Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reinigung von Polysilicium-Bruch.
Hochreines polykristallines Silicium, im Folgenden als Polysilicium
bezeichnet, wird in großem Maßstab durch thermische Zersetzung eines siliciumhaltigen
Gases oder eines siliciumhaltigen Gasgemisches in so genannten Siemens-Reaktoren
hergestellt. Das Polysilicium fällt dabei in Form von Stäben an. Diese
Stäbe werden anschließend mit metallischen Brechwerkzeugen, wie Backen-
oder Walzenbrechern, Hämmern oder Meißeln, zerkleinert. Dies führt
zu einer oberflächlichen Verunreinigung der Polysilicium-Bruchstücke.
Diese Verunreinigung, insbesondere auch jede metallische Verunreinigung, muss vor
der Weiterverarbeitung der Polysilicium-Bruchstücke entfernt werden, da sie
im Ausgangsmaterial für die Herstellung von elektronischen Bauteilen und Solarzellen,
für das der Polysilicium-Bruch in aller Regel verwendet wird, nicht akzeptabel
sind.
Das Patent US 6,309,467 31
beschreibt den Stand der Technik zur Reinigung von Polysilicium-Bruchstücken
ausgiebig und offenbart ein dreistufiges Reinigungsverfahren für Polysilicium,
welches anschließend einen sehr niedrigen Eisen und/oder Chromgehalt aufweist.
Bei diesem Verfahren erfolgt die Reinigung nacheinander in mehreren chemischen Behandlungsschritten.
Mehrstufige Reinigungsverfahren erfordern Anlagen mit mehreren Becken die entsprechend
aufwändig sind. Nachteiligerweise ist das in US
6,309,467 31 beschriebene Verfahren bei der Reinigung von feinteiligem
Polysiliciumbruch zudem mit einem hohen Verbrauch an Säure und einem hohen
Siliciumverlust verbunden. Ferner ist bei der Reinigung von feinteiligem Polysilicium-Bruch
eine aufwändige Kühlung notwendig.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, ein Verfahren zur Reinigung
von polykristallinen Siliciumbruchstücken auf einen Metallgehalt von < 100
ppbw, vorzugsweise von < 10 ppbw, zur Verfügung zu stellen, welches die
Nachteile des Stands der Technik vermeidet.
Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren, bei dem ein Polysilicium-Bruch
in eine wässrige Reinigungslösung enthaltend HF und H2O2
gegeben wird, diese wässrigen Reinigungslösung entfernt wird und der so
erhaltene Polysilicium-Bruch mit hochreinem Wasser gespült und anschließend
getrocknet wird.
Die wässrige Lösung enthaltend HF und H2O2
besteht vorzugsweise aus 0,1 bis 60 Gew.% HF, 0,1 bis 50 Gew.% H2O2
sowie dem Rest auf 100 Gew.% aus H2O. Die Gew.% Angaben beziehen sich
auf die gesamte Reinigungslösung.
Besonders bevorzugt besteht die Lösung aus 5 bis 10 Gew.% HF
und 1 bis 2 Gew.% H2O2 in H2O. Die wässrige
Lösung enthaltend HF/H2O2 ist aus verschiedenen Gründen
besonders wirtschaftlich: Sie greift metallische Verunreinigungen, insbesondere
Stahlpartikel, verstärkt an, greift aber das Silizium nicht an. Zudem zeigt
diese Reinigungslösung im Unterschied zu einer Mischung HF/HCl/H2O2
oder der Mischung HCl/H2O2 des Stands der Technik keine Eigenzersetzung
des Wasserstoffperoxyds in Wasser und Sauerstoff. Dadurch verringert sich der H2O2-Verbrauch
im Verfahren um etwa 99%. Eine Nachdosierung von H2O2 ist
im Verfahren nicht erforderlich. Ferner wird die unerwünschte Wärmeentwicklung,
die durch die Eigenzersetzung des Wasserstoffperoxyds auftritt, vermieden.
Vorzugsweise wird der Polysilicium-Bruch für 5 bis 240 Min. vorzugsweise
20 bis 45 Min., besonders bevorzugt 40 Min. in die wässrige Reinigungslösung
gegeben.
Vorzugsweise wird der Polysilicium-Bruch in einem Behälter, der
Öffnungen aufweist, in die Reinigungsflüssigkeit eingetaucht, wobei Reinigungsflüssigkeit
durch die Öffnungen in den Behälter einströmt und das polykristalline
Silicium benetzt, sodann wird der Behälter so weit aus der Flüssigkeit
gehoben, dass die Reinigungsflüssigkeit durch die Öffnungen des Behälters
herausströmen kann.
Vorzugsweise wird der Polysilicium-Bruch in einem Behälter, vorzugsweise
einem Korb, zumindest zweimal mittels einer Hub-Senkbewegung in die Reinigungsflüssigkeit
eingetaucht. Vorzugsweise werden diese Hub- und Senkbewegungen so ausgeführt,
dass der Behälter, während er aus der Reinigungslösung gehoben ist,
sich vollständig entleeren kann, wobei die Reinigungslösung vollständig
herausströmt.
Vorzugsweise wird diese Hub- und Senkbewegung 5 Mal in der Minute
für bis zu 240 Minuten, vorzugsweise bis zu 40 Minuten durchgeführt.
Grundsätzlich kann die Reinigung auch ohne Bewegung des Behälters
in den einzelnen Reinigungsschritten erfolgen. Neben der Hub-Senkbewegung
kann alternativ auch eine Schaukelbewegung mit 1 bis 10 Bewegungen pro Minute mit
einem Winkel von 5 bis 89 Grad oder eine Drehbewegung mit 1 bis 10 Umdrehungen pro
Minute erfolgen. Vorzugsweise findet die Schaukelbewegung mit 1 Bewegung pro Minute
und einem Winkel von 45 Grad statt. Die Drehbewegung erfolgt vorzugsweise bei 1
Umdrehung pro Minute.
Anschließend wird die Reinigungslösung entfernt und der
Polysilicium-Bruch mit hochreinem Wasser, vorzugsweise vollentsalztes Wasser mit
einem spezifischen elektrischen Widerstand von 15–18 MOhm 1 bis 240 Min.
lang gespült. Vorzugsweise wird der Polysilicium-Bruch 15 bis 35 Min., besonders
bevorzugt 20 Min. gespült.
Der Reinigungs- und der Spülschritt werden vorzugsweise bei Normaldruck
und Raumtemperatur (25°C) durchgeführt, wobei das Reinigungsverfahren
bevorzugt bei 5°C bis 80°C und besonders bevorzugt bei 20°C bis 25°C
ausgeführt wird.
Anschließend wird der Polysilicium-Bruch getrocknet. Die Trocknung
erfolgt vorzugsweise über einen Zeitraum von 0,5 bis 3 h bei einer Temperatur
von 50 bis 100°C
Die Trocknung des Polysilicium-Bruchs kann grundsätzlich in einer
beliebigen Trockenanlage erfolgen. Bei einer Trocknung in einem Trockenschrank bei
80 Grad Celsius werden 24 Stunden benötigt. Durch andere Trocknungsverfahren
kann diese Zeit auf unter 2 Stunden gedrückt werden. Solche Verfahren sind
beispielsweise das Trocknen in einer Trommeltrocknungsanlage oder das Trocknen in
einem System mit Zwangsdurchströmung oder das Trocknen in Schichten mit einer
Schütthöhe bis maximal 5 cm.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist zwar prinzipiell zur
Reinigung von beliebigen Polysilicium-Bruchstücken sowie auch zur Reinigung
von Polysilicium-Granulat geeignet, es eignet sich jedoch insbesondere zur Reinigung
feinteiliger Polysilicium-Bruchstücke, da das Silicium durch die Reinigungslösung
nicht angegriffen wird. Dadurch wird der aufgrund der zunehmenden Siliciumoberfläche
der feinteiligeren Pulver sich verstärkende Siliciumverlust, der mit anderen
Reinigungslösungen auftritt, vermieden. Ferner wird eine zusätzliche Kühlung,
die beim Auflösen des Siliciums notwendig wäre, vermieden. Das erfindungsgemäße
Verfahren eignet sich damit vorzugsweise zur Reinigung von Polysilicium-Bruchstücken
mit einem maximalen Teilchendurchmesser von etwa 50 mm, besonders bevorzugt einem
maximalen Teilchendurchmesser von etwa 25 mm, insbesondere bevorzugt mit einem maximalen
Teilchendurchmesser von 10 &mgr;m bis 10 mm.
Der Behälter, in dem das erfindungsgemäße Verfahren
durchgeführt wird, kann aus einem preiswerten Kunststoffen, wie z.B. Polypropylen
bestehen, während herkömmliche Verfahren in Behältern aus teureren
Kunststoffen, wie Polyvinylidenfluorid oder Teflon/PFA durchgeführt werden
müssen.
Das Verfahren kann grundsätzlich in einer Hub/Senk-Anlage, Trommelanlage
oder Schaukelanlage mit mehreren Becken, die hinter einander angeordnet sind, durchgeführt
werden. Vorzugsweise wird es jedoch in einem einzigen Becken, bei dem die verschiedenen
Medien (HF/H2O2 und Spülwasser) aus verschiedenen Behältern
zugeführt werden, durchgeführt.
Dies kann beispielsweise in einer käuflich erhältlichen
Autoklavenätzanlage geschehen. In dieser Anlage findet das Reinigen, Spülen
und Trocknen in einer Einkammeranlage statt. Eine solche Anlage erfordert gegenüber
einer Hub/Senk-Anlage einen deutlich geringeren Platzbedarf.
Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht es, einen
stark mit Eisen und Chrom verunreinigten Polysilicium-Bruch auf einen Eisen- und
Chromgehalt kleiner 100 ppbw, vorzugsweise kleiner 10 ppw, zu reinigen. Ein derartiges
Polysilicium mit einem Eisen- und Chromgehalt kleiner 10 ppw wird bevorzugt in der
Solarindustrie eingesetzt. Aber auch ein Polysilicium-Bruch mit einem Eisen- und
Chromgehalt kleiner 100 ppbw ist wünschenswert, da diese Materialien in den
Ziehprozessen zu qualitativ besserem Material zugemischt werden kann. Das Verfahren
ist erheblich kostengünstiger als bekannte Verfahren zur Reinigung von Polysilicium-Bruch.
Die folgenden Beispiele dienen der weiteren Erläuterung der Erfindung.
Beispiel 1: (erfindungsgemäß)
30 kg eines Polysilicium-Bruchs mit einem Partikeldurchmesser von
10 bis 10 000 &mgr;m und einer oberflächlichen Verunreinigung an Fe von 1
ppm, wie sie beim Brechen eines Polysiliziumstabes mittels einer herkömmlichen
Brechanlage auftritt, werden in eine Prozessschale mit Deckel gegeben. Anschließend
wird 600 l einer Mischung von 10 Gew% HF und 2 Gew% H2O2 in
Wasser in die Prozessschale gegeben und der Deckel geschlossen. Die Prozessschale
führt während der Reinigung ein Hub/Senk-Bewegung mit einer Frequenz von
5 Hüben pro Minute durch. Nach einer 20 bzw. 40 minütigen Säurebehandlung
wird die Säure abgelassen und der Polysilicium-Bruch anschließend 5 Min.
mit kaltem Reinstwasser gespült. Nach einer Warmwasserspülung bei 80 Grad
wird das Material bei 80 Grad im Trockenschrank 24 Stunde lang getrocknet.
Beispiel 2: (Vergleichsbeispiel)
Analog Beispiel 1 wurden 30 kg eines Polysilicium-Bruchs mit einem
Partikeldurchmesser von 10 bis 10 000 &mgr;m gereinigt, wobei statt der Mischung
von 10 Gew% HF und 2 Gew% H2O2 in Wasser nun eine Mischung
aus 5 Gew% HF, 10 Gew% HCl und 1,5 Gew% H2O2 in Wasser eingesetzt
wurde.
Beispiele 3:
Die Verunreinigung der Oberflächen der gemäß Bsp. 1
und Bsp. 2 erhaltenen gereinigten Siliciumpulver wurde, wie in US
6,309,467 21 am Ende von Bsp. 3 beschrieben, bestimmt. Tab. 1 gibt die
ermittelten Werte sowie die Ausbeute an gereinigtem Si und den jeweiligen spezifischen
Säureverbrauch (g Säure/Kg Si) wieder.
Tab. 1
Medium
Reinigungszeit [Mini
Fe [ppbw]
Cr [ppbw]
Ni [ppbw]
Ausbeute in%
Spezifischer Säureverbrauch in g/kg
HF/H2O2 (e)
20
15
1
0,5
99,9
0,001
HF/H2O2 (e)
40
5
0,5
0,2
99,9
0,002
HF/HCl/H2O2 (v)
20
15
1
0,5
99
0,2
HF/HCl/H2O2 (v)
40
5
0,5
0,2
98
0,4
(v) Vergleichsbeispiel; (e) erfindungsgemäßes Bespiel.
Die Ergebnisse zeigen, dass mit der erfindungsgemäßen Aufreinigung
ebenso gute Ergebnisse erzielt werden, wie mit dem Verfahren gemäß Stand
der Technik. Vorteilhaferweise kommt es beim erfindungsgemäßen Verfahren
allerdings zu keinem Siliciumverlust, so dass insbesondere bei feinen Pulvern mit
großer Oberfläche die Ausbeuten an gereinigtem Si stark erhöht sind.
Der Siliziumverlust von 0,1% beim Reinigen mit HF/H2O2 entsteht
nur durch das Austragen von Si-Feinstaub. Beim Reinigen mit HF/HCl/H2O2
entsteht der Verlust durch den Feinstaubaustrag und die Menge an aufgelöstem
Silizium, die durch den Ätzabtrag von 0,1 &mgr;m entsteht. Während mit
einer Reinigungszeit von 40 Minuten mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
ein Material mit einem Eisen- und Chrom-Gehalt von < 10 ppbw erhalten werden
kann, welches allen Anforderungen genügt, ist auch ein Verfahren mit einer
kürzeren Reinigungszeit (zwischen 5 bis 40 Min) noch vorteilhaft, da ein derartiges
Material mit Verunreinigungen unter 100ppw eine für verschiedene Anforderungen
ausreichende Qualität aufweist.