Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Konzentrieren von metallsulfathaltiger
Schwefelsäure in einer Verdampferanlage mit mindesten 2 hintereinander geschalteten
Zwangsumlaufverdampferstufen, bestehend aus Verdampfer, Kreislaufpumpe, Wärmeaustauscher
und verbindenden Rohrleitungen. Dabei wird aus dieser Schwefelsäure in einer
ersten mit Frischdampf beheizten Verdampferstufe bei 100 bis 160°C und einem
Druck von 0,05 bis 0,3 MPa Wasser verdampft. Der in der ersten Stufe erzeugte Wasserdampf
wird in der zweiten Verdampferstufe als Heizmedium eingesetzt, in der bei 70 bis
125°C und einem Druck von 0,003 bis 0,02 MPa weiteres Wasser verdampft wird.
Gegebenenfalls wird in einer dritten mit Frischdampf beheizten Verdampferstufe bei
80 bis 150°C und 0,003 bis 0,02 MPa weiteres Wasser bis zum Erreichen der gewünschten
Schwefelsäurekonzentration verdampft.
Die Erfindung betrifft außerdem eine Anlage zur Durchführung
dieses Verfahrens.
Die Eindampfung metallsulfathaltiger Schwefelsäure, insbesondere
der in großer Menge bei der Titandioxidherstellung nach dem Sulfatverfahren
anfallenden so genannten Dünnsäure, ist äußerst energieintensiv.
Deshalb wurde der Prozess vor etwa 30 Jahren von Verfahren mit einstufigen, meist
direkt beheizten Verdampfern auf Verfahren mit mehrstufigen Zwangsumlaufverdampfern
umgestellt. Die bekannten Verfahren unterscheiden sich durch die Betriebsbedingungen
Druck und Temperatur sowie durch die Führung der Stoffströme. Bedingt
durch die hohe Korrosivität der Säure müssen Verdampfer und Rohrleitungen
aus geeigneten Kunststoffen oder aus Stahl, der innen verbleit und säurefest
ausgemauert ist, gefertigt werden. Als Wärmeaustauscher werden Rohrbündelwärmeaustauscher
mit Graphitrohren verwendet (EP 0 418 544
A1, EP 0 425 000 A1 (Seite
3, Zeile 3), EP 0 476 744 A1,
EP 1 098 844 B1), als Kreislaufpumpen
Pumpen aus Siliziumeisenguss.
Um zu vermeiden, dass die Säure bereits in den Wärmeaustauschern
siedet, wird deren Temperatur beim Durchströmen der Wärmeaustauscher nur
um wenige K, meistens um 3 bis 6 K, erhöht. Das bedingt sehr große Kreislaufströme,
um die erforderliche Verdampfungsenergie in die Flüssigkeit einzubringen. Üblich
ist das 50-fache bis 100-fache (EP 1 098
844 B1 (Spalte 3, Zeile 51-53) des eingespeisten Säurestromes. Zur
Förderung derart großer Flüssigkeitsströme werden üblicherweise
Axialpumpen mit geringer Förderhöhe eingesetzt.
Ein generelles Problem dieser Verfahren stellt die Verkrustung der
Wärmeaustauschflächen, aber auch aller sonstigen säureberührten
Flächen dar, wobei die Ablagerungen entweder aus wasserunlöslichen Verbindungen
wie Calciumsulfat, Siliziumdioxid und Titandioxid bestehen können oder aus
Gemischen dieser Verbindungen mit löslichen Metallsulfaten. Probleme breitet
insbesondere der erste Fall, weil der mechanischen Reinigung mit Druckwasser durch
die begrenzte Festigkeit von Graphit enge Grenzen gesetzt sind. Ein zumindest teilweises
Auflösen und Erweichen durch Einwirkung von Chemikalien wie Flusssäure
bereitet wegen der relativ großen Volumina Probleme. Deshalb wurde z. B. vorgeschlagen,
die Ablagerung von Calciumsulfat durch Einhaltung bestimmter Säurekonzentrationen
zu vermeiden (EP 1 098 844 B1).
Alternativ wird in EP 0 476 744 A1
vorgeschlagen, die Säureströme so aufzuteilen, dass in allen Verdampferstufen
Gemische von Eisensulfat und unlöslichen Verbindungen abgelagert werden. Nachteilig
bei diesem Verfahren ist, dass infolge der erhöhten Säurekonzentration
in der ersten Verdampferstufe der Taupunkt des verdampften Wassers (Brüden)
erniedrigt ist und sich somit in der zweiten Verdampferstufe, in der diese Brüden
als Heizmittel eingesetzt werden, weniger Wasser verdampfen lässt.
Zusätzlich zu dem Problem des durch die Ablagerungen verminderten
Wärmeübergangs erfordern Axialkreislaufpumpen infolge des erhöhten
Druckverlustes höhere Motorleistung bei verringertem Volumenstrom.
Ein generelles Problem der Konzentrierung von Dünnsäure
in Zwangsumlaufverdampfern mit Rohrbündelwärmeaustauschern und Axialkreislaufpumpen
besteht darin, dass gelegentlich Ablagerungen von den Wänden der Verdampfer
und Rohrleitungen abplatzen. Diese werden infolge der schonenden Förderung
durch die Axialpumpen bis vor die Rohre der Wärmeaustauscher gefördert
und blockieren diese. Das Herauslösen von Metallsulfaten aus blockierten Rohren
mittels heißen Wassers ist sehr zeitaufwendig.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren und eine
dafür geeignete Anlage zur Verfügung zu stellen, mit denen die oben genannten
Nachteile weitgehend vermieden werden.
Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass als Wärmeaustauscher
Plattenwärmeaustauscher aus Graphit und als Kreislaufpumpen Radialpumpen eingesetzt
werden, die geringere Kreislaufströme verbunden mit größerer Temperaturerhöhung
erlauben.
Es ist durchaus in Sinne der Erfindung, in einer Verdampferstufe mehrere
Plattenwärmeaustauscher und mehrere Radialkreislaufpumpen parallel zu betreiben.
Der Druck in den Wärmeaustauschern wird durch
Androsseln des austretenden Säurestromes so eingestellt, dass (ins Sieden der
Saure in den Wärmeaustauschern sicher vermieden wird.
Vorzugsweise wird dies durch eine Drossel oder Düse im Bereich
der Einleitung in den Verdampfer bewirkt.
Bevorzugt werden Radialpumpen und Plattenwärmeaustauscher eingesetzt,
wenn die im Kreislauf geforderte Säure höchstens 10 Gew.-% Feststoffe
enthält. Deshalb ist eine Kombination des erfindungsgemäßen Systems
mit Radialpumpe und Plattenwärmeaustauscher in der ersten Verdampferstufe und
mit traditioneller Axialpumpe und Rohrbündelwärmeaustauscher in der zweiten
und gegebenenfalls dritten Verdampferstufe vorteilhaft.
Gemäß der Erfindung wird aus der metallsulfathaltigen Schwefelsaure
(im folgenden Dünnsäure genannt) in einer ersten Verdampferstufe bei 100
bis 160°C und einem Druck von 0,05 bis 0,3 MPa (absolut) Wasser verdampft,
wobei die Temperatur der mittels Radialpumpe im Kreislauf geförderten Säure
in mit Frischdampf beheizten Plattenwärmeaustauschern um 5 bis 25 K, vorzugsweise
um 8 bis 20 K, besonders bevorzugt um 10 bis 15 K erhöht wird. Das Verhältnis
des Kreislaufvolumenstromes zu dem eingespeisten Dünnsäurevolumenstrom
wird im Bereich 10 : 1 bis 50 : 1, vorzugsweise im Bereich 12 : 1 bis 30 : 1 eingestellt.
Die aus dem Verdampfer austretenden Brüden werden der zweiten Verdampferstufe
als Heizdampf zugeführt.
Die zweite Verdampferstufe wird bei 70 bis 125°C und einem Druck
im Bereich von 0,003 bis 0,02 MPa (absolut) betrieben. In dieser Stufe können
erfindungsgemäß sowohl Radialpumpen und Plattenwärmeaustauscher als
auch Axialpumpen und Rohrbündelwärmeaustauscher installiert werden. Das
Gleiche gilt für eine gegebenenfalls installierte dritte Verdampferstufe, die
mit Frischdampf betrieben wird und bei der die Wasserverdampfung bei einer Temperatur
im Bereich von 80 bis 150°C und einem Druck im Bereich von 0,003 bis 0,02 MPa
(absolut) erfolgt.
Besondere Vorteile bieten die Plattenwärmeaustauscher, wenn der
Salzgehalt der in Kreislauf geförderten Säure so gering ist, dass als
Ablagerungen auf den Wärmeübertragungsflächen nur wasserunlösliche
Verbindungen abgeschieden werden. Infolge der hohen Turbulenz bilden sich in den
Wärmeaustauschern weniger Ablagerung statt als in Rohrbündelwärmeaustauschern.
Bei erfolgter Ablagerung können die Platten aber mit wenig Zeitaufwand gegen
saubere Platten ausgetauscht werden. Die belegten Platten können ohne Beeinträchtigung
des Anlagenbetriebes mechanisch, vorteilhaft nach längerer Einwirkung von Chemikalien
wie Flusssäure gereinigt werden.
Besonders vorteilhaft kann das erfindungsgemäße Verfahren
zum Konzentrieren von Dünnsäure in einer zweistufigen Verdampferanlage
durchgeführt werden. Die zweite Verdampferstufe besteht aus einem Verdampfer,
einer Axialkreislaufpumpe und einem Rohrbündelwärmeaustauscher, in den
die Brüden aus der ersten Stufe als Heizmedium eingeleitet werden. Die erste
Verdampferstufe besteht aus einem Verdampfer, einer oder mehrerer Radialkreislaufpumpen
und einem oder mehreren Plattenwärmeaustauschern. Die Temperatur in der zweiten
Verdampferstufe wird im Bereich 90 bis 120°C, der Druck im Bereich 0,003 bis
0,015 MPa konstant gehalten, um eine konstante Säurekonzentration im Bereich
von 60 bis 70 Gew.-% (in der flüssigen Phase) zu gewährleisten. In der
ersten Verdampferstufe wird die Temperatur im Bereich von 110 bis 160°C während
des Betriebes so erhöht, dass der durch Ablagerungen im Rohrbündelwärmeaustauscher
der zweiten Stufe verringerte Wärmeübergang kompensiert wird.
Das vorgeschlagene System bietet gegenüber dem Stand der Technik
die Vorteile deutlich geringerer Investitionskosten und geringeren Dampfverbrauchs,
weil die gesamte Wasserverdampfung zweistufig erfolgt.
Die Vorteile der Erfindung sollen mit einem Beispiel verdeutlicht
werden, ohne dass dadurch der Umfang der Erfindung beeinträchtigt wird.
Beispiel:
In einer zweistufigen Verdampferanlage wird Dünnsäure (24
% H2SO4, 12,2 % Metallsulfate) konzentriert. Durch Verdampfung
von 15 t/h Wasser werden aus 28 t/h Dünnsäure 13 t/h einer Suspension
mit 51 % H2SO4 und 25,3 % Metallsulfaten erzeugt.
Die Verdampferstufe 1 besteht aus einem Verdampfer aus Stahl, der
innen verbleit und mit Kohlenstoffsteinen ausgekleidet ist. Als Kreislaufpumpe ist
eine Radialpumpe aus Siliziumeisenguss mit einer Förderleistung von 560 m3/h
und einer Förderhöhe von 26 m installiert. Pumpendruckseitig sind 4 mit
Frischdampf (0,8 MPa abs.) beheizte Graphitplattenwärmeaustauscher (SGL CARBON
GROUP) parallel installiert. Die Rohrleitungen aus Stahl sind mit Polytetrafluorethylen
(PTFE) ausgekleidet.
Verdampfer und Rohrleitungen der Verdampferstufe 2 bestehen aus Stahl,
ausgekleidet mit fluorhaltigem Polymer (PTFE) und ausgemauert. Als Kreislaufpumpe
ist eine Axialpumpe mit einer Förderleistung von 1800 m3/h und einer
Förderhöhe von 4,5 m installiert. Der mit den Brüden aus der ersten
Verdampferstufe beheizte Wärmeaustauscher ist ein Graphitrohrbündelwärmeaustauscher.
Die auf ca. 90°C vorgewärmte Dünnsäure wird in
die Ansaugleitung der Radialpumpe eingespeist. Die mit 135°C aus Verdampfer
1 austretende Kreislaufsäure wird in den Plattenwärmeaustauschern auf
146°C erhitzt. Der Druck im Verdampfer 1 beträgt 0,11MPa (abs.). Die Einspeisung
der Kreislaufsäure in den Verdampfer erfolgt durch 4 Düsen, durch die
sich in den Leitungen vor den Düsen ein Druck von 0,18 MPa (abs.) einstellt.
In Verdampferstufe 2 stellt sich mantelseitig eine Temperatur von
101°C ein. Die Temperatur der aus dem Wärmeaustauscher austretenden Kreislaufsäure
beträgt 94°C. Der Druck im Verdampfer 2 beträgt 0,005MPa (abs.).
Um die Betriebbedingungen in Stufe 2 (Temperatur, Druck, Säurekonzentration)
bei verschlechtertem Wärmeübergang infolge Salzablagerung auf den Wärmübertragungsflächen
des Rohrbündelwärmeaustauschers konstant zu halten, wird erfindungsgemäß
im Wärmeaustauscher der Stufe 1 die Temperatur der austretenden Kreislaufsäure
bis auf 155°C erhöht, wodurch die Manteltemperatur im Wärmeaustauscher
2 auf 112°C erhöht wird.
Nach Erreichen dieser Temperatur in Stufe 1 wird die Anlage entleert
und mit Wasser gespült.