m Bereich, durchgeführt werden.
Während der Messung wird auf die Probenoberfläche ein gepulster
Laserstrahl der Leistungsdichte von wenigstens 109 W/cm2,
vorteilhaft sogar bis 1010 W/cm2 mit einem Spotdurchmesser
in einem weiten Bereich von einerseits 20–30 &mgr;m bis andererseits unterhalb
von 100 nm fokussiert. Die Ortsauflösung bis in den Nanometerbereich wird erfindungsgemäß
durch die Anwendung der Nahfeldtechnik ermöglicht. Dabei wird der Laserstrahl
in der Nähe der vom Laser bestrahlten Oberfläche an einer Metallspitze
im Nahfeld verstärkt, die in der Nähe des auf die Oberfläche der
Probe strahlenden Lasers angeordnet werden kann. Dazu ist beispielsweise eine ultrafeine
ganzmetallische Spitze geeignet, die aus Gold oder Silber besteht. Durch eine solche
metallische Spitze können regelmäßig Zerstörungen aufgrund der
sehr hohen Laserleistung verhindert werden.
Bei einer Leistungsdichte des Lasers von wenigstens 109
W/cm2, vorteilhaft sogar bis 1010 W/cm2 auf der
Oberfläche der Probe, erfolgt die Ablation des Probenmaterials in der Laserablationskammer
in der Regel stöchiometrisch. Das so ablatierte Probenmaterial wird anschließend
mit einem Trägergas, beispielsweise einem Argon-Strom, in das induktiv gekoppelte
Plasma (inductively coupled plasma ICP) eines hochselektiven ICP-Massenspektrometers
transportiert und ionisiert. Anschließend werden die Ionen nach ihrem Maße-
zu- Ladungsverhältnis separiert und empfindlich detektiert. Eine Bestimmung
der elementaren Zusammensetzung bis in den Ultraspurenbereich und eine Verteilungsanalyse
des untersuchten Probenmaterials sind dabei mit diesem erfindungsgemäßen
Verfahren möglich. Als alternatives Analysengerät kommt beispielsweise
auch die ICP-OES in Betracht.
Die Erfindung betrifft ferner eine Vorrichtung, die zur Durchführung
des vorgenannten Verfahrens geeignet ist. Die Vorrichtung umfasst dabei einen Laser
mit einer Leistungsdichte von wenigstens 109 W/cm2 auf der
Oberfläche einer zu analysierenden Probe, eine Laserablationskammer, sowie
ein nachgeschaltetes Massenspektrometer. Zur Anwendung der Nahfeldtechnik weist
die Laserablationskammer eine Metall aufweisende Spitze auf, die in der Nähe
des auf die Oberfläche der Probe strahlenden Lasers angeordnet werden kann.
Dazu ist beispielsweise eine ultrafeine ganzmetallische Spitze geeignet. Diese besteht
vorteilhaft aus Gold oder Silber. Die Spitze bewirkt vorteilhaft eine Verstärkung
der elektrischen Feldes des Laserlichtes.
Die Spitze ist auf einer Vorrichtung zur Positionierung der Spitze
in der Nähe der Probe angeordnet. Diese Positionierungsvorrichtung lässt
sich vorteilhaft in allen drei Raumrichtungen verschieben. Die Schrittweite sollte
insbesondere bei wenigstens 2 &mgr;m liegen.
Auch der gesamte Probentisch mit der Laserablationskammer und der
Positioniervorrichtung für die Spitze sind vorteilhaft auf einer 3-dimensionale
Verschiebeeinheit angeordnet, die ebenfalls eine Verschiebeauflösung von wenigstens
2 &mgr;m aufweisen sollte.
Optional ist zusätzlich ein hochauflösendes Mikroskop vorgesehen,
so dass neben der spektroskopischen Analyse auch eine mikroskopische Untersuchung
an der Probe vorgenommen werden kann.
Ein erfindungsgemäßes Laserablationssystem unter Anwendung
der nanoskaligen Nahfeldoptik, das mit einem hochempfindlichen ICP-Massenspektrometer
gekoppelt ist, ist insbesondere dazu geeignet, molekularbiologische Untersuchungen
mit einem Auflösungsvermögen von einigen hundert nm durchzuführen,
um beispielweise Akkumulationen oder Defizite von Metallen (Cu, Fe u. a.) in situ
in fixierten Zellen zu erfassen, die Ursachen schwerer Erkrankungen des Menschen
sind.
Mittels der erfindungsgemäßen Nahfeld-Laserablations-ICP-Massenspektrometrie
(NF-LA-ICP-MS) kann über ein schnelles Scanningverfahren zur simultanen und
direkten Elementanalyse eine einfache Diagnose von mitochondrialen Speichererkrankungen
beim Menschen ermöglicht werden. Für die Laserablation ICP-MS von Proteinspots
in 2D-Gelen reicht oft ein Spotdurchmesser im Laserfokus von einigen &mgr;m bei
entsprechender Leistungsdichte von 109 W/cm2 aus. Es ist jedoch
zur Analyse überlappender Proteinspots eine Fokussierung des Laserstrahls auf
die Probenoberfläche im nm Bereich wünschenswert, so wie es vorteilhaft
durch die vorgenannte Vorrichtung realisiert werden kann. Darüber hinaus wird
mit der nanoskaligen NF-LA-ICP-MS die direkte Verteilungsanalyse an biologischen
Proben (Gewebeschnitten, Zellorganellen, Mitochondrien) ermöglich. Dies stellt
dem medizinischen Bereich eine Methode zur Verfügung, die beispielsweise eine routinemäßige
Kontrolle und Analyse des Elementgehaltes von distinkten, mit humanen Erkrankungen
korrelierten Proteinen zur Diagnose von Erkrankungen erlaubt.
Spezieller Beschreibungsteil
Nachfolgend wird der Gegenstand der Erfindung anhand von zwei Figuren
näher erläutert, ohne dass der Gegenstand der Erfindung dadurch eingeschränkt
werden soll.
Dabei zeigen die
1: Experimentelle Anordnung des erfindungsgemäßen
Analysenverfahrens.
2: Detaillierte Anordnung der Laserablationskammer
mit Nahfeldverstärkung durch eine verstellbare metallische Spitze.
Dabei bedeuten in den Figuren:
- 1
- Laserablationskammer
- 2
- metallische Spitze aus Gold oder Silber zur Erzielung der Nahfeldverstärkung
- 3
- Festkörperlaser (Nd-YAG-Laser)
- 4
- Frequenzverdoppler (Second Harmonic Generation = SHG)
- 5
- Frequenzverdreifacher (Third Harmonic Generation = THG)
- 6
- Frequenzverfünfacher (Quintuple Harmonic Generation = QHG)
- 7
- CCD-Kamera
- 8
- Zoom Mikroskop
- 9
- Hochauflösendes Mikroskop
- 10
- Probe
- 11
- Blende
- 12
- Zoom System
- 13
- Fokussierlinse
- 14
- Peltier Kühlelement
- 15
- Mikromanipulatorversteller (x/y/z: 2 &mgr;m Auflösung)
- 16
- Positioniervorrichtung für metallische Spitze
- 17
- Dichtung, beispielsweise einen Wellenbalg
Als Ausführungsbeispiel wird eine erfindungsgemäße
Vorrichtung vorgestellt, die den folgenden Anforderungen an ein hochortsauflösendes
Analysenverfahren genügt:
- – Entwicklung eines bis in den nm Bereich fokussierbarer Laser mit einer
Laserleistungsdichte von wenigstens 109 W/cm2 für Laserablation
biologischer oder anderer Festkörperproben bei einer Wellenlänge im infrarotem
Bereich. Bei Ausnutzung der Nahfeldverstärkung mit Silberspitze sollte die
Wellenlange zwischen 500 und 600 nm liegen. Zusätzlich ist der Aufbau eines
Mikromanipulators und eine stärkere Vergrößerung zur Beobachtung
der Oberfläche mit einem leistungsfähigen Mikroskop erforderlich.
- – Entwicklung einer speziellen Ablationskammer (kühlbar) für
die direkte Analyse von Gewebeschnitten oder einzelnen Zellen.
Um biologische Proben, wie Gewebeschnitte oder Zellorganellen direkt
zu analysieren, sollte der Probenhalter in der Laserablationskammer (z. B. mit einem
Peltierelement) gekühlt werden.
Das erfindungsgemäße Analysensystem ist insbesondere gekennzeichnet
durch ein Laserablationssystem mit folgenden Elementen und Eigenschaften:
- – Ag-Nadel (metallische Spitze) und Mikromanipulator
- – Blitzlampengepumpter Nd-YAG Festkörperlaser in MOPA (Oszillator-Verstärker
Anordnung)
- – Emission gepulster Strahlung mit Pulsbreite < 5 ns, Wiederholraten
von bis zu 20 Hz und gausförmigen transversalen Strahlenprofil.
- – Frequenzkonversion durch harmonische Vervielfachung unter Ausnutzung
nicht linearer Effekte in doppelbrechenden Kristallen
- – Gleichzeitige Generierung von gepulster Laserstrahlung der Wellenlänge
1064 nm, 532 nm und 213 nm. Je nach Applikation kann die jeweilige Strahlung entsprechender
Wellenlängen mittels Kippspiegel zu-oder abgeschaltet werden.
- – Nachgeschalteter Strahlengang bestehend aus Abschwächer, Energiemessung,
Strahlmanipulator, Wellenlängenseparatoren und Fokussieroptik.
- – Fokussieroptik bestehend aus Zoomteleskop und Objektivlinse, Strahlung
der Wellenlänge 213 nm kann kleiner als 10 &mgr;m auf Probenoberfläche
fokussiert werden.
- – Fokussieroptik für gleichzeitige Fokussierung der Strahlungen
der Wellenlängen 1064 und 532 nm auf Nanospitze.
- – Echtzeit Probenbeobachtung mit Hilfe eines Zoommikroskops, einer CCD
Kamera und einer Bildbearbeitungssoftware während des Ablationsprozesses (erforderliche
Auflösung <2 &mgr;m).
- – 3 dimensionale Probenpositionierung mit einer Auflösung von <
2 &mgr;m.
- – Einsatz eines zusätzlichen, stark vergrößernden optischen
Mikroskops (< 500×) außerhalb der Strahlachse zur Feinpositionierung
der Nanospitze.
- – Ablationskammer mit Eintrittsfenster für Laserstrahlung, Beobachtung
und Mikromanipulatorversteller. Alle Eintrittsfenster sind abgedichtet
Die Quantifizierung der Analysenresultate der erfindungsgemäßen
NF-LA-ICP-MS kann, wie nachfolgend aufgeführt, über verschiedene Quantifizierungsstrategien
erfolgen.
- 1. Wurde die Struktur des zu untersuchten Proteins z. B. mit
MALDI-FTICR-MS aufgeklärt und ist die Zahl der S-Atome (z. B. in Cystein) bekannt,
so kann über das gemessenen X/S Ionenintensitätsverhältnis (X = S,
Fe, Si, Cu, Zn ...) unter Berücksichtigung der Untergrundkonzentrationen von
X und S und wenn S als Interstandardelement verwendet wird, alle beliebigen Elementkonzentrationen
im Protein bestimmt werden.
- 2. Korrektur mit relativen Elementempfindlichkeitsfaktoren, die an einem Matrix-angepassten
Standardreferenzmaterial (oder einem zu präparierenden Laborstandard) mit dem
erarbeiteten Analysenverfahren unter optimierten experimentellen Parameter bestimmt
werden.
- 3. Lösungskalibration der LA-ICP-MS unter Verwendung von Standardlösungen
(s. J.S. Becker, Spectrochim. Acta B57 (2002) 1805)
- 4. Entwicklung eines neuartigen Verfahrens zur Isotopenverdünnungsanalyse
unter Verwendung der Lösungskalibration: Hierbei erfolgt die Quantifizierung
des S, Cu, Zn, Fe, Si oder anderer Elemente mit mindestens zwei Isotopen über
die Zugabe des hochangereicherten Isotops in der Lösung nach Zerstäubung
mit einem mikrokonzentrischen Zerstäuber mit Desolvator durch Transport des
trockenen Aerosols in die Laserablationskammer und anschließend in das ICP-MS.
Man erhält zunächst ein konstantes Signal des zu messenden Isotopenverhältnisses.
Anschließend wird der Proteinspot ablatiert und die Isotopenmischung analysiert.
Aus der Änderung des Isotopenverhältnisses in der Mischung kann man über
die Formel der Isotopenverdünnungsanalyse die Elementkonzentration bestimmen.
- 5. Isotopenmarkierung eines Farbstoffes (z. B. Coomassie) oder anderer stöchiometrisch
proteinbindenden Agenzien mit hochangereichertem Nichtmetall- oder Metallisotopen
wie z. B. S-33 oder S-44 für Coomassie. Da Coomassie weitestgehend massenproportional
an Proteine bindet, kann somit S als Internstandardelement verwendet werden und
eine Quantifizierung wäre unter Verwendung des isotopenmarkierten Farbstoffes
mittels Isotopenverdünnungsanalyse möglich, d. h. über die Formel
der Isotopenverdünnung wäre die Elementkonzentrationen bestimmbar. Treten
Abweichungen in der Stöchiometrie der Bindung von Coomassie und Protein, wie
z. B. bei stark hydrophoben Proteinen auf, müssen andere Verbindungen, die
stöchiometrische Bindungen mit Proteinen ermöglichen, ausgewählt
werden. Zur Erarbeitung eines Quantifizierungsverfahrens müssen Kalibrierkurven
erstellt werden, d. h. Proteine mit bekannter abgestufter Konzentration werden mit
2D-Gel-elektrophorese aufgetrennt und anschließend mit Coomassie gefärbt.
Mit Hilfe der LA-ICP-MS können nun über die Isotopenverdünnungsanalyse
(d. h. die Bestimmung des 34S/32S bzw. 33S/32S
Isotopenverhältnisses) die Elementkonzentrationen wie S, P und Metalle bestimmt
werden. Aus dem Anstieg der Kalibriergeraden lassen sich Aussagen zur Stöchiometrie
der Bindung des Farbstoffes an ein definiertes Protein oder möglichen stöchiometrischen
Abweichungen machen.
Ein wesentlicher Vorteil der erfindungsgemäßen NF-LA-ICP-MS
gegenüber der Sekundärionen-Massenspektrometrie SIMS sind die um Größenordnungen
geringeren Matrixeffekte. Diese erlauben vor allem eine quantitative intra- und
extrazelluläre Elementverteilung in gesunden und pathologischen Zellen und
Geweben. Andererseits sind dadurch aber auch Nanolokalanalyse an beliebigen Festkörperproben
mit hoher Ortauflösung, wie beispielsweise in der Mikroelektronik, der Werkstoffforschung,
der Geologie oder auch der Umweltanalytik möglich.
Die erfindungsgemäße Arialysenmethode eignet sich vorteilhaft
insbesondere für folgende Anwendungsbeispiele:
- – Nanolokal- und ortsaufgelöste Verteilungsanalyse an Gewebeschnitten
und Zellorganellen (z. B. Mitochondrien) mittels NF-LA-ICP-MS.
- – Nanolokalanalyse an Proteinspots in 2D Gelen.
- – Nanolokal- oder Verteilungsanalyse an Festkörperoberflächen
(z. B. S-Layer, Nanocluster, Nanodrähte, Mikro- und Nanoarrays) an Interfaces
oder an dünnen Schichten (Mikro- und Nanoelektronik, Materialforschung).
- – Nanolokal- oder Verteilungsanalyse an biologischen (z. B. Baumringen),
medizinischen Proben (Zähnen, Knochen, Haare u. ä.) oder an geologischen
Proben (Einschlüsse, Inhomogenitäten).