Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Feststellen von kolorektalen
Adenomen und von kolorektalem Krebs und insbesondere ein Verfahren zum Feststellen
solcher Adenome und solchem Krebs unter Verwendung der Protonenmagnetresonanzspektroskopie.
Kolorektaler Krebs ist eine der häufigsten Krebsarten, in den
USA und Kanada mit ungefähr 146.000 neuen Fällen in 1999. Das lebenslange
Risiko, dass ein Individuum in Nordamerika kolorektalen Krebs entwickeln wird, beträgt
ungefähr 5–6 %. Mit kolorektalem Krebs verbundene Symptome, einschließlich
Blut im Stuhl, Anämie, Schmerzen im Unterleib und Veränderung des Eingeweideverhaltens
(„bowel habits"), werden nur offensichtlich, wenn die Krankheit deutlich
vorangeschritten ist. Bekanntlich hängt die Prognose für einen Patienten
großteils vom Stadium der Krankheit zur Zeit der Diagnose ab. Während
die Fünf-Jahres-Überlebensrate für einen Patienten, dessen kolorektaler
Krebs zu einem frühen Zeitpunkt entdeckt wird, 92 % ist, sinkt die Überlebensrate
bei Patienten mit regionaler Ausbreitung auf ungefähr 60 % und bei denen mit
entfernten Metastasen auf ungefähr 6 %. Daher ist es wichtig, die Vorläuferadenome
und Vorläuferkrebszellen so früh wie möglich zu entdecken, um die
Chancen eines erfolgreichen therapeutischen Eingriffs zu erhöhen.
Das „Screening" nach einer Krankheit erfordert, dass die Krankheit
in einem großen Teil der Population verbreitet ist und dass eine frühzeitige
Erkennung der Krankheit die Sterblichkeit verringert und die Lebensqualität
verbessert. Kolorektaler Krebs erfüllt diese Anforderungen (Mandel JS, Church
TR, Ederer F, Bond JH, Colorectal cancer mortality: effectiveness of biennial screening
for fecal occult blond. J Natl Cancer Inst 1999; 91: 434–437 and Mandel JS,
Bond JH, Church TR, Snover DC, Bradley GM, Schuman LH, Ederer F, Reducing mortality
from colorectal cancer by screening for fecal occult blond. Minnesota colon cancer
control study, N Eng J Med 1993; 328; 1365–1371) und ist daher ein idealer
Kandidat für solch ein Programm. Die Entwicklungsgeschichte von kolorektalem
Krebs, nämlich der Verlauf vom Adenom zum Adenkarzinom, der über eine
Zahl von Jahren (5–15) erfolgt, macht es auch zu einem geeigneten Ziel. Die
Kosten-Nutzen-Analyse für die Früherkennung von kolorektalem Krebs wurde
ebenfalls als günstig dargestellt (Bolin, TD. Cost benefit of early diagnosis
of colorectal cancer, Scand J Gastroenterol 1996; 31 Suppl 220: 142–146).
Die Screeningmethode als solche muss auch eine Serie von Kriterien,
wie etwa hohe Sensitivität und Spezifität, geringe Kosten, sichere Durchführung
und Einfachheit, erfüllen. Derzeit werden für diesen Zweck digitale Rektaluntersuchung
(digital rectal examination; DER), Test auf okkultes Blut im Stuhl (fecal occult
blond test; FOBT), Bariumeinlauf und direkte Kolonvisualisierung (Sigmoidoskopie
und Kolonoskopie) verwendet.
DER schließt das Untersuchen des Rektums unter Verwendung eines
Fingers ein. Dieses Verfahren stellt Krebs fest, der ertastet werden kann und in
Reichweite des Fingers ist. Eine negative DER bietet eine geringe Rückversicherung,
dass ein Patient frei von Krebs ist, weil weniger als 10 % von kolorektalem Krebs
mit dem Untersuchungsfinger ertastet werden können.
FORT stellt mit chemischen Mitteln verborgenes Blut im Stuhl fest.
Obwohl es die am wenigsten teure und einfachste Methode ist, hat FORT eine geringe
Sensitivität, eine moderate Spezifität und ist gewöhnlich für
die Früherkennung nicht ausreichend. Gemäß der zur Verfügung
stehenden Daten ist es ein großer Nachteil dieses Verfahrens, dass mehr als
die Hälfte der durch dieses Verfahren entdeckten Krebsgeschwüre, gefolgt
von Röntgenuntersuchung oder Endoskopie, in der Regel über die Grenze
eines frühen Stadiums hinaus ist. Eine falsch positive Rate von 10–12
% wird erwartet, wenn die Patienten bei uneingeschränkter Ernährung untersucht
werden. Einschätzungen der positiven Voraussagewerte reichen von 2,2 bis 50
%. Die Guaiac-Tests haben eine sehr geringe Sensitivität, allgemein etwa 50
% (Ransohoff DF, Lang CA. Screening for colorectal cancer with the fecal occult
blond test; a background paper. Ann Intern Med 1997; 126: 811–822). Die Verwendung
von FORT basiert auf der Annahme, dass kolorektaler Krebs mit Blutungen assoziiert
ist. Jedoch bluten einige kolorektale Krebsarten periodisch und andere überhaupt
nicht.
Ein Bariumeinlauf bringt eine Röntgenuntersuchung der Eingeweide
unter Verwendung eines Kontrastmittels mit sich. Der Einlauf kann ein Einfach- oder
ein Doppelkontrasteinlauf sein. Die wesentlichen radiologischen Anzeichen eines
Malignoms beinhalten Unterbrechungen der Schleimhaut, abrupte Trennung und Schulterbildung
und lokale Läsionen mit scharfer Abgrenzung von nichtbeteiligten Arealen. Die
geschätzte Sensitivität eines Doppelkontrastbariumeinlaufs für Krebs
und große Polypen beträgt nur ungefähr 65–75 % und noch weniger
für kleine Adenome. Ungeachtet seines besseren diagnostischen Ergebnisses hat
der Doppelkontrastbariumeinlauf eine falsch negative Rate von 2–18 %. Darüber
hinaus beinhaltet dieses Verfahren die Belastung mit Strahlung, wobei wiederholte
Anwendung nicht sicher sein mag. Perforation durch Bariumeinläufe ist extrem
selten, aber wenn sie erfolgt, kann sie tödlich sein oder zu schweren Langzeitproblemen
aufgrund des Eindringens von Barium in die Bauchhöhle führen.
Eine Vielzahl von Instrumenten (allgemein als Endoskope bezeichnet)
wird zum Untersuchen der Eingeweide verwendet. Endoskope können starr oder
flexibel mit unterschiedlicher Länge sein. Flexible Sigmoidoskope sind 60 cm
lang. Ein Kolonoskop ist ein 130–160 cm langes flexibles Untersuchungsinstrument
zum Untersuchen des gesamten Darms. Biopsien können von verdächtig aussehenden
Arealen genommen werden, während der Darm durch das Endoskop betrachtet wird.
Die flexible Sigmoidoskopieuntersuchung ist auf die linke Seite des Kolons und des
Rektums begrenzt. Wenigstens ein Drittel der krebsartigen Tumore tritt in Bereichen
nahe der Flexura coli sinistra („splenic flexure") auf, die mit der Sigmoidoskopie
nicht erreichbar ist. Kolonoskopie hat eine hohe Sensitivität und bleibt der
Goldstandard zur Visualisierung des Kolons und dem Feststellen krebsartiger Abnormalitäten.
Jedoch ist sie invasiv, recht teuer und setzt den Untersuchten dem Risiko einer
Perforation der Eingeweide aus. Magnetresonanzspektroskopie (magnetic resonance
spectroscopy; MRS) ist ein Verfahren, dass das Potential hat, kleine und frühe
biochemische Veränderungen, die mit Vorgängen einer Krankheit assoziert
sind, zu erkennen und hat sich als nützlich bei der Untersuchung von Gewebebiopsien
von Krebspatienten erwiesen. (Smith I.C.P, Bezabeh T. Tissue NMR Ex Vivo. In: Young
IR, ed Methods in Biomedical magnetic resonance imaging and spectroscopy, Chichester,
UK; Wiley, 2000: 891-7). Es ist insbesondere nützlich, um kleine mobile chemische
Spezies in einer gegebenen biologischen Probe festzustellen, die von diagnostischem
Interesse sind. Das Erhalten von Gewebeproben für solch eine Untersuchung jedoch
schließt gewöhnlich ein invasives Vorgehen ein.
Es gibt eine Anzahl von zur Zeit verfügbaren Verfahren zum Feststellen
von Krebs in seinen Stadien. Biophysikalische Verfahren wie etwa herkömmliche
Röntgenuntersuchungen, Nuklearmedizin, geradlinige Scanner, Ultraschall, CAT
und MRI, spielen alle eine wichtige Rolle bei der Früherkennung und Behandlung
von Krebs. Klinische Labortests für Tumormarker können ebenso als Unterstützung
in der Früherkennung von Krebs verwendet werden. Tumormarkertests messen entweder
tumorassoziierte Antigene oder andere bei Krebspatienten vorhandene Substanzen,
die bei der Diagnose, der Einteilung in Stadien, dem Krankheitsfortschritt, dem
Überwachen der Antwort auf eine Therapie und dem Feststellen einer wiederkehrenden
Krankheit helfen. Unglücklicherweise weisen die meisten Tumormarkertests keine
ausreichende Spezifität auf, um in kosteneffektiver Weise als Screening-Werkzeuge
verwendet zu werden. Selbst hochspezifische Tests leiden an einem geringen Vorhersagewert,
weil die Prävalenz eines bestimmten Krebs in der Gesamtpopulation relativ gering
ist. Die Mehrzahl von erhältlichen Tumormarkertests ist bei der Diagnose von
Krebs bei Patienten mit Symptomen nicht nützlich, weil erhöhte Mengen
von Markern ebenso in einer Vielzahl von leichten Erkrankungen beobachtet werden.
Der hauptsächliche klinische Wert von Tumormarkern liegt in der Einteilung
von Tumoren nach ihrem Verlauf, Überwachen therapeutischer Antworten, Vorhersagen
der Patientenentwicklung und Feststellen von wiederkehrendem Krebs.
Die US Patente 4,912,050 und
4,918,021, erteilt für E.T. Fossel
am 27. März 1990 und 17. April 1990 offenbaren eine Methode zum Feststellen
von Krebs durch Protonkernmagnetresonanztomographie (nuclear magnetic resonance;
NMR) von Blut, Blutserum oder Blutplasma. US Patent
Nr. 5,261,405, erteilt für denselben Erfinder am 16. November 1993,
beschreibt eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Automatisieren dieses Prozesses.
US Patent Nr. 5,318,031, erteilt für
Mountford et al. am 7. Juni 1997, beschreibt ein Verfahren zum Bestimmen chemischer
Zustände von lebenden Tieren oder menschlichem Gewebe unter Verwendung eindimensionaler
NMR und 2D-COSY (zweidimensionale Korrelations) NMR Spektroskopie und Vergleichen
der gemessenen Werte mit Referenzmessungen von normalem, abnormalem und Übergangszustandsgewebe.
C. L. Lean et al. (Magn Reson Med 20: 306–311, 1991; Biochemistry
3: 11095–11105, 1992 and Magn Reson Med 30: 525–533, 1992) beschreiben
die Verwendung von Magnetresonanzspektroskopie, um Kolonzellen und Gewebeproben
zu untersuchen.
Jedoch besteht noch immer ein Bedarf an einem kostengünstigen
nicht-invasiven Verfahren zum Feststellen von kolorektalem Krebs und kolorektalen
Adenomen. Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein relativ einfaches, nicht-invasives
Verfahren zum Feststellen kolorektaler Adenome und von kolorektalem Krebs bereitzustellen,
das die oben definierten Kriterien von hoher Sensitivität und Spezifität,
geringen Kosten und sicherer Durchführung erfüllt.
Die internationale PCT Veröffentlichung Nr. WO
02/12879 A2 am 14. Februar 2002 beschreibt ein Verfahren zum Feststellen
der Anwesenheit von kolorektalen Adenomen und kolorektalem Krebs in einem Patienten
mit den Schritten Unterwerfen einer Stuhlprobe eines Patienten der Magnetresonanzspektroskopie;
und Vergleiches des resultierenden Spektrums mit den Magnetresonanzspektra von Stuhl
von nicht von Krebs betroffenen Subjekten, wobei die beobachteten Unterschiede in
den Spektren indikativ für Krebs oder klinisch signifikante Adenome sind.
Das Durchführen der Spektralanalyse von menschlichem Stuhl bietet
gegenüber anderen Verfahren einen deutlichen Vorteil, weil
das Aufnehmen der Probe nicht-invasiv ist und kein Risiko für den Patienten
darstellt. Darüber hinaus ist vor der Analyse keine besondere Verarbeitung
der Probe erforderlich.
Eine Alternative zu dem in der oben genannten PCT Veröffentlichung
beschriebenen Verfahren, bei der eine flüssige Suspension der Stuhlprobe der
Magnetresonanzspektroskopie unterworfen wird, wurde durch den Erfinder der vorliegenden
Erfindung entwickelt. Der Grundgedanke hinter diesem neuen Verfahren ist derjenige,
dass die diagnostischen Marker in einer Probe mehr als wahrscheinlich kleine, wasserlösliche
Spezies sind.
Speziell stellt die vorliegende Erfindung ein Verfahren zum Feststellen
des Vorhandenseins von kolorektalen Adenomen und kolorektalem Krebs bei einem Patienten
bereit, bei dem eine Stuhlprobe eines Patienten Gegenstand der Magnetresonanzspektroskopie
ist und das resultierende Spektrum mit den Magnetresonanzspektren von nicht an Krebs
erkrankten Patienten verglichen wird, wobei beobachtete Unterschiede in den Spektren
indikativ für Krebs oder klinisch signifikante Adenome sind, dadurch gekennzeichnet,
dass die Stuhlprobe des Patienten mit einem Puffer zum Bilden einer flüssigen
Suspension gemischt wird und die Suspension zentrifugiert wird, um einen Überstand
zu erhalten, der der Magnetresonanzspektroskopie unterworfen wird.
METHODE
Eine Zentrifuge wurde verwendet, um Überstandsproben aus dem
Stuhl der Patienten zu präparieren. Der Stuhl wurde homogenisiert und dann
heruntergedreht. Wie oben erwähnt, besteht der Grundgedanke, dass die diagnostischen
Marker in der Probe mehr als wahrscheinlich kleine, wasserlösliche Spezies
sind. Vom Überstand wird angenommen, dass dieser die diagnostische Information
enthält und die Spektren durch Beseitigung fester Materie verbessert werden.
Die verwendeten Stuhlproben waren diejenigen, die in der oben genannten
PCT Veröffentlichung WO 02/12879 A2
beschrieben sind, i. e. Stuhlproben von Personen, die für Kolonoskopie oder
Operation vorgesehen waren. Sogenannte „Normal-Proben" schließen diejenigen
von Personen mit einem Zustand des Darms ein, der nicht krebsartig ist. Beispiele
sind Divertikulose, hyperplastische Polypen und innere Hämorrhoiden.
PROBENPRÄPARATION
Speziell wurde eine homogenisierte Rohstuhlprobe einer –70°
C Tiefkühltruhe entnommen und für ungefähr 14–15 Minuten in
eine Sterilbank („biohood") (bei Raumtemperatur) gestellt. Während dieser
Zeit taute die Probe nicht vollständig auf, aber wurde etwas weicher und ein
kleines Stück konnte leicht abgeschnipselt werden. Ungefähr 2 g der Probe
wurden unter Verwendung eines Spatels entnommen und in ein kleines Glasgefäß
gebracht. Nach vollständigem Auftauen wurden 6 ml PBS/D2O Puffer
zum Gefäß hinzugegeben, wodurch ein Verhältnis von Puffer zu Stuhl
von ungefähr 3:1 entstand. Die Suspension wurde dann (unter Verwendung von
Vortex-2 Genie) für 2 Minuten bei einer Geschwindigkeit von 5 gemischt (gevortext).
Die Suspension wurde in mehrere 1,5 ml Zentrifugenröhrchen gegossen und für
3 Minuten in einer Labortischzentrifuge (Biofuge Pico) bei 3200 UpM zentrifugiert.
Der Überstand wurde sorgfältig abgenommen und in 3–4 Kryogefäßen
gesammelt und in einer –70°C Tiefkühltruhe eingefroren.
Nach einem Gefrierzeitraum von wenigstens 12 Stunden wurden die Gefäße
herausgenommen und in eine Sterilbank gestellt. Nachdem eine Probe vollständig
aufgetaut war, wurden 600 &mgr;l entnommen und in ein 5 mm NMR Röhrchen überführt
(das bereits 50 &mgr;l TSP/D2O enthielt). Das TSP wurde als eine chemische
Verschiebungsbezugsgröße (0 ppm) und zum Abgleich der Spektren während
der Datenvorverarbeitung verwendet.
MRS EXPERIMENTE
Alle Proben wurden mit einem Avance 360 Spektrometer (Bruker Instruments)
ohne Drehen ausgeführt. Ein Standard wurde jeden Morgen vor den aktuellen Proben
ausgeführt, um sicherzustellen, dass das Spektrometer richtig arbeitet. War
dies geschehen, wurde die Probe in den Magneten eingeführt und die Zeit notiert.
Die Temperatur wurde auf 298 K gesetzt und die Verriegelung auf das Deuteriumsignal
ausgeführt (Verriegelungskraft = –20dB, Phase = 113,5, Verstärkung
= 100). Manueller Ausgleich wurde ausgeführt mit dem Fokus auf Z, Z2,
Z3, X und Y. Der Sondenkopf wurde dann abgestimmt und angepasst. Ein
neues Experiment wurde für jede Probe geschrieben und darauf wurden die Erfassungsparameter
eingestellt. Wassersuppression wurde durch Verwendung der Vorsättigungsmethode
(„presaturation technique") ausgeführt. Die Linienbreite und O1 (Wasserfrequenz)
wurden für jedes Experiment notiert.
Die Erfassungsparameter waren: Pulsprogramm Zgpr, Temperatur, TE =
298 K; Senderfrequenz, SF01 = 360,3316979 MHz, Anzahl von Scans, NS = 32; Dummy
Scans, DS = 2; 90 Grad Pulsbreite, P1 = &mgr;sec; Vorsättigungsenergiegrad,
PL9 = 40 dB; Zeitbereichsdatenpunkte, TD = 16K; Größe des tatsächlichen
Spektrums, SI = 16K; Interscan Verzögerung, D1 = 3,0 sec; Spektralbreite, SW
= 4990,02 Hz; Erfassungszeit, AQ = 1,64; Verzögerungszeit, D9 = 60 ms.
DATENVERARBEITUNG
Insgesamt wurden bis heute 271 Proben (MR Spektren) vollständig
analysiert unter Verwendung der dreistufigen statistischen Klassifikationsstrategie.
Zweihundertfünfundvierzig von diesen (147 normal, 98 Krebs und/oder Adenome)
wurden (im Trainingssatz) verwendet, um die Klassifizierer zu entwickeln. Die insgesamte
Genauigkeit der Trainingsdaten (einschließlich Fuzzy Klassifikationen) war
87 %. Die insgesamte Genauigkeit des Validierungssatzes (n = 26; 11 normal und 15
Krebs/Polypen) war 88,5 %. Die Sensitivität war 93,3 % und die Spezifität
war 81,8 %.
In der oben genannten dreistufigen statistischen Klassifikationsstrategie
ist die erste Stufe ein Vorverarbeitungsschritt, der sich für eine zuverlässige
Klassifizierung als essentiell erwiesen hat. Er besteht aus Auswählen einiger
maximal diskriminatorischer Teilregionen aus den Spektren unter Verwendung eines
optimalen Regionsauswahlalgorithmus (optimal region selection; ORS) basierend auf
einer von einem Genetischen Algorithmus (GA) angetriebenen Optimierungsmethode (Nikulin
A E, Dolenko B, Bezabeh T, Smorjai R L, NMR in Biomedicine 11, 209–217 (1998)
„Near-optimal region selection for feature space reduction: Novel preprocessing
methods for classifying MR Spectra". Bezabeh, T et al. The use of 1H
Magnetic Resonance Spectroscopy in Inflammatory Bowel Disease, Am. J. Gastroenterol
2001; 96:442-448 and Somorjai, R.L. et al, Distinguishing Normal from Rejecting
Renal Allographs; Application of a Three-Stage Classification Strategy to MR and
IR Spectra of Urine, Vibrational Spectroscopy 28 (1) 97–102 (2002)). Für
die Verlässlichkeit der Klassifikation sollte die Anzahl dieser Subregionen
in einer Größenordnung kleiner als die Anzahl der zu klassifizierenden
Proben sein. Um zu sehr optimistische Klassifizierungsergebnisse zu vermeiden, die
ein direkter Resubstitutionsansatz liefern würde, entwickelten die in der oben
genannten PCT Veröffentlichung WO 02/12879
A2 genannten Erfinder eine Vergleichsprüfung unter Verwendung einer
Bootstrap-Methodik.
Das Bootstrap-Verfahren teilt die Daten (mit Ersetzungen) wiederholt
in ungefähr gleich große zufällige Trainings- und Testuntersätze
auf. Für jeden der zufälligen Trainingsuntersätze wird ein optimaler
Klassifizierer gefunden und dessen Genauigkeit anhand des zufälligen Testuntersatzes
validiert. Dieser Vorgang wird eine Anzahl wiederholt (1000 Mal bei der am wenigstens
kritischen ORS Präprozessierungsstufe, 5000 Mal für den endgültigen
Klassifizierer). Wurden die optimalen Subregionen einmal identifiziert, findet die
zweite Stufe den letzten Klassifizierer als das gewichtete Mittel der Klassifiziererkoeffizienten
der 5000 individuellen Komponentenklassifizierer. Diese Herangehensweise verwendet
effektiv alle n Proben. Ein standardmäßiges multivariates statistisches
Verfahren, Lineare Diskriminanzanalyse (LDA) ist die Wahl für alle Klassifizierer
in allen Stufen aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Robustheit. Das Konzept der Festigkeit
(„crispness") eines Klassifizierers wird auch verwendet, weil die Klassifizierer
Klassenwahrscheinlichkeiten produzieren. Eine 2-Klassenklassifikation einer Probe
wird fest („crisp") genannt, wenn die Klassen-Zuordnungswahrscheinlichkeit
für diese Probe größer als 75% ist.
Für schwierige Klassifizierungsprobleme besteht eine dritte Stufe
aus dem Kombinieren der Ergebnisse mehrerer Klassifizierer über Aggregationsverfahren
(computerisierte Consensus-Diagnose, CCD) in einem Gesamtklassifizierer, der mehr
zuverlässig und genauer als die individuellen Klassifizierer ist. Die speziell
verwendete Klassifiziereraggregation ist Wolperts Gestapelter Generalisierer (Wolpert's
Stacked Generalizer; WSG). WSG verwendet die von den individuellen Klassifizierern
erhaltene Ausgabe-Klassenwahrscheinlichkeiten als Eingangsmerkmale für den
letzten Klassifizierer. Für 2-Klassen-Probleme ist die Zahl von Merkmalen 1
pro Klassifizierer (mit K-unabhängigen Klassifizierem ergibt dieses K Wahrscheinlichkeiten
als Eingabemerkmale). Die Gesamtklassifizierungsqualität ist generell höher.
Die Festigkeit der Klassifizierer ist immer größer. Dieses ist in einer
klinischen Umgebung wichtig, weil weniger Patienten wiederholt untersucht werden
müssen.
Die multivariate Analyse der eindimensionalen Spektren ist besonders
erfolgreich für Krebsbiopsien (Somorjai, R. et al, J Mag Reson Imaging 6, 437
(1996)). Diese Spektren benötigen nur Minuten zur Aufnahme, bieten eine große
Vielfalt von Datenpunkten und können automatisch analysiert werden, wenn der
diagnostische Algorithmus gesichert ist.