Bei der Erfindung handelt es sich um ein Verfahren zur
Separation von Wasser oder anderen hydrophilen Substanzen aus Ölen, Fetten
oder anderen lipophilen Substanzen mittels Membranen und einer Vorrichtung hierzu.
Im täglichen Leben und in der Produktion treten an
vielen Stellen Emulsionen auf. Dabei kann es sich sowohl um lipophile Tröpfchen
(z.B. Öle) in Wasser, als auch hydrophile Stoffe (insbesondere Wasser) in einer
lipophilen Phase (z.B. Öl) handeln. Das häufigste Beispiel für den
erstgenannten Fall sind Öl/Wasser-Emulsionen. Das im Alltag bekannteste Beispiel
ist die Milch. Öl bzw. Fett sind im Wasser als so kleine Tröpfchen verteilt,
dass diese als stabile Emulsion wie eine homogene Phase erscheint.
Für das "Brechen" derartiger Emulsionen, d.h. das
Trennen der lipophilen von der hydrophilen Phase haben sich in der Praxis eine Reihe
von Verfahren etabliert. Die bekanntesten Verfahren nutzen die Fliehkraft. Hierzu
gehören die Zentrifuge, insbesondere der Tellerseparator, mit dem das Fett
von der wässrigen Phase getrennt wird. Investitionen und Energieaufwand hierfür
sind allerdings sehr hoch.
Für höher konzentrierte und vor allem für
durch grenzflächenaktive Stoffe (so genannte Tenside) stabilisierte Emulsionen
werden auch thermische Verfahren (z.B. Vakuumverdampfer) eingesetzt. Der Energieaufwand
hierfür ist allerdings in der Regel noch höher als bei Fliehkraftabscheidern,
was bei steigenden Energiekosten zur Suche nach Alternativen geführt hat.
In den letzten Jahren kommen daher verstärkt Mikrofiltrations-
und Ultrafiltrationsmembranen für die Phasentrennung zum Einsatz.
Dabei wird die zu spaltende Emulsion mit einer relativ
hohen Geschwindigkeit (ca. 1-3 m/s) tangential an einer porösen Membran entlang
geführt. Wählt man den Porendurchmesser so, dass er deutlich kleiner als
der kleinste Tröpfchendurchmesser der hydrophilen Phase ist und erzeugt - z.B.
mit einer Drossel - einen entsprechenden Druck, so wird die wässrige Phase
als Permeat durch die Membranporen gepresst, während die zurückgehaltene
hydrophobe Phase aufkonzentriert wird, wodurch die
Tröpfchengrößel wächst.
Allerdings nimmt bei diesem Verfahren der zur Filtration
notwendige Druck und damit der Energieaufwand mit zunehmender Ölkonzentration
sehr schnell zu, so dass es bei einem Ölanteil von etwa 20% unwirtschaftlich
wird. Es muss also ein Verfahren, wie Zentrifugation oder Verdampfung nachgeschaltet
werden.
In
DE 102 15 802.9-09
wird daher vorgeschlagen, den Membranmodul zur Abtrennung der wässrigen
Phase einen so genannten Koaleszenzfilter - Koaleszer genannt - nachzuschalten.
Unter Koaleszenzfilter wird dabei ein Apparat mit einer sehr großen hydrophoben
Oberfläche verstanden. Unter einer hydrophoben Oberfläche soll im Folgenden
eine Oberfläche (1) definiert sein, auf der ein Wassertropfen (2) gemäß
Figur 1 einen Winkel von ϕ > 90° bildet. Umgekehrt ist für einen
Öltropfen bei gleicher Oberfläche ϕ << 90°. Das führt
dazu, dass der Öltropfen beim Entlangwandern auf dieser Oberfläche wächst.
Ist die Oberfläche eines solchen Koaleszenzfilters ausreichend groß und
die Menge an die Emulsion stabilisierenden Tensiden gering, so scheiden sich in
einem nach geschalteten "Beruhigungsbecken" die beiden Phasen der Art, dass die
hydrophobe Phase auf der wässrigen Phase oben auf schwimmt und geskimmt werden
kann.
Die benötigte hydrophobe Oberfläche wird in der
Regel durch eine Kugel-, Schwamm- oder Faserstruktur erzeugt. Für die Letztgenannte
wird auch gelegentlich der Begriff "Kontaktor" gebraucht.
In der
DE 29 00 764 C2
wird ein Verfahren zum Abtrennen von Öl aus einer stabilen, ölhaltigen
Emulsion unter Verwendung einer Membran beschrieben, die aus Polymeren bzw. Polymermischungen
besteht, die ein kritische Oberflächenspannung von weniger als 35mN/M. Filtriert
man durch solche Membranen Öl-Wasser-Emulsionen, so tritt bevorzugt Öl
durch die Membran, während Wasser bevorzugt zurückgehalten wird. Die Selektivität
für das jeweilige Öl richtet sich dann nach der sich ergebenden Grenzflächenspannung,
ist also dadurch begrenzt.
Auch in der
DE 43 00 438 C1
wird ein Verfahren zur Trennung von ÖI/Wasser-Gemischen an porösen
Membranen in Form eines Crossflow-Moduls beschrieben, wobei der Strömungskanal
so ausgebildet ist, dass die eine Seite des Kanals eine hydrophile, die andere eine
hydrophobe Membran besitzt, so dass die erstere vorzugsweise Wasser, die zweite
vorzugsweise Öl permeieren lässt. Die Selektivität der Membranen
ist also ebenfalls sehr begrenzt und hängt von den jeweiligen Komponenten des
ÖI/Wasser-Gemisches ab.
Im
US-Patent US 4,886,603 A
wird ein Apparat zur kontinuierlichen Trennung von Wasser plus wasserlöslichen
Substanzen von Kohlenwasserstoffen und halogenierten Kohlenwasserstoffen, bei dem
nacheinander zunächst über eine Membran, die Wasser bevorzugt hindurch
lässt, und anschließend über eine Membran, die Kohlenwasserstoffe
bevorzugt hindurch lässt, filtriert wird. Aber auch hier reicht die Selektivität
der beiden Membranen nicht aus, um eine vollständige Trennung, d.h. eine reine
wässrige und eine reine Kohlenwasserstoffphase zu erzielen.
In der Veröffentlichung von ORLICH,B. UND SCHOMÄCKER,
R. (Die Ultrafiltration von w/o-Mikroemulsionen in der
Biokatalyse, Chemie Ingenieur Technik 71 (1999; 156-158
) wird von der kontinuierlichen Abtrennung der organischen Phase aus einer
in einem Bioreaktor befindlichen Emulsion berichtet, wobei es sich dabei um inverse
Mizellen sowie darin befindliche Enzyme handelt. Um die für die Mizellenbildung
notwendigen Tenside abzutrennen und wieder zu verwenden, wurde eine Ultrafiltrationsmembran
aus Polyamid auf einer porösen Polyethylenfolie mittels den Schritten Konditionieren
aus Wasser, Isopropanol, Cyclohexan so eingestellt, dass sie das Tensid durchlässt.
Eine besondere Selektivität für eine bestimmte lipophile Phase ist nicht
erforderlich.
Dies ist aber das Ziel der vorliegenden Erfindung.
Es ist einleuchtend, dass die eingangs erwähnte Abtrennung
der wässrigen Phase mittels tangential angeströmter Mikrofiltrations-
und Ultrafiltrationsmembran - das Verfahren wird auch "Cross-Flow-Filtration" genannt
- bei gleichen Drücken höhere transmembrane Flüsse erlaubt, wenn
das Membranmaterial hydrophil ist (d.h. ϕWasser << 90°).
Daher werden hydrophobe Membranmaterialien durch Oberflächenmodifikation
hydrophilisiert. Ein Beispiel hierfür sind Polypropylen-Hohlfasermembranen,
die vor ihrem ersten Einsatz z.B. in Methanol eingelegt werden. Aber auch wenn sie
nicht hydrophilisiert sind, lassen diese Membranen, wenn auch mit geringerer Permeabilität
- darunter versteht man den Fluss in Liter pro m2, Stunde und bar - Wasser
durch.
Überraschend wurde nun festgestellt, dass eine solche
hydrophobe Membran, wenn sie zuvor für einige Stunden in Öl oder einer
anderen lipophilen Phase gelagert wurde, bei einer Öl/Wasseremulsion ausschließlich
das Öl bzw. die lipophile Phase einer Emulsion passieren lässt. Das Wasser
wird hingegen vollständig zurück gehalten. Offensichtlich ist dabei die
Bedingung ϕ > 90° wichtig.
Bei der Untersuchung, wie die Permeabilität für
Öl bzw. eine sonstige lipophile Phase von der Konzentration im Wasser abhängt,
wurde - beispielhaft für Sonneblumenöl / Wasser gemessen - der in Figur
2 dargestellte Zusammenhang Permeabilität als Funktion des Ölgehalts der
Emulsion gefunden.
Man erkennt, dass bei einem Ölanteil in Wasser <
10% - das sind die Konzentrationen der technisch am häufigsten verwendeten
Emulsionen - die Permeabilität für Öl außerordentlich gering
ist.
Dies ist offensichtlich der Grund, warum dieser Effekt bisher nicht entdeckt bzw.
technisch genutzt wurde.
Umgekehrt zeigt Figur 2, dass z.B. bei einem Ölanteil > 50% die Permeabilität
sehr hoch ist.
Es wurde ein weiterer überraschender Effekt gefunden: Auch wenn nur geringe
Mengen Wasser - oder allgemeiner hydrophiler Substanzen - in Öl emulgiert sind,
werden diese von der hydrophoben Membran - bis auf den gelösten Anteil - vollständig
zurück gehalten.
Im folgenden soll dies mit Applikationsbeispielen belegt
werden.
1. Reinigung von Speiseölen
Zur Herstellung von pflanzlichen Speiseölen werden
die ölhaltigen Früchte oder Samen gepresst und - zur Abtrennung von Feststoffen
- grob vorfiltriert. Das Öl ist trüb, wegen der Anwesenheit von Schleimstoffen
und Phospholipiden. Diese werden im Raffinationsprozess entfernt. Dabei wird dem
Öl eine geringe Menge (2% - 5%) Wasser als Extraktionsmittel zugegeben und
es auf 90° C erhitzt. Dabei reichern sich die Schleimstoffe und Phospholipide
in Form von Mizellen an der Phasengrenze Öl/Wasser an. Sie wurden bisher durch
Zentrifugation abgetrennt.
Es konnte nunmehr gezeigt werden, dass erfindungsgemäß
diese wasserlöslichen Stoffe mittels hydrophober Mikro- oder Ultrafiltrationsmembran
abgetrennt werden konnten.
Überraschend wurde dabei gefunden, dass das Öl
bei der Zugabe von Wasser nicht mehr auf 90° C erhitzt werden muss, sondern
dass bei Zugabe von geringen Mengen Wasser (ca. 10 - 20%) und intensivem Durchmischen
eine Öltemperatur von 35° C ausreicht, um die Schleimstoffe und Phospholipide
mittels hydrophober Mikrofiltrations- oder Ultrafiltrations-Membran praktisch vollständig
abtrennen.
2. Reinigung von Biodiesel
Bei der Herstellung von Biodiesel werden die Triglyceride,
aus denen natürliche Pflanzenöle bestehen, durch Zugabe von Alkohol (in
der Regel Methanol) und eines Katalysators umgewandelt in Fettsäureester (Biodiesel)
und Glycerin. Anschließend müssen die Ester vom Glycerin/Wasser getrennt
werden. In einem nachfolgenden Produktreinigungsschritt wird nochmals Wasser dem
Biodiesel zugemischt und anschließend wieder abgetrennt. Alle Trennschritte
werden bisher mittels Dekanter oder Zentrifugen durchgeführt.
Auch hier gelingt erfindungsgemäß die Abtrennung
der Ester vom Glycerin-/ Wassergemisch über hydrophobe Membranen.
3. Abtrennung lipophiler Produkte aus dem Bioreaktor
Einige Biokatalysatoren (Enzyme und Mikroorganismen) wandeln
lipophile Substrate wiederum in lipophile Produkte um. Um den Mikroorganismen das
Substrat zugänglich zu machen, wird es in einer lipophilen Phase gelöst
und diese als Emulsion in den Bioreaktor eingetragen. Die Mikroorganismen bzw. Enzyme
wandeln das Substrat in ein Produkt um, das wiederum in der lipophilen Phase gelöst
wird. Trägt man daher die Emulsion zyklisch aus dem Bioreaktor aus und führt
sie gemäß Figur 3b durch einen Mikro- oder Ultrafiltrations-Membranmodul,
so wandert die lipophile Phase einschließlich Produkt durch die Poren der hydrophoben
Membran. Mittels Extraktion (z.B. überkritische CO2-Extraktion)
kann das Produkt von der lipophilen Phase getrennt und diese wiederum mit Substrat
beladen in den Bioreaktor zurückgeführt werden.
Die Konstruktion der Vorrichtung zur erfindungsgemäßen
Entfernung von Wasser bzw. hydrophilen Substanzen aus Öl bzw. lipophilen Substanzen
hängt von der Konzentration ab.
In Figur 3 sind daher zwei Varianten dargestellt.
Für die Entfernung geringer Konzentrationen von Wasser
bzw. hydrophiler Substanzen aus der lipophilen Phase, wie im Beispiel 1, empfiehlt
sich eine Dead End-Filtration und damit eine Vorrichtung gemäß Figur 3a.
Hier tritt die Emulsion über den Einlass (1) in das Modulgehäuse (2),
das über eine Platte (4) druckdicht verschlossen ist. Erzeugt man einen Druck,
so permeiert die gereinigte lipophile Phase durch die hydrophobe Membran (3). Sie
wird über den Auslass (5) ausgetragen. Die von der Membran zurück gehaltene
hydrophile Phase, die auch die wasserlöslichen Verunreinigungen enthält,
wird über das Ventil (6) aus dem Modul entfernt.
Bei hohen Konzentrationen an Wasser, wie im Beispiel 3 sollte eine Cross Flow-Filtration
und damit eine Vorrichtung gemäß Figur 3b gewählt werden.
Die Emulsion tritt wieder bei Einlass (1) in das Modulgehäuse (2), das durch
eine druckdichte Platte (4) verschlossen ist. Unter dem sich aufbauenden Druck permeiert
die lipophile Phase durch die hydrophobe Membran und wird bei den Auslässen
(5) ausgetragen. Die hydrophile Phase einschließlich der Verunreinigungen wird
über (6) aus dem Modul entfernt.
Die Durchströmung des Membranmoduls der Gestalt, dass die Emulsion im Außenraum
geführt wird und die lipophile Phase die Hohlfasermembran - wie in Figur 3
gezeigt - von Außen nach Innen permeiert, wurde in den vorliegenden Fällen
wegen der hohen Viskosität der Emulsion gewählt. Sind Emulsionen und lipophile
Phase niedrig viskos oder verwendet man statt Hohlfasern Rohrmembranen (∅
einige mm), dann kann die Durchströmung analog Figur 3b umgekehrt werden, d.h.
die Emulsion strömt durch die Rohrmembranen und die lipophile, von Wasser befreite
Phase verlässt den Modul über das Gehäuse.