Die Analyse der Myokardbewegung ist wesentlich für das Verständnis
der Herztätigkeit und damit für die Einschätzung des Herzzustands
zum Beispiel nach einem akuten Myokardinfarkt. Das Myokard-Tagging ermöglicht
es, Gewebedeformationen genau zu beurteilen. Herkömmliche Tagging-Sequenzen
wie „SPAMM", das in dem Artikel von L. Axel und L. Dougherty in Radiology
1989; 171, Seite 841–845, beschrieben wird, oder „CSPAMM", das in
dem Artikel von S.E. Fischer et al. in Magnetic Resonance in Medicine: 30, Seite
191–200 (1993), beschrieben wird, erlauben die Registrierung der räumlichen
Verschiebung des Myokards lediglich als eine zweidimensionale Projektion. Die Analyse
der tatsächlichen dreidimensionalen (3D) Bewegungstrajektorien ist daher nur
begrenzt möglich. Frühere Verfahren der 3D-Bewegungsverfolgung kombinieren
zum Beispiel getaggte 2D-Kurzachsenansichten mit getaggten 2D-Langachsenansichten
oder mit einer 1D-Geschwindigkeitskarte. Die Nachteile dieser bekannten Verfahren
liegen in der zeitaufwändigen und anspruchsvollen Planungsprozedur sowie in
der schwierigen Anpassung der 2D-Bilder an einen 3D-Datensatz.
In dem Dokument EP-A-0507392
werden magnetische Resonanzbildgebungsverfahren für das Myokard-Tagging zur
Beurteilung der Myokardmotilität beschrieben. Bei diesen Verfahren werden dem
Herzen eines Objekts Tagging-Impuls- und Gradientensequenzen zugeführt, um
getaggte Magnetresonanzbilder von zum Beispiel Schichten des Herzens von der Diastole
bis zur Systole zu erfassen, wobei die Sequenzen beim Erkennen der R-Zacke eines
EKG getriggert werden. Bei diesen bekannten Sequenzen, zum Beispiel der so genannten
SPAMM-Sequenz, ist es, wenn es überhaupt möglich ist, sehr schwierig,
das Tagging-Gitter automatisch zu erkennen und daher die Bewegung quantitativ auszuwerten.
In dem Dokument EP-A-0507392 werden
ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Magnetresonanzbildgebung beschrieben, die
eine automatische quantitative Auswertung der Bewegung eines Teils eines Objekts
ermöglichen. Die Impuls- und Gradientensequenzen werden paarweise mit räumlich
unterschiedlichen Tagging-Mustern zugeführt, wobei die den Paaren entsprechenenden
Bilder subtrahiert werden, um ein getaggtes Bild zu erstellen. Die Bewegungen werden
überwacht, indem das Tagging-Muster in dem getaggten Bild abgetastet wird.
Die vorliegende Erfindung hat zur Aufgabe, die Einschränkungen
der bekannten 2D-Taggingverfahren zu überwinden. Die Erfindung ist in den unabhängigen
Ansprüchen definiert. Die abhängigen Ansprüche definieren vorteilhafte
Ausführungsformen.
Diese und weitere Vorteile der Erfindung werden in der folgenden Beschreibung
dargelegt, in der ein Ausführungsbeispiel der Erfindung unter Bezugnahme auf
die begleitenden Zeichnungen beschrieben wird.
1 zeigt eine Tagging-Sequenz in drei Dimensionen;
2 zeigt ein Modell des Herzens mit drei orthogonalen
Abschnitten;
3 zeigt ein 3D-Tagging-Muster in vivo in einer Kurzachsenansicht
in der x-y-Ebene;
4 zeigt das gleiche 3D-Tagging-Muster in einer Langachsenansicht
in der x-z-Ebene;
5 zeigt das gleiche 3D-Tagging-Muster in einer Langachsenansicht
in der y-z-Ebene;
6 zeigt ein Gerät zum Ausführen des Verfahrens
gemäß der vorliegenden Erfindung; und
7 zeigt einen Schaltplan für das Gerät aus
6.
Das Tagging-Präparationsverfahren gemäß der vorliegenden
Erfindung beruht auf der Subtraktion zweier Bilder mit Tagging-Modulation mit komplementären
Vorzeichen. Das Tagging-Gitter wird dabei durch Sättigungsinformationen erlangt,
die über das abzubildende Objekt induziert wurden. Dadurch wird ein Nachlassen
der Intensität der Tag-Linie verhindert und infolgedessen die Beobachtung der
Herzbewegung während des gesamten Herzzyklus ermöglicht. Zwei 90°-HF-Blockimpulse
1 und 2 werden mit einem Dephasierungsgradienten D vermischt,
so dass eine sinusförmige Modulation der z-Magnetisierung und damit ein linienförmiges
Tagging-Muster entsteht, d.h. ein Satz paralleler Sättigungsebenen. Um ein
dreidimensionales Tagging-Gitter zu erzeugen, wird die Modulation in allen drei
räumlichen Richtungen wiederholt, d.h. in der x-Richtung, der y-Richtung und
der z-Richtung. Auf jede Modulation folgt ein Spoilergradient S1, S2
und S3 mit jeweils unterschiedlicher Größe, um eine verbleibende
Transversalmagnetisierung zu zerstören und Phasenkohärenzeffekte zu verhindern.
Wie in 1 zu sehen ist, ist der Spoilergradient S2
stärker als der Spoilergradient S1, und der Spoilergradient S3
ist stärker als der Spoilergradient S2. Es wird ein Abstand zwischen
den Tag-Linien von 10 mm gewählt. Die gesamte Tagging-Präparation dauert
7,6 ms. Um die komplementäre räumliche Modulation der Magnetisierung (engl.
complementary spatial modulation of magnetization, CSPAMM) zu erreichen, wird der
zweite HF-Impuls der y-Richtung invertiert. Weitere Einzelheiten zum CSPAMM-Verfahren
sind in dem oben genannten Artikel von S.E. Fischer et al. nachzulesen.
Nach der Tagging-Präparation wird eine dreidimensionale EPI-Sequenz
mit Strömungskompensation und verschachtelten Gradienten mit einem EPI-Faktor
= 9, Flipwinkel = 16° und TE = 7,1 ms für die Bildgebung verwendet (EPI:
echo planar imaging; Echoplanar-Bildgebung). Ein Volumen von 256 × 256 ×
40 mm3 wird mit einer Ortsauflösung von 2,0 × 2,0 × 2,0
mm3 abgebildet. Es werden sechzehn Herzphasen mit einer Bild-zu-Bild-Auflösung
von 35 ms erreicht. Um eine Atmungsbewegung zu vermeiden, wird die Abtastdauer in
10-sekündige Perioden mit Atemanhalten aufgeteilt. Um während des gesamten
Abtastvorgangs die gleiche Zwergfellposition gewährleisten, wurde ein navigatorgeführtes
Verfahren des Atemanhaltens eingeführt. Aus diesem Grunde wird die Auslenkung
des Zwergfells in Echtzeit mit einer Auflösung von 100 ms verfolgt, wodurch
es dem Bediener ermöglicht wird, das Objekt oder Individuum dahingehend zu
führen, dass es seinen Atem an der korrekten Position anhält. Während
des Atemstillstands wird ein Navigator-Gating angewendet. Alle Messungen wurden
mit Ganzkörperscanner, dem Philips Gyroscan ACS/NT mit 1,5 Tesla, durchgeführt,
der mit einem als „PowerTrack 6000" bekannten Gradientensystem ausgestattet
ist.
Ein Beispiel für die 3D-Tagging-Messungen ist in den
3 bis 5 dargestellt, in
denen das Sättigungsgitter und seine Verformung während der Herzkontraktion
in vivo beobachtet werden können. In 2 ist ein
Modell des Herzens mit drei orthogonalen Abschnitten, d.h. der x-y- oder horizontalen
Ebene, der x-z-Ebene und der y-z-Ebene, dargestellt. In 3
ist ein 3D-Tagging-Muster in vivo mit Zwischenräumen von 10 mm in einer Kurzachsenansicht
in der x-y-Ebene dargestellt, in 4 ist das gleiche
Muster in einer Langachsenprojektion in der x-z-Ebene dargestellt, und in
5 ist das gleiche Muster in der y-z-Ebene dargestellt.
Die 3D-Tagging-Messungen wurden erfolgreich an Phantomen und mit 10 gesunden Freiwilligen
durchgeführt, um die Realisierbarkeit des oben genannten Verfahrens zu zeigen.
Das in 6 dargestellte Gerät ist
ein MR-Gerät, das ein System aus vier Spulen 11 zur Erzeugung eines
stationären, gleichförmigen Magnetfelds umfasst, dessen Stärke in
der Größenordnung von einigen Zehntel Tesla bis einigen Tesla liegt. Die
Spulen 11, die konzentrisch in Bezug auf die Z-Achse angeordnet sind, können
auf einer kugelförmigen Oberfläche 12 vorgesehen werden. Der
zu untersuchende Patient 20 liegt auf einem Tisch 14, der sich
innerhalb dieser Spulen befindet. Um ein Magnetfeld zu erzeugen, das in z-Richtung
verläuft und linear in dieser Richtung variiert (wobei dieses Feld im Folgenden
als Gradientenfeld bezeichnet wird), sind vier Spulen 13 auf der kugelförmigen
Oberfläche 12 vorgesehen. Außerdem sind vier Spulen
17 vorhanden, die ein Gradientenfeld erzeugen, welches ebenfalls (vertikal)
in x-Richtung verläuft. Ein magnetisches Gradientenfeld, das in der z-Richtung
verläuft und einen Gradienten in y-Richtung hat (senkrecht zur Ebene der Zeichnung
aus 6), wird durch die vier Spulen 15 erzeugt,
die identisch mit den Spulen 17 sein können, aber so angeordnet sind,
dass sie hierzu im Raum um 90° versetzt sind. In 6
sind lediglich zwei dieser vier Spulen dargestellt.
Da jedes der drei Spulensysteme 13, 15 und
17 zum Erzeugen der magnetischen Gradientenfelder symmetrisch in Bezug
auf die kugelförmige Oberfläche angeordnet ist, wird die Feldstärke
in der Mitte der Kugel ausschließlich durch das stationäre, gleichmäßige
Magnetfeld der Spule 11 bestimmt. Außerdem ist eine HF-Spule
21 vorgesehen, die ein im Wesentlichen gleichmäßiges HF-Magnetfeld
erzeugt, welches senkrecht zu der Richtung des stationären, gleichmäßigen
Magnetfelds (d.h. senkrecht zu der z-Richtung) verläuft. Die HF-Spule empfängt
während jedes HF-Impulses einen HF-modulierten Strom von einem HF-Generator.
Die HF-Spule 21 kann auch benutzt werden, um die Spinresonanzsignale zu
empfangen, die in der Untersuchungszone erzeugt werden.
Wie in 7 dargestellt, werden die in dem
MR-Gerät empfangenen MR-Signale durch eine Einheit 30 verstärkt
und im Basisband transponiert. Das auf diese Weise erhaltene analoge Signal wird
durch einen Analog-Digital-Umsetzer 31 in eine Sequenz von digitalen Werten
umgesetzt. Der Analog-Digital-Umsetzer 31 wird durch eine Steuerschaltung
29 so gesteuert, dass er nur während der Auslesephase digitale Datenwörter
erzeugt. Dem Analog-Digital-Umsetzer 31 folgt eine Fourier-Transformationseinheit
32, die eine eindimensionale Fourier-Transformation an der Sequenz von
Abtastwerten durchführt, die durch Digitalisierung eines MR-Signals erlangt
wurden, wobei die Ausführung so schnell erfolgt, dass die Fourer-Transformation
beendet ist, bevor das nächste MR-Signal empfangen wird.
Die auf diese Weise durch Fourier-Transformation erzeugten Rohdaten
werden in einen Speicher 33 geschrieben, dessen Speicherkapazität
für die Speicherung von mehreren Rohdatensätzen ausreicht. Aus diesen
Rohdatensätzen erzeugt eine Zusammensetzungseinheit 34 ein zusammengesetztes
Bild, wobei dieses zusammengesetzte Bild in einem Speicher 35 gespeichert
wird, dessen Speicherkapazität für die Speicherung einer großen Anzahl
von aufeinander folgenden zusammengesetzten Bildern 10 ausreicht. Diese
Datensätze werden für unterschiedliche Zeitpunkte berechnet, deren Abstand
voneinander vorzugsweise klein im Vergleich zu der Messperiode ist, die für
die Erfassung eines Datensatzes erforderlich ist. Eine Rekonstruktionseinheit
36, die eine Zusammensetzung der aufeinander folgenden Bilder durchführt,
erzeugt aus den solchermaßen erfassten Datensätzen MR-Bilder,
wobei die MR-Bilder gespeichert werden. Die MR-Bilder stellen die Untersuchungszone
zu den vorgegebenen Zeitpunkten dar. Die Folge der solchermaßen aus den Daten
gewonnenen MR-Bilder gibt die dynamischen Prozesse in der Untersuchungszone in geeigneter
Weise wieder.
Die Einheiten 30 bis 36 werden durch die Steuereinheit
29 gesteuert. Wie durch die nach unten weisenden Pfeile angegeben, sorgt
die Steuereinheit auch für die zeitliche Veränderung der Ströme in
den Gradientenspulensystemen 13, 15 und 17 sowie für
die Mittenfrequenz, die Bandbreite und die Hüllkurve der durch die HF-Spule
21 erzeugten HF-Impulse. Die Speicher 33 und 35 sowie
der (nicht abgebildete) MR-Bildspeicher in der Rekonstruktionseinheit
36 können durch einen einzigen Speicher von angemessener Kapazität
realisiert werden. Die Fourier-Transformationseinheit 32, die Zusammensetzungseinheit
34 und die Rekonstruktionseinheit 36 können durch einen Datenprozessor
realisiert werden, der zur Ausführung eines Computerprogramms gemäß
dem oben genannten Verfahren geeignet ist.
Fig. 1
- Direction
- Richtung