Die Erfindung bezieht sich auf einen Radialverdichter mit einem Laufrad,
das eine Nabe und davon abstehende Schaufeln aufweist, und einem das Laufrad umgebenden
Diffusor mit Flügeln zur Lenkung und Verlangsamung der das Laufrad verlassenden
Strömung zur Erzielung eines Druckaufbaus.
Radialverdichter bestehen aus einem Laufrad mit meist axialem Eintritt
und einem radialen Austritt. Das Gas tritt aus dem Laufrad mit hoher Geschwindigkeit
aus, die sowohl eine radiale als auch eine tangentiale Komponente hat. Die kinetische
Energie des zu verdichtenden Gases wird in einem Diffusor in potenzielle Energie
in Form von Druck umgewandelt. Der Diffusor wird durch zwei nichtrotierende Ringe,
die an den Laufradaustritt anschließen und senkrecht zur Drehachse oder zu
dieser in einem sehr stumpfen Winkel stehen, gebildet.
Das aus dem Laufrad austretende Gas wird zwischen diesen beiden Wänden
geführt. Häufig haben Diffusoren Flügel zur Lenkung und besseren
Steuerung der Verlangsamung der Strömung. Die Diffusoren haben Flügel
zur Lenkung und Verlangsamung der das Laufrad verlassenden Strömung. Die Verlangsamung
tritt in Folge des mit größerem Radius größer werdenden Querschnitts
ein. Die Flügel der Diffusoren sind generell tangential zum Laufrad ausgerichtet.
Bei Keildiffusoren sind die Flügel keilförmig gestaltet und geradlinig.
Die Flügelprofile sind so gestaltet, dass ihre Druckverluste gering sind. Nachteilig
ist die hohe Umfangsgeschwindigkeit am Austritt des Diffusors.
Eine weitere bekannte Art, eine Verlangsamung der Gasströmung
mit geringen Verlusten zu realisieren, sind sogenannte Pipe-Diffusoren. Diese Bauart
ist aufwendig und benötigt einen großen Bauraum. Es existiert ein nur
sehr kurzer radialer Diffusor aus parallelen Wänden. Im Anschluss wird der
Massenstrom in Teilmassenströme unterteilt und diese werden in einzelnen gekrümmten
Rohrbögen verlangsamt.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Radialverdichter zu
schaffen, der eine verlustarme Verlangsamung und Umlenkung der Strömung im
Diffusor bewirkt und auch eine drallfreie bzw. drallarme Abströmung ermöglicht.
Der erfindungsgemäße Radialverdichter ist durch den Patentanspruch
1 definiert. Bei ihm haben die Flügel des Diffusors eine Skelettlinie, deren
Anstellwinkel sich mit zunehmendem Abstand von der Laufradachse vergrößert.
Die Flügel sind somit in Bezug auf die vom Laufrad erzeugte Anströmung
konkav gekrümmt, so dass sie das tangential zum Laufrad anströmende Gas
zunehmend in radiale Richtung umlenken. Dadurch verringert sich die kinetische Energie
des Gases, die in potentielle Energie, nämlich Druck, umgewandelt wird. Die
Energieumwandlung erfolgt verlustarm und innerhalb einer kurzen Wegstrecke. Der
erfindungsgemäße Radialverdichter ist mit geringem baulichen und konstruktiven
Aufwand zu realisieren.
Einsatzgebiete des Radialverdichters sind beispielsweise Turbolader,
Flugtriebwerke, Gasturbinen und Anwendungen in der Verfahrenstechnik, beispielsweise
in Luftzerlegungsanlagen und Pipelines.
Vorzugsweise beträgt der Anstellwinkel der Skelettlinie am radial
äußeren Ende annähernd 90°. Diese Angabe bedeutet einen Spielraum
+/–10%. Der hohe Anstellwinkel bedeutet eine nahezu vollständige Aufhebung
der tangentialen Geschwindigkeitskomponente und eine effektive Umwandlung in Druckenergie.
Der Anstellwinkel der Skelettlinie am radial äußeren Ende beträgt
vorzugsweise mehr als 60°, insbesondere mehr als 80°.
Die Vergrößerung des Anstellwinkels mit zunehmendem Abstand
von der Laufradachse bedeutet eine ständige bzw. stetige Vergrößerung
von innen nach außen, was zu der konkaven Flügelform in Bezug auf die
durch das Laufrad erzeugte Anströmung führt.
Im Folgenden wird unter Bezugnahme auf die Zeichnungen ein Ausführungsbeispiel
der Erfindung näher erläutert, wobei die Zeichnungen nur als eine mögliche
Ausgestaltung der Erfindung und nicht einschränkend zu verstehen sind.
Es zeigen:
1 eine perspektivische Ansicht des Laufrades und des
Diffusors bei geöffnetem Gehäuse,
2 einen Axialschnitt durch den Radialverdichter,
3 eine Darstellung der Flügelform des Diffusors,
4 eine perspektivische Ansicht des Diffusors und
5 eine Darstellung der Strömungsverhältnisse
im Diffusor.
Der Radialverdichter weist ein Laufrad 10 auf, das um eine
Achse 11 mit hoher Drehzahl rotiert. Das Laufrad 10 besitzt eine
Nabe 12 und davon radial abstehende Schaufeln 13. Die Nabe
12 hat einen ersten Bereich 12a, der im wesentlichen zylindrisch
ist, einen Übergangsbereich 12b, in dem sich der Nabenradius nach
Art einer Hyperbel erweitert, und einen Endbereich 12c,
der im wesentlichen senkrecht zu der Achse 11 verläuft. Das axial
einströmende Gas wird durch das Laufrad 10 in Rotation versetzt und
verlässt das Laufrad in radialer Richtung zur Achse 11 und in einem
stumpfen Winkel zu der Achse 11. Die Schaufeln 13 sind an einer
gemeinsamen Rückenplatte 14 der Nabe 12 befestigt. Im Rahmen
der Erfindung sind auch andere Bauformen des Laufrades möglich. Die obige Beschreibung
betrifft nur eine der zahlreichen möglichen Bauweisen. So kann beispielsweise
der Leitradeintritt unter einem spitzen Winkel zur Drehachse verlaufen und der in
dem Gehäuse gebildete Kanal kann unterschiedliche Kurvenverläufe aufweisen,
die vom Konstrukteur nach den jeweiligen Anforderungen festgelegt werden.
Das Laufrad 10 befindet sich in einem Gehäuse
15, dessen Wand 16 der Außenkontur des Laufrades angepasst
ist.
Das von dem Laufrad 10 gebildete Gebläse weist einen
axialen Einlass 17 und eine sich um den Umfang des Laufrades erstreckenden
radialen Auslass 18 auf.
Die Schaufeln 13 des Laufrades sind in der in 1
dargestellten Weise gekrümmt.
An den Auslass 18 schließt sich der Diffusor
20 an, der mit dem Gehäuse 15 fest verbunden ist und nicht
rotiert. Der Diffusor 20 weist eine im wesentlichen radiale Tragwand
21 auf, an der Flügel 22 angebracht sind, welche die den
Auslass 18 passierende Strömung leiten. Die Flügel
22 verlaufen im wesentlichen radial zur Achse 11, wobei ihr genauer
Verlauf im Folgenden noch näher erläutert wird. Zwischen den Flügeln
22 sind Diffusorkanäle 23 gebildet, deren Querschnittsfläche
von innen nach außen zunimmt. Die Aufgabe des Diffusors 20 besteht
darin, das von dem Laufrad 10 beschleunigte Gas, das eine hohe kinetische
Energie hat, zu verlangsamen und die kinetische Energie in Druck umzusetzen. Der
Umfang des Diffusors 20 ist mit einem (nicht dargestellten) Druckauslass
verbunden.
4 zeigt eine perspektivische Darstellung des Diffusors.
Die Tragwand 21 ist kegelstumpfförmig ausgebildet, wobei sie vom Diffusoreinlass
25 bis zum Diffusorauslass 26 zurückweicht. Die Flügel
22 haben an ihren inneren Enden am Diffusoreinlass 25 eine relativ
spitze abgerundete bzw. konturierte (Vorder-)Kante 27. Ihre Breite B (1)
vergrößert sich stetig nach außen hin bis zu einer markanten breiten
Hinterkante 28. Die Flügelform ist in 3
verdeutlicht. Der Flügel 22 hat eine Skelettlinie 30, die
die Mittellinie der Breite B repräsentiert. Die Skelettlinie hat im Zuströmbereich
einen Anstellwinkel &bgr;1 in Bezug auf einen Kreis 31 um
die Achse 11. Der Anstellwinkel &bgr;1 entspricht der Zuströmrichtung
des aus dem Laufrad in den Diffusor strömenden Gases:
tan(&bgr;1) = Vrad/Vtan.
Vrad ist die radiale Geschwindigkeitskomponente und Vtan die
tangentiale Geschwindigkeitskomponente.
Der Anstellwinkel &bgr; vergrößert sich stetig mit zunehmendem
Radius bis zu einem Anstellwinkel &bgr;2 im Bereich der Hinterkante
28. Der Flügel 22 hat drei Bereiche, nämlich den inneren
Zuströmbereich 22a in der Nähe der Spitze 27, einen
Übergangsbereich 22b und einen Austrittsbereich 22c mit im
wesentlichen radialer Abströmung. Der Anstellwinkel &bgr;2 beträgt
im allgemeinen zwischen 80° und 90°, er kann vom Konstrukteur anhand der
jeweiligen Gegebenheiten festgelegt werden. Auch Werte unterhalb von 80° sind
möglich. Es besteht daher die Möglichkeit, den Abströmwinkel zu wählen
bzw. entsprechend den Gegebenheiten einzustellen. Die markante Hinterkante
28 bewirkt, dass danach eine plötzliche Verzögerung erfolgen
muss, die in der Literatur als Carnot-Stoß bekannt ist. Dieser ist mit Verlusten
behaftet, die von der Geschwindigkeit vor der Querschnittserweiterung abhängen.
Die Verluste sind hier allerdings gering, da die Geschwindigkeit bereits stark verringert
ist.
5 zeigt die durch Pfeile angegebenen Strömungen
zwischen den jeweiligen Diffusorflügeln.
Mit der vorliegenden Erfindung ist es möglich, durch die Gestaltung
der Flügel die Abströmrichtung frei zu wählen. Der Übergangsbereich
22b der Flügel ist so gewählt, dass die Strömungsumlenkung
und -verzögerung mit geringen Verlusten erfolgt. Mit dieser Bauart können
Strömungsabrisse praktisch im gesamten Arbeitsbereich des Verdichters vermieden
werden.