| Dokumentenidentifikation |
DE102006030690A1 10.01.2008 |
| Titel |
Verfahren zur Färbung und Entfärbung synthetisch hergestellter Kieselsäure |
| Anmelder |
Grimm, Friedrich, Dipl.-Ing., 70376 Stuttgart, DE; Schleid, Thomas, 70565 Stuttgart, DE |
| Erfinder |
Grimm, Friedrich, 70376 Stuttgart, DE |
| DE-Anmeldedatum |
04.07.2006 |
| DE-Aktenzeichen |
102006030690 |
| Offenlegungstag |
10.01.2008 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
10.01.2008 |
| IPC-Hauptklasse |
C01B 33/12(2006.01)A, F, I, 20060704, B, H, DE
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| IPC-Nebenklasse |
C09C 1/30(2006.01)A, L, I, 20060704, B, H, DE
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| Zusammenfassung |
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Färbung und Entfärbung synthetisch hergestellter Kieselsäure, die entweder als Fällungskieselsäure in einem Sol-Gel-Prozess oder als pyrogene Kieselsäure in einem Flammreaktor erzeugt wird, wobei die als amorphes oder kristallines Gitter vorliegenden Siliciumdioxidpartikel durch Dotierung mit Metallionen zu einem hochdispersen Pigment weitergebildet werden. Unterschiedliche Metallionen und ihre verschiedenen Oxidationsstufen ergeben eine reiche Farbpalette für die mit Metallionen dotierte, synthetisch hergestellte Kieselsäure. Erfindungsgemäße hochdisperse Pigmente haben zahlreiche Anwendungen als farbige Strukturelemente für Kautschuk, Kunststoffe, Klebstoffe, Lacke und Farben sowie als farbiger Konsistenzregler für kosmetische Produkte und als farbiges Fließregulierungsmittel zur Verbesserung des Freisetzverhaltens pharmazeutischer Wirkstoffe in Tabletten und Kapseln.
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| Beschreibung[de] |
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Unter Kieselsäure versteht man die Sauerstoffsäuren des
Siliciums (SiO2 × NH2O). Neben natürlich vorkommender
Kieselsäure bei Pflanzen und Tieren, wie z.B. dem Schachtelhalm und den Kieselalgen,
sind im Wesentlichen zwei Syntheseverfahren zur Herstellung von Kieselsäure
bekannt.
Bereits Ende der zwanziger Jahre gelang Samuel S. Kistler die Herstellung
eines Silica-Aerogels. Ein wasserhaltiges Gel erhält man, indem man „Wasserglas",
eine Lösung von Kieselsäure in Natronlauge, ansäuert. Zunächst
bildet sich freie Kieselsäure. Dabei sind mehrere reaktionsfähige Molekülgruppen
an ein Siliciumatom gebunden. Die Mixtur trübt sich ein, geliert und geht in
ein porenreiches Kieselgel über. Dabei verläuft die Gelbildung stufenweise,
wobei zunächst benachbarte Kieselsäuremoleküle miteinander reagieren.
Schließlich kommt es zu einer Vernetzung der Kieselsäurebausteine zu annähernd
kugelförmigen Aggregaten von einigen Nanometern Durchmesser. Unter geeigneten
Bedingungen verbinden sich die im Wasser verteilten Kügelchen zu Ketten und
vernetzen sich schließlich zu amorphen Strukturen, deren etwa 10 nm große
Poren mit Wasser gefüllt sind.
Reaktion: Na2SiO3 + H2SO4
= SiO2 + Na2SO4
Um vom wasserhaltigen Kieselgel zum Aerogel zu gelangen, tauschte
Kistler das Wasser durch einen osmotischen Prozess gegen Alkohol aus. Durch Verdunstung
des Alkohols schrumpft das Gel. Schließlich gelang es, den Alkohol im überkritischen
Zustand bei Druck und Temperatur so zu entfernen, dass sich die Poren des Kieselgels
beim Trocknen nicht verformen. Hochdispers ist das Gel, weil ein Gramm Silica-Aerogel
etwa 1.000 Quadratmeter innere Oberfläche besitzt.
Als Gelierung bezeichnet man den Vorgang, bei dem ein Sol in ein Gel
übergeht. Die Partikel oder Keime wachsen weiter, bis sie sich berühren
und durch weitere Kondensation miteinander vernetzen. Das Gel bildet dabei eine
feste Phase aus, die mit einer flüssigen Phase durchdrungen ist und ein unregelmäßiges,
dreidimensionales Netzwerk aufweist. Indem man Gelen die Flüssigkeit z.B. durch
Verdampfung im Vakuum entzieht, erhält man sog. Xerogele. Dabei ändert
sich das räumliche Netzwerk der festen Phase, wobei sich die Abstände
zwischen den Strukturelementen verringern und die Netzwerkstruktur zerstört
wird. Ein Beispiel dafür ist Silicagel, das als farbloses Pulver in zahlreichen
chemischen, pharmazeutischen und kosmetischen Produkten sowie in Nahrungsmitteln
enthalten ist. Hier erfüllt es jeweils spezifische Aufgaben. Eine Anwendung
als Farbstoff ist bisher nicht bekannt. Seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass
man nasse Kieselsäure auch unter normalen Bedingungen, also unterkritisch trocknen
kann, ohne die Porenstruktur zu zerstören. Dazu sättigt man die oberflächennahen
Bindungsstellen des feuchten Kieselgels mit eine silicium-organischen Rest ab. So
sind keine reaktionsfähigen Gruppen mehr vorhanden, die die Porenstruktur verengen
und versteifen könnten. Das Gel behält im Wesentlichen seine ursprüngliche
Ausdehnung.
Orthokieselsäure Si(OH)4 ist eine sehr schwache Säure.
Sie entsteht durch Zersetzung von Siliciumtetrahalogeniden mit Wasser. Weitere Wasserabspaltungen
führen zur Orthodikieselsäure H6Si2O7
und zur Metakieselsäure (H2SiO3).n. Wird auch das letzte
Wasser entfernt, entsteht das Kieselsäureanhydrid.
In Aerogelen bleibt durch geschickte Wahl der Trocknungsparameter
das poröse Netzwerk erhalten. So entstehen Feststoffe mit extrem niedriger
Dichte und sehr kleinem Lichtbrechungsindex. In einem Alterungsvorgang, den man
als Synerese bezeichnet, trennen sich die beiden Phasen des Gels, indem das Dispersionsmittel
entweicht, ohne dass dabei die Struktur der festen Phase vollständig zusammenbricht.
Ein ursprünglich amorphes Gel kann bei diesem Alterungsprozess allmählich
in einen kristallinen Zustand übergehen. Anorganisch-oxidische Gele werden
häufig durch Umsetzung von Elementalkoxiden mit Alkohol-Wasser-Mischungen oder
in reinem Wasser hergestellt. Der Alkohol dient dabei der Erzeugung eines homogenen
Reaktionsgemisches und kann durch andere erotische oder aprotische Lösungsmittel
ersetzt werden.
Von dem Sol-Gel-Prozess, der langsam und bei vergleichsweise niederen
Temperaturen abläuft, unterscheidet sich die Pyrolyse zur Gewinnung pyrogener
Kieselsäure grundsätzlich. Pyrogene Kieselsäure bildet sich durch
Reaktion von Siliciumtetrachlorid mit Wasser in einem Flammreaktor in einer Knallgasflamme
bei Temperaturen über 1.000°C. Reaktion: SiCl4 + 2.H2O
= SiO2 + 4.HCl Als Reaktionsprodukt der Pyrolyse bilden sich nanoskalige
Partikel aus Siliciumdioxid, die sich innerhalb von Millisekunden zu Aggregaten
und Agglomeraten in einer amorphen Gitterstruktur zusammenlagern. Aufgrund ihrer
hochdispersen Struktur ist die pyrogene Kieselsäure Bestandteil unterschiedlichster
Produkte. In Lacken und Farben dient sie der Dispergierung beigementer Pigmente
und regelt die Fließeigenschaften und verbessert die Verarbeitbarkeit durch
ihre Eigenschaft der Thixotrophie. Darunter versteht man eine Erhöhung der
Viskosität, indem die Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Aggregaten
der pyrogenen Kieselsäure vorübergehend mechanisch gelöst werden.
Als Strukturbaustein in Kautschuk, Kunststoffen und Klebstoffen erhöht die
pyrogene Kieselsäure die Festigkeit entsprechender Produkte
durch Vernetzung mit Polymeren. Auch in Lebensmitteln sowie in kosmetischen und
pharmazeutischen Produkten wird hochdisperse Kieselsäure zugesetzt, um die
Viskosität zu beeinflussen, den Geschmack zu verstärken oder um die Freisetzung
pharmazeutischer Wirkstoffe zu verbessern. Aufgrund ihrer mikroporösen Struktur
ist die pyrogene Kieselsäure auch ein hervorragender Dämmstoff mit unterschiedlichen
Anwendungen vom Hochtemperaturbereich bis in den Baubereich. Hier versetzt man die
pyrogene Kieselsäure mit speziellen Trübestoffen, z.B. Siliciumkarbid
in Pulverform, um den Wärmedurchgang durch infrarote Strahlung zu blockieren.
Synthetisch hergestellte Kieselsäuren haben zahlreiche Anwendungsgebiete, vom
Trocknungsmittel über den Lebensmittelzusatzstoff bis hin zum Dämmstoff.
Ausgehend von dem dargestellten Stand der Technik liegt der Erfindung
die Aufgabe zugrunde, synthetische Kieselsäuren, die entweder als Fällungskieselsäuren
in einem Sol-Gel-Prozess oder als pyrogene Kieselsäure in einem Flammreaktor
hergestellt werden, durch Dotierung mit Metallionen zu einem hochdispersen Farbstoff
weiterzubilden.
Aus der Herstellung von farbigen Glasprodukten ist bekannt, dass Metalle
Glas färben. In der Glasschmelze gehen die Metallatome als Ionen in Lösung
und werden in die amorphe Siliciumdioxidstruktur des Glases eingelagert. Für
die Entfärbung von Glas, d.h. für die Entfernung von Verunreinigungen
aus den Rohstoffen, werden ebenfalls Metalloxide verwendet, wobei man für die
Entfärbung die komplementäre Farbe der Verfärbung verwendet. Bei
der Glasfärbung unterscheidet man Innenfärbung und Anlauffärbung.
Der wesentliche Unterschied beider Verfahren liegt darin, dass die Ionenfärbung
durch Lösen von Metallionen in der Glasschmelze erfolgt, während beim
Anlaufen die färbende Wirkung der Beimengung durch eine erneute Temperaturbehandlung
des Glases entsteht. Beim Anlauffärben konzentrieren sich die gelösten
Moleküle in kolloidaler Verteilung oder in Tröpchen im Glas und bilden
unter dem Mikroskop erkennbare Mischkristalle. Das Tempern des Glases erfolgt bei
Temperaturen über 700 Grad Celsius. Die nachfolgende Tabelle gibt Aufschluss
über die unterschiedliche Farbwirkung einiger Metalloxide bei der Innenfärbung.
Eine weitere Tabelle zeigt unterschiedliche Metallsalze, die bei der Anlauffärbung
eine Rolle spielen.
Farbbildner (sog.Chromophore) und die durch sie hervorgerufene Anlauffärbung
des Glases
Bezeichnung
Chemische Formel
Farbe
Kadmiumsulfid-Zinksulfid-Mischkristalle
CdS/ZnS
hellgelb
Kadmiumsulfid
CdS
gelb
Kadmiumsulfid-Selenid Mischkristalle
CdS/CdSe
orange
Kadmiumselenid
CdSe
rot bis dunkelrot
Kadmiumselenid-Kadmiumtellurid Mischkristalle
CdSe/CdTe
dunkelrot
Metallkolloide
Chemische Formel
Farbe
Gold
Au
rot
Kupfer
Cu
rot
Silber
Ag
gelb bis gelbbraun
Metalloxide und die durch sie hervorgerufende Innenfärbung des
Glases
Oxide
Farbe
Bezeichnung
Chemische Formel
einschließlich aller möglichen Schattierungen entsprechend
der Stoffkonzentrationen
Eisen-III-Oxid
Fe2O3
gelbbraun
Eisen-III-Oxid + Eisen-II-Oxid
Fe2O3 + FeO
grün
Eisen-II-Oxid
FeO
blaugrün
Manganoxid
Mn2O3
violett
Manganoxid + Eisen-III-Oxid
Mn2O3 + Fe2O3
gelbbraun, braun bis gelb
Chromoxid
Cr2O3
grüngelb bis rotgelb
Wolframoxid
WO3
gelb
Vanadiumpentoxid
V2O5
grün
Titanoxid
TiO2
verstärkt die Färbung anderer Ionen
Ceroxid
CeO2
gelb bis braun
Titanoxid + Ceroxid
TiO2 + TiO2
gelb
Kupfer-II-Oxid
CuO
blau
Kupfer-I-Oxid
Cu2O
rot
Neodymoxid
Nd2O3
purpur
Kobaltoxid
CoO
Blau (in Baratgläsern rosa)
Uranoxid
UO
gelb
Für die Fähigkeit eines amorphen Netzwerks oder einer kristallinen
Struktur aus Siliciumdioxidpartikeln, Licht zu absorbieren, sind also Metallionen
verantwortlich. Dabei kommt es nicht auf die Größe der einzelnen SiO2-Kugeln
an, sondern auf ihre Elektronenstruktur. Energetisch tief liegende Elektronen im
Sigma-Bereich sind erst unter Vakuum in der Lage, UV-Licht zu absorbieren. Einige
Metallionen sind jedoch in der Lage, langwellig zu absorbieren. Entscheidend für
die Absorptionseigenschaften ist die Elektronenstruktur des jeweiligen Ions. Metallcluster,
die in eine amorphe oder kristalline Struktur aus SiO2-Molekülen
eingelagert sind, können die Absorption in den langwelligen Bereich verschieben.
Bewegen sich die Gitterkonstanten eines amorphen Netzwerks aus SiO2-Kugeln
oder einer Kristallgitterstruktur im Bereich der Wellenlänge des Lichts, können
innerhalb der Strukturen Beugungserscheinungen auftreten, die ebenfalls eine Farbwirkung
hervorrufen.
(An dieser Stelle wird eine Übersichtstabelle langwellig absorbierender Metall-Kationen
nachgereicht)
Zur Herstellung eines hochdispersen Pigments ist es deshalb von Bedeutung,
dass die Metallionen in Clustern angeordnet sind, die mit der Wellenlänge des
sichtbaren Lichts (380 bis 780 nm) korrelieren.
Auf erfindungsgemäße mikroskalige Gele trifft dies zu. Die
Primär-Partikel und Aggregate der pyrogenen Kieselsäure liegen mit 7–40
nm bzw. 200 nm unterhalb dieses Wellenlängenspektrums. Im Rahmen der Erfindung
wird deshalb vorgeschlagen, die Aggregate und Agglomerate der pyrogenen Kieselsäure
durch erneutes Erhitzen bis zum Schmelzpunkt untereinander zu größeren
Clustern zu verbinden, die dann Licht absorbieren können, sodass Farben entstehen.
Eine weitere Möglichkeit wäre, die vollkommene Benetzung hydrophiler Pigmente
oder hydrophober Pigmente mit einem Lösungsmittel, dessen Lichtbrechungszahl
mit dem Index von SiO2 übereinstimmt.
In einem erfindungsgemäßen Sol-Gel-Prozess bilden Alkoholate
mit Salzen (z.B. Chloriden) eine polare Lösung. Bei der Fällungsreaktion
substituieren die Metallionenkomplexe das Silicium in einer ersten Substitutions-Hydrolysereaktion.
Dabei wird in die anorganische Matrix des Gels ein metallorganischer Komplex eingefügt.
In der daran anschließenden Kondensationsreaktion bilden sich bei einer Temperatur
von etwa 60°C organisch-anorganische Keime. Während des Übergangs
vom Sol zum Gel in einem thermischen Prozess können die an die Alkoholate gebundenen
Metallionen in das sich bildende Netzwerk eingelagert werden. In einem abschließenden
Verfahrensschritt, dem sog. Calcinieren, werden bei einer Temperatur von 300–500°C die
organischen Bestandteile entfernt, wobei hochdisperse Pigmente in kristalliner oder
amorpher Form als Reaktionsprodukt entstehen.
Bei der zweiten Verfahrensvariante der Erfindung werden den Ausgangsmaterialien
Siliciumtetrachlorid, Wasserstoff und Sauerstoff, die als wässerige oder methanolische
Lösung pyrolisiert werden, Metallsalze, wie z.B. Chloride, Nitride, Azetate,
Nitrate oder Karbonate beigegeben. Die Metallionen liegen hier bereits vor der Pyrolyse
gelöst vor und werden in der Pyrolyse in die amorphen Siliciumdioxidpartikel
eingebaut. Metallionen aus Metalloxiden, Sulfiden, Hydraten und Carbonaten gehen
während der Pyrolyse in Lösung. Die Pyrolyse erfolgt bei Temperaturen
zwischen 1.000 und 1.800 Grad Celsius. Der Schmelzpunkt von Quarz liegt bei 1.710
Grad Celsius, wobei sich unter Atmosphärendruck amorphes Quarzglas bildet.
Bei einer weiteren Variante erfolgt die Färbung der pyrogenen
Kieselsäure nicht in der Pyrolyse selbst, sondern durch eine anschließende
Erwärmung bis zum Schmelzpunkt der pyrogenen Kieselsäure. In diesem hochreaktiven
Zustand werden die Metallionen an die amorphe Gitterstruktur der pyrogenen Kieselsäure
angelagert.
Bei beiden Verfahren kann die Morphologie, die Farbe und die Größe
der Aggregate durch die Flammentemperatur, die Verweilzeit der Additive in der Flamme
und durch die Konzentration der Additive beeinflusst werden. Mit der Eigenschaft
von Pigmenten in allen Skalierungen der Palette kann die pyrogene Kieselsäure
für alle bereits bekannten Anwendungen verwendet werden, wobei der Zusatz herkömmlicher
Pigmente ganz oder teilweise entfällt. Bei der Verwendung pyrogener Kieselsäure
als Dämmstoff werden spezielle Trübemittel, wie z.B. Siliciumkarbid zugesetzt,
um eine Wärmeübertragung durch infrarote Strahlung zu unterbinden. Diese
Trübestoffe können entfallen, wenn die pyrogene Kieselsäure selbst
eine opake Färbung aufweist.
Hochdisperse Pigmente beeinflussen nicht nur das Fließverhalten
von pulverförmigen Farben und Lacken, sondern entfalten unterschiedliche Farbwirkungen,
von opaken Farben über transluzente Farben bis hin zu irisierenden und opalisierenden
Effekten. Dazu kommt eine Verbesserung der Kratzfestigkeit von Farben, Lacken und
Druckfarben. Bei Sol-Gel-Beschichtungen bewirken die hochdispersen Pigmente gut
haftende anorganisch-organische Hybridsysteme für harte und flexible Oberflächen.
Hochdisperse Pigmente sind aber auch bestens für die Vernetzung von Polymeren
geeignet und erhöhen die Festigkeit von Kunststoffen, Kautschuk und Klebstoffen.
Die Anwendungspalette erfindungsgemäßer hochdisperser Pigmente
reicht vom Farbstoff für chemische, pharmazeutische und kosmetische Produkte
bis hin zu Nahrungsmitteln. Bei der Anwendung als mikroporöser Dämmstoff
ist von Bedeutung, dass ein erfindungsgemäßes, dunkles bis schwarzes Pigment
strahlungsabsorbierend wirkt und den Zusatz eines entsprechenden Trübemittels
erübrigt. Elektrisch leitende, erfindungsgemäße Pigmente bilden den
Grundstoff für neuartige, photovoltaische Beschichtungen.
1 zeigt einen Sol-Gel-Prozess mit anschließender
Calcinierung in schematischer Darstellung als erstes erfindungsgemäßes
Verfahren zur Herstellung eines hochdispersen Pigments.
2 zeigt die erfindungsgemäße Herstellung
hochdisperser Pigmente aus Clustern pyrogener Kieselsäure in schematischer
Darstellung.
Weitere Erläuterungen gehen aus der Figurenbeschreibung hervor.
In 1 zeigen drei Verfahrensschritte den
Weg vom Sol (100) zum Gel (101) und die Weiterbildung des Gels
(101) zu einem hochdispersen Pigment (3) durch Calcinierung bei
einer Temperatur bis 700°C. Nach dem dritten Verfahrensschritt liegt die Fällungskieselsäure
(10) als Xerogel (103) oder als farbiges SiO2-Pulver
(104) vor. Das Sol (100) besteht aus einem in Wasser gelösten
Tetramethylorthosilikat als erste Phase und aus Alkoholaten, an die unterschiedliche
Metallionen (2) gebunden werden. Durch Hydrolyse und Kondensation bilden
sich in Abhängigkeit vom pH-Wert entweder kettenförmig strukturierte Oligomere
oder entsprechende Gelnetzwerke. In der Phase der Gelierung wird dem Gel (101)
unter Einwirkung von Temperatur und Vakuum das Lösungsmittel entzogen. Es kommt
zur Schrumpfung und Rissbildung des Gelkörpers. Das Volumen ändert sich
entsprechend der verdampften Flüssigkeitsmenge. Während der anschließenden
Calcinierung werden bei 100–200°C adsorbierte Lösungsmittelteilchen
abgegeben. Bei 300–500°C werden organische Reste zersetzt und flüchtige
Moleküle durch Polymerisation und Kondensation abgespalten. Durch die Calcinierung
erhält man ein hochdisperses Piment (3) als farbiges SiO2-Pulver
(104). Durch die Calcinierung sollten sich dabei die Metallionen in das
SiO2-Netzwerk eingebaut haben.
2 zeigt ein neuartiges Pyrolyseverfahren (1,
bei dem in der Knallgasflamme (100) aus pulverförmigen, flüssigen
oder gasförmigen Ausgangsmaterialien Siliciumtetrachlorid (114) pyrolisiert
wird, wobei sich Protopartikel (120), Primärpartikel (121),
Aggregate (122) und Agglomerate (123) bilden. Metallionen (2),
die aus Metallsalzen (20) oder Metalloxiden (21) oder Sulfiden
(22) oder Hydraten (23) oder Carbonaten (24) gelöst
werden, lagern sich während der Pyrolyse in die Siliciumdioxidpartikel ein,
sodass hochdisperse Pigmente (3) entstehen. Die hochdispersen Pigmente
(3) haben zahlreiche vorteilhafte Anwendungen, die in der Beschreibung
bereits dargestellt wurden. Für die Farbentfaltung der hochdispersen Pigmente
(3) ist es von Bedeutung, dass die Größe der Aggregate (122)
und Agglomerate (123) der Wellenlänge des sichtbaren Lichts entspricht.
Eine weitere Möglichkeit zur Entfaltung der Farbwirkung der Pigmente besteht
in einer vollständigen Benetzung ihrer Oberfläche durch ein Bindemittel
in Lacken oder Farben, dessen Lichtbrechungsindex dem der hochdispersen Pigmente
entspricht. Um die Metallionen in ausreichender Menge in den Pyrolyseprozess einzubringen,
ist es von Vorteil, sie in einem brennbaren Gemisch aus Gasen oder Flüssigkeiten
oder Pulvern in den Pyrolyseprozess einzuführen.
Hochdisperses Pigment
Synthetisch hergestellte Kieselsäure
1
Metallionen
2
Hochdisperse Pigmente
3
Fällungskieselsäure
10
Metallsalze
20
hydrophiles Pigment
30
Sol
100
Chloride
200
hydrophobes Pigment
31
Gel
101
Acetate
201
tageslichttechnisch wirksames Pigment
32
Aerogel
102
Nitrate
202
transluzentes Pigment
320
Xerogel
103
Citrate
203
opakes Pigment
321
SiO2-Pulver
104
Nitride
204
Mischpigment
322
Amorphe Aggregate
105
Metalloxide
21
komplementäres Pigment
323
Kristalline Gitter
106
Sulfide
22
irisierendes Pigment
324
Pyrogene Kieselsäure
11
Hydrate
23
opalisierendes Pigment
325
Flammreaktor
110
Carbonate
24
lichtstreuendes Pigment
326
Knallgasflamme
111
Medium
25
wärmetechnisch wirksames Pigment
33
Siliciumtetrachlorid
112
Kolloidale Lösung
250
infrarotabsorbierendes Pigment
330
Reaktionsprodukte
12
Wässerige Lösung
251
UV-absorbierendes Pigment
331
Protopartikel
120
Alkoholische Lösung
252
hochreflektierendes Pigment
332
Primärpartikel
121
Protische Lösung
253
elektrisch leitendes Pigment
333
Aggregate
122
Aprotische Lösung
254
pharmazeutisch wirksames Pigment
34
Agglomerate
123
Gas (CO2)
255
amorphes Cluster
35
Siliciumdioxidpartikel
124
Flüssigkeit
256
kristallines Gitter
36
Pulver
257
|
| Anspruch[de] |
|
Synthetisch hergestellte Kieselsäure (1), die entweder
als Fällungskieselsäure (10) in einem Sol-Gel-Prozess
oder als pyroge ne Kieselsäure (11) durch Pyrolyse in einem Flammreaktor
(110) erzeugt wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Kieselsäuren
(10, 11) durch gezielte Dotierung mit Metallionen (2)
zu mikro- und nanoskaligen, hochdispersen Pigmenten (3) weitergebildet
werden.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Metallionen (2) aus Metallsalzen (20), wie Chloride (200),
Acetate (201), Nitrate (202), Citrate (203), Nitride
(204), aus Metalloxiden (21), aus Sulfiden (22), aus
Hydraten (23) oder aus Carbonaten (24) gelöst werden.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass zur Lösung (25) der Metallionen (2) eine erotische Lösung
(253) oder eine aprotische Lösung (254) in einem wässerigen
Medium (251) oder einem alkoholischen Medium (252) genutzt wird.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Fällungskieselsäure (10) in einem Sol-Gel-Prozess durch
Calcinierung zu einem hochdispersen Pigment (3) weitergebildet wird.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Fällungskieselsäure (10) als hochdisperses Pigment (3)
in Form eines Aerogels (102), eines Xerogels (103) oder eines
SiO2-Pulvers (104) vorliegt.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Fällungskieselsäure (10) durch Synerese von amorphen
Aggregaten (105) in eine kristalline Struktur (106) übergeht.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die mit Metallionen dotierte Fällungskieselsäure (10) amorphe
Aggregate (105) oder kristalline Gitter (106) bildet, wobei die
Metallionen (2) in Clustern (35) angeordnet sind, deren Gitterkonstanten
der Wellenlänge des sichtbaren Lichts entsprechen.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass bei der Herstellung der Fällungskieselsäure (10) der Sol-Gel-Prozess
durch Katalysatoren, wie Säuren und Laugen beeinflusst wird, wobei kettenförmig
strukturierte Oligomere, Gel-Neztwerke oder partikuläre Strukturen erzeugt
werden.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Fällungskieselsäure (10) durch basische Katalyse ein
kolloidales SiO2-Sol bildet, dass durch Calcinierung in ein SiO2-Pulver
(104) übergeht.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die pyrogene Kieselsäure (11) innerhalb eines Flammreaktors (110)
aus Siliciumtetrachlorid (112) in einer Knallgasflamme (111) gebildet
wird, wobei die Metallionen (2) bereits in gelöster Form als Metallsalze
(20) in wässeriger Lösung (251) oder alkoholischer Lösung
(252) in den Flammreaktor (110) gelangen.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass bei der Herstellung der pyrogenen Kieselsäure (11) die Metallionen
(2) aus Metalloxiden (21), oder Sulfiden (22), oder Hydraten
(23) oder Carbonaten (24) in der Pyrolyse in der Knallgasflamme
(111) gelöst werden.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass im Flammreaktor (110) eine unlösbare Verbindung zwischen den
Metallionen (2) und den Reaktionsprodukten (12), Protopartikeln
(120), Primärpartikeln (121), Aggregaten (122) und
Agglomeraten (123) entsteht.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass im Herstellungsprozess der pyrogenen Kieselsäure (11) die Farbe,
Größe und Morphologie der hochdispersen Pigmente (3) durch die
Flammentemperatur, die Einwirkungsdauer und die Dosierung der Metallionen (2)
beeinflussbar ist.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Färbung der pyrogenen Kieselsäure (11) mit Metallionen
(2) im Anschluss an die Pyrolyse durch erneutes Erhitzen der pyrogenen
Kieselsäure (11) bis an den Schmelzpunkt erfolgt.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Siliciumdioxidpartikel (124) der pyrogenen Kieselsäure (11)
durch erneutes Erhitzen bis an den Schmelzpunkt untereinander zu
einem amorphen Cluster (35) verbunden werden, wobei die Gitterkonstante
der Metallionen (2) der Wellenlänge des sichtbaren Lichts entspricht.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die hochdispersen Pigmente (3) von einem transluzenten Bindemittel,
dessen Lichtbrechungszahl der Lichtbrechungszahl pyrogener Kieselsäure entspricht,
vollständig benetzt werden.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die hochdispersen Pigmente (3) durch Metallionen (2) gefärbt
oder entfärbt werden können, wobei für die Entfärbung die komplementäre
Farbe der Verfärbung verwendet wird.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die hochdispersen Pigmente (3) als hydrophile Pigmente (34)
oder hydrophobe Pigmente (35) die Farbe und das Fließverhalten von
flüssigen und pulverförmigen Farben und Lacken bestimmen.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die hochdispersen Pigmente (3) einer Kautschuk- oder Kunststoffmischung,
wie z.B. einem Reifen beigegeben werden.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die hochdispersen Pigmente (3) einem kosmetischen Produkt, wie z.B.
Lippenstift, Wimperntusche, Make Up oder Nagellack beigegeben werden.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die hochdispersen Pigmente (3) als wärmetechnisch wirksame Pigmente
(33) einen Infrarot absorbierenden Dämmstoff (330) bilden,
wobei z.B. Manganoxid eine opake Färbung bewirkt.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die wärmetechnisch wirksamen Pigmente (33) mit Stützfasern
versehen und zu einer Dämmstoffplatte gepresst werden.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die wärmetechnisch wirksamen Pigmente (33) als drucksteifer Dämmstoffkörper
zwischen zwei Glasscheiben eingebaut werden, wobei über einen vakuumdichten
Randverbund der Glasscheiben ein Unterdruck im Scheibenzwischenraum angelegt wird.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die hochdispersen Pigmente (3) die Festigkeit und Zähigkeit einer
Gummimischung beeinflussen
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die hochdispersen Pigmente (3) als wärmetechnisch wirksame Pigmente
(33) energiereiche Lichtstrahlung in elektrische Energie umwandeln.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass bei tageslichttechnisch wirksamen Pigmenten (32) die amorphen Cluster
(35) so eingestellt werden können, dass ein irisierendes Pigment (324)
oder ein opalisierendes Pigment (325) entsteht.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass ein elektrisch leitendes Pigment (34) als Halbleiter wirkt, wobei
sich bei Lichtstrahlung eine elektrische Spannung aufbaut.
Synthetisch hergestellte Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass ein tageslichttechnisch wirksames Pigment (32) abhängig von der
Dosierung der Metallionen (2) als transluzentes Pigment (320)
oder als opakes Pigment (321) hergestellt wird.
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