In der ISDN-Technik kennt man für den sog. Basisanschluss drei
verschiedene Schnittstellen:
- a) Uk0-Schnittstelle mit Echo-Unterdrückung; 2-drähtig.
- b) S0-Schnittstelle; 4-drähtig mit getrennten Aderpaaren für die Sende-(TX)
und Empfangs-Richtung (RX); international als S/T-Schnittstelle bezeichnet.
- c) Up-Schnittstelle mit Zeitgetrenntlageverfahren (Ping-Pong); 2-drähtig.
Je nach möglicher Kabellänge unterscheidet man hier UpN oder Up0. Auch
die Bezeichnungen UpE und Up200 sind gebräuchlich. (In dieser Beschreibung
wird immer der Begriff „Up" benutzt)
Ferner unterscheidet man, insbesondere bei S0-Schnittstellen, zwischen
TE (Terminal Equipment) und NT(Network Termination). Diese Unterscheidung ist bei
einer 4-Draht-Schnittstelle wie der S0-Schnittstelle besonders wichtig, da hier
getrennte Sende- und Empfangsleitungspaare verwendet werden. Bei Verbindung der
TE- und NT-Schnittstelle werden Receiver mit Transmitter verbunden und so eine Datenkommunikation
erst ermöglicht. Andernfalls würden beide Receiver und beide Transmitter
verbunden werden und es käme keine Kommunikation zustande.
In vielen Anwendungen ist es wünschenswert, die Schnittstelleneigenschaften
möglichst spät festzulegen, also in vielen Fällen erst nach Auslieferung
des Gerätes bei der Installation. Bei kostengünstiger Realisierung kann
auf die Produktion von verschiedenen Gerätetypen für unterschiedliche
Schnittstellen verzichtet werden, da diese einfach auf die erforderlichen Schnittstelleneigenschaften
konfiguriert werden können. Andererseits ist es nicht immer wünschenswert
eine vollständig softwaregesteuerte Konfiguration der Schnittstelleneigenschaften
vorzunehmen, da hierfür der Installateur die Software bedienen können
muss und auch zur Installation ein portabler PC notwendig ist.
Nach dem Stand der Technik gibt es bereits mehrer integrierte Schaltungen
(IC), die zumindest chipintern eine Umschaltung zwischen S0- und Up-Schnittstelle
ermöglichen, so z.B.:
- – VIP/DELIC von der Fa. Infineon,
- – XHFC-Serie von der Fa. Cologne Chip.
Ferner ist aus der Druckschrift DE102004005089A1
bekannt, wie eine kombinierte Anschaltung von S0- und Up unter Verwendung von nur
zwei S0-Transformatoren realisiert werden kann. Diese Lösung benutzt allerdings
Schalter (Jumper) zur Umschaltung der verschiedenen Schnittstellen-Modi und zeigt
lediglich eine Umschaltung leitungsseitig von den Transformatoren.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, Konfigurationsschaltungen
für ISDN-Schnittstellen zu entwickeln, die äußerst kostengünstig
eine Schnittstellenkonfiguration durch wenig geschultes Personal bei der Installation
(sozusagen im Feld) zulässt. Zusätzlich soll die Erfindung die Notwendigkeit
verschiedener Gerätetypen für die unterschiedlichen Schnittstellenszenarien
überflüssig machen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst,
dass durch Kodier-Stecker oder -Buchsen zwischen verschiedenen ISDN-Schnittstellen
und verschiedenen ISDN-Schnittstellen-Modi umgeschaltet wird. Hierbei wird also
nicht elektronisch oder durch den Einsatz von einzelnen Steckbrücken (Jumpern)
die entsprechende Konfiguration eingestellt, sondern ein einziges zu steckendes
Element ist für die Konfiguration bestimmend.
Ferner wird diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch gelöst,
dass chipseitig für S0 und Up eine passive Empfängerschaltung zwischen
ISDN-Transformator und ISDN-Chip angeordnet ist und dass für die Sendeschaltung
für S0 und Up ein Transformator mit einem Übertragungsverhältnis
von 1:2 verwendet wird. Durch die Verwendung einer gemeinsamen Empfängerschaltung
wird der Aufwand weiter minimiert. Da hier keine aktiven Verstärker benutzt
werden, ist die erreichbare Übertragungsreichweite allerdings etwas geringer
als bei Verwendung der optimalen Empfängerschaltung. Durch Verwendung eines
1:2 Transformators für S0 und Up wird die Sendeamplitude für die Up-Schnittstelle
etwas geringer als normkonform und auch die Übertragungsreichweite wird etwas
reduziert. Für die weitaus meisten Anwendungen sind jedoch Reichweiten von
bis zu 1 km völlig ausreichend, so dass hier kein in der Praxis relevantes
Problem entsteht.
Natürlich sind durch zusätzliche elektronische oder mechanische
Umschalter auch völlig normgerechte Verhältnisse für die Up-Schnittstelle
erreichbar, was den Aufwand aber etwas erhöht. Mit der hier gezeigten Konfiguration
kann zwischen S0-TE, S0-NT, Up-NT und Up-TE umgeschaltet werden. Ferner sind Terminierungen
einschaltbar und alle Modi werden mit der entsprechenden Speisung betrieben. Ferner
wird für die TEs eine normgerechte Überspannungsfestigkeit (1,5 kV Spannungspuls)
erreicht, die in den anderen Modi nicht nötig ist.
Erfindungsgemäß kann sowohl ein Stecker als auch eine Buchse
als steckbares Kodierelement verwendet werden. Hier ist es vorteilhaft, wenn alle
oder aber auch nur Teile der folgenden Signale dort aufgelegt sind:
- a) jeweils 2 Anschlüsse des Receive- und Transmit-Tranformators
- b) 4 Anschlüsse zur ISDN-Leitung
- c) 2 Anschlüsse für die Speisezuführung für S0
- d) 2 Anschlüsse für die Speisezuführung für Up
- e) 2 Anschlüsse für die Terminierung
- f) 2 Anschlüsse der Spannungsquelle für die Speisung
- g) mindestens 2 Anschlüsse für die Erkennung des Kodiersteckers (Key-Kontakte)
a) und b) ermöglichen die Zuordnung zwischen Transformatoren
und der ISDN-Buchse. Diese ist für S0-TE und S0-NT unterschiedlich, da immer
RX ↔ TX-Verbindungen zustande kommen müssen und extern Kabel ohne Leiterverdrehung
eingesetzt werden. Für Up werden die beiden S0-Transformatoren parallel geschaltet.
Da die Speisezuführung für S0 und Up höchst unterschiedlich
ist, sind auch jeweils 2 verschiedene Anschlüsse (c) und d)) hierfür vorgesehen.
Für die S0-NT-Schnittstelle wird üblicher Weise eine Terminierung
der Leitung mit 2 mal 100 Ohm vorgesehen. Diese kann über die Anschlüsse
e) verbunden werden. Hierdurch kann auch verhindert werden, dass für eine S0-TE-Schnittstelle
überhaupt eine Terminierung eingeschaltet werden kann.
Auf den Anschlüssen f) liegen die Anschlüsse der Spannungsquelle
für die Speisung der Schnittstelle. Dabei wird davon ausgegangen, dass die
selbe Spannungsquelle für die Speisung für S0 und Up verwendet wird. Dieses
ist möglich, da für S0 maximal 42 V zulässig sind und für Up
48 V +/– 9 V, so dass eine Spannung von 39–42 V hier sinnvoll ist.
Entsprechend dem Anspruch 10 ist es aber auch möglich durch Einbau einer Z-Diode
in die S0-Speisung eine höhere Spannung für die Up-Speisung zu verwenden
und durch besagte Z-Diode die Speisespannung für S0 entsprechend zu reduzieren.
Ebenfalls möglich ist die Verwendung von zwei unterschiedlichen Spannungsquellen,
wobei dann allerdings u.U. zusätzliche Anschlüsse auf dem Kodierstecker
nötig sind.
Zusätzliche Merkmale, die entweder alle oder auch nur einzeln
genutzt werden, verbessern die Anwendbarkeit der Erfindung. Es handelt sich hierbei:
- aa) durch unbelegte Steckkontakte wird eine normgerechte Überspannungsfestigkeit
zwischen den Schnittstellensignalen und der Speisespannung erreicht,
- bb) der Kodier-Stecker oder -Buchse ist als zweireihiger Pfostenstecker ausgebildet,
- cc) der Kodier-Stecker oder -Buchse ist 20-polig,
- dd) Kodier-Stecker und -Buchse sind durch entsprechende mechanische Kodierung
verdreh- und verschiebesicher ausgeführt, so dass die Verbindung nur eindeutig
hergestellt werden kann,
- ee) der Kodier-Stecker oder -Buchse ist mit einem Rastermaß von 1 mm oder
1,27 mm ausgeführt,
- ff) die Verbindungen auf dem zu steckenden Element werden mit einer kleinen
Leiterplatte vorgenommen.
Nach aa) wird durch nicht benutzte Kontakte zwischen den Signalen,
die mit der ISDN-Leitung in Verbindung stehen, und denen, die z.B. die Speisespannung
liefern, eine normgerechte Überspannungsfestigkeit erreicht, Nach bb) wird
der Stecker als zweireihiger Stecker/Buchse realisiert, um preiswerte handelsübliche
Stecksysteme benutzen zu können.
Nach cc) wird ein 20-poliges Steckverbindersystem benutzt, da 20 Pole
eine gängige Größe für 2-reihige Steckverbinder darstellt. Dadurch
wird der Preis weiter gesenkt.
Nach dd) kann durch Kombination zweier mechanisch auf einander abgestimmter
Steckelemente eine verdrehsichere Verbindung hergestellt werden. Gerade bei ungeschultem
oder wenig geschulten Personal ist die eindeutige, verdrehsichere Steckverbindung
sehr wichtig. Zur Realisierung bieten sich Wannenstecker, die einen Kunststoffkragen
haben und einer mit einer Nase kodierten Buchse als Steckverbindung an. Durch den
Wannenstecker ist eine verschiebesichere Verbindung gewährleistet; die Kodierungsnase
verhindert das umgekehrte Einstecken.
Benutzt man nach ee) Steckverbinder, die einen deutlich kleineren
Rasterabstand als die gängigen 2,54 mm oder 2 mm haben, so kann man den Kodierstecker
so ausführen, dass er in der Breite kleiner oder etwa gleich groß wie
eine RJ45-Buchse ist. RJ45-Buchsen werden üblicherweise als Verbindungsstecksystem
für ISDN-Anschlüsse benutzt. Damit können die RJ45-Buchsen und die
Kodierstecker direkt nebeneinander angereiht werden.
Nach ff) ist es sinnvoll die für die Konfiguration notwendigen
Verbindungen auf einer kleinen Leiterplatte zu realisieren, die direkt mit dem Stecker
oder der Buchse verbunden ist. Diese Leiterplatte kann so ausgeführt werden,
dass das zu steckende Element ergonomisch geformt ist. Eine deutliche, augenfällige
Beschriftung sollte es auch dem ungeschulten Personal ermöglichen, das richtige
Element zu stecken.
Wenn nun die Schnittstelle richtig durch ein Steckelement konfiguriert
ist, so muss in der Regel auch der entsprechende Schnittstellenmodus per Software
eingestellt werden. Dies führt in der Regel zu entsprechenden Einstellungen
in Registern des ISDN-Chips. Hierfür muss es dem steuernden Computersystem
ermöglicht werden, über entsprechende Leitungen die Konfiguration der
Schnittstelle abzufragen.
Hierfür werden nach Anspruch 5 Key-Kontakte benutzt, so dass
durch Beschalung der Key-Kontakte, z.B. mit der Speisespannungsquelle, die eingesteckte
Konfiguration gemeldet wird und diese Konfiguration an das steuernde Computersystem
weitergeleitet wird.
Da die Speisespannung für die Schnittstelle in der Regel erdfrei,
meist auch massefrei ist, würde die Abfrage der Key-Kontakte zu einer Durchbrechung
der galvanischen Trennung führen. Dieses kann entsprechend Anspruch 6 dadurch
verhindert werden, dass durch die Verwendung von Opto-Kopplern auch bei erdfreier
Speisespannung die Beschaltung der Key-Kontakte an das Computersystem weitergeleitet
wird.
Für die Zuführung der Speisung muss bei der S0-Schnittstelle
dafür gesorgt werden, dass die beiden Transformatorhälften jeweils in
der Mitte zusammengeschaltet werden. Dieses wird wechselspannungsmäßig
durch einen Kondensator erreicht. Gleichspannungsmäßig kann man anstatt
einer richtigen Zusammenschaltung auch dafür sorgen, dass der Speisestrom auf
beide Transformatorhälften in gleicher Weise aufgeteilt wird. Dieses wird entsprechend
Anspruch 7 dadurch erreicht, dass die Speisespannungszuführung für die
S0-Schnittstelle über Dioden-Paare in der Mitte der Wicklungshälften der
S0-Tranformatoren erfolgt.
Bei der Up-Schnittstelle ist die Speisespannung zwischen den 2 Signalleitungen
angeordnet. Hierbei kann man die Terminierung der Leitung und die Zuführung
der Speisespannung entsprechend Anspruch 8 so realisieren, dass die Speisespannungszuführung
für die Up-Schnittstelle über Widerstände auf die Signalleitungen
erfolgt, die gleichzeitig für den Leitungsabschluss der Schnittstelle sorgen.
Hierfür werden üblicher Weise zwei Widerstände von 50 Ohm benutzt,
um so den normgerechten Leitungsabschluss von 100 Ohm zu realisieren. Zusätzlich
kann bei höheren Speiseströmen entsprechend Anspruch 9 so vorgegangen
werden, dass die Widerstände der Speisespannungszuführung für die
Up-Schnittstelle zur Verringerung der Verlustleistung mit Induktivitäten überbrückt
sind. Dabei sollten die Induktivitäten für Gleichstrom einen sehr viel
kleineren Widerstand als 50 Ohm haben. Im Frequenzbereich der Up-Schnittstellensignale
(> 384 kHz) sollte die Impedanz deutlich höher als 50 Ohm sein.
Wie bereits angesprochen ist der Bereich der zulässigen Speisespannungen
für S0 und Up nur geringfügig überlappend. Um hier normgerechtere
Speisungen zu realisieren kann entsprechend Anspruch 10 so vorgegangen werden, dass
durch ein spannungsreduzierendes Element in der S0-Speisung dafür gesorgt wird,
dass bei Benutzung der selben Spannungsquelle für S0 und Up die Speisespannung
für S0 geringer ist als die für Up. Für das spannungsreduzierende
Element wird üblicher Weise eine Z-Diode eingesetzt.
Besonders attraktiv ist die hier beschriebene Konfiguration, wenn
nicht nur zwischen verschiedenen ISDN-Schnittstellen umgeschaltet werden kann, sondern
zusätzlich auch analoge Telefone angeschlossen werden können. Hierzu wird
entsprechend Anspruch 11 die Konfiguration so erweitert, dass zusätzlich auch
eine analoge Telefonschnittstelle konfiguriert werden kann in dem auf dem Kodier-Stecker
oder der Kodier-Buchse Anschlüsse für eine analoge Telefonschnittstelle
angeordnet sind. Durch entsprechende Kodierstecker und eine analoge Telefon-Interfaceschaltung
(SLIC) kann dann auch eine analoge Telefonschnittstelle auf der gleichen Leiterplatte
realisiert werden.
Um die eingestellte Konfiguration unmittelbar sichtbar zu machen,
wird nach Anspruch 12 vorgeschlagen, dass die durch Kodier-Stecker oder -Buchsen
eingestellte Konfiguration im oder neben dem RJ45-Steckverbinder angezeigt werden.
Hierfür können RJ45-Buchsen verwendet werden, die direkt zwei LEDs eingebaut
haben, wie sie für die Nutzung in LANs (Local Area Networks) üblich sind.
Durch die Nutzung von 2 LEDs können 4 Konfigurationszustände angezeigt
werden.
Die verschiedenen Zeichnungen stellen eine mögliche Implementierung
vor:
1: Übersichtsschaltbild Konfigurationschaltung
bestehend aus:
1a: Receive-Schaltung chipseitig entsprechend Anspruch
2
1b: Transmit-Schaltung chipseitig entsprechend Anspruch
2
1c: Receive-Schaltung leitungsseitig entsprechend Anspruch
7
1d: Transmit-Schaltung leitungsseitig entsprechend
Ansprüchen 7–9
1e: ISDN-Chip-Ansteuerung (Realisierung von Anspruch
12)
1f: Kodier-Stecker oder -Buchse mit Meldung der Konfiguration
entsprechend Ansprüchen 1, 3–6
2a: Beschaltung des Kodiersteckelements für S0
2b: Beschaltung des Kodiersteckelements für Up