Die Erfindung betrifft ein Mikroskop-Objektiv mit vorzugsweise antisymmetrischen Linsen bzw. Linsengruppen mit einem Abbildungsmaßstab -100fach und der Sehfeldzahl 20. Erfindungsgemäß besteht das Mikroskop-Objektiv aus neun Linsen mit drei Kittgliedern, ausgehend von der Objektseite (links) aus einer Linse aus nahezu einer Halbkugel L1 mit positiver Brechkraft, einer Meniskuslinse L2 mit positiver Brechkraft, einem zweifachen Kittglied G1 mit positiver Brechkraft, einem weiteren zweifachen Kittglied G2 mit positiver Brechkraft, einem zweifachen Kittglied G3 mit negativer Brechkraft und schließlich einer Meniskuslinse L9 mit negativer Brechkraft. Durch die Verwendung von baugleichen Kittgliedern und Linsenpaarungen lassen sich bei Verbesserung des Bildkontrasts die Herstellungskosten gegenüber Lösungen des Standes der Technik reduzieren.
Beschreibung[de]
Zur Untersuchung biologischer Objekte und der Gewebekulturen werden
die Mikroobjektive mit großer numerischer Apertur eingesetzt, um die Feinstruktur
aufzulösen.
Die Mikroskop-Objektive mit einer numerischen Apertur größer
als 1,2 unter Verwendung von Immersionsöl haben in der Regel auch höhere
Herstellungskosten. Diese ist zum Teil darauf zurückzuführen, weil das
Frontteil des entsprechenden Objektivs aus einem zweifachen Kittglied, also mit
einer Fülllinse und einer Mutterkugel-Linse, besteht. Aufgrund des speziellen
Fertigungsverfahrens ist die Herstellung solch eines Kittglieds aufwendig und teuer.
Objektive mit einem Frontteil aus nur einer Halbkugel-Linse können eine Apertur
von bis 1,3 erreichen und haben niedrigere Herstellungskosten.
Ausgehend von den Nachteilen des Standes der Technik liegt der Erfindung
die Aufgabe zugrunde, ein Mikroskopobjektiv dahingehend weiter zu bilden, dass bei
Verbesserung des Bildkontrasts eine weitere Reduzierung der Herstellungskosten erreicht
wird.
Diese Aufgabe wird durch ein Mikroskopobjektiv erfindungsgemäß
nach den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungsformen
sind in den Unteransprüchen 2 bis 8 aufgezeigt.
Die erfindungsgemäße Lösung bezieht sich alternativ
auf drei Mikroskop-Objektivvarianten der Klasse „Planachromat" mit einem
Abbildungsmaßstab -100 fach und der Sehfeldzahl 20. Ein Planachromat wird dadurch
definiert, dass die Fokuslage von der Spektrallinie C' und F' zusammenfallen. Die
zusätzliche Bezeichnung „Plan" bedeutet dabei, dass das das Bildfeld
entsprechend geebnet ist. Die objektseitige numerische Apertur beträgt 1,25.
Das Mikroskop-Objektiv besteht aus 9 Linsen mit 3 Kittgliedern. Der
Bildkontrast wird an der ersten Linie durch die Abbildungsfehler beeinflusst. Bei
vorliegenden Mikroskop-Objektiven werden die Abbildungsfehler wie sphärische
Aberration, Koma, Astigmatismus und Verzeichnung weitergehend korrigiert. Der primäre
Farblängsfehler (Abbildung der Fokuslagen zwischen der Spektrallinie C' und
F') ist auskorrigiert. Der Farblängsfehler vom sekundären Spektrum (Abweichung
der Fokuslagen zwischen der Spektrallinie C' - e und F' - e) liegen innerhalb des
Bereichs der dreifachen Schärfentiefe. Der Bereich der Schärfentiefe ist
definiert durch &lgr;/NA2 mit NA als numerische Apertur. Dieser Bereich
wird als eine Rayleigh-Einheit bezeichnet. Die Bildfeldebnung ist so reduziert,
dass die beste Fokuslage am Feldrand sich weniger als zwei Schärfentiefe von
der axialen Fokuslage abweicht.
Durch Einsatz von Wiederholungsbauteilen lassen sich die Herstellungskosten
weiter senken. Solch ein Mikroskop-Objektiv bietet den Kunden die Flexibilität
und den Kostenvorteil.
Im folgenden werden drei Ausführungsbeispiele von Mikroskop-Objektiven
der Klasse „Planachromat" mit dem Abbildungsmaßstab -100 Fach, der numerischen
Apertur 1,25 und einer Sehfeldzahl 20 vorgestellt. Der optische Arbeitsabstand beträgt
0,28 mm. Er ist der Abstand zwischen dem Deckglas und dem Scheitelpunkt der ersten
Linsenfläche im System. Die Systemdaten werden in den Tabellen 1 bis 3 angegeben.
In den dazugehörenden Figuren zeigen:
1: einen Linsenabschnitt vom Objektiv mit dem Tubus
f'Tubus = 200 mm
2: Querschnittsaberrationen mit dem Tubus f'Tubus =
200 mm
3: Längsaberrationen auf der Achse und feldabhängige
Bildfehler
Das Objektiv im Ausführungsbeispiel 1 in der Tabelle 1 wird zusammen
mit einer Tubuslinse der Brennweite 180 mm gerechnet, dabei werden die Farbquerfehler
am Feldrand jeweils auf -50 &mgr;m (C' - e) und 50 &mgr;m (F' - e) korrigiert.
Diese Korrektur des Farblängsfehlers ist erforderlich für ein bestimmtes
Gerät. Das Objektiv im Ausführungsbeispiel 2 in der Tabelle 2 wird zusammen
mit einer Tubuslinse der Brennweite 200 mm gerechnet; dabei sind die Farbfehler
beim Objektiv und Tubussystem jeweils für sich auskorrigiert. Das Ausführungsbeispiel
3 in der Tabelle 3 wird zusammen mit einer Tubuslinse der Brennweite 164,5 mm gerechnet;
dabei werden die Farbquerfehler beim Objektiv und beim Tubussystem gegenseitig kompensiert.
Die Bauweise dieser alternativen Mikroskop-Objektive erlaubt es, durch geringfügige
Änderungen unterschiedliche Anforderungen an Farbquerfehler zu erfüllen.
Die Systemdaten von den drei Ausführungsbeispielen sind ähnlich.
Daher wird für die grafischen Darstellungen nur das Ausführungsbeispiel
2 herangezogen. Der Linsenschnitt wird in 1 dargestellt.
Die entsprechenden Verläufe der Abbildungsfehler in Abhängigkeit von der
Apertur und vom Sehfeld werden in 2 und 3
jeweils dargestellt.
Die Mikroskop-Objektive bestehen jeweils aus 9 Linsen mit 3 Kittgliedern:
im Detail (vom Objekt aus gezählt; siehe 1) einer
Linse L1 mit positiver Brechkraft, einer positiven Meniskuslinse L2,
einem zweifachen Kittglied G1 mit positiver Brechkraft, einem weiteren
zweifachen Kittglied G2 mit positiver Brechkraft, einem zweifachen Kittglied
G3 mit negativer Brechkraft und schließlich einer Meniskuslinse
L9 mit negativer Brechkraft. Die Kittglieder G1 und G2
sind baugleich und werden spiegelsymmetrisch ins System eingebaut (vgl.
1). Des weiteren sind die Linsen L8 und
L9 baugleich, und sie werden ebenfalls spiegelsymmetrisch ins Objektiv
eingebaut. Auf dieser Weise ergeben sich drei Linsenpaare, nämlich L3
und L6, L4 und L5, L8 und L9,
die jeweils baugleich sind. Damit können die Herstellungskosten effektiv reduziert
werden.
Die Linse L1 hat eine Planfläche auf der Objektseite
und eine stark gekrümmte Fläche auf der Bildseite, und das Krümmungszentrum
liegt auf der Objektseite. Die Linse L2 ist meniskusförmig und die
beiden Krümmungszentren liegen auf der Objektseite. Das Kittglied G1
setzt sich aus einer bikonkaven Linse L3 auf der Objektseite und einer
bikonvexen Linse L4 auf der Bildseite. Das Kittglied G2 setzt
sich aus einer bikonvexen Linse L4 auf der Objektseite und einer bikonkaven
Linse L5 auf der Bildseite. Das Kittglied G3 setzt sich aus
zwei Meniskuslinsen L7 und L8, und die Krümmungszentren
aller Flächen liegen auf der Bildseite. Die beiden Linsen L7 und
L8 haben negative Brechkraft. Die Krümmungszentren der letzten Meniskuslinse
L9 liegen auf der Objektseite.
Die Abbildungsfehler, wie beispielsweise die sphärische Aberration,
Koma, Astigmatismus und Verzeichnung, werden weitgehend korrigiert. Der primäre
Farblängsfehler ist auskorrigiert. Der Farblängsfehler vom sekundären
Spektrum liegen innerhalb des Bereichs der dreifachen Schärfentiefe. Die Bildfeldebnung
ist so reduziert, dass die beste Fokuslage am Feldrand sich weniger als zwei Schärfentiefe
von der axialen Fokuslage abweicht. Die verschiedenen Aberrationen werden in
2 und 3 grafisch dargestellt.
Die folgenden Tabellen zeigen die Systemdaten der Ausführungsbeispiele,
wobei, wobei die Flächenkennzeichnung (Flächen Nr.) von der Objektebene
(links beginnend) ausgeht.
Tabelle 1: Systemdaten vom. Ausführungsbeispiel 1
Fläche Nr.RadiusDickene&ngr;e1 (Deckglas)Plan0.1701.52559.22 (Öl)Plan0.2901.51841.83Plan2.7701.51760.34-2.00040.2005-17.41392.2001.75852.16-5.29706.4837-99.08003.0001.76227.3810.35104.0001.66754.39-17.47200.2001017.47204.0001.66754.311-10.35103.0001.76227.31299.08005.329137.69906.5001.48970.0144.65604.0001.81325.3152.43001.79616-2.43004.0001.81325.317-4.65600.62218Plan60.000
+ achromatisierte Tubuslinsen mit einer Brennweite von 180 mm
Numerische Apertur = 1.25
Abbildungsmaßstab = -100.5
Sehfeldzahl = 20
Lage Eintrittspupille -∞
Objekt auf der Fläche 1
Tabelle 2: Systemdaten vom Ausführungsbeispiel 2
Fläche Nr.RadiusDickene&ngr;e1 (Deckglas)Plan0.1701.52559.22 (Öl)Plan0.2811.51841.83Plan2.7701.51760.34-1.98450.2005-32.14512.2001.75852.16-5.84987.1277-87.18083.0001.76227.3810.06504.0001.66754.39-16.48050.2001016.48054.0001.66754.311-10.06503.0001.76227.31287.18084.823138.87006.5001.48970.0144.45774.000 1.81325.3152.45281.80016-2.45284.000 1.81325.317-4.45770.50018Plan100.000
+ achromatisierte Tubuslinsen mit einer Brennweite von 200 mm
Numerische Apertur = 1.25
Abbildungsmaßstab = -100.1
Sehfeldzahl = 20
Lage Eintrittspupille -∞
Objekt auf der Fläche 1
Tabelle 3: Systemdaten vom Ausführungsbeispiel 3
Fläche NrRadiusDickene&ngr;e1 (Deckglas)Plan0.1701.52559.22 (Öl)Plan0.2861.51841.83Plan2.7701.51760.34-1.99950.2005-15.91072.2001.75852.16-5.21156.5357-158.46283.0001.76227.3810.32164.0001.66754.39-18.44530.2001018.44534.0001.66754.311-10.32163.0001.76227.312158.46285.402137.37666.5001.48970.0144.79354.0001.81325.3152.39281.80016-2.39284.0001.81325.317-4.79350.50018Plan126.500
+ eine Tubuslinse mit einer Brennweite von 164.5 mm
Numerische Apertur = 1.25
Abbildungsmaßstab = -100.2
Sehfeldzahl = 20
Lage Eintrittspupille -∞
Objekt auf der Fläche 1
Anspruch[de]
Mikroskop-Objektiv mit vorzugsweise antisymmetrischen Linsen bzw. Linsengruppen
(vgl. Tabelle 1 bis 3), wobei alternativ gilt,
– dass das Mikroskop-Objektiv (vgl. Tabelle 1) zusammen mit dem Tubussystem
der Brennweite 180 mm verwendet wird und zwischen dem Objektiv und der Tubusoptik
die von einem Objektpunkt stammenden Strahlen parallel zueinander laufen, oder
– dass das Mikroskop-Objektiv (vgl. Tabelle 2) zusammen mit dem Tubussystem
der Brennweite 200 mm verwendet wird, zwischen dem Objektiv und der Tubusoptik die
von einem Objektpunkt stammenden Strahlen parallel zueinander laufen und die Farbfehler
vom Objektiv und von der Tubusoptik voneinenander getrennt korrigiert sind oder
– dass das Mikroskop-Objektiv (vgl. Tabelle 3) nach dem „ICS"1-Prinzip
(Infinite Colour Correction System) korrigiert wird, zusammen mit einer Tubuslinse
der Brennweite 164,5 mm verwendet wird und sich die Farbfehler vom Objektiv und
von der Tubusoptik kompensieren.Mikroskop-Objektiv nach Anspruch 1, bei dem die Abbildungsfehler, wie
sphärische Aberration, Koma, Astigmatismus, und Verzeichnung weitergehend korrigiert
werden, der primäre Farblängsfehler auskorrigiert ist, der nominelle Abbildungsmaßstab
-100 bei einer numerischen Apertur (mit Öl-Immersion) 1,25 beträgt, die
Farblängsfehler vom sekundären Spektrum innerhalb des Bereichs der dreifachen
Schärfentiefe liegen und die Bildfeldebnung so reduziert ist, dass die beste
Fokuslage am Feldrand sich weniger als zwei Schärfentiefe von der axialen abweicht.Die Mikroskop-Objektiv nach Anspruch 1, bestehend aus 9 Linsen mit 3
Kittgliedern, ausgehend von der Objektseite (links) aus einer Linse aus nahezu einer
Halbkugel L1 mit positiver Brechkraft, einer Meniskuslinse L2
mit positiver Brechkraft, einem zweifachen Kittglied G1 mit positiver
Brechkraft, einem weiteren zweifachen Kittglied G2 mit positiver Brechkraft,
einem zweifachen Kittglied G3 mit negativer Brechkraft und schließlich
einer Meniskuslinse L9 mit negativer Brechkraft, wobei die Linse L1
eine Planfläche auf der Objektseite und eine stark gekrümmte Fläche
auf der Bildseite hat und das Krümmungszentrum auf der Objektseite liegt, die
Linse L2 meniskusförmig ausgebildet ist und die beiden Krümmungszentren
auf der Objektseite liegen, das Kittglied G1 sich aus einer bikonkaven
Linse L3 auf der Objektseite und einer bikonvexen Linse L4
auf der Bildseite zusammensetzt, das Kittglied G2 aus einer bikonvexen
Linse L4 auf der Objektseite und einer bikonkaven Linse L5
auf der Bildseite besteht, das Kittglied G3 sich aus zwei Meniskuslinsen
L7 und L8, und die Krümmungszentren aller Flächen
liegen auf der Bildseite zusammensetzt und die beiden Linsen L7 und L8
negative Brechkräfte haben.Mikroskop-Objektiv nach dem Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass
die Kittglieder G1 und G2 baugleich sind und spiegelsymmetrisch
ins System eingebaut werden (vgl. 1), die Linsen L8
und L9 baugleich sind und spiegelsymmetrisch ins Objektiv eingebaut werden,
so dass sich drei Linsenpaare L3 und L6, L4 und
L5, L8 und L9 ergeben, die jeweils baugleich sind.Mikroskop-Objektiv nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass folgende Verhältnisse der Brennweiten gelten:
1,9 < fL1/fObj. < 2,4
4,5 < fL2/fObj. < 5,7
20,2 < fG1/fObj. < 25,7
20,2 < fG2/fObj. < 25,7
-14,7 < fG3/fObj. < -8,2
-31,7 < fL9/fObj. < -14,2
wobei fObj. für die Brennweite des Objektivs steht.Mikroskop-Objektiv nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die
baugleichen Linsen L4 und L5 folgende Bedingungen erfüllen:
ne > 1,66 und
&ngr;e > 54Mikroskop-Objektiv nach Anspruch 4 dadurch gekennzeichnet, dass die
baugleichen Linsen L8 und L9 folgende Bedingungen erfüllen:
ne > 1,81 und
&ngr;e < 26Mikroskop-Objektiv nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass die Geometrie der Linse folgende Bedingungen:
erfüllt, wobei
d1 für Dicke vom Deckglas
d2 für den optischen Arbeitsabstand
d3, r4 jeweils für die Mittendicke und den Krümmungsradius
der Linse L1,
NA für die numerische Apertur und
ne für die Brechzahl &ngr;e für die Abbe'sche
Zahl Zahl bei der Spektrallinie e = 546,07 nm steht.