Technologiegebiet
Die Erfindung bezieht sich auf katalytische Reduktion von Stickstoffoxiden
in Rauchgasen. Das Verfahren ist insbesondere anwendbar bei Verbrennungsverfahren
wie z.B. in einem Dieselverbrennungsverfahren, zum Behandeln von Auspuffgasen zum
Beispiel bei Fahrzeugen. Zusätzlich kann das Verfahren zum Beispiel beim Behandeln
von Rauchgasen in Industrie und in Energieproduktion angewendet werden.
Hintergrund
Der Gehalt von Stickstoffoxiden (NOx) in Rauchgasen von
Verbrennungsverfahren kann durch Reduzieren dieser Oxide herabgesetzt werden. Zu
diesem Zweck kann man Verbindungen, die Ammoniumstickstoff enthalten, wie z.B. Ammoniak,
Harnstoff, Ammoniumcarbamat, Ammoniumcarbonat, Ammoniumbicarbonat, Ammoniumformiat,
Ammoniumoxalat oder Ammoniumhydroxid, verwenden.
Bei Stickstoffoxid-Entfernung ist die Verwendung selektiver katalytischer
Reduktion (SCR-Techniken) eine bedeutsame Alternative, in welcher Stickstoffoxide
zu Stickstoff und Wasser mit Hilfe eines Katalysators und eines Reduktionsmittels
reduziert werden. Insbesondere Ammoniak und Harnstoff werden als Reduktionsmittel
verwendet. Die Reduktionstemperatur ist gewöhnlich 265 bis 425°C gewesen,
typischerweise 350 bis 400°C. Zum Beispiel ist ein V2O5-TiO2-Katalysator
als Katalysator verwendet worden.
Bei SCR-Techniken für Kraftfahrzeuge verursachen Ammoniak und
Ammoniakwasser Probleme aufgrund von Betriebssicherheitsgründen. Folglich wird
es bevorzugt, zum Beispiel Harnstoff zu verwenden, der beinahe risikolos ist. Ein
anderer Grund für die vorteilhafte Verwendung von Harnstoff ist, dass er zweimal
soviel Stickstoff pro Mol wie die oben erwähnten Ammoniumsalze enthält.
Tatsächlich ist eine wässrige Lösung von Harnstoff ein sehr nützlicher
Stickstoffoxid-Entferner. Harnstoff wird zu einer Lösung von ca. 32,5 Gew.-%
aufgelöst, wobei die Löslichkeit angemessen und die Temperaturstabilität
am niedrigsten (ca. –11°C) ist.
Jedoch besteht in Nordeuropa und kälteren Regionen im Allgemeinen
das Problem, dass die Außentemperatur oft unter –11°C liegt, so
dass es ein offensichtliches Risiko des Gefrierens der Harnstofflösung gibt.
Die Gefrierprobleme können durch Installieren von verschiedenen Temperatur-Fühlern
und (–)Widerständen verringert werden, durch die das Gefrieren hauptsächlich
verhindert wird oder durch die eine gefrorene Harnstofflösung in flüssige
Form zurück gelöst wird.
In der Literatur wird die Verwendung von Ethanol [F.F. Mao et al.
„Urea-ethanolwater solution for diesel NOx control Using Urea", 6th Diesel
Engine Emissions Reduktion (DEER) Workshop August 20-24] und Propylenglykol [Lambert
et al. "Application of Organic Freeze-Point Depressant in Aqueous Urea Solution:
Effect of Nox Reduction", SAE2003-01-0775] als Anti-Gefriermittel von Harnstoffwasserlösung
bei der Reduktion von Stickstoffoxiden von Abgasen in Dieselverbrennungsverfahren
erwähnt. Die Veröffentlichung Nummer US
6 387 336 offenbart, dass es möglich ist, den Gefrierpunkt von Harnstoffwasserlösung
mit Zusätzen, wie z.B. Ammoniumformiat herabzusetzen (Spalte 1, Zeilen 46-60).
Laut der Veröffentlichung sind diese Zusätze jedoch besonders korrodierend,
daher ist ihre Verwendung problematisch. Als ein weiterer Nachteil wird betrachtet,
dass aufgrund des Wassers, das in der Zusammensetzung enthalten ist, die Temperatur
des Abgases sinken wird und damit die Aktivität des Katalysators geschwächt
wird. Daher wird Ammoniak als NOx-Reduktionsmittel in Übereinstimmung
mit der Veröffentlichung verwendet.
Auch selektive nicht-katalytische Reduktion (SNCR-Techniken) wird
verwendet. Zum Beispiel werden in Veröffentlichung Nummer US
5 116 584 besonders die SNCR-Techniken beschrieben. Gewöhnlich wird
eine relativ hohe Temperatur, typischerweise 900 bis 1000°C, bei SNCR-Techniken
verwendet. Veröffentlichung Nummer US 3 900
554 jedoch offenbart ein Verfahren, worin Ammoniak, Ammoniumformiat, Ammoniumoxalat
oder Ammoniumcarbonat als Reduktionsmittel verwendet wird und worin die Temperatur
von Abgasen 704 bis 1093°C beträgt. Veröffentlichung Nummer
US 4 873 066 wiederum offenbart ein SNCR-Verfahren,
worin Triammoniumcitrat oder Ammoniumformiat als Reduktionsmittel verwendet wird,
so dass die Temperatur von Abgasen relativ niedrig sein kann, unter 649°C.
482°C wird als niedrigste Temperatur erwähnt.
Allgemeine Beschreibung der Erfindung
Wie in den unabhängigen Ansprüchen beschrieben, ist nun
ein Verfahren zum Reduzieren von Stickstoffoxiden und die Verwendung einer Zusammensetzung
in dem Verfahren erfunden worden. Die abhängigen Ansprüche
definieren einige bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung.
Die Konzentration von Ammoniumformiat in der Zusammensetzung kann
z.B. 1 bis 60 Gew.-% sein, insbesondere 10 bis 50 Gew.-%, vorzugsweise 35 bis 45
Gew.-%. Die Zusammensetzung kann zum Beispiel eine Lösung oder Dispersion sein.
Die Flüssigkeit in der Zusammensetzung ist gewöhnlich wässrig, zum
Beispiel einfach nur Wasser.
Zusätzlich zu Ammoniumformiat kann die Reduktionsmittelzusammensetzung
ein oder mehrere Reduktionsmittel für Stickstoffoxide enthalten. Das Reduktionsmittel
kann eine insbesondere Ammoniumstickstoff umfassende Verbindung sein, wie z.B. Ammoniak,
Harnstoff, Ammoniumcarbamat, Ammoniumcarbonat, Ammoniumbicarbonat, Ammoniumoxalat
oder Ammoniumhydroxid. Die Konzentration des Reduktionsmittels in der Zusammensetzung
kann zum Beispiel 1 bis 40 Gew.-% sein, vorzugsweise 10 bis 30 Gew.-%. Somit kann
die Konzentration von Ammoniumformiat insbesondere 1 bis 40 Gew.-% sein, vorzugsweise
10 bis 30 Gew.-%. Insbesondere kann Harnstoff verwendet werden.
Die Zusammensetzung kann auch andere notwendige Zusätze enthalten,
wie z.B. Korrosionsschutzmittel, z.B. Alkohol, wie z.B. Propanol oder Propargylalkohol,
oder andere Korrosionsschutzmittel von bekannten organischen Salzen und Säuren,
wie z.B. Sulfoniumverbindungen und Alkylammoniumverbindungen.
Jeder Katalysator, der für SCR-Techniken geeignet ist und bei
besagter Temperatur funktionieren kann und wirksam und haltbar genug bei den Betriebsbedingungen
ist, kann als Katalysator verwendet werden. Zum Beispiel können vorzugsweise
ein V2O5-WO3-, Zeolith- oder V2O5-TiO2-Katalysator
als Katalysator verwendet werden.
Die obere Grenze der Reduktionstemperatur ist 700°C, wie z.B.
550°C, insbesondere 350°C, am meisten bevorzugt 250°C. Die untere
Grenze ist 120°C, wie z.B. 150°C. Der spezielle Vorteil der Erfindung
ist ihre Funktionalität (d.h. nicht nur gute Umwandlung, sondern Gesamtfunktionalität)
bei niedrigen Temperaturen, wie z.B. zwischen 120 und 250°C.
Zusammensetzungen, die ohne Gefrieren selbst bei sehr niedrigen Temperaturen
bestehen bleiben, können gemäß der Erfindung hergestellt werden.
Die Verarbeitung der Zusammensetzung ist daher nicht nur bei der tatsächlichen
Verwendung, sondern auch bei Transport, Lagerung und Lieferung einfacher. Ammoniumformiat
ist wirksam beim Herabsetzen des Gefrierpunkts von zum Beispiel einer wässrigen
Lösung von Harnstoff. Daher hat Ammoniumformiat auch den Vorteil, wie ein Stickstoffoxidreduktionsmittel
zu wirken.
Gemäß der Erfindung kann die Reduktion auch durch sehr gute
Umwandlungen auch bei niedrigen Temperaturen durchgeführt werden. Zum Beispiel,
wenn es zu Harnstofflösung hinzugefügt wird, fördert das Ammoniumformiat
die Umwandlung von NOx bei Temperaturen zwischen zum Beispiel 150 und
550°C, insbesondere zwischen 150 und 250°C. Dies ist besonders nach einem
Kaltstart vorteilhaft, wenn die Temperaturen von Maschine, Abgasen und Katalysator
niedrig sind. Das Verfahren ist zur Verwendung z.B. zum Säubern der Abgase
in einem Dieselverbrennungsverfahren geeignet. Das Verfahren ist besonders zur Verwendung
in Dieselkraftfahrzeugen geeignet. Effizientes Säubern auch bei niedrigen Temperaturen
ist dann besonders vorteilhaft. Zum Beispiel laufen viele Stadtbusse und kleinere
Kraftfahrzeuge über lange Zeiträume bei sehr niedrigen Maschinentemperaturen.
Wenn das Verfahren und die Zusammensetzung gemäß der Erfindung
verwendet werden, hat das Kraftfahrzeug einen Behälter für die Reduktionsmittelzusammensetzung.
Die Zusammensetzung wird durch die Zuführvorrichtung (Pumpe, Rohrsystem, Düsen
usw.) dem SCR-Katalysator in der Abgasleitung zugeführt. Zusätzlich zu
dem SCR-Katalysator kann das System Vor-Oxidations-, Hydrolyse-, und Nach-Oxidations-Katalysatoren
umfassen. Es ist auch gefunden worden, dass bei dieser Art eines Verfahrens die
Verwendung von Ammoniumformiat keine besonderen Korrosionsprobleme verursacht bei
Materialien, die normalerweise bei der Ausrüstung verwendet werden, wie z.B.
bei rostfreiem Stahl und bei Kunststoffen.
Die Erfindung kann auch in der Industrie und in der Energieproduktion,
z.B. in Kraftanlagen und in Brennstoffdampfkesselanwendungen verwendet werden.
Beispiele
Die Erfindung wird unten detaillierter mit Hilfe von Beispielen beschrieben.
Herabsetzen des Gefrierpunktes einer Harnstofflösung
Messungen wurden mit der Absicht durchgeführt, die Funktionsfähigkeit
von Ammoniumformiat als Anti-Gefriermittel einer wässrigen Lösung von
Harnstoff zu bestimmen.
Lösung [Gew.-%]
Gefrierpunkt [°C]
30% Harnstoff
–11
20% Harnstoff + 20% Ammoniumformiat
–26,5
30% Harnstoff + 10% Ammoniumformiat
–21,5
Die Messungen zeigten, dass jedes Mal eine relativ starke Unterkühlung
in den Lösungen auftrat. Die Mindesttemperatur erreichte ca. 5 Grad unter dem
angezeigten Gefrierpunkt. Daher fing zum Beispiel 20% Harnstoff + 20% Ammoniumformiat-Lösung
bei –31°C zu gefrieren an, und nachfolgend stieg die Temperatur auf
–26,5°C an, was dann als der Gefrierpunkt dieser besonderen Lösung
eingetragen wurde.
Für praktische Anwendungen wird ein Gefrierpunkt von –20°C
der Lösung ausreichend sein.
Da eine Unterkühlung im Laufe der Zeit ansteigt, wurden Messungen
durchgeführt, um die Langzeitwirkung von Ammoniumformiat als Anti-Gefriermittel
einer wässrigen Lösung von Harnstoff zu bestimmen. Zur selben Zeit wurde
das Gefrierverhalten eines reinen Ammoniumformiatwassers bei Temperaturen unter
–20°C gemessen. Die Tests wurden durchgeführt in einem Tiefgefrierbehälter,
dessen Temperatur jedes Mal auf das gewünschte Niveau eingestellt wurde.
Lösung [Gew.-%]
Gefrierdauer [Tage] bei einer Temperatur von –22°C
1 Tag
2 Tage
5 Tage
10% Ammoniumformiat
gefroren
–
–
20% Ammoniumformiat
flüssig
flüssig
gefroren
30% Ammoniumformiat
flüssig
flüssig
flüssig
40% Ammoniumformiat
flüssig
flüssig
flüssig
50% Ammoniumformiat
flüssig
gefroren
gefroren
60% Ammoniumformiat
gefroren
gefroren
gefroren
30% Harnstoff + 20% Ammoniumformiat
flüssig
flüssig
flüssig
30% Harnstoff + 30% Ammoniumformat
flüssig
flüssig
gefroren
30% Harnstoff + 2,5% Ammoniumformiat
gefroren
gefroren
gefroren
30% Harnstoff + 5,0% Ammoniumformiat
flüssig
gefroren
gefroren
30% Harnstoff + 7,5% Ammoniumformiat
flüssig
gefroren
gefroren
Als Nächstes wurde die Temperatur des Behälters auf –25°C
herabgesetzt. 30 Gew.-% Ammoniumformiat, 40 Gew.-% Ammoniumformiat und 30 Gew.-%
Harnstoff + 30 Gew.-% Ammoniumformiat blieben noch flüssig.
Die Messungen erlauben die Schlussfolgerung, dass der Gefrierwiderstand
der wässrigen Lösung von Harnstoff sich bereits mit einem Zusatz von 10
Gew.-% Ammoniumformiat nennenswert verbessert. Der Gefrierwiderstand von einer 30
bis 40 Gew.-%igen wässrigen Lösung von Ammoniumformiat ist auch für
praktische Anwendungen ausreichend.
Wirkung auf NOx-Emissionen
Die Wirkung auf Ammoniumformiat (AF) auf das Reduktionsverfahren von
15 Stickstoffoxiden wurde untersucht.
Bei den Tests wurde ein SCR-Katalysator w5935 von Ecocat Oy verwendet,
der ein gealterter (600°C/5h) n 2,4 V2O2-13 WO3/TiO2-SiO2-basierter
Katalysator war. Die Zusammensetzung der Zuführung war: NO 1000 ppm, Harnstoff
oder Ammoniumformiat entsprechend der Ammoniumkonsistenz 1000 ppm, Sauerstoff 10%,
Wasser 8%, der Rest war Stickstoff. Die Betriebsgeschwindigkeit war 25000 h–1.
Die Figuren stellen die Umwandlung von NOx bei verschiedenen Temperaturen
dar. Die erste Figur stellt die Umwandlung von nur Harnstofflösung
und von nur Ammoniumformiatlösung dar. Die zweite Figur stellt zusätzlich
eine Umwandlung von drei Harnstoffammoniumformiatlösungen dar. Die Figuren
zeigen, dass Ammoniumformiat die Umwandlung von NOx verbessert. Die Verbesserung
ist besonders signifikant zwischen 150 und 250°C.