Die vorliegende Erfindung betrifft ein Bilderfassungssystem mit einer
optischen Einheit, die über einer Vorlagenfläche verfahrbar angeordnet
ist.
Bei Bilderfassungssystemen, die gelegentlich auch als Scanner bezeichnet
werden, ist eine optische Einheit auf eine feststehende Vorlage gerichtet. Die optische
Einheit weist eine Zeilenkamera zur Bilderfassung auf und wird in einer Längsrichtung
relativ zu der Vorlage verfahren. Beim Verfahren überstreicht die Zeilenkamera
während des Zeitraums der Bilderfassung die Vorlage oder Teile der Vorlage.
Die während des Verfahrvorgangs aufgenommenen Bildzeilen werden in einer nachgeordneten
Elektronik zu einem Bild zusammengefügt oder anderweitig ausgewertet.
Um eine hohe Reproduzierbarkeit und eine hohe Bildqualität zu
erreichen, ist ein präziser Gleichlauf der optischen Einheit nötig. Dies
bedeutet, daß die optische Einheit ohne Schwingungen und mit konstanter Geschwindigkeit
über die Vorlage verfahren wird. Antrieb, Lagerung und Führung der optischen
Einheit müssen daher so ausgebildet sein, daß keine horizontalen und/oder
vertikalen Schwingungen die gleichförmige Bewegung der optischen Einheit stören
und ruckhafte Bewegungen unterbleiben.
Bei Flachbettscannern, welche technisch bedingt mit sehr leichten
optischen Einheiten (CIS-Zeilen) ausgestattet sind, wird häufig eine mittig
angeordnete Führungsstange von einer Führungshülse umschlossen, an
welcher wiederum die optische Einheit befestigt ist. Federnde Gleiter oder Rollen
stützen die optische Einheit gegen das Scannergehäuse oder eine Vorlagenplatte
ab.
Bei größeren Scannern, die im Gegensatz zu Flachbettscannern
mit einer schwereren Kamera mit Objektiv ausgestattet sind, wird die optische Einheit
zumeist entlang von zwei parallelen Führungsstangen geführt. Eine oder
zwei parallel laufende Antriebsriemen bewegen die optische Einheit entlang der Führungsstangen.
Für eine gleichförmige Bewegung sind bei größeren Scannern sehr
hohe Anforderungen an die Parallelität der beiden Führungsstangen zu stellen.
Bereits geringfügige Abweichungen in der Parallelität können zu einem
Verkanten bei der Führung der optischen Einheit führen, so daß Schwingungen
bzw. ruckartige Stöße an der optischen Einheit während der Verfahrbewegung
über der Vorlage auftreten.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Bilderfassungssystem
mit einer optischen Einheit bereitzustellen, das mit möglichst einfachen Mitteln
eine präzise gleichförmige Bewegung der optischen Einheit über der
Vorlage gestattet.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch ein Bilderfassungssystem
mit den Merkmalen aus Anspruch 1 gelöst. Das erfindungsgemäße Bilderfassungssystem
weist eine optische Einheit auf, die über einer Vorlagefläche verfahrbar
ist. Die optische Einheit ist an einer ersten Führungsschiene gehalten und
entlang einer zweiten Führungsschiene geführt. Die zweite Führungsschiene
ist seitlich der optischen Einheit und unterhalb des Schwerpunkts der optischen
Einheit angeordnet. Die erste Führungsschiene, an der die optische Einheit
gehalten ist, ist oberhalb des Schwerpunkts der optischen Einheit und auf der der
zweiten Führungsschiene zugewandten Seite des Schwerpunkts angeordnet. Die
Anordnung der ersten Führungsschiene seitlich des Schwerpunkts bewirkt, daß
die optische Einheit ein Kippmoment erfährt, das eine Bewegung der optischen
Einheit in Richtung der zweiten Führungsschiene hervorruft. An der zweiten
Führungsschiene liegt die optische Einheit mit einer durch das Kippmoment hervorgerufenen
Kraft an, so daß eine gleichmäßige Führung der optischen Einheit
an der zweiten Führungsschiene möglich ist. Gehalten wird die optische
Einheit an der ersten Führungsschiene, wobei bevorzugt die Halterung an der
ersten Führungsschiene zuläßt, daß die optische Einheit sich
quer zur ersten Führungsschiene bewegen kann. Die zusätzliche Freiheit
beim Halten der optischen Einheit an der ersten Führungsschiene erlaubt es,
daß diese mit einer Kraft an der zweiten Führungsschiene anliegt und ohne
die Gefahr eines Verkantens entlang den Führungsschienen geführt werden
kann. Die Ausrichtung der Führungsschienen ist deutlich einfacher als bei bekannten
Bilderfassungssystemen, da für eine gleichförmige Bewegung die erste und
zweite Führungsschiene nicht vollständig parallel zueinander angeordnet
sein müssen. Vielmehr genügt es, wenn die erste Führungsschiene parallel
zur Vorlagenfläche angeordnet ist und die Längsrichtung der zweiten Führungsschiene
parallel zur ersten Führungsschiene verläuft. Dabei kann die zweite Führungsschiene
aber geringfügig in ihrer Höhe über der Vorlagenfläche variieren,
so daß die Ausrichtung der zweiten Führungsschiene nicht mit demselben
Aufwand wie bei bekannten Bilderfassungsgeräten erfolgen muß.
In einer bevorzugten Ausgestaltung ist die optische Einheit in mindestens
zwei Stellen an der ersten Führungsschiene gehalten, wobei das Halten der optischen
Einheit auch in der bevorzugten Weiterbildung, eine Bewegung der optischen Einheit
quer zur ersten Führungsschiene zuläßt.
Das Halten der optischen Einheit in zwei Punkten an der ersten Führungsschiene
stellt sicher, daß beim Anfahren der optischen Einheit keine Schwingungen in
longitudinaler Richtung, also in Richtung der ersten Führungsschiene, auftreten.
In einer zweckmäßigen Ausgestaltung ist die optische
Einheit mit mindestens einer Rolle auf einem Laufabschnitt der ersten Führungsschiene
gehalten. Die mindestens eine Rolle besitzt eine vertiefte Lauffläche. Bevorzugt
ist der Laufabschnitt der ersten Führungsschiene mit einem abgerundeten Querschnittsprofil
versehen, so daß die Rolle sicher auf dem Laufabschnitt der Führungsschiene
läuft und sich dabei aufgrund ihrer vertieften Lauffläche selbst zentriert.
In einer bevorzugten Ausgestaltung liegt die optische Einheit in einem
Führungspunkt an der zweiten Führungsschiene an. Der Führungspunkt
ist bezogen auf die Verfahrrichtung oder die Richtung der Führungsschiene derart
angeordnet, daß er in dieser Richtung mit dem Schwerpunkt der optischen Einheit
zusammenfällt. Hierdurch wird sichergestellt, daß die auf die Vorlagenfläche
gerichtete optische Einheit nicht verkantet, sondern eine definierte Ausrichtung
besitzt.
In einer bevorzugten Ausgestaltung ist die optische Einheit mit einer
Rolle zur Führung an der zweiten Führungsschiene versehen. Die Rolle kann,
wie bei der Halterung an der ersten Führungsschiene mit einer vertieften Lauffläche
ausgestattet sein. Bevorzugt ist für die Anlage an der zweiten Laufschiene
jedoch eine Rolle vorgesehen, die ohne eine vertiefte Lauffläche an der zweiten
Führungsschiene anliegt und beim Abrollen entlang dieser auch geringfügige
Höhenunterschiede ausgleichen kann.
Das erfindungsgemäße Bilderfassungssystem ist zweckmäßigerweise
mit einem quaderförmigen Rahmen ausgestattet, an dem die erste und zweite Führungsschiene
gehalten sind.
Bevorzugt ist für die optische Einheit eine Antriebseinheit vorgesehen,
um die optische Einheit entlang der Führungsschiene zu verfahren. Bevorzugt
ist die Antriebseinheit mit einem Zahnriemen ausgestattet, der mit der optischen
Einheit verbunden ist und am vorderen und hinteren Ende der Führungsschiene
jeweils in einem Ritzel kämmt. Eines oder beide Ritzel können über
einen Schrittmotor angetrieben werden, um die optische Einheit entlang den Führungsschienen
zu verfahren.
Eine bevorzugte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Bilderfassungssystems
wird nachfolgend an einem Beispiel näher erläutert. Es zeigt:
1 einen Querschnitt durch das Bilderfassungssystem
über einer Vorlagenfläche,
2 eine perspektivische Ansicht des Bilderfassungssystems
von der Seite,
3 eine Detailansicht der Führung der optischen
Einheit an der ersten Führungsschiene und
4 eine Detailansicht der Führung der optischen
Einheit an der zweiten Führungsschiene und
5 eine schematische Ansicht des in einem Halterahmen
angeordneten Bilderfassungssystems.
1 zeigt ein erfindungsgemäßes Bilderfassungssystem
bestehend aus einer optischen Einheit 1, welche oberhalb eines Vorlagentisches
2 angeordnet ist und in Richtung A auf den Vorlagentisch 2 ausgerichtet
ist. Dieser kann als ein elektrostatischer Vorlagentisch ausgebildet sein, der die
zu erfassende Vorlage flach hält. Die optische Einheit 1 ist an einer
oberhalb angeordneten ersten Führungsschiene 3 gehalten. Seitlich
stützt sich die optische Einheit an einer zweiten Führungsschiene
4 ab.
Der besseren Übersicht halber ist in 1
der Schwerpunkt S der optischen Einheit in der Mitte des Querschnitts der optischen
Einheit eingezeichnet. Der in 1 gezeigte Haltepunkt
der optischen Einheit an der ersten Führungsschiene 3 besitzt einen
Abstand B von dem Schwerpunkt S. Der Schwerpunkt S ist ebenfalls um die Höhe
C oberhalb des Berührungspunktes der optischen Einheit an der seitlichen Führungsschiene
4 angeordnet. Im Schwerpunkt S greift die Gewichtskraft G an. Bei größeren
Bilderfassungssystemen kann die optische Einheit mitunter einige Kilogramm, beispielsweise
bis zum 10 kg wiegen. Die angreifende Gewichtskraft G greift im Schwerpunkt S an
und wirkt durch den seitlichen Versatz B als ein Drehmoment M, das im Ergebnis eine
Kraft F der optischen Einheit auf die zweite Führungsschiene 4 bewirkt.
2 zeigt in einer perspektivischen Ansicht die optische
Einheit, die an einer ersten Führungsschiene 3 gehalten ist und sich
seitlich an der Führungsschiene 4 abstützt. Die optische Einheit
1 ist in 2 als ein quader- oder würfelförmiges
Gehäuse dargestellt und verfährt entlang der Führungsschiene
3 über dem Vorlagentisch 2. Wie aus 1
ersichtlich, besitzt die optische Einheit 1 einen Abstand von dem Vorlagentisch
2. Deutlich zu erkennen in 2 ist, daß
die optische Einheit an der ersten Führungsschiene 3 über zwei
Rollen 8, 8' gehalten ist, die an einem winkelförmigen Halter
5 angeordnet sind. Seitlich erfolgt die Abstützung der optischen Einheit
1 über eine Rolle 17, die an einem Winkelblech
14 gehalten ist und an der Führungsschiene 4 anliegt.
3 zeigt im Detail den Aufbau, mit dem die optische
Einheit 1 an der ersten Führungsschiene gehalten ist. Die erste Führungsschiene
besteht aus einer Tragvorrichtung 10, an der die Führungsschiene
11 angeordnet ist. Selbstverständlich ist hier auch ein Aufbau möglich,
bei dem Tragvorrichtung 10 und Führungsschiene 11 einstückig
ausgebildet sind. Die Führungsschiene 11 besitzt einen Schienenkörper
12
, der in dem dargestellten Ausführungsbeispiel einen runden
Querschnitt aufweist. Auf dem Schienenkörper 12 angeordnet ist eine
Laufrolle 8, die eine dreieckige umlaufende Nut 9 besitzt. Die
umlaufende Nut 9 bildet eine vertiefte Lauffläche, die in zwei Auflagepunkten
13, 13' auf dem Schienenkörper 12 aufliegt. Die
Laufrolle 8 zentriert sich auf dem Schienenkörper 12 selbständig,
so daß die Auflagepunkte 13, 13' stets den gleichen Abstand
von einer Mittelachse des Schienenkörpers 12 besitzen. Die Rolle
8 ist drehbar auf einer Achse 7 gelagert, die auf dem senkrechten
Schenkel 6 der winkelförmigen Halterung 5 angebracht ist.
4 zeigt den Aufbau der zweiten seitlichen Führungsschiene
im Detail. Auch hier ist wieder ein Aufbau dargestellt, mit einer Tragvorrichtung
18, an der die Führungsschiene 19 gehalten ist. Die Führungsschiene
19 besitzt den gleichen Aufbau wie die Führungsschiene 11
aus 3 mit einem im Querschnitt runden Schienenkörper
20. An dem Schienenkörper 20 liegt ein zylindrisches Laufrad
17 an. Das Laufrad 17 kann beispielsweise der äußere
Ring eines Kugellagers sein. Gehalten wird das Laufrad 17 über eine
Achse 16, die an einem waagerechten Schenkel 15 des Winkelelements
14 befestigt ist.
5 zeigt in einer Gesamtansicht von der Seite das gesamte
Bilderfassungssystem. Das Bilderfassungssystem besteht aus einem quadeförmigen
Rahmen 22 mit einem Vorlagentisch 2, der über höhenverstellbare
Füße 23 ausgerichtet werden kann. In der optischen Einheit
1 ist schematisch angedeutet eine Kamera 24, die auf den Vorlagentisch
2 ausgerichtet ist. Nicht dargestellt in 5
sind die zusätzlichen optischen Elemente, wie beispielsweise Spiegel und Beleuchtung
für die Vorlage, die sicherstellen, daß die Kamera 24 ein gleichmäßig
ausgeleuchtetes und scharfes Bild der Vorlage erzeugt. Der Vorlagentisch
2 ist über seitliche Schienen 25 verschieblich an dem Rahmen
angeordnet und kann unter der optischen Einheit hervorgezogen werden, um die Vorlage
auf diesem zu positionieren.
In 5 sind ferner die Halterollen
8, 8' dargestellt, mit denen die optische Einheit 1 entlang
dem Schienenkörper 12 verfährt. Die seitliche Anlage für
die optische Einheit ist in 5 hinter der optischen
Einheit angeordnet, so daß der Schienenkörper 20 hinter der optischen
Einheit vortritt.
Im Betrieb wird die optische Einheit 1 entlang dem Schienenkörper
12 verfahren, wobei sich die exzentrische Aufhängung über die
Rollen 8, 8' eine Andruckkraft gegen den Schienenkörper
20 erzeugt wird. Die Bewegung der optischen Einheit 1 erfolgt
aufgrund der Andruckkraft frei von Schwingungen quer zur oberen Führungsschiene.
Hinzu kommt, daß durch das Abrollen der Rolle 17 an der seitlichen
Führungsschiene auch ein Verkanten beim Verfahren der optischen Einheit vermieden
wird, so daß auch Ruckbewegungen oder Schwingungen entlang der Richtung der
ersten Führungsschiene vermieden werden.